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Dornbusch ein Schiff gestrandet, das Zucker und Tabak berfrachtet hatte. Küster Suhr war der erste, der der in der Kirche versammelten Gemeinde die Nachricht von dem Glücksfall brachte: Schipp up'm Strand!" Und im Handumdrehen war die Kirche leer, alle, der Pastor( übrigens ein Hiddenseer Kind, wie es in der Eingabe an das Konsistorium bom Jahre 1779 heißt:„ in unsem Döpwater gedöpt") voran, machten sich an's Retten. Der brave Küster nahm gleich ein paar Säcke mit. Den einen hatte er bald mit Zucker gefüllt, da entdeckte er ein Faß Rippentabak. Freudestrahlend rief er bom Wrack aus seinem Vorgesetzten zu:„ Herr Baster, will'n Se ut Toback hebben?" und begann das Produkt Virginas einzusacken. Den biederen Hiddenseern ging die Gottlosigkeit des geistlichen Mannes aber doch über den Spaß. Watt hatt so'n Köster bi't Bargen tau dauhn?*) dachten sie neiderfüllt und warfen ihn mitsamt der Tabakstonne ins Meer. Aber das Küsterlein kam glücklich mit Gottes Hilfe davon, und der Gewinn an Tabak war trotz allem so groß, daß Pastor und Küster sich gemeinsam eine Tabaksschneidemaschine_anschaften, die die Jungen während des Schulunterrichts ich habe die Geschichte von einem, der zu diesen gehörte fleißig bedienen mußten.
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Küster Suhr war übrigens, nebenbei bemerkt, ein äußerst gewiegter Schulmann. Er liebte es, wo es nur anging ad oculos zu demonstrieren. Einmal wollte er den Kindern den Begriff Vergeltung" praktisch erklären. Er rief sich dazu Korl Witt auf's Katheder und sprach zu ihm:„ Vergeltung, Korl Witt, sühst do, dat is tom Bispill, wenn ick di eene utwische" und damit bekam der Junge eine Ohrfeige- ,, un du giwst mi, nich ful, glik eene wedder."**) Und Karl Witt wollte nicht faul sein und schlug dem Küster a tempo eins hinter die Ohren. Der Pastor, der ein Schelm war und nie eine Gelegenheit vorbeiließ, seinen Untergebenen zu hänseln, erfuhr davon, und nun mußte Karl Witt im Beisein des Küsters und der Amtsbrüder des Pastors die Geschichte unzählige Male erzählen.
Um noch einmal auf die Strandräuberei der Hiddenseer zu kommen und ich will ausdrücklich betonen, daß ich im übrigen kaum je ehrlichere Menschen gefunden habe- so ist sie aus der bitteren Armut dieses Fischervölkchens menschlich leicht zu verstehen. Von Jahr zu Jahr wird der Fischfang schlechter, zudem fügen ihnen die herbstlichen Sturmfluten ungezählten Schaden zu. Freilich fällt ihnen auch wohl einmal ein Glück in den Schoß, wie im Jahre 1872, da die Flut den Hiddenseer Goldschmuck an den Strand warf, der zwei Dörfern zum Wohlstande verhalf. Damals riß das Meer fast sämtliche Häuser überflutend fort, und die geängstigten Hiddenseer wandten sich an den Kaiser um Hülfe, er möge ihnen ein anderes Land zur Ansiedelung anweisen. Auch aus dieser Zeit ist eine reizende Anekdote zu berichten, und mit ihr will ich meine Plauderei schließen.
Durch Fürsprache des Fürsten von Putbus erlangten die Hiddenseer glücklich eine Audienz beim alten Kaiser Wilhelm. Die Deputation- die Mitglieder leben fast sämtlich noch machte sich also auf den Weg nach Berlin. Aber als sie in der Residenz eintrafen, empfing sie statt des im Bade weilenden Kaisers nur der Kronprinz. Mit den Worten: Wi wulln girn den Ol'n spräken", wandte sich der Sprecher der enttäuschten Hiddenseer an den Kronprinzen. Der lachte herzlich, sagte ihnen, daß der„ Olle" in's Bad gereist sei und bat sie, doch ihm in Stellvertretung des Kaisers ihr Anliegen vorzutragen. Sie wollten anfangs nicht recht, der Kronprinz schien ihnen wohl doch zu wenig maßgebend, aber schließlich schütteten sie denn ihm ihr Herz aus, wie sie so arm seien und wie die Sturmflut ihnen ihr Hab und Gut wieder einmal geraubt. Der Kronprinz hörte ernst und aufmerksam ihren Neden zu, ließ ihnen eine Erfrischung reichen und gab Jedem zum Abschied die Hand. Da empfahlen sich die Hiddenseer mit den Worten: Na, denn danken wi Sei uk veelmals, un dann spräfen Sei uf man mit Vadding daräwer.***)
Ich meine, diese durchaus verbürgte Anekdote spricht mehr als alles Andere für den liebenswürdigen Charakter der braven Hiddenseer, und Gerhart Hauptmann hat gewiß undankbar gehandelt, als er seinen verkommenen schlesischen Strolchen die Namen der vornehmsten Hiddenseeischen Geschlechter gab.
*) Was hat solch Küster beim Retten zu tun?
**) Vergeltung, siehst du, ist z. B., wenn ich dir eine auswische, und du gibst mir, nicht faul, gleich eine wieder.
***) Na, dann danken wir Ihnen auch vielmals, und denn sprechen Sie man mit Vatern darüber.
O
WITZ
C2D
Sein Wunsch.
HUMOR
Frau Doktors Vortrag ohne Fehl' Gab Zeugnis von Erfahrung; Sie sprach von Eiweiß, Stärkemehl Und ihrem Wert als Nahrung. Es ward ihr Beifall viel gezollt Mit mächtigem Gebrause,
Der Herr Gemahl doch brummt und schmollt Darnach in seiner Klause:
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,, Was schert mich Wichtigkeit und Kraft Samt Eiweiß, Fett und Knochen Zum Teufel mit der Wissenschaft!. Könnt' meine Frau nur kochen!"
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Nicht interessiert. Laura:„ Weißt du, lieber Eduard, außer dem Bargelde bekomme ich noch eine bedeutende Ausstattung, Jus welen, Bilder, Klavier, Farräder...!" Eduard( einfallend): " Ich heirate dich zwar nur aus Liebe- doch erzähle weiter!"
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Standesgemäß. Reichgewordener Schlächter meister: Was soll ich in Karlsbad, ich bin doch kerngefund?!" Frau:„ Aber, August, kannst du dich denn gar nicht in die neuen Verhältnisse schicken; wenn man soviel Geld hat wie du, dann muß man doch zum mindesten leberleidend sein!"
Luftiger Aufschnitt." Wir hatten absolut keinen Ballast mehr zum Auswerfen, sogar unsere Wertsachen waren bereits über den Rand der Gondel geflogen, doch noch immer sank der Ballon. Da kam mir ein guter Gedanke. Mit einer Taschenschere, die ich zufällig bei mir hatte, schnitt ich mir meinen prächtigen Vollbart ab, und siehe da, der Ballon stieg rapid."
Boshaftes Mißverständnis. Junge Dame:" Ich machte einst mit einer Freundin und zwei Bekannten eine Ruderpartie auf dem Rheine. Ich sang ein Lied, und plötzlich fiel einer der Herren ins Wasser!" Herr:„ Ja, weshalb sangen Sie?"
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Verwöhnte Gaumen.
Zwei alte, geriebene Bettler fragen bei der erst seit furzem verheirateten Frau Brandl, ob nicht etwas vom Mittagessen für sie übrig geblieben sei.„ Oh, es ist noch eine ganze Menge da, gleich ſollen Sie es haben!" antwortet die junge Frau. As sie zur Küche geht, um die Speise zu holen, spricht der eine Bettler zum anderen, indem er ihn die Treppe hinabzieht:„ Du, die ganze Menge" ist verdächtig, laß uns rasch verduften."
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Schlechte Avancementsverhältnisse. Soldat( zum Kameraden):„ Du, die Köchin vom Major hat ja ihren Bräutigam verabschiedet; sagtest du nicht einmal, sie hätte ein gutes Auge auf dich?"" Ja, das wohl!... aber ich habe noch drei Vordermänner!"
Offenherzig. Freundin:„ Dein Bräutigam, liebe Rosa, gefällt mir, im Vertrauen gesagt, gar nicht!" Fräulein Rosa:„ Wenn es dein Bräutigam wäre, würde er mir, offen gesagt, auch nicht gefallen!"
Rache. Vater:" Nun, wie ist's gegangen beim Examen?" - Studiosus:" Denk' dir nur, der Professor, der mich examinierte, war derselbe, der einst unsere Eulalia ſizen hat laſſen... Ich hab' ihn aber auch heute keiner Antwort gewürdigt!"
Der Stellvertreter." Nun, Freund, hat dir deine Frau eine tüchtige Gardinenpredigt gehalten, als du gestern abend so spät nach Hause kamst?", nein, die schlief bereits bombenfest- aber unser Papagei hat zwei Stunden lang geschimpft!"
Schade. Mit einem kläglichen Gänsekiel und beim färglichen Schimmer einer schwelenden Kerze hat unser Schiller seinen„ Wallenstein" und seinen„ Tell" geschrieben, meine Damen!". ,, Ach, das Herz könnte einem bluten bei dem Gedanken, was der Mann erst für Werke hinterlassen haben würde, wenn er elektrisches Licht und eine Schreibmaschine gehabt hätte!"
Nr. 60.
Dienstag, den 15. März.
1904.
Oberhessische Familienzeitung.
Cägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Sad mut Verlag ber Stafoner Berlagsbenderet, vorm. Buh. Reller'sche Budbrudsret( gegr. 1789); za: in leis
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Bezold.
(( 23. Fortsetzung.)
Spangenberg fuhr mit der Hand über die Stirne, als ob er die Schatten verscheuchen wolle, die sie umwölkten, ein gezwungenes Lächeln umspielte seine Lippen.
„ Sie haben Recht," erwiderte er, der frohen Stunden sind so wenige im Leben, daß es Torheit wäre, ihnen aus dem Wege zu gehen, ja, ja, freuen wir uns mit den Fröhlichen!"
Ida öffnete die Tür des Wohnzimmers, mit einem Freudenruf wurde Joachim Spangenberg von dem glückstrahlenden Bräutigam empfangen.
3 wölftes Kapitel.
Heinrich Schönbach saß in seiner kahlen Zelle vor dem kleinen Tisch und schrieb; er hatte den Untersuchungsrichter gebeten, seine Verteidigung niederschreiben zu dürfen, die Erlaubnis dazu war ihm erteilt worden.
Stand er dem strengen Richter gegenüber, so verwirrten ihn dessen Blicke, in denen er immer nur ein verdammendes Urteil las; er konnte manche Frage nicht so ausführlich_beantworten, wie er selbst es wünschte, und nach manchen Tingen, die er gern vorgebracht hätte, wurde er überhaupt nicht gefragt.
Das Verschwinden der Goldmünzen war ihm selbst ein unlösbares Rätsel, Tag und Nacht zerbrach er sich den Kopf darüber, aber kein Lichtstrahl wollte in das Dunkel fallen. Hatte sein Sohn wirklich die Tat begangen? Er wollte und konnte etwas so Furchtbares nicht glauben und dennoch kamen mitunter Augenblicke, in denen er die ganze Schuld auf ihn warf, weil er eben keine andere Lösung fand.
Immer und immer wieder wurde er aufgefordert, den trogigen Sinn zu beugen und zu bekennen. Ja, was sollte er denn eingestehen? Sein Gewissen war rein, nur der Vorwurf, daß er die Schüssel nicht strenge genug bewahrt habe, konnte ihni gemacht werden.
Er legte die Feder hin und dachte nach. Von oben, durch das vergitterte Fenster fiel ein schmaler Sonnenstrahl auf den Tisch, in der Seele des Gefangenen blieb es dunkel wie zuvor.
Er erinnerte sich ganz genau, wo die Schlüssel zum Münzenkabinett gelegen hatten. Sie waren selten gebraucht worden, sehr selten, der Fürst interessierte sich nicht für die Sammlung, dem Publikum wurde sie nicht gezeigt, sie schien gänzlich in Vergessenheit geraten zu sein.
Kam ein Fremder, der sie sehen wünschte, und wie selten geschah das! so mußte er eine vom Fürsten unterschriebene Erlaubnis vorzeigen, ehe das Kabinett ihm geöffnet werden durfte. Das war vor etwa zwei Jahren zuletzt der Fall gewesen, seitdem hatten die Schlüssel unbeachtet im Schranke gelegen.
einmal hatte ja Direktor Spangenberg die Halt Schüssel gefordert und mitgenommen. Sie feien bei ihm besser aufgehoben, hatte er gesagt, Schönbach erinnerte sich noch, daß er damals darin ein verlegendens Mißtrauen gefunden hatte.
( Nachdruck verboten.))
Einige Tage später hatte der Direktor die Schlüssel aber schon wieder zurückgebracht, er meinte, sie lägen doch besser im Museum, damit sie stets zur Hand seien, wenn sie einmal plötzlich gebraucht werden sollten. Aber durfte er das zu seiner Rechtfertigung anführen? Durfte er wagen, nur den Schatten eines Verdachts auf seinen hochgeachteten Vorgesekten zu werfen?
Wenn er es tat, so verschlimmerte er dadurch nur seine eigene Lage, er mußte sich ja selbst sagen, daß diese Anklage völlig unhaltbar war.
Aber erwähnen wollte er es doch in seiner Schrift, und schon hatte er die Feder wieder aufgenommen, als die schweren Riegel an seiner Tür geräuschvoll zurückgeschoben wurden.
Er stand von seinem Siß auf, im nächsten Augenblick sah er sich dem Direttor gegenüber; die Tür wurde wieder geschlossen, beide blieben allein.
Heinrich Schönbach bot seinem Vorgesetzten den Stuhl an und blieb mit erwartungsvollem Blick vor ihm stehen.
,, Bringen Sie mir die Freiheit, Herr Direktor?" fragte er. ,, Hat die Sache sich endlich aufgeklärt?"
" Die Freiheit?" erwiderte Spangenberg sarkastisch. „ Wollen Sie noch immer sich unwissend stellen? Ihr tropiges Leugnen wird Ihnen das Gefängnis nicht öffnen, das müßte Ihnen doch endlich klar geworden sein!"
Ich habe nichts zu bekennen, denn ich bin mir keiner Schuld bewußt!"
,, Bah, dainit kommen Sie nun und nimmer durch," fuhr Spangenberg fort. Jedermann weiß heute, daß Sie schon seit längerer Zeit mehr ausgegeben, als Ihr Einkommen Ihnen erlaubte, Jedermann fragt, woher Sie das Geld genommen haben!"
Mein Sohn gab es mir!"
„ Und woher nahm er es? Daß er es von drüben mitgebracht haben soll, glaubt niemand, man weiß nur zu gut, daß er schon ein Taugenichts war, als er hinüberreiste. Er. worben hat er drüben sicher nichts, er machte nach seiner Rückkehr nicht den Eindruck eines vermögenden Mannes, im Gegenteil. Ich vermute, und diese Vermutung teilen viele mit mir, daß er von drüben flüchten mußte und hierher kam, um seinen Eltern auf der Tasche zu liegen. Er fand bei Ihnen die Schlüssel zum Münzenkabinett und beging den Raub. Die Frage, ob Sie an dem Verbrechen teilnahmen oder nicht, will ich einstweilen dahingestellt sein lassen, immer. hin mußte es Ihnen auffallen, daß der Bursche Sie reichlich unterstützte und dabei die verschwenderische Lebensweise führte. Nachdem das Kabinett geplündert war, reiste er wieder ab, und nun bauen Sie darauf, daß er weit genug ent fernt sei-"
,, Nein, nein," unterbrach der Kustos ihn erregt. Wenn ich wüßte, daß er die ruchlose Tat begangen hätte, würde ich ihn nicht schonen, obgleich er mein Sohn ist. Alles, was ei mir über den Erwerb seines kleinen Vermögens sagte, trug den Stempel der Wahrheit. Und was über seine Lebensweise gesagt wird, ist auch übertrieben; er hatte drüben Jahre lang schwer und unablässig gearbeitet, nun wollte er hier sich er.
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