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der Verteidiger geltend, daß die Ratten unmöglich erscheinen könnten, weil der Lärm von diesem Prozeß ihre Feinde, die Kazen, auf die Beine gebracht habe, die ihnen nun auf Wegen und Stegen auflauerten. Allein, so große Mühe sich Chasseneur gab, es gelang ihm nicht, die Ratten durchzubringen: sie wurden zur Ausweisung verurteilt, und ihnen geboten, die geschädigten Felder und Weinberge binnen drei Stunden zu verlassen und sich an solche Orte zu begeben, wo sie niemand Nachteil bringen könnten.
Berühmt ist der Prozeß gegen die Rüsselkäfer von St. Julien. Im Jahre 1545 wurden nämlich die Weinberge von St. Julien in der Nähe von St. Jean de Maurienne, in der savoyischen Provinz St. Maurienne von den Rüsselkäfern arg heimgesucht. Eine gerichtliche Untersuchung ward eingeleitet und von den Weinbergsbesitzern vor dem bischöflichen Gericht St. Jean de Maurienne förmlich Klage erhoben, sowie Schadenersatz verlangt. Das Gericht erließ einen Ausweisungsbefehl gegen die Rüsseltäfer, unter gleichzeitiger Ernennung einer eigenen Kommission, welche den angerichteten Schaden abschäzen sollte. Unbegreiflicherweise respektierten die Beklagten den Ausweisungsbefehl nicht im geringsten; dagegen erstattete die Kommission ihren Bericht. Der Prozeß nahm nun seinen Anfang, den Rüsselkäfern wurde ein Verteidiger bestellt und die Verhandlungen begannen. Der Verteidiger plädierte für Freisprechung, das Urteil wurde jedoch suspendiert, da die Käfer plötzlich verschwanden. Aber nach zweiundvierzig Jahren, 1587, erschienen sie aufs neue und richteten gewaltige Verheerungen an. Die Gemeindebehörden strengten abermals den Prozeß beim Generalvikar des Bischofs der Maurienne an und ersuchten um Bollstreckung des früher gegen die Beklagten gefällten Urteils. Der Generalvifar ernannte den Käfern einen Sachwalter zum Verteidiger, erließ aber zugleich ein Rundschreiben an die Gläubigen, in welchem er öffentliche Gebete und Prozessionen empfahl; die Plage sei eine Strafe für die unregelmäßige Entrichtung des Zehnten und ihr könne in Zukunft nur entgehen, wer Zehnten und geistliche Gebühren pünktlich entrichte. Der Prozeß ging unterdessen seinen Gang fort. Der Advokat der Käfer, Pierre Rembaud, nahm das Recht zum Leben für seine Klienten, die ja Geschöpfe Gottes seien, in Anspruch und setzte der Gegenpartei dermaßen zu, daß sie den Beklagten einen Vergleich vorschlug. Man bot den Insekten ein Stück Gemeindeland von etwa fünfzig Morgen an, wenn die Herren Sachwalter und Prokuratoren ein Einsehen nehmen und sich begnügen möchten"; besagtes Feld sei mit mancherlei Holz, mit Pflanzen und Kräutern bewachsen, biete auch schönes Gras und Weide in ausreichender Menge. Bei diesem Anerbieten behielten sich jedoch die Bürger von St. Julien das Recht vor, über das Stück Land nach dessen Abtretung frei passieren zu dürfen, ohne daß sie indes damit der Nahrung der Käfer in irgend einer Weise Abbruch tun wollten". Da aber dieser Platz ein sicherer Zufluchtsort in Kriegszeiten sei und gute Brunnen habe, deren sich die Käfer ebenfalls bedienen könnten, so wahrten sich die Bewohner ferner das Recht, in Zeiten der Not und Bedrängnis dorthin flüchten zu dürfen; jedenfalls solle über die Abtretung des Landes ein Vertrag in guter Form und für ewige Beiten ausgefertigt werden. Dieser Beschluß wurde am 29. Juni gefaßt. Am 24. Juli machte der Advokat der Einwohner eine Eingabe, welche dahin ging, es möge dem Richter gefallen, falls die Verteidigung auf das Anerbieten nicht eingehe, seine Schlußanträge zu genehmigen, in denen er verlangte, daß die Käfer angehalten sein sollten, sich augenblicklich aus den Weinbergen der Gemeinde zurückzuziehen, sowie daß ihnen unter Androhung schwerer Strafe verboten werde, fünftighin nach den Weinbergen zurückzukehren." Der Advokat der Käfer ersuchte um eine Frist zur Stellung seiner Gegenanträge. Als am 3. September die Verhandlungen wieder aufgenommen wurden, erklärte er, die Bedingungen durchaus nicht annehmen zu können, da das angebotene Stück Land gänzlich trocken und unfruchtbar sei, indem es nichts hervorbringe, wovon seine Klienten leben könnten. Der Prozeß zog sich dadurch in die Länge, und als schließlich die gerichtlich ernannten Sachverständigen das Grundstück untersuchten, bedurften die Käfer desselben nicht mehr; denn sie waren mit Eintritt der kalten Jahreszeit von selbst verschwunden.
Das Pariser Parlament teilte die Anschauungen der Provinzialgerichte und verurteilte z. B. im Jahre 1664 einen Esel zum Tode durch den Strang.
( Schluß folgt.)
WITZ
UND
HUMOR
Der Herr Professor. Einst hat ein Herr Professor Ein schönes Rös'lein erblidt, Da fragte er sich bedächtig: ,, Was ist's, das mich entzückt?
Vielleicht ist's Form und Farbe? Bielleicht ist's auch der Duft?" Er konnte es nicht ergründen Und starrte in die Luft.
Und als er lang' gegrübelt, Da fiel ihm schließlich ein: Es könnte am Ende entzückend Die ganze Rose sein.
Da wollte der Herr Professor Die Rose pflücken sacht. Doch ach
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das tat schon ein and Wer hätte das gedacht?!
Ganz in der Rolle. Erster Schauspieler( einem zweiten begegnend): Ah, ſich da du bist ja ganz in deiner Rolle- so finnend und grübelnd- ganz Hamlet 8 weiter Schau= spieler: Es gibt mehr Schulden zwischen Himmel und Erde, als Ihr Euch träumen laßt, Horatio!
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Juristische Speise. Die am meisten juristische Speise sind Kartoffeln denn sie sind ein Land- und Stadtgericht.
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Von der modernen Tortur. Die kleine Lilly sitzt am Klavier und übt ein Stück, das ihr der Klavierlehrer aufgegeben. Sie kommt damit nicht zustande, und in ihrer Qual bittet sie die Mutter, ihr zu helfen.„ Mein Kind," antwortet die Mama, ich kann dir nicht helfen, ich habe das Klavierspiel nicht gelernt."—"," ruft das Kind, wie edel waren deine Eltern!"
Derraten.
,, Kind, geh hinaus!" sagte die Mama,„ ich sehe, der Arzt kommt, den ich sprechen muß."
,, Ach, liebe Mama, laß mich doch dabei sein!" meinte die Kleine. " Ich bin zu neugierig!"
,, Aber worauf denn, mein Kind?"
..Bapa sagte gestern zum Fräulein, daß der Doktor dich immer an der Nase herumzieht, und das möchte ich doch gar zu gern einmal sehen!"
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Eine höfliche Grobheit. Herr( zu einer Vame):„ auf Ehre, meine Gnädige, ich hätte Sie kaum wiedererkannt, so sehr haben Sie sich verändert." Dame( schalthaft):" Zu meinem Na teil oder Vorteil?" Herr:„ D, gnädiges Fräulein können sich nur zu ihrem Vorteil verändern."
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Mit eigener Münze bezahlt. Ein etwas proziger Hausherr liebte es, seinen Gästen den Preis der ihnen vorgesetzten Speisen mitzuteilen. Dieser Wein," sagte er zu einem Freunde, der bei ihm aß ,,, kostet mich sechs Mark die Flasche."" So?" sagte des Gast und füllte sein Glas aufs neue." Dann nehme ich noch für fünfzig Pfennig."
Scherzfrage. Welche Leute eignen sich am besten zu Kassierern? Antwort: Die Zahnärzte, denn diese reißen nur aus, wenn sie die Erlaubnis dazu bekommen."
Erstaunt. Einer unserer berühmtesten Dichter, dessen Schreibart seine Gegner gern als geschwollen" bezeichnen, befindet sich in einer Gesellschaft. Er unterhält sich sehr eingehend mit einer Dame, die, sich entschuldigend, daß sie bei der Vorstellung seinen Namen nicht verstanden hat, ihn um denselben bittet. Der Ge feierte nennt seinen Namen, und die Dame ruft:„ Ach, Sie find also der berühmte Dichter! Aber Sie reden ja so vernünftig!"
Nr. 185
Freitag, den 17. Junt.
1904
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
( 2. Fortsegung.)
Die Mdjaren.
Originalroman von Arthur Gundaccarv. Suttner.
Wohl gab es auch in diesem gesegneten Winkel zur Winterszeit zuweilen Schnee, aber wenn auch die weiße Hülle auf den Berggipfeln bis ins Frühjahr hinein und oft noch länger liegen blieb, so schmolz der Schnee in dem geschützten Thal bald wieder hinweg, und von wirklicher Kälte wußten nur die Leute zu erzählen, die weiter östlich die schroffen Abhänge des Arziangebirges bewohnten. Hier an dem Ort, der seinen Namen von den köstlichen Früchten*) trug, welche im Ueberfluß wuchsen, gab es keine ernstlichen Frostschäden zu befürchten.
Djambek hatte sich mit einigen Freunden verabredet, den erwarteen Gästen bis zur Mündung des Adjari auf festlich geschmückter Barke entgegenzufahren, und man machte sich daher am festgesetzten Tag frühzeitig auf den Weg, der stromab leicht in fünf Stunden zurückgelegt werden konnte.
Der Kaimakam war mit seinem zahlreichen Gefolge, das zwei große Barken besetzt hatte, schon vor Djambek und dessen Begleitung an derselben Stelle angekommen; die beiden Parteien hielten sich aber nach einer fühlen Begrüßung in gemessener Entfernung von einander, denn keiner der beiden Gegner fühlte sich bemüßigt, dem anderen gegenüber den ersten Schritt zu machen.
Ein Kahn war mit zwei Leuten noch weiter stromabwärts gesendet worden, um das Nahen der Erwarteten mittelst mehrerer Flintenschüsse anzuzeigen. Es dauerte nicht lange, so knallte es durch die Luft, und das kleine Boot kam in aller Gile herangerudert. Schnell sprang die Bemannung in die beiden der Aufnahme der Gäste harrenden Barken, während Djambeks Kajuk rasch durch die Fluten glitt und dem des Kaimakam im Nu einen Vorsprung abgewann.
Cherif- Bascha kam mit seinen Gästen auf einem Kutter der Zollbehörde angefahren, und es war ihm nicht unangenehm, durch Djambek zu erfahren, daß man sich hier überschiffen werde, um die Reise in bequemerer Art fortzusetzen. Der stattlich geputzte Kajuk, der am Ufer harrte, rief allgemeine Zufriedenheit hervor, und als sich endlich alle unter dem schüßenden Zeltdach auf weichen Kissen gelagert hatten, während vortrefflicher Kaffee herumgereicht wurde, erklärte Cherif- Pascha, daß es hier reizend sei und daß sein junger Freund Djambet einen prächtigen Reisemarschall abgäbe. Auch Thamar sagte dem Festordner ein paar freundliche, dankende Worte, und die Töchter der europäischen Gäste wurden nicht müde, ihre Ekstase durch enthusiastische Ausrufungen kund zu geben.
Djambek, der sich nach Unterbringung der Geſellſchaft auf sein Boot zurückziehen wollte, wurde an Bord des Gouverden Kaimafam huldvoll auf, in seiner Nähe zu bleiben. neurschiffes zurückgehalten; ebenso forderte auch Cherif- Pascha
Die Fahrt stromauf ging nur langsam von statten, aber niemand hatte besondere Eile, denn die ganze Gesellschaft war so fröhlich gestimmt, daß man allseitig erklärte, die Reise
*) Skalta heißt auf georgisch die Birne.
(( Nachdruck verboten. fönne ganz gut eine Woche lang dauern, ohne daß man sich nach dem Ende zu sehnen brauchte.
Als man dem ersten Weiler näher kam, stießen zwei Barken vom Land ab, welche den Dorfältesten und dessen Begleitung enthielten, während sich die übrigen Bewohner in Festkleidung am Ufer versammelt hatten, Salven in die Luft feuerten und Willkommrufe hören ließen. Dasselbe wiederholte sich bei jedem Dorf, und endlich wurde bei einem derselben gelandet, da hier die Mittagstafel vorbereitet worden war.
Der Gouverneur unterhielt sich in jovialer Weise mit den Abgeordneten, nahm ihre Anliegen entgegen und versprach mit freigebigen Worten, allen ihren Wünschen gerecht zu werden. Das gute Mahl und der vortreffliche Wein- der Prophet hatte ja eben drüben in Stambul zu viele Geschäfte, um hier über seinem bescheidenen Knecht wachen zu können mundeten ihm so ausgezeichnet, daß er erklärte, dieser Ausflug sei eine wahre Erholungsreise für ihn, die er demnächst wiederholen müsse, um gleichzeitig seine lieben" Schutzbefohlenen so recht genau in ihrer Häuslichkeit kennen zu
lernen.
Nach eingenommenem Mahl machte man sich wieder auf den Weg, und da es sich die Vorsteher der verschiedenen Dörfer nicht nehmen ließen, dem Zug das Ehrengeleite zu geben, so war diese Eskorte bis zum Abend zu einer stattlichen Anzahl von Booten angewachsen. Als die Dunkelheit hereinbrach, wurden allenthalben Jackeln angezündet, was besonders dort prachtvolle Beleuchtungseffekte hervorbrachte, wo irgend ein Wildbach in den Fluß mündete und sich in perlenden Kaskaden über die dunklen Felsen herabſtürzte. Auch die Bewohner der Ufergelände waren trotz der vorgerückten Stunde auf den Beinen und ließen Freudenfeuer aufflammen, während ihre Abgesandten zu dem Zug stießen, um das Gefolge zu vermehren.
An Bord des Statthalterschiffes herrschte fröhliches Leben, und niemand dachte noch daran, die Schlafstellen aufzusuchen. Erfrischungen verschiedener Art standen auf einer gedeckten Tafel bereit, und ein kleines Orchester einheimischer Musiker gab die eigentümlichen melancholischen Weisen zum besten, die hier im Land im Umlauf waren. Selbst ein Improvisator hatte sich mit seiner Sackpfeife eingefunden, der, durch die Freigebigkeit des Paschas aufgemuntert, aus dem Stegreif schmeichelhafte Stanzen an die Anwesenden richtete.
Thamar hatte sich etwas abseits von der übrigen Gesellschaft niedergelassen und betrachtete bewundernd die Landschaft, die, von den Fackeln und Bechpfannen beleuchtet, stellenweiſe in greller Röte aus der Finsternis heraustrat. Djambek lehnte an ihrer Seite an der Bordwand und gab ihr über die verschiedenen Sitten und Gebräuche Auskunft, die noch feit uralten Zeiten hier im Land herrschten.
" Ich dachte nicht, als wir in Batum landeten," sagte das junge Mädchen, nachdem eine Pause eingetreten war, daß wir in nächster Nähe ein wahres Märchenland finden würden." Djambek lächelte.
„ Es scheint Ihnen so heute, unter dem Eindruck unserer


