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Was tut das? Haben Sie Lust zu gehen? Dann Familie. der er in praktischen Dingen sicher überlegen sei, i es erschienen die zierlichen Ver jeder Weise annehmen, kommen Sie!" Gern hätte sie nein gesagt, es war ihr so schwül und be- lobungskarten und der Kontrakt aus Berlin, der dem jungi flommen zu Sinn, aber sie stand wieder im Bann seines Norden seine neuen Pflichten zuwies. Friz hatte dann dan Blickes, und willenlos ging sie mit ihm. baren Herzens seinen freundlichen Gastfreunden Leberr gesagt, zunächst seinem Vater in Stralsund die junge Braut in die liebevoll geöffneten Arme geführt und war dann mit Helene in das kleine märkische Städtchen gefahren, in welchen der Major von Burg seine Pension verzehrte.

Die nassen Sandsteinstufen der Vortreppe huschte sie hab wie ein scheues Vögelchen, das Kleid mit der rechten Hand emporgehoben und knapp um die Knöchel gezogen. Wie ihn ihre ungezwungene Anmut freute! Wie er sie immer von neuem anstaunen mußte, wie ein ganz fremdes und doch unsäglich vertrautes Wesen! Stumm schritt er neben ihr auf dem durchweichten Kiesweg, und hinter ihnen her klang der Anfang des Liedes: Ueberm Garten durch die Lüfte-" Wieder, wie auf stillschweigendes Uebereinkommen, fingen sie an, rascher zu gehen, als hätten sie Furcht, man fönnte sie verfolgen. Erst als die herrlichen Laubgänge sich vor ihnen auftaten und das Wohnhaus weit hinter ihnen lag, gingen sie immer langsamer und standen endlich still.

Von allen Bäumen rund um sie her rieselte und träufelte es, man hörte den Fall der Tropfen von Blatt zu Blatt, und in huschte droben ein goldglänzender Pirol durch das regen­nasse Laub und stieß mit seinen Flügeln gegen die schwanken­den Aeste; ſie ſchütteten einen ganz kleinen Bach herab. Eben brach die Sonne durch) und zauberte im Nu eine Million blitzender Diamanten aus all den unscheinbaren Wasser­perlen hervor; über den machtvollen Baumwipfeln wölbte fich in fühnem Schwung ein gewaltiger Regenbogen in wahr haft ſtrahlender Farbenpracht; ein zweiter, schwächerer, stand daneben; betäubend süßer Duft stieg auf, das war die riesige Linde, unter der die beiden ſtanden, sie prangte in voller Blüte, und als nun die herrliche Sonne kam und der warme, süße Sommerwind, da bebte der schöne Baum, wie in zitternder Wonne, und aus seiner Krone schauerte plötz­lich ein Blütenregen nieder auf die beiden stummen Menschen­finder, welche die feiernde Natur mit beredter Stimme auf zufordern schien, gleichfalls ihr schönstes Feſt zu feiern. Da zog Fritz Norden das Mädchen, das er liebte, mit einer Geberde inbrünstigen Flehens an sein Herz,- er konnte fein einziges armeseliges Wort zu ihr sagen!

Und bei der Erinnerung an die schrankenlose Wonne, die feine Seele damals überflutet hatte, wurden dem starr vor sich hinblickenden Mann in Yokohama nach so langen Jahren die Augn feucht, und ein paar schwere Tränen lösten sich von seinen Wimpern und fielen auf die krampfhaft geballte Hand

herab.

Was hatte er damals zu Helene gesprochen, was hatte sie ihm erwidert? Viel war es nicht gewesen, und später, so oft sie beide getrachtet hatten, sich daran zurückzuerinnern, es wollte ihnen nicht einfallen. Das eine nur wußten sie, daß eine sehr, sehr lange Zeit verstrichen sein mußte, seit sie unter der blühenden Linde standen, denn als sie endlich anfingen, um ſich zu ſchauen, war der Regenbogen fort, und die Sonne stand schon tief am Himmel, und dann knirschte der Sand unter einem eiligen Tritt, und wie sie beide dachten, jetzt müßte man kommen, sie zu suchen, und Helene sich eilig aus Frizens Armen zu winden strebte, während er sie unerbitt lich festhielt, da stand Roland von Triberg vor ihnen, und er war der erste, der es sah, daß sie ein verlobtes Paar waren, und er war der erste, dem sie es sagen mußten!

Ueber Fritz Norden war es wie ein Trotz gekommen. Einmal muß er es ja doch erfahren, es ist alles einerlei!" sagte er sich und schlug einen lustigen, etwas übermütigen Ton an, der wenig mit dem feierlich andächtigen Glücksge= fühl, das sein Herz durchschauerte, übereinstimmte. Helene war schweigsam und ein wenig verschüchtert, und Roland be­nahm sich gefaßt und gut, er sah nur seiner Cousine mit einem seltsam tiefen, unergründlichen Blick in die Augen, als er ihr Glück wünschte, und ſeine Hand fühlte sich eisig kalt an.

Es folgte ein heiterer Abend mit einer Bowle im Garten­saal und sehr vielen wißigen Trinksprüchen und Gratu­lationen in Prosa und Versen, es folgten ein paar Depeschen hin und her, ein sehr jovialer, herzlicher Brief von Norden dent Aeltern, der nicht nur dem Sohn, sondern auch sich selbst Glück wünschte zum Besitz einer so reizenden Schwiegertochter, es fam ein etwas förmliches Schreiben des Majors von Burg, der nicht ganz ungezwungen seine Einwilligung gab und einfließen ließ, der junge Mann würde die Ehre, eine Dame von Rang und gutem Namen zur Gattin befominen, hoffentlich gebührend zu würdigen wissen und sich ihrer

Í( Schluß.)

( Fortsetzung folgt.)

Eine Hausfrau.

Novellette von B. Rittweger.

( Nachdruck verboten.) Hans liebte den Frieden über alles. Er versuchte des­Wirtschafterin, nicht eine Gefährtin hatte. Und Lotte? Sie halb, sich damit abzufinden, daß er in seiner Lotte nur eine fühlte dunkel, daß etwas in ihrer Ehe nicht ſtimmte, daß das jauchzende Glück, das sie beide sich einſt geträumt hatten, seine Heimstätte im Forsthaus nicht aufgeschlagen habe. Mitunter auch schien es ihr, als sei sie selbst schuld daran, sie mit ihrem Bestreben, eine vorzügliche Hausfrau zu sein. Aber sie hielt diesen Gedanken nicht feſt. Sie konnte ſich nicht entschließen, das, was ihr als höchste Tugend galt, als Stein des Anstoßes zu betrachten.

Sie liebte ihren Hans so innig wie zuvor; sie war eine zärtliche, gewissenhafte Mutter, aber über allem stand der Haushalt". Wenn sie ja einmal sich von der Kleinen nicht loszureißen vermocht hatte, sich von den dicken Händchen des Kindes länger als unbedingt nötig hatte halten lassen, wäh­rend unterdessen in der Küche ein Tröpfchen Milch überkochte, dann konnte sie die Verstimmung über diese Pflichtversäum­nis den ganzen Tag nicht wieder los werden. In stillen Stunden freilich, wenn sie bei einer Handarbeit saß, dann wanderten wohl ihre Gedanken rückwärts, und sie gedachte der Brautzeit, da sie und Hans voll seliger Pläne sich die Zukunft in den hellsten Farben ausgemalt hatten. Dann konnte sie grübeln, wie es denn gekommen ſei, daß es nun durchaus nicht so hell war.

Aeußerlich betrachtet, hatten sie zwar alles, was man nur wünschen konnte: ein reichliches Auskommen, Geſund­heit, das prächtige kleine Töchterchen, angenehmen Verkehr, so oft man das Bedürfnis danach fühlte. Hans war be­friedigt in seinem Beruf, und Lotte war eine tüchtige Haus­frau, das sagten alle, die sie kannten. Nur Hans sagte es niemals; er allein würdigte es nicht, wie sie sich mühte und plagte. Nein, glücklich waren sie nicht, das geſtand ſie ſich seufzend in solchen ſtillen Stunden, die freilich elten genug waren.

Heute, an dem schönen, hellen Herbsttag, gibt es in der Oberförsterei wieder einmal alle Hände voll zu tun. Die Magd soll im Garten aufräumen, soweit dies nötig ist, denn bald werden Nachtfröste kommen, und Frau Lotte hat Stärkewäsche zu plätten, eine ganze Menge. Da geht der Nachmittag auf, denn auch Klein- Hanna will dabei besorgt sein. Ein Kindermädchen ist nicht da; Hans hatte zwar durchaus eins annehmen wollen, aber als tüchtige Hausfrau hat das Lotte nicht zugegeben. Eben will sie die Feinwäsche stärken, da geht die Tür auf, und der Oberförster tritt ein, lebhaft, frisch und freundlich, wie er jetzt nicht immer ist.

,, Lotte, es ist ein herrlicher Tag heute. Wer weiß, ob der Herbst uns noch einen solchen bringt. Könntest du nicht, ich meine," fast schüchtern kommt es ihm von den Lippen. könntest du nicht heute mit mir nach dem Jägerhaus gehen? Der Weg dahin ist so wunderschön, jetzt, wo alles buntgefärbt ist, und ich habe solche Sehnsucht, einmal wieder ein paar Stunden ganz allein mit dir zu wandern. Ich- wir- wir kommen so selten dazu."

Lotte sieht ihn erstaunt an. Unmöglich, Hans, ganz und gar unmöglich. Sieh', die Wäsche muß ich heute nachmittag plätten, ganz allein, weist du. Andere Frauen nehmen sich eine Plätterin, aber das täte ich um keinen Preis, das kann man selbst verdienen. Freilich, spazieren gehen kann man dann nicht wie andere Frauen."

,, Lotte, ich bitte dich, du weißt doch, daß ich es nicht von dir verlange, alles allein zu besorgen. Ich möchte es dir nochmals sagen, nimm dir ein zweites Mädchen oder sonst mitunter Hilfe drüben aus der Stadt. Lotte, du mußt es fühlen, daß es so nicht weiter gehen kann. Was habe ich denn von dir? Eine vorzügliche Hausfrau, gewiß, aber ich will mehr, will eine teilnehmende Gefährtin, eine Genossin meiner Interessen, einen guten Kameraden, sieh, das alles hoffte ich neben der Hausfrau in dir zu finden. Aber nichts davon hat sich erfüllt. Und warum? Weil du ein über­großes Gewicht darauf legst, eine gute Hausfrau zu sein. Sieh, Lotte, wie kannst du mir um dieser leidigen Plätterei willen abschlagen, das herrliche Wetter zu einem Spazier­gang zu benutzen?"

Nicht allein deshalb. Das Mädchen räumt den Garten auf. Wer sollte bei der Kleinen bleiben?" So laß den Garten bis auf morgen oder übermorgen. Lotte, nochmals bitte ich dich. Sieh, solch ein Tag war's, da wir uns ver­lobten, auch im Wald, schilt mich immer gefühlselig, aber ich möchte so gern die Erinnerung an jene wonnige Zeit wieder auffrischen."

Frau Lotte schwankt einen Augenblick. Ein Bild steigt vor ihr auf. Sie sieht sich dahinwandeln an seiner Seite im bunten Herbstwald an jenem schönsten Tage ihres Lebens, da sie seine Braut wurde, schon will sie freudig zusagen, da fällt ihr Blick durch das Fenster. Die Magd schafft eifrig auf den Rübenbeeten. Ein Seufzer hebt die Brust der jungen Frau, ihr Auge fliegt zum Wäschekorb, und härter, als es in ihrer Absicht liegt, klingt die Antwort: Es ist unmöglich heute, Hans, es würde meinen ganzen Pläne stören. Morgen muß der Dachboden rein gemacht werden. Es sieht schauder haft da oben aus. Geh nur immer allein. Ein andermal komme ich gern mit.

Auf des Oberförsters Stirn ziehen sich drohende Falten zusammen. Gut, Lotte, ich bescheide mich. Ich war zwar eben erst auf dem Boden und konnte dort von schauder­hafter" Unordnung nichts bemerken, aber ich füge mich deiner höheren Einsicht und verzichte auf meinen Wunsch, in dem tröstlichen Gedanken, daß morgen der Dachboden noch blanker als heute aussehen wird. Es geht doch nichts über eine vortreffliche Hausfrau. Adieu!" Geräuschvoller, als es sonst in seiner Gewohnheit liegt, schließt er die Tür und ver­läßt das Haus. Lotte, die ihm nachschaut, hört ihn draußen zu dem mit Holzmachen beschäftigten Waldwart sagen: " Ich gehe nach der Eichenschonung, Werner; in zwei Stunden bin ich wieder hier. Wenn jemand nach mir fragen sollte, so wissen Sie Bescheid." Dann pfeift er dem Hunde und geht.

Lotte macht sich an die Arbeit, aber ohne die sonstige Freudigkeit und ohne Eifer. Sie ist gekränkt, beleidigt, in ihrer ganzen Hausfrauenwürde verletzt. Wie herb und schroff Hans gewesen ist, wie ungerecht! Anstatt ihren Fleiß, ihre Ordnungsliebe anzuerkennen, macht er ihr Vorwürfe. Wie entsetzlich das ist! Mechanisch nimmt sie nach einer Weile das Plätteisen zur Hand; aber die Freude, die sie sonst erfüllt, wenn die Kragen und die Manschetten des Gatten glänzend und steif geraten, fehlt ihr heute vollständig. Sie ist unzufrieden mit ihrer Tätigkeit, unzufrieden mit Hans, am unzufriedensten, ohne es sich gestehen zu wollen, mit sich selbst.

Nach kurzer Zeit geschieht etwas ganz wunderliches. Frau Lotte läßt Plätteisen lätteisen sein, Klein- Hanna schläft und braucht sie nicht, und ersteigt raschen Schrittes die höchste Stelle des Gartens, von der aus man nach der Eichen schonung hinübersehen kann. Da steht die junge Frau und schluchzt fassungslos, und mit den erlösenden Tränen kommt ihr die bittere Erkenntnis, daß sie gefehlt hat, nicht nur heute, nein, seit langer Zeit schon, von Beginn ihrer Ehe an. In der starren Ansicht befangen, der höchste Ruhm einer Frau sei der, eine tadellose Hauswirtin zu sein, ist sie ihren Weg gewandelt, ohne auf die Wünsche des Gatten Rücksicht zu neh­men, ohne ihm den Dank, den sie ihm für das Geschenk seiner uneigennütigen Liebe schuldet, in der rechten Weise zu zeigen. Wie häßlich, wie schroff hat sie heute wieder seine Bitte abge­lehnt! Jetzt sieht sie plötzlich ganz klar. Natürlich hätte die Wäsche stehen bleiben, hätte Marie morgen den Garten auf­räumen und später den Dachboden reinigen können. Das alles sind keine Dinge, von denen das Glück des Lebens abhängt. Das alles ist es nicht wert, die Liebe des Gatten aufs Spiel zu setzen. Sie hat es aber getan, und nicht nur heute. Wie oft schon hat sie Hans einen Wunsch abgeschlagen, dessen Er­

füllung sie hätte stolz und glücklich machen sollen. Wie klein und engherzig ist sie gewesen, sie, die gute Hausfrau! Immer reichlicher fließen ihre Tränen, und als sie sich end­lich dem Haus wieder zuwendet, da ist es ihr, als sei durch diese Tränen ein gut Teil ihres Starrsinns, ihres Selbstge­fühls hinweggeschwemmt worden. Eine heiße Sehnsucht nach Hans ist in ihr aufgestiegen, und sie beschließt, ihm ent­gegenzugehen. Bald muß er sich ja auf den Rückweg machen, wenn er um die angegebene Zeit zu Haus sein will.

Marie, laß heute den Garten und versorge die Kleine, bis ich zurückkomme", so spricht sie zu dem Mädchen, ohne dessen gänzlich verdutzte Miene nur zu bemerken. So etwas ist der Marie in diesem Haus noch niemals vorgekommen. Eine angefangene Arbeit liegen zu lassen! Aber der Bestimmtheit gegenüber, mit der ihre Herrin gesprochen hat, wagt sie keine Widerrede.

Lotte ist nach ein paar Minuten fertig zum Ausgang. Einen ganz kleinen bedauernden Blick wirft sie noch auf den Wäschekorb, ihr Hausfrauenherz zuckt schmerzlich zusammen bei dem Gedanken, daß das alles morgen nochmals gestärkt werden muß; aber zu groß ist plötzlich die Sehnsucht nach Hans, nach Versöhnung. Sie tritt an den Wagen der Kleinen, füßt das Töchterchen und flüstert: Ich hole den Papa, Hanna, sei schön brav indes." Dann schreitet die gute Hausfrau an den halbgeräumten Rübenbeeten vorüber, ohne ihnen einen Blick zu schenken, und schlägt den Weg ein, den Hans kommen muß. Nun ist ihr ganz friedlich zu Sinn, sie erntet schon den Lohn ihrer Selbstüberwindung. Sie wandert den schmalen Waldpfad entlang und spät dabei immer nach Hans, dem Mann ihres Herzens. Sie fühlt, heute erſt wird sie ihn sich ganz zu eigen gewinnen, Jahre nach jenem Verlobungstag, an dem die Sonne auch so hell und freundlich schien wie jetzt. Und dann war wieder ein herbstlicher Tag, drei Jahre ist es schon her, da fuhren sie zusammen dem gemeinsamen Heim zu. Damals schon hatte Hans davon gesprochen, daß er nicht nur eine Hausfrau in ihr suche. O, hätte sie es gleich recht ver­standen, dann wäre ihm und ihr manche bittere Stunde er­spart geblieben. Aber sie hatte eben nicht verstehen wollen. So klein war sie gewesen in ihrer trotzigen Selbstzufriedenheit, und drei Jahre des Glücks hatte sie versäumt. Gottlob, nun ist sie zur Einsicht gelangt, nun wird alles anders werden; noch ist es nicht zu spät.

Ganz in ihre Gedanken vertieft, hat sie nicht bemerkt, daß eine holzsammelnde alte Frau aus einem Seitenweg heraus auf sie zukommt. Lotte schrickt zusammen, als es plötzlich neben ihr ruft: Guten Abend auch, Frau Oberförstern. So allein? Wo soll's denn hingehen?" Meinem Mann ent­gegen, Frau Hanf, er ist nach der Eichenschonung und muß bald zurückkommen."

Je, Frau Oberförstern, das kann nicht sein. Der Herr Oberförster is dort naus vor einer halben Stund nach dem Bruch zu. Ich hab ihm die Tageszeit geboten und hätt gern ein Wörtle mit ihm geplaudert, aber er machte ein so finster Gesicht, daß ich mirs nicht traute. So' n Gesicht is man gar nich gewöhnt am Herrn Oberförster. Gewiß hat er allerlei im Kopf gehabt. So' n Heyr hat auch seine Sorgen, sag ich immer; und wenn er auch so gut is zu den armen Leuten, seine Feinde hat er auch. Da is der Valentin Meffert, der Wilddieb, der hat ja einen grausamen Haß auf den Herrn Oberförster und

Der Meffert?" Lotte wird totenblaß, als ihr bei dem Namen die Erinnerung kommt an den wilden Gesellen, der ihnen damals auf der Fahrt begegnet ist und Drohungen gegen Hans ausgestoßen hat. Der Meffert? Wie kommen Sie auf den? Der sitt ja hinter Schloß und Riegel"-, er is nun wieder frei, Frau Oberförstern. Vorhin hab ich ihn gesehen auf dem Weg nach dem Bruch. Ich kenn den Kerl ganz genau, und ich hab mich hinter einen Baum gesteckt, denn mit solchen Gesellen ist nicht gut Kirschen essen. Mich dauert nur sein braves Weib, die ihn nun wieder auf' m Hals hat, den Tagdieb."

Mit angstvoll geöffneten Augen starrte Lotte die Sprecherin an: Nach dem Bruch zu ist er gegangen, der Mef­fert, sagen Sie? Ist das gewiß wahr?"-" So gewiß ich jetzt hier steh, Frau Oberförstern. Er lief, als hätt' er's eilig; 3 war gerad, als ich dem Herrn Oberförster begegnet war- herrjeh, der Kerl wird ihm doch nicht nachgegangen sein, das fällt mir jetzt erst ein."

Lotte hört nichts mehr. Wie gejagt, schlägt sie den Seiten­pfad ein, der nach dem Bruch führt. Nur einen Gedanken kann sie fassen: Bu ihm, um ihn zu schüben, au warnen vor

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