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So befolgen Sie meinen mich Wort, dadurch siel er auf, wäre er bescheidener aufgetreten, so sofort Ihrer Familie annehmen und später auch für Ste würde niemand auf ihn geachtet haben. In einer kleinen sorgen. Tun Sie es nicht, so dürfen Sie sich auf das Residenzstadt ist man rasch bekannt Schlimmste gefaßt machen; die über Ihr Leugnen mit Recht erzürnten Richter werden das Gesez in seiner ganzen Strenge gegen Sie anwenden, und es ist sehr wohl möglich, daß auch Ihre Frau und Tochter in den Prozeß noch verwickelt werden.

,, Sie wollen feine Schuld auf Ihren Sohn fallen lassen, weil Sie sein Mitschuldiger sind," fuhr Spangenberg fort. Glauben Sie, daß Ihr Bruder die Tat begangen haben könne?"

"

,, Nein! Er ist arm, aber ehrlich-"

" Glauben Sie wirklich das Nätsel ungelöst lassen zu fönnen? Hoffen Sie nicht, daß Ihr Leugnen Sie vor der Strafe bewahren wird, im Gegenteil, ein offenes Geständnis würde den Zorn des Fürsten entwaffnen und Ihnen ein mil­deres Urteil sichern. Ich habe Mitleid mit Ihnen und Ihrer Familie, Sie erweisen Ihren Angehörigen einen schlechten Dienst, wenn Sie bei Ihrem Trotz beharren! Der Fürst ver­langt Klarheit, Sie allein können Auskunft geben, hr Leugnen empört ihn, und daß ich ebenfalls darunter leiden muß, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Wälzen Sie meinetwegen die ganze Schuld auf Ihren ungeratenen Sohn, Sie werden dann wegen leichtfertiger Aufbewahrung der Schlüssel mit einer gelinden Strafe davonkommen. Ich will mich inzwischen Ihrer Familie annehmen, und sind Sie wieder frei, so sorge ich, daß Sie eine andere Stelle erhalten, das alles verspreche ich Ihnen aber nur unter der Bedingung, daß Sie endlich mit der Sprache herausrücken."

Der Blick Schönbach's ruhte starr auf dem roten Antlik des Direktors, der mühsam verhaltene Zorn blitte aus seinen Augen. Wie dürfen Sie mir das zumuten?" sagte er ent­rüstet. Ich soll meinen Sohn entehren, trotzdem ich an seine Schuldlosigkeit glaube?"

,, Was Sie glauben, ist mir gleichgiltig, ich urteile nach den" Tatsachen, welche Ihre und Ihres Sohnes Schuld be­weisen!" brauste Spangenberg auf." Ihren Worten schenkt niemand Glauben, Ihre Verurteilung ist Ihnen sicher, nur aus Mitleid für Ihre Familie zeige ich Ihnen den Weg, auf dem Sie Ihre Richter milder stimmen können."

Nur aus Mitleid?" erwiderte der Kustos, das graue Haupt trozig erhebend. Ich erinnere mich, daß Sie auch einmal einige Tage lang die Schlüssel besessen haben-"

Schurke!" donnerte Spangenberg, von seinem Size emporfahrend, aber im nächsten Moment fand er seine Fas­sung wieder, mit verächtlicher Miene zuckte er die Achseln.

Ich sage das nur, um zu beweisen, daß die Schlüssel nicht immer in meinen Händen gewesen sind," fuhr Heinrich Schönbach fort, sie können auch Ihnen gestohlen worden sein."

Nein, das ist unmöglich!" rief Spangenberg, auf dessen Stirn die Adern wieder anschwollen. In jenen wenigen -Tagen lagen sie in meinem eisernen Geldschrank, den außer mir niemand öffnen kann. Ich hatte sie von Ihnen ge­fordert, weil sie mir in meinem Hause besser aufgehoben schienen, später dachte ich an die Möglichkeit, daß der Fürst plößlich ins Museum kommen könne, um die Münzen zu besichtigen, es wäre zu umständlich gewesen, alsdann die Schlüssel bei mir abzuholen, deshalb brachte ich sie Ihnen wieder. Und für dieses große Vertrauen, das ich Ihnen schenkte, wollen Sie mir in solcher Weise lohnen?"

Ich denke nicht daran, gegen Sie eine Anklage zu er­heben," sagte der Kustos.

" Ich möchte auch wissen, wie das möglich wäre!" höhnte Spangenberg, und ein zornflammender Blitz traf aus seinen Augen mit vernichtender Kraft den alten Mann. Die Schuld bleibt auf Ihnen ruhen, Sie können sie höchstens auf Ihren Sohn abwälzen. Ob Sie das nun wollen oder nicht, ist mir gleichgiltig, ich habe ihnen einen guten Rat gegeben, denken Sie darüber ernstlich nach!"

Sie wünschen, daß ich diesen Rat befolge," sagte Schön­bach kleinlaut ,,, also ist es Ihnen nicht gleichgiltig

" Ja, ich dringe darauf, um einen gerechten Wunsch Seiner Durchlaucht zu erfüllen," unterbrach der Direktor ihn aber mals, er will Klarheit haben, und Ihr Geständnis soll ihm betweisen, daß mich nicht der Vorwurf trifft, Sie nicht scharf genug überwacht zu haben. Ich habe diesen Vorwurf mehr­mals hören müssen, ich würde meine Entlassung nehmen, aber ich darf es nicht, so lange diese Angelegenheit nicht er­ledigt ist; die Lage, in der ich mich augenblicklich befinde, ist höchst unangenehm, Ihr Geständnis würde meine erschütterte Stellung wieder befestigen. Verstehen Sie das?"

Gewiß, Herr Direktor!" erwiderte Schönbach, der jetzt den Blick nicht mehr zu erheben wagte,

,, Mein Gott, wir sind ja alle schuldlos!" rief der Kustos, die Hände wie zum Schwur erhebend.

Auch Ihr Sohn?" fragte Spangenberg scharf. Sie mögen das glauben, weil Sie es wünschen, aber können Sie es auch mit gutem Gewissen beschwören? Was soll dieser Eigensinn? Sie entehren den Burschen nicht, denn an seine Ehre glaubt hier niemand mehr, und schaden werden Sie ihm auch nicht, denn er ist längst drüben wieder in Sicherheit. Das ist so einfach, wie nur irgend etwas, und ich begreife nicht, daß Sie nicht selbst auf diesen rettenden Gedanken gekommen sind, der Ihre Strafe bedeutend mildert und Ihre Angehörigen vor gänzlicher Verarmung behütet."

Heinrich Schönbach blickte nach dem Sonnenstrahl, der auf seiner Verteidigungsschrift lag, und schüttelte ablehnend das graue Haupt. Ich fann es nicht," sagte er, mit beiden Hän­den seine Schläfen pressend ,,, mein Gewissen würde mir das niemals verzeihen. Sagen Sie, was Sie wollen, Sie werden mich nicht von der Schuld meines Sohnes überzeugen. Wie dürfen Sie von mir verlangen, daß ich den eigenen Sohn anklagen soll? Ich vertraue auf Gott, er kennt meine Un­schuld, er wird die Wahrheit an den Tag bringen. Ich fann nicht verurteilt werden, denn für meine Schuld ist kein Beweis gefunden worden-"

,, Genug!" unterbrach Spangenberg ihn, sich erhebend. Tun Sie, was Sie nicht lassen können, Schönbach, aber be­klagen Sie sich nicht, wenn die Folgen Ihnen mißfallen. Denken Sie über meine Worte nach, Sie brauchen dabei auf mich keine Rücksicht zu nehmen; ich habe ja für meine Person nichts weiter, als nur die Vorwürfe des Fürsten zu fürchten. Wollen Sie nicht gestehen, so beharren Sie bei Ihrem Leugnen, Sie werden schon erfahren, wie weit Sie damit kommen. In den Prozeß gegen Ihren Bruder werden Sie auch noch verwickelt werden, man beschuldigt Sie der Hehlerei." Auch das noch?" seufzte Schönbach.

" Ja, auch das noch!" fuhr Spangenberg ironisch fort. Daß Ihr Bruder das Armband gestohlen hat, unterliegt feinem Zweifel, er ging sofort nach der Tat direkt zu Ihnen, dort wurde er verhaftet. Man fand das gestohlene Gut nicht bei ihm, daraus wird nun der Schluß gezogen, daß er es Ihnen übergeben haben muß."

,, Dieser Schluß ist falsch, Herr Direktor." ,, Beharren Sie bei Ihrem Leugnen, so dürfen Sie weder jetzt noch später Mitleid von mir erwarten, Sie nicht, und auch Ihre Familie nicht, merken Sie sich das!"

Joachim Spangenberg hatte bei den letzten Worten mit seinem Stock auf die Tür geklopft, die ihm von außen un­Blickes zu würdigen, ging er heraus. verzüglich geöffnet wurde; ohne den Gefangenen noch eines

Unverbesserlich!" sagte er, während er in Begleitung des Schließers den langen Korridor durchwanderte.

Sie leugnen alle, so lange sie fönnen," brummte der Schließer, hab' noch keinen gesehen, der sich nicht gewehrt hätte bis zum letzten Augenblick."

,, Hat er noch keinen Fluchtversuch gemacht?" fragte Span­genberg.

Möcht's ihm nicht raten, durch käme er nicht, wir sind hier zu wachsam."

Sie hatten das Tor erreicht. Spangenberg nickte grüßend und trat auf die Straße hinaus. In Nachdenken versunken wanderte er langsam weiter, und als er das Gerichtsgebäude erreicht hatte, ging er hinein; einige Minuten später trat er in das Arbeitszimmer des Untersuchungsrichters.

Nun? Was haben Sie erreicht?" fragte der Richter er­wartungsvoll. Wird er ein Geständnis ablegen?"

,, Möglich ist es, aber ich glaube es nicht," antwortete Spangenberg unwillig, er glaubt noch immer mit Erfolg leugnen zu können. Indessen habe ich doch durch diesen Be­such die Gewißheit erhalten, daß sein Sohn der Täter ist. Schönbach will es freilich noch nicht zugeben." ( Fortsetzung folgt.),

Bus der Heimat Schluck und Jaus". Nase zu. Da machte sich der Wermste wieder auf, schürzte seine

Skizze von Dr. A. Heilborn. ( Nachdruck verboten.)

Ein armer Schlucker, dieser Schluck, nicht wahr? Und stünde Güte halb so hoch im Preise, Als sie gepriesen wird von jedermann, So wäre dieser brave Schlucker Schluck Ein Krösus dieser Welt.

Mit diesen Worten charakterisiert Frau Adeluz in Haupt­manns ,, Schluck und Jau" einen der beiden Helden in etwas mangelhaftem Deutsch, und mit diesen etwas geistreichelnden Versen hat der Dichter- Hauptmann zugleich einen geringen Dankeszoll an die abgetragen, denen er den Titel seines Spiels zu Scherz und Schimpf" und manchen liebens­würdigen Zug der beiden Vagabunden verdankt.

Es ist ein eigenes Stück Erde, dieses Hiddensee, die Hei­mat der Schluck und Jau, von seltsam stiller Schönheit wie ein Stormsches Gedicht. Sich streckend und dehnend taucht die Insel aus dem Meer wie aus wohligem Bade auf, Haide und Moor und grüne Wiesen und, mitten darin, die weißen Fischerhäuser mit den dunklen Dächern. Ein eigenes Länd­chen, nicht viel größer als eine Halling und ebenso schmal, auf beiden Seiten das Meer, das herrliche, furchtbare Meer, das in mancher Sturmflut darüber hinweggegangen. Wenn ich ein Maler wäre, ich würde dies söte Länneken" wieder und wieder malen, so unsagbar schön, so bilderreich ist es... Es will Abend werden. Die Sonne sinkt mählich herab, blutrot wie eine große Päonie, und ein breiter, rotgoldener Feuerstreifen läuft flimmernd über die See. Das Haide­kraut duftet herbstlich ſtreng, und der Tüld" flötet sein Abendgebet. Und wie ich so im Schauen versunken stehe, schreitet an mir ein Fischer vorüber, mitten durch das matt­gelbe Abendleuchten. Ein alter Mann mit weißem Haar, in Hemdsärmeln und blauen Leinwandhosen. Am Strick zieht er hinter sich die weißbunte Kuh, die er von der Weide geholt. Er geht mit frummen Knieen, die Füße in den großen Holz­schuhen schlurren müde über die Haide. Die Last der Jahre und bittere Not hat ihm den Rücken gebeugt. Und das satte Tier mit dem strogenden Euter stapft ungelenk hinterdrein. Es wird dunkler und dunkler. Ueber dem Boden steigt leise der blasse Herbstmond herauf. Die großen, abgetakel­ten Fischerboote hüpfen und springen wie übermütige Füllen auf den silbernen Wellen. Von den weißgetafelten Schuppen am Wasser fallen zitternde Schatten schräg über den Weg. Gespensterhaft schwarz droht drüben der waldige Dornbusch und das hohe Leuchtfeuer darauf blinkt und schwindet in regel mäßigem Wechsel. Hinter mir die schweigenden Fischerhäuser, in jedem fast ein freundliches Lämpchen... Fernher klagen die wilden Schwäne, und über all dem das ewiggleiche Rauschen der Dünung..

Das ist Hiddensee, Hauptmanns Dichterparadies, wo er alljährlich den Herbst zu verleben pflegt, und wo er die " Versunkene Glocke", den Fuhrmann Henschel und Schluck und Jau" geschrieben.

Wie altertüumlich fremd der Name uns klingt! Die Ge­lehrten wollen ihn von dem alten Dänenkönig Hithin her­leiten, und Hithins- De soll gar der Wülpenwerder des Gudrunliedes sein. Das Volk weiß es aber anders: nach der Mutter Hidden heißt die Insel, und wie sie zu dem Namen kam, das ist eine ergögliche Geschichte, wert, hier einmal er­zählt zu werden.

Das sind nun schon über die tausend Jahre her, und da­mals wohnten hier noch allenthalben Wenden, da machte sich ein frommer Mönch aus Corvei auf den Weg, die heidnischen Rügianer zum wahren Glauben zu befehren. Er war schon eine ganze Zeit die Kreuz und Quer gezogen und hatte manchen Höllenbraten dem Teufel aus den Klauen gerissen, da verschlug ihn der leidige Zufall auch nach unserer Insel. Es war ein fürchterliches Herbstwetter, der Wind peitschte die Wellen haushoch, und dazu regnete es, was vom Himmel herunter fonnte, also daß unser Mönchlein dem Meer manchen Tribut zollte. Klatschnaß wie eine Kaze stieg er an's Land, dankte Gott und allen Heiligen, gab dem Fährmann statt des Geldes seinen Segen und ging, ein gastliches Unterkommen zu suchen. Nicht lange, so sah er ein Haus. Er trat heran und flopfte laut. Da ging die Tür auf und ein altes Heidenweib in rotem Unterrock stand auf der Schwelle, und wie sie das zähnklappernde, nasse Häuflein Unglück in der Kutte sah, schlua fie ihm ohne ein Mort zu verlieren. die Tür vor der

Kutte ein wenig und ging ein Haus weiter. Hier wohnte eine arme Wittib; die nahm den heiligen Mann freundlich auf, speiste ihn, gab ihm Dünnbier zu trinken und machte ihm ein Lager auf der Streu. Das war der genügsame Mönch denn wohl zufrieden, und als er am nächsten Morgen von dannen zog, hub er also an, zu der Wittib zu sprechen: Sieh, ich bin arm wie eine Kirchenmaus, ich habe nichts denn meinen Segen. Den geb ich dir und spreche: Dein erstes Geschäft am heutigen Tage soll dir gesegnet sein." Da dankte ihm die arme Wittwe mit artigen Worten, trat unter die Tür und sah den Davoneilenden ein Weilchen nach. Dann ging sie in ihre Kammer und maß denn sie war eine gar fleißige Frau

die selbst gewebte Leinewand und siehe, sie fand kein Ende. So maß sie den ganzen Tag hindurch, sie gönnte sich nicht einmal Zeit zum Essen und bekam ihr ganzes Haus voll Leinewand. Als das die Mutter Hidden hörte, ergrimmte sie nicht schlecht gegen sich und nahm sich vor, das nächste mal flüger zu sein. Und richtig klopfte nach einiger Zeit derselbe fromme Mann er mochte vielleicht ein schlechtes Gedächtnis haben, oder saß ihm der Schelm im Nacken- wieder an ihre Tür, und alsbald hieß sie ihn freundlich willkommen. Sie tischte auf, was im Hause zu finden, und ließ ihn gar in ihrem eigenen Himmelbette schlafen. Als der Mönch von ihr anderen Tages schied, segnete er sie mit den gleichen Worten. Da hüpfte dem Geizdrachen das Herz im Leibe, und sie ge­dacht alsbald ihr Geld zu zählen. Allein, Mutter Hidden sie wurde durch den Antrieb der Natur, den sie nicht zu den hatte wohl der Morgensuppe zu stark zugesprochen, kurzum, Geschäften rechnete, genötigt, vorher noch einmal hinauszu­gehen, und allsogleich äußerte sich der Segensspruch des from­men Gottesknechtes mit solcher allgewalt, daß davon das ganze überschwemmt und von Rügen abgelöſt wurde. Und so entstand die Insel Hiddensee.

Von dem prächtigen Humor, der aus dieser Sage spricht, haben die Hiddenseer auch heute noch nicht ein Lüttelchen eingebüßt. Da sind zunächst die Dekelnäms", mit denen sie einander rufen, eine unerschöpfliche Quelle niederdeutschen Humors. Ein jeder hat solchen Spiznamen, und ich möchte fast glauben, die beiden häufigsten Familiennamen der Hid­denseer, eben Schluck und Gau, sind ursprünglich auch solche Defelnäms gewesen. Der Eine imponierte der trinkfesten Seeräuberbande durch den gewaltigen Schluck, den er am Leibe hatte; der Andere war gar noch gauer*). Nun, das Trinken haben die biederen Insulaner jedenfalls heute voll­kommen verlernt, und aus den fühnen Wikingern sind all­gemach simple Strandpiraten geworden. In der alten Chro­nik der Cisterziensermönche, die einst auf Hiddensee saßen, wird erzählt, daß gleich in den ersten Jahren nach Gründung des Kloſters beinahe die Hälfte aller Insulaner wegen Strandräuberei erkommuniziert wurde. Bei dem Rufe: Schipp op'm Strand!" stürzte die ganze Gesellschaft aus der Kirche, um beim Retten" mitzuhelfen. Das ist so bis in unsere Tage fortgegangen, und eine ganze Reihe reizender Anekdoten schildert uns das äußerst charakteristisch.

Es war, so erzählt eine Geschichte, einmal ein armes Jüdlein gestorben, das sich durch Dorfgehen schlecht und recht sein saures Brod verdiente. Als es nun an die Himmels­pforte kam und Einlaß heischte, wies ihn der Pförtner Petrus mit den Worten ab:" Das fehlte mir gerade noch, daß du Schnorrer auch noch hier herein kämeſt, ich habe so schon mit den Hiddenseern mein Kreuz." Aber das Jüdchen ließ sich nicht verblüffen und begann mit Petrus zu handeln: Werd ich dirfen hinein, wenn ich bring dir hinaus de Hidderseer?" -- Nun, sprach Petrus und ſtrich sich seinen Apoſtelbart, wenn du das Kunſtſtück fertig bringst, sollst du sogar einen Ehrenplay im Paradies haben." Da stellte sich das Jüdlein breitbeinig vor das Himmelstor, legte die Hände an den Mund, wie es die Schiffer tun, wenn sie sich auf dem Wasser etwas zurufen, und schrie mit mächtiger Anstrengung: Schipp up'm Strand!" Da stürzten holterdipolter sämtliche Hidderseer heraus, das Jüdchen rutschte hinein, und Petrus schlug die Thür zu.

Noch der vorige Hiddenseer Küster, nennen wir ihn ein­mal Suhr, soll bei Lebzeiten hier auf Erden während des Gottesdienstes die Stelle des in den Himmel gekommenen Jüdleins vertreten haben. Von ihm erzählt die heutige Generation noch ergößliche Stückchen. So war einmal- am

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