eßen.
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FÜR UNSERE JUGEND
Merksprüche.
Auf, auf! der Hahn hat dreimal gekräht; Biel lieber sieben Stunden zu früh, Als oft nur eine Minute zu spät, Umsonst ist weiter all' Arbeit und Müh'.
Glaube nur, du hast viel getan, Wenn dir Geduld gewöhnest an.
1
Im Denken klar,
Im Sprechen wahr,
Im Handeln unverzagt,
Dann ist's mit Gott gewagt.
Die Zeit geht ewig fort und altert nie!
Geh' du mit ihr, so bleibst du jung, wie sie. 온라
Helgi.
( Schluß aus voriger Jugendnummer.)
Granmars Söhne saßen auf einem Berge, als die Schiffe hervorsegelten. Gudmund, König Granmars Sohn, sprang auf seinen Hengst und ritt auf Kundschaft ans Ufer. Er fragte:„ Wer ist der König, der dem Heere befiehlt und diese gewaltige Schar herbeiführt?" Sinfiötli, König Sigmunds Sohn, schlug an der Segelstange einen roten Schild mit breitem Goldrand an und entgegnete:„ Am Abende, wenn du den Schweinen und Hündinnen Jutter vorwirsst, dann melde, daß Wölsungen kampfbegierig gekommen sind. Dein Bruder wird hier Helgi finden mit seiner Flotte, ihn, der oft Adler ſatt gemacht hat, während du bei den Mägden in Mühlen saßest." Gudmund erwiderte:„ Du vergissest, Held, die alten Sagen, und du sprichst gegen Edle unwahres. Mit Wölfen hast du gelebt und deine Brüder ermordet. In Gebüschen bist du umhergekrochen als Werwolf." Sin fiötli rief entgegen:„ Ein Zauberweib warest du, ein listiges Weib, eine furchtbare, übermächtige Walkürenhere." Gudmund sprach:" Durch Verbrechen hast du dich berüchtigt gemacht. Als Werwolf warest du in den Wäldern an WolfsDa rief Helgi: Weit geziemender ist es, Sinfiötli, Kampf geheul gewöhnt. Nicht will ich aber mehr mit dir zanken." zu üben, als mit unnützen Worten zu schmähen. Fürſten müssen Wahrheit reden; Granmars Söhne dünken mir nicht gut zu sein; aber sie haben gezeigt, daß sie Mut haben, Schwert zu führen."
Gudmund ließ sein Roß durch Täler und dunkle Wege stürmen zur Burg König Granmars. Draußen stand Gudmands Bruder, Hödbrod; er fragte:„ Warum ist deine Miene voll Sorge und Harm?"„ Am User liegen goldgeschmückte, blauschwarze Schiffe, es nahen schnelle Kiele, friegsfrohe Wölsungen mit edlem Gefolge, mit manchem Schilde. Fünfzehn Scharen gehen ans Land, aber 7000 sind noch auf der See. König Helgi wird dem Schwertkampf nicht zögern." Hödbrod rief: Bäumt die Rosse und laßt Boten rennen. Wer Schwerter schwingen kann, soll herbeieilen; kein Mann soll daheim bleiben. Die Wölsungen sollen Widerstand finden." Bei Frekastein trafen die Heere zusammen Helgi ivar überall der erste im Kampf, wo Männer sich schlugen, kühn im wogenden Streit. Gewaltig war das Getöse der Speere. Aus der Luft kam die Walküre Sigrun zum Schutze des Königs. Helgi drang auf König Hödbrod ein und fällte ihn. Alle Söhne und Fürsten Granmars fielen; nur Dog, Högnis Sohn, wurde verschont.
Sigrun ging auf das Schlachtfeld, wo sie Hödbrod mit dem Tode ringend fand:" Nicht wirst du jetzt dich mit Sigrun verloben; dein Leben ist dahin." Dann suchte sie Helgi und sprach froh:„ Glücklich sollst du, König, und freudig sein, der du den Fürsten gefällt hast. Dir geziemen rote Ringe und die Maid. Der Streit hat ein Ende." Helgi erwiderte:„ Nicht ist für dich alles nach Wunsch ergangen; aber ich glaube, daß das Schicksal über manches waltet. Dein Vater und deine Brüder sind durch mich gefallen, und viele deiner Verwandten. Du hast bei dem Streite nicht ge= wonnen, aber im Kampfe hast du einen edlen Mann erlangt."
Sigrun weinte. Helgi tröstete sie: Du warst uns im Kampfe siegbringende Walküre. Auch Könige können das Geschick nicht besiegen." Darauf entgegnete Sigrun: Gerne möchte ich die Gefallenen ins Leben zurückrufen, damit sie den Kampf von neuem beginnen; und doch zugleich mich an deiner Brust bergen."
Helgi vermählte sich mit Sigrun. Er kam nicht zu hohem Alter. Dog, Högnis Sohn, Sigruns Bruder, der im Kampfe Frieden erhalten hatte, opferte Wodan, daß er ihm die Vaterrache gewähre, und erhielt von Wodan dessen Speer Gungnir. Als Dog seinen Schwager Helgi im Walde traf, durchbohrte er ihn mit dem Speer, daß er fiel und starb. Dog ritt zu seiner Schwester und sprach:„ Ungern mache ich meine Schwester weinend. Heute morgen fiel der beste König von der Welt." Sigrun entgegnete: Alle Gide sollen dir wehe tun, die du Helgi geschworen hast. Nicht komme das Schiff von der Stelle, auf dem du fährst, wenn auch guter Fahrwind dahinter weht. Nicht renne das Noß unter dir, auch wenn du vor deinen Feinden fliehen mußt. Nicht beiße dein Schwert, das du schwingest, es pfeife dir dann ums Haupt. Dann würde Helgis Tod gerächt sein, wenn du als Wolf in den Wäldern schweifen müßtest ohne Freude, ohne Gut." Dog rief: Rasend bist du, Schwester, da du deinen Bruder so verwünscheft. Wodan, der Gott, selbst stiftete den Zwist der Verwandten. Rote Ringe und das halbe Reich bietet dir der Bruder zur Vergeltung, dir und deinen Söhnen."„ Nicht will ich mich des Lebens freuen," ſprach Sigrun,„ es breche denn ein Glanz aus der Pforte des Königsgrabes. Vorher muß Helgi aus dem Grabe hervor reiten, und ich den König umfangen. Wie die edle Giche über Dornen, so ragte Helgi über die Krieger empor." Ein Grabhiigel wurde über Helgi errichtet. Als der König nach Walhalla kam, bot Wodan ichni an, über alles
zu herrschen.
Am Abend ging Sigruns Magdu Helgis Hügel und sah, daß Helgi mit vielen Männern den Hügel umritt. Die Magd rief:„ Ist das Täuschung, was ich) zu ſehen glaube, oder ist toten Männern gegeben, Roffe anzuspornen, und
steht Kämpfern Heimkehr frei?"" Nicht ist es Trug," ent gegnete Helgi, aber dennoch ist Kriegern Heimtehr nicht gewährt." Da eilte die Magd zu Sigrun:„ Wenn du den Fürsten zu finden wünſcheſt, Sigrun, so gehe zum Grabhügel. Derselbe ist geöffnet; Helgi ist gekommen. Der König bat dich, ihm die blutigen Wunden zu stillen." Sigrun ging zum Hügel und sprach zu Helgi:" Froh bin ich des
Wiedersehens. Ich will dich küssen, bevor dit, König, die blutige Brünne ablegst. Aber dein Haar, Helgi, ist mit Reif durchdrungen, mit Blut bist du benetzt, deine Hände find feuchtkalt. Wie soll ich dir Vergeltung schaffen?" Helgi erwiderte:„ Du bist allein schuld daran, Sigrun. Du weinst, und deine Tränen fallen mir auf die Brust. In Walhalla trinken wir köstlichen Trank, deshalb soll niemand Trauerlieder anstimmen."
Sigrun bereitete ein Bett im Hügel. Am Morgen ſagte Helgi: Nun ist's Zeit, den Wolfenweg zu reifen; westlich der Bifröst- Brücke muß ich sein, che der Hahn die Einherier wedt." Helgi und sein Gefolge ritten fort durch die Luft; die Frauen eilten nach Hause. Am nächsten Abend ließ Sigrun die Magd am Hügel Wache halten; bei Sonnenumtergang kam sie selbst, aber Helgi blieb fern. Da meinte die Magd:„ Wenn Sigmunds Sohn hätte kommen wollen, wäre er schon da. Sei nicht zu überfühn, allein in den Grabhügel zu fahren; in den Nächten sind tote Krieger gewaltiger, als am hellen Tage."
Sigrun lebte nicht lange, sie starb bald vor Leid und Schmerz. Man sagt aber, daß Helgi und Sigrun wiedergeboren seien, sie als Walküre.
Rätsel und Aufgaben.
1. Wenn die Blümlein wieder sprießen Und die Lüfte linder wehn, Wird das Auge mich genießen, Tief in meine Farbe sehn.
Doch ein Zeichen an mich fette, Und du Holst mich nicht, ich wette, Bist du flink auch auf dem Bein, Nicht im Dauerlauf mich ein.
ออ เร ส
2. Scherzfrage. Wer geht auf seinem eigenen Kopf?
Nr. 33.
Donnerstag, den 11. Februar
Oberbessische Familienzei
( 30. Fortsetzung.)
Cagliche Unterhaltungs- Beilage
Dez
Giesener eneste Nachrichten.
feret, vorm. With Rellas'she B( ge 1789);
Der Beuge.
Noman von Marie Bernhard.
Gestern erklärte Hortmann, mit meinem Aussehen und meinem ganzen Habitus" außerordentlich unzufrieden zu sein und drohte ernstlich damit, dir hierüber Bericht zu er ſtatten. Sollte er sein Wort halten und es pflegt dies sein Fall zu sein so bitte ich dich, lieber Hellmut, dich feinesfalls meinetivegen zu beunruhigen! Ich mag ein wenig schlechter aussehen als früher, das ist schon möglich, indessen fühle ich mich vollkommen wohl und sehe jede Besorgnis meinethalben als gänzlich überflüssig an."
Ohne ein Wort weiter zu sagen, griff Hellmut nach dem Brief, der ihm zunächst lag; er war allerdings von dem deutschen Arzt in Yokohama, Doktor Hortmann.
Dieser langjährige Freund, der Familie Norden, ein ungewöhnlich begabter und gewissenhafter Arzt, schrieb nur einen furzen Brief an Hellmut, da seine Zeit ungemein beansprucht war und er, außer um Rezepte zu schreiben, überhaupt ungern zur Feder griff. Er hoffe, sein lieber inger Freund ſei, ſamt ſeiner schönen jungen Frau, gesund und glücklich, leider könne man dies durchaus nicht von Norden senior behaupten, und er, Doktor Hortmann, erachte es für seine, wenngleich schmerzliche, Pflicht, dem Sohn mitzuteilen, daß sein Vater irgend ein schweres, bedenkliches Leiden ohne allen Zweifel mit sich herumtrage.
" Ich könnte darauf schwören, daß ihm eine grenzenlose Sehnsucht nach Ihnen, den einzigen Menschen, den er wirklich lieben fann, ant Herzen frißt, und weil er sich schämt, ſeine Siebensachen einzupacken und Ihnen Knall und Fall nach Europa nachzureisen, einzig von dem für jederman durchsichtigen Motiv geleitet: Ich sehne mich nach meinem Sohn, darum halte ich es hier nicht länger aus!" ſo bleibt er aus dem Grunde in Japan sitzen und schwindet vor unseren Angen dahin wie ein Schatten! Ich aber sage Ihnen: So geht das nicht länger fort mit ihm! Und, um es furz zu machen, und in der Voraussetzung, daß Sie ein offenes Manneswort richtig auffassen werden: es ist die höchste, allerhöchste Zeit, einen entscheidenden Schritt zu tum. Mit Klimafieber und zehrender innerer Erregung, die die Nerven aufreibt, ist kein Scherz zu treiben. Wollen Sie sich Ihren Vater erhalten, so schreiben Sie ihm einen dringlichen Brief, Sie wünschten seine Gegenwart, Sie könnten geschäftlich ohne ihn nicht fertig werden, Sie selbst wären frank und wünschten ihn zu sehen, mit einem Wort, sorgen Sie, daß er baldmöglichst von Japan fort und zu Ihnen hinüber komme; nach meinem Dafürhalten ist dies das einzige Mittel, ihn zu erhalten! Ich drücke Ihnen freundschaftlich die Rechte und füsse die Hand Ihrer schönen Gemahlin! Gott befohlen!
Immer der Ihrige
Erwin Hortmann."
1904.
( Nachdruck verboten.)
Und das kannst du fragen?" Er zog seine Hand zurück und sah sie mit großen Augen an. Meines Vaters Leben steht auf dem Spiel, du hörst es. Das eine steht felſenſeſt: mein Vater muß fort von Japan, so schnell als möglich, und hierher zu uns!"
Sie hatte ja gewußt, daß das kommen mußte, aber das lähmende Entsetzen, das sie erfaßte, war so stark, daß sie bis in die Lippen hinein erblaßte.
Hilda, was ist dir? Hast du nichts zu mir zu sagen?" Sie ließ stumm den Kopf sinken, da fragte er noch einmal: Hast du nichts zu mir zu sagen?"
Hilda raffte ihre ganze Kraft zusammen.
Ich bitte dich, erlaube mir, früher zu Bett zu gehen, erlaß mir das Abendessen heute, mir ist nicht wohl! Darf ich gehen?"
" Darf? Habe ich dir zu befehlen, Hilda? Geh, wenn du willst! Ich möchte auch nicht zu Abend essen, ich werde in mein Zimmer gehen und Briefe schreiben! Nur eins noch: bist du ernstlich leidend? Soll ich nach dem Arzt schicken?" ,, Nein, ich danke dir! Es wird vorübergehen! Gute Nacht, Hellmut!"
,, Gute Nacht!"
Sie machte eine Bewegung, sich zu ihm herabzubeugen und ihn zu küssen... unmerklich wich er von ihr zurück; dann hob er ihre Hand zu seinen Lippen empor, zu einem fonventionellen Handfuß, wie ihn ein fremder Herr aus Höflichkeit einer fremden Dame zu teil werden läßt.
An der Schwelle wandte sie sich zöger. d um. Sie sah ihn mit gesenktem Haupt unbeweglich am Stamin sitzen, das sonnige Lächeln um die Lippen dahin, nicht mehr ihr herzgewinnender Hellmut, ein schwer verdüsterter, grübelnder, sorgenvoller Mann. Rund um sie beide her Pracht und Reichtum, aber, wer weiß, auf welche Weise gewonnen? Was hatte vielleicht den Grundstein zu allem Lurus, der sie heute umgab, gelegt?
Zehntes Kapitel.
Auf der Rhede von Yokohama hatte der englische Damfer Swallow" Anker geworfen. Wie in Sonnenschein gebadet lag das prachtvolle Rundbild des Hafens, der sanft aufsteigenden Stadt mit ihren weißen Häusern und frisch ergrünenden Gärten da. Schlanke, leichte Boote kreuzten un den Dampfer und nahmen seine Insassen auf, um sie ans Land zu bringen.
Der grauhaarige, untersette Herr mit dem offenen, geist reichen Gesicht, der, von seinen Gepäckstücken umgeben, noch an Bord des Swallow stand, war William Hendrichs aus Hamburg. Erfreut und wohlgefällig ruhte sein Blick auf dem Hellmut faltete den Brief sorgfältig wieder in seine vier reichen landschaftlichen Panorama, das sich vor ihm entTeile zusammen. Er war so bleich, daß Hildas Herz sich vorte, aber dann trat ein kleines, besorgtes Fältchen über Angst zusammenzog. Sie griff furchtscm nach seiner Hand und legte ihre Wange dagegen.
,, Was willst du tun?" fragte sie endlich leise.
er war hier wildfremd, er verseinen Augen hervor, stand kein Wort japanisch,-war denn niemand hier, dor ihm empfing und zurechtwies? Hellmut Norden hatte ja,


