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worden waren. Aus den kurzen Antworten, die Gras Posadowsky erteilte, ist hervorzuheben, daß im Sommer durch Versendung der Fragebogen die lange erwartete Handwerkerenquete eingeleitet werden soll. Hingegen steht die Versicherung der Privatbeamten noch in weitem Felde, der Staatssekretär erklärte nämlich, daß einstweilen nur statistische Arbeiten über die Frage in Aussicht genommen seien. Erst in späteren Stunden kam es zu einer Debatte, die größeres Interesse wachrief, über eine Resolution, in der der Kanzler ersucht wird, bei der Verteilung des Fonds für Unterstützung der deutschen Kunst die verschiedenen Richtungen innerhalb der deutschen Künstlerschaft zu berück­sichtigen. Graf Posadowsky gab eine nicht gerade sehr entgegenkommende Erklärung ab. Er meinte, vor allem sollten die Künstler einig auftreten. Im übrigen aber müsse die Frage von Fall zu Fall beantwortet werden. Die Redner aus dem Hause, unter denen sich Anhänger sowohl der alten als der modernen Kunst befanden, vertraten übereinstim­mend den Standpunkt, daß der Stact nicht einseitig eine Kunstrichtung zu unterstützen und zu fördern habe. Dement­sprechend wurde dann auch die Resolution mit sehr großer Mehrheit angenommen.

Preussischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

RK Berlin, 10. Mai. ( 71. Sigung.) Die preußische Volfsvertretung verabschiedete heute in dritter Resung neben einer Reihe anderer Geseze auch die Dreimillionenvorlage für die Eisenbahnarbeiterhilfskassen. Dann kam die erste Lesung des vom Herrenhause schon ge­nehmigten Ansiedelungsgesetzes an die Reihe. Dabei gab es eine lange und teilweise recht stürmische Polendebatte. Der Freikonservative Conrad und Nationalliberale GI a zel Sprachen ihre Zustimmung zu dem Gesetz aus, Herr Roeren bom Zentrum dagegen bekämpfte es scharf: Es enthalte, so erflärte er, einen Bruch der Reichs- wie der deutschen Staats­berfassung, denn es nehme den polnischen Staatsbürgern eines ihrer Grundrechte, das der Ansiedelung. Der Redner, dem die Polen lebhaft Beifall flatschten, lehnte das Gesetz schließlich rundweg ab. Zu unglaublich stürmischen Szenen fam es, als der Minister des Innern Frhr. v. Hammer­stein zu einer Verteidigung der Vorlage das Wort nahm. Er betonte die Notwendigkeit des Gesetzes als Ergänzung des Ansiedelungsgesetzes. Ein Widerspruch zwischen dem Gesetz und der Verfassung existiere nicht. Hatten die Polen schon während dieser mehr juristischen Darlegungen des Ministers ihn mehrfach stürmisch unterbrochen, so ging der Tanz erst recht los, als Frhr. v. Hammerstein zu einer Kritik der polnischen Agitation das Wort nahm und einzelne Be­merkungen dieser Agitation als Unverschämtheiten charakteri­sierte. Mehrmals mußte der Präsident eingreifen, aber auch sciner Energie gelang es nicht völlig, den Sturm der pol­nischen Entrüstung zurückzuhalten. Nach Herrn v. Hammer­stein sprach noch sein landwirtschaftlicher Kollege v. Pod= bielski und der Posener Abgeordnete Peltasohn. Einige persönliche Bemerkungen folgten, dann schloß die Sigung.

Nab und Fern.

Der Ehrenhandel der Herren Tertianer. Einen tra­gischen Ausgang nahm ein Dummerjungenstreich mehrerer Tertianer einer Elberfelder höheren Lehranstalt. Zwei der jungen Herren hatten sich erzürnt und beschlossen, ihren Ehrenhandel" durch ein Duell auszutragen. Zuerst erfolgte eine Forderung auf Säbel, die jedoch nicht zum Austrag tommen konnte, weil einer der Gegner infolge eines Arm­bruchs an der Handhabung einer solchen Waffe gehindert war. Man einigte sich daher auf einen Zweikampf auf Pistolen! Ms Kampfplak hatte man ein Gehölz in der Nähe der Stadt bestimmt. Als beim Erscheinen des einen Duellanten mit seinem Sekundanten der Gegner noch nicht anwesend war, begannen die beiden Jungen die Kommandos zu üben. Vor­her waren die Kugeln aus den Patronen entfernt worden. In der Aufregung hatte aber der Sekundant bei einer Pa­trone die Kugel sigen lassen, und ein unglücklicher Zufall wollte es, daß die Kugel dem Freunde ein Auge völlig zer­störte. Die Sehkraft des andern Auges ist sehr gefährdet. Gleich nach dem Unglück erschien auch der Gegner mit seinem Sekundanten. Unter den obwaltenden Umständen kam es sofort zu einer Versöhnung und man beschloß dann, zu er­zählen, daß der Verletzte von einem Fabrikarbeiter ange­schossen worn sei. Der wirkliche Sachverhalt stellte sich aber bei der sofort vorgenommenen Untersuchung heraus. Die Schüler, die an dem Duell" beteiligt waren, sind sämtlich sofort von der Anstalt entfernt worden. Einer von ihnen hatte, als er vor den Direktor zitiert wurde, noch die Dreistig­feit zu sagen: Was gehen Sie denn unsere Ehrenhändel an!" Hoffnungsvolle Jugend!!

Auch ein Weltreisender". Der italienische Welt­reisende" Arnoldo Innocenti und seine Begleiterin, die an­geblich aus Dänemark gebürtige, unverehelichte Olga An­dresen, wurden durch die Polizei in Wilhelmshaven feſtge­nommen. Die Verhafteten werden beschuldigt, in verschic­denen Städten, wie Hamburg, Bremen usw., zahlreiche Be­trügereien berübt zu haben. Es kann nicht häufig genug dar. auf aufmerksam gemacht werden, daß sich unter dem Deck­mantel einer angeblichen Weltfußreise" oft recht zweifel­hafte Persönlichkeiten umhertreiben. Zum mindesten gehen die meisten aufs Betteln aus, wie der obige Fall zeigt, manch. mal auch auf Schlimmeres.

Der falsche Arzt. In Homberg erregt ein schweres Sittlichkeitsvergehen, das sich ein sehr geachteter Bürger zu­schulden kommen ließ, begreifliches Aufsehen. Der Bürger­meistereisekretär Müller wurde verhaftet, weil er sich an eine im Gefängnis befindliche Hausiererin verging. Er hatte sich der Gefangenen gegenüber als Arzt ausgegeben.

Eine gefahrvolle Verhaftung hatten Posener Schutz­leute vorzunehmen. Sie fanden die Wohnung des Arbeiters Kozlowski, den sie samt seiner Ehefrau und seinen drei er­wachsenen Söhnen zwangsweise vor den Richter führen soll. ten, verbarrikadiert. Als sie die Tür gewaltsam erbrochen hatten, wurden sie mit Revolverschüssen empfangen. Es folgte ein erbitterter Kampf, bei dem auf beiden Seiten schwere Verwundungen vortamen. Als es endlich gelungen war, die bier hartnäckig Widerstand leistenden Männer zu überwälti­gen, mußten zwei von ihnen dem Krankenhause zugeführt werden. Auch zwei Schußleute sind durch Spatenhiebe schwer berletzt.

Hochbahnkatastrophe in Newyork. Ein furchtbares Un­glück ereignete sich auf der Newyorker Hochbahn. In der dritten Avenue an der 57. Straße erfolgte ein Zusammen­

stoß und eine Entgleisung. Die Züge waren gedrängt voll von Passagieren. Die Wagen brannten, mehrere hingen von der Hochbahnstruktur herab. Ein Motorführer wurde ge­tötet, zehn Personen wurden schwer, viele leicht verletzt.

Unter den Rädern der Lokomotive. Ein schweres Un­glück ereignete sich auf der württembergischen Bahnstation Zeinach. Unmittelbar vor einem einfahrenden Personenzug sprang ein vierjähriges Kind von dem Bahnsteige mitten in das Geleise. Die Mutter, die Ehefrau eines Schuhmachers in Basel, die vor dem Wartesale in der Nähe stand, sprang, ein zweites Kind auf dem Arme, nach. Ihr folgte eine weitere Frau. Alle vier Personen wurden von der Loko­motive erfaßt und schwer verletzt.

A Umfangreiche Banknotenfälschungen wurden von der Wiener Polizei entdeckt. Es gelang ihr, einer ganzen Bande habhaft zu werden, die in den letzten Monaten eine große An­zahl von Hundert- Kronenscheinen in Umlauf gesetzt hatten. In der Wohnung der drei Brüder Liebel, von denen zwei Zahntechniker sind und einer eine Fabrik besitzt, fand man 136 Stück Falsifikate. Außerdem wurde die Frau eines Litho­graphen aus Agram verhaftet, die beschuldigt ist, die Falsi­fifate nach Wien gebracht zu haben. Auch der Lithograph selbst wurde sistiert. Im ganzen wurden 17 Verhaftungen vorgenommen.

Italienische Matrosen durch kroatische Soldaten über­fallen. In Fiume hat sich ein bedauerlicher Vorfall abge­spielt, der für den Haß zwischen Kroaten und Italienern symptomatisch ist. Drei kroatische Soldaten des Regiments Jelacich überfielen drei italienische Matrosen. Als diese sich zur Wehr seßten, griffen die Soldaten sie mit Bajonetten an. Dem Matrosen Ranzone wurde der Bauch aufgeschlitzt, so daß er bald nach seiner Einlieferung ins Lazarett verstarb. Die beiden anderen Matrosen wurden durch Bajonettstiche im Rücken schwer verletzt. Eine Polizeiwache entwaffnete die wütenden Kroaten und lieferte sie ins Militärgefängnis Der italienische Konsul hat bereits Beschwerde einge­reicht.

[ Eine Ausstellung berühmter Klaviere.] Die berühmte Londoner Klavierfabrik Broadwood hat in ihrem neuen Quartier in der Conduit Street soeben eine interessante Aus­stellung alter Instrumente eröffnet. In den historisch ge­wordenen Räumen in der Groat Pulteney Street versuchte einst auch der kleine Mozart das Spinett, das der Gründer der Firma Broadwood, Tschudi, für Friedrich den Großen angefertigt hatte. Dort schrieb auch Haydn einen Teil seiner Kompositionen nieder, und Chopin spielte hier in England zum legten Mal. In der Ausstellung befindet sich auch ein für Händel angefertigtes Spinett, das des Meisters Lieb­linasinftrument war.

ODfer des Sturmes. Der Wirbelsturm, der vor einigen Tage die südlichen Provinzen von Kochinchina heimsuchte, hat die Stadt Mythor fast völlig zerstört. Mehrere hundert Dschunken gingen unter oder wurden ans Ufer geworfen. 2000 Menschen sollen getötet sein, vermutlich sämtlich Ein­geborene, da kein Europäer als vermißt gemeldet ist. Der angerichtete Schaden beträgt über zwei Millionen Francs.

Spielhölle auf Korfu. Das schon in Vergessenheit geratene Gerücht von der Gründung einer belgischen Spiel­hölle auf der Insel Korfu wird jezt von Brüssel aus beſtätigt. Der alte englische Kirchhof auf Korfu wird in Gartenanlagen des neuen Kasinos verwandelt werden, nachdem die Gemeinde an England Boden zu einem neuen Friedhof geschenkt hat. Das belgische Syndikat zahlt jährlich an die Insel 8000 Pfund Pacht.

Bunte Chronik. Zu Oberlind bei Koburg erstickten drei Kinder des Arbeiters Zeller, die die Eltern eingeschlossen, bei einem durch die herabgefallene Petroleumlampe verur­sachten Brande.

In Bamberg wurden zwei Männer verhaftet, die den Eisenbahnassistenten Otto Vogt aus Sommerfeld mißhan­delten und beraubten.

Bei den Benrather Hafenbauten wurden drei Arbeiter schwer und einer leicht verletzt.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Ein abschreckendes Bild sittlicher Verkommenheit entrollte sich in einem Prozeß vor dem Bayreuther Schwurgericht. Der angeklagte 43jährige Maurer Martin Baier von Salten­eggoldsfeld bei Bamberg, ein ganz verwahrloftes Subjekt, hat nicht nur seine schwerkranke Frau auf das Roheste behan­delt, sondern sogar, während die Leiche der eben verstorbenen Frau noch im Hause lag, auf seine beiden leiblichen Töchter unfittliche Angriffe gemacht. Die älteste verließ darauf das väterliche Haus, die jüngere, die 16jährige Marie, wurde furze Zeit darauf von ihrem Vater vergewaltigt! Sie er­stattete andern Tags Anzeige, und der Unmensch wurde ver­haftet. Er wurde zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt.

§ Die beleidigten Ersaßreservisten. Das Kriegsgericht in Danzig verhandelte über einen eigenartigen Fall. Die Ge­richtsaktuare Bellschuß und Höchst aus 3oppot hatten in ihren Militärzeugnissen als Ersatreservisten die Bezeichnung Herr" vermißt. Deshalb richteten sie gemeinsam an das Bezirkskommando in Neustadt eine kräftige Beschwerde,(!) in der sie die Maßregelung des betreffenden Beamten" for­derten. Das Bezirkskommando Neustadt beauftragte die Polizeiverwaltung 3oppot mit der Feststellung, ob das Schreiben als Beschwerde aufzufassen sei. Als die Polizei­berwaltung das bejahte, erhob das Bezirkskommando An­Flage wegen gemeinsamer Beschwerdeführung, die nicht statt­haft ist. Die beiden Aktuare wurden darauf vom Stand­gericht des 128. Inf. Regts. zu je fünf Tagen Mittelarrest berurteilt, wogegen sie Berufung einlegten. In der Ver­handlung des Kriegsgerichts wurden sie freigesprochen.(!) Der Verhandlungsführer bedauerte das freisprechende Ur­teil, da es sich um eine äußerst ungehörige Beschwerde handle. Die Anklage gehöre aber nicht vors Kriegsgericht, sondern hätte auf dem Dienstwege erledigt werden müssen, wobei jedenfalls eine strenge Bestrafung stattgefunden hätte.

Lokales.

11. Mai 1904.

** Kreisrat Wallau hat vom Kaiser bei dessen Anwesenheit in Schliz den Kronenorden 3. Klasse verliehen befommen.

+( Schwurgericht.) Am 6. Juni beginnen, wie bereits berichtet, die Schwurgerichtsverhandlungen. Als Ge­

schworene für diese Periode wurden ausgelost: Gastwirt Joh. Stock Steinfurt. Landwirt Heinrich Rahn- Angersbach. Buchhändler Eberlin- Büdingen. Bürgermeister Müller- Klein­Eichen. Gutsbesizer Müller auf dem Neuhof bei Leihgestern. Landwirt Wilhelm Rach- Nieder- Erlenbach. Gemeindeein­

nehmer Nicolay- Leidhecken. Landwirt Peter Schneider II.. Ostheim. Landwirt Friedrich Weber I.- Eschenrod. Rentner August Cinum Ortenberg. Brauereibesiger Christoph Jakob Melchior II.- Butzbach. Landwirt Anton Volt III Pohl. Göns. Landwirt Gustav Schmitt- Wallernhausen. Landwirt Karl Beyer- Freienseen. Landwirt Heinrich Kahn VIII.. Altenhain. Landwirt Wilhelm Batton- Harheim. Landwirt Anton Hanack III- Kirch- Göns. Kaufmann Heinrich Wende­berg- Schotten. Landwirt Georg Friedrich Bieg- Diebach a. H. Landwirt Karl Volz- Burg- Gräfenrode. Kaufmann Otto Rathschlag- Gießen. Landwirt Wilhelm Weil- Lang- Göng. Gutspächter Louis Haase- Ober- Dauernheim. Professor und Oberlehrer Röschen- Laubach. Gastwirt Heinrich Hölzinger­Büdingen. Rentner Albert Söhnge Ortenberg. Georg Wolf III. Oppershofen. Kaufmann Georg Bücking VIII. Alsfeld. Professor Christ. Bartholomae- Gießen. Land­wirt Heinrich Schött II.- Landenhausen.

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A Theater und Saalbau Gießen. Als Termin für die Einlieferung der Pläne wurde nach Ueber­einkunft mit Herrn Professor Dülfer in München der 15. Jule d. Js. festgesetzt.

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( Konzert.) Wie aus dem Inseratenteile unserer heutigen Nummer zu ersehen ist, findet am Freitag, den 13. d. M., in Steins Garten in Gießen ein Konzert der in der Schwälmer Originaltracht auftretenden Henkel­schen Kapelle aus Kassel statt. Schon bei ihrem ersten Auftritt in Kassel hatte, so schreibt das Kasseler Tageblatt", die Kapelle einen sehr guten Erfolg zu verzeichnen. Es geht somit derselben ein guter Ruf voraus und ist deshalb ein Besuch des Konzertes beftens zu empfehlen. Ueber einen in Kassel am 8. d. Mts. stattgefundenen Konzertabend schreibt u. a. die Hessische Dorfzeitung" folgendes: Besonders die Driginalität des Konzertes verdient hervorgehoben zu werden und wirkte wie elektrisierend auf das Auditorium, dieses zu heller Begeisterung eniflammend, wie man sie nur äußerst selten hierorts erlebt.

* In der Buchhandlung Großh. Staatsverlags ist so­eben eine Sonderausgabe des Gesezes, die Landgemeinde­Ordnung für das Großherzogtum Hessen be­treffend vom 17. Juni 1874 erschienen. Hierbei sind die durch die Gefeße vom 15. Mai 1885 und 30. August 1899 bedingten Aenderungen der Landgemeinde- Ordnung durch fetten Druck hervorgehoben. Wer im öffentlichen Leben steht oder sonst immer mit den Bestimmungen der Landgemeinde Ordnung zu tun hat, für den dürfte ein solcher Neudruck des Gesetzes in der jeßt giltigen Form, der auch hinsichtlich Klarheit des Druckes und Handlichkeit der Form allen Anforderungen entspricht, sehr willkommen sein. Die neue Ausgabe foftet 30 Pfennige.

Ein Leser in Grünberg schreibt uns betreffs unseres gestrigen Leitartikel, Koloniale Sorgen", daß dessen Inhalt nicht recht stimme mit den eigentlichen Verhältnissen in Südwestafrika. Die dortigen Missionare und Ansiedler, welche schon lange vor dem Oberst Leutwein dort ansässig waren, bedauern sein Scheiden nicht. Auch hier wird unser Kaiser, wie so oft, das Richtige getroffes haben mit der Er­nennung des Generals von Trotha.

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Schlimme Folgen hatte die Verurteilung eines aus Niederrad stammenden Gardisten in Berlin zu 6 Wochen Mittelarrest wegen eines Vergehens, das nicht er, sondern ein anderer begangen hatte. Während der Verur. teilte noch an der Strafe absaß, meldete sich der eigentliche Täter. Der Unschuldige wurde sofort aus dem Arrest ent­lassen und erhielt einen Urlaub in die Heimat. Als er seinen Eltern sein Mißgeschick erzählte, wurde der Vater von einem Schlaganfall betroffen, von dem er gelähmt ist.

A Grünberg. Es wird uns folgendes mitgeteilt: In Rupertsburg bei Laubach wurde auf ortsübliche Weise ein Ziegenbock versteigert. Der Einwohner B. steigerte ihn für einen geringen Preis, und aus Freude hierüber trant er etliche über den Durst, während dem der Ziegenbock im Hofe stand. Endlich ging es nach Hause, dort angekommen, ges riet er mit einem anderen in Streit und es tam zu Tätlich­keiten, die dem B. eine 3 monatliche Gefängnisstrafe ein­brachte. Als er gestern diese antreten sollte, ging er in sein Kämmerlein, schloß die Türe hinter sich zu, und hieß den Strang den Richter spielen. Der so aus dem Leben Ge­schiedene war bereits 70 Jahre alt.

*** Wezlar, 10. Mai. In einer Wirtschaft in Naunheim tam es vor einer Woche zwischen Bauern­burschen zu Streitigkeiten. Dabei erhielt der Friedrich Adam von Naunheim einen so heftigen Schlag auf den Kopf, daß er nach einigen Tagen starb. Zwei Teilnehmer an der Schlägerei wurden in Haft genommen.

Nieder- Ofleiden. Der 1. Mai hat einen bedeutenden Umschwung in unserem Dörfchen hervorgerufen. Sämtliche Beamten vom Zugpersonal sind von hier nach Kirchhain versezt. Man bedauert dies, indem manche Wohnungen speziell für diese Familien hergerichtet wurden und nun unbewohnt dastehen, aber auch aus dem Grunde, da einige wackere Leute und liedere Männern aus unserer Mitte geschieden.

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Bad Nauheim, 7. Mai. In der abgelaufenen Woche sind 904 Kurgäste angekommen und die Gesamt­frequens beträgt bis zum 5. Mai. 1737 Personen, wo­von an genanntem Tage noch 1425 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 5. Mai 14777 abgegeben. Bad- Nauh. Anz.

Aus dem Gerichts[ aal.

Straffammer.

Gießen, den 6. Mai 1904. Der 16 jährige Schuhmacherlehrling Ludwig Meyer von Staufenberg ist geständig, aus Fahrlässigkeit eine

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