tuchrouleaux mit einem minimalen Spalt, der, an der Platte vorübergleitend, eine der Zeit nach momentane Beleuchtung gestattet, und photographierte mit mehreren, neben einander aufgestellten Apparaten. Zu eigentlicher Vervollkommnung entwickelte sich jedoch das photographische Verfahren erst durch Edisons Erfindung der sogenannten" Films", so zu sagen einer endlosen photographischen Platte. In dem Edinsonschen Kinematographen"( zu deutsch etwa: Bewegungszeichner) werden die auf dem Film photographisch firierten Momentaufnahmen kontinuierlich bei der Reproduktion abgewickelt und dabei mit einem Glühlämpchen beleuchtet. Das Edinsonsche Reproduktionsverfahren wurde dann wiederum durch die Brüder Lumière( Paris) verbessert und zwar durch eine sinnreiche mechanische Vorrichtung, die den Film ruckweise weiterbewegt, wodurch die Dauer der Belichtung jedes Bildes verlängert wird. Sah man in dem Kinematographen zunächst nur eine hübsche Spielerei, so hat sich dieses Meßinstrument doch sehr bald eine hohe wissenschaftliche Bedeutung gesichert. Vor allem gelang es damit, komplizierte physiologische Bewegungen, wie Gehen, Laufen, Fliegen usw. in die einzelnen Komponenten zu zerlegen und dem Auge sichtbar zu machen. Was die genialen Brüder W. und E. Weber einst mathematisch- theoretisch berechneten, hat der Kinematograph als richtig erwiesen, z. B. daß wir beim gewöhnlichen Gehen zuerst mit der Ferse den Boden berühren, und dann, die Zehenspizen voran, die gekrümmte Fußsohle folgen lassen usw. Uebrigens würde sich der Apparat sehr wohl auch als Zeitmesser verwerten lassen, wenn es sich um Berechnung hoher Geschwindigkeiten auf kurze Strecken beim Wettrennen etwa um den Lauf durchs Ziel handelt. Die Zahl der aufgenommenen Bilder pro Sekunde ist befannt; läßt man den Apparat in der Aufnahmegeschwindigfeit reproduzieren, so ergiebt die Differenz zwischen dem Ersten und dem Erscheinen des Zweiten den Zeitabstand, der sich leicht berechnen läßt.
WITZ
UND
HUMOR
Verschärfte Strafe. Gefangener:„ Ach, Herr Wärter, bringen Sie mich bloß nicht in die Zelle Nr. 26." Wärter:„ Warum denn nicht?" Gefangener:„ Weil man da die Tochter vom Herrn Direktor singen hört."
In der Schule.„ Was ist ein Staatsmann?" fragte der Professor in der dritten Gymnasialklasse.„ Einer der Reden hält", antwortete ein Schüler. Hm, nicht schlecht", bemerkte der Professor; aber doch nicht ganz richtig ich z. B. halte ja auch Reden und bin kein Staatsmann. Also?". der gute Reden hält!" rief ein anderer Schüler schnell.
,, Einer,
Vorstellung.„ Gestatten Sie mir, mein Herr, mich Ihnen vorzustellen Doktor Müller!"- ,, Ah, schön! Doktor vom kurzen oder langen Prozeß?"-" Mediziner."- Aha, also vom kurzen!“
Guter Rat.
Ein amerikanischer Farmer, der mit hundert Dollars in der Tasche einen Viehmarkt besuchte, gebrauchte die Vorsicht, diese Summe dem Wirte des Gasthauses zu übergeben, in welches er einkehrte. Als er am andern Tage das Geld vom Wirte zurückverlangte, erklärte dieser, er wisse nicht, was für hundert Dollars er meine, er habe keine solche Summe er en. Der Farmer ging zu dem besten Advofaten des Ortes, und bot ihm zwanzig Dollars, wenn er ihm wieder zu seinem Gelde verhelfe. O, das wird sich machen, mein Freund," sagte der Advokat, aber Sie müssen etwas Geduld haben. Sprechen Sie höflich mit dem Gastwirt und sagen Sie ihm, Sie hätten Ihr Geld wahrscheinlich wo anders zum Aufheben gegeben. Nehmen Sie aber einen Freund mit und übergeben Sie dem Wirt in Gegenwart desselben nochmals hundert Dollars. Dann kommen Sie wieder zu mir. Der Farmer tat, wie ihm geheißen und fand sich dann wieder bei dem Advokaten ein. Aber," sagte er, ,, ich sehe nun noch nicht ein, was ich dadurch gewonnen habe,
wenn ich auch mein zweites Hundert wieder bekomme." ,, Sie sollen es gleich erfahren," erwiderte der Advokat;„ jezzt gehen Sie hin und verlangen Sie von dem Wirt hundert Dollars ab, aber erst, wenn Sie ihn allein treffen."- Der Farmer paßte die Gelegenheit ab, wo er den Wirt unter vier Augen sprechen konnte, und dieser gab ihm ohne weitere Umstände hundert Dollars zurück. Der Farmer zeigte dem Advokaten das zurückerhaltene Geld. Gut,' sagte der Jurist, jetzt gehen Sie nochmals hin, aber in Begleitung Ihres Freundes, und verlangen Sie von dem Wirt die hundert Dollars, die Sie ihm vor dem Zeugen übergeben hätten. Der Bauer tat dies, und der spizbübische Wirt, der sich überlistet sah, gab sofort die früher abgeleugnete Summe heraus.
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Auch ein Beruhigungsmittel. Ein Arzt fand, daß sein Patient sich nur langsam besserte, weil die nie stillstehende Zunge seiner Frau ihm keine Ruhe ließ.„ Der Kranke bedarf vor allem der Ruhe", sprach er zu der Redseligen, darum habe ich hier einige Morphiumpulver verschrieben."„ Schön, und wann soll er ste nehmen?" fragte die Frau.„ Er? Nein, er soll ste nicht nehmen, sondern Sie", erwiderte der Arzt gelassen.
Wie er sich herausredet. Ein Kaufmann befand sich immer in Fehde mit einem auf seinem Comptoir arbeitenden„ Volontär", der nach seiner Meinung ein viel zu unordentliches Leben führte, als daß er je gedeihen werde. Sie werden sich noch an den Galgen bringen!" sagte er oft im Zorne zu ihm. Nach etwa zwölf Jahren erhielt er eines Tages den Besuch dieses ehemaligen Volontärs, der schon Kommerzienrat" geworden war.„ Sehen Sie", bemerkte der Kaufmann lächelnd, ich hatte es Ihnen immer gesagt, daß Sie einftmals hoch steigen würden!"
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Aus der Kinderstube. Papa:„ Lucy, Du bist wieder schwer unartig gewesen und ich muß Dich diesmal bestrafen." Lucy: ,, Aber bitte, bitte, lieber Papa, gieb mir erft Lachgas!"—„ Hedchen", sagte der kranke Fritz zu seinem Schwesterchen ,,, Du weist doch, Mama sagte, ich solle Dir immer etwas davon geben, wenn ich etwas Gutes hätte. Da, nimm ein paar Löffel von meiner Medizin ich geb' Dir's gerne."
Gerechte Kritik. Als das Telephon noch etwas ganz Neues war, sollte einer fürstlichen Hoheit das Experiment der Uebertragung von Musik zu Gehör gebracht werden. Es war eine MilitärKapelle in einem Saale aufgestellt worden und die Drathleitung ging nach dem weit von der Stadt entfernten fürstlichen Schlosse. Der Fürst tam. Das Zeichen wurde gegeben. Die Kapelle spielte, c3 war aber fein Ton hörbar. Der Fürst lachte und ging eg. Es war eine Störung in der Leitung eingetreten. Mit fieberhafter Schnelligkeit wurde gearbeitet und nach zwei Stunden war der Fehler beseitigt. Der Fürst wurde unterrichtet. Nun war aber die Kapelle inzwischen entlassen worden. Der Intendant, in seiner Verzweiflung, stellte sich hin und sang eine Opernarie. " Ist's gehört worden?" fragte er dann ins Telephon." Jawohl", rief der Fürst zurück, ich habe den Gesang gut gehört, aber er war schlecht genug!"
Folgerung. Frißchen( einem Militärbegräbnis mit Musik beiwohnend): Nicht wahr, die berühmten Männer werden auch alle mit Musik geboren, Mama?
Kindliche Anschauung. Trudchen wird eines Abends später zu Bette gebracht als gewöhnlich. Ach, liebe Mutter, heute laß mich nicht beten," bittet sie.„ Weshalb gerade heute nicht?"-„ Ich bin so müde, und der liebe Gott wird wohl auch schon lange schlafen."
Immer nobel. Ella:„ Also ihr wohnt jetzt Parterre?" Bella:„ Bitte, mindestens Parkett!"
Der verkannte Dativ. Lehrer:„ Nun, Frißchen, wie heißt's: ich falle in die Spree oder ich falle in der Spree?"
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Frißchen:
„ Es heißt: ich falle in der Spree."- Lehrer:„ Warum denn?" - Frißchen:" Weil's" da tief" ist."
Professor: Müller, kennen Sie Schenkendorfs Freiheit, die ich meine?" Müller: Welche meinen Sie denn, Herr Professor?
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Nr. 13.
Samstag, den 16. Januar
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
Der
Gießener Neueste Nachrichten.
and und Berlag der Steponez Berlagsbrudersi, varm. Wilh. Keller'sche Buchbrucessi( gegr. 1783); renesti MIDI Rita
( 10. Fortsetzung.)
Der Beuge.=
Roman von Marie Bernhard.
Fritz sagte, welche Hoffnungen er auf ihn setze, wie seine Erziehung, seine Entwicklung jetzt sein einziger Lebenszweck sei, wie sie beide, auf einander angewiesen, fest und treu und unerschütterlich zusammenhalten müßten, wie ein solcher Bund, durch gegenseitige innige Liebe und schrankenloses Vertrauen geheiligt, ganz im Sinn der heißgeliebten Gattin und Mutter wäre, das ſchönſte, unvergänglichste Denkmal, das sie ihr sehen könnten! Mit wahrer Inbrunst hingen Hellmuths Augen an seinem Vater und die Tote schien zu lächeln bei dem Gelöbnis, das die beiden austauschten; der Ausdruck hilflosen Schreckens, der beim Sterben auf ihrem Antlitz gelegen, war daraus entwichen, ein süßer Friede ruhte um die Lippen und die wie schlummermüde zugesunkenen Augen.
Drei Tage später ,, am achtzehnten September, in aller Morgenfrühe, wurde Helene Norden zur letzten Ruhestätte getragen; ein ſtiller, schöner Plazz war's, ein gutes Stück vom Hotel abgelegen, von hohen Bäumen umſtanden, die feierlich im Frühwind rauschten. Nur ein weißes Marmorkreuz, das Namen und Gedenktag trug, sollte die Stelle bezeichnen, und ein festes eisernes Gitter sie umschließen. Der Wirt bekam eine ansehnliche Summe zu diesem Zweck eingehändigt, er versprach, für die Pflege des Grabes zu sorgen und später ein Bild davon anfertigen zu lassen.
Am neunzehnten schon wollte Frizz Norden mit ſeinem Knaben abreisen, direkt nach London, von da ungesäumt zu Schiff weiter. Hier hielt ihn nichts mehr, im Gegenteil, ihm war's, als brenne der Boden unter seinen Füßen.
Sie fehrten, Vater und Sohn, in ihren Trauerkleidern von
der Grabstätte ins Hotel zurück, da fand sich noch manches zur morgenden Abreise zu tun. Hellmuth setzte, unter seines Vaters Aufsicht, eine Liste der mitzunehmenden Dinge auf, dann packten sie alles, was Helene gehört hatte, eigenhändig in ein paar Koffer, die sie mit sich führen wollten. Einige Andenken hatten sie sich herausgesucht, es war eine traurige Beschäftigung gewesen! Der Knabe war vom vielen Weinen, von den schlaflos hingebrachten Nächten und dem frühen Aufstehen übermüdet, sein Gesicht war blaß und hatte die kindliche Frische verloren, Frizz öcstand darauf, daß er sich hinlegen müſſe, da er seine Kräfte zu der weiten Reise brauchte; er bettete den Sohn selbst auf ein Sofa, deckte ihn zu und küßte zärtlich die heißen, geröteten Augenlider und den zuckenden Mund.
Aber du mußt dich auch hinlegen, Vater, du mußt! Versprich es mir!" schmeichelte Hellmuth, des Vaters Gesicht noch einmal zu sich niederziehend, um es mit seinen weichen Händen zu streicheln. Bei dir ist es ganz dasselbe, wie bei mir, nein, noch viel schlimmer, denn ich habe doch in jeder Nacht wenigstens ein paar Stunden schlafen können, du aber gar nicht! Und ebenso wie ich mußt du morgen abreisen und brauchſt Kraft dazu! Bitte, bitte, leg' dich auch hin!"
Vielleicht, mein liebes Kind, vielleicht! So, jetzt schläfft du ein, ich bleibe noch bei dir!"
Und Hellmuth lächelte seinem Vater dankbar zu und schlumerte bald darauf ein, die Hand gegen die Wange gedrückt.
( Nachdruck verboten.))
Frizz Norden stieg gegen Mittag hinter dem Hotel bergan, dort, wo ein Bergwald sich emporzieht und Kühlung und Schatten gibt. Hinaus aus dem Walde, wo das Gebirge beginnt mit seinen scharfen Zacken, seinen unwegsamen Pfaden, verschwiegenen Klüften und drohenden Felspartien. Immer höher, immer weiter, ihm war zu Sinn, wie wenn er sich selbst entfliehen müſſe, die rastlose Bewegung, die körperliche Anstrengung tat ihm nicht gerade wohl, sie war ihm einfach Bedürfnis. Nur nicht stillstehen, weiter, weiter! Verworrene Gedanken an das neue Leben, das in Japan vor ihm lag, die fremde Umgebung, die er dort finden würde, an Helenens Tod, ihre Brautzeit, Hellmuths Zukunft, gingen ihm durch den Kopf, dazwischen allerlei nichtige Dinge, die ihn verdrossen, ohne daß er sie darum abzuschütteln vermochte, auch seines Vaters Tod und das, was unmittelbar darauf geschehen war.. nein, nein! Nicht das jetzt! Fort damit!
Es stieg ein schmaler, schwindelnder Gebirgspfad vor ihm auf, ini Zickzad gewunden, führte er steil empor, rechts von dichtem dunklem Buschwerk umwuchert, das eine ungeheure Schlucht ganz auszufüllen ſchien, links von einer schauerlichen, steil abwärts stürzenden Felseinöde begrenzt. Wer hier einen unvorsichtigen Schritt tat, schlug unrettbar verloren hinab in die jähe Tiefe.
Bloglich ein nahender Schritt in dieser lautlosen Dede--vielleicht Irrtum nein dennoch! Mühsam von rechts her aufwärts klimmend, mit den Händen fest in das üppige Geſtrüpp geklammert, um nicht wieder in die Schlucht hinunterzugleiten auftauchend im dichten Buschwerk wieder verschwindend, arbeitet sich mühsam ein Mann in die Höhe, weicht auf dem abschüssigen Boden zurück, hilft sich wieder empor, steht endlich oben!... Roland von Triberg!
In dem wunderlich überreizten Zustand, in welchem Fritz Norden sich befindet, wundert ihn dies Zusammentreffen gar nicht so sehr; er fragt sich nicht, wie sein ehemaliger Freund, den er ſeit Jahren kaum mehr gesehen, geschweige denn gesprochen hat, jetzt plötzlich hierher in diese Gebirgseinſamkeit kommt. Ganz mechanisch reicht er dem Näherkommenden die Hand entgegen, sagt aber kein Wort dazu.
Der andere nimmt die Hand nicht, sondern rührt nur, wie er jetzt oben steht, in förmlicher Weise mit der Rechten an den Rand seines Hutes, er ist in dunklem Zivilanzug, sieht bleich und finſter aus und atmet sehr laut und müh ſam; iſt es nur von dem beschwerlichen Weg, den er soeben zurückgelegt hat?
Frizz läßt seine ausgestreckte Hand langsam sinken und findet endlich das rechte Wort:„ Wie kommst du hierher, Roland?"
" Ich habe Sie"- Triberg machte eine Geberde, als komme es ja auf die Form nicht weiter an ich habe dich aufgesucht! Man sagte mir in deinem Hotel, daß du fortgegangen wärst, dann traf ich einen alten, holzsammelnden Mann im Walde, der dich gesehen hatte, bald darauf ein paar Kinder; so habe ich dich denn gefunden, freilich von der entgegengesetzten Seite her, aber das ist einerlei."
germeister
Leib.
Achtung!
4.
Ph. Weiler.
sburg i. E. Loszahl! 8000
26000
ste 25 Pfg.
1 Lose 10 Mk.
1904.
Buseck.


