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dem früheren Glück fänden. Er wurde ernst dabei, als er bemerkte, wie die Jahre des Wartens feine Spuren in den anmutigen Zügen des Mädchens zurückgelassen hatten. Aber sie waren verschwunden, als er noch einmal hinblickte, so beten. warm und herzlich hatten seine Augen um Verzeihung ge
Man vergißt so leicht über den tollen Studentenjahren," sagte er leise. Der volle Strom des Lebens treibt hierhin und dorthin, daß man nicht zur Besinnung kommt. Und wenn uns dann in späteren Jahren die Erinnerung an das einzige überflutet, was uns einmal in sonnigen Frühlingswelche man nicht übersteigen kann." tagen begegnet ist, hat die Zeit eine Schranke aufgerichtet,
Mitten in dem Gewoge der bunten Mützen sprach Otto Merenthal diese Worte, als er fortfuhr, waren die beiden durch das Burgtor und in den Frühlingswald geschritten. " Als junger Bursche, Hedwig, konnte ich dich lieben, später habe ich die Verpflichtung, die ich damit übernahm, nicht erfüllen können. Ein unbekannter Arzt, ein Anfänger, konnte dir an seiner Seite kein Los bieten, so bin ich still zurückgetreten. Vergessen habe ich dich niemals! Und wenn ich zweifelten Stimmung gewesen wäre, so hätte ich nicht den nicht in der Erinnerung an jene Zeit in einer so trostlos verdie letzten Moneten durchzubringen. Entschluß gefaßt, nach Studentenart noch einmal mit Anstand
Frau. Nicht wahr, Hedwig? Vivat Akademia!" ,, So fand ich eine Aussicht, die alte Liebe und eine junge Und Otto Merenthal schwenkte seine Müze gegen den blauen Himmel.
FELD
UND FLUR
Sommerblumen.
Seinen anmutigeren Zimmerschmuck gibt es wohl, als einen Blumenstrauß, der zwischen allen Ziergeräten, die das Kunstgewerbe erzeugt, trob seiner Vergänglichkeit den Eindruck des Lebensfrischen macht. Die zierlichen Porzellan- und Majolikavasen kommen erst vollkommen zur Geltung, wenn sie mit Blumen ge= füllt worden sind, die eine geschickte Hand geschmackvoll zu arrangieren verstand, einerlei, ob es Feldblumen sind oder Blumen aus dem Gewächshause oder dem Garten.
Gerade mit Rücksicht auf den Strauß für die Vase oder die Blumenschüssel seien einige Blumen empfohlen, deren Pflege keine Schwierigkeit macht, da der Same einfach auf Gartenbeete gesät zu halten. Manche derselben lassen sich auch verpflanzen, sobald wird und es nur nötig ist, die jungen Pflanzen vom Unkraut frei sie hinreichend kräftig geworden sind, wenn man Sorge trägt, das Umpflanzen gegen Abend vorzunehmen und sie in der ersten Zeit durch Bedecken mit umgekehrten Blumentöpfen gegen die Mittagssonne zu schützen. Da dieselben meistens nur einjährig sind und in den Sommermonaten blühen, hat man sie Sommerblumen genannt.
Zunächst ist die chinesische Nelke zu empfehlen, die sowohl in Form, wie in Farbe große Mannigfaltigkeit darbietet. Besonders schön ist Dianthus Chinensis Heddewigii, eine Abart mit großen Blumen in rot und braunrot und neuzeitlich auch verschieden schattiert. Gefälliger im Bau ist die wohlriechende Wicke, Lathyrus odoratus, welche dunkelbraun, dunkelblau, purpurrot, rosa und weiß blüht. Man behandelt sie in derselben Weise wie Erbsen, indem man die jungen Pflanzen häufelt und sie mit ästigem Reisig besteckt, damit sie hoch aufranken können. In glühenden Farben entfaltet sich der Ranunkelmohn, Papaver ranunciflorum nanum, der namentlich ein herrliches Scharlachrot für den Strauß liefert, das in Verbindung mit dunkelgefärbten Blumen ganz außerordentliche Effekte hervorbringen läßt. Auch in einen Strauß aus Feld= blumen paßt der Ranunkelmohn hinein, ohne als Gartenblume aufzufallen.
Die Stabiose, welche auf Wiesen und an Wegen ihre wilden Vertreter in graublau und stumpfen Lila hat, kann in ähnlicher Weise wie der Ranunkelmohn verwendet werden. Der Gärtner hat die aus Ostindien stammende Skabiose veredelt und liefert Samen bon der gefüllten Zwergstabiose in folgenden Farben: rot, burburrot. lila. fleischfarbia, weiß, kirschrot, lasur=
blau und purpur mit weiß. Sie bedarf fast gar keiner Aufmertsamkeit und ist mit jedem Standorte zufrieden.
Phlox Drummondi und Petunien machen wohl den Garten bunt und sind allgemein beliebt und verbreitet, aber sie eignen sich wenig für den Strauß, da ihre Farben an die schreienden Töne des Anilins erinnern und keine Harmonie geben. Die Blumen der Sommer- Phlox ſehen außerdem aus, als wären sie aus Kattun geschnitten.
Von schöner Wirkung sind dagegen die Zinnien und zwar die gefüllten, welche sich in der Form der Stabiose nähern, die sie jedoch an Farbenpracht übertreffen. Man hat sie scharlach, lila, goldgelb, weiß, chamois und orange. Die Zinnia wird nach dem Umpflanzen kräftiger und treibt reichlichere Seitenzweige, verlangt aber Sonnenschein und reichliches Begießen am Abend, wenn sie recht volle, leuchtende Blüten hervorbringen soll. Die Zinnia Hageana aus Mexiko hat einen niedrigen Wuchs und blüht glühend goldgeb.
Leicht und graziös im Bau ist das sogenannte weiße Vergißmeinnicht, Cynoglossum linifolium, das mit den bescheidensten Plätzen vorlieb nimmt. Das blaue Vergißmeinnicht, Myosotis palustris semperflorens, läßt sich aus Samen ziehen, den jede Handlung liefert, und dauert mehrere Jahre hindurch aus. Ein feuchter, schattiger Standort sagt ihm am meisten zu, doch darf es nicht ganz vom Sonnenschein ausgeschlossen bleiben. Schneidet man mit Umsicht, so blüht es ununterbrochen vom Frühjahr bis spät
in den Herbst ebeno schön wie im Freien am Waldesrand und an Gräben. Das azorische Vergißmeinnicht bringt dunklere Blumen als die erstgenannte Art hervor, aber es verfriert in falten Wintern, wenn es nicht mit Laub bedeckt wird. Beide Arten, mit dem erforderlichen Grün, in einen Strauß zusammengestellt, machen einen überaus reizenden Eindruck.
Das Kleine Gipskraut, Gypsophila elegans, welches selbst in dem schlechtesten Sandboden gedeiht, sieht im Garten nur unschein= bar aus, ist jedoch mit seinen zahlreichen, weißrötlichen Blüten unentbehrlich für die Blumenschüssel. Das rispenblütige Gipskraut, Gypsophila panniculata, ist ebenso anspruchslos wie dieses, aber eine große Zierde des Buketts. Man hat ihm den wohlverdienten Namen„ Silberschleier" gegeben. Leider wird es selten angetroffen.
Die hier aufgeführten Sommerblumen sind weder zu zahlreich, als daß sie einen Garten belästigen, noch als Material für den Zimmerstrauß ungenügend, denn ich sehe voraus, daß Astern, Lebkohen, Reseda und namentlich der duftende Goldlack nicht fehlen. Um Wechsel an Grün zu haben, sät man verschiedene Gräser. Briza maxima und minima, großes und kleines Bittergras, Bromus brizaeformis und die Mähnengerſte Hordeum jubatum sowie die farnblätterige Petersilie und die Perilla nankinensis mit dunkel, roten Blättern.
Ein bewußtes Mittel, nicht nur abgeschnittene Blumen länger als gewöhnlich zu erhalten, sondern auch halb verwelfte wieder frisch zu beleben, sei noch mitgeteilt. Man gebe zu dem Wasser, in das die Blumen gestellt werden sollen, zwei bis drei Tropfen Kampferspiritus. Der Erfolg ist ein überraschender.
Es war einmal.
Die Sonne sintt, die Gassen schweigen, Der Abend dämmert ins Gefild, Das Haupt will sich zur Ruhe neigen Und sucht ein längst entschwunden Bild Im Schlummer wiegen sich die Bäume, Das Bächlein plätschert still zu Tal, Ich zieh' ins Land der Märchenträume; Es war einmal, es war einmal.
Mir ist, als ob im Hauch der Winde ,, Es war einmal" das Echo spricht. Daß ich die alte Mär nicht finde: Die Welt ist stumm, verweht das Licht
Nur eine Träne fühl' ich gleiten Vom Auge nieder, feucht und warm: Es war einmal bergangne Zeiten, Vergangnes Glück, vergangner Harm!
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Nr. 131
Montag, den 13. Junt.
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
( 20. Fortsetzung.)
Die Rache ist mein.
Originalroman von Ottomar Beta
Die alte Siederei lag in Asche, und die Holzschuppen rings umher teilten dieses Geschick. Einige höllenschwarze Mauern ragten aus der traurigen Brandstätte empor, von wirbelnden Dampf- und Rauchwolken halb verhüllt, von den immer beangelodert. gierig noch leckenden und nach Nahrung suchenden Flammen
Was dort abends vorher sich ereignet, darüber durchwirbelten, in ähnlicher Weise wie Rauch und Flammen, die verworrensten Gerüchte die geistige Atmosphäre der Hafenstadt und hafteten alle an dem einen Namen Erich Staudius.
Und dieser Erich lag auf den Tod verwundet und unaus dem brennenden Hause gerettet. bernehmbar im alten Staudiusschen Hause. Man hatte ihn
Dieses Man" war nun niemand anders gewesen, als Stöberer. Als er mit seiner Droschke bis an den Siedereiniederstreckte, und er hielt es für das Geeignetste, sofort seine hof gelangte, hörte er den Schuß, welcher den wilden Robert Stimme zu erheben. Und der Droschkenkutscher, welcher bereits wußte, um was es sich handelte, stimmte aus Leibesin den Fenstern von Erichs Wohnzimmer und die Schatten kräften in diesen Ruf mit ein. Stöberer sah den Lichtschein mehrerer Personen.
,, Sie haben ihr Opfer in ihrer Gewalt," dachte er sich, ,, und er ist nur zu retten, wenn man sie verscheucht." Dann Kutscher gefolgt, unverweilt durch die ihm bekannte Seitendrang er, während drei weitere Schüsse fielen, von seinem tür und sah zwei Kerle aus Erichs Wohnzimmer hervorstürzen und nach dem Innern des Speichers zu verschwinden. Stöberer hoffte also, seinen Zweck erreicht zu haben. Der aufsteigende Brandgeruch und der Schein des aufflackernden Strohes aber verkündeten ihm, daß auch die Verschwörer den ihrigen nicht aus dem Auge gelassen hatten. Er eilte also zaglos hinzu und gerade rechtzeitig, um den scheinbar leblos und blutend daliegenden Erich noch in seine Arme nehmen und mit Hilfe des Kutschers ins Freie tragen zu können. Eine gemacht. Minute später hätten Glut und Qualm ihm dies unmöglich
wahrscheinlich übel bekommen, denn die beiden desperaten, Aber diese selbstvergessene Hilfsbereitschaft wäre Stöberer durch das Fenſter entsprungenen Kerle, welche durch Glasscherben verletzt im ersten Schrecken sich unter einen Holzschuppen flüchteten, da sie nun gewahr wurden, daß nur zwei unbewaffnete Leute sie verscheucht hatten, stürzten wieder hervor und hatten zweifellos die Absicht, ihrem Werke die stimmiges Geschrei erscholl. Und dies genügte nun, sie vollKrone aufzusetzen, als nun auch vom Wasser her ein mehr ends zu verjagen. Sie flohen in die Nacht hinaus.
Das Geschrei aber vom Wasser her wurde lauter. genannter Seelenverkäufer", wie ihn die Kundigen zum Dort landete ein Boot, ein damals noch üblicher soKreuzen des Stromes benützten.
Und der Droschkenkutscher lief hinzu, eben als Anton mit seiner Pickart einen Menschen niederschlug, welcher durch die Kanalöffnung aus der Siederei nach der Wasserseite hin ent
( Nachdruck verboten.) weichen wollte und sich mit einem Brecheisen zur Wehr setzte, während der Wächter einen anderen in den Kanal zurückjagte.
Anton hatte den für einen Fußgänger fürzesten Weg and Ufer gewählt, hatte den Wächter von seinem Schoppen fort. gerufen, und beide waren von der Wyk aus mit dem dort für diesen Zweck bereitstehenden Boot übergesetzt, gerade rechtzeitig, um das Entweichen dieser Menschen zu verhindern und die beiden anderen zu verjagen.
Stöberer, der Antons Stimme erkannte, rief nun von fern her: Nicht totschlagen den Kerl!"
Und es war gut, daß Anton nicht noch einmal ausholte, denn dieser so in die Hände der Polizei gelangende Verbrecher war der Moritzsche Kutscher. Anton band den nur Betäubten und brachte ihn in Sicherheit nach dem anderen Ufer zurück.
Und während Stöberer Erich auf seine Wunden hin untersuchte, rasselte eine Droschke heran, Fiebiger und zwei Polizisten mit sich führend. Franziska hatte im Rathaus zurückbleiben müssen. Und dann scholl auch schon der Hue and Cry durch alle Straßen; vom Turme der Jakobikirche her wurde das Brandzeichen gegeben, die Wächter stießen insgesamt ins Horn, und das Chaos brach herein, während Erich unter Fiebigers und Stöberers Fürsorge verblieb und zu einem nahen Arzt gebracht wurde.
Es stellte sich heraus, daß er einen Schlag mit einem Brecheisen über den Kopf erhalten hatte, den nur sein dichter wollener Hut verhindert hatte, tödlich zu werden. Und dazu fam eine lange, schlißartige Wunde im rechten Arm, mit einem Dolchmesser beigebracht. Betäubung und Blutverlust wirkten zusammen, um ihn niederzustrecken. Lange Zeit schwebte er zwischen Tod und Leben.
Ein Engel wachte über ihm, dessen Pulsschlag mit dem seinen gleichen Tritt hielt und erst ruhiger wurde, als seine Fieberphantasien sich legten. Franziska war in der Krankenpflege erfahren, wußte mit Eis und Verbandzeug und Arzneien umzugehen wie andere Frauen mit Zucker und Cichorien. Ihr Vater hatte es für einen unerläßlichen Teil ihrer Erziehung angesehen, daß sie sich in diesen Dingen praktisch betätigen lernte. Nicht theoretisch," sagte er immer, aber fürs Verbinden sind die Frauen förmlich vom lieben Gott mit besonderen Nerven begnadet. Sie können einen Menschen mit der größten Kaltblütigkeit sterben sehen, aber sie machen ihm den Eingang ins Himmelreich wenigstens leichter." Der Spötter! Franziska wäre ihrem Patienten in jene Welt, aus deren Schatten kein Wanderer wiederkehrt, höchst wahrscheinlich gefolgt wie eine indische Witwe, wenn der liebe Gott nicht auch ihn mit einer besonders widerstandsfähigen Natur begnadet hätte. Von Lister und Karbol wußte man damals noch nichts, man lebte noch ahnungslos unter Bazillen und Mikrokokken dahin, und das Wundfieber blieb nicht aus. Aber Erich überstand es. Franziska half ihm getreulich dabei; sie teilte gewissermaßen sein Leiden. Kaum, daß sie sich auf einige Stunden dann und wann einmal ablösen ließ, am liebsten von ihrem Vater. Oft warf sie sich diesem in die Arme und schluchzte:„ Alles das duldet er für uns!"
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