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wohl nicht daran gedacht in ihrem Glück und den Hochzeits gedanken! Aber er, er dachte daran, wie gut er doch war! " Nicht wahr, Liese, wenn wir Sonntag zur Kirche kommen, könnten wir Fräulein Minna ja abholen,- sie hat ja mit uns!" so viel für uns genäht, da kann sie sich auch mal amüsieren
Liese hatte ihn zuerst etwas perplex angesehen, wie kam er nur darauf? Aber sein letzter Saz klärte sie darüber auf, er war doch ein nobler Mensch, Minna bekam ja zwar das Geld für ihre Arbeit, aber er hatte ganz recht, man konnte ihr noch obendrein was zu Gute kommen lassen!
Sie schlug die Hände zusammen.„ Natürlich, Minna, aber wo hat so' ne Braut ihre Gedanken!" so wird's gemacht, ich wollte es dir ja schon immer vorschlagen,
Als sie gingen, da lachte Lieschen:„ Also es bleibt dabei!" und Johannes drückte Minna die Hand:" Auf Wiedersehen!" und sie selber nickte ein frohes Ja! Die Türe hatte sich hinter den beiden geschlossen, aber Minnas armes, verfümmertes Herz hatte sich weit aufgetan vor Freude.
Sonntag, Sonntag!" rief sie.
Aber es waren noch etliche Tage bis dahin! Nachts jedoch träumte sie von blauen Augen, die sie freundlich anschauten und einer Stimme, die Auf Wiedersehen" sagte, und wie sie morgens aufwachte, da war auch die Sehnsucht in ihrem Herzen aufgewacht, sie wußte nicht, wonach, noch was das überhaupt für ein Gefühl wäre, aber es war trotzdem so schön! Sonntag! Endlich war die Stunde da, in der Johannes und Lieschen famen, um Minna abzuholen.
Eine Stunde weit hatte man, auf der Straße dahinzugehen, es war schöne warme Luft. Minna hatte ihr schwarzes Kleid an und sich ein buntes Band um den Kragen genäht. Sie sah ordentlich hübsch aus.
Lustig wanderten sie dahin. Johannes führte Liese am rechten, Minna am linken Arme, er hatte es so haben wollen, ,, damit sie das Gleichgewicht behielten" und schob nun die Mädchen des öfteren hin und her, mal nach der einen Seite des Weges, mal nach der anderen, um auszumessen, wie breit die Straße sei und ob sie auch ordentlich für sie reiche, ein Spaß, den sie gern belachten! Glücklich langten sie an dem Ziel ihrer Wanderung an.
Wie alles an diesem Tage gewesen, Minna hätte es hernach kaum deutlich zu sagen vermocht, sie wußte nur, daß es wunderschön gewesen und daß sie solch einen Tag wohl nie wieder erleben würde, und gerade darum war es wohl so schön!
Die kleine Schlütersche Besizung dünkte ihr ein Königreich, die hellen Stuben wie Prachtsäle, und der schöne Kuchen, den Frau Schlüter gebacken, wie schmeckte er prächtig, und all das Vieh in den Ställen, die rotbunten Kühe und die wolligen Schafe, sie hätte am liebsten jedes Stück gestreichelt!
Wie im Fluge bergingen die Stunden. Minna ward traurig, als sie die Uhr schlagen hörte, die immer weiter vor
rüdte.
,, Ach, wie schön, hier möchte ich sein, ich glaube, hier würde ich noch mal ganz gesund!" sagte sie aus vollem Herzen heraus.
,, Wir werden Ihnen das hier schenken, Fräulein Minna," lachte Johannes scherzend, ich ziehe dann wo anders hin mit der Liese!"
Minna sah ihn an, gerade hinein in seine blauen Augen. ,,, wenn Sie hier fehlten, dann wäre doch nur alles halb, wer weiß, ob ich dann auch hier sein möchte!" sagte sie schnell. Als sie das getan hatte, ward sie rot und senkte die Blicke. Was hatte sie da nur gesagt? Ihre Worte hatten Johannes gegolten, doch, Gott sei Dank, ja auch so geflungen, als wenn Sie zu den beiden gemeinsam gesprochen wären, man würde sie sicher nicht verspotten darum!
Eine Erfahrung aber hatte sie nun plötzlich gemacht, daß auch das Schönste nicht mehr schön sei, wenn das dabei fehlt, was das Herz lieb hat, und das ein einziges Augenpaar auch in den düstersten Winkel Licht tragen kann!
" Ja, wir werden hier recht glücklich zusammen wirtschaften!" sagte Liese dazwischen.
Da wurde Minna wieder blaß und ihre Hände bebten. Andere waren glücklich und sie mußte einsam und unglücklich weiter. Nun standen sie in dem kleinen Garten, Herbstblumen blühten darin und dort am Stamm noch eine glutvolle Rose.
,, Ach, die schöne, schöne Rose!" Minna eilte auf sie zu und strich sanft mit der Hand über sie hin, fast hätte sie die Rose geküßt.
Die Lette!" sagte Johannes.„ Aber die Letzte ist einem
immer am liebsten, zehn im Frühling sind nicht so viel wert wie die eine im Herbst
-
" Ja, das weiß ich!" entgegnete Minna tiefernst. Ihre Blicke hafteten so sehnsüchtig an der roten Rose, - der gutmütige Johannes fonnte nicht anders, er brach die Blüte bom Stamme und reichte sie Minna hin.
Da, nehmen Sie nächstes Jahr wachsen hier ja neue!" Ein leiser Freudenlaut kam von Minnas Lippen. Für mich wirklich für mich o tausend Dank!" stammelte sie. Als sie heimging, trug sie die Rose sorgsam in der Hand wie ein Kleinod.
In ihrem Stübchen angelangt, stellte sie die Rose sogleich ins Wasser, in träumerischem Sinnen entkleidete sie sich und ging zur Ruhe!
Zur Ruhe? O nein!
,, Nächstes Jahr wachsen hier ja neue!" hatte Johannes gesagt, als er ihr die Rose pflückte! Dort ja, aber für sie war dieses darum doch die letzte, das fühlte sie, dieſe Roſe würde bald verwelken und auch sie selber keine neuen mehr blühen sehen!
Leise begann sie zu weinen, immer lauter und heftiger dann. Riesengroß stieg die Sehnsucht in ihr auf nach Liebe und Glück und rüttelte an ihrem franken Körper, riesengroß das Leid um diese Rose, welche sie mit so köstlichem Farbenschimmer grüßte und doch die letzte war!
Am nächsten Tage stand die Rose vor dem Fenster, ihr kurzes Leben noch zu verlängern, und Minna nähte hinter den kleinen Scheiben, bald war ja die Hochzeit! So sah ich ſie ſizen!
Letzte Rose, du konntest nur eine wehmütige Geschichte haben und doch hatteſt du ein schönes Los ein wenig Sonnenschein trugst du in ein armes Leben, in eine kleine Kammer, und es gibt viele, die wissen, was das wert ist!
WITZ
HUMOR
Im Eifer. A.( dessen Sohn jus studiert, wütend zu seiner Frau):„ Ein unverschämt fauler Bursche, dein lieber Fritz! Tr druckt und druckt vor dem Examen herum, während sein Vetter Heinrich, der keine Minute früher mit dem Studium angefangen hat, jetzt schon zum drittenmal durchgefallen ist!"
*
Etwas vom Durst. Es gibt verschiedene Gattungen von Durst. Brillat Savarin unterscheidet deren drei: den gebundenen( latenten), den künstlichen oder habituellen und den brennenden. Numero zwei hält er für den schönsten, aber auch für den gefährlichsten, denn er ist unlöschbar.
Instruktion für die Hochzeitsreise. In den Tunnels schlinge recht fest die Arme um deinen Mann!" ,, Damit er mich tüchtig küßt, nicht wahr, Mama?" ,, Nein, damit er dir nicht mit der Mitgift durchbrennt!"
Rache ist füß. Kannibalenhäuptling( zu einem geflüchteten Fabrikdirektor):" Sie werden unbedingt gefressen ich habe auch zwanzig Aktien Ihres verkrachten Unternehmens!"
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Lebensweisheit.
Genialität ist manchmal
Krankhaft angelegt im Grund;
Anders ist es mit der Dummheit,
Die ist immer kerngesund!
Schön gesagt.
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Ausländer( im Deutschen noch unsicher, bei einem Waldspaziergang auf eine Lichtung stoßend):„ Ah, hier hat der Waldeine Glaze."
Die Ausstattung. Die Töchter der Kanzleirätin denken, scheint es, schon ans Heiraten?"." Ja, sie arbeiten wenigstens bereits an der Kriegsausrüstung."
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Die rgeschrittene Köchin. Hausfrau: Ja, früher, da gab es noch fleißige, ordentliche, gehorsame Dienstboten. Aber heute!" Köchin:„ Ja, hörten Madam' noch nie etwas von Evolution der weiblichen Psyche?"
Nr. 105
Mittwoch, den 11 Mai.
1904.
Oberhessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerci, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
( 14. Fortsetzung.)
Iwan der Schreckliche.
Original- Roman von Hans Hoffmann.
" So' n feiger Hund! Ich tu's gleich!" rief Hermann fassen!" Gruber stolz. Man muß den Stier bei den Hörnern
Du kannst es auch am besten, dir tut er nichts, nämlich von wegen deiner Schwester
„ Ach Unsinn; meine Schwester ist ja böse mit ihm, glaub' ich.
Bruder gesagt hat, der bei den Husaren?" wo, dann tut er nur so; weißt du, was mein großer „ Na?"
,, Er ist verliebt in Alma Gruber." ,, Aaah!"
Ein ungeheures Staunen ging über die Klasse und eine Entrüstung über die unglaubliche Schwachheit eines bisher so geachteten Lehrers. Iwan der Schreckliche verliebt! In wenigen Sekunden sank der Respekt vor ihm in wahrhaft gefahrdrohender Weise.
,, Donnerwetter, wer hätte das gedacht?" rief einer nach allgemeinem Schweigen.„ Aber dann ist's richtig, Gruber, dann tut er dir nichts; wenn man verliebt ist, ist man immer jo gegen die Brüder; du kannst es riskieren."
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Ja, ja, Gruber muß voran, er hat auch angefangen mit dem Aufheben!"
,, Win ich auch!" rief Gruber troẞig.„ Ich will's ihm schon zeigen. Aber wenn ihr nicht mittrommelt, nüßt es nichts, und ich muß es nachher allein ausbaden.
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,, Er tut dir ja nichts; denk doch an den Köter, den er auch nicht gehauen hat, und der ist doch so' n freches Biest, wie du noch lange nicht bist."
,, Nein, noch lange nicht!"
Hermann Gruber fühlte sich sehr geschmeichelt und ermutigt.
" Und natürlich trommeln wir alle mit." ,, Aber nach Noten!"
Wißt ihr was, Jungens?" schlug einer vor. hab' Murmeln bei mir- das ist' ne Dynamitpatrone muß Gruber ihm um die Beine schmeißen."
" Ich - die
Gruber erblaßte.„ Das ist aber zu glupsch!" „ Ach wo! Jamos iſt es! Weißt du, sie fallen dir ja natürlich ganz zufällig aus der Tasche."
,, Gruber, wenn du feige sein willst, gibt es
eile!"
Um ihm jeden Zweifel an der Tatsächlichkeit dieses ihm drohenden Schicksals zu benehmen, wurde er gleich von einem Dußend munterer Fäuste bearbeitet, während ihm von anderen die Taschen voll Lehmkugeln gestopft wurden. Er wehrte sich wie ein Löwe, und durch dieses Vorpostengefecht wurde sein Kampfesmut so befeuert, daß er jedes Zagen vergaß und die unerhörtesten Heldentaten gegen Iwan den Schrecklichen in Aussicht stellte.
" Schade, daß ich meine Spieldose nicht bei mir habe," rief er prahlerisch,„ das wär' fein! Da sollt' er' ne Musik hören!"
nehmen." „ Na, zum Musifmachen können wir auch Stahlfedern
Das leuchtete allen ein; augenblicklich wurden von einem halben Hundert Federn die Spitzen abgebrochen und in das
( Nachdruck verboten. Holz der Tische gebohrt; auf so einfache Weise wurden ohne Zeitverlust die zierlichsten Instrumentchen hergestellt, welche zwar zur Ausführung komplizierterer Tonsäße weniger_geeignet schienen, aber doch einen zarten, harfenähnlichen Ton hervorbrachten, der den zeitigen Anforderungen vollkommen genügte.
Diese friegerischen Vorbereitungen erhitzten den Mut und Eifer zu fieberhafter Höhe. Von der Kriegsmusik ging man zur Anfertigung von Waffen selbst über. Aus Gummischnürchen, Zwirnfäden, Fischbeinen, Streichhölzern, Feder haltern und anderen Gegenständen des friedlichsten Ge brauches wurden mit rüstiger Arbeitskraft höchst verwickelte Schußwaffen zusammengesetzt, Schleudern, Bogen, Ballisten und Katapulte; wären Frauen zugegen gewesen, sie hätten wie einst die Karthagerinnen ihr Haar zur Anfertigung von Bogensehnen hergegeben. An Munition fehlte es nicht; Papierküchelchen wurden in Masse bereit gehalten, von kannibalischen Gemütern sogar mit dem schwarzen Gift der Tinte getränkt. Der Krieg mußte nach Partherart aus der Ferne eminus geführt werden, denn im Nahkampf hatte der schwerbewaffnete Lehrer offenbar zu viele Vorteile für sich; das war gemein von ihm, feige und heimtückisch, aber es war nicht zu ändern, die Lehrer sind einmal so von Gott erschaffen.
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Der junge Gruber saß mit finster entschlossenem Antlit da, ein neuer Decius Mus und Winkelried, zum Opfer geweiht und sich seiner Weihe bewußt.
Die Tür ging auf, und Iwan der Schreckliche schritt herein. Hermann Gruber, noch eben hochrot von den vorhergegangenen Fauſtkämpfen, ward bleich wie Kalf und wäre am liebsten nicht nur unter den Tisch, sondern gleich unter die Diele verschwunden; doch sein Heldensinn bestand die furchtbare Probe; er blieb stramm ſizen und kroch nicht unter die Diele.
Eine unheimliche, fast grauenhafte Stille trat ein. Jezt drehte der Schreckliche der Klasse den Rücken, um seine geometrischen Figuren an die Tafel zu malen. Da ward hinten in der Ferne eine ganz feine Kriegsmusik angeſtimmt, so zart und leise wie ein Engelgesang über Wolfen, für ein sterbliches Ohr kaum vernehmbar; doch der junge Decier hörte sie, und durch das erhebende Gefühl der Rückendeckung ward sein Mut gestählt. Er zog eine Lehmkugel aus der Tasche und ließ sie zur Erde fallen. Allerdings gebrauchte er die Vorsicht, die Hand dabei so dicht über den Fußboden zu halten, daß ein Geräusch durchaus vermieden wurde, aber die Kugel rollte doch einige Fingerbreit fort und hätte beinahe den freien Raum vor dem Tisch erreichen können.
Es war immerhin ein erster Versuch, wohl geeignet, die Kühnheit zu wecken, da er keinerlei üble Folgen nach sich zog. Eine zweite Kugel ward abgelassen; man vernahm ein hörbares, wenn auch immer noch äußerst zartes Rollen. Auch die Kriegsmusik im Hintergrund begann ein wenig anzuschwellen. Noch immer erfolgte nichts Schreckhaftes auf diese verwegenen Herausforderungen.
Da ergriff den Schüßen ein trunkener Todesmut gleich dem taumelnden Verzweiflungskampf des Selbstmörders,
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