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FUR UNSERE JUGEND

Heimat, lühe Heimat. Den Vöglein wird das Scheiden schwer, Sie fliegen weithin übers Meer, Bevor der Winter sie bedroht Mit Frost und Schnee und Hungersnot.

Nun weilen sie, wo's grünt und lenzt, Die Flur mit Blumen sich bekränzt, Wo, wenn sie früh die Sonne weckt, Ihr Tischlein überreich gedeckt.

Doch feines singt und baut sein Nest Im fremden Land fürs Hochzeitsfeſt; Sie hüpfen stumm im Laub umher, Das kleine Herz von Heimweh schwer.

Da plötzlich in die Lüfte schwingt Das Völklein sich und pfeift und singt; Denn eben traf die Botschaft ein, Daß es daheim soll Frühling sein.

Nun geht es ohne Rast und Ruh, Weit übers Meer, der Heimat zu, Die, Frost und Eis und Schnee entrückt, Mit Grün und Blumen ſich geſchmückt.

Wär' auch die Fremde noch so schön, Mit kühlen Tälern, sonn'gen Höh'n, An Blüten und an Früchten reich:- Der Heimat kommt sie doch nicht gleich.

Der Piräus. Von jeher ist für die Entwickelung und Machtfülle der großen Städte ihre Lage von Bedeutung gewesen. Und wiederum ist das Wasser den Städten eine der ersten und wichtigsten Bedingungen für ein erfolgsames Emporwachsen, für ihren weitwirkenden Einfluß auf Länder und Völker. Wohl mag es vorkommen, daß eine Stadt in einer Ebene, weit ab vom Meer und Fluß, für eine Zeit, begünstigt von besonderen augenblicklichen Verhältnissen, sich emporschwingt; aber von Dauer wird der Glanz nie sein; sicher wird der Niedergang erfolgen, wenn andere Verhältnisse eintreten. Durch nichts wird Handel und Verkehr mehr gehoben, als durch die bequemen Verkehrswege, welche Meer und Strom bieten; das Wasser trägt die Waare willig und leicht und billig immer von neuem hin und her. Handel und Verkehr sind aber für das Wachsen und Gedeihen der Städte die Hauptmittel, welche Zeiten und politische Umwandlungen überdauern. Deshalb suchen auch Städte, welche ursprüng­lich nicht unmittelbar an der Küste des Meeres oder in der Nähe bedeutender Wasserflüsse gegründet waren, bei steigen­der Zunahme und Bedeutung an Macht und Reichtum, sich mit dem Wasser in innigste Verbindung zu ſehen, falls die Entfernung eine nicht zu große ist; sie gründen eigene Hafen­plätze.

Berühmt unter folchen Hafenstädten ist Piräus, Athens Hafen; auf einer kleinen bergigen Halbinsel, Piräus, ge­legen, welche eigentlich drei tief einschneidende runde Hafen­becken umfaßt. Bei der Wichtigkeit, welche dieser für die 8 Kilometer weit entfernte Hauptstadt Athen besaß, wurde der Ort, auf Veranlassung des Themistokles, nach den per­sischen Kriegen mit Mauern und kolossalen Befestigungen umgeben und dann mit Athen selbst durch starke Mauern in Verbindung gesetzt, so daß der zwischen den Mauern gelegene Landstrich gegen alle Angriffe äußerer Feinde geschützt war, und der Zugang der Stadt nach dem Hafen bei einer Be­Lagerung stets frei und offen blieb. Die phalerische Mauer war 6470 Meter lang; jede der beiden langen Mauern 7400 Meter. In friegerischen und unruhigen Zeiten erwies sich der so geschaffene Schutz sehr vorteilhaft; oft flüchteten dort­hin in Kriegsfällen die angsterfüllten Landbewohner der Um­gegend mit ihren Habseligkeiten.

Der große Staatsmann Perikles ließ die Stadt Piräus verschönern, den Hafen ausbauen. Bald erhoben sich am Flußufer Schiffshäuser, mit Säulenhallen geschmückt. Später wurde ein Arsenal errichtet, das meit berühmt war und viel bewundert wurde. Als aber die Römer Griechenland unter­worfen hatten, und römische Bürgerkriege überall ihre Wir­ren hevorriefen, da brannte Sulla im Jahre 86 vor Christi Geburt, ganz Piräus mit allen Hafenanlagen und dem be­wunderten Arsenal zu Asche.

Seitdem war Stadt und Hafen verödet und lag fast 2000 Jahre entvölfert und nur Schutt und Ruinen zeigten die Stätte, wo früher die lebhafteste Verkehrstätigkeit herrschte. Selbst der Namen Piräus schien verschollen. Aber die Stadt sollte wieder auferstehen aus den Trümmern, der Hafen sollte noch einmal von Bedeutung werden. Im Jahre 1837 wurde die Stadt neu aufgebaut mit geraden Straßen, schönen Gebäuden und großartigen Magazinen. Rasch ent­wickelte sich der Ort von neuem und hatte bald 25 000 Ein­wohner, Gymnasium, Marineschule, Kriegsschule, Arsenal, Hospitäler, Fabriken. Ein reger Handel entstand, besonders in Del und Oliven. Fast 10 000 Schiffe verkehren jährlich in dem Hafen, der somit ein Bild der regsten Tätigkeit und frohen Fleißes bietet. So scheint der Piräus seine frühere Be­deutung wieder zu erlangen, hoffentlich mit der Zeit auch seinen alten Glanz.

Rätsel und Aufgaben.

1. Buchstabenrätsel.

a a a a

a a i

i

km m n

n n n S

Aus diesen Buchstaben, richtig geordnet, ergeben sich, von links nach rechts und von oben nach unten, nachstehende vier Wörter 1. ein neutestamentlicher Ort,

2. ein weiblicher Vorname,

3. ein vormaliger, südamerikanischer Herrscher, 4. ein linker Nebenfluß des Rheins.

**

vuus-

uv

2. Charade mit Logogriph. Oft brachte das erste Silbenpaar Die Tiere und Menschen in Lebensgefahr; Doch da, wo es fehlt, herrscht schreckliche Not, Die Tieren und Menschen den Untergang droht. Die letzten zwei trägt man; sie können nicht geh'n; Doch sind sie gehörig mit Beinen verseh'n. Sie ermangeln, wie alles, was Menschenhand schafft, Der zur freien Bewegung nötigen Kraft. Wenn das Ganze sich naht mit Geheul und Gebraus, So verschlingt es die Schiffe mit Mann und mit Maus Wenn aber sein h man mit r ihm vertauscht, So erschließt es den Kelch, von den Ersten umrauscht.

*

3. Zahlenrätsel.

5 2 4 4 3 1 eine Flüssigkeit,

38 46 31 ein Vogel,

4 2 2 8 3 ein Fluß,

3 17 4 6 ein männlicher Vorname, 196 eine Farbe.

Sind die Wörter richtig geraten, so ergeben die Anfangsbuch­staben derselben einen deutschen Fluß.

-

*

4. Scherzfragen.

a) Welches Pferd sieht nach rückwärts ebensogut wie nach vorivärts? b) Welcher Esel hat geschrieen, daß es alle Menschen auf Erden hörten?- c) Welchem Handwerker bringt der schlechte Absatz Vorteil? d) Der Bauer fährt mit Zweien, der Reiche mit vieren, Fürsten mit Sechsen

wer aber fährt mit Sieben? ps( Pлǝlpшgnp (((

-

Nr. 63.

Freitag, den 18. März.

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Od mud Berlag ber Olebener Berlagsbenderet, vorm. Wilh. Roller'sche Bubruderet( gegs. 1789); were:[ bin Klein

( 26. Fortsetzung.)

Der Goldmarder.

Original Roman von M. Bezold.

Ich komme nicht zu dir," sagte der Arzt, als Martin die Türe wieder öffnete, mein Besuch gilt der Patientin im Hinterhauſe. Du bist mit den neuen Einwohnern noch immer zufrieden?

Sie geben mir keine Veranlassung zu einer Beschwerde," nicht, sie aufgenommen zu haben." crwiderte Martin, sie sind ruhig und bescheiden, ich bereue

Ich sagte es dir ja voraus, sie verdienen unser Mitleid, ich wollte nur, ich könnte auch den Kummer von ihnen nehmen. So lange ich das nicht vermag, wird die Frau schwerlich genesen."

" Ich glaub's gerne," sagte Martin ,,, warten wir's ab, die Untersuchung ist noch nicht geschlossen, es können neue Ent­deckungen gemacht werden, die dem Verhafteten Ehre und Freiheit zurückgeben."

" Die Schmach bleibt dennoch auf seiner Familie ruhen", sagte Adolph kopfschüttelnd, sein Sohn soll der Täter sein, und nun das Armband gefunden worden ist, fällt auch auf seinen Bruder Verdacht. Es ist eine sehr dunkle Geschichte, ich glaube kaum, daß eine befriedigende und überzeugende Lö­sung dieses Nätsels jemals gefunden wird."

Er schritt nach diesen Worten weiter und trat bald darauf in das helle luftige Zimmer, das Frau Schönbach mit ihren Kindern jetzt bewohnte.

Nur Gabriele war bei der Mutter, die beiden anderen Kinder befanden sich in der Schule.

Gabriele schlug vor seinem Blick die Augen nieder, die Kranke empfing ihn mit einem matten Lächeln.

Es will noch immer nicht besser werden, Herr Doktor", sagte sie, während er ihren Puls prüfte, die Nächte sind schlaflos und bei Tage finde ich auch keine Ruhe."

Sie müssen Geduld haben", erwiderte er, die Krank­fönnte. Daß eine Besserung eingetreten ist, werden Sie nicht heit war zu tief eingewurzelt, als daß sie so rasch weichen bestreiten können, fassen Sie Mut, es wird sich allmählich schon machen."

Wenn nur der Blick in die Zukunft nicht so trüb wäre!" seufzte Gabriele. Die Sorge um das Schicksal des Vaters ruht mit schwerem Druck auf uns, das ist's, was der Mutter den Schlaf raubt und sie nicht zur Ruhe kommen läßt."

Ja das ist es", bestätigte die Mutter, so lange dieser Druck auf mir ruht, werde ich nicht genesen. Mögen alle ihn verurteilen, ich weiß und halte daran fest, daß mein unglück­licher Mann schuldlos ist."

" Ich glaube das auch," erwiderte Adolph mit einem ver­stohlenen Blick auf Gabriele, die ihm dankbar zunickte, aber mit diesem Glauben allein können wir nichts ändern, die Schuldlosigkeit muß bewiesen werden."

Auf Kosten meines Sohnes!" klagte die Kranke. Nun soll er der Dieb und mein Mann der Hehler sein, so behauptet der Herr Direktor Spangenberg. Ich aber sage Ihnen, dieſe Behauptung ist falsch. Als mein Sohn hier anfam, hatte er schon die Tasche voll Geld, schon am ersten Abend gab er uns eine ansehnliche Summe, die also unmöglich von dem Mün­tendiebstahl herrühren konnte."

(( Nazdrud verboten.))

Der Verdacht ruht nun auch auf Ihrem Schwager", warf Adolph ein, das Armband, das er dem Juwelier Kassel gestohlen hat, ist im Museum gefunden worden, dennoch leug­net er noch immer, wie der Untersuchungsrichter mir sagt." Hat er es wirklich gestohlen?" fragie die Kranke, mit gedankenvoller Miene das Haupt schüttelnd. Ich gebe zu, daß es möglich ist, aber ich glaube es nicht, inein Schwager ist arm, aber eines gemeinen Verbrechens halte ich ihn nicht fähig."

Er ist kurz vor der Entdeckung des Diebstahls im Laden des Juweliers gewesen, er ging von dort in's Museum, wo er verhaftet wurde. Welche andere Person könnte das Armband hinter dem Gemälde versteckt haben?"

Ich weiß es nicht, Herr Doktor, es fann ja auch später, nach der Verhaftung, dort versteckt worden sein, damit ein Schuldbeweis gefunden würde."

Und wer könnte das getan haben?" fragte Adolph un­

willig.

Ich will keinen Namen nennen!"

" Ich errate, was Sie verschweigen wollen", fuhr Adolph fort, der seiner Entrüstung nur mühsam gebieten konnte, der Verdacht, auf den Sie hindeuten, ist völlig aus der Luft gegriffen, und ich rate Ihnen sehr ernst, sprechen Sie ihn nicht aus, er könnte böse Folgen für Sie haben. Wie Sie über­haupt auf diesen Gedanken kommen können, begreife ich nicht. Sie quälen sich selbst mit solchen Vermutungen, die jeder Begründung, jeder Wahrscheinlichkeit entbehren. Daß Sie von Ihrer Familie die Schuld abwälzen wollen, finde ich natürlich, aber

,, Reden wir nicht weiter davon, Herr Doktor", bat die Kranke, ich sehe ja selbst ein, daß diese Gedanken töricht sind. Aber muß mich das Schicksal meines unglücklichen Mannes nicht erbittern? Welch' hartes Los wird uns dadurch bereitet? Hätten Sie sich nicht unser angenommen, so müßten meine Kinder an den Türen um Almosen betteln

So schlimm wäre es auch nicht geworden", fiel er ihr in's Wort, indem er sich erhob, wenn Sie auch den Druck nicht abschütteln können, so vermehren sie ihn doch nicht mit solchen unnüßen Gedanken. Geduld und Ruhe vor allen Dingen, wenn sie genesen wollen! Und damit Gott befohlen für heute; ich hoffe, Sie bei meinem nächsten Besuch ruhiger und verständiger zu finden.

"

Gabriele begleitete ihn hinaus, in ihren schönen Augen schimmerten Tränen, als er ihr die Hand zum Abschied bot. " Ich bitte Sie, zürnen Sie meiner armen Mutter nicht", sagte sie leise ,,, sie glaubt selbst nicht an den unsinnigen Ver­dacht, den sie ausgespochen hat. Ueberall sucht sie den Täter, um die Unschuld des Vaters und meines Bruders zu beweisen, sie würde sogar auf den Fürsten Verdacht werfen, wenn sie nur eine Spur von Wahrscheinlichkeit dafür fände."

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,, Nein, ich zürne ihr nicht", antwortete Adolph, aber raten Sie ihr, diesem Grübeln zu entsagen; sie verschlimmert nur ihr eigenes Leiden, ohne an der Sache selbst etwas ändern zu können. Raten Sie ihr ferner, niemals solche Vermutun­gen auszusprechen, wenn sie auch keinen Namen nennt, so weiß doch Jeder, daß die Beschuldigungen meinem Onfel

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