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1. Gießen

Marktstraße 5.

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Freiburger

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-fau- dou, und nun setzte Ati den Korb in die Ecke der Küche, Enixte wieder und ging den Weg zurück, den sie gekommen war.

Lieber Leser! Nun fragst du vielleicht, warum das pfiffige junge Mädchen den Korb zurückließ! Warum? Zerbrich dir nicht den Kopf darüber! Du errätst es doch nicht! Aber du wirst es bald erfahren und dann ausrufen: Nein, ist das eine schlaue Spitzhübin!"

Afi ging überhaupt nicht nach Hause. I bewahre! Sie ging die Allee hinauf, die Sakanacho- Straße hinunter und trat in einen großen Uhrenladen.

Guten Tag! Entschuldigen!" sagte Aki; Ich komme von Ihrer Gnaden, der Frau Miniſter San- jo. Hast du ein paar schöne goldene Uhren zu verkaufen?"

" Ja gewiß, kleines Fräulein! Sollen es große oder kleine Uhren sein?"

Das weiß ich nicht. Meine gnädige Frau hat mich nur zu dir geschickt, ich soll sagen, sie wünsche verschiedene Uhren zu sehen. Sie ist heute sehr müde und kann nicht ausgehen, braucht aber heute abend dringend eine Uhr. Willst du nicht so gut sein und einen von deinen Gehilfen mit einigen Uhren zu meiner gnädigen Frau schicken?"

"

,, Kleines Fräulein, ich habe die Ehre, selbst mitzugehen." Warum sollte der Uhrmacher dem jungen Mädchen miß­trauen? Es war ja nicht der geringste Grund zum Arg­wohn vorhanden. Deshalb suchte er ein Duzend der schönsten Uhren heraus, legte sie in eine Schachtel, wickelte die Schachtel in schönes Seidenpapier, warf seinen Mantel um und ver­ließ den Laden mit Afi.

Sie famen zum Hause des Ministers und gingen in den Hof. Dort sagte der kleine Gaudieb Aki zu ihrem Be­gleiter: Höre! Die gnädige Frau ist zu Bett gegangen. Vielleicht wäre es ihr unangenehm, dich jetzt zu empfangen. Gib mir die Uhren; ich werde damit zu ihr hinaufgehen, du kannſt hier vor der Tür warten."

Der Uhrmacher, der durchaus nicht mißtrauisch war, gab ihr die Uhren, hüllte sich dann feſter in seinen Mantel und wartete.

Afi ging in die Küche hinauf.

Entschuldige," sagte sie zu D- sau- dou; aber ich habe mich wirklich geirrt. Nicht der Minster San- jo sollte die Fische be­kommen, sondern ein anderer Herr San- jo. Ich bitte viel­mals um Entschuldigung."

Aber bitte", versezte die Köchin, keine Ursache. Irren kann sich jeder." Und damit nahm Aki ihren Korb mit den Fischen wieder an sich. Dann knigte sie und ging hinunter in den Torweg, wo der Uhrmacher stand.

" Ihre Gnaden sieht sich gerade die Uhren an", sagte sie. ,, Wenn sie fertig ist, wird sie dich rufen. Du mußt mich ent­schuldigen, daß ich dir nicht Gesellschaft leisten kann, aber wie du ſiehſt, habe ich einen Korb mit Fischen, den ich in die Stadt tragen soll. Adieu so lange!" Damit ging Afi aus dent Hause. Der Uhrmacher hatte sie ohne etwas in den Händen ins Haus hineingehen sehen. Nun sah er sie mit einem Korb mit Fischen herauskommen. Wie sollte der brave Mann da auf den Gedanken kommen, daß Aki nicht zum Hause gehörte, und daß sie seine schöne Uhren noch in der Tasche hatte. Er wartete eine halbe Stunde. Niemand zeigte sich. Er wartete eine Stunde, aber niemand schien sich um ihn zu kümmern. Dann ging er hinauf in die Küche zu D- sau- don.

Na," sagte er, hat Ihre Gnaden schon ihre Wahl ge­troffen?"

" Was für eine Wahl, mein guter Mann?"

Nun, unter den Uhren? Ich bin der Uhrmacher!" ,, Was für Uhren?"

Die das junge Mädchen mit hinaufgenommen hat." ,, Was für ein junges Mädchen?" " Die eben mit einem Korb Fische fortgegangen ist!" Die mit einem Korb Fische fortgegangen ist?" " Ja, gerade die!"

" Mein guter Mann, das junge Mädchen mit den Fischen gehört nicht in dieses Haus; ebenso wenig, wie ich zum Kaiser gehöre." Und nun erzählten sie sich gegenseitig, was geschehen kannst du wohl Lebewohl sagen!" war. Mein guter Mann," sagte die Köchin, deinen Uhren

Haare. Das begriff der unglückliche Uhrmacher und raufte sich die

Er ging zur Polizei. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein und beobachtete alle Türen. Ob man Afi wohl finden nicht. wird? Das ist schwer zu sagen, aber wahrscheinlich iſt es

AUS DEM REICHE

DES

WISSENS

Staubteilchen in Atmosphäre und Stubenluft. Um die Zahl der in der Luft vorhandenen Staubteilchen zu erfahren, hat der schottische Forscher Aitken ein höchst interessantes Verfahren erdacht. Er läßt die zu untersuchende Luft durch Wasser­dampf fättigen. Tritt nun mit Hilfe einer Luftpumpe eine kleine Ausdehnung ein, so kommt der Wasserdampf zur Kondensation, er wird tropfbar flüssig. Hierbei bildet jedes Staubkörnchen den Kern für ein sich bildendes Wassertröpfchen, das abfällt. Dieses Tröpfchen läßt nun Aitken auf einen Silberspiegel fallen, der durch ein Linienne in Quadratmillimeter geteilt ist. Man kann somit mit Hilfe eines Mikroskops die Tröpflein leicht zählen, die aus einer Luftsäule von bekannter Höhe auf einen Quadratzentimeter auffallen. Auf diese Weise fand Aitken in Edinburgh in einem Kubitzentimeter Luft bei flarem Wetter 45 000 Staubteilchen und bei trübem Wetter 250 000. In einem Sigungssaal betrug die entsprechende Staubteilchenzahl 275 000 bis 3 500 000 bei An­wendung einer Ventilation; ohne eine solche waren die Zahlen 426 000 bis 46 000 000. Die Zahl der Staubteilchen, die ein Bigarettenraucher bei einem Zuge aussendet, schätzt Aitken auf 400 Millionen. Kleinere Werte ergaben sich natürlich an der Küste und in größeren Höhen, wie z. B. auf dem Eiffelturme. Unter der Voraussetzung, daß unter den Bestandteilen des Staubes auch Mikroorganismen eine nicht zu unterschäßende Rolle spielen, hat Azmann in dieser Beziehung die Influenza- Epidemie untersucht. Er fand, daß Trockenheit des Erdbodens, Fehlen einer Schnee­decke, Fehlen oder geringe Häufigkeit von Niederschlägen, Vor­Handensein von Nebel, hoher Barometerstand besonders günstig für die Vermehrung der in der Atmosphäre suspendierten Stoffe waren.

Allerlei Wissenswertes.

Die Ausnutzung der Kraft der Gezeiten zum Betriebe eines Motors steht noch auf der Tagesordnung. Professor Decoeur hatte der französischen Akademie der Wissenschaften das Projekt eines großartigen Ebbemotors vorgelegt. Es sollten bei Havre auf un­benutzten Strandflächen zwei Wasserbecken angelegt werden, welche sich bei der Flut mit Wasser füllen und bei der Ebbe entleeren. In den Ein- und Auslaßöffnungen sind Turbinen angebracht, welche durch die entstehende Strömung in Gang geſetzt werden. Bei der bedeutenden Fluthöhe an der französischen Küste( 3 bis 8 Meter) hoffte Decoeur auf diese Weise 6000 Pferdekraft zu gewinnen, die er in Elektrizität umſehen wollte. Doch hat sich diese wie ähn­liche Anlagen praktiſch nicht bewährt.

Die vorsorgenden Raubwespen. Die Insekten stellen Spinnen, Käfern und Raupen nach, töten aber das erjagte Wild nicht sofort, sondern sie lähmen es nur, schleppen es so in ihre Höhlen und lassen es dort so lange leben, bis sie für ihre Larven frisches Futter nötig haben. Ist z. B. eine Raupe erbeutet, so erhält diese sechs bis neun Stiche, und zwar zwischen jedes Körpersegment einen. Diese Stiche werden aber nicht ins Blinde hinein in den Körper der Raupe getan, sondern die Räuberin weiß mit anatomischer Ge­wißheit und Sicherheit diejenigen Stellen zu treffen, deren Durch­bohrung keine tödliche Wirkung zur Folge hat, die vielmehr nur der Raupe die Kraft zum Widerstand nehmen und sie zur Flucht untauglich machen. Erst wenn das Opfer in dieser Weise gelähmt und betäubt ist, wird es in die Höhle geschleppt und dort so lange lebend aufbewahrt, bis die junge Brut Nahrung bedarf, die ihr dann stets frisch gereicht werden kann.

Ein Feind der Auster. Der Mensch ist nicht der einzige Feind resp. Verfolger der Auster, der Seestern lebt von derselben vielmehr das ganze Jahr lang. Seine Methode der Oeffnung derselben ist eine eigentümliche. Er setzt sich auf der jungen oder alten Auſter einfach fest und bringt die Enden seiner fünf langen Arme in die Nähe des Spaltes der Schalen; in dem Augenblicke aber, wo die Auſter diese zur Aufnahme von Nahrung öffnet, ſprißt der See­stern einen Saft in das Innere, der den Bewohner der Muschel in kurser Zeit tötet, und dann beginnt für ihn das leckere Feſtmahl. Die Auster bemerkt recht wohl die Anwesenheit ihres schlimmen Feindes und hält sich deshalb, so lange sie ohne Nahrung aus. kommen kann, d. H. sieben bis acht Tage, fest geſchloſſen, um endlich doch dem lauernden Räuber zu verfallen.

L

Nr. 61.

Mittwoch, den 16. März.

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

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Gießener Neueste Nachrichten.

nd aus Berlag der Stofener Berlagsbandsest, vorm. With. Reller'sche Buchbinderei( gear. 1788);

(( 84. Fortsetzung.)

Der Goldmarder.

Original Roman von M. Bezold.

,, Nichts gibt er zu!" sagte der Richter, er leugnet alles, ganz genau wie sein Bruder, der alle Fragen mit der Er­flärung beantwortet, er wisse von nichts, und jede Gelegenheit benutzt, um seinem Haß gegen die Familie Spangenberg Luft zu machen. Hätte ich nur Beweise! Daß die Goldmünzen Spurlos verschwunden sind, kann ich mir erklären, sie wer­den längst eingeschmolzen sein, einen Goldklumpen kann man bei jedem Juwelier verkaufen, aber das Verschwinden des Brillantarmbandes begreife ich nicht. Dieses Armband muß sich im Museum befinden, Herr Direktor, dort nur kann Peter Schönbach es versteckt haben, vielleicht mit Wissen seines Bruders, vielleicht auch hinter dessen Rücken. Er ist nach dem Diebstahl an keinem anderen Orte gewesen, das steht fest, und man kann doch auch nicht annehmen, daß er es unter­wegs fortgeworfen haben soll."

" Ich werde selbst nachforschen," erwiderte Spangenberg, ,, und nicht ruhen, bis alle Winkel durchstöbert sind."

Diesem Versprechen getreu, schlug er, nachdem er das Gerichtsgebäude verlassen hatte, den Weg zum Museum ein, und er wurde hier von dem neuen Kustos empfangen, der mit unterwürfiger Miene der Befehle seines Vorgesetzten harrte.

Ist die Familie Schönbach bereits ausgezogen?" fragte Spangenberg, während er die Treppe hinaufstieg, die zur Gemäldegalerie führte.

Gestern abend schon mit Sack und Pack," erwiderte der Kustos, sie haben nur Schmutz und einige Zumpen zurück­gelassen."

" Sie haben bei diesem Auszuge nichts Verdächtiges

entdeckt?"

" Gar nichts, Herr Direktor, aber es ist wohl möglich, daß-"

Weiter will ich nichts wissen, Vermutungen sind keine Beweise! Wir haben eine mühsame Arbeit vor uns," fuhr er fort, als sie den ersten Gemäldesaal erreicht hatten ,,, der Untersuchungsrichter vermutet, daß der Kupferstecher Schön­bach das gestohlene Armband hier versteckt haben könne, und diese Vermutung ist durchaus glaubwürdig, denn zwischen dem Diebstahl und der Verhaftung hat Schönbach nur hier sich aufgehalten. Wir werden also hier sehr genau nach­forschen müssen und zwar in allen Räumen."

Wo könnte es versteckt sein?" fragte der Kustos. " Ja, wenn ich den Ort mit Sicherheit wüßte!" entgegnete Spangenberg, indes sein Blick an den Wänden entlang schweifte. Wo kann es sein? Ueberall! In einem Schrank, hinter einem Bilde, im Polster eines Stuhls, wir müssen alles durchsuchen. Gehen wir zuerst in den Saal, in dem der Lump gearbeitet hat," fuhr er weiterschreitend fort, ich glaube, es ist ratsam, dort mit der Untersuchung zu beginnen."

Als sie an Ort und Stelle waren, sagte der Direktor: Dort hängt das Bild, das der Kupferstecher kopiert hat, be­Jinnen wir hier. Fühlen Sie hinter alle Gemälde, die Ihrer Hand erreichbar sind, fangen Sie hier an der Tür an und gehen Sie an den Wänden entlang, bis Sie hier wieder ankommen."

( Nachdrud verboten.)]

Der Kustos hatte bereits begonnen, Joachim Spangen­berg stand in der Mitte des großen Saales und beobachtete ihn mit sichtbarer Ungeduld.

er,

So werden wir von Saal zu Saal gehen müssen," sagte ist die Mühe umsonst, so wissen wir wenigstens, daß hier das gestohlene Gut sich nicht befindet."

Halloh, da haben wir's schon!" rief in diesem Augen­blicke der Kustos, indem er seine Hand hinter einem Gemälde hervorzog.

Spangenberg trat rasch näher, sein Blick ruhte frohlockend auf dem funkelnden Armband, das sein Untergebener ihm überreichte.

Also doch!" triumphierte er. Der Untersuchungsrichter ist ein schlauer Kopf, ich wäre vielleicht nicht auf diese Ver­mutung gekommen, obgleich sie nahe lag."

Soll ich weiter suchen?" fragte der Kustos. Vielleicht finden wir auch die Münzen!"

" Ja, suchen Sie weiter," rief Spangenberg eifrig, aber vorsichtig, damit nichts beschädigt oder zerbrochen wird. Finden Sie die Münzen oder nur einen Teil derselben, so erhalten Sie eine große Belohnung, das verspreche ich Ihnen. Merfen Sie sich das Gemälde, hinter dem das Armband versteckt war, damit Sie, wenn Sie als Zeuge vernommen werden, präzise antworten können. So, nun lassen Sie mich wieder hinaus, ich will das Armband dem Bestohlenen zurückbringen und dem Untersuchungsrichter unseren Fund berichten."

,, Vielleicht gibt der Juwelier auch eine kleine Belohnung," ſagte der Kustos schüchtern, ich habe gerade jetzt einige.An­schaffungen zu machen, um die Wohnung hier zu möblieren

Ueberlassen Sie das mir," unterbrach Spangenberg ihn wohlwollend, fordern darf ich die Belohnung nicht, aber wenn der Juwelier selbst die Rede darauf bringt, werde ich ein gutes Wort für Sie einlegen."

Der Kustos öffnete die Türe, Joachim Spangenberg wandte sich noch einmal zu ihm um.

,, Gönnen Sie sich keine Ruhe, suchen Sie weiter, und wenn Sie etwas finden, machen Sie mir sofort Mitteilung," sagte er, dann ging er hinaus.

Zu derselben Stunde, als Spangenberg die verhängnis­volle Entdeckung in der Gemäldegallerie machte, trat sein Neffe an das Lager seines Patienten, des Malers Ottokar Weisweiler, der ihm lachend die Hand reichte.

Unkraut vergeht nicht," sagte der Maler, sorge nur, daß ich bald das Bett wieder verlassen kann.

,, Geduld," antwortete Adolph, während er den Puls prüfte. Alles will seine Zeit haben, auch die Heilung einer Wunde. Ruhe und Vermeidung jeder Aufregung sind für dich die beste Arznei."

" Ich will mir das merken," fuhr Ottokar fort ,,, denn mir liegt viel daran, so bald wie möglich wieder ausgehen zu können-

Um deinen Gegner noch einmal zu fordern?"

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