Ein verhängnisvoller Blitzschlag kostete in Herdors ( Rheinland) drei Kindern das Leben. Die Kleinen, Geschwister im Alter von 2-8 Jahren, spielten bei Ausbruch eines Gewitters auf einer Wiese, wo ihre Mutter mit Unkrautjäten beschäftigt war. Um die Kinder vor dem Regen zu schützen, hatte sie die Mutter zusammengestellt und ihre Schürze über die Kleinen ausgebreitet. Bald darauf ereignete sich das Entsetzliche: ein Blitzstrahl fuhr hernieder und tötete die drei Kinder vor den Augen der Mutter.
[ Ein gemütvolles Mädchen.] Ich hatte, so erzähli eine Leserin der„ Tg. Rdsch.", an einer schweren Halsentzündung sehr krank gelegen, als ich mich in der Genesung befand, bekam ich den Besuch eines früheren Dienstmädchens. ,, Das freut mich, daß Sie kommen, Terese," sagte ich ,,, weshalb kamen Sie denn nicht eher?"„ Ach, ich hörte, die gnädige Frau läge im Sterben und müßte ersticken- da wollte ich doch nicht gerne stören!"
Ein großer Bäckerstreik ist in Berlin ausgebrochen. Es sind an 4000 Gesellen ausständig. Eine der Hauptforderungen der Gesellenschaft geht auf Abschaffung der„ freien Station" bei den Meistern. Die Meister sind fest entschlossen, nicht nachzugeben. Sie arbeiten selbst mit und außer fremden Gesellen sind auch auswärtige Meistersöhne in großer Zahl zur Unterstützung nach Berlin gekommen. Mit Ausnahme von kleineren Unregelmäßigkeiten ging die Lieferung des Frühstückgebäcks in der gewohnten Weise vor sich. Die streifenden Gesellen sind in Massenquartieren untergebracht.
еastags besonders wichtige Dinge vorgegangen sein, wia). tiger jedenfalls, als die parlamentarischen Verhandlungen. Diese führten zunächst zu einer Debatte über die Militärgerichtsbarkeit. Der sozialdemokratische Abg. Dr. Grad. nauer erwähnte, daß fast gleichzeitig drei an dem bekannten Bilse- Prozeß beteiligte Offiziere aus dem aktiven Dienst geschieden seien, und daß seit jenem Prozeß bei Gerichtsverhandlungen gegen Offiziere systematisch die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werde. Er brachte die beiden Erscheinungen miteinander in Zusammenhang, vermutete Maßregelungen und Beeinflussungen, die er noch durch andere Angaben zu erhärten suchte, und kam zu dem Schluß, daß das Vertrauen zu dem militärischen Gerichtsverfahren, das Vertrauen in die Unabhängigkeit der militärischen Richter durch die neueren Vorgänge stark erschüttert worden sei. Oberst v. Vallet des Barres wies in Vertretung des Ministers die tat sächlichen Mitteilungen des Redners als unrichtig und seine Vermutungen als unbegründet zurück. Der Abg. Bebel aber blieb dabei, daß das Vertrauen in die Unabhängigkeit der militärischen Richter in die Brüche gehe. General v. Gallwitz fand ein hübsches Wort zur Erwiderung; er sagte unter den Beifall der Rechten, daß es die Mannhaftigfeit und Charakterfestigkeit unserer Offiziere unterschätzen heiße, wenn man glaube, sie würden sich durch irgendwelche Einflüsse abhalten lassen, anders als nach Pflicht und Gewissen zu urteilen. Aber er überzeugte die Sozialdemokraten nicht, vielmehr machten außer ihren Rednern auch die Freisinnigen Dr. Müller- Sagan und Schrader Bedenken geltend, ob die als Richter fungierenden Offiziere genügend unabhängig seien. Da die übrigen Parteien sich an der Disfussion nicht beteiligten, darf man wohl annehmen, daß sie die gleichen Zweifel nicht hegen. Bei der dann folgenden Beratung des Marineetats trat der sechsundsiebzigjährige freifonservative Abg. v. Kardorff mit jugendlicher Frische und Wärme für eine Vergrößerung unserer Flotte ein. Er fragte, warum wir keine Unterseeboote hätten, wünschte Beschleunigung des Schiffbaues im Rahmen des bestehenden Flottengesetzes und darüber hinaus Vermehrung der Schiffe. Immer mehr redete sich der alte Herr in Feuer, als er, durch Widerspruch von der Linken und Heiterkeit oft unterbrochen, der Regierung ein ganzes Bukett neuer Steuern entgegenhielt, um die Ausgaben für die Erfüllung seiner Wünsche zu decken. Selbst vor einer Reichseinkommensteuer würde er für die Flottenvermehrung nicht zurückschrecken. Staatssekretär v. Tirpitz antwortete kurz, daß die Marineverwaltung der Unterseebootfrage feineswegs ablehnend gegenüberstehe, sondern sie aufmerksam prüfe, aber sie müsse vorläufig ihre Kräfte auf die schwierige Aufgabe konzentrieren, das Flottengeset durchzuführen. Auf die Flottenvermehrungspläne ging weder der Staatssekretär noch ein Redner aus dem Hause ein. Nach Erledigung des Marineetats gab es eine Ueberraschung: Der Justizetat, der darnach an der Reihe gewesen wäre, wurde nämlich von der Tagesordnung abgesetzt, weil über die sozialdemokratische Resolution, betreffend die Behandlung Kranker in den Gefängnissen, große Debatten zu erwarten sind. Diese sollen am Freitag erfolgen.
Preufsifcher Landtag.
( 13. Sigung.)
Herrenhaus.
durch einen Zeichner eine Titelvignette anfertigen, die den Abschied des Schloßherrn darstellen sollte. Der Zeichner hatte aber seine Aufgabe nicht gut begriffen und zeichnete die Abschiedsszene so, daß sich ein halbes Dutzend Kinder an den Rock der Schloßfrau anflammerten. Der Verleger wollte dem Zeichner nun sein Honorar nicht auszahlen. Jokai aber fand, um dem Armen nicht um seinen Verdienst zu bringen, einen Ausweg, indem er in den Roman folgende Zeilen einfügte:„ Die Schloßfrau aber hatte die Kinder so gern, daß sie die Sprößlinge ihrer ganzen Dienerschaft um sich zu versammeln pflegte, sie auf den Armen trug und von früh bis abends mit ihnen spielte."
Zum Mülheimer Aerztestreif berichtet die Mülh. Ztg." folgendes, ungeheuerlich klingende Vorkommnis: Ein Arzt des städtischen Krankenhauses legte einem Knaben, der den Arm gebrochen hatte, einen Verband an; er nahm aber den fertiggestellten Verband wieder ab, als er erfuhr, daß der Vater des Knaben auf dem Kabelwerke Karlswerk arbeitete, auf demjenigen Werke, welches in dem Streite zwischen den Aerzten und den Krankenkassen zu ungunsten der Aerzte den Ausschlag gab. Der Begleiter des Knaben wollte das Arzthonorar und die Kosten für den Verband erlegen. Die zuständige Behörde hat eine Untersuchung eingeleitet. Die Verantwortung für diese Darstellung müssen wir natürlich der Mülh.3kg." überlassen.
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[ Kostbare Fingerhüte.] König Tschulalangkorn von Siam hat seiner Gemahlin einen Fingerhut geschenkt, der bei einem englischen Juwelier hergestellt wurde und 300 000 Mark gekostet hat. Der Fingerhut hat eine goldene Hülle in Gestalt einer halbgeöffneten Lotosblume und ist außen mit Diamanten, Rubinen und anderen Edelsteinen in bunten Farben besetzt, die so angeordnet sind, daß sie den Namen der Königin bilden. Unlängst hat in Paris ein amerikanischer Milliardär einen Fingerhut für 100 000 Mark herstellen lassen, der außen ebenfalls mit Diamanten, Rubinen und Perlen besetzt ist. Der Schah Naffredin schenkte der Gemahlin eines Diplomaten, bei dem er zu Gast geladen war, einen Fingerhut im Werte von 30 000 Mart. Das kleine Kunstwerk sah, so waren die Diamanten und Edelsteine angeordnet, einer zierlichen Weintraube gleich.
Pest in Egypten. Wie über Konstantinopel gemeldel wird, sind in Alexandria mehrere Bestfälle vorgekommen. Ee ist daher eine 48stündige Beobachtung der Herkünfte von dort angeordnet worden. In Bagdad ist die Cholera seit 33 Tagen erloschen, daher sind die Quarantänemaßregeln aufgehoben worden.
Aus dem Gerichtsfaal.
[ Die größte Hängebrücke der Welt] wird die dritte Brücke über den East River sein, die zur Verbindung von Manhattan Island mit Brooklyn gebaut wird. Die Stadt Newyork hat jetzt für den Bau 10 Millionen Dollars bewilligt. Die Brücke wird 8 Eisenbahngeleise tragen, abgesehen von anderen Verkehrswegen. Der Bau soll bis Januar 1909 fertiggestellt sein. Die gesamten Kosten werden auf 12 Millionen Dollars berechnet. 1½ Millionen Dollars sind bereits für die Fundamentierungsarbeiten der Türme ausgegeben worden, welche die Tragkabel halten und stüßen.
§ Einen Prozeß gegen den Prinzen Friedrich Leopold von Preußen hatte dessen früherer Hofmarschall v. Luck, der vor einiger Zeit plötzlich aus dem Amte schied, wegen Zahlung seiner Pension angestrengt, weil darüber Meinungsver schiedenheiten entstanden waren, ob dem Herrn v. Luck die Zeit, die er ohne Hofmarschall zu sein, im Dienste des Prinzen zugebracht hatte, mit anzurechnen sei. Der Prozeß ist jetzt zu ungunsten des Prinzen Friedrich Leopold entschieden worden. Herr v. Luck erhält eine Pension von 12 000 Mart jährlich.
RK Berlin, 11. Mai. In der preußischen Ersten Kammer gabs heute wider alles Erwarten eine Jesuitendebatte großen Stils. Der Etat stand zur Erörterung. Als erster Redner in der Er Debatte nahm Graf York von Wartenburg das Wort. erklärte den Bundesratsbeschluß, der den§ 2 des Jesuitengesetzes aufhebt, für staatsrechtlich ungiltig. Aber sein Hauptbedenken war doch, daß er in der Aufhebung des§ 2 nur die Gewähr für eine weitere Nachgiebigkeit der Regierung gegenüber dem Zentrum sieht. Er kritisierte dann die Tätigkeit des Jesuitenordens und die ihm noch weniger will, fommene Marianische Kongregation und befürchtete von beider Zulassung in Deutschland eine Störung des konfeſſionellen Friedens. Professor Löning- Halle, der bekannte Nationalöfonom, teilte diesen Pessimismus des Vorredners nicht. Aber den§ 1 des Gesetzes will er auch nicht beseitigt wissen. Während der Rede des Hallenser Professors erschien Graf Bülow im Saale. Nach Löning nahm der Fürstbischof bon Breslau Cardinal Kopp das Wort. Er verteidigte die Orden und die Aufhebung des§ 2 und erklärte u. a.: Wenn Bismarck noch ein paar Jahre länger im Amt geblieben wäre, hätten wir die Aufhebung des§ 2 schon seit 10 Jahren. Der Kultusminister Dr. Studt begründete die Zulassung der Professor Löning fragte den Marianischen Kongregation. Fürstbischof, ob diese Kongregationen noch heute unter der Leitung des Jesuitengenerals ständen, was Kardinal Kopp berneinte.
Haus der Abgeordneten.
Vermischtes.
Afrikaforfcher Stanley.
Der Träger eines weltberühmten Namens und einer der größten Welterforscher ist tot: Raum 63 Jahre alt hat Henry Stanley in London die Augen geschlossen. Mit ihm ist ein Mann aus der Reihe der Lebenden geschieden, der unsere Kenntnis des Erdballs, den wir bewohnen, in ungeahnter Weise erweitert und bereichert hat. Und mit ihm erlosch eine Persönlichkeit von ſtrogender Energie und fast spleeniger Tollkühnheit, eine Abenteurernatur, der doch der Zug ins Große nicht fehlte.
[ Vom Aufenthalt des Kaiserpaares in Donaueschingen] werden nachträglich allerlei kleine Episoden bekannt. Der Kaiser, der einen Jagdanzug mit langem Havelof trug, scherzte im Schloßhofe mit dem Gefolge und den fürstlichen Kindern; der hohe Herr hielt den kleinen fürstlichen Prinzen im rechten Arme hoch und ließ sich von der Kaiserin und der Fürstin zu Fürstenberg mehrmals photographieren, wobei er neckend den Mantel vor das Gesicht zog. Drei fesche Mädel in Volkstracht, eine Peterzellerin mit dem flitterigen bienenforbartigen Kopfput, eine Gutachttälerin und eine Baaremerin und drei in Weiß gekleidete Schulkinder überreichten der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise nach dem Festzug auf der Terrasse Blumen. Die Kaiserin photographierte sodann die Gruppe, wobei der Kaiser den Mädchen scherzend mit dem Finger drohte:„ Aber, recht schön stillhalten!"
Wer kennt Stanley nicht? Jeder Schulbube hat seine Reise durch den dunklen Weltteil, seine Schilderung über die von ihm durchgeführte Befreiung Livingstones und Emir Paschas, sein Hauptwerk Im dunkelsten Afrika" gelesen; und mit anderem, aber nicht geringerem Genuß als der abenteuerbegeisterte Knabe nimmt auch der ernste Mann gern die Werke des energischen Angelsachsen zur Hand, der so fesselnd und anschaulich zu schildern und so interessant zu erzählen und dabei doch so wissenschaftlich streng zu beobachten und zu kritifieren weiß.
[ Peter Hilles Sparkasse.] Von dem Berliner verstor. benen Dichter Peter Hille werden jetzt verschiedene Anekdoten erzählt, von denen wohl keine seine unberechenbare Eigenart als Mensch besser schildert als die nachfolgende: Eines Abends erschien Hille in einem der feinsten Berliner Weinrestaurants und sprach den Besizer an:„ Ich bin Peter Hille, Schriftsteller, und würde gern Abendbrot essen und eine gute Flasche Wein trinken; wollen Sie mir das auf Kredit geben?" Aus Gutmütigkeit ging der Wirt darauf ein, und er rechnete längst nicht mehr auf Bezahlung, als der Schriftsteller überraschenderweise wieder einmal erschien. Er hatte mittlerweile von der deutschen Schillerstiftung 500 Mark bekommen und er brachte dem Wirt 80, mit der Bitte, die Schuld abzuziehen und den Rest ihm aufzubewahren; er könnte wieder eine Flasche Wein trinken wollen und möchte dann die nötige Spareinlage haben.
( 72. Sigung.) RK Berlin, 11. Mai. Das Haus setzte die erste Lesung des Ansiedelungsgesetzes fort. Es gab wieder einen neuen Aufguß der gestrigen Polendebatte, dann ging das Gesetz an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Es folgte die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Dienstbezüge der Kreistierärzte. Die Vorlage sieht eine Erhöhung der Bezüge der Kreistierärzte vor, die, wie bisher, nicht wohlbesoldete Staatsbeamte sind, teils durch Erhöhung der Bezüge aus der Staatskasse, teils durch die Zubilligung von Entschädigung, die anderen Beteiligten zur Last fallen. Außerdem werden die Reisefosten anders geregelt und die Vorlage verleiht den Tierärzten Pensionsberechtigung. Auch diese Vorlage ging nach furzer Debatte an eine Kommission, ebenso das Gesetz betr. die Gebühren der Medizinalbeamten. Dann vertagte sich das Haus.
Nab und Fern.
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Henry Stanley war von Geburt Walliser. Sein eigentlicher Name war Henry Rowland; als Sohn eines Farmers dieses Namens am 28. Januar 1841 in einem wallisischen Dorfe geboren, wurde er nach seines Vaters frühem Tode im Armenhause erzogen. Er ging zur See, das Matrosenteben reizte ihn. Indessen er brachte es in den Spieren und Wanten nicht weit: Noch als Schiffsjunge trat er als Lehrling in das Handelsgeschäft eines Kaufmanns Stanley in NewOrleans ein. Der Prinzipal gewann den anstelligen und fleiBigen Burschen lieb, ließ ihn unterrichten und adoptierte ihn schließlich. Nachdem der junge Rowland- Stanley dann den amerikanischen Bürgerkrieg als Freiwilliger mitgemacht hatte, bereiste er als Zeitungskorrespondent die Türkei und Kleinasien. Seine Berichterstattung lenkte die Aufmerksamkeit Gordon Bennets, des Newyorker Heraldverlegers und Zeitungsfönigs, auf sich, und eines Tages erhielt der 28jährige Journalist von Bennett furzerhand den Auftrag, er solle den in Afrika verschollenen Livingston aufsuchen und retten.
Stanley, der nie eine derartige Expedition mitgemacht hatte, zauderte keinen Augenblick, das Anerbieten anzunehmen. Er fam, sah und fand Livingstone tief im Innern Afrikas, brachte ihn an die Küste und unternahm dann nochmals eine Forschungsreise durch das jezige Deutschostafrika.
Diese Expedition, die Herrn Gordon- Bennett an 200.000 Mark kostete, und das glänzend geschriebene Buch darüber, machten Stanleys Namen mit einem Schlage weltberühmt. Nun folgten eine Anzahl weiterer Forschungsreisen im dunklen Weltteil, die mit beispielloser Kühnheit und zugleich mit wissenschaftlichem Ernst ausgeführt wurden. Durch diese Reisen lieferte Stanley den Nachweis, daß der Tanganikaſee nicht zum Quellsystem des Nils gehört, er legte die Grenzen des Viktoria- Nyansa fest, er entdeckte den großen AlbertEduard- Nyansa, er löste durch die Durchquerung Afrikas das Rätsel des Kongostromes und legte damit den Hauptcharakterzug der innerafrikanischen Geographie klar. Stanley wies weiter den Zusammenhang des Albert- mit dem Albert- Eduard- Nyansa nach und erforschte endlich die bis dahin vollkommen unbekannten Länder nördlich vom Aruwimi und westlich vom Viktoria- Nyansa.
[ Aus der Schule.] In einer großen Stadt, deren Schulen jetzt von Aufsichts wegen fleißig besichtigt werden, erhielt der prüfende Schulrat kürzlich eine unerwartete Antwort. In der 4. Klasse einer Mädchenschule verlangte der Herr, die Lehrerin solle das Sprichwort: Man soll den Teufel nicht an die Wand malen!" entwickeln, d. h. aus den Kindern herausholen, so daß diese es von selbst fänden. Als diese Absicht trotz alles Fragens und Hinleitens nicht erreicht wurde, meinte der Herr Schulrat:„ Wissen Sie was, Fräulein, malen Sie doch einmal einen Teufel an die Wandtafel vielleicht finden dann die Kinder was wir wollen!" Die Lehrerin versucht es, aber alle Versuche mißlingen kläglich, da sie in dieser Art von Malerei durchaus keine Erfahrung hat. Da greift der Schulrat selbst zur Kreide, und unter seinen Händen entsteht zwar kein Kunstwerk, aber doch ein deutlich zu erkennender Teufel mit Hörnern, Schwanz, Pferdefuß und ein Paar erschrecklichen Augen.„ Nun, Kinder, was habe ich euch da an die Wand gemalt?"„ Einen Teufel!" Richtig! Und welches recht bekannte Sprichwort habe ich euch damit vor Augen führen wollen?" Lange Pause. Endlich meldet sich ein Kind und stellt triumphierend das gefuchte Sprichwort fest:„ Unnüße Hände beschmieren Tisch und Wände!" Der Herr Revisor wandte sich sehr betreten ab und nahm sich vor, den Teufel nicht wieder an die Wand zu malen.
Der Kinderhilfstag in Kopenhagen hat die kühnsten Erwartungen durch seine glänzenden finanziellen Resultate übertroffen. Die Sammlungen der jungen, teils mit Sparbüchsen, teils mit Blumenstäbchen ausgerüsteten Damen, die in den geschmückten Hauptstraßen auf und ab patrouillierten oder in den Kaffeehäusern, Restaurationen und öffentlichen Lokalen umbergingen, erbrachten die stattliche Summe von 150 000 Kronen, die zum Wohle armer und franker Kinder verwendet werden sollen. Auch der alte König mit seinem Sohne, dem Prinzen Waldemar, machte einen Spaziergang durch die Stadt und verteilte so zahlreiche Spenden, daß er gulegt gar fein Geld mehr bei sich hatte und genötigt war, bon seinem Sohne zu borgen.
[ Man muß sich zu helfen wissen.] Maurus Jokai, der berühmte ungarische Schriftsteller, dessen Begräbnis dieser Tage mit großem Pomp auf Staatskosten erfolgte, schildert in cinem seiner Romane einen Schloßherrn, der keine Kinder hat, und deshalb nach Palästina pilgert, um dort um Kindersegen zu bitten. Als der Roman erscheinen sollte, ließ er
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Im Jahre 1878 wurde Stanley mit der Leitung der Expedition betraut, die die Kongo- Gesellschaft zur Erschließung der Kongo- Länder für den Handel veran staltete, Dieser Aufgabe widmete er sich bis 1884. Er kann als der eigentliche Gründer des KongoStaates gelten. Ende 1886 übernahm er die von der egyp tischen Regierung und einigen englischen Privatleuten ausgerüstete Expedition zum Entsatz Emin Paschas. Am 29. April 1888 traf er mit Emin Pascha bei Kawalli zufamen, der sich gar nicht in Not befand, den Stanley dann aber trotz seines Widerspruchs gewissermaßen als Gefangenen im Triumph nach der Küste führte. War schon dieses Verhalten Emin Pascha gegenüber nicht einwandsfrei, so wurden allmählich auch recht unerquickliche Dinge über sein Verfahren gegen die Eingeborenen auf seinen letzten Reisen laut: Er behandelte die Schwarzen mitunter mit unerhörter Grausamkeit: der Tropenkoller hatte ihn erfaßt. So war es denn das Beste, was er tun konnte, wenn er sich zur Ruhe ſetzte. In London lebte er seitdem als Privatmann; einige Jahre nahm er als Unterhausmitglied am politischen Leben teil. Stanleys Charakterbild ist nicht ohne Flecken, und zumal vir Deutsche, die er gar nicht liebte, haben keinen Grund, ihm besonders zugetan zu sein. Deshalb aber müssen wir doch anerkennen, daß mit ihm einer der tapfersten und erfolg. reichsten Pioniere der Erderforschung ins Grab gestiegen ist.
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