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und ein dumpfes, grauenhaft klingendes Geheul ausstieß. Aller Augen richteten sich auf ihn, er stellte sich auf seinen Pfoten auf und heulte ununterbrochen, während der Feld­hüter wie wahnsinnig ausrief:

" Er ahnt ihn, er ahnt ihn! Er war dabei, als ich ihn tötete!"

Die beiden Frauen fingen plötzlich an, mit dem Hunde zu heulen und zu weinen, und unwillkürlich befiel mich eine entsetzliche Furcht. Wovor? Das weiß ich selbst nicht! Wir blieben unbeweglich und erwarteten ein gräßliches Ereignis. Immer noch jagte der Hund um das Zimmer, voch an den Wänden und heulte. In einem Anfall von Wut packte der Bauer, der mich hergebracht, das Tier am Halse, öffnete eine kleine nach dem Hofe führende Tür und stieß den Hund mit einem Fußtritt hinaus. Sofort ward es still; aber dieses Schweigen war noch entsetzlicher. Plötzlich fuhren wir alle empor: Es hatte draußen leise an die Tür geklopft; dann tappte es wie mit einer leichten Hand, dann hörten wir zwei Minuten lang wieder nichts, darauf kragte es wieder leise, leise, und plötzlich erschien ein Kopf an dem kleinen Fenster, ein weißer Kopf mit leuchtenden grünlichen Augen, und gleich­zeitig drang ein Ton aus seinem Munde, ein düsteres, klagen­Plötzlich verbreitete sich Dampf in der Küche. Der alte des Gemurmel. Feldhüter hatte geschossen, und in demselben Augenblick ver­barrikadierten seine Söhne die Tür.

Bis zum Morgen blieben wir unbeweglich an derselben Stelle, ohne ein Wort zu sprechen. Erst als ein schwacher Strahl der aufgehenden Sonne die Küche beleuchtete, wagte An der Tür lag mit einer Kugel im Kopf der alte Hund." man den Eingang frei zu geben. Der Mann mit dem sonnenverbrannten Gesicht schwieg und setzte dann nach kurzer Pause hinzu:

" In jener Nacht hatte ich keine Gefahr zu befürchten, und doch möchte ich lieber die entsetzlichsten Kämpfe beſtehen, als jene furchtbare Minute noch einmal durchleben, in der der Greis durch das Schiebefenster auf den alten Hund schoß.

Ver Hausdoitor

Neue Fragen der Milchhygiene. vor kurzem abgehaltenen Molkereikongressen Auf mehreren wurden alle Fragen der Milchhygiene wieder eingehend besprochen und dabei manche neue Tatsache ans Licht gebracht. Das Publikum, das selbstverständlich an diesen Fragen das größte Interesse hat, nicht mehr aus. Seit altersher wird in einem fort gepredigt, daß da die Milch im Haushalte eine erste Rolle spielt, kennt sich bald man die Milch vor dem Genusse abkochen müsse, um sie von ver­schiedenen darin enthaltenen Krankheitserregern zu reinigen. Vor einigen Jahren priesen einzelne Aerzte wieder den Wert der kuh­warmen Milch, und zwar gerade bei Schwindsüchtigen. Freilich sollte diese rohe Milch nur dann getrunken werden, wenn die Rein­heit des Stalles und die Prozedur des Melkens sichergestellt ist. Nun kommt gar Behring und behauptet, die Hauptursache der Tuberkulose ist die Säuglingsmilch, doch dürfe dieselbe nicht abge= kocht werden, da sie sonst die Schutzstoffe verliert, die die Bak­terien unschädlich machen. Behring gibt dieser rohen Milch nur einen schwachen Formalinzusaz und hält die so präparierte Milch als die geeignetste für den Säugling. Man muß sagen, daß diese Milchzubereitungsmethode Behrings für den Laien wenigstens sehr unverständlich ist. Die rohe Milch kann Tuberkelbazillen ent­halten, ja, sie enthält sie wahrscheinlich sehr häufig, sonst könnte die Säuglingsmilch doch unmöglich die Hauptursache der Tuberkulose sein. Kochen durch sechs bis zehn Minuten tötet die Schwindsuchts­keime mit Sicherheit und vernichtet auch alle anderen sehr zahl­reichen in der rohen Milch vorkommenden schädlichen Keime. Warum also soll man die Milch nicht kochen? Wegen der Ver­nichtung der Schutzstoffe, wie Behring sagt? Wenn die rohe Milch Schutzstoffe enthält, so könnte sie doch wieder nicht die Tuberkulose vom Tiere auf den Menschen übertragen, denn mit den Bazillen gingen dann doch auch die Schutzstoffe über, welche die Wirkung der Bazillen paralysierten. Die Theorie Behrings, mit der auch fast sämtliche Hygieniker von Namen im Widerspruche stehen, hat also ihren Haken. Für unsere Mütter, die um das Wohl ihrer Kinder besonders bei der Säuglingsernährung besorgt sind, gelte die Regel fort, daß zur Ernährung von Säuglingen und kleinen Kindern nur

sterilisierte Milch zu verwenden ist. Eine vieljährige Er­rung hat ergeben, daß mit dieser Methode der Ernährung die schönsten Resultate erzielt werden. Wegen einer Hypothese, deren Richtigkeit Behring selbst nicht bewiesen hat, wird man nicht Tau­sende von Kinderleben aufs Spiel sezen.

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Aerztlicher Ratgeber.

Furunkeln, die mehr schmerzhaften und lästigen als gefähr­lichen Geschwüre, sind bekanntlich das Ergebnis mikroskopischer Uebeltäter, die sich häufig durch kleine Hautverlegungen eindrängen. Hohe Kragen, die die Haut reiben, sind oft die Veranlassung, daß ihr Träger statt des blank gebügelten, schneeigen Marterinstruments ein loses Tuch um den steifen, schmerzenden Nacken schlingen und zu Hause sißen und pappen muß. Der Pariser Gesellschaft für Chirurgie hat nun ein dortiger Arzt ein von ihm oft gebrauchtes Mittel angegeben, das stets Erfolg haben soll. Er führt in das Geschwür Sauerstoff ein, der Schmerz soll bald darauf nachlassen, das Geschwür zurückgehen und der Furunkel verschwindet. Zu der Operation genügt ein Rezipient mit komprimiertem Sauerstoff, ein Kautschukröhrchen und eine Nadel. Zuerst werden einige Gin­spritzungen an der Basis des Furunkels, dann in das Geschwür ſelbſt gemacht. Nach unserem Wissen ist diese Behandlungsart in Deutſchland noch unbekannt.

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Keuchhusten der Kinder. Der Keuchheusten befällt gewöhnlich Kinder im Alter von ein bis sieben Jahren, die Ursachen sind oft falsche Ernährung, Verschleimung des Magens. Es ist schrecklich anzusehen, wie die Kinder sich abquälen und würgen. Vor Beginn des eigentlichen Keuchhuſtens iſt die erste Erscheinung gewöhnlich ein trockener Husten der besonders des Nachts auftritt, schwaches Fieber, Appetitlosigkeit; das dauert einige Tage, vielleicht auch einige Wochen. Bisweilen fällt dieses Verlaufsstadium weg und der Keuchhuſten beginnt mit einem Kitzel in der Luftröhre und einem mit Angstanfällen begleiteten Zusammenschnüren der Brust, wobei das Kind nach einem Gegenstande sucht, um sich festzuhalten. Es erfolgen nun Aus- und Einatmungen von einem pfeifenden Ton begleitet. Die Atemnot erkennt man an der hochroten Färbung des Gesichts, zuweilen mit Nasenbluten. Der Anfall dauert oft 15 Minuten, dann erfolgt Erbrechen des Mageninhalts mit Schleim aus den Luftröhrenästen. In der Folge mindert sich die tägliche Menge und die Dauer der einzelnen Fälle, im ganzen hält der Keuchhusten drei bis sechs Wochen an. Die Mutter darf nicht ver­ſäumen, ſofort zum Arzt zu ſchicken.

Das Mikrophon als Lebensretter. Beim Tode hysterischer Personen ist es ratsam, den Arzt, der den Totenschein ausstellt, auf diese Krankheit der Verstorbenen besonders aufmerksam zu machen. In Petersburg ist der bemerkenswerte Fall vorgekommen, daß ein Arzt einen Totenschein für eine Dame ausstellte, die nach einem heftigen nervösen Anfall in tiefe Ohnmacht fiel, und nach längerer Dauer dieses Zustandes scheinbar zu atmen aufhörte. Nur zufällig fam ein zweiter Arzt dazu, der die Todtgesagte noch einmal genauer untersuchte, da ihm bekannt war, daß diese schon wiederholt an hysterischen Zufällen mit tiefer Ohnmacht gelitten hatte. Nach ver­schiedenen anderen Proben setzte er ihr ein Mikrophon auf die Herzgegend, und hierdurch war er im Stande, noch einen, wenn auch sehr schwachen Herzschlag wahrzunehmen. Sofortige Wieder­belebungsmittel retteten die Aermſte von einem grausigen Schicksal.

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Der Wert der Fleischbrühe. Die Verdauungsorgane bedürfen zu einer genügenden Tätigkeit und einer möglichst vollständigen Ausnutzung der aufgenommenen Nahrungsmittel eines Anreizes, den wir in der Form von Salzen oder Gewürzen den Speisen geben. Außerdem kann aber ein solcher Anreiz auch durch ein besonders dafür bestimmtes Gericht vor der eigentlichen Mahlzeit ausgeübt werden, und zu diesem Zwecke entsprechen die scharfen Vorgerichte, die z. B. in der französischen Küche eine stehende Einrichtung sind und zu denen Radieschen, Rettich, Sardellen, Salami, Kaviar 2c. gehören. In Deutschland hat sich diese Sitte weniger eingebürgert, und wir haben nur ein allgemein übliches Vorgericht, welches die gleiche Wirkung ausübt und den Appetit durch Anreiz der betreffen­den Organe und Nerven hebt, nämlich die Fleischbrühe. Es ist ein großer Irrtum, von dem noch viele Menschen befangen sind, daß die Fleischbrühe ein Nahrungsmittel ist. Weder sie, noch der als eingedickte Fleischbrühe aufzufassende Fleischertrakt haben eigent­lichen Nährwert, beide sind vielmehr nur Beförderer des Appetits und der Verdauung, aber haben auch in dieser Eigenschaft ihre sehr große Bedeutung im Haushalt des Menschen.

Nr. 79.

Montag, den 11. April.

1904

Oberbessische, Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

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Gießener Neueste Nachrichten.

Send nub Vesing bez Otefexer Berlagsbruderet, verm. With. Relleries Bugbradeset( gegs. 1788); narang: Ids& leta

( 8. Fortſeßung.)

Gewillensqualen.

Kriminal Roman von Robert Buchanan.

Er sah fast noch wie ein Knabe aus, und sein Alter würde man höchstens auf 20 Jahre geschätzt haben. Seine Züge ver­rieten heftige Schmerzen, und sein glatt rasiertes Gesicht war todesbleich, nur auf jeder Backe brannte ein hektischer Fleck. Die Augen waren geschlossen, und er schien ganz be­wußtlos zu sein. Sein Bett stand in einer Ecke des Zimmers, und wenn er mit seiner feinen, weißen Hand frampshaft das Deckbett packte und im heftigsten Fieber seinen Kopf von der einen Seite auf die andere warf, stieß er jenes herz­zerreißende Stöhnen aus. Ganz leise schlich sich Pater Jo­hannes an das Bett, und als er die Hand des Kranken in die ſeinige nahm, traten ihm Thränen in die Augen. Liegt er schon lange so?" flüsterte er Nora zu.

Erſt ſeit heute, Hochwürden," antwortete das Mädchen. Gestern Abend war er aufgestanden und ſaß in seinem diener und übergab ihm ein Blatt Papier. Es war eine Stuhl; unſere Frau war bei ihm. Da kam ein Gerichts­Vorladung, Euer Hochwürden, zur Zeugnisablegung vor Gericht, wegen des Herrn Michael. Pater Antonius sprach kein Wort, aber er verfärbte sich schrecklich, und als heute früh unsere Frau zu ihm kam, jammerte und raste er, als ob er von Sinnen geraten wäre."

" Noch nicht, Euer Hochwürden; unsere Frau hat nach War Herr Doktor Mulligan schon hier?" ihm geschickt, der Bote brachte aber den Bescheid, daß er auf 8 Tage nach Dublin verreist sein soll."

Um ſo beſſer, sagte Pater Johannes, und sich dann zu mir wendend, fuhr er fort: Nun, Herr Doktor, können Sie vielleicht etwas für den Kranken tun?"

Ich trat an das Bett und fand bei eingehender Unter­suchung, daß der Patient sehr heftiges Fieber hatte Die Un­tersuchung schien ihm unbehagen zu machen, denn er stöhnte ſchrecklich. Als ich mich dann über ihn beugte, um ihn nach dem Pulse zu fühlen, öffnete er die Augen, richtete sich im Bett auf, blickte umher und schrie laut auf: Michael, Michael!" Dann fiel er wieder in seine Kissen zurück.

immer. Er ruft immer nach dem Herrn Michael. Ach, was Haben Sie es gehört?" rief das Mädchen. Das sagt er wird daraus werden?"

Was meinen Sie, Herr Doktor?" fragte Pater Johannes und schüttelte dabei unwillkürlich den Kopf. Er scheint das Nervenfieber zu haben." ,, und können Ste ihn heilen?"

" Ich will es gern versuchen, ich gestatte mir jedoch, Sie auf die Etiquette, die wir Aerzte gegeneinander befolgen, auf­merksam zu machen. Gehört der Herr Kaplan zu Dr. Mulli­gans Patienten, so darf ich ihn nicht behandeln."

Aber bei den armen Leuten im Dorfe haben Sie sich um diese Etiquette nicht gefümmert, Herr Doktor!" Nicht eher habe ich einen behandelt, als bis man nach dem Doktor geschickt hatte und dieser nicht gekommen war." ,, und hat man denn nicht auch hier nach ihm geſandt und ist er nicht gekommen? Sie können doch den armen Mann nicht sterben lassen!"

Es bedurfte keiner weiteren Ueberredung; ich gab Pater

( Nachdruck verboten.)

Johannes das Versprechen, und wir schieden von einander. Er ging in ein benachbartes Tal, um dort einige seiner Schäf­lein aufzusuchen, während ich eine einfache Arznei bereitete und, nachdem ich Nora die erforderliche. Anweisungen ge­geben hatte, nach Mylrea zurückfuhr.

Seiner Aufforderung folgend, füllte ich mein Glas auf die leiche Weise und führte es an die Lippen. Das Getränk hatte einen seltsamen, torfähnlichen Geruch, schmeckte aber nicht unangenehm. Den Kopf auf die Seite wiegend und das eine Auge schließend, beobachtete mich der Pfarrer mit prüfen­den Blicken.

Er ist nicht schlecht," antwortete ich. Wenn ich recht verstehe, ist es also ein Whiskey, der ohne Erlaubnis der Be­hörde gebraut und für den daher auch keine Steuer gezahlt

wird."

Ganz recht, Herr Doktor," bestätigte der Pfarrer. Jetzt wissen Sie also, was Potheen ist, und es freut mich, daß er Ihnen schmeckt. Ich wollte," fuhr er ernster werdend fort, die Leute hier hätten alle davon und genössen ihn wie wir beide; der andere hat viel Elend auf dem Gewissen. Ich halte das für ein schlechtes Geſetz, welches einem armen Teufel verbieten will, sich das, was ihm gut schmeckt, selber zu machen. Aber auch abgesehen davon: der Rückstand des Kornes, aus dem Potheen bereitet wurde, gibt ein viel besseres Viehfutter, und sicherlich wissen die Gendarmen auch, wenn ſie besonders glattes und fettes Vieh sehen, daß da in der Nähe eine geheime Brauerei sein muß... Aber ich habe Sie doch nicht hierhergeführt, Herr Doktor, damit wir uns über solche Dinge unterhalten, nicht Herr?" unterbrach er sich. ,,, einen Engländer, der hierher kam, Land und Leute kennen zu lernen, interessieren sie doch!"

,, Mag sein, doch lassen wir den Potheen! Ich wollte gern wissen, wie Sie denn meinen Patienten da unten ge­funden haben. Mein Herz tut mir weh, wenn ich an ihn denke; denn ich liebe ihn, als wäre er mein jüngerer Bruder."

Ich erkärte ihm, daß Pater Antonius sich zur Zeit so wohl befände, als es unter den obwaltenden Umständen über­haupt nur möglich sei; ich könne ihm jedoch die Tatsache nicht verhehlen, daß er in sehr großer Gefahr geschwebt habe. Ich fürchte auch, sein Gemüt bedrückt etwas," schloß ich.

Sein Gemüt?" wiederholte der kleine Pfarrer mit einem tiefen Seufzer und traurigem Kopfschütteln. Sein Gemüt, sagn Sie? Nein, mein guter Herr Doktor, um hier in Jr­land die Pflichten des geistlichen Amtes auszuüben, muß man kräftiger Natur sein; eine starke Brust und Muskeln von Eisen, die sind dazu unbedingt erforderlich. Anton Creenan war aber nie sehr kräftig; vergessen Sie nicht, daß er der Sohn eine Gutsbesitzers iſt, und nicht, wie ich, aus dem Volke hervorgegangen. Ich bin gewöhnlicher Bauersleute Kind, Herr, und habe von meiner Mutter eine Konstitution bekommen, die Wind und Wetter standhält und alle Ent­behrungen und Beschwerden aushalten kann."

Er stärkte sich durch einen Schluck und fuhr dann fort: Ich hab' es oft gesehen, daß der arme Mann fast ohn­