Frühfartoffel
berfauft
Gr. Mühlgaffe 38
5. Seubert, Gießen
AM
e gern zu Diensten.
enster jeder Art
HAUSLICHEN
Hänschens Triumph.
Juchhei, wie ist mir wonnig, Juchhei, wie ist mir wohl, Wie fahr' ich in die Ferien, Das Herz so freudenvoll!
Die andren Buben schleichen Umher oft tiefbedrückt, Sie haben stets zu fürchten, Daß man sie' runterrückt.
Ja, alle haben bange,
Trotz günstigster Zensur
Der einzig wahrhaft Frohe
Bin ich alleine nur.
Denn mir kann nichts passieren! Ich sag' es frei und frank:
" Ich sitz' als allerletzter
Auf der allerletzten Bank!"
HERD
Die Berufswahl der Mädchen.
Noch vor wenigen Jahren gab es diese Frage nicht. Aujährlich, wenn die Schulen geschlossen wurden und die absolvierten Gymnasiasten, Realschüler, Handelsakademiker usw. sich entscheiden mußten, was für einem Berufe sie sich zuwenden sollten, konnte man in den verschiedensten Zeitungen Betrachtungen über die Berufswahl der Jünglinge lesen. Mit der Berufswahl der Mädchen aber beschäftigte sich niemand. Wenn das junge Mädchen die verschiedenen niederen und höheren Schulen absolviert hatte, ließ man es dann so lange zu Hause, bis der ersehnte Freier sich einstellte, doch die Zeiten ändern sich. Das Warten auf die Heirat und die Versorgung genügt unseren jungen Mädchen schon lange nicht mehr. Sie wollen höher hinaus, selbständig sein und sich unabhängig von einem Manne ihr Geld verdienen. Die Zahl der weiblichen Berufe hat sich dank den Bemühungen der Frauenrechtlerinnen und ihrer Freunde so vermehrt, daß es heute schon mehr weibliche als männliche Berufe gibt. Die Erklärung dieser auffälligen Tatsache ist sehr einfach. Von den männlichen Berufen sind jetzt fast alle auch den Frauen zugänglich; dazu kommen noch die spezifisch weiblichen, die wieder nur von Frauen ausgeübt werden können. Daß Frauen Aerzte, Advokaten, Staatsbeamte, Richter usw. werden können, erscheint uns heute gar nichts mehr Besonderes. Etwas absonder licher klingt schon die Meldung einer amerikanischen Statistik, daß Frauen auch Seeleute sind, und zwar in gar nicht so geringer Anzahl. In einer vom Marineamt in Kanada veröffentlichten Liste gibt es nicht weniger als 70 Frauen, die respektive Geschäftsführerinnen von Eigentümerinnen, Dampfschiffen sind, und 56 Frauen sind als Besitzerinnen von Segelschiffen eingetragen. Aber auch in Europa sind weibliche Seeleute nichts mehr Seltenes. In Bristol schiffte sich ein junges Mädchen mehrmals als Matrose ein. Ein Dampfer von Alerandretta nach Philadelphia hatte kürzlich außer dem Kapitän eine nur aus türkischen Frauen bestehende Bemannung. Der französische Marineminister erteilte im letzten Jahre an 69 Frauen die Erlaubnis, auf Fischereifahrzeugen Matrosendienste zu tun. An der bretonischen Küste verdienen 3000 Frauen ihren Lebensunterhalt auf diese Weise. Nur die Stelle eines Kapitäns dürfen sie nicht bekleiden. Die Frau als Matrosin! Wer hätte sich je so etwas träumen lassen? Gehört doch der Matrosenberuf zu den schwersten und anstrengendsten; erfordert er doch außer gewissen Kenntnissen der Schiffskunde vor allem eine außerordentliche körperliche Geschicklichkeit und Gewandtheit sowie eine gute Portion Mut. Der Schiffsjunge, der auf dem hohem Mast nach einem begegnenden Fahrzeuge auslugt, wird jetzt nicht so selten durch ein Schiffsmädchen ersetzt. Die bis jetzt vorliegenden Berichte über die Verwendbarkeit der Frauen als Matrosen lauten sehr günstig. In Norwegen, Schweden und Finland sollen sie Vorzügliches leisten, während sie in Dänemark sogar vom Staate als Lotsen verwendet werden.
Von den anderen bisher ausschließlich von Männern ausge übten Berufen, die jetzt anstandslos auch von Frauen aus: geübt werden, am meisten natürlich in dem Mutterlande der Frauenemanzipation, Amerika, wird täglich in den Zeitungen geschrieben. Kurz, die Frau sucht heute es in allem und jedem dem Manne gleich zu tun. Freilich, ob diese Gleichstellung von Mann und Frau, wenn sie solche Formen annimmt, die soziale Frage lösen helfen wird, ist nicht so leicht zu beantworten und kann dieselbe nur die Zukunft entscheiden.
Küche und Keller.
Englische Sauce. Acht Eßlöffel Apfelgelee verrührt man mit vier Eklöffeln Kognak über gelindem Feuer, bis das Gelee flüssig wird, fügt alsdann zwei Tassen dicke Sahne hinzu und rührt die Sauce bis vors Kochen.
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Spreewälder Karpfen. Einen großen vorbereiteten Karpfen schneidet man in Stücke. Dann läßt man 1 Liter Wasser mit 40 Gramm Salz, zwei zerschnittenen Zwiebeln, Lorbeerblättern und Gewürzkörnern zum Kochen kommen, fügt dann 125 Gramm Butter und den zerschnittenen Fisch hinzu, läßt es aufwallen und gießt alsdann drei achtel Liter dicke saure Sahne an. In dieser Brühe läßt man den Fisch langsam 15 Minuten ziehen, nimmt ihn heraus, gibt die Sauce durch ein Sieb und quirlt dann 50 Gramm entöltes Maismehl, das man mit einem achtel Liter Sahne angerührt, dazu. Nach dem Dickiverden der Sauce rührt man noch 125 Gramm Butter durch, übergießt den Fisch mit der Sauce und verziert ihn mit gewiegter Petersilie und gekochten Eiervierteln.
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Kuchenreste, sowie die stets vorrätigen Kleinen Kaffeezwiebäcke können die Hausfrau bei unvorhergesehenem Besuch aus der Ratlosigkeit, schnell eine Mehlspeise bereiten zu müssen, befreien, indem sie sich rasch zu einem wohlschmeckenden Auflauf verwenden lassen. Man schichtet sie in eine glatte, gebutterte Form abwechselnd mit Sultanrosinen, zerschnitten eingemachten Früchten oder Obstmarmelade, wie man sie gerade zur Hand hat, zerquirlt dann sechs Eidotter in einem halben Liter stark gesüßter und mit Zitronenschale gewürzter Milch und gießt diese Eiermasse über die Kuchenreste. Man bäckt die Speise im Ofen eine halbe Stunde oder kocht sie ( natürlich dann in verschlossener Form!) im Wasserbade eine Stunde. Weinbeguß ist am vortrefflichsten dazu.
Titulierte Frauen.
Der Titelfrage der Frau haftet bis jetzt immer etwas Lächerliches an; sie galt als charakteristisch für die Kleinstadt, in der Frau„ Obersteuereinnehmer" vor der Frau Bezirksgerichtsadjunkt" nicht zurückstehen will. Ernster wird die Frage jezt. Es handelt sich darum, ob die Frau nach wie vor mit dem Titel ihres Gatten anzureden ist und auf welche Weise dann dem Fremden gegenüber klar gemacht werden soll, was ja manchmal wünschenswert sein kann, ob die Dame die Gattin eines Doktors oder selbst Doktor ist. Nun kommt es ja jetzt gar nicht mehr so selten vor, daß zwei Doktoren an den Altar treten, um als Mann und Frau aus der Kirche geleitet zu werden. Aber es kann doch auch einem Sterblichen, der nicht die akademische Laufbahn erwählt hat, gegönnt seine, eine Braut heimzuführen, welche den Myrtenkranz um den Doktorhut winden kann. Aber auch im ersteren Falle ist die Frage nicht immer gegenstandslos. Wir würden uns den bescheidenen Vorschlag erlauben, zu der alten Mode zurückzukehren und die Frau des Arztes Frau Doktorin" zu nennen wenn auf den Titel nicht verzichtet werden soll, während es im anderen Falle Frau oder Fräulein Doktor, Frau und Fräulein Direktor heißen müßte. Klingt unserem Ohre etwas ungewohnt, aber man gewöhnt sich an vieles! Damit wären wir auch bei dem zweiten Teile der Frage angelangt, ob die Anrede Fräulein" nicht für ältere, unverheiratete Damen als unpassend zu entfallen habe und durch das Wort„ Frau“ zu ersetzen sei, wie denn auch die Franzosen madame", die Engländer madam" sagen. Offengestanden, wir halten die Sache, für die sich so viele erwärmen, für herzlich belanglos; das Vorurteil muß fallen, das sich heute noch an die ältere, unverheiratete Frau heftet, das sie leider noch dem Gespötte der unvernünftigen Menge bloßstellt dann ist es einerlei, ob sie" Frau" oder„ FräuJein" angesprochen wird. 1
Rr. 81.
Mittws&, Ben 13. April.
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Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
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Gießener Neueste Nachrichten.
Badan Bering ber Gledener Beringsbenderet, verm. With. Relez'les Buruderst( gegs. 1788); ve:[ blote
( 10. Fortsetzung.)
Gewissensqualen.
Kriminal Roman von Robert Buchanan.
Dieser Punkt betraf die Abneigung von Antonius Creenan, öffentlich zu gunsten seines Bruders Zeugnis abzulegen. Und das, was Michael von ihm erzählt hatte, flang doch, gelinde gesagt, recht merkwürdig. Wenn der Priester die Unschuld seines Bruders so laut verkündete, warum erfüllte ihn dann seine Vorladung als Zeuge mit solch' schreckensvoller Verzweiflung? Wo war er selbst in der Mordnacht gewesen, und wo steckte der Grund für seine so merkwürdige Aufregung? Diese Frage wollte ich zu beantworten versuchen.
Am nächsten Morgen, bei Tagesanbruch, fuhr ich nach dem einsam gelegenen Gute der Treenans. Dort war ich nicht wenig überrascht, Pater Antonius außer Bett zu finden. In seinem Schlafzimmer faß er in einem Lehnstuhl nahe am Fenster und las in seinem Brevier. Als ich ins Zimmer trat, begrüßte er mich mit einem schwachen Lächeln und streckte mir die Hand entgegen.
Ich rückte einen Stuhl an seine Seite und fühlte ihm den Puls, während er mich mit seinen großen, dunkeln Augen ruhig ansah. Das fast Kindliche seiner Gesichtszüge fiel mir heute besonders auf.
" Ihr Befinden ist zwar ganz gut, aber das Bett hätten Sie doch noch nicht verlassen sollen," sagte ich zu ihm.
" Ich glaubte, es wäre besser für mich, wenn ich aufstände und herumginge", antwortete er mir mit leiser, melodischer Stimme, und hier am Fenster kann ich mich auch in den warmen Sonnenschein seßen und die Sonne hinter den Bergen untergehen sehen." Er sah zum Fenster hinaus, wie mir scheinen wollte, etwas erregt, als hätte er gern jede weitere Unterhaltung mit mir vermieden.
Wissen Sie denn auch, Pater Antonius," sagte ich in fröhlichem Tone zu ihm,„ daß ich mein Standquartier in Ihrem alten Zimmer in Mylrea aufgeschlagen habe? Eine sehr hübsche Wohnung! Und das erinnert mich auch", fügte ich hinzu, daß Sie dort etwas haben liegen lassen, dessen Wiedererlangung, wie ich hoffe, Ihnen ganz angenehm sein
wird."
Er wandte sich um und ich überreichte ihm das Buch mit irländischen Volksliedern, das ich in seinem Zimmer gefunden hatte.
Ich war auf seine Antwort etwas gespannt, doch ruhig fagte er:„ Ich danke Ihnen, Herr Doktor. Jawohl, das Buch gehört mir. Darf ich Sie vielleicht bitten, es dort auf den Tisch zu legen.
Ich folgte seinem Geheiß und nahm dann meinen Platz neben ihm wieder ein. Nachdenklich sah der Pater das Buch an und sagte dann:„ Es ist vergessen worden. Es ist ein Geschenk, das mir vor vielen Jahren gemacht wurde, und als es in meiner alten Wohnung zurückblieb, glaubte ich nicht, daß ich es nochmals zu Gesicht bekommen würde. Es ist ein Buch mit weltlichen Liedern, und es gibt nur ein Buch, das ein Priester lesen sollte."
Aber Fräulein Ellen Craig gab es Ihnen doch?"- Er antwortete nicht darauf und eine Weile wurde kein Wort weiter zwischen uns gesprochen.
„ Fühlen Sie sich start genug", fragte ich endlich,„ um
( Nachdruck verboten.)
mit mir über einen anderen Gegenstand zu sprechen? Ich bin in Castlerea, und auch im Gefängnis gewesen und habe mich lange Zeit mit Ihrem Herrn Bruder unterhalten."
Jetzt kam Leben in den Pater. Er wandte sich rasch um, sah mir gespannt in die Augen und rief lebhaft aus:„ Sie haben Michael gesehen, mit ihm gesprochen? Oh, wie geht es ihm? Was sagte er Ihnen? Ließ er mir etwas bestellen?"
„ Er sendet Ihnen Grüße und wundert sich sehr, daß Sie ihn noch nicht besucht haben. Ich habe ihm jedoch erzählt, daß Sie krank gewesen sind, und das hat ihm auch genügt."
Der Herr im Himmel beschütze ihn!" rief der junge Priester leidenschaftlich aus und richtete dabei seine Blicke nach oben.
sch war nicht allein im Gefängnis bei ihm", fuhr ich fort, ihn noch immer aufmerkſam beobachtend." Fräulein Craig begleitete mich. Auch sie ist, gleich mir, vollkommen überzeugt, daß Ihr Herr Bruder an ihres Vaters Tode schuldlos ist."
Ich war gespannt, was er darauf antworten würde; er sagte jedoch gar nichts, ich konnte aber sehen, daß er an allen Gliedern zitterte.
" Sie natürlich halten ihn doch auch für unschuldig?" fragte ich, und sofort antwortete er:
sch weiß, daß er es ist."
" Bum Unglück spricht jedoch der Schein sehr gegen ihn. Können wir nicht den wirklich Schuldigen entdecken, dann wird Ihr Herr Bruder zweifellos verurteilt."
Ich will zugeben, daß mein Vorgehen grausam war, den jungen Geistlichen so auf die Folter zu spannen; aber es geschah in der Absicht, ihn zum Sprechen zu bringen, falls er mir etwas verhehlte.
Wie versteinert saß er da, seinen Blick zum Fenster hinaus auf die traurige Landschaft gerichtet. Plötzlich stieß er einen Schrei aus, und mit vor Tränen erstickter Stimme sagte er: „ Gott wird ihm helfen, Gott wird einen Unschuldigen nicht zu Schanden kommen lassen!"
Aber können Sie denn gar nichts tun?" fragte ich ihn. ,, Bedenken Sie doch, es handelt sich um das Leben Ihres Herrn Bruders. Und Sie behaupten ja, Sie wissen, daß er schuldlos iſt."
"
" Ich weiß es und Gott weiß es auch!"
,, Aber können Sie das beweisen? Darum handelt es sich doch. Wissen Sie denn keinen Umstand, keine Tatsache, die in die Dunkelheit Licht bringen und uns helfen könnte, den Schuldigen ausfindig zu machen?"
sch weiß gar nichts. Ich kann nichts sagen", versetzte er, während Tränen seine Wangen herunterliefen, und als ob er mit sich selbst spräche, fügte er hinzu:„ Mein Gott! Mein Gott!"
Ich drang aber noch weiter in ihn.
,, Das ist traurig, sehr traurig. Wenn Sie nun vor Gericht zu Gunsten Ihres Herrn Bruders aussagen könnten....?"


