Nr. 114.
bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., a's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertelfährlich Mr. 1.50.
Gratisbellagen: Oberhefftfche Familienzeitung( täglich) und die Gießener Getfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Dienstag, den 17. Mai 1904.
Gießener
13. Jahrgang.
Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz OberHessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Bfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 88. Fernsprechenschluß Nr. 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Der Kampf der Berufsstände.
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-Glossen zum Deutschen Bankiertage.
Nachdem im Vorjahre zu Frankfurt a. M. zum ersten Male die deutschen Bankiers zur Beratung ihrer gemeinsamen Interessen zusammengetreten waren, findet nunmehr in Berlin die zweite Jahresversammlung statt. Die Organijation des Bankierberufes, die vor einem Jahrzehnt nicht einmal für möglich gehalten wurde, ist nunmehr als eine bollzogene Tatsache zu betrachten und es ist eine immerhin eigenartige Erscheinung in unserem modernen Wirtschaftsleben, daß ein Beruf, bei dem die Individualität alles bedeutet, in ähnlicher Weise sich zusammenschließt, wie das Gewerbe und die Landwirtschaft. Derartige Organisationen kommen nur durch den Kampf zustande und werden nur im
Jeuer der Interessengegensätze gehärtet. Der Kampf des Bankiergewerbes ist angesichts der Parlamentsmehrheiten augenblicklich allerdings ein ziemlich aussichtsloser. Das hat sich in letzter Zeit namentlich wieder in dem Schicksal der Börsenvorlage gezeigt, die von der Mehrheit ihrem eigentlichen Wesen nach vollständig abgelehnt worden ist. Trozz des Eingreifens des Reichsbankpräsidenten Koch und des Börsenfommissars Hempptenmacher ist der von weiten Kreifen geforderte Terminhandel in Bergiverksaktien auch unter berschärften Kontrollbestimmungen mit Stimmenmehrheit abgelehnt worden. Unverkennbar haben also die Tendenzen, welche die produzierende Tätigkeit und die gütererzeugenden Stände vor dem Handel bevorzugen, noch immer die Oberhand und der Deutsche Banfiertag befindet sich also durchaus in der Defensive. Dementsprechend sind auch die Beratungsgegenstände und der Ton der Verhandlungen durchaus polemischer Natur.
Trotz dieser polemischen Außenseite und trotzdem die Organisation nur im Kampfe und zum Zwecke des Kampfes entstand, ist sie, wie alle anderen ständischen Korporationen, ein Prinzip des neuzeitigen Staatsaufbaues. Die einzelnen Strinde müssen sich mit Naturnotwendigkeit organisieren und zwar auf der Grundlage der Selbsthilfe, seitdem durch die Ginführung der Gewerbefreiheit die Stände als solche von den Staate sich selbst überlassen wurden. So sind nacheinander die Berufsgruppierungen entstanden, die den einzelnen zum Widerstand gegen die anderen Interessengruppen befähigen, die aber zugleich eines der wirksamsten und unent= behrlichsten Mittel der modernen Regierungsform sind. Solche Organisationen, einmal geschaffen, lösen sich auch dann nicht auf, wenn der ursprüngliche polemische Zweck erreicht worden ist, und sie wirken dann unbewußt und vielleicht auch ungewollt als Informationsstellen für den Gesetzgeber, sowie auch als sittliches Moment für die Standesentwickelung. Sie üben mit der Zeit einen maßgebenden Einfluß auf die Erziehung des Nachwuchses und auf die Geschäftsgebarung der einzelnen Mitglieder aus. Auch der Deutsche Bankiertag wird diesen Entwickelungsgang nehmen, und darin ruht
selbst für diejenigen Berufsarten, die sich heute noch als seine Gegner fühlen- seine nicht zu verkennende soziale Bedeutung. Wie der Bund der Landwirte, wie die Handwerkerorganisationen, wie der Verband der Industriellen und wie die Gewerkschaftsbewegung, so wird auch der Deutsche Bankier= tag an seinem Teil zu den Kulturaufgaben des modernen Staates sein Scherflein beitragen.
Neue Poft aus Südweftafrika.
Aus dem Aufstandsgebiet in Deutsch- Südwestafrika liege heute eine Reihe Meldungen vor, die samt und souders wenig erfreulich sind. Zunächst ergiebt sich aus einer Meldung des Gouverneurs Leutwvein, daß unsere Truppen im Aufstandsgebiet unter großen Schwierigkeiten umherziehen, ohne der Herero habhaft zu werden. Das Telegramm Leutweins meldet:
Oberleutnant v. Zülow hat gestern Omaruru erreicht. Bei Okombahe und Kawap, westlich Omaruru, werden bewaffnete Hererobanden gemeldet, die in der Nacht vom 2. zum 3. den Vieh posten bei Okombahe überfielen. Die Säuberung der Gegend ist angeordnet. Estorff hat der Wasserverhältnisse wegen Teile seiner Kolonne nach Okornkambe verlegt. Okajainjia ist vom Feinde frei, bei Engonda wurde auf vereinzelte Herero gestoßen.
Daraus ergibt sich, daß die Kolonnen Estorff und Zülow immer noch weiter nordwärts marschieren und zwar unter Wassermangel, während die Herero sich nach dem Waterberg fonzentrieren. Ihr Oberhäuptling Samuel Maharero_mil jeinen Leuten sitzt bei Okatjeru, 15 km südöstlich von Osire, dagegen stehen Tetjo, Kajata, Mambo und Zacharias etwa 25 km südöstlich von Ofatjeru. Nach einer diese Depesche Leutweins ergänzenden Privatmeldung waren 15 bewaffnete Herero am 2. Mai nachts beim Viehraub in der Gegend von Otombahe beteiligt. Sie erschlugen drei Vieh. wächter. Tags vorher hatten sie bereits drei Frauen und ein Kind ermordet. Es verlautet auch von weiteren Morden westlich Ameib( etwas nordwestlich von
Karibib).
Weitere Depeschen, die an amtlicher Stelle eingegangen sind, melden den Tod des Oberleutnants z. S. Mansholt, des Führers der Maschinenkanonenabteilung für Südwest. Mansholt starb am 14. d. Mts. in Otjihaenena am Typhus infolge eingetretener Darmblutung und Entkräftung. Mans. holt war der einzige Offizier, der in dem Gefecht bei Owitokorero am 13. März unverwundet blieb. Auch das Gefecht von Okaharui machte er als Kommandeur dei Artillerie mit besonderer Auszeichnung mit. Von den vier Seeoffizieren bei den Maschinenkanonen der Ostabteilung ist nur noch Leutnant Ehrhardt übrig. Weiter starben an Herzschwäche im Lazareth zu Otjihaenena der Seefoldat Jakob Völkel und der Einjährige vom Seebataillon Friedrich Botten.
Zu Ehren des
Generals v. Trotha
gaben das Offizierkorps und die Spigen der Zivilbehörden in Trier ein Abschiedsessen. Abends fand Zapfenstreich und cin Fackelzug der gesamten Garnison statt. Mit den unter b. Trotha abgehenden Truppen wird auch ein eigenes Kriegsgericht dorthin entsandt, dessen Vorsitzender der Kriegsgerichtsrat Dr. Correns vom 3. Armeekorps sein wird. Das gesamte Personal des Gerichts ist bereits bestimmt.
Der Krieg in Oftalien.
Das Mißgeschick, das die russische Flotte bisher ausschließlich allein verfolgt hatte, scheint jetzt auch den Japanern nicht erspart bleiben zu sollen. In dem kurzen Zeitraum von vier Tagen haben sie zwei Fahrzeuge durch die Explosion von Minen verloren. In der Kerrbucht nördlich von Talienwan, wo das Torpedoboot am 12. d. Mts. zu Grunde ging, ist am 16. Mai der Aviso Mijako" in die Luft geflogen.
Das Tokioter Telegramm meldet lafonisch ohne weiteren Kommentar die Tatsache und berichtet, daß der Untergang des„ Mijako" S Tote gekostet hat. In Petersburger Blättern behauptet man allen Ernstes, daß
der„ Mijako" von den Russen in die Luft gesprengt worden sei. Diese Annahme stützt sich auf folgenden Bericht des in Liautschang befindlichen russischen Schriftstellers Nemirowitsch Dantschenko:
Ein junger Marineoffizier verließ nachts mit drei Matrosen und drei Whithead- Torpedogeschützen in einem Dampffutter Port Arthur, indem er sich nach dem Standplatz der japanischen Flotte in der Bucht von Talienwan begab, wo er ein japanisches Panzerschiff in die Luft sprengte. Die Detonation war bis Zintschou zu hören und der Feuerschein der Explosion war weithin sichtbar. Der Offizier ließ sich mit dem Kutter an Land werfen und entfam.
Das Panzerschiff, von dem Dantschenko spricht, wäre der Mijako" gewesen. Es wird gut sein, den offiziellen Bericht über den Vorgang abzuwarten. Die Heldentat des jungen russischen Offiziers flingt denn doch ein wenig zu romanhaft. Nach anderen Quellen soll sich der Vorgang auch nicht bei Talienwan, sondern im Hafen von Port Arthur abgespielt haben. Doch ist es möglich, daß hier eine bloße ungenaue Ausdrucksweise vorliegt. Dalny, das an der Talienwanbucht liegt, wird auch wohl als Hafen von Port Arthur bezeichnet, da es fast den gesamten Handelsverkehr mit der Festung vermittelt.
Während nach der obigen Darstellung auf jeden Fall den Japanern von den Russen ein erheblicher Schaden zugefügt worden sein soll, hat nach Berichten amerikanischer Korrespondenten die javanische Flotte
den Eingang nach Port Arthur forziert. Als ein von dem Korrespondenten der Chicagoer„ Daily News" gechartertes Boot in der Frühe auf der Höhe von Port Arthur angekommen sei, sei eine heftige Beschießung im Gange gewesen. Soweit man hable sehen können, seien der japanische Kreuzer Jakumo", vier andere Kreuzer, ein Kanonenboot und ein Schlachtschiff in den Hafen eingelaufen, nachdem sie sich die Einfahrt erzwungen hatten. Bald nach Tagesanbruch habe ein heftiges Feuer begonnen, das mittags noch angehalten habe.
Da von amerikanischen Kriegskorrespondenten noch bedeutend mehr Aufwand von Phantasie verlangt wird, als von ihren englischen Vettern, so wird man gut tun, diesem Bericht der„ Daily News" noch größeres Mißtrauen entgegenzubringen, als den Enten, die täglich in dichten Scharen von jenseits des Kanals zu uns herüberflattern. Der Statthalter Alerejew spricht in seinen letzten Berichten an den Zaren nur davon, daß das japanische Geschwader fortfährt, den Hafen zu blockieren, ohne jedoch irgendwie aktiv vorzugehen. Der Vormarsch; der Japancr
geht nach einer russischen Meldung aus Mukden in der Hauptsache auf Haitscheng und Kaitschjou vor sich, während sie in der Richtung auf Lioutscharg von Fönghwanghtscheng aus nur unentschlossen vorrücken. Das stimmt mit der Melduna überein, daß General Kuroki seine Vorvosten vom
Wofienpaß zurückgezogen hat, meu nach einem Bericht des Admirals Togo die Landungen der Japaner bei Niutschwang und auf der Liautunghalbinsel durch einen dreitägigen Sturm verzögert worden seien und deshalb der konzentrische Vormarsch nur langsam erfolgen könne.
In London ist das Gerücht von schweren Kämpfen bei Liontschang verbreitet. Ebenso soll gestern bei Niutschwang Geschützdonner vernommen worden sein.
Der russische Vorstoß in Korca.
General Lenewitsch soll mit großen Truppenmassen von Wladivostok nach Korea marschieren. Kurz nach Beginn des Krieges war, wie man sich erinnern wird, gemeldet worden, daß erhebliche russische Streitkräfte den Tumen überschritten hätten, um den Japanern, die angeblich damals in der Plaksinbai an der Ostküste Koreas gelandet waren, den Weg zum nördlichen Jalu zu verlegen. Von diesen russischen Abteilungen hatte man damals nichts weiter gehört.
Chinesische Russenfeindlichkeit.
Nach einer Meldung aus Lioutschang ließ ein chinesischer Verwaltungsbeamter dieser Tage mehrere Chinesen hinrichten, weil sie russenfreundlich gesinnt waren. Er überfiel ferner in Begleitung von 15 Beamten und einer Abteilung Soldaten die russischen Steinkohlenwerke bei Port Adams, um dort arbeitende Chinesen hinrichten zu lassen. Diese flüchteten. Die russischen Arbeiter wurden entkleidet und davongejagt; sie mußten viele Werst laufen, bis sie schließ= lich in einem chinesischen Dörschen aufgenommen wurden. Das Bergwerf wurde geplündert, und 200 000 Tonnen bester Steinkohlen verbrannten.
Die Politik.
Eine Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Eduard steht bevor: Wie antlich gemeldet wird, hat sich König Eduard zum Besuche des Kaisers für die Kieler Woche angesagt. Dieser Begegnung wird zweifelsohne eine besondere politische Bedeutung beigemessen werden. Und angesichts der gesamten internationalen Sonstellation wohl nicht mit Unrecht. Insbesondere dürften die ostasiatische Frage und das englisch- französische Abkommen bei dieser Zusammenkunft der beiden Herrscher das politische Gesprächsthema zwischen beiden beherrschen. Leute, die das Gras wachsen hören, wollen wissen, bei dieser Gelegenheit werde über ein ähnliches deutsch- englisches Abkommen die Entscheidung fallen.
Von einer Kanzlerkrise wird neuerdings wieder in Börsenkreisen gemunkelt. Auf dem gestern in der Reichshauptstadt zusammengetretenen Bankiertage verbreitete sich angeblich aus höheren Regierungskreisen stammend- das Gerücht, der Kanzler sei amtsmüde und sein Rücktritt stehe bevor. Ueber die Gründe für diesen Entschluß des Kanzlers wurden die verschiedensten Lesarten verbreitet. Nach Informationen, die unser Berliner CB.- Mitarbeiter an zuständiger Stelle erhielt, beruhen alle diese Gerüchte lediglich auf leerer Kombination. Den Tatsachen entspricht dagegen ein anderes auf dem Bankierstage lautgewordenes Gerücht, das von dem Abschluß des russisch- deutschen Handelsvertrages handelte. In der Tat haben sich beide Regierungen über den Inhalt des neuen Handelsvertrags endgiltig geeinigt, der Vertrag ist fir und fertig und bedarf nur noch der Genehmigung des Reichstags, dem er jedoch erst zum Herbst vorgelegt werden dürfte.
Zur Beseitigung des Lehrermangels in der Provinz Posen wird neuerdings von der preußischen Regierung ein ungewöhnliches Mittel angewandt. In der Provinz Posen fehlen allein 1750 Lehrer, wenn in den Städten 70, auf dem platten Lande 80 Kinder auf jede Schulklasse kommen sollen. Der Staat hat zwar in dieser Provinz die Präparandenanstalten und Seminare um das Doppelte vermehrt; aber trotzdem entspricht der Lehrernachwuchs dem Bedürfnis in feiner Weise. Die preußische Unterrichtsverwaltung hat infolgedessen für den Germanisationsdienst ausländische( österreichische) Lehrer herangezogen. An diese ist ein Aufruf ergangen, sich der preußischen Regierung für die Germanisationsarbeit in Posen zur Verfügung zu stellen. Daraufhin sollen sich gegen 150 Lehrer gemeldet haben. Sehr schön. Die österreichischen Lehrer werden sich kaum weniger gut bewähren als die reichsdeutschen. Indessen ist ihre Berufung auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Lehrermangel, der ständig wächst, wird erst aufhören, wenn die Lehrer höhere Besoldung erhalten.
Oefterreich- Ungarn.
In Budapest sind gegenwärtig die Delegationen versammelt, um über die gemeinsamen Angelegenheiten der beiden Reichshälften zu beraten. Der greise Kaiser Franz Josef empfing am ersten Sizungstage die Mitglieder der Delegationen. Dabei hielt der Monarch eine Rede über die internationale Lage, aus der folgende Säße von Interesse sind:
,, Unsere Beziehungen zu allen Mächten sind fort. dauernd die besten. Das festgefügte Verhältnis zu unseren
So,"
fagte Helene falt,
nicht recht weiß, auf welche seiner vielen Unarten es diesmal Alma machte ein Geficht wie ein gescholtenes Kind, das rechnen Sie das nicht als etwas besonders Schlimmes?" Eriftenz eines Ehrenmannes zerstört haben? Oder vielleicht noch nicht, daß Sie heute zu Ihrem Privatbergnügen die Sie wissen also vermutlich
Erst das Alte,"
Sie mir ein Rätsel.
tann und mag ich Shahl Selene,
" Ja,
Alma.
wenn
ich Sie nicht renne,
nicht helfen und bis jetzt sind
und ich wollte ganz bestimmt
,, Gestern war alles noch so anders, so ganz anders,
falto gar nicht
ich)
Führt Mann und Frau zu Recht und Ehre.
gwang reizt ein Herz, das edel; doch fanfte Lehre
sje
Großstadtbilder.
fo weiter.
er betrieb: fabrikant auf, alles in Ehren und Rechten. Börse, hier und da trat er vielleicht auch als KravattenEquipage mit Gummi, im Sommer die Reise ins Bad, und ter ein jour fixe, ein Herr. war Geschäftsmann; was für Geschäfte Er handelte mit Grundstücken, operierte an der
Abonnementssit in der Oper, eine
Ein wohlgeciate: mie


