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das blühende
Kinder
was so'ne Weingroßhandlung abwirft das Jahr!? Alles in Allem, der Fahgant hat gar nicht so schlecht gewählt!"
Nataly zog die Braunen hoch. Nun ja, eigentlich ist's ja wahr, aber doch immerhin wunderbar und überraschend!" gab sie, einlenkend, halb und halb zu. Sie wollte ihrem Bruder, der auch manchmal mehr ausplauderte, als gut war, feine Ursache zu Rede- und Neckereien geben, es hätte am Ende noch so ausgesehen, als wenn sie eifersüchtig und neidisch auf Grete Konner wäre. Sie, eifersüchtig- des Leutnants von Fahgant wegen! Gott bewahre! Sie hätte ihn nicht haben mögen, Nataly von Schulfen wählte anders und besser, wenn sie wählte!
Woher weißt du dieſe erlesene Neuigkeit denn, Jürg?" fragte sie.
Von Fahgant persönlich, er kam gerade aus'm Blumenladen, hatte' n Bündel Liebesheu bestellt, wir prallten sozusagen zusammen, er mit selig verzückter Visage! Was Neues?" fragte ich so en passant.„ Ja, aber sehr, habe mich mit Fräulein Grete Konner verlobt, morgen kommt's gedruckt
mit Goldschnitt!" sagte er."
,, Also selig- verzückt sah er aus?"
" Doll sag ich dir, er muß die Kleine doch wirklich lieben!" In Jürg's Leutnantsgehirn schien dieses Verlobungsmotiv größtes Staunen und Bewundern hervorzurufen.
,, Du gratuliertest gleich?"
Na ob, wünschte ihm pyramidales Glück und schalt, daß er die Geschichte so heimlich betrieben, kein Mensch im Regiment wußte was."
,, Und was meinte er?" Feirte ganz hinterlistig, ,, ja ja, Kamerad, die echte Liebe sigt tief und verborgen im Herzen und hält sich still, s'ist auch genug, wenn man's nur selber merkt und die, der es gilt!" Gott Strambach, wo der Kerl immer all' die weisen Redewendungen aufgabelt!"
Jürg, welcher sich's inzwischen hatte gut schmecken lassen, legte Gabel und Messer beiseite und wischte sich den Mund.
Dent' mal, die Houzeit, was es da für feine Weine geben wird!" sagte er schmunzelnd und setzte hinzu:„ Na, Natterchen solltest man auch machen, daß du unter die Haube kommst, die Grete Konner kann's schon mit Siebzehn!"
Nataly krauste die Stirn: Jeder nach seinem Belieben!" Jürg erhob sich und strich sich dem Uniformrock entlana. Habe ich mich aber schön vollgegessen! Nun gehe ich schlafen, venn die jungen Hunde satt sind, machen sie's auch so. Proste Mahlzeit!"
Damit entfernte er sich befriedigt. Seine Neuigkeit war er nun ja glänzend losgeworden. Zuerst noch an den Assessor B. auf der Promenade und nun an Nataly. Und Effekt hatte sie gemacht, Donner ja!--
Nataly blieb noch im Zimmer, sie stützte den Kopf in die Hand und sann nach. Diese überraschende Verlobung gab ihr zu denken.
Zu ärgerlich, diese Verlobung, wenn dieselbe sie schließlich auch garnichts anging!
Aber doch ,,, uneigentlich" ging es sie immerhin etaws an. Sie spann diesen Gedanken aus.
Grete Konner, solch ein halbes Kind noch, und schon Braut! Und Nataly selber mit ihren 22 Jahren noch unverobt! Das lag zwar in ihrer eigenen Hand, ausschließlich, sie warf den Kopf hoch und das wußte man auch, man kannte Nataly von Schulfen's wählerischen Geschmack! Aber Nataly war weltkundig, sie wußte, daß man allmählich doch sagen würde, wie es vielleicht hie und da schon jetzt jemand sagte:„ Mit der Nataly wird es nun auch Zeit, alt genug ist sie, schließlich bekommt sie gar keinen Mann mehr, alles schon dagewesen!" Und auch Bruder Jürg hatte sich wiederholt dahin geäußert, daß sie so lange rumquirlen würde, bis der ganze Brei in die Asche fiele und sie dann dasäße, wie Augustin im Dreck!"
Und nun Grete Konner's Verlobung, das würde Aufsehen machen, das würde zu reden geben und vor allem Anlaß zum Vergleichen! Man würde die bräutliche Grete, dieses te wenn auch ganz liebliche Gänseblümchen ihr, Nataly, o Izen, aber doch einsamen Rose gegenüberſtellen, Bemerkunger austauschen, Parallelen ziehen! Unerträglich ( Schluß...
AUS DEM REICHE
DES
WISSENS
Tebenszähigkeit der Mollusken.
Wenn es Bewunderung erregt, daß z. B. eine Herzmuschel zehn Tage lang außer dem Wasser lebte, so verschwindet diesi Erscheinung vor den staunenswerten Tatsachen, die von anderes Seiten her über die Lebenszähigkeit der Mollusken berichtet werden. und zwar von Forschern und Anatomen ausgezeichneter Namen. Die Süßwassermollusken der kalten Zonen begraben sich während des Winters in dem Schlamme ihrer Teiche und Flüsse; die Landschnecken verfriechen sich in den Boden oder unter das Mood und die abgefallenen Blätter. In warmen Ländern versinken sie während der heißesten und trockensten Zeit des Jahres in En starrung. Die Gattungen und Arten, die diesem Sommerschlafe amn meisten unterworfen sind, zeichnen sich durch die Zähigkei ifres Lebens aus, und man hat zahlreiche Beispiele, daß sie aus fernen Ländern lebendig zu uns gelangt sind. Im Juli 1850 erhielt ein Herr Gray eine lebende Süßwassermuschel aus Australien, die über ein Jahr lang außer dem Wasser gewesen war. Man hat Teichschnecken in Mahagoniblöcken aus Honduras lebendig gefunden, und Cailland hat einige in Sägespänen verpackt von Aegypten nach Paris gebracht. Es ist in der Tat nicht leicht zu bestimmen, wie weit ihre Lebensfähigkeit reichen kann; denn Laidlay der eine Anzahl zu diesem Zwecke in einen Kasten getan hatte, fand sie nach 5 Jahren noch lebendig, und noch dazu in dem heißen Klima von Calcutta. Wollaston erzählt von zwei Arten Schnecken aus Madeira, die eine strenge Gefangenschaft in Pillenbüchsen drittehalb Jahre lang überstanden. Das interessanteste Beispiel von Wiedererweckung aber kam bei einer Wüstenschnecke aus Aegypten vor und wird von Baird erzählt. Diese Schnecke ward am 25. März 1846 im britischen Museum auf ein Täfelchen befestigt, und am 5. März 1850 entdeckte man, sie müsse ihr Haus verlassen haben, da sie bei dem Versuche fortzukriechen das Papier gefärbt hatte; sie hatte sich jedoch, da die Flucht unmöglich war, wieder in das Gehäuse zurückgezogen und die Deffnung mit dem gewöhnlichen blinkenden Häutchen verklebt; man brachte sie nun in warmes Wasser und sie erholte sich vollständig. Am 13. März 1850 hat sie gesund und munter zu dem Porträt ge= sessen, das man von ihr anfertigen ließ.
Allerlei Wissenswertes.
Die mittlere Geschwindigkeit des Golfstromes schätzt mai auf fünf Kilometer in der Stunde, obwohl diese an gewisser Stellen bis auf 86 Kilometer anwächst. Im Kanale von Yucatan dagegen, wo die Strömung 150 Kilometer breit und über 1800 Meter tief ist, legt sie in einer Stunde nicht mehr als 400 Meter zurück. In der Straße von Vemini wiederum ist die Fortbewegung so heftig, daß die Wasseroberfläche wie in einer Stromschnelle brodelt und aufschäumt.
Größenveränderungen der Bäume. Es ist vielleicht mehr interessant als praktisch wichtig, zu wissen, daß der Durchmesser von Baumstämmen nicht nur im Winter gegen den Sommer, sondern von Tag zu Tag veränderlich ist. Er ist nämlich größer vom Abend bis zum frühen Morgen und kleiner im Winter als im Sommer. Niedrige Temperaturen begünstigen ebenso wie hohe die Verdunstung. So verdunsten die Bäume im Winter durch ihre Zweige und schrumpfen desto mehr zusammen, je länger kalte Witterung anhält.
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Singende Fische. Verschiedene Naturforscher behaupten, Fische singen gehört zu haben. Träger will an der Westküste von Borneo deutlich melodische Töne vernommen haben, die aus dem Meere kamen, während Kingsley einen in den westindischen Gewässern lebenden musikalischen Fisch als„ Flötenmaul" bezeichnet. Ouffroy de Thoron hat eine seltsame Mitteilung über das Vorkommen singender Fische an der Küste von Ecuador gemacht. Als ich", schreibt er, die Bay von Taylor untersuchte, welche im Norden der Provinz Esmeraldas liegt, steuerte ich einst gegen Abend am Strande hin. Da vernahm mein Ohr plötzlich seltsame, langandauernde Töne. Anfangs hielt ich es für das Geräusch einer großen Hummel, konnte aber keine solche wahrnehmen. Der Ruderer, darüber befragt, ob er nichts höre, meinte: ,, Das sind singende Fische, man nennt sie Sirenen oder Musicos." nicht lange, so vermehrten sich die Töne und man Gindruck, als ertönte ein gedämpfter harmonischer entfernter Draeltönen,"
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Nr. 11
Donnerstag, den 14. Januar
1904.
Oberhessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
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Gießener Neueste Nachrichten.
nd and Berlag ber Olebener Berlagsbraderet, vorm. With Keller'sğe Budbruderet( gegr. 1783); worst:[ bin Role
(( 8. Fortsetzung.)
Der Zeuge.
Roman von Marie Bernhard.
Bereits flüsterte es hier und da, ob denn der junge Norden ein großes Vermögen von Hause aus besize, da doch sein Gehalt gar nicht so bedeutend seid er ein flottes Leben führe, wie es aber dann zugehe, daß man von ziemlich beträchtlichen Schulden, von unbezahlten Rechnungen spreche? Friß selbst sah aus dem faſt unmerklich veränderten Benehmen einiger ſeiner Bekannten, daß man von seinen unsicheren Verhältnissen beginne, Einsicht zu gewinnen. Ihm wurde sehr unbehaglich zu Mute; er nahm es sich fest vor, Helene ernſtlich in ſein Vertrauen zu ziehen.
Und wieder trat das Schicksal zwischen ihn und sein Wollen in Gestalt eines neuen großen Glücks; unmöglich jetzt, ſeiner Herzgeliebten eine Sorge aufzubürden, im Gegenteil, es mußte ſeine ſchönste, seine heiligste Aufgabe sein, ihr jeden leiſeſten Schatten zu verscheuchen volles Sonnenlicht mußte auf ihren Lebensweg fallen, und es fiel auch auf ihn selbst und verscheuchte jedes drohende Unheil, als sein Kind ihn zum erstenmal mit den wunderschönen Augen seiner Mutter anlachte.
Hellmuth hatte sie den Kleinen genannt, und wahrlich, der freudige Name war wie geschaffen für dies Sonntagsfind. Wie in Sonnenschein gebadet schien sein lockiges Gold haar, wie von Sonnenstrahlen durchleuchtet seine großen Augen, perlend tönte sein helles Lachen durch das ganze Haus, unwiderstehlich süß klang sein Bitten; fein Mensch, fein einziger, der in die Nähe dieses wunderlichen Geschöpfes fam, vermochte sich dem Zauber zu entziehen, den es spielend ausübte. Helene jauchzte und lachte um die Wette mit ihrem Söhnchen, aber seine Geburt hatte sie bedenklich angegriffen, und, so namenlos schwer Fri Norden die Trennung von Weib und Kind fiel, so groß das pekuniäre Opfer war, das er bringen mußte, er war gezwungen, sich fast für die Dauer eines ganzen Jahres von den beiden zu trennen und sie samt einer erfahrenen Pflegerin nach Montreux zu schien, damit Helene ihre verlorenen Kräfte wiedergewinnen könne.
Nach ihrer Rückkehr kam es über ihn Schlag auf Schlag. Seine Gläubiger begannen ihn zu drängen, er suchte Auswege hier und da, er schrieb nach England, nach Amerika an ſeine ehemaligen Freunde; viele von ihnen waren nicht mehr da, andere erinnerten sich kaum noch seiner oder wollten es auch nicht. Sein einstiger Prinzipal in New- York lieh ihm endlich, natürlich zum üblichen Zinsfuß, eine größere Summe. Damit konnte er die allerdringendsten Gläubiger befriedigen und hielt sich wieder eine Zeit lang über Wasser. Sein Schwiegervater, der Major von Burg, machte ahnungslos oder vielleicht auch nicht, unausgesezt Ansprüche an den bürgerlichen Schwiegersohn, der es sich ja zur Ehre rechnen konnte, seinen adeligen Verwandten in pekuniären Bedrängniſſen beizuſtehen. Und wenn Frip in früheren Zeiten Scheu getragen hate, Helene ein volles Geständnis seiner Lage zu machen, aus zärtlicher Liebe für sie, so war dies jetzt eine ge= botene Vorsicht, denn die schöne Frau war von zarter, hinfälliger Gesundheit geblieben, und die Aerzte hatten iede Aufregung, jede Gemütsbewegung auf das einstimmigste untersagt. Es waren Jahre der Angst, der unausgesetzten,
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(( Nachdrud verboten.))
quälenden Sorge, die Frizz Norden jetzt durchlebte, und nur auf kurze Zeit, wenn er mit seinem sich herrlich entwickelnden Knaben pielte und lernte, vermochte er das Gespenst der Schuld zu vergessen, das ihn aus hohle Augen überall sonst anstarrte. Er liebte sein Wei mit derselben Zärtlichkeit wie früher, aber es kam ihm jezt oft vor, als ruhe ihr Blick mit einer stillen Frage auf ihm, und das quälte ihn unsagbar. Auch ängstigte ihn die Bläs ihres süßen Gesichtes, die durchscheinende Zartheit ihrer tieinen Hände, die Größe und der faſt übernatürliche Glanz ihrer Augen, in denen immer noch, wie in Hellmuths Augen, der gefangene Sonnenstrahl zitterte.
Seine Stelle in Berlin wurde ihm gekündigt; man war nicht mehr mit ihm zufrieden, seine Kombinationen erwiesen sich als unsicher, er war kein pünktlicher, pflichtgetreuer Ärbeiter mehr. Er nahm eine neue Stelle an in Hamburg, ganz rasch, nahm, was sich ihm bot, nur um Geld zu verdienen. Er fühlte, er wußte es, es ging bergab mit ihm!
Hellmuth war ein schöner Knabe von elf Jahren etwa, da brach über Frizz Norden die Katastrophe herein.
Sein Schwiegervater war bereits vor einiger Zeit geſtorben; das Schicksal der drei unversorgten Söhne, von denen der jüngste fortwährend kränkelte, lastete schwer auf dem Schwager; es gelang ihm endlich, dem ältesten, der ein strebsamer, tüchtiger Mensch war, wenn auch ohne große Begabung, in einem faufmännischen Geschäft eine Stelle mit einem fleinen Gehalt zu verschaffen, aber über den zweiten, der Jura ſtudierte, liefen viele Klagen ein; er besuchte kein Kolleg, er machte Schulden, er spielte Karten. Mit ihm gab es unangenehme, heftige Szenen, Vorwürfe, trogiges Aufbegehren, Versprechungen, die unerfüllt blieben. Der dritte Bruder war außer stande, irgend einen Beruf zu ergreifen, Frizz mußte ganz und gar für ihn sorgen.
Wie war er froh, aus Berlin fortzukommen, froh, nicht da und dort den ernsten, forschenden Augen seines ehemaligen Freundes, des Hauptmanns von Triberg, zu begegnen, mit dem er nun schon seit Jahren fein Wort, nur noch einen kühlen Gruß gewechselt hatte! Roland war unvermählt geblieben; die hübschen Mädchen, bei deren Eltern er verkehrte, hatten ihn als hoffnungslos aufgegeben.
Die Uebersiedelung nach Hamburg war erfolgt. Dort wollte man ganz still, ganz zurückgezogen leben; es sollte von feinem geselligen Verkehr die Rede sein. Frizz sagte sich das immer wieder vor, als ob damit allen Bedrängnissen abgeholfen wäre, während er doch wußte, daß seine Lage mit jedem Monat unhaltbarer wurde. Sein amerikanischer Freund hatte ihm das Kapital aufgekündigt; er sei augenblicklich selbst in schwierige finanzielle Operationen verwickelt, die viel flüssiges Geld erforderten, und so sehe er sich genötigt, so leid es ihm tue, um baldmöglichste Auszahlung des Darlehens zu bitten.
Wie sollte Friz Norden dies bewerkstelligen, wie die zahlreichen anderen Schulden tilgen, an die er von allen Seiten gemahnt wurde? Er kam sich vor wie ein gehetztes Wild, und doch hatte er keinen leichtsinnigen Lebenswandel geführt, we


