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Es ist heute

über das heutige Gefecht eingehend entwickeln.

spät geworden und wir wollen abrücken. Ihnen, Herr Hauptmann Zettdorf, hab ich meine Meinung gesagt, und ich muß mich, wie gesagt, sehr wundern! Ich danke Ihnen meine Herren!"

Ms Ikaz den Aufbruch merkte, riß er den Schimmel herum, hieb ihm die Kommisstiefel in die Seiten, und wie der Blizz war er den Blicken der übrigen entschwunden.

,, Scheint ihm doch etwas an die Nieren gegangen zu sein", dachten die andern Reiter.

Als Jkazz wieder auf der Chaussee war, atmete er auf. Da hörte er neben sich eine keuchende Gestalt.

kazz, he, he, he, faz, ist er es, Lümmel?" Es war der Hauptmann Zettdorf, der die Chaussee heran­pustete.

Ikatz hielt und sprang vom Pferde.

" Zum Befehl, Herr Hauptmann", meldete er kleinlaut, ,, is ja mir Pferd durchgegangen vom Walde, konnt' ja nicht mehr halten, bis gerade zum Kritik!"

ritten? Da soll doch gleich ein... was hat denn der Herr Was, Donnerwetter, Kerl, bis zur Kritik bist du ge­Oberst dazu gesagt?"

" Zu Befehl, Herr Hauptmann, war ja ganz finster, hat ja Oskar!" niemand nischt gemerken, daß sitzen ja Trompeter Jazz auf

Der Hauptmann atmete auf, doch er konnte das Unglaub­liche kaum fassen. Ist denn nicht von mir geredet worden, Kerl?" erkundigte sich gespannt der Hauptmann.

" Zu Befehl, Herr Hauptmann, hat ja blos mit mir gesprochen der Herr Oberſt, weil er glaubt, daß sein ich unsern Herr Hauptmann Zettdorf."

,, So, was hat er denn gesagt?" forschte Zettdorf. O, daß haben ja der Herr Hauptmann schöner Gefecht gemachen, was hat ja Feinde in Stellung vernichtet, morgen mit erfahrener, gefähigter Herr Hauptmann Zettdorf!" werden ja Oberst Kriegsspielerei machen nochmal und ertra

Zettdorf strich sich schmunzelnd den Schnurrbart.

" So, so, das hat er gesagt, hatte eigentlich geglaubt. na, ja... Nun herunter infamer, seine Srafe soll ihm nicht ausbleiben, davon sprechen wir noch. Und wenn er ein Wort dann giebt es drei Tage Loch, verstanden?" verlauten läßt über die Verwechselung heute bei der Kritik,

Zu Befehl, Herr Haupmann", sagte der Trompeter und hielt dem aufsteigenden Hauptmann den Steigbügel.

Da alles so gut verlaufen war, wollte er dem Trompeter die Strafe für den Ritt schenken. Als Zettdorf aber tags­darauf vom Kriegsspiel zurückkehrte, bestrafte er Ikatz den­noch.

Kindesauge.

Kindesauge, Kindesblick Wundertief und lieblich traut Welche Welt voll Licht und Glück Hat aus dir mich angeschaut!

Wie im goldnen Sonnenlicht Strahlend blickt der Edelstein, So aus deiner Tiefe bricht Hell der Freude Rosenschein.

Wie aus klarer Silberflut

Glänzt des Grundes reiner Kies, So im Kindesauge ruht Unschuldsüßes Paradies.

-

Wenn dir nichts vom Leben blieb, Nichts, was deine Brust durchwärmt, Wenn um Frieden, Glück und Lieb' Du vergeblich dich gehärmt, Dann blick in des Kindes Aug', Schau dies Lächeln, wundersam, Lindern wird's wie Balsamhauch Weich und mild der Seele Gram.

Ver Hausdoctor

Gewürze und Ernährung. Bei vielen Leuten besteht die Meinung, daß die Gewürze eigentlich überflüssig, ja sogar der Gesundheit schädlich seien und nur ein durch unsere verfeinerte Kultur großgezogenes notwendiges Uebel darstellen. Die Medizin hat sich schon zu wiederholten Malen mit der Frage beschäftigt, ob die Gewürze für die Ver­dauung notwendig und der Gesundheit zuträglich oder schädlich seien. In allerletzter Zeit hat Professor Liebreich wieder eine ausführliche Arbeit über dieses Thema veröffentlicht, die einige sehr interessante Bemerkungen enthält. Die Gewürze haben die doppelte Aufgabe, durch Reiz auf unsere Geruchs- und Geschmacks­organe die Eßluft zu befördern und die Verdauungsorgane zu einer ausgiebigen Verdauung durch Ausscheidung genügender Verdauungssäfte anzuregen. Liebreich schreibt also den Gewürzen eine direkt die Verdauung befördernde Wirkung zu. Für das wichtigste Gewürz, das Kochsalz, tritt noch die Aufgabe hinzu, den menschlichen Körper auf dem normalen Kochsalzgehalte zu erhalten. Eine zu reichliche Verwendung des Kochsalzes in der Küche hat nach Liebreich jedoch Nachteile. Bei Fleischkost ist weniger Kochsalzzusatz notwendig als bei Pflanzenkoſt. Dieses Gebot des weisen Maßhaltens gilt in gleicher Weise für die eigentlichen Gewürze.

zu scharfe Speisen machen. durstig und können dadurch un­mittelbar zur Trunksucht führen, auch erschlaffen sie den Magen, wenn er fortwährend über sein können gereizt wird. Es sind darum in England, wo Ingwer, Curry und die scharfen Saucen zu allen Mahlzeiten genommen werden, Magenkrankheiten sehr verbreitet, und es fragt sich, wie Liebreich sagt, ob die in England so verbreitete Neigung zur Gicht nicht auf das übertriebene Würzen zurückzuführen ist. Nach England dürfte diese Sitte aus den tropischen Kolonien gekommen sein, welche die Heimat dieser scharfen Gewürze sind. Zu diesem gehören Pfeffer, Ingwer, Muskat, Kardamom, Gewürznelke, Vanille, Zimt, Safran, spanischer Pfeffer, Paprika u. s. w., während bei uns die weniger scharfen Gewürze Fenchel, Dill, Kümmel, Anis, Senf, Majoran usw. gedeihen.

Dem Senf widmet Liebreich ein eigenes Kapitel. Gerade dieses Gewürz ist bei vielen sehr schlecht angeschrieben, und mit Unrecht. Liebreich weist nach, daß der Genuß des Senfs, natürlich in mäßigem Grade, für die Verdauung sehr förderlich ist. Die richtige Verwendung der Gewürze ist eine Kunst und macht die gute Köchin aus. Nicht jedes Gewürz eignet sich für jede Speise. Das richtige Maß macht den Wohlgeschmack der Speisen aus. Bei einer derartigen guten Zusammenstellung läuft in der Tat durch den kräftigen, würzigen Geruch das Wasser im Munde zu­sammen, was sehr wichtig für die Verdauung ist. Der erste Saft, der mit den Speisen in Berührung kommt, ist ja der Mundspeichel; gut eingespeichelte Bissen rufen, im Magen ange­langt, eine reichliche Absonderung von Magensaft hervor, dem die Hauptaufgabe der Verdauung obliegt. All dies gilt natürlich nur für den gesunden Menschen. Bei Krankheiten des Herzens, der großen Gefäße, besonders aber der Niere, sind die scharfen Gewürze ganz zu meiden und auch die milderen nur in be­schränktem Maße anzuwenden. Auch bei der modernsten Krank­heit, der Neurasthenie, meide man scharfe Gewürze. Für Kranke sind statt der natürlichen Gewürze die künstlich dargestellten Prä­parate, wie die verschiedenen Extrakte und Suppenwürzen zu ver­wenden.

*

Uebertragung von Tuberkulose durch Briefmarken. Ein französischer Militärarzt hatte Gelegenheit, auf seiner Abteilung einen hochgradig Schwindsüchtigen zu behandeln, der ein passio­nierter Markensammler war und den ganzen Tag damit zubrachte, in sein Album und auf Blätter Marken zu kleben, wobei er sich gummierter Papierstreifen bediente, die er mit der Zungenspitze anfeuchtete; der Kranke stand in lebhaftem Markentauschverkehr mit seinen Kameraden. Da der Auswurf dieses Mannes von Bazillen wimmelte, wurde natürlich dieser Markenhandel sofort unterbrochen und die von ihm abgeleckten Marken auf Tuberkel­bazillen untersucht. Tatsächlich wurde das Vorhandensein dieser Bazillen festgestellt. Wenn man bedenkt, mit welchem Eifer Kinder und junge Leute sich dem Markensammeln ergeben und viele dieser Sammler in ihr Album eingetauschte oder vom Händler gekaufte Marken einkleben, deren Herkunft durchaus un­bekannt ist, so ist es klar, daß sich diese Markensammler einer nicht unerheblichen Gefahr aussetzen.

Nr. 85.

Montag, den 18 April.

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

bez

Gießener Neueste Nachrichten.

Omd and Berlag bez Gaßener Beringebruderet, vorm. Bib. Rellerie Buchhzadezet( gegs. 1788);

( 14. Fortsetzung.)

Gewissensqualen.

Kriminal Roman von Robert Buchanan.

,, Ste täten besser, sich zu entschließen," fuhr ich fort. ,, Wenn Sie noch einmal etwas gegen Ihren Bruder zu unter­nehmen versuchen, dann werden Sie auf mein Zeugnis hin wegen Mordes verhaftet, darauf fönnen Sie sich verlassen."

Scheinbar gleichgiltig gegen diese Drohung zuckte sie mit der Achsel und lachte mir ins Gesicht. Ich will ihm nichts mehr tun, sagte sie. Meinetwegen mag er sterben oder

leben bleiben.

Gleich darauf kehrte Andreas zurück und brachte einen Korb mit Suppe, eine Flasche Wein und Cognac. Ich flößte dem Manne ein wenig Cognac ein und übergab die übrigen Sachen seiner Schwester zur Verwahrung. Als sie sah, daß ich nicht mit mir spaßen ließ, versprach sie mir, alles zu tun, was in ihren Kräften stand, um ihrem Bruder zu helfen. In der Gesellschaft von Andreas verließ ich dann das Haus und begab mich auf das Amtsbureau von Mylrea, wo ich mit dem Polizeiwachtmeister eine Unterredung hatte.

Der Wachtmeister, ein ruhiger, älterer Herr, hörte meiner schien davon keineswegs überrascht. Erzählung von dem Anschlag im Wagen gleichgiltig zu und Es war auf jemand geschossen worden- das war ein Vorkommnis, das sich in diesem Lande oft genug ereignete. Nachdem sich der Wacht­lizeiwagen anfahren, und wir begaben uns nach dem Tatorte. meister einige Aufzeichnungen gemacht hatte, ließ er den Po­An der Straße, gerade dort, wo der Wagen vorübergefahren sein mußte, als ein Schuß fiel, befand sich eine niedrige Steinmauer, und hinter der Mauer fanden wir das Gras niedergetreten. Bei genauer Untersuchung des Bodens fand der Wachtmeister ein Stückchen verbranntes Zeitungspapier, das als Gewehrpfropfen gedient hatte. Das war der einzige Anhaltspunkt, den wir fanden.

Auf dem Rückwege meinte der Wachtmeister:" Ich glaube nicht, Herr Doktor, daß Rory Bournes etwas mit der Sache zu tun hat. Er ist zwar ein schlechter Kerl und ein Spizbube, hatte aber nichts gegen Sie, und außerdem saß er selbst auf dem Wagen. Wahrscheinlicher ist, daß der Schuß von einem seiner Feinde abgefeuert worden ist, und der hat dann auch den Mann getroffen, auf den er es abgesehen hatte." Mein Kutscher aber glaubt, daß der Schuß mir ge­golten hat.

"

" Der Ansicht bin ich nicht."

ich weiter nichts erreichen konnte, ging ich weg. Damit war die Unterredung beendet, und da ich sah, daß

Das Gerücht, daß ein Mordversuch gegen mich verübt worden sei, hatte sich in kürzester Zeit durch ganz Mylrea verbreitet. Gegen Abend, als ich es mir gerade daheim be­quem gemacht hatte, flog die Tür heftig auf und atemlos vor Zorn und Empörung stürzte Pater Johannes herein.

,, Wir haben ja hier ein schönes Nest von Räubern und Banditen!" schrie er entrüstet, aber wir werden sie schon aus Frland hinaustreiben, und ich werde ihre Namen von der Kanzel herunter verkünden."

Indem er dann, wie es seine Gewohnheit war, das eine Auge schloß, und mich mit dem anderen scharf ansah, fragte gan ausgeht, Herr Doktor?". er:" Sie glauben doch nicht etwa, daß die Sache von Mulli­

( Nachdruck verboten.))

Ich hatte nur ein Kopfschütteln und ein herzliches Ge­lächter zur Antwort, was den würdigen Pfarrer zu beruhigen schien.

Er ist allerdings ein geborener Zump", meinte der Pfarrer, und unter uns gesagt, Herr Doktor, er trinkt all­zugern. Das Trinken ist sein Verderben. Aber davon ab­gesehen, ist er trok allem ein anständiger Kerl, und er wäre gewiß nicht imstande, einem seiner Kollegen einen solchen Hallunkenstreich zu spielen."

Vollkommen mit allem, was Pater Johannes über den Doktor jagte, einverstanden, forderte ich ihn auf, Platz zu nehmen, als die Türe wiederum aufging und Fräulein Craig erschien. Ihr unerwarteter Besuch erschreckte mich nicht wenig, und eilig ging ich ihr entgegen.

Was verschafft mir die Ehre? Was gibt es?"

Nichts, durchaus nichts," antwortete sie. Ich habe nur soeben von den Vorfällen der vergangenen Nacht gehört. Ich bin darüber im höchsten Grade betrübt. Was müssen Sie von Irland, von uns allen denken?"

Ihre Hand erfassend, 30g ich sie ins Zimmer, während Pater Johannes ihr väterlich auf die Schulter klopfte." Set' dich nieder, Kindchen!" sagte er. Der Herr Doktor wird dann so gut sein, uns alles zu erzählen."

Sie tat, wie ihr geheißen, und nachdem ich noch etwas Torf in den Kamin geschüttet hatte, erzählte ich das Wenige, was zu erzählen war, indem ich dem Ueberfall so wenig Be­deutung als möglich beilegte. Dann schilderte ich meinen Besuch bei Nory Bournes, erwähnte das mehr als seltsame Benehmen seiner Schwester und schloß mit der schrecklichen Entdeckung von heute früh, wo ich den Verband von der Wunde abgerissen gefunden hatte.

,, Gott im Himmel!" schrie voller Entsetzen der kleine Pfarrer ,,, da muß ich mal mit ihr reden."

Ich sah auf Ellen; ihr Gesicht war sehr blaß, und sie er­schien sehr bewegt.

,, Sie ist ein seltsames Mädchen", sagte sie, und ich habe schon öfters geglaubt, daß sie geistig nicht vollkommen ist. Sie sagte wirklich, daß sie die Absicht hätte, den Tod ihres Bruders herbeizuführen?"

,, Gewiß sagte sie das, und fast wäre es ihr auch geglückt, ihre Absicht auszuführen", antworte ich. Ich habe jedoch ein ernstes Wort mit ihr gesprochen und sie zur Vernunft gebracht."

Als Ellen sich erhob, ergriff ich Stock und Hut, um sie zu begleiten, sie bat mich jedoch, lieber zu Hause zu bleiben und sagte: Gehen Sie heute Abend lieber nicht aus, Herr Doktor. Begeben Sie sich nicht unnötig in Gefahr. Pater Johannes wird wohl die Güte haben, mich nach Hause zu begleiten."

Der Pfarrer erklärte sich mit Freuden bereit; ich blieb jedoch in meinem Entschlusse fest und ließ mich nicht ab­bringen.

" Ich gehe auf jeden Fall aus," erklärte ich ,,, und kann ebenso gut auf das Schloß als sonst wohin gehen. Haben Sie um mich keine Anaît. anädiges Fräulein. Da ich jetzt