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fette er die Füße, und die breite Brust atmete so froh und weit, als müßte ihr gleich ein helles Lied entströmen. Grethchen sah es fast mit Staunen und Verwun­Und hübscher war er geworden! Der etwas gedunkelte berung Teint kleidete ihn so gut, die hellen Augen kamen mehr zur Geltung, und der blonde Schnurrbart nein, wie der ge­wachsen war!!

Es hätte nicht viel gefehlt, so wäre sie in ihrer Verblüfft­Heit stehen geblieben, und hätte ihn erwartet.

Im letzten Moment erst gelang es ihr, sich loszureißen und unbemerkt zu entfliehen.

Aber freilich nur die Knöpfe hatten sie gebannt sie sagte es sich so lange, daß sie's fast selber glaubte. Die hatten so geblitt in der Sonne, daß daß

Besonders die beiden am Kragen, die Zeichen seiner neuen Würde!

Sie mußte lächeln. Sie hatte nie geglaubt, daß er es so weit bringen würde.

Jedoch das Lächeln verschwand bald wieder. " Du mußt das gute Kleid anziehen, Grethchen, hatte die Mutter gleich nach dem Essen gesagt, wir gehen zu Kerns herüber

Da schon stockte ihr der Atem, und ihre Finger zitterten, daß sie die kleinen Haken und Desen, die das Kleid schließen sollten, kaum halten konnten.

So gegen vier Uhr gingen sie dann. Um Grethchen drehte fich alles

Er aber stand aufrecht an der Gartentür, um die Gäste zu empfangen. Straff hatte er die Finger an der Müße: Ge­freiter Frig Kern auf Pfingsturlaub in der Heimat!" Lustig und übermütig klang seine Stimme, daß alle lachten. Nur Grethchen nicht. Die wurde über und über rot und reichte ihm schüchtern die kleine Hand.

Guten Tag, Frit," sagte sie leise, wie geht es dir?" Einen furzen Moment hielt er die Hand, und sah ihr for­schend in die Augen. Dann kam es, fast bittend, aus seinem Munde: Grethchen was ist denn?"

Sie antwortete nicht. Sie lief den alten Kerns entgegen. Friz nagte an der Lippe und all die frohe Lust, die selige Erwartung, die er mit auf seinen Urlaub genommen, jie waren wie Blüten im Nachtfrost verwelkt und verdorben.

Wie ein Mißton war es über den kleinen Kreis gekommen, der keine echte Fröhlichkeit aufkommen ließ. Was man auch sprach, es flang gemessen und kalt, denn die Jugend die die Pfingstlust hätte bringen können, sie saß, mit eigenem Emp­finden allzusehr beschäftigt, still und teilnahmslos.

Der alte Müllensiefen schlug schon auf den Tisch. Nun fag' mal, Kern- was ist denn? Was ist denn los?" tuschelten, aber in ihren Gesichtern wurde es bald wieder hell Und die beiden Frauen standen auch zusammen und und klar. Sie lachten sich an, und drückten sich die Hände.

,, Laß nur, laß nur ich frage ihn!" Ganz erregt rief 23 Frau Kern, dann nahm sie sich ihren Jungen beiseite.

Frizel," fragte sie leis, was hast du nur? Du siehst.." Er ließ sie nicht zu Ende reden. Ganz haſtig unterbrach er: Eines, Mutter, sollst du mir sagen, aber ehrlich und offen: Was ist mit Grethe?"

" Ich weiß es nicht!"

" st sie versprochen!

" I wo..

,, Aber was hat sie gegen mich?"

Da lächelte die Mutter fein, du mußt sie fragen!" Friz stuzte erst, dann aber, als er der Mutter strahlendes Antlik sah, fiel er ihr um den Hals: Ja, darf ich? Es ist euch recht?!!!"

Und nun hielt ihn nichts mehr auf der Welt. Zu Greth= then ging er hinüber und sah sie bittend an.

Willst du mit mir gehen in den... Garten." Sie nickte nur stumm.

Und wo die Fliedersträucher leuchtend blühten und sie jeide verdeckten, blieb er endlich stehen. Seine Stimme zitterte. ,, Grethchen

was hast du nur gegen mich?" Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Ich hab' mich so auf ein Wiedersehen gefreut, und du- Grethchen du... du ſagſt mir kaum guten Tag."

Da aber war's, als lösten seine lieben Worte auch das Eis in ihrem Herzen.

Du hast mir ja... nicht einmal- Adieu gesagt.. Ganz schnell sprudelte es heraus. " Das, Grethchen, das--

Damals

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mich so gegrämt, als du fortmußtest, und du Wild schluchte sie auf. als hätte Pfingsten auch hier wieder seine Und da bezaubernden Einfluß geübt, da faßte plößlich der jung Soldat das bebende Mädchen um:

,, Grethchen du liebes, süßes Kind... ich hab's jo selber schwer empfunden. Aber als ich damals gehen mußte da war mir mein Herz so voll und schwer da hätte ich dir am liebsten etwas gesagt, etwas

Ganz scheu blickte sie zu ihm auf. Aber ich durfte es nicht! Ich hatte mit meinem Vater Er meinte, ich dürfte dich noch nicht binden. gesprochen.. Du hättest im Leben noch nichts gesehen, und ich auch noch nicht. Wir hätten noch niemals Zeit gehabt, ums zu prüfen, denn ich ginge doch zum erstenmal in die Welt hinaus!" Und deshalb

" Ja, deshalb! Siehst du beim Abschied hätte ich dir doch gesagt, wie lieb ich dich habe! Und weil ich's nicht sollte ging ich... so! Leicht ist mir's nicht geworden. Das kannst du mir glauben!"

Sie hörte nicht mehr. Friz, ist es wahr?" rief sie bloß. Er nickte, und legte die Hand aufs Herz.

Ach-- Friz," jubelte sie da auf, und ehe sich's der Flieder versah, hielten sie unter seinen Blüten zwei junge Menschen und füßten sich füßten sich.

st Gefreiter werden" wirklich so viel?" fragte später Grethchens Vater.

,, Schrecklich viel," antwortete seine Tochter, aber richtig wird er's ja leider erst nach einem Jahr! Dann aber auch zu Pfingsten! Da ist das Leben doch zu schön!" Na jawenn man liebt.

WILD. WALD

Parforcejagd.

UND

WAIDWERK

Der Tag, an welchem eine Parforce- Jagd stattfindet, ist ein Glanzpunkt im Leben des passionierten Jägers. Wie ein erfah, rener Jagdkenner treffend bemerkt, verhält sich die Parforcejagd zu den anderen Jagdarten, wie der rauschende Ball zum bescheidenen Haustanz nach dem Klavier. Zu einer richtigen Parforce jagd ge= hören sechs Dinge. Erstens tüchtige erfahrene Jäger, zweitens schnelle, ausdauernde Jagdpferde, drittens ein großer Edelwild­stand, viertens ein ausgedehntes, ebenes Terrain, fünftens ein gut geschultes Jagdpersonal und sechstens eine wohl abgerichtete Meute.

Was ist Parforcejagd? so fragt der wißbegierige Laie. Die Antwort darauf ist sehr einfach. Wenn ein Stück Wild

gleich­

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das

viel ob Hirsch, Fuchs, Wildschwein mit Jagdhunden so lange ver­folgt wird, bis das Tier ermüdet still steht und sich so lange gegen die Hunde verteidigt, bis es von diesen niedergerissen wird ist die Parforcejagd, auf welcher übrigens auch Damen mitzureiten pflegen.

Die Parforcejagd, welche zu den beliebtesten Sports der Vor­nehmen gehört, bürgerte sich zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach französischem Vorbilde in Deutschland ein. Die meisten deutschen Fürsten hielten großartige Parforce- Jagd- Equipagen. Ein be­sonderer Liebhaber der Parforcejagd war der alte Dessauer, welcher mit einer Meute von 150 Hunden in einer Tour bis zum Halali ritt und in ostpreußischen Besitzungen Elche und einmal sogar einen Bären auf der Parforcejagd erlegte. Nicht nur Fürsten, auch der hohe Adel schwärmte für die Parforcejagd, und es wird von einem holsteinischen Baron erzählt, wie er in seiner letzten Stunde ſeine sämtlichen Jagdhunde in sein Zimmer zusammenblies und weinend ausrief: du lieber Gott, was lasse ich da für eine Menge elender armer Hündchen zurück!"

Von großer Wichtigkeit ist für eine Parforcejagd das Personal und die Meute, welche der Oberpikeur mit zwei bis drei Pikeuren unter sich hat. Ein notwendiges Erfordernis ist, daß Jäger und Pikeure fährtenkundig, mit ihrem Jagdterrain vertraut und sicher, furchtlose Reiter sind, welche ihre Pferde stets in der Hand und zwischen den Schenkeln haben. Was die Meute betrifft, so jagt man am besten mit französischen oder englischen Hunden oder mit Tieren, welche aus deren Kreuzung hervorgegangen sind. Erfahrene Par forcejäger wollen dem französischen Blut eine bessere Rasse, dem englischen mehr Feuer und Ausdauer zuschreiben. Bevor die Par­forcejagden im Herbst beginnen, muß die Meute durch möglichst viel

" Ja, Fritz, das allein! Ich war so gut zu dir, ich hab' Trainjagden jagdgerecht gemacht werden.

Str. 133

Mittwoch, ben 15. Juni.

18811

Oberhessische Familienzeitung

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.

Die Adjaren.

Originalroman von Arthur Gundaccarv. Suttner.

Erstes Kapitel.

Die von vielfachen Schluchten und Engpässen durch furchte Kette des kleinen Kaukasus bildet ein natürliches Bollwerk, welches das Gebiet von Batum gegen die klein­asiatische Türkei, sowie gegen Armenien und Georgien ab­grenzt. Die ursprüngliche Bevölkerung dieser jenseits des Gebirges bis ans Meer grenzenden Länderstrecke war, so­weit die historischen Aufzeichnungen zurückreichen, echt geor­gischen oder fartalinischen Stammes, und wenn auch der Islam durch fünf Jahrhunderte ununterbrochen alle An­strengungen machte, mit Gewalt diese alten Nationalitäts­erinnerungen zu zerstören, so legt doch heute noch jeder Fleck, jedes Stückchen Erde Zeugnis für die alte Seßhaftigkeit der Georgier ab. Lange vor der christlichen Aera erhielten die Pässe des Hauptflusses Tschoroch, dessen Nebenflüsse und so­gar ganze Ländergebiete die Namen, welche sie heute noch mit wenigen Abänderungen führen und die fast insgesamt georgischen Ursprungs sind. In dem Becken des Tschoroch begegnet man auf Schritt und Tritt Ueberresten von Kirchen und Burgen aus der Blütezeit des Landes, deren leider nur zum geringen Teil mehr entzifferbare Inschriften in der alten fartalinischen Sprache verfaßt sind, und der Name der glorreichen Königin Thamar ist in diesen Gegenden ebenso in aller Mund, wie jenseits der Gebirgskette in Tiflis, wo diese Semiramis des Kaukasus ihre Residenz aufgeschlagen

hatte.

Endlich, zu Beginn des siebenzehnten Jahrhunderts, blieb der Islam Sieger, nachdem man gegen alles, was Christ hieß, eine grausame Verfolgung veranstaltet und alle Denk­mäler aus der einstigen Blütezeit des Landes bis auf die Grundmauern zerstört hatte. Allmählich fügte sich die Be­völkerung in ihr Schicksal. Mit ungewöhnlicher Energie hatten die mohamedanischen Machthaber eine Verwaltung organisiert, die sich wie mit eisernen Klammern über ganz Klardjetien und Adjarien bis an die Landesgrenze erstreckte. Batum wurde zur Residenz des Paschas, dem elf Distrikte oder Kazas unterstanden und welche von Kaimakams und den ihnen beigegebenen Mudirs beaufsichtigt wurden. In Batum hatten noch der Medjlis( Staatsrat), das Tribunal und die Zollbehörde ihren Sitz, und dort befand sich auch das Hauptquartier des in der Nähe der Stadt ſtationierten Bataillons.

Nachdem sich die am Meeresufer gelegenen Ortschaften zuerst in die neue Lage bequemt und zum großen Teil sogar den Islam angenommen hatten, folgten ihrem Beispiel auch die Klardjeten, die Anwohner des Tschorochflusses, und schließlich gelang es ebenso, die Adjaren zu Paaren zu treiben, das heißt insofern, als sie sich herbeiließen, die türkische Oberhoheit anzuerkennen; in ihrem Innern blieben die meisten noch dem alten Glauben und dem Stamme treu, zu dem sich einst ihre Urahnen mit Stolz gezählt hatten.

Und doch hatte es wieder zu jener Zeit in einigen Pro­vinzen zu gären begonnen, denn viele von den Personen, welche zur Verwaltung des Landes berufen waren, hatten

( Nachdruck verboten.) es einträglicher gefunden, die Interessen des Staates außer Augen zu lassen und mehr auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein. Jeder Kaimakam fühlte sich ja in seinem Distrikt als fleiner König, der nur seinem unmittelbaren Chef gegen. über, dem Pascha von Batum, verantwortlich war; und in der letzten Zeit waren diese Chefs teils Leute, die es be­quemer fanden, die Dinge gehen zu lasse wie sie eben gingen, teils solche, welche sich nach kurzer Ueberlegung dazu ent schieden, mit ihren Untergebenen auf Kosten der Bevölke rung gemeinsame Sache zu machen und einen guten Teil des unrechtmäßigen Gewinnes einzustreichen. Klagen? Wo wollten die guten Leute Klage führen? Der Pascha war unumschränkter Herr, denn Stambul lag in genügender Ent­fernung, um die Sicherheit zu geben, daß jeder Klageruf ver­hallte, ehe er dahin gelangte.

Von Adjarien war gegen Ende der sechziger Jahre infolge der immer unerträglicher werdenden Verhältnisse eine Be­wegung ausgegangen, die man jedoch noch rechtzeitig unter­drückt hatte. Bald darauf war der Gebieter in Batum eines plötzlichen Todes gestorben, und man gab sich nun der frohen Hoffnung hin, daß sein Nachfolger jenen Uebelſtänden ab­helfen würde.

An Versprechungen ließ es auch Cherif- Pascha keineswegs fehlen, obzwar es im vornhinein bei ihm feststand, diesen Versprechungen nur insoweit nachzukommen, als er dadurch nicht in seinen persönlichen Bequemlichkeit gestört wurde. Bei Allah! Ein Mann, der seit vierzig Jahren nur wenige ruhige Stunden gehabt, der ohne Unterlaß auf Reisen ge­wesen, um heute in Rumelien, aufs Jahr in Egypten, dann wieder in Kleinasien und in vielen anderen Orten noch die Geschäfte der Regierung zu besorgen, ein solcher Mann hatte doch das Recht erworben, sich endlich auszuruhen, und aus diesem Grund allein war er mit Vergnügen bereit gewesen, den Posten in Batum zu übernehmen.

Die Begleitung des alten Herrn war keine zahlreiche, denn je weniger Leute man mit sich schleppte, desto weniger war zu befürchten, daß der Hausfriede gestört wurde. Thamar, seine Großnichte, die anfänglich in Stambul und später in Trapezunt in einer französischen Anstalt erzogen worden war, Daria, deren Freundin und Gesellschafterin, und endlich Russudan, eine ältliche, entfernte Verwandte, bildeten den weiblichen Hausstand, während das männliche Gefolge aus Osman, dem alten Diener, und dessen Gehilfen Theodor, einem Griechen, bestand. Die verschiedenen Faulenzer, die noch in Dienst genommen werden mußten, um das Gesinde eines orientalischen Großen zu vervollständigen, konnten später in Batum selbst angeworben werden.

Cherif- Pascha war ein Mann von etlichen sechzig Jahren, mittelgroß, von ansehnlicher Körperfülle und einiger Un­behilflichkeit in der Bewegung; ein kurzgeschorener grauer Vollbart umwucherte das Gesicht, dem die müde und schläfrig herabfallenden Augenlider den Ausdruck großer Apathie ver­liehen. Aber eben diese ruhige, gesezte Art imponierte den Leuten, und die wohlwollende Miene, mit der er ihre Be­schwerden anhörte, um hier und da teilnehmend mit dem

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