Ausgabe 
20.2.1904 Erstes Blatt
 
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Nachdem von Ihnen in der Versammlung am 23. vorigen Monats( Januar) eine Erklärung dahin abgegeben worden ist, daß Sie bei Ausstellung der Vollmacht für Herrn Landtagsabgeordneten Jouß und bei dem erfolgten Uebernehmen der Kosten der Vorarbeiten von einer durch Herrn Jouh selbst veranlaßten irrtümlichen Voraussetzung ausgegangen sind, besteht für Sie, zumal auch die erforder­liche Zustimmung Ihres Gemeinderats seitens des Herrn Jout nicht eingeholt worden ist, feine Veranlassung, einen bei Ihnen zur Anforderung gelangenden Kostenanteil für das von Herrn Jouß veranlaßte Bahnbauprojeft auszuzahlen. Von Aussichtswegen beanstanden wir daher die unterm 19. Oftbr. v. Js. von Ihnen unterzeichnete Vollmacht, sowie die unter demselben Datum erfolgte Kostenübernahme und weisen Sie demgemäß an, von jeder Beitragsleistung an Herrn Jout vorerst Abstand zu nehmen. J. V.: Dr. Kranzbühler." In der Angelegenheit Jouß und dem Bahnbau Grünberg­Lich kann man wohl auch mit Recht sagen: Gott bewahre uns vor unseren Freunden, vor unseren Feinden können wir uns selber schüßen".

Lokales.

20. Februar 1904. ** Wegen Raummangel mußten einige lokale Sachen, der Stadtverordneten Bericht und der Protokollauszug der Handelskammer zurückgestellt werden.

§ Diphteritis, Masern und Röteln treten in der Umgegend von Gießen in solch großer Zahl auf, daß in verschiedenen Orten die Schulen geschlossen wurden und auch schon mehrere Kinder an den Krank­heiten gestorben sind.

** Siegrid Arnoldson Konzert. Die schwedische Nachtigall, wie die Sängerin Mdn. Arnoldson genannt wird, geht ein guter Ruf voraus, es war daher nicht so sehr zu verwundern, daß das Gießener Konzert­publifum die Gelegenheit, die berühmte Sängerin zu hören, sich nicht entgehen ließ; der Klubsaal war völlig ausverkauft. Eine Kritik der Leistungen der Sängerin wollen wir den Besuchern des Konzerts überlassen, da der Ruf den die Tame befißt, über einer Kritik steht. So viel sei jedoch

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gesagt, daß nicht nur die Sängerin, sondern auch ihr Be-| gleiter, Professor Georg Adler aus Frankfurt a. Main, auf dem Klavier die Sängerin unvergleichlich unterstützte und mit seinem Spiel das Publikum für sich in erhöhtem Maße einzunehmen verstand.

× Wazenboru Steinberg. Mit offener roter Fahne wollte der Hesige Arbeiterverein am Montag an der Beerdigung eines Mitgliedes teilnehmen; da der Pfarrer sich indes weigerte, dann eine kirchliche Handlung vor­zunehmen, sah der Verein auf Bitten der Angehörigen des Verstorbenen von der beabsichtigten Beteiligung ab.

+ Wetzlar, 19. Febr. Es wird beabsichtigt hier ein Volksbad zu errichten. Für die Baukosten sind110000 Mk. vorgesehen; 20000 Mt. wollen die Buderus'schen Eisenwerke dazu zur Verfügung stellen.

+ Hartmannshain, 19. Febr. Nachdem der frühere Aussichtsturm auf der Herchenhainerhöhe durch einen Sturm zerstört wurde, soll noch in diesem Jahre ein neues Gerüst erbaut werden.

(:) Staufenberg, 19. Febr. Am 3. und 4. Juli feiert der Gesangberein Staufenberg" sein 25 jähriges Bestehen. Mehrere Gründer des Vereins die ihm noch heute angehören, sollen zu Ehrenmitgliedern ernannt werden.

Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Aufgebotene.

Am 14. Febr. Ludw. Hofmann, Fuhrm. dah. m. Marie Zintel, geb. Lauckel hiers. Am 15. Hrch. Blum, Megger dah. m. Christina Elisa Schmitt hiers. Am 18. Reinhard Martin Rau, Maschiuist dab. m. Luise Klingelmeier hiers. Am 19. Hrch. Loz, Tapezierer dah. m. Juliane Marie Schmidt hiers.

Geborene.

Am 7. Febr. Dem Former Adam Weber eine Tocht., Minna Elisab. Kathar. Margar. Hermine. Am 11. Dem Lehrer am Realgymnasium Gg. Karl Schuchmann ein Sohn, Friedr. Karl Aug. Am 13. Dem Universitätsprof. Dr. Wilhelm v. Calfer eine Tochter, Charl. Anna Sophie. Am Dem Karussel­14. Dem Kaufm. Rob. Hasse eine Tocht.

besitz. Rud. Winter eine Tocht., Mar. Wilhelm. Anna. Am 15. Dem Futtermstr. Roman Wittowsfi eine Tocht., Gertrude Jose fa. Tim Küchenchef Mathias Amode ein Sohn. Am 17. Dem städt. Etraßenw. Karl Weller ein Sohn. Gestorbene.

Am 13. Febr. Minna Seng, geb. Köhler, 27 J. alt, Chefr. des Kusm. Ga. Emil Sing dah. m 13. Ditilie Christ. Lna Walzer, 5 Wite. alt, Tocht. des Schneiders Joh. Wilt. Balzer dah. Am 15. Marie Erb, geb. Löber, 65 J. alt, Chefr. des Schuhmachermstrs. Jean Erb dah.

Wilh. Hrch. Karl Röder, 3 J. alt, Sohn der Auguste Röder dah. Am 19. Joseph Stern, 80 J. alt, Privat­mann dah.

Martiberichte.

Gicken, 20. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarti tofieten Butter per Pfd. 0 95-100 Mt., Hühnereter 2 Stück 12-14 Bfg., Enteneier St. 8 Pfg., Raje per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Big., Tauben per Baar . 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd C.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Bfb. 65-70 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 62-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 60-70 Bfg. Schweine­fletsch gesalzen per Pfund 0.80 Bfg., Kalbfleisch per Bfd. 70-78 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Bfg. Kartoffeln pro 100 Kilo 5.50 6.00 m., Zwiebeln ver 3t. Mt. 7.00-10 00, Aepfel per Gentner 20-25 Mr. Milch ver Liter 18 Bfa. Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhand nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Um­herziehen feilgeboten werden.

Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den Gerichts." und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann

Bekanntmachung.

Die Löwengasse wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Montag, den 22. d. Mts. bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrrad- Verkehr gesperrt.

Gießen, den 20. Februar 1904. Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler.

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