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Charakterzug des guten, alten
Landedelmannes hielt.
Seine
sanfte, zurückhaltende Gemahlin hatte es augenscheinlich längst aufgegeben, neben ihrem redseligen Gatten selbst zu Werte zu kommen.
WILD
WALD
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Nur hin und wieder versuchte sie, seine Rede zu unterbrechen, um in schwacher Weise die kräftigen Aussprüche und Bemerkungen, die der spaßhafte Eheherr beständig ihr zuschrieb, von sich abzulehnen.„ Na, mein guter Freund," fuhr Herr von Gadow nach der ersten Begrüßung zu mir getvendet fort, sie finden uns hier gerade bei unserer täglichen Beschäftigung. Die jetzige Generation fennt keine vernänftigen Spiele und körperlichen Uebungen aus der guten, alten Zeit mehr; kein Kegelschieben, Topfschlagen, Sacklaufen oder dergl. Tennis, Tennis ist jetzt die Losung! Es soll dazu dienen, das Gehirn zu stärken, aber ich finde, daß gerade die dem Spiele am meisten Ergebenen mit einem sehr geringen Teile dieses Organes versehen sind."-" Was ich hier vor mir sehe, steht aber doch jedenfalls mit ihrer Ansicht in Widerspruch, mein bester Herr," sagte ich.-„ D, meine Töchter sind keine Narren; das meinte ich nicht. Sie spielen, weil sie kräftige Knochen haben. Meine Frau hat mir oft gesagt, daß man wohl selten eine solche Reihe von Mädchen mit so normalen Gliedern sieht." D, Heinrich," sagte Frau von Gadow, wie kannst du!"" Und wie geht es meinem guten, alten Freunde Rodrigo?" fuhr ihr Gatte, ohne sich beirren zu lassen, fort. Immer noch nicht verheiratet? Wahrhaftig, ich wundere mich, daß er nicht Anſtalt dazu macht. Er ist gerade der richtige alte Schwede dazu, wie meine Frau immer sagt."" Aber, Heinz, wirk lich", protestierte Frau von Gadow.„ Na, nun müssen sie aber doch meine Mädels begrüßen, sie junger Held! – Warten sie, hier ist zuerst eine, die sie wohl noch nicht kennen; meine Elisabeth," sagte mein freundlicher Wirt, indem er mich zu der zarten Gestalt im Rollstuhl führte. Sich zu ihr niederbeugend fügte er in merkwürdig verändertem, fast zärtlichem Tone hinzu:„ Arthur von Heyden, mein Herzblatt- Onkel Rodrigos Neffe!"- Elisabeth erhob sich ein wenig und reichte mir die Hand mit einem so sanften, bezaubernden Lächeln, daß ich mich unwillkürlich tief herabbeugte, um diese schlanken Finger an meine Lippen zu ziehen. Zu einer Anrede ließ mir der ungeduldige Vater feine Zeit. Er hatte inzwischen die anderen Töchter herbeigerufen. Ich sah sie ihr Spiel unterbrechen und den Abhang zu uns hinaufeilen. Nun entsteht die Frage," sagte ich mir,,„ welchem von diesen Holden und schönen Kindern meine ungeheure Anziehungskraft und eifrigen Aufmerksamkeiten gefährlich geworden sind." Die leichtfüßige Gertrud war schneller als die übrigen und schlug lachend und außer Atem in meine dargebotene Hand ein. Du bist es nicht," dachte ich und wandte mich zu der braunäugigen Helene, die mich mit einer wohlgesetzten kleinen Anrede begrüßte.„ Auch du nicht," beschloß ich mein Urteil. Hilda, die Schönheit der Familie, legte etwas zögernd ihre weißen Finger in die meinigen und warf mir mit den dunklen Augensternen einen ihrer wunderbaren Blicke zu.„ Hm! zweifelhaft!" war mein Gedankenschluß. Die beiden blondlockigen Zwillinge, Elli und Aenni, erröteten beide allerliebst, als ich ihnen die Hand bot.„ Aha!" dachte ich. ,, Gine von euch beiden!- aber welche?" Gretel, das Nesthäfchen, die ungeduldig zum Weiterspielen trieb, schien mir außer Frage zu sein, und so nahm ich den dargebotenen Tennis schläger an und war bald in die Feinheiten und Aufregungen des von meinem biederen Wirte so verachteten Spieles vertieft. War es Zufall oder Absicht? Ging es von ihnen oder von mir aus? ich fand mich ſtets Seite an Seite und in angeregtem Gespräch mit einer von den reizenden Zwillingen. Leider konnte ich sie nur gar nicht voneinander unterscheiden. Ja, doch!- Elli hatte den schelmischen Ausdruck und Aenni den lieblicheren, sanfteren Blick in den blauen Vergißmeinnichtaugen. Bald zog mich das eine, bald das andere mehr an. Das Spiel im Garten mußte abgebrochen werden, als die Glocke die ganze Gesellschaft ins Haus rief. Zu meinem Erstaunen fand ich ein Zimmer vollständig zu meiner Aufnahme eingerichtet und meinen Reisefoffer nebst allen übrigen Sachen hübsch geordnet darin vor. Bei der Abendmahlzeit war mein Platz zwischen den beiden Zwillingen. Ich fand sie beide gleich entzückend und liebenswürdig und wendete beiden gleich mäßig meine Aufmerksamkeit zu.
( Fortsetzung folgt.)
Nr. 39.
UND
WAIDWERK
Freie Tiere in Dsibirien.
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Die Brüder Dörries aus Hamburg, welche Ostsibirien als Forscher und Jäger bereisten, berichten unter anderem über Wald und Wild folgendes: Die Japanische Krähe, in den Wäldern häufig, verrät dem Jäger den Stand von Rot- und Rehwild; als Tribut erhält sie den Aufbruch. Vom Monat April an erschallt der Gesang verschiedener Drosseln. In Baumhöhlungen zimmert sich der Daurische Rabe seine Brutstätte zurecht, zahlreiche Spechtarten hämmern sich die Larven aus den verolmten Stämmen des Urwaldes heraus. Im Waldlaube geht die schön grün und blau gefärbte Racke, mit olivenbraunem Kopf und Hals, den Insekten und Larven nach, der bengalische Eisvogel baut sich aus Gräten in den Uferhöhlen sein Nest, durch die entlaubten Wälder tummelt sich zur Winterszeit der muntere Amur- Kleiber mit zahllosen Meisen. Grasmücken und Fliegenfänger ziehen im Herbst nach dem Süden. Am Hanka- See zeigt der Kiebitz mit lautem Geschrei dem Reisenden seine Flugkünste, während an Flüssen und Seen verschiedene Reiherarten dem Fischfang nachgehen und unzählige Taucher und Enten den Suiffun und Ussuri bevölkern. Das Nahen des Frühlings kündet sich im März an, wo der Schnee zu schmelzen beginnt; doch folgt auf dem Tag mit 20º Wärme die Nacht mit einer Kälte von meist 10°. Anhaltend wärmer ist der April, zu dessen Ende das Eis auf den Flüssen aufgeht und das Gras zu sprießen anfängt. Im Mai entfaltet sich das Grün der Sträucher, die Eichen schlagen Mitte dieses Monats aus und stehen nach acht Tagen in vollem Laubschmuck. Die Hitze im Mai, Juni und Juli wird durch häufig starke Regengüsse und Gewitter gemildert. Ende Juli schwindet der Blumenflor und das Grün der Gräser; dem warmen August fehlt Regen, und im September bewirken die kühlen Nächte, daß man Ende des Monats morgens bereits Eis findet. Stärkerer Frost tritt im Oktober ein, Anfang November fällt der erste Schnee, von den Russen Purga genannt, in mehrtägigem Gestöber; andauernde Kälte mit abwechselndem Schneefall herrscht von Ende Dezember bis Ende Februar. Die Durchschnittstemperatur beträgt dann 8-100, doch steigt die Kälte zuweilen bis auf 36°. Jezt ist der größte Teil der Vögel aus dem Ussuri- Gebiet nach Süd- China gezogen, nur Raben und Krähen treiben sich, wie bei uns, hungernd umher; durch die schneebedeckten Zweige des Waldes huschen die Meisen, und der Säger sucht und findet selbst bei 20° Kälte noch an warmen Quellen Nahrung. Die Säugetiere aber, den Tiger, den Panther, die Bären, Hirsche, Rehe, den Marderhund, den Mandschurischen Hasen, schützt ein außerordentliches dichtes Haar, besonders an Brust und Bauch, gegen die Unbilden der Witterung, oder sie halten in geschützten Erdhöhlen und Baumhöhlungen ihren Winterschlaf.
Ueber den Waldbestand in Deutschland macht das Kaiserliche Statistische Amt in den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches bemerkenswerte Angaben. Im Jahre 1900 waren fast 26 Prozent von der Gesamtbodenfläche des Reiches Waldland, nämlich 14 Millionen Heftar. Davon tamen etwa 912 Millionen auf Nadelwald, 4 Millionen auf Laubwald, wobei zu bemerken ist, daß seit 20 Jahren der Bestand an Nadelholz zu, der an Laubholz abnimmt. Unter den Nadelholzwaldungen waren über 52 Millionen Hektar Kiefernwälder, 21, Millionen Hektar Fichten- und nur etwa 300 000 Hektar Tannenwälder. Sehr lehrreich ist die Verteilung der Waldungen in den preußischen Provinzen. Am stärksten bewaldet ist Hessen- Nassau mit 40 Prozent Waldboden, dann folgen Brandenburg, Rheinland, Schlesien und Westfalen. Unter dem Durchschuitt stehen Hannover, Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern und Sachsen. Alle diese haben aber- bis auf Ostpreußen eine Zunahme der Bewaldung erfahren. Die nichtpreußischen Staaten erfreuen sich des größten Waldgebietes: in Bayern, Württemberg, Baden, Elsaß- Lothringen, also in ganz Süddeutschland, ferner in Hessen, Sachsen KoburgGotha und Braunschweig betrug die Waldfläche über 30 Prozent der Bodenfläche, in Sachsen Meiningen sogar 42 Prozent, das somit das waldreichste deutsche Land ist. In Bayern und Sachsen hat die Bewaldung stark abgenommen, in Baden, Oldenburg und Mecklenburg dagegen stark zugenommen. Nach dem Besitzstand gab es 46 Prozent Privatforsten, 33 Prozent Staats- und 16 Prozent Gemeindeforsten. Der Holzertrag des gesamten deutsche Waldbestandes belief sich auf 20 Millionen Mark Nuzzholz, 18 Millionen Mark Brennholz und 10 Millio. en Mark Reisig.
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Donnerstag, den 18. Februar
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
God und Berlag bes Otebener Berlagsbradoret, vorm. Duh. Reller'sche Subruderst( gegz. 1780); revenues: Ibis Riefs
( 2. Fortseßung.)
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Behold.
„ Das sind allerdings glänzende Aussichten," sagte Ottofar sarkastisch,„ nur eines ist in dieser schönen Rechnung vergessen."
„ Und das wäre?"
„ Das Herz."
„ Unsinn!" erwiderte der Hofrat achselzuckend.„ Ich mußte mich auch gegen meine Neigung mit deiner Mutter verloben, mein Vater befahl es mir, und seinem Befehle mich zu widersetzen hätte ich niemals gewagt. Mein Herz iſt nicht gefragt worden, ebensowenig das Herz deiner Mutter, und dennoch haben wir sehr glücklich miteinander gelebt. Hast du irgend etwas gegen Irma v. Spangenberg einzuwenden?"
,, Durchaus nicht, aber-"
Ihre bürgerliche Herkunft kannst du nicht als Grund geltend machen, denn daß ihr Vater binnen furzem geadelt wird, unterliegt feinem Zweifel, wie schon gesagt."
Doch wohl nur dann, wenn Fräulein v. Derendorf seine Werbung annimmt?"
..Zweifelst du daran, wenn der Fürst dies wünscht?" " Ich werde so lange daran zweifeln, bis ich es schwarz auf weiß sehe," erwiderte Ottokar, dessen Hand noch immer zitterte, als er jetzt sein Weinglas wieder füllte.„ Wenn du mir diesen Beweis vorlegst, dann will ich mich deinen Wünschen fügen."
„ Den Beweis sollst du schon bald haben," sagte der Hof rat, indem er einen Blick auf die Uhr warf, die auf der Marmorkonsole vor dem Spiegel stand. In keinem Falle kann es schaden, wenn du dich schon jetzt deiner zukünftigen Braut näherst und dich liebenswürdig machst. Gelegenheit dazu findet sich leicht, der Herr Direktor würde dich mit offenen Armen aufnehmen, wenn du ihm deine Aufwartung machen wolltest."
Das hat noch Zeit."
Was heute noch geschehen kann, soll man nicht auf morgen verschieben.— Wir wollen nun zu Bette gehen, die Uhr zeigt bereits auf zwei, überlege dir alles und sage mir morgen deinen Entschluß; das Weitere darfst du getrost mir überlassen, die Wege will ich dir schon ebnen."
Der alte Herr hatte, während er dies ſagte, eine Kerze angezündet, er reichte seinem Sohne die Hand und ging ins Nebenzimmer.
Ottokar fuhr mit der Hand über Stirne und Augen und atmete tief und schwer auf. Dann zündete auch er eine Sterze an, löschte die Lampe aus und stieg die Treppen hinauf, die zu ſeinem Schlafzimmer führten, das oben im zweiten Stockwerk neben seinem Atelier lag.
3weites Kapitel.
Die Amtswohnung des Polizeirats Appel lag im ersten Stockwerk des palastartigen Gebäudes, in dessem Erdgeschoß die Diensträume der fürstlichen Polizeiverwaltung sich_be= fanden. Der gefürchtete Beamte, ein hagerer, knochiger Mann von etwa fünfundvierzig Jahren, saß vor dem Früh
( Nachdruck verboten))
stückstisch und las die Rapporte, die jeden Morgen in einem versiegelten Kuvert bei den neuesten Zeitungsnummern neben seiner Kaffeetasse lagen. Ueber das eckige, bartloſe Gesicht glitt mitunter ein boshaft triumphierender Zug, dann und wann fuhren auch die mageren gelben Hände einige Male durch das kurzgeschorene braune Haar. Es ereignete sich heute sogar der seltene Fall, daß er plötzlich hell auflachte, aber in diesem Lachen lag so viel Hohn und Bosheit, daß ſeine junge Frau, die ihm gegenüber saß, ihn erschreckt anblickte.
Die Behauptung, daß der Herr Polizeirat Hermann Appel nicht der Mann sei, der eine zartfühlende Frau glücklich machen könne, fand eine nicht zu leugnende Bestätigung in dem schüchternen Auftreten und der sanften Duldermiene seiner Gattin, und dies mußte ihn um so mehr erbittern, weil sie eine schöne und liebreizende Erscheinung war.
Der Polizeirat legte, noch immer lachend, den Rapport hin und trant seine Tasse aus, die er alsdann mit einem lauernden Blick feiner Gattin hinschob, um sie noch einmal füllen zu lassen.
,, Woher stammt das Vermögen deines Vaters, Anna?" fragte er mit gedämpfter Stimme.„ Von seinen Eltern oder von deiner Mutter?"
Ich weiß es wirklich nicht," antwortete sie, und aus ihren tiefblauen Augen traf ihn ein ängstlicher Blick.„ Der Vater hat darüber nie mit mir geredet."
Hm, erinnerst du dich noch der Zeit, in der dein Vater Zeichenlehrer war?"
gewiß, sehr gut."
Machten deine Eltern damals schon ein großes Haus?' Nein, Hermann, wir lebten derzeit sehr einfach." „ Die Herrlichkeit begann erst, als er Direktor geworden war?"
Sehr gegen den Wunsch der Mutter," bestätigte Anna, „ der Vater aber wurde dazu gedrängt durch seine Stellung. Durchlaucht und auch der Erbprinz besuchten uns, wir mußten Gesellschaften geben, der Vater klagte oft, daß sein Vermögen dadurch gefährdet werde, aber er konnte nicht anders."
So, so!" sagte der Rat gedankenvoll, indes ein spöttischer Zug seine schmalen Lippen umspielte, er konnte nicht anders! Nun ja, das gebe ich zu, aber Durchlaucht wird ihn dafür schadlos gehalten haben."
,, Das mag sein, wir Kinder erfuhren nie etwas von unseren finanziellen Verhältnissen, auch dann noch nicht, als die Mutter gestorben war."
„ Na, sehr freigebig ist er nicht gewesen, als er dich verheiratete," spottete der Pascha", wie er in den liberalen Anschauungen huldigenden Kreisen der Residenz oft spöttisch genannt wurde.„ Er hat viel versprochen und wenig gehalter, aber ich werde ihn an seine Versprechungen erinnern.- Jit es dir schon bekannt, daß dein Vater wieder zu heiraten beabsichtigt?"
Nein," erwiederte Frau Anna, und das Befremden, das deutlich in ihrem blassen Antlitz sich spiegelte, bestätigte die Wahrheit ihrer Antwort.
ben. Alle rfen, äßen
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mangel,
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