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häft am Plak

fon 276.

Giessen

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AUS DEM REICHE

DES

WISSENS

Das Blker der Pfahlbauten. Jene uralten Seedörfer, welche gegen Raubtiere und nament­lich gegen menschliche Feinde Schutz bieten sollten, scheinen nach allen vernünftigen Schlußfolgerungen nicht so weit in die Ver­gangenheit hinabzureichen, wie anfangs kurz nach der ersten Ent­deckung der schweizerischen Pfahlbautenreste angenommen wurde. überreste dem heutigen Verständnis anpassen zu müssen und glaubte Damals meinte man durch ungeheure Zeitfernen die seltsamen Bau­in den Erbauern der Pfahldörfer ein Volk zu erblicken, das lange vor den historischen Zeiten lebte und nahe verwandt mit dem Ur­menschen gewesen war, dessen Vetterschaft mit Gorilla und Orang­Utang laut als neuester Fortschritt, als völkerbeglückende Errungen­schaft der modernen wissenschaftlichen Forschung verkündet wurde.

Ein Volk, das seine Wohnungen auf Pfählen erbaute, die es in einfachster Weise durch Steinumhäufungen am Grunde der Seen befestigte, mußte in ferner, wilder, sozusagen aschgrauer Vorzeit gelebt haben, denn in Europa fand sich nichts Aehnliches an Bau­art, wenn man auch nachforschte von den künstlichsten und stilvollsten Zementbauten bis auf die Ruinen der Ritterburgen an den blühen­den Flußufern.

Allmählich aber, als fast in allen größeren Seen Europas Pfahlbautentrümmer gefunden wurden und eine ruhige Prüfung des reichlich zutage geförderten Materials dem wissenschaftlichen Rausche Plak gemacht hatte, welcher übereifrige Jünger der Menschheitskunde befallen hatte, ergab sich, daß noch heutzutage viele Völker Pfahlbautenbewohner sind, welche entweder ihre Wohnungen fast in derselben Weise einrichten, wie z. B. die Pfahlbauer der schweizerischen und mecklenburgischen Seen, oder ihre Hütten in den Wipfeln hoher Bäume aufschlagen, zu denen sie durch Strick­leitern gelangen.

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Die heute noch lebenden Pfahlbauer- also unsere Zeitgenossen, welche sich einer Architektur bedienen, die in unseren Gegenden zur längst vergangenen gehört bewohnen die tropischen Erdstriche und werden zu den Wilden gerechnet, weil sie andere Sitten und Gewohnheiten als die Völker gemäßigter Klimate besitzen, deren Kultur aus anderen Bedingungen hervorgegangen ist, als die der dunkelfarbigen Völkerschaften, welche auch ohne Feuerwaffen und ohne Feuerwasser glücklich waren.

Da zeitgenössische Pfahlbauer nachgewiesen waren, so fragte es sich, bis zu welchem Zeitpunkt etwa die europäischen Pfahlbauer mit der ihnen eigenen Kultur seßhaft gewesen sein mochten, bevor sie durch einwandernde Völker oder andere Umstände vernichtet oder gezwungen wurden, ihre altgewohnte Lebensweise aufzugeben.

Die Anlagen der Pfahlbauten schützten gegen die älteste Art der Kriegführung, gegen den Ueberfall und selbst gegen längere Emschließungen. A: Uebergabe durch Aushungerung war schwer zu denken, denn auch der Fischreichtum der Gewässer kann als Grund für die Anlage der Seedörfer angesehen werden. Nach den wurden, ist ebenfalls anzunehmen, daß die Pfahlbauer sich mit ziemlich beträchtli hen Mengen von Kornresten, welche gefunden genügendem Vorrat an Lebensmitteln versahen. Es bricht sich so­zar die Annahme immer mehr Bahn, daß mit den Seedörfern leichzeitig das gings Land betoohnt wurde, daß es kein Pfahlbauer­Jolf in dem Sinne gab, wie heißspornige Gelehrte anfangs meinten, in niedrigstehendes Geschlecht, eine Art von Urvolk, der Affen­nenschen menschenartige Nacekommen.

timmen nämlich andere Furdücke überein, die nicht allein in der Mit den eisernen und bronzenen Fundstücken der Pfahlbauten Schweiz, sondern auch in anderen europäischen Ländern nament­ich den Grabstätten entnommen wurden. Es gab daher sowohl Zandbewohner als Seeansiedler, welche sich derselben Geräte be= lienten und, danach zu folgern, auch dieselben Gewohnheiten hatten, nithin auf gleicher Kulturstufe standen.

lauer bereits Handelsverbindungen gehabt, denn man findet in Nach den Fundstücken zu urte len, haben die europäischen Pfahl­en Resten der Niederlassungen Schmuckgegenstände, wie Nadeln, Ringe, Spangen und dergleichen, welche als Tauschobjekte betrachtet verden können. Unsere Pfahlbauer hatten( abgesehen vom Stiavenhondel) mancherlei Gegengaben, wie Harz, Wachs, Honig, ach den vejallreichen Länder: des Mittelmeeres gebracht wurden. Käse, Heute und ähnliche Produkte, die noch aus viel weiterer Ferne Aus allen diesen Erinittelungen geht hervor, daß die Pfahls bau'en mit ihren ießten Ausläufern bis in das historische Zeit­alter hinabraichten, alse ich einer Urzeit angehören, mit der die

Einbildungskraft sich gern, die Forschung jedoch nicht beschäftigen darf. Sie wurden verlassen, entweder durch Feindesgewalt ge= zwungen, oder infolge der Zerstörung durch Feuersglut. Auch versumpften die Ufer, wodurch die natürliche Befestigung der An­siedelung ein Ende nahm. Anderseits mochten zweckmäßigere Arten des Wohnungsbaues und besonders der Befestigung bekannt geworden sein. Als das Wasser keine genügende Sicherheit mehr bot, als der leichte Holzbau mit dem feuerfangenden Strohdach den brennenden Ballen von feindlichen Schleudermaschinen zum Opfer fiel, flüchtete man auf die Höhen der Berge und baute bergende Häuser aus Stein die Anfänge der Burgen.

Trotzdem waren die Pfahlbauten noch teilweise bewohnt, als die Römer ihre Eroberungszüge an den Rhein begannen, und nichts ist daher verkehrter, als wenn nicht genau unterrichtete Maler den Pfahlbauer in Gesellschaft von Ungeheuern darstellen, welche lebten, bevor überhaupt Menschen auf Erden waren.

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Allerlei Wissenswertes.

Das Gehirn des Löwen nimmt nach neueren Messungen und Vergleichungen eine Mittelstellung zwischen dem Hirn des Hundes und der Katze ein, so daß aus diesem Befunde sich Schlüsse auf die Charaktereigentümlichkeiten des Löwen machen lassen, der nicht ganz die Falschheit der Kaze besitzt, aber auch nicht vollkommen die Tugenden des Hundes aufweist. Der Tiger steht in dieser Be­zichung der Kate näher. Außerdem hat sich ergeben, daß in der Furchung des menschlichen Gehirns die Windungen des Raubtier­hirns deutlich zum Ausdruck gelangen.

Veränderliche Farben der Schatten. Die Schatten, welche Körper werfen, ändern vom Aufgange der Sonne an bis zum Untergange ihre Farbe. Sie sind des Morgens weißlich, nachher werden sie grau, dunkelgrau, hellbraun, dunkelbraun und erscheinen in der Mittagszeit schwarz. Alsdann durchlaufen sie dieselben Farbentöne bis zum Abend, jedoch in umgekehrter Ordnung. Diese, den Tageszeiten eigene Färbung der Schatten gibt den Landschaften einen Teil der sogenannten Stimmung, welche der Maler in seinen Gemälden Morgen-, Mittag-, Abendstimmung usw. zu nennen pflegt.

Die ältesten Uhren. Die Zeiteinteilung in zwölf Tages- umd gwölf Nachtstunden ist uralt. Schon in der Vorzeit Egyptens be= stand diese Einteilung, und es hatte damals jede der 24 Stunden ihren eigenen Namen; auch findet sich auf den Bildwerken jede Stunde durch eine besondere weibliche Figur symbolisch ausge­drückt( Stundengöttinnen), von denen diejenigen des Nachts auf dem Haupte einen Stern, diejenigen des Tages eine Sonnenscheibe tragen. Ebenso alt wie diese Stundenzahl ist die Erfindung der Uhr. Die Egypter und die alten asiatischen Kulturvölker besaßen nicht nur Sonnenuhren, sondern auch schon Wasser- und Sand­uhren. Die Erfindung der Wasseruhr schrieb man dem egyptischen Gotte Phot zu, dem Erfinder der Schreibekunst, der eine Maschine hergestellt haben soll, welche zwölfmal des Tages in gleichen Zwischenräumen Wasser abließ. Genauere Nachrichten über Uhren haben wir zuerst aus Platos Zeit( 400 v. Chr.), wo von einer Wasseruhr die Rede ist, welche mit einem Flötenwerk in Verbindung stand und den Verlauf jeder Stunde durch ein Musikstück anzeigte. Später baute der Techniker Ktesibios in Alexandrien( 250 v. Chr.) Wasseruhren, von denen Vitruv erzählt, daß sie durch gezahnte Räder getrieben worden und mit einem Schlagwerk versehen ge= wesen seien. In Rom wurden die ersten Uhren um das Jahr 145 v. Chr. durch den Zensor Scipio Nasica eingeführt, und später war die Uhr im römischen Reich nichts Seltenes mehr; nicht bloß die Reden vor Gericht wurden nach ihr bemessen, es besaß auch jede größere Poststation eine Amtsuhr, nach welcher der Postenwechsel geregelt wurde. Von den berühmten ältesten Uhren unserer Zeits rechnung nennen wir diejenige des Ostgotenkönigs Theoderich, ein Werk des Severus Boëtius, welche mit automatischen Figurer ver­seben war und auch die Bewegungen der Himmelsförper anzeigte; ferner die Wasseruhr Karls des Großen, welche dieser vom Ka'ifer. von Bagdad zum Geschenk erhalten hatte, und welche in dec da maligen Zeit bedeutendes Aufsehen erregte. Die erste Uhr, welche einzig und allein durch gezahnte Räder mittelst Krastumsetzung ges trieben wurde, soll vom Erzbischof Pacificus zu Verona im 9. Jahre hundert gebaut worden sein. Mit der Vervollkommnung der Räderuhren verschwanden die Wasseruhren bald ganz und geblieben. ist nur die Sonnenuhr als Schmudstüd für unfere o tenanlager und die Sanduhr als Zierrat auf unserem Schreibtisch

Nr. 134

Donnerstag, den 16. Junt.

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerci, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.

(( 1. Fortseßung.).

Die Adjaren.

Originalroman von Arthur Gundaccarb. Suttner.

Der Hausherr betrachtete eben Batum nicht als engere Geimat, sondern eher als einen vorgeschobenen Posten, der auf neutralem Grund und Boden lag. Der Handelsverkehr mit dem Ausland begann auch in der Tat ein reger zu wer­ben, so daß sich einige von den großen Mächten bemüßigt sahen, dortselbst Konsularämter zu errichten, und diese Ver­treter mit ihren Familienangehörigen ergriffen mit Freuden die Gelegenheit, das eintönige Leben durch die Gesellschafts­abende beim Gouverneur etwas heiterer zu gestalten. Sowohl der russische wie auch der englische Konsul besaßen Frau und Töchter, und diesen zu Ehren konnte wohl Cherif- Pascha nicht anders, als seine Großnichte und deren Freundin an solchen offiziellen Empfangsabenden teilnehmen zu lassen, obwohl Russudan alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, um einen solchen groben Verstoß gegen die Landessitte hintanzu­halten.

Was die übrigen, dem Paschalik zugeteilten höheren Be­amten betraf, so waren das meist Leute, die, im Amt er graut, keinen Geschmack an derlei abendländischen Neuerungen fanden und deshalb nur selten die Gastfreundschaft des Chefs in Anspruch nahmen, während hingegen der jüngere Nachschub diese geselligen Abende prächtig fand und nach besten Kräften dazu beitrug, alle Erinnerungen an alttürkischen Fa­natismus verschwinden zu machen.

Die Seele des Ganzen war nebst Totia der Bataillonschef Hassan- Beg, ein Mann in den besten Jahren, der längere Zeit der Gesandtschaft in Italien zugeteilt gewesen und dort allzu sehr von den verbotenen Früchten gekostet hatte, um sich wieder in das beschauliche Leben seiner strengen Glaubens­genossen fügen zu können. Es ging also manchmal recht lustig her, und Russudan hatte allen Grund, mißbilligend das Haupt zu schütteln und den nahe bevorstehenden Zorn des Himmels zu verkünden.

Nach und nach erweiterte sich dieser Kreis, da mit der Zeit auch einzelne hervorragende Vertreter der einheimischen Bevölkerung zugezogen wurden. Unter diesen befand sich ein junger Mann, dessen Oheim Artschil Taguiridze Mitglied des Tribunals und daher in Batum eine angesehene Persön­lichkeit war.

Djambek Taguiridze, der Neffe, hatte vor längerer Zeit schon die Eltern verloren, und er befaßte sich eifrig mit der Bewirtschaftung der ausgedehnten Ländereien, die er in den Niederungen Adjariens besaß. Mit Leib und Seele Adjare, im weiteren Sinn also Georgier, war er jenen Kreisen bisher fern geblieben, in denen er immer nur Werkzeuge ungerechter Unterdrückungen gesehen und gegen welche er einen stillen Haß gehegt. Als aber nun die Ansicht immer weitere Ver­breitung fand, Cherif- Pascha sei ein gerechtigkeitsliebender, menschenfreundlicher Mann, ließ er sich gelegentlich eines Aufenthaltes in Batum vom Oheim bewegen, in dessen Ge­sellschaft das Haus des Gouverneurs aufzusuchen. Er ver­mißte dort zu seiner angenehmen Ueberraschung jene streng türkischen Glemente, die sich sonst überall breit machten, und gefiel sich in dieser gemengten Gesellschaft von Ausländern

( Nachdruck verboten.) und Abtrünnigen so gut, daß er von nun an ein häufiger Gast wurde. Da er eine ziemlich sorgfältige Erziehung teils in Odessa, teils in Tiflis genossen, war er der russischen Sprache mächtig und konnte auch im Notfall an einer franzö­fischen Unterhaltung teilnehmen, wenn Thamar eine solche mit den Frauen und Töchtern der europäischen Gäste in Gang brachte.

Djambet schenkte der Nichte des Gouverneurs nicht mehr Aufmerksamkeit als den übrigen jungen Mädchen, ja, er zog sich von ihr sogar etwas zurück, als er zu bemerfen glaubte und später auch von anderer Seite die Bestätigung erhielt, daß Hassan- Beg, der Militärkommandant, nach ihrer Gunst strebe und auch vom Pascha besonders gern gesehen werde. Totia, der, seitdem er das Faktotum geworden, es sich angelegen sein ließ, seine äußere Persönlichkeit so vorteilhaft als möglich herauszustaffieren, umschwärmte in auffälliger Weise Thamars Freundin, ohne aber von dieser in irgend einer Art ermutigt zu werden; im Gegenteil, sie gab ihm bei jeder Gelegenheit zu verstehen, daß ihr seine Aufmerksam­keiten unerwünscht waren, was ihn jedoch nicht hinderte, ihr in fast zudringlicher Weise seine Verehrung zu beweisen.

Cherif- Pascha zeigte sich Djambet gegenüber bei ver­schiedenen Gelegenheiten besonders zuvorkommend, und das ermutigte diesen, hie und da gesprächsweise die verschiedenen Mißstände zu berühren, die sich in der Provinz eingewurzelt hatten; besonders war es der Kaimakam von Adjarien, der sich so manches zu Schulden kommen ließ und dessen Gebaren Djambet wiederholt mit tadelnden Worten erwähnte. Derlei Gespräche waren aber durchaus nicht nach des Paschas Ge­schmack; wohl nickte er mit dem Kopf und bestätigte, daß das allerdings nicht ganz gut sei, allein er wußte schnell auf ein anderes Thema zu kommen, nachdem er seinem Besucher ver­sichert, daß man bei Gelegenheit den Dingen näher auf die Spur gehen werde.

3weites Kapitel.

Zwei Jahre waren seit Cherif- Paschas Ankunft ver­gangen. Die Bevölkerung wußte nun so ziemlich, wie sie mit ihrem gegenwärtigen Gouverneur daran war, und man kam allmählich zu der Erkenntnis, daß noch nie so wenig für das Land und die Interessen der Eingeborenen geschehen war wie in dieser letzten Zeit. Niemand mehr war sanguinisch genug, um sich der Hoffnung hinzugeben, daß bessere Ver­hältnisse eintreten würden; an vielen Orten flagte man so­gar laut und prophezeite den völligen Niedergang der Ge­schäfte.

Zu den Unzufriedenen gehörte auch Djambek, der bald zu der Einsicht gekommen war, daß der Pascha zwar sehr schnell versprach, niemals jedoch das Versprochene hielt. Der ganze Erfolg, den er hatte, war der, sich den Kaimakam von Adjarien zum Feind gemacht zu haben, denn dieser war ge­legentlich vom Pascha freundschaftlich vernommen und er­mahnt worden, sich mit dem jungen Mann, der in seinem

8. von M. 1.40 francs

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