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Da stand nämlich Griechen wegner, mit bem glüdleligſten Gesicht von der Welt, und neben ihr, den Arm um ihre Schul­ter gelegt, der Herr Baumeister Fritz Almers.

Aber Frißchen," plaßte der Baurat verblüfft heraus. Fritchen flog ihm jubelnd an den Hals. Sei gut, Onkel Pold, ich bin so glücklich, ich hab' ihn ja so lieb, schon lange, lange," sagte sie leise.

Was," rief der alte Herr mit komischem Gesicht, hinter meinem Rücken treibst du solche Sachen, und ich sah dich schon als berühmte Malerin, und nun. Im vorigen Herbst fängt die Milly eine Liebesgeschichte an, und diesmal du. Und das nennt man Vergnügungsreise! Na, meinen Segen habt Ihr wie du mit deiner Mutter fertig wirst, geht mich nichts an." Dabei umarmte er die beiden Verlobten herzlich. Die Frau Baurat war bis zu Tränen gerührt und fonnte kaum Worte finden.

Milly aber rief mit komischer Entrüstung: Den, den willst du zum Mann nehmen, aber Frißchen nachdem du weißt, daß er leicht zornig, eine Schmetterlingsnatur ist, und viel Geist, aber

Wenig Gemüt hat," unterbrach sie der Baumeister lachend, während Frißchen ihr den Mund mit einem Kuß schloß.

Erstaunt hörten die alten Herrschaften diesen Worten zu, sie verstanden sie nicht. Nun erzählte Milly lachend Friz­chens Tintenphotographie. Die beiden Alten hörten lachend zu. Das Brautpaar aber sah sich stumm in die Augen und tat, als ginge sie Millys Erzählung gar nichts mehr an. Da stellte sich die Uebermütige lachend vor das Brautpaar hin und fragte schelmisch: Nennt man nun, trop dem Regen­wetter, die Reise nicht Vergnügungsreise?"

,, Nein, Glücksreise," sagte der glückliche Baumeister ,,, wir werden sie nie vergessen, nicht wahr, Fritzchen, diese Reise im Regenwetter."-

Und Frißchen nickte ihm glückselig zu. Natürlich! Sie fanden sich ja

im Regenwetter.

Das Potsdamer Hagelkorn.

Der geniale, schlesisch- joviale, weltberühmte Physiker Dove, der Verfasser des epochemachenden Werkes Das Gesetz der Stürme", pflegte in seinen Vorlesungen über Meteorologie an der Friedrich Wilhelms- Universität zu Berlin im Auditorium Nummer 6, dem räumlich größten, in den siebenziger Jahren jedesmal, wenn er auf die Ent­stehung des Hagels zu sprechen kam, eines eigenartigen Vor­ganges Erwähnung zu tun, welcher sich zu Friedrich des Großen Zeiten in Potsdam abgespielt hat und der den Vorzug genießt, dem Publikum im weitesten Sinne so gut mie unbekannt geblieben zu sein, so daß man ihn hier mit

teilen kann.

Wer Dove mehrfach hörte sein eigenartiger humor­durchträufelter Vortrag forderte dazu heraus- bereitete sich im Auditorium gleichsam auf sein stereotypes histo­risches Intermezzo" vor. Der Ernst verließ dann den großen Gelehrten, den das Volk den Wettermacher" nannte, jeine Züge erheiterten sich, und er begann wie folgt: Der Hagel, meine Herren, bringt mich auch auf die Geschichte ɔom Potsdamer Hagelkorn. Es hatte sich nämlich in der alten Garnisonstadt an der Havel eines Tages das Gerücht verbreitet, König Friedrich stände dicht vor einem Kriege mit Rußland. Nach dem nahen Berlin war dieses unbe­gründete Gerücht ebenfalls mit Windeseile geflogen, und die Beunruhigung im Publikum war eine große geworden, weil man mitten im Frieden lebte. Dem suchte nun der König auf eine originelle Weise, welche die Harmlosigkeit der Zeit genügend charakterisiert, abzuhelfen. In Pots­dam waren eines Abends starke Hagelschläge niedergegangen. Diese Gelegenheit benutzte der König dazu, im Volke zu verbreiten, ein Hagelforn wäre so groß gewesen, daß es einen Fuhrmann erschlagen und Pferd und Wagen zu Boden geworfen habe. Die privilegierten Gazetten" wurden, bei Strafe der Entziehung des Privilegiums, gehalten, diese Nachricht mit vollem Ernst zu verbreiten und alle gegen­teiligen Nachrichten und Ansichten sofort in den Kamin zu werfen. Die Sache erregte Aufsehen. Man sprach von nichts anderem, als von diesem Vorfall, das Gerücht von einem Kriege mit Rußland war verstummt, und der König lachte. Aber mehr noch lachte der Philosoph von Sans­souci", als nach geraumer Zeit ein gelahrter Professor, namens Tiez, mit einer Broschüre vor das Publikum trat

Titius Physikalische Bedenten

über

das Potsdamer

Hagelforn". In derselben war die ganze Rüstkammer der Gelehrsamkeit ausgeframt worden, mit Randnoten, die fast den Text ertränkten, um in überlegenem Gottschedischen Tone die unwahrscheinlichkeit des Vorkommnisses nachzuweisen. Als der Scherz endlich ruchbar wurde, zerraufte sich Tiez sein Haar, Berlin und Potsdam aber, von jeher sonst nicht gut aufeinander zu sprechen, waren sich jetzt darin einig, daß man von Herzen jauchzen müsse.

WILD. WALD

Deutsche Biber.

UND

WAIDWERK

Der Biber ist bei uns in Deutschland fast schon zu einem sagen­haften Tiere geworden, sein Vorkommen ist auf wenige Gegenden in unserem Vaterlande beschränkt, und hier verbringen einzelne Paare, sorgfältig von der Landesregierung geschützt, ihre Tage, ohne sich nennenswert zu vermehren. Am bekanntesten sind die Biberwohnplätze in der Gegend zwischen Magdeburg und Witten­berg an den Elbufern, und ebenso an der Mulde unweit Dessau im anhaltischen Gebiete, wie auch an der Nuthe, die sich nicht weit von Barby in die Elbe ergießt. Ueberall lebt der Biber hier paar­weise, seltener wird er noch zu größeren oder kleineren Familien angetroffen, weit häufiger dagegen zieht er einsam seine Wege. Wo der Biber, wie heute meist bei uns, einsam lebt, legt er sich am Ufer der Gewässer seine Höhle an, die unter dem Wasserspiegel mündet, sich allmählich gegen das Land zu erhebt und hier in einem Kessel endet, der vielfach auch noch einen zweiten Ausgang oberhalb des Wassers hat. Wo wenig Wasser vorhanden ist, legt sich der Biber bei niedrigem Wasserstande vielfach eine kleine Grube vor der Mündung seiner Wohnung an, und setzt diese Grube in Verbindung mit dem offenen Wasser. Zur Herbstzeit errichten dort, wo sich mehrere Tiere beisammen befinden, diese noch eine andere Wohnung, die einem Haufen aufgeschichteten Holzes gleicht. Diese Baue bezeichnet man als Burgen, sie sind unregelmäßig rund, oben stumpf kegelförmig, besitzen feste und dicke Wandungen, die aus fürzeren oder längeren rindenlosen Stämmen, aus Reisig, Zweigen, Rohr 2c. bestehen, die innen und auch außen durch Erde, Sand und Schlamm dicht miteinander verbunden sind. Innen be sitzen sie in der Regel zwei übereinander liegende Kammern, von denen die untere Rammer in gleicher Höhe mit dem Wasserspiegel liegt. Die Baumaterialien schafft sich der Biber selbst herbei. Sein ungeheuer starkes Gebiß gestattet ihm, Zweige von der Dicke mehrerer Zentimeter mit einem einzigen Bisse zu durchbeißen, es verleiht ihm auch die Fähigkeit, Bäume zu fällen und Stämme zu durchnagen. Beim Baumfällen geht er sehr vorsichtig zu Werke, indem er einen dicken Stamm ringsum, sonst aber nur auf einer Seite so lange durch einzelne Bisse benagt, bis er endlich zum Sturze komunt. Die Bißspuren an solchen Stämmen bestehen in unzähligen, schuppenförmigen Einschnitten, die so scharf und glatt ausgeschnitten sind, als ob sie mit einem stählernen Werkzeuge gemacht worden wären.

Die Nahrung des Bibers setzt sich größtenteils aus der Rinde und den Zweigen zusammen, die das Tier gefällt hat. Mit Vor­liebe werden junge Weiden, Pappeln, Erlen, Eschen und Birken­rinde verzehrt; neben diesen Stoffen genießt der Biber aber auch noch die Wurzeln mancher Wasserpflanzen, tierische Nahrung ver­schmäht er. Immer lebt der Biber friedlich, aber ohne nähere Verbindung mit seinen Genossen, außer zur Zeit, wo gemeinschaft­liche Baue errichtet werden, zu denen es bei uns selten kommt. Nur zur Fortpflanzungszeit streiten sich die Männchen, suchen sich zu beißen, während die Weibchen stets friedfertig sind. Der Gang des Tieres ist schwerfällig, da es immer mit der ganzen Sohle auftritt und mit dem Bauche den Boden berührt. Trägt der Biber dagegen ein Stück Holz zwischen den Vorderfüßen, so geht er nur auf den Hinterbeinen und mit weit nach vorwärts geneigtem Körper. Im Schwimmen dagegen ist das Tier hurtig und zeigt große Aus­dauer, da dreht und wendet sich dann der äußerst biegsame Leib im Wasser, wobei Kopf, Rücken und Kreuzgegend zur Hälfte über dem Wasserspiegel herausragen, und hier entwickelt das Tier dann solche Schnelligkeit, daß es mit einem Boote kaum einzuholen ist. Wenngleich die Schädigung, die diese unberufenen Baumfäller an­richten, nicht ganz unbedeutend ist, so geht man ihnen an ihren Standorten doch nicht allzu arg zu Leibe, man wünscht, das inter­essante Tier nicht völlig auszurotten.

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Nr. 82.

Donnerstag, den 14. April.

1881:

Oberhessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

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Gießener Neueste Nachrichten.

Bad and Boxing bes Stepones Beringdbruderet, sorm. With. Roller'fee Subrudsvet( gegr. 1788); verander: In leis

( 11. Fortsetzung.)

Gewissensqualen.

Kriminal Roman von Robert Buchanan.

,, Gott, er ist wahnsinnig geworden!" rief Frau Cree­nan. Wollen Sie nicht die Güte haben, Herr Doktor, ihm nachzugehen und zu sehen, daß ihm kein Unglück geschieht?"

sch gehorchte ihr sofort und stürzte die Treppe hinauf zum Schlafzimmer des Priesters. Gerade kam ich zurecht, wie dasselbe von innen verriegelt wurde.

Ich klopfte. Es erfolgte keine Antwort. Pater Antonius!" schrie ich und klopfte immer heftiger. Endlich ließ sich eine Stimme vernehmen: Wer ist da?" Ich Doktor Sucherland. Ich muß Sie sprechen." Eine Pause, dann wurde der Schlüssel im Schlosse um­gedreht und die Türe tat sich auf. Sch trat ein und sofort wurde auch die Türe hinter mir wieder geschlossen. Wie ein gehetztes Wild stand Pater Antonius vor mir. Rock und Weste hatte er abgelegt und er war in Hemdsärmeln, seine schwarze Halsbinde hing ihm lose und triefte vor Nässe.

Was wollen Sie denn eigentlich von mir?!" schrie er mich heftig an. Warum quälen Sie mich so?"

" Ich suchte ihn zu beruhigen und erklärte ihm, daß nur die Sorge um seine Gesundheit mich zu ihm geführt hätte, und daß es für ihn unbedingt notwendig sei, so bald als möglich das Bett aufzusuchen.

Was die Angelegenheit, in der wir hierher gekommen ſind, betrifft, fuhr ich fort, so muß sie wohl warten. Ich werde Fräulein Craig bitten, ein andermal wiederzu­kommen."

,, Nein, nein!" rief er heftig. Sie soll nicht mehr wie derkommen. Ich kann Sie nicht ſprechen. Ich darf nicht! Ich will nicht!

Seine Stimme versagte, und sich die Hände vors Gesicht haltend, warf er sich in seinen Sessel. Da ich auch jetzt er­fannte, daß es zwecklos wäre, weiter in ihn zu dringen, legte ich ihm meine Hand leise auf die Schulter und wünschte ihm Gute Nacht.

,, Gute Nacht", antwortete er mit hohler Stimme, ohne aufzusehen.

Ich verließ sein Zimmer, und kaum war ich hinaus­getreten, als ich ihn aufspringen und die Tür verschließen hörte. Im höchsten Grade durch sein seltsames Benehmen erstaunt, ging ich hinab zu den beiden Damen, auf deren vieles Fragen ich nur die eine Antwort gab, daß Pater An­tonius feinen ernstlichen Schaden genommen hätte und vor­aussichtlich am folgenden Tage wieder wohl und munter sein würde.

Dann fuhr ich mit Fräulein Craig nach Mylrea zurück. Es war recht stürmisch geworden und unterwegs sprachen wir nur wenig. Sie schien in Gedanken vertieft, und ich hielt es für richtiger, die meinigen für mich zu behalten.

Am 4. November findet in Kilsyth Jahrmarkt statt, und da dieser Markt ein allgemeines Volksfest ist, zu dem wohl sämtliche Bewohner der Umgegend mit ihren Frauen hin­strömten, so nahm auch ich mir vor, mit einem Wagen dort­hin zu fahren. Ich gab Andreas entsprechende Anweisungen und hieß ihn sich am anderen Tage in der Frühe bereit halten.

..Da ist aber nicht viel zu sehen auf dem Markte, Euer

( Nachdrud verboten.

Gnaden", meinte Andreas gewissermaßen entschuldigend ,,, und Kilsyth ist ein armseliges Nest. Wenn Sie aber ihre Flinte mitnehmen und ihre Hunde nebenher laufen lassen, können wir vielleicht unterwegs eine Schnepfe aufstöbern oder auch eine wilde Gans schießen."

Früh am anderen Morgen stand der Wagen vor der Türe. Meine Flinte unter dem Arm sprang ich hinein und pfiff meinen beiden Hunden. Es waren dies ein Vorsteh­hund und ein Windspiel, die ich in der Nachbarschaft ge­kauft hatte.

Seitdem ich den Besuch im Gefängnisse abgestattet hatte, war fast eine Woche vergangen. Die Schwurgerichtsver­handlung stand nahe bevor, und es war noch nichts ermittelt worden, was zur Entlastung des Angeklagten hätte dienen können. Der Hoffnungslose Ausdruck in Ellens Gesicht wurde von Tag zu Tag größer, und auch in meinen Zügen konnte sie keinen Trost lesen. Ich hatte Pater Antonius zwei wei­tere Besuche gemacht, und nach jedem Besuche war meine Aufregung größer geworden. Das erstemal traf ich ihn im Bett, er war ganz in Kissen eingehüllt, und ein böser Husten machte ihm so viel Beschwerden, daß er selbst zum Sprechen zu schwach war. Als ich ihn aber gestern besuchte, hatte er ſich merkwürdig rasch erholt und saß inmitten des Bilder­schmuckes in seinem Studierzimmer. Ich benutzte die Ge­legenheit, ihn einmal genau zu untersuchen, und fand zu meinem nicht geringen Schrecken, daß die Erkältung, die er sich bei seinem Ausgange zugezogen, die Lungen angegriffen hatte, und er hatte auch schwaches Fieber. Ich hieß ihn fofort zu Bett gehen, was er auch versprach. Vorher hatte ich von dem Morde zu sprechen angefangen und erwähnt, daß die Verhandlung gegen seinen Bruder nahe bevorstände; da hatte sich sein Gesicht verzerrt, und fast in befehlendem Tone bat er mich, davon zu schweigen. Dann aber erhob er sich, hielt mir seine zitternde Hand entgegen und bat mich ungestüm, in meinen Nachforschungen nach dem Mörder nicht zu erfalten und seinen Bruder zu retten.

An all das mußte ich denken, während Andreas mich rasch nach Kilsyth führte.

Es war ein Wintertag; bei dem etwas überzogenen Himmel gewährten die Sümpfe zu beiden Seiten des Weges einen fast schwermütigen Anblick. Trotz der Unbeständig­feit des Wetters schien doch alles auf den Beinen zu sein, ja, es kam mir vor, als ob ganz Mylrea auf dem Wege zum Markte wäre. Schon in den ersten Morgenstunden hatte ich eine Menge Leute unter Lärmen gehört, womit sie ihr wider­spenstiges Vieh forttrieben, und noch immer flutete der Strom: Mädchen und alte Frauer einige auf mit Maul­eseln bespannten Karren, andere zu Fuß und ihren mit Geflügel, Butter und Eiern beladenen Esel vor sich her­treibend, und alle von dem Wunsche beseelt, auf dem Markte recht viel zu erlösen, um die Miete bezahlen zu können, die bald fällig wurde. Wenn wir an ihnen vorbeifuhren, so sahen sie zu uns herauf; ein oder das andere Mädchen lächelte uns auch wohl zu und begrüßte uns mit einem Guten Tag, Euer Gnaden", während die wenigen Männer mürrisch drein sahen und uns nicht beachteten. Für all und jeden von

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