Telefon 276.
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( ,, Rasseler Tageblatt".
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( Dr. Albert Bririus.)
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„ Na, allein geh' ich nicht!" sagte der Fettwarenhändler.
„ Ich auch nicht!" stimmte ihm Reißer bei.
"
Wenn Reißer mitgeht, ja, sonst nicht!" sagte der Erste
wieder.
Du hörst doch, daß das Kontor doppelt besetzt sein muß!" rief Reißer.
,, Na, ich geh' eben nicht allein!" fuhr Mager dazwischen. Also, du verweigerst den Gehorsam?" rief Weich, sich hochaufrichtend mit blizenden Augen.
Mager zudte unter dem Blick zusammen.
Warum soll ich denn gerade der erste sein?" antwortete er kleinlaut ,,, schick doch Reißer zuerst."
„ Aber das Alphabet fordert doch, daß du zuerst gehst!" rief der eben genannte.
„ Ach was, Alphabet! Das Alphabet hat garnichts zu bestimmen, überlassen wir es dem Zufall!"
Weich überhörte den letzten Vorschlag. ,, Also, Reißer, geh' du!" sagte er. „ Nein!" entgegnete dieser eigensinnig, wenn einmal nach dem Alphabet gegangen werden soll, so muß das doch eingehalten werden!"
,, Eine Bestimmung ist doch keine Notwendigkeit!" widersprach Mager,„ lassen wir doch den Zufall entscheiden!"
,, Gut!" sagte Weich, lassen wir den Zufall entscheiden, ich ziehe meine erste Bestimmung zurück und befehle hiermit, es wird weiter gespielt, und wer den ersten Null verliert, der geht, geht unweigerlich und zwar allein, sonst
Aber das Alphabet hat doch schon bestimmt!" unterbrach Reißer.
zu beachten,., lege ich unverzüglich mein Kommando nieder " Sonst!" fuhr der Eisenhändler fort, ohne den Einwurf und verlasse den Kriegsschauplatz auf der Stelle!"
Und ich auch!" schrie Mager.
Da mußte sich der Dritte wohl fügen.
So setzten sich die drei Helden wieder nieder und spielten weiter, aber merkwürdig, ein Null kommt doch sonst nicht so selten vor, aber diesmal sollte auch so gar keiner heraus
kommen.
Stunden fein Null. Sie spielten drei, vier, fünf Stunden Sie spielten eine Stunde- kein Null. Sie ſpielten zwei fein Null. In der sechsten Stunde fragte Mager plötzlich: ,, Gilt für Nullouvert dieselbe Bestimmung?" " Jawohl!" antwortete Weich.
Dann pass' ich!" sagte der Frager. Um 6 Uhr legte Weich plötzlich die Karten hin und brach
in die Worte aus:
Kein Null, kein Null! aber gar kein Null?!" Reißer und Mager zuckten die Achseln.
" Das geht nicht! Ich muß meine Beſtimmung aufheben und kommandiere:
" Freiwillige vor!"
Zur allgemeinen Verwunderung erhob sich Mager und erklärte, er sei bereit, zu gehen und das Lager abzusuchen. Er hatte durch den festgeschlossenen Fensterladen das Tageslicht schimmern sehen, das machte ihm Mut. " Gut!" sagte Weich, und du, Reißer, gehst in deine Privatwohnung."
" Ich nein, ich dachte--
., Gut, so werde ich gehen, die Gefahr ist vorüber, es handelt sich jetzt nur noch darum, etwaige Einschleicher abzufassen."
Die beiden Freunde entfernten sich, jeder durch eine andere Tür. Reißer blieb allein. Er überrechnete seinen VerIust im Skat, er hatte über zwanzig Mark verloren. Mager übrigens auch, beide hatten scheußliche Karten bekommen und Null konnte man ja nicht spielen.
Is er noch beim besten Rechnen war, kam Mager atemlos hereingestürzt.
Mensch, um Gotteswillen", schrie er, sie waren da, das Salbe Rager ist ausgeräumt!"
Das Lager auch?" rief Weich, der von der anderen Seite intrat und die letzten Worte gehört hatte.
" Das halbe Lager nur, da kannst du noch von Glück sagen, denn deine Privatwohnung ist gänzlich ausgeplündert." Mit entsetzten Augen sah Reißer erst den einen und dann den anderen an.
„ Es ist nur gut, daß wir so lange gespielt haben, wenn vir früher aufgehört hätten, wer weiß, was für ein Unglück passiert wäre, nein, wenn ich auch verloren habe, der Skat ist doch eine schöne Sache!"
AUS FERNEN ZONEN
Die Richter des„ hergebrachten Gesetzes".
Wenn der bräunliche Sohn der Wüste, der tapfere, auf sein Vaterland stolze Araber auch dem Fremdling gegenüber so gern und schnell bei jeder Streitfrage die Entscheidung der Waffen anruft, so hat es doch nicht ausbleiben können, daß auch unter diesem Naturvolke sich eine Art Rechtsprechung ausbildete, um auf mildere Weise private Streitigkeiten beizulegen, Vergehen und Verbrechen zu ahnden u.s. w. – Ja, es berührt das ganz eigentümlich, auch dort sind ganz von selbst verschiedene Gerichtshöfe und ist eine Art Instanzenzug erwachsen, um dem Beklagten die Möglichkeit einer Berufung gegen jeden ihm unrecht erscheinenden Richterspruch offen zu halten. So vertreten daselbst die Kadis el Feraa, die Richter des her= gebrachten Gesetzes" etwa unsere Schöppenstühle, doch in der Form sozusagen niedere Schwurgerichte. Diese halbgelehrten Herren mit ihrer erblichen Rechtsweisheit tragen letztere nur im Kopfe bei sich im übrigen hat bei ihnen der gesunde Menschenverstand die entscheidende Stimme. Meist wie angedeutet erbt die Würde eines solchen Kadi vom Vater auf den Sohn weiter, doch kann letzterem, wenn ihm die nötige geistige Befähigung zu einem solchen Amite fehlt, die Berechtigung dazu aberfannt werden. Die Gebühren“ für die Tätigkeit dieser Kadis el Feraa sind eigentlich„ ungebührlich" hoch, noch etwas ge= pfefferter als im lieben deutschen Reiche, wo sie in dieser Hinsicht doch nichts zu wünschen übrig lassen; dort in Arabien herrscht aber der Unterschied, daß der Prozeßsieger dieselben zu tragen hat. Treten die Volksrechtsweisen zu gemeinsamer Sitzung zusammen, so übernimmt der in ein weißes Gewand gehüllte Mebessac( Oberrichter) den Vorsitz, ihm folgen die Beisiger nach dem Lebensalter geordnet. Langweilig aber gründlich durchkäuen sie den betreffenden Fall, stellen die Entscheidung fest und rufen dann die streitenden Parteien vor. Erweisen sich diese als unversöhnliche Querköpfe, so geht man ihnen hitziger" zu Leibe, d. h. man läßt sie an einem glühend gemachten Löffel lecken, und nach diesem Besänftigungsmittel soll keine Zunge länger zu wortreichen Einwänden bereit sein. Im übrigen verurteilen die Kadis el Feraa nur zu Geldbußen; körperliche Züchtigung wie bei den Türken, ist bei dem stolzen Araber unbekannt und würde ihn vor seinen Stammesgenossen als ewiger Schandfleck entehren. Obwohl dieses Richterkollegium sich bei seinen Beratungen ruhig Zeit nimmt, ist das Verfahren, wie man sieht, doch ein recht summavisches und es erspart den Leuten, entgegen unseren Einrichtungen, wegen jeder Lappalie zehnmal nach dem Gericht zu laufen und dort wohl halbe Stunden und noch länger zu antichambrieren, was ja nach dem Sazze„ Zeit ist Geld" beiden Parteien oft nehr kostet, als das ganze Streitobjekt wert ist. Ja, man kann in den Glühpunkten der westlichen Kultur gelegentlich auch noch von den Wüstensöhnen Afrikas lernen.
Moudaberglauben. Die Dakota- Indianer glauben, daß der abnehmende Wond von kleinen Mäuschen abgefnabbert wird. Die Polynesier meinen er werde von den Geistern der Gestorbenen verspeist. Die Hottentotten sagen, er leide an Kopfschmerzen, drücke die Hand an die Stirne und entziehe dadurch lettere unseren Blicken. Die Estimos bilden sich ein, daß der nach den Strapazen seiner Reise ermüdete und hungrige Mond sich auf turze Zeit zurückzieht, um auszuruhen und essen zu können. Seine zur Schau getragene Wohlbeleibtheit beim Wiedererscheinen zeigt, mit wie gesundem Appetit er gespeist hat.
Elektrische Schneeflocken. Ein amerikanischer Meteorolog, Leutnant John P. Finley, wurde von einem Schneefall überrascht, als er nach dem Pike's Peak( Colorado) hinaufritt, auf dessen Gipfel sich eine der höchsten meteorologischen Stationen der Erde befindet. Der Schnee erschien dabei wie ein Schauer von faltem Feuer. Zuerst entluden die Flocken schwache Funfen nur, wenn sie das Fell des Maultieres, auf dem der Leutnant saß, berührten. Bald fielen sie aber dichter und schneller herab und jede Flocke gab einen Funfen, sobald sie auf die Schneeschicht des Bodens gelangte oder sich auf die Kleidung des Mannes oder auf das Haar des Tieres niedersenkte. Als darauf der Sturm heftiger wehte und die Floden fleiner wurden, erschienen die eisigen Teilchen wie eine dahinziehende Lohe mit gespenstisch weißem Lichtschein,
Nr. 86.
Dienstag, den 19. Aprtl
1904.
Oberhessische Familienzeitung.
Cägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Band and Barlag ber Gimmer Berlagsbruderet, verm. With. Reller'sche Buchdruderet( gegs. 1789); noza: Kidis@leta
( 15. Fortsetzung.)'
Gewillensqualen.
Kriminal Roman
Anfangs wurden sie dort noch hier und da von den beiden Brüdern Michael und Anton Creenan besucht, denn Michael war ein eifriger Sportsmann, und wenn er mit seiner Angel oder seinem Gewehre vorbeikam, trat er wohl ein, um mit Kate, die er ganz gern zu haben schien, ein Stündchen zu verplaudern. Auf einmal aber hörten diese Besuche ganz auf.
Seine Menschenseele in Mylrea außer mir", fuhr die Wittin fort, weiß, weswegen er nicht mehr dahin kam. Ich fannte Kathleen schon lange und hatte ihr oft geholfen, wenn der Schuft von ihrem Bruder sie in der Not gelassen hatte. So ging ich auch eines schönen Tages hinüber, um nach ihr zu sehen. Ich fand sie am Stamine sibend und heftig weinend. Ich glaubte, ihr Bruder hätte sie schlecht behandelt oder gar geſchlagen, aber als ich davon sprach, schüttelte sie den Kopf und weinte nur noch mehr. Ich drang weiter in sie, und schließlich gab sie nach und erzählte mir die Wahrheit: sie hatte sich in den Herrn Michael verliebt."
n Michael Creenan?"
" Ja wohl, Herr Doktor, in denselben armen Jungen, dem es jetzt so schlecht geht. Ich wollte meinen Ohren kaum trauen, als sie es mir erzählte, aber sie versicherte mir, daß es ihr vollkommen ernſt ſei. Und warum sollte ich ihn auch nicht lieben? sagte sie, er ist doch ebenso schön, als gut und wahr. Und kam er nicht fast jeden Tag hierher? Ja, als er einmal wiederfam und mir ein bischen Kummer zu haben schien, da fiel ich ihm, bevor ich noch recht wußte, was ich tat, um den Hals und sagte es ihm gerade heraus, wie sehr ich ihn liebte. Er war ein wenig erstaut darüber und glaubte, ich mache Spaß; wie er aber sah, daß es mir ernst war, machte er sich selbst Vorwürfe und sagte, ich müsse mir Mühe geben, ihn gänzlich zu vergessen. Und seit jenem Tage habe ich ihn zu vergessen gesucht, aber das Herz ist mir darüber gebrochen, und ich wünschte, ich läge schon im Grabe! Nun, lieber Herr Doktor, die arme Dirne tat mir ja sehr leid, denn ich wußte nur zu gut, daß es von ihr der reinste Wahnsinn war, sich an einen so vornehmen Herrn, wie es doch Michael Creenan ist, zu hängen, und ich sagte ihr das auch. Aber es half nichts, träumend und grübelnd saß sie jeden Tag am Feuer, rührte keine Arbeit an, und es schien, als ob ihr Herz wirklich gebrochen wäre."
,, Aber auf einmal ging doch eine Wandlung mit ihr vor. Eines Tages kam sie in aller Gile zu mir gelaufen. Ihre Augen schossen Blizze, und sie sah so wild und verstört aus, daß ich mich ordentlich fürchtete, sie anzusehen. So, jetzt weiß ich, warum er mich damals bat, ihn zu vergessen, schrie sie mir zu, weil er sie liebt! Und dann, Euer Gnaden, sprang sie auf und schimpfte auf Miß Ellen und schwor, daß sie lieber mit ihrer eigenen Hand Herrn Michael erdrosseln würde, als zugeben, daß er unser Gutsfräulein heirate." ,, Wann war das?" fragte ich.
,, Gerade bevor Sie nach Mylrea kamen, kurz bevor der alte Herr ermordet wurde. Oft habe ich bei mir gedacht, niemand als Kathleen hat damals den alten Herrn aufgehetzt, auf Fräulein Ellen und Herrn Michael aufzupassen, als er sie damals auf dem Moore traf. Sie wollte sie auseinander bringen; weil sie Herrn Michael nicht selber haben konnte,
on Robert Buchanan.
( Nachdruck verboten.)
wollte sie ihn auch keinem anderen Mädchen gönnen. Und ich glaube, Guer Gnaden, sie würde lieber jest den Herrn Michael am Galgen sehen, als ihn mit unserem Fräulein verheiratet wissen."
Das war eine denkwürdige Unterhaltung.
Tags darauf sprach ich wieder bei dem Geschwisterpaare vor und fand das Befinden meines Patienten schlechter als je zuvor. Die Heilung der Wunde machte zwar Fortschritte, es hatte sich aber Fieber eingestellt und der Kranke schien auffallend unruhig. Auch seine Schwester zeigte nicht ihre sonstige Beherrschung und beobachtete jede meiner Handhabungen anscheinend ängstlich. Als ich mit meiner Untersuchung zu Ende war, folgte sie mir in die Küche und ich war bereits an der Türe, als sie mich zurückrief.
st es denn wahr, Euer Gnaden, was die Leute da erzählen, daß Herr Michael Creenan nächstens gehängt werden soll?"
„ Wer hat Ihnen das gesagt?" fragte ich. „ Bridget kam gestern Abend vom Schlosse hierher, um sich nach Rorys Befinden zu erkundigen, und hat es erzählt."
Wenn er schuldig iſt", meinte ich mit erheuchelter Gleichgiltigkeit, werden sie ihn ganz sicherlich hängen."
„ Aber wenn er nicht schuldig ist, Euer Gnaden? Wenn er gar keine Schuld hat, sondern so unschuldig wie ein neugeborenes Kind ist?"
„ Auch dann", antwortete ich langsam, und sah sie dabei scharf an. Auch dann, wenn nicht inzwischen der wahre Mörder gefunden sein sollte, und ich möchte fast alle Hoffnung aufgeben, daß er überhaupt noch ausfindig gemacht werden kann. Ich fürchte, für den jungen Herrn Creenan giebt es keine Aussicht mehr. Viele sind schon auf weit geringere Anzeichen hin zum Tode verurteilt worden."
Sie antwortete nicht, sondern neigte nur den Kopf und schlug die Hände vors Gesicht. Kein Laut kam von ihren Lippen, aber ihr Körper erzitterte unter krampfhaften Bewegungen. Ich ließ sie eine Weile ungestört, dann faßte ich sie leise mit der Hand an der Schulter und sagte:
Warum interessiert Sie die Angelegenheit des Herrn Michael Creenan so sehr?"
Sie hob ihren Kopf; tötliche Blässe hatte ihr Gesicht überzogen, aber ihre Augen waren ganz trocken.
,, Herr Michael war immer so gut zu mir", brachte sie fast tonlos und sich dabei abwendend hervor.
Von diesem Tage an schien der Charakter des Mädchens sich einer vollständigen Umwandlung zu unterziehen. Ihr bisher so trotziges Wesen machte einer stumpfen Ergebung Platz, und auch der Ton, in dem sie zu ihrem Bruder sprach, änderte sich und wurde fast wohlwollend. Ich sah jedoch, daß er ihr Gesicht und jede ihrer Bewegungen mit unverhohlener Angst verfolgte. Sein Benehmen ähnelte immer mehr dem eines gehetzten Wildes, das von seinen Verfolgern gestellt worden ist, und nun auf Tod und Leben kämpft. Troß jener Umwandlung wollte es mir indes nicht glücken, Kate in eine Unterhandlung zu ziehen. Sie schien ängstlich bemüht, jede Aussprache mit mir zu vermeiden, und wenn ich sie über


