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11.

Almahnih kamen alle wieder zu sich, und Herr von Zu­bitky rief frohlockend aus:

" Hier, meine Herrschaften, haben wir nun einen un­widerlegbaren Beweis für die uns umgebende übersinnliche Welt in den Blumengrüßen, die uns durch unsichtbare Geister­hände gesandt sind. Sehen Sie, diese frischduftenden Blu­men, die Hunderte von Meilen weit herstammen, sind von der Riviera und vielleicht auch noch weiter in wenigen Se­funden hergebracht! Wer vermag da noch zu zweifeln?" " Ich!" sagte der Hausherr trocken.

,, Aber, mein Herr-"

,, Jawohl! Und ich will es auch erklären, wie ich dazu komme. Ich selber war nämlich das Medium, das alle diese Schönen Erscheinungen auf dem Gewissen hat. Jenes Klopfen beim ersten Mal machte ich mit einem schwarzen Gummi­band, das ich fest um den linken Stiefel gelegt hatte und ver­mittelst eines Hakens am anderen Stiefel zum Knipsen brin­gen konnte. Leider riß es gleich, und daher schwiegen auch die geisterhaften Töne so schnell. Den Tisch habe ich auch allein hochgehoben, und zwar mit meinen Manschetten. Jede ist, wie Sie hier sehen, mit einem Stift versehen. Diesen schob ich unter die Platte und hatte nun den Tisch in meiner Gewalt. Und die Blumengrüße?" Er wandte sich zur Tür, die zum Korridor führte, öffnete sie und zeigte auf einen kräftigen Mann in grüner Joppe, der uns mit rotbäckigem Gesicht anlachte. Sehen Sie, da steht unser treuer Gärt­ner, der zu seinem Bedauern die seltenen Blumen, die wir in unserem Treibhaus haben, abschneiden und zwischen den Stuckverzierungen der Decke an einem Bindfaden aufhängen mußte! Der Faden führt hier oben durch die Tür nach außen, und so konnte der schöne Regen bewerkstelligt werden. Was sagen Sie nun, Herr von Zupitzky?" Der Angeredete zuckte geringschäßig die Achseln. Ich sage nur, daß das gar nichts beweist, wenn man einmal betrogen wird."

Er verabschiedete sich mit seiner Dame, und seine An­hänger folgten ihm schweigend.

Die hast du gründlich verscheucht!" sagte ich zu meinem Freunde.

Er lachte herzhaft." Nun, ich habe wenigstens das Ve­wußtsein, unsere liebe Freundin hier einigermaßen aufge­klärt zu haben! Die anderen werden ja trotzdem Spiritisten bleiben. Hast du nicht bemerkt, wie überrascht der Zubizky und seine Begleiterin zuerst waren? Ich habe sie im Ver­dacht, daß sie uns selbst beide etwas vormachen wollten; aber ich kam ihnen zuvor. Sie waren vielleicht für einen Augenblick selbst zu Gläubigen geworden. Daß sie für immer wegbleiben werden, glaube ich übrigens nicht. Denn dazu war das Essen zu gut. Wir haben doch eine ausgezeich­nete Köchin, auch ein Medium, das die vortrefflichsten Ge­richte zu materialisieren versteht!"

EINST UND JETZT

Ein glückliches Versehen.

Das Jahr 1811 ist das einzige, in dem Napoleon als Kaiser einen Feldzug persönlich leitete, und in dem er mit seiner Gattin Marie Luise Frankreich bereiste. So kam er auch in die Gegend bon Bitsch. Da tönte es plötzlich: ,, Vive l'Empereur!" Es waren Schuljungen, die von ihrem Lehrer geführt wurden. Napoleon uhr aus dem Wagenschlage mit dem Kopfe und fragte, was es gebe. Ihm wurde darüber bald reiner Wein; denn der Lehrer trat heran and stotterte seine Anrede her. Mein Freund, gebt mir die Anrede her und nun: Vorwärts!" Der Lehrer griff in die Tasche und ceichte dem abfahrenden Monarchen ein Schriftstück. Marie Luise eröffnete dasselbe und warf einen Blick hinein, dem ein heiteres Lachen folgte.

Was hast du?" fragte Napoleon.

Der arme Teufel hat sich vergriffen und hat ein Original ge­geben," entgegnete die Kaiserin. Es ist das Blatt, auf dem der Fleischer Schneider zu Bitsch dem Lehrer den guten Rat gibt, die Gelegenheit zu benutzen und den Kaiser anzureden. Er müßte sich täuschen, wenn der Schritt ihm nicht wenigstens 35 Franken 50 Cen­times einbrächte."

Der Kaiser lächelte. In dem Moment fuhr man in Bitsch ein, und die üblichen Ehrenbezeugungen fanden statt, bei denen sich

ein ziemlich korpulenter Herr eifrig beteiltigte. Der Kaiser cre kundigte sich nach dessen Namen und erfuhr, daß es der Fleischer Schneider sei.

,, Kommt morgen früh; ich habe mit euch zu reden," sagte er zu dem Beschäftigten.

Am folgenden Morgen war der Fleischer sehr zeitig auf und ließ sich um sieben Uhr bei Napoleon melden. Der Kaiser empfing ihn liebenswürdig, führte ihn dann zu einem Tisch, auf dent 35 Franten 50 Centimes aufgezählt lagen: Das sendet euch der Lehrer von Maron. Schickt ihm die quittierte Rechnung, liefert ihm auch monatlich für 25 Franken Ware, die Ihr meiner Kabi­nettstasse zur Last legen könnt."

,, Wie wird der wackere Lehrer sich freuen!" rief der Fleischer. ,, Seine Stelle ist tatsächlich jämmerlich dotiert."

" In der Tat?" meinte Napoleon." Sagt aber nicht, daß ich des Lehrers Schulden bezahlt habe. Man möchte mir mit mehr kommen, was mir zu bezahlen nicht so leicht würde."

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Bunte Blätter.

Eine geistvolle Inschrift, die allen Schulen empfohlen werden könnte, da sie Inhalt und Zweck aller Jugendbildung durch die einfache Angabe der vier Zeiten des Verbums ausdrückt, findet sich an einem böhmischen Gymnasium. Sie lautet: Präsens Jmper­fettum Persektum Futurum; das heißt zu deutsch: Die Gegens wart ist noch unvollendet, erst die Zukunft bringt die Vollendung.

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Die chinesische Etikette ist für europäische Begriffe sehr bes lustigend. Ihr Grundgesetz lautet: Sprichst du mit einem anderen, so erhebe seine Person und alles, was zu ihm gehört, mit den höchsten Lobsprüchen; du selbst aber sprich von dir und den deinen stets in tadelnder Weise, damit niemand dich der Unhöflichkeit zeihen könnte. Infolgedessen geſtaltet sich die Unterredung zwischen zwei einander fremden gebildeten Chinesen etwa folgendermaßen:" Welches ist der ehrenvolle Name, der das Glück hatte, die Verdienste eines so seltenen Mannes, wie du es bist, zu bezeichnen?"

Die erbärmliche nichtssagende Benennung eines so gemeinen Kerls, wie ich es bin, lautet Wong."" Wong" heißt zwar ein Leuchtkäfer, aber denke nicht daran, sondern an eine alte Brat­pfanne, die man auch Wong" nennt."

,, Wieviel berühmte, bildschöne, Hoffnungsvolle Kinder hast du?" " Ich habe fünf Bälge, wahre Affengesichter, welche nicht wert sind, daß ihnen täglich zwanzigmal von meinem ergebensten Diener die nichtswürdigsten Buckel geprügelt werden."

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Das Trinkgeld. In Paris, wo täglich etwa hunderttausend Franken für Trinkgelder ausgegeben werden, wurden einmal die douceursbedürftigen Kellner gründlich abgefertigt. Es war im Jahre 1848. Damals, als an allen Mauern in Paris die Worte Liberté! Egalité! angeschlagen standen, trat ein Gast in ein Kaffee­haus. Garçon, eine Tasse Kaffee!"" Es gibt keine Garçons mehr, wir sind Bürger!" antwortet der junge Kellner mit weißer Krawatte und schönfrisiertem Haar. Gut Bürger, so geben Sie mir eine Tasse Kaffee." Der Kaffee kommt. Der Gast bezahlt, legt aber kein Trinkgeld hinzu. Nichts für den Garçon?" fragt der ver­blüffte Kellner. Es gibt keine Garçons mehr," antwortete der Gast. " Ich werde doch einen Bürger nicht verletzen, indem ich ihm zwei Sous Trinkgeld anbiete!"

**

Ein seltsames Zusammentreffen. Der verdiente Orientreisende Carsten Niebuhr( 1733 bis 1815) war aus dem Dorfe Lüding­worth an der Niederelbe gebürtig. Als er in Arabien eines Tages der Zeltgast eines alten Scheikhs war, geriet dieser in heftigen Born gegen eine Sklavin, die in einer Ecke des Zeltes mit einer Arbeit beschäftigt war. Schimpfend ging der alte Wüstenfürst hinaus, und kaum war er verschwunden, als die Sklavin ihm mit geballter Faust nachschrie: Du ole Bullerballer!" Es läßt sich denken, welch' überraschende Wirkung dies heimische plattdeutsche Schimpfwort auf den Reisenden hier, im Zelte eines arabischen Scheikhs, machen mußte. Min beste Deern, wo büßt du her?" ruft er, und das Mädchen, ganz erschrocken über die unerwartete Frage, antwortet: Ut Lüdingsworth in Land Hadeln!" Sie war in der Tat aus Niebuhrs Heimatsdorfe. Ein Bruder, in Surinam ansässig, hatte sie eingeladen, zu ihm zu kommen; auf der Reise dorthin aber war das arme Mädchen von einem tune­sischen Piraten gefangen und verkauft worden. So oft Niebuhr dies seltsame Zusammentreffen berichtete, setzte er hinzu, nie in seinem Leben habe ein Wort so tief und überwältigend seine Seele ergriffen, wie dies einfache Ole Bullerballer"( alter Bolterer).

Mr. 83.

Freitag, den 15. April.

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

όστ

Gießener Neueste Nachrichten.

Od and Beslag bee Olefoner Berlagsbenderei, vorm. Bilh. Roller'ſche Buchbinderat( gegr. 1700); sees: Ibiz@leis

( 12. Fortsetzung.)

Gewissensqualen.

Kriminal Roman von Robert Buchanan.

Die Stunden waren rasch verflogen, und als ich auf den Marktplatz kam, sah ich, daß die Sonne bereits unter­gegangen war. Die Wolfen hatten sich am Himmel zusam­mengezogen, und ein heftiger, pfeifender Wind ließ auf eine schlechte Heimfahrt schließen. Dies kümmerte mich jedoch nur wenig; denn ich vertraute Andreas' Wegekenntnis voll­ständig und hatte mich daher auch nicht mit dem Fortkommen beeilt. Dessen ungeachtet ging ich nun doch rasch nach dem Wirtshause, wo Andreas auf mich wartete.

Er stand schon unter der Türe und spähte ängstlich nach mir aus. Als er mich kommen sah, schien er von einer großen Sorge befreit zu werden, und als ich ihm erzählte, wo ich gewesen war, war er nicht wenig beluſtigt darüber. " Ja, Mulligan hat geschworen, er wird Euer Gnaden totschlagen", meinte er, aber er ist ein guter, komischer Sterl. Will der Herr vielleicht hineingehen, während ich das Pferd hole?... Na, du da, Rory Bournes", fuhr er einen Mann an, was stehst du da herum? Kannst du nicht zur Seite treten und einen feinen Herrn vorbeigehen lassen?"

Es war ein untersetter, bärtiger Mann von kräftiger Gestalt, nit groben, boshaften Gesichtszügen und unge stümen Benehmen. Er trug die Kleidung eines Pächters oder Landmannes einen schwalbenschwanzartigen Rock, Kniehosen, grobe Stiefel und den in dortiger Gegend üblichen Hut. Ein schmußiges, votes Taschentuch hatte er um den bloßen Hals gebunden, und darunter sah man ein grobes Leinenhemd ohne Kragen.

Als ich den Mann mir näher ansah, erkannte ich, daß der sonderbare Ausdruck in seinen blutunterlaufenen Augen wenigstens zum Teil allzu reichlich genossenem Wiskey zuzu­schreiben war; tatsächlich war er sinnlos betrunken.

" Ich würde Euch raten, nach Hause zu gehen, lieber Mann", sagte ich zu ihm." In Ihrem Zustande ist es nicht gut, auf der Straße zu sein.

Er antwortet nicht, sondern drückte sich nur noch mehr an den Türpfosten, damit ich vorbeigehen könne. Ich betrat das Wirtshaus, während Andreas nach den Ställen ging, um den Wagen zu holen.

Kaum war ich ein paar Minuten im Gastzimmer, als lautes Geſchrei und ein wüster Lärm verkündeten, daß sich draußen eine Schlägerei entwickelt hatte. Der Lärm wurde immer größer, sodaß auch ich schließlich ans Fenster trat, um zu sehen, was denn eigentlich los war. Aber die Schlägerei war schon vorüber, und ich sah nur, wie eine Menschenmenge jemanden umstand, der am Boden lag. Ich eilte hinaus und drängte mich durch die Menge, um mir den Unterlegenen anzusehen. Es war derselbe Mann, der vorhin betrunken unter der Türe gestanden hatte.

Anfangs versuchte ich es gar nicht, näher an ihn heran­zukommen; erst als ich sah, daß er ganz unbeweglich dalag, drängte ich mich zu ihm vor und fand bei der Untersuchung, daß er vollkommen bewußtlos war. Ich ließ nun Whiskey bringen, den ich einflößte, und lockerte sein Halstuch, das er eng um den Hals geschlungen hatte. Dann kniete ich neben ihm nieder und nahm seinen Kopf in den Schoß.

Endlich schlug er die Augen auf, fab ganz verwirrt um

( Nachdruck verboten.)

sich und machte verschiedene Versuche, auf seine Beine zu kommen, was ihm indessen nicht gelang; denn kaum hatte er sich erhoben, als er auch immer wieder zurückfiel. Dabei sah ich zu meiner Ueberraschung, daß aus seinem rechten Arm Blut floß und sein Hemd davon durchtränkt war.

" Plaz da!" rief ich in die Menge, die sich dicht um uns geschart hatte. Ein paar Serle können ihn behutsam ins Haus tragen; er ist verwundet und bedarf der Pflege."

Im nächsten Augenblick schon hatten ihn die Leute ge­faßt und führten ihn in ein Zimmer des Wirtshauses, wo sie ihn auf ein Sofa legten. Neugierig drängten die Leute zur Türe herein.

Macht alle, daß ihr fortkommt", rief ich ihnen zu. Der Mann muß frische Luft haben."

Widerwillig zogen sich die Gaffer zurück, und ich schloß hinter ihnen die Türe. Im Zimmer verblieben nur noch der Wirt und zwei oder drei Gäste.

Der Mann hatte wieder die Augen geschlossen und lag vollkommen unbeweglich da. Ich schnitt seinen Rockärmel auf, um die Wunde zu untersuchen; der Arm war indessen so mit Blut und Schmutz bedeckt, daß ich durchaus nichts sehen konnte.

Erst nachdem ich seinen Arm mit warmem Wasser abge= waschen hatte, konnte ich erkennen, daß es keine frische Wunde, sondern daß sie mindestens schon einige Wochen alt war. Ein tiefer und gefährlicher Schnitt in dem fleischigen Teil des Armes war die Ursache gewesen, und eine Haupt­ader dabei durchschnitten worden. Da die Wunde nur un­vollkommen verbunden worden war, hatte sich der Verband gelöst, und aus der Ader strömte das Blut. Zum Glück führte ich mein Verbandszeug bei mir, und nicht ohne Schwie­rigkeit gelang es mir, das Blut zu stillen, und einen neuen Verband anzulegen.

,, Kennt vielleicht jemand den Mann?" fragte ich darauf. ,, ja, wir fennen ihn alle, Euer Gnaden", antwortete Andreas, der Pferd und Wagen hatte stehen lassen und her­eingekommen war, um mir zu helfen. Es iſt ein gewisser Rory Bournes, und er wohnt da in den Bergen zwischen Kilsyth und Mylrea. Er hat dem Doktor Mulligan ein Pferd verkauft und vom Erlös sich betrunken."

,, Wie kam er zu der Wunde?"

" Das mag der liebe Gott wissen, Euer Gnaden. Er ist ein schlechter Kerl, und wenn er getrunken hat, zanft und schlägt er sich mit jedem herum. Es ist noch gar nicht lange her, daß er aus dem Gefängnis herausgekommen ist." ,, Was soll aber jetzt mit ihm geschehen?"

,, Lassen Sie ihn doch einfach auf der Straße liegen, Euer Gnaden. Wenn er allein ist, wird er schon zu sich kommen, und es wird sich auch schon jemand finden, der ihn auf seinem Wagen mit heimnimmt."

Der Mann war inzwischen zu sich gekommen und ganz verwundert sah er bald auf mich, bald auf Andreas. Ich er­griff ihn beim linken Arm und versuchte es, ihm beim Auf­stehen behilflich zu sein. Er war jedoch noch immer zu schwach, um auf seinen Beinen stehen zu können. Er tau­

35 Pig.

Firstchen in betar

GGOOOO

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