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Lokales.

16. Juni 1904. × Der Großherzog empfing am 15. Juni den hermen Forstrat Hiyer von Gießen.

§ Das Großh. Regierungsblatt Nr. 19, aus­geben am 14. Juni, enthält u. A. eine Anweisung zur Ausführung der Kaiserlichen Verordnungen vom 31. Mai 1897( Reichs- Ges tbl. S. 459), betreffend die Ausdehnung der§§ 135 bis 139,§ 139 b der Gewerbeordnung auf die Werkstätten der Kleider- und Wäsche­tonfettion, und vom 17. Februar 1904( Reichs- Gesezbl. 6. 62), betreffend die Abänderung dieser Verordnung.

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A Mehrere strafbare Handlungen sind in den jüngsten Tagen in Gießen vorgekommen. In der Nacht auf Montag statteten Diebe einer außerhalb gelegenen Wirtschaft einen Besuch ab und in der verflossenen Nacht wurde in dem alleinstehenden Komptoir eines anderen Geschäfts eingebrochen. In beiden Fällen fiel den Dieben nur geringe Beute in die Hände. Ferner wurde in der Nacht auf Mittwoch in der Wirtschaft ein Brand zu legen Verhaftet wurde gestern Abend ein Dienst­

versucht.

-

mädchen wegen Diebstahls.

+ Das große Radwettfahren auf dem Sportplag zu Gießen, welches von den Wanderern" veranstaltet und Sonntag, den 26. Juni, stattfindet, bietet gamz besonders den einheimischen Motorfahrern sehr günstige Chancen, an dem Rennen sich zu beteiligen. Wer an dem für dieselben eigens angefeßten Motorrennen( 6000 Mtr.) offen für Fahrer aus Stadt und Kreis Gießen mit nur ein­purigen Motoren sich beteiligen will, sei nochmals darauf hingewiesen, daß bis spätestens Montag, den 20. Juni, abends 6 Uhr, die Anmeldung beim Herrn Hotelier Mund­Gießen erfolgt sein muß. Inwiefern gerade dem Motorrad in jüngster Beit erhöhtes Interesse entgegengebracht wird, beweist die fürzlich stattgefundene Motorrad- Fernfahrt Frank­furt- Berlin und auch bei dem bevorstehenden Gordon­Bennett- Rennen sind Motorfahrer in erster Linie an den Kontrollstationen postiert.

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Schluß

Der Cirkus Wallenda war gestern Abend bis auf den letzten Plaß besetzt. Das Gebotene entsprach in jeder Weise den Erwartungen. Besonders exakt waren die Leistungen( Kraftübungen) von Fräulein Anna am Trapez und an den Ringen, sowie auch die der Geschwister Anna und Käthchen Ballenda als Equilibristinnen. Erheiternd wirkte das Auftreten des englischen Spiritisten Brothers Siron, während die Späße zwischen Clown und August mit­unter langweilig waren. Interessant war der Ringfampf zwischen Herrn Arthur Janson( Eingeborener Amerikaner) und Herrn August Schneider zu Gießen. Ersterer wurde nach ca. zwei Minuten langem Ringen regelrecht besiegt, wobei sich der Sieger Schneider eine klaffende Kopfwunde zuzog. Die Aufforderung, mit dem sehr kleinen schwächlichen Afrikaner zu ringen, lehnte Herr Schneider ab mit dem Be­rierten, er habe den großen regelrecht besiegt und finde es unter ſeiner Würde, mit dem kleinen zu ringen. Später emtschuldigte der besiegte Amerikaner seine Niederlage mit den Worten: Das deutsche Mann ist das starkste Leut, hat Muskeln wie das Tisch." Herr August Schneider wird sich meute Abend im Cirkus Wallenda als Lastträger( bis zu 20 Bentner) produzieren und fordert dabei jeden zum Ring tampf auf.

A Für diejenigen, die sich das Gordon Bennett­Rennen ansehen wollen, tönnen wir eine Stelle empfehlen, die von Gießen aus nicht allzuschwer zu erreichen ist. Die Stelle befindet sich auf der Höhe diesseits von Gräfen wiesbach am Wolfsgalgen. Der Platz liegt an der Rennstrecke und kann man die Strecke bis auf eine Ent­fernung bis zu 3/4 Stunden in der Richtung nach Usingen überschauen. Die Besucher müssen morgens 6 Uhr oben sein, mach 6 Uhr darf die Schaussee nicht mehr überschritten werden. Jedoch ist auch diesseits der Chaussee etwas zu sehen, nur nicht so günstig. Von einem Grävenwiesbacher Wirt wird während des Rennens eine Restauration auf dem Plage errichtet werden.

Am Sonntag fand in Groß- Umstadt, im Gast­haus" Zum weißen Roß" die diesjährige Delegierten Versammlung des hessischen Landeskrieger­verbandes Hassia" statt. Den Vorsiz führte Herr Oberstleutnant v. Cramolini; vor Beginn der Ver­handlungen wurden an den Kaiser und den Großherzog Be­

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grüßungstelegramme abgesandt. Verbandsschriftführer Medi-| zinalrat Dr. Vogt- Bußbach teilte mit, daß sämtliche 38 Bezirke des Verbandes mit 2116 Stimmberechtigten vertreten sind. Aus dem Rechenschaftsbericht ergibt sich, daß der Hassia im letzten Jahre 16 Vereine mit 820 Mitgliedern neu bei­getreten sind. Die Hassia zählt nunmehr 887 Lokalvereine mit rund 60000 Mitgliedern. Dr. Vogt empfiehlt, daß sich in Gemeinden, wo zwei oder mehrere fleinere Kriegervereine beständen, diese zu einem träftigen Vereine verschmelzen möchten, ähnlich, wie dis lezthin in Wallertheim geschehen sei. Hierauf gelangen die Bonifitationen der Versicherungs­gesellschaften Providentia"," Zürich" und" Deutscher Anker" zur Verlesung. Die Providentia leistete im abgelaufenen Jahre 18772.75 Mt. Bonifitation an die Hassia, das ist 1480 Mt. weniger als im vorhergegangenen Jahre, ein Umstand, der durch die stärkere Inanspruchnahme der Kasse durch Brandschäden bedingt ist. Das Jahrbuch des Verbandes, der Hassiakalender, wurde im abgelaufenen Jahre in zirka 43000 Exemplaren abgesetzt. Bei der Wahl von drei Präsi­dialmitgliedern werden von den drei ausscheidenden Mit­gliedern Gernsheim, Lahr und Sandmann die beiden ersteren per Afflamation wieder gewählt und an Stelle des Landgerichtsrat Sandmann Lehrer Will- Lauterbach neu gewählt. Bezüglich der Unterstüßung der Waisen von ehemaligen Kameraden teilt Major Bed- Darmstadt mit, solche Kinder einkommen sollen, da die Kasse hierfür genügende daß die Vereine immer mehr noch um Unterstüßungen für Mittel habe. Seitens der Zürich" flossen dem Verbande 2396.63 Mt. in Gestalt von Bonifitationen zu. Nach Er­ledigung des geschäftlichen Teils schritt die Versammlung zur Beratung und Beschlußfassung über die verschiedenen zur Tagesordnung gestellten Unträge des Präsidiums. Nach eingehender Begründung wurden sämtliche Anträge mit er­freulicher Einmütigkeit, teilweise unter kleinen redaktionellen Abänderungen angenommen, so auch der Antrag des Herrn Bigarren- Fabrikanten Auler ins Bensheim betreffend die Vermehrung der Zahl der Präsidialmitglieder von 12 auf 15. Auf Vorschlag des Herrn Major Beck wird in erster Linie Graf Oriola- Büdesheim dazu ausersehen. Der An­trag, die Beiträge der Kameraden von 10 auf 20 Pf. zu erhöhen, wird angenommen, ebenso der Erhöhung der Ein­trittsgelder auf 40 Pf. pro Kopf vom 1. Januar 1905 ab, zugestimmt. Die Frage der Errichtung eines hessischen Kriegerheims wird als noch nicht spouchreif auf den nächſt­jährigen Delegiertentag, der in Laubach abgehalten wird, zurückgestellt. Die drei kleineren Bezirke Lau­bach, Lich und Hungen sollen zu einem Be­zirksverein Solms" verschmolzen werden, während der Bezirksverein Wimpfen wegen seiner exponierten Lage aufgelöst wird. Vor Schluß der sehr umfangreichen Tagesordnung verlas der Vorsitzende das inzwischen von dem Großherzog eingelaufene Telegramm: Dante Ihnen und der Hassia" herzlichst für freundliche Grüße. Ernst Ludwig." mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog schloß der Vorsitzende um 1 Uhr die Versammlung.

× Ein Vandale wurde von der Straffammer zu Mainz in der Berson des 20 jährigen Knechts Joh. Scheu abgeurteilt. Er war beschuldigt, gemeinschaftlich mit einem anderen Burschen auf dem Wege von Bermersheim nach Lonsheim einer Anzahl Bäumchen die Krone abgebrochen zu haben. Das Schöffengericht in Alzey hatte den anderen zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt, während Scheu freige­sprochen wurde. Die hiesige Straffammer verurteilte ihn auf die Berufung des Amtsanwals zu 4 Monaten Ge­fängnis.

[:] Ermenrod. Das Fahnenweih fest des hiesigen Kriegervereins, das am Sonntag und Montag hier stattge­funden, nahm einen sehr schönen Verlauf. Ein Festgottesdienst leitete den ersten Festtag recht stimmungsvoll ein. Das Dorf prangte in einem Bewunderung erregenden Festschmucke; alle Ortsstraßen faßten alleen von Fichten ein, an den Dorfeingängen standen Triumpfbogen und die Häuser wett­eiferten im dekorativen Festschmucke. Den Festzug eröffneten die wirklich nett gekleideten, überall Beifall erweckenden Schulmädchen. Im Zuge schritten 16 Vereine. Auf dem Festplaße begrüßte der Vereinspräsident Ruppert Krieger­fameraden und Festgäste und schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Nach dem allgemeinen Gesang der Nationalhymne fand die Uebergabe und Weihe der neuen Fahne statt. Der Ortspfarrer Georgi hielt hierbei die Weiherede, die, getragen von echt pratriotischer Cmpfindung, in allen Herzen lebhaften Antlang fand. Seine Reminiscenzen

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Die Beleidigungen, die ich gegen

den Herrn May Abrat ausge­sprochen habe, daß er dem Tiere

den Kopf abgebissen haben soll, nehme ich hiermit als unwahr zurück.

an Bismarck, dem er als Deputierter der studentischen Ver­bindung in Friedrichsruh selbst gegneüber gestanden, machten ersichtlich tiefen Eindruck. Der reizend gelegene Festplatz mit wurde voller Aussicht in das Feldatal, aus dessen Hintergrund das hochgelegene Windhausen schaut, wurde am Abend noch durch das Abbrennen eines Feuerwerks romantischer gemacht.

* Darmstadt, 13. Juni. Oberstabsarzt Dr. Vollbrecht, Regimentsarzt des 115. Regiments, erhielt einen Ruf als Reformer des türkischen militärischen Medizinalwesens. Es verlautet. Vollbrecht habe den Ruf angenommen und werde im Herbst nach Konstantinopel übersiedeln.

XLorsch, 14. Juni. Dem Vernehmen nach hat der in der Mordsache Schneller hier verhaftete Rosen­berger seine Beteiligung eingestanden und seine Ge­nossen genannt, die sowohl an dem Einbruch, als auch an dem Mord beteiligt waren. Es sind dies Johannes Brück­mann und Jakob Berg aus Bürstadt. Es wird eifrig nach ihnen gefahndet.

Neueste Nachrichten.

. Ein schreckliches Brandunglück wird uns heute Mittag durch den Telegraph aus New- York­gemeldet. Die Hiobspost lautet:

New York, 16. Juni 1904. Eine furchtbare Brandkatastrophe ereignete sich gestern Nachmittag an Bord des Dampfers General Slocom" beim Ausfahren aus dem Keelleace. Gegen 1000 Menschen sind umgekommen. Die Opfer sind meist Frauen und

Kinder, welche sich an einem von der hiesigen deutsch­lutherischen Skt. Markus- Gemeinde veranstalteten Ausflug der Sonntagsschule beteiligt hatten.

Ein Mobilisierungs- Ukas des Zaren. Petersburg, 15. Juni. Der Regierungsbote" veröffentlicht heut einen Utas, der die Mobilisierung aller Offiziere, Aerzte, Intendantur­beamten, Unteroffizieren, Soldaten und Pferde in 16 Gou­vernementsbezirken anordnet. Derselbe hat ungeheures Auf­sehen hervorgerufen, zumal er ganz überraschend kommt. Dieser Erlaß ist das erste wirkliche Eingeständnis der rus­sischen Regierung, daß sie sich in Bezug auf diesen Krieg ernstlich getäuscht hat. Bisher hatte sie geglaubt, durch jene halben, staffelweisen Mobilisierungen den Anforderungen, die der Krieg stellen würde, genügen zu können. Heute hat sich jedoch gezeigt, daß Rußland damit rechnen muß, noch lange Zeit immer neue Truppen dem japanischen Gegner entgegen= zustellen, und dies hat in den unwissenden Volksklassen der von der Mobilisierung betroffenen Bezirke, die nicht viel von dem Kriege wußten, nicht nur Ueberraschung, sondern sogar einen niederschmetternden Eindruck hervorgerufen.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 17. Juni. Zeitweise heiter, etwas wärmer, im allge­meinen trocken, höchstens im Norden stellenweise sehr ge­ringer Regen. Näheres durch die Gießener Wetterfarte.

Marktberichte.

Stegen, 16. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt fosteten Butter per Pfd. 90.- 1.00 R., Fügnereter per Stück 5-6 Pfg., Enteneter St. 7 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg., Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Bfg., Lauben per Baar T. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mr. 1.30-1.40, Hahnen, per Stid 0.80-1.70, Enten per Stüd 1.70-2.20, Gänse per Pfd. 65-70 Pfg., Chenfleisch per Bfb. 70-80' fg, Rindfleisch per fd. 62-68 Pfg. per Pfb. Schweinefleisch 60-72 fg. Schweine fletsch gesalzen per Pfund 0.76 fg., aibfleisch per fd. 68-76 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 50-74 Bfg., Kartoffeln pro 100 Kilo 6.00 Mt., Zwiebein per 3t. Mr. 7.00-10.00, Kirschen 25-30 Bf. per Pfd. Aepfel per Centner 20-25 Mr. Milch ber Liter 18 Pfg. Dauer der Marktzen von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Gegen stände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhant nicht, und während der ersten drei Stunden der Markt­zeit im Umherziehen feilgeboten werden.

Verantwortlich: für den politischen, vermischten und unter­haltenden Teil Albin Klein Gießen; für den lokalen Tell Karl Klose, Grünberg.

Bekanntmachung.

Da wir die Wahrnehmung gemacht, daß Kinder an den Brunnen das Wasser unnötiger Weise fortlaufen lassen und sonstigen Unfug treiben, so ersuchen wir die Eltern, ihre Karl Vogel. Kinder davon abzuhalten, andecnfalls sie sich der Anzeige Weitere Reden davon werden aussehen werden. gerichtlich belangt. Max Abrat.

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Grünberg, am 15. Juni 1904.

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Heugrasversteigerungen.

Montag den 20. Juni 1. J., Vormittags 10 Uhr anfangend, soll das Heugras von den Gemeinden öffent­lich, meistbtetend an Ort und Stelle versteigert werden.

Trais Horloff, den 14 Juni 1904.

Großh. Bürgermeisterei Trais. Horloff.

Bormann.

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Bekanntmachung.

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Gießen, den 14. Juni 1904.

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