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11.3.1904 Erstes Blatt
 
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never einem Herzen, das einem Sumpfe gletcht, flackert nicht selten ein Flämmchen Geist wie ein Irrlicht.

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Vater und Sohn.

Novellette von Frédéric Carmon.

( Schluß.)

( Nachdruck verboten.) Dieses Bekenntnis ist schrecklich anzuhören und abzu­legen," fuhr Herr v. Chantefort fort, es verlegt alle deine Gefühle, doch ich will alles gestehen und dir das geheime zu retten!" Drama meines Lebens enthüllen, um dich zu schützen und

Nach heftiger Kraftanstrengung sprach er weiter: Was ich dir gesagt, war mein Fall... Deine Mutter war gut, sanft, intelligent, sie liebte mich... doch ich liebte sie nicht; und das genügte, um mir alles, was von ihr kam, alles, zu lassen was sie tat, peinlich, widerwärtig und verhaßt erscheinen Dann eines Tages- ich zählte kaum 35 Jahre verliebte ich mich in ein junges Mädchen. Von diesem Augenblick an ward unser Leben entsetzlich! Der Gedanke, ich hätte dieses Mädchen, das ich liebte, heiraten können, wenn ich nicht eine Geldheirat gemacht, brachte mich fast um den Verstand! Der Anblick deiner Mutter ward mir zur Qual, ich verabscheute sie, und eines Abends an einem verdammten Abend, den ich nie vergessen werde, kam mir der gräßliche Gedanke: Wenn sie stürbe, wäre ich frei!"

Roger zuckte zusammen, als wolle er aufspringen, doch sein Vater hielt ihn zurück.

Höre mich bis zu Ende an Als dieser schreck­liche Gedanke mir durch den Kopf schoß, stand deine Mutter bor mir. Wir befanden uns in dem Eßzimmer Da sah ich, wie sie mich mit großen, entsetzten Augen anblickte, mit den Händen in der Luft herumschlug und auf die Diele fiel.

Der Graf schwieg, dann sagte er mit schluchzender Stimme:

Sie war tot!... tot! Begreifst du!... Mein ge­heimer Wunsch hatte sie getötet!"

,,, Vater, Vater, das ist entsetzlich, was Sie mir da erzählen," rief Roger und erhob sich in heftiger Aufregung.

,, Wie mein Leben sich seitdem gestaltete," fuhr Herr v. Chantefort fort, kannst du dir denken! Mein Herz trägt eine Wunde, die nie vernarben wird! Ich blieb Wit­wer! Meine Seele wurde von Gewissensbissen_gemartert, denn stets stand die Erinnerung vor meinem Auge, denn ich war überzeugt, sie hatte meinen Gedanken in meinem Auge gelesen und war daran gestorben!"

Atemlos, flehend und außer sich vor Angst rief er: Roger, mein geliebtes Kind, schwöre mir, schwöre, daß du nur eine Frau heiraten wirst, die du liebst: schwöre es mir!"

Vater und Sohn blieben einen Augenblick stumm und zitternd vor einander stehen. Der Tag brach an; die der Wagen. Tausend wirre Laute deuteten darauf hin, daß Morgenröte färbte die Fenſter weiß. Man hörte das Rollen Paris erwachte.

Roger schwankte einen Augenblick ein Kampf spielte sich in ihm ab. Dann warf er sich plötzlich in die Arme seines Vaters, der ihn zitternd vor Freude an die Brust drückte und rief:" Ja, Vater, mein armer Vater, ja, ich schwöre es Ihnen!"

Herr v. Chantefort umschlang ihn leidenschaftlich, dann sprach er mit leiser Stimme das eine Wort: Dank!"

Und seien Sie unbesorgt," fuhr Roger fort, ich werde unser Haus allein, ohne Hilfe einer Frau erheben! Unser Wir werden uns unser Vermögen wieder erwerben!" Name soll wieder den Glanz erhalten, den er verloren hat!

den Kopf schüttelte. Ach, aber wie?" fragte der Graf, indem er ungläubig

Roger machte sich aus seiner Umarmung los, deutete erhobenen Hauptes und leuchtenden Blickes auf die Stadt, die aus ihrem Schlummer erwachte und ihr Tagewerk be­gann, und rief mit fröhlicher Stimme: Mit meiner Ar­beit, Vater!"

Marktstraße 5.

er, Giessen, * 50 Pfg. bei:

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Ein Diner Peters des Großen zu Spaa. Zur Zeit, als Rußlands berühmter Herrscher sich des Brunnens zu Spaa bediente, hielt sich auch der Staatsrat uud Canonicus von Lüttich, Herr de Launaye, daselbst auf. Er kam öfters mit dem Czar zuſammen und charakterisiert dessen dortige Lebensweise in einem Brief vom 27. Juli 1717 an Herrn von Passerat folgendermaßen: Am Freitag kam ich nach Spaa. Der Zar war gerade in einem Zelte. Ich nahm mir die Freiheit, ihm ein Becken voll Kirschen und Feigen aus meinem Garten zu präsentieren. Das war ihm sehr angenehm. Er machte sich sogleich darüber her und uneingedenk vermutlich, daß er am Morgen seine 21 Gläser Wasser zu sich genommen hatte, verzehrte er, ehe man sich's versah, ganze 12 Feigen und 6 Pfund Kirschen. Den Tag darauf erzeigte er mir die Ehre, mich zur Tafel zu bitten. Es wäre nicht halb recht, wenn ich Ihnen von dieser merkwürdigen Mahlzeit keine Beschreibung geben wollte, von der man mir sagte, daß Seine Majestät gewöhnlich so dinire.

Die Tafel war eigentlich nur zu acht Couverts, aber man hatte das Geheimnis verstanden, zwölf Personen daran zu placiren. Der Zar saß obenan, in der Nachtmäte und ohne Halzbi: de, wir Uebrigen saßen längs um den Tisch her, aber wohl einen guten Fuß davon ab. Zwei Soldaten von der Garnison trugen jeder eine große Schüssel auf, in welcher platterdings gar nichts war, außer das am Rande irdene Näpfchen voll Bouillon standen, in deren jedem ein Stück Fleisch lag. Jeder nahm seinen Napf und stellte ihn vor seinen Teller hin. Dadurch entstand aber, die Entfernung von dem Tische selbst dazugenommen, eine solche Weitläufigkeit und Unbeholfenheit, daß man, um einen Löffel Suppe herauszuholen, den Arm soweit ausstrecken mußte, als wenn man rappiren sollte. Hatte man seine Bouillon auf und verlangte noch mehr, so sprach man ohne Umstände dem Napf des Nachbars zu, wie der Zar selbst, der mit dem Löffel in den Napf seines Kanzlers fuhr. Der Galeerenadmiral schien gar keinen Appetit zu haben, denn er amüsierte sich damit, an den Nägeln zu fauen. Nun kam ein Kerl, der sechs Bouteillen Wein auf die Tafel- nicht stellte, sondern gleich einer Hand voll Würfel hinkollerte. Der Zar nahm eine davon und schenkte jedem Gaste ein Glas davon ein.

Mein Platz war neben dem Kanzler. Als dieser gewahr wurde, daß ich das Fleisch ohne Salz( denn leider stand nur ein einziges Salzfäßchen auf dem Tische, und zwar ganz am Ende neben dem Zar), so sagte er zu mir sehr artig: Wenn Sie Salz haben wollen, mein wertester Herr, so langen Sie nur ohne Umstände zu." Ich streckte nun meinen Arm geradewegs nach dem Plaze des Zaren hin aus und versorgte mich auf diese Art mit Salz für die ganze Mahlzeit.

Auf dem Tische sah es schön aus! Fast aus allen Näpfen war Brühe auf das Tischtuch verschüttet, so auch der Wein, weil die Bouteillen nicht ordentlich zugepfropft wurden. Als man von der Tafel aufstand, war das Tischtuch über und über mit Fett und Wein getränkt.

Nun kam das zweite Essen. Einem Soldaten, der eben zu­fällig an der Küche vorbeigegangen war, hatte man eine Schüssel aufgepackt, und da er darüber nicht Zeit gehabt hatte, seinen Hut abzunehmen, so schüttelte er beim Eintreten mit dem Kopf, damit er von selbem noch herunterfiele. Aber der Zar gab ihm ein Zeichen, er möge nur kommen, wie er wäre. Dies zweite Gericht bestand aus zwei Kälberkeulen und vier jungen Hühnern. Se. Majestät nahm das größte davon mit der bloßen Hand aus der Schüssel, hielt es sich prüfend unter die Nase und, nachdem er mir durch einen Wink zu verstehen gegeben, daß er es köst­lich finde, war er so gnädig, es mir auf meinem Teller zu werfen. Der Nachtisch bestand aus einem Teller Biscuit aus Spaa, nach welchem man sich endlich von der Tafel erhob. Der Zar ging an ein Fenster. Hier fand er ein paar Lichtscherren, mit denen er, so voll Talg und angerostet sie auch waren, sich die Nägel putzte. Ich mußte mir alle mögliche Gewalt antun, um nicht in ein lautes Gelächter auszubrechen.

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Freitag, den 11. März.

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1914

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

ber

Gießener Neueste Nachrichten.

Band and Berlag ber Stefener Berlagsbendersi, vorm. Wilh. Reller'sche Buchbruceroi( gegr. 1788); w: Iba

( 20. Fortsetzung.)

Der

Goldmarder.

Original Roman von M. Bezold.

Lange blieb Sabine in Nachdenken versunken, endlich hatte sie den Weg gefunden, der ihr geeignet schien, dieser quälenden Ungewißheit ein Ende zu machen.

sch fühle mich nicht wohl," sagte sie, Herr v. Weis. weiler soll sich nicht bemühen, die Situng kann heute nicht stattfinden. Ich werde einige Zeilen an ihn schreiben, nimm eine Droschke und fahre zu ihm, aber nur ihm darfst du das Billet übergeben, verstanden?"

Sehr wohl, gnädiges Fräulein," erwiderte Rosa mit bedenklicher Miene. Dieſes Billet wird freilich einen niederschlagenden Eindruck auf ihn machen

Weshalb?"

" Na, er wird ja auch zwischen den Zeilen lesen können, und dort findet er die Gewißheit, daß er nichts mehr hoffen darf."

Sabine saß bereits am Schreibtisch, erschreckt legte sie die Feder wieder hin; sie sah nicht das triumphierende Lächeln ihrer Zofe, die hinter ihr stand.

Man kann in jedem Briefe manches zwischen den Beilen lesen," sagte sie, indem sie die Feder aufnahm ,,, es kommt nur darauf an, wie und was man lesen will. Wenn Herr v. Weisweiler dich fragt, so antworte ihm, mein leichtes Unwohlsein werde mich nicht hindern, seinen Besuch zu em­pfangen, wenn er mir zu meinem Geburtsfeste persönlich gratulieren wolle." Sie schrieb rasch einige Zeilen nieder und versiegelte das Kuvert, dann sich wieder erhebend, über­reichte sie es dem Mädchen.

Nur ihm selbst!" befahl sie.

,, Und wenn er nicht zu Hause ist?"

" So erkundige dich bei dem Dienstpersonal, wann er seine Wohnung verlassen hat. Kehre so rasch wie möglich zurück, ich nehme heute nicht jeden Besuch an, Du weißt, wie nötig du in diesem Falle bist."

Rosa nickte verständnisvoll und eilte hinaus, Sabine warf einen prüfenden Blick auf die zierliche Stutzuhr, die auf dem Marmorsims des Kamins stand.

Erst elf Uhr," sagte sie leise, in einer halben Stunde spätestens kann Rosa zurück sein, bis dahin ist noch kein Besuch zu erwarten. Er liebt mich, gütiger Himmel, er­halte mir das teure Leben! Wenn die Kugel des Gegners sein Herz durchbohrt hätte nein, nein, fort mit diesen entsetzlichen Gedanken, so grausam kann der Himmel nicht sein. Hätte er nur ein Wort geredet, wie viele trübe Stunden würde er uns beiden dadurch erspart haben, Eiser­sucht war's, was ihn trieb, den vermeintlichen Gegner zu beleidigen, um ihn zum Duell zu zwingen. Wie unbedacht! Geht er als Sieger aus diesem Kampf hervor, so muß er fliehen aber ich folge ihm bis an's Ende der Welt! Mir gilt es gleich, wie man diesen Schritt beurteilen wird, mein Reichtum macht mich unabhängig, ich kann dem Ur­teil böser Zungen trotzen, und mein Glück sollen sie mir nicht entreißen.

Wie langsam doch die Minuten hinschleichen!" fuhr sie in ihrem Selbstgespräch fort, abermals auf die Uhr blickend, jetzt kann Rosa dort sein. Vielleicht beunruhige ich mich ohne Not, es ist ja möglich, daß die Gegner sich versöhnt

( Nachdruck verboten.), haben. Wenn Herr v. Bodenlauben eine Erklärung ge­geben hat aber nein, das ist ja nicht denkbar, Ottofar mußte ihn um Entschuldigung bitten, und ich kenne seinen Stolz nur zu gut, als daß ich dies, hoffen dürfte!" Sie versant wieder in Träumereien, aus denen sie dann und wann mit einem Blick emporfuhr, um auf ein Geräusch zu horchen, was draußen laut wurde.

Endlich hörte sie das Rollen eines Wagens, mit atem­loser Spannung, gewaltsam sich zur Ruhe zwingend, blickte sie auf die Türe, ein leiser Schreckensruf entfuhr ihren Lippen, als sie in das bleiche Antlitz Rosas schaute.

Mein Gott, gnädiges Fräulein, erschrecken Sie nicht!" rief die Zofe, die beiden Herren haben sich duelliert, wer hätte das gedacht!"

lung.

Ruhig!" sagte Sabine mit dem Mut der Verzweif­Wer ist gefallen?"

Tot ist keiner von den Beiden, aber Herr v. Weis­weiler-" Tödlich verwundet?"

Nein, das glaube ich nicht. Gerade als ich ankam, trugen sie ihn aus dem Wagen in's Haus. Es war auch ein Arzt dabei, und ich habe so lange gewartet, bis ich mit ihm sprechen konnte."

Sabine stützte sich schwer auf die Lehne des Sessels, neben dem sie stand, starr ruhte ihr Blick auf dem Mäd­chen, sie war auf das schlimmste gefaßt, und Gewißheit wollte sie um jeden Preis haben.

,,, Was sagte der Arzt?" fragte sie mit vibrierender Stimme.

" Es sei nicht gefährlich."

,, Weiter nichts?"

,, Nein, gnädiges Fräulein, der Herr war sehr kurz an­gebunden, und ich wollte ihm auch nicht verraten, wer mich geschickt hatte. Ich würde wohl noch mehr erfahren haben, wenn ich gewartet und später den Herrn Hofrat gefragt hätte, aber ich sollte ja so rasch wie möglich zurückkom­men­

Hole meinen Hut und Mantel," fiel Sabine ihr in die Rede, ich werde selbst hinfahren, um mich zu erfundigen. Rasch!" fuhr sie ungeduldig fort, als die 3ofe sie befremdet anblickte. Steht die Droschke, die dich hierher gebracht hat, noch unten?"

Der Kutscher wartet noch auf das Fahrgeld, ich hab's ganz vergessen

Er soll warten, bis ich komme, und nun vorwärts!" Wollen Sie nicht den eigenen Wagen benutzen?" fragte Rosa. Die Pferde sind rasch angeschirrt--"

Sabine zeigte schweigend auf die Tür, die Zofe eilte nun hinaus, um den erhaltenen Befehl zu vollziehen.- Eine Viertelstunde später betrat Sabine das Haus des Hofrats; schon im Flur kam der alte Herr der erregten jungen Dame entgegen.

Sie kommen selbst, gnädiges Fräulein?" fragte er, sichtbar freudig überrascht. Welche Ehre

Bitte, ohne Komplimente!" unterbrach Sabine ihn rasch. Ist die Verwundung lebensgefährlich?"