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mischen Gewässer nicht verlassen sollen. Immerdin bleibt die Frage, ob nicht zu einem gewissen Zeitpunkt Bundes hilfe zu leisten ist, offen. General Boisdeffre, hat einem Vertrauensmann im Gaulois, erzählt, daß Delcassé in dem Bündnisvertrag mit Rußland Frankreich ausdrücklich zu einer Hilfeleistung verpflichtet habe, wenn eine dritte Macht eingreife; jedoch brauchten die Truppen keine euro­päischen zu sein. Außerdem erzählt Victor Flachon in der Laterne":" Im Jahre 1895 hatte ich die Ehre, Adjunktus im Eisenbahnministerium zu sein. Eines Tages sagte mir der Minister bei seiner Rückkehr aus einem Ministerrate wörtlich: Kein Mensch in Paris ahnt, daß wir in diesen Tagen um Haaresbreite in Ostasien hätten Kanonenschüsse abgeben müssen!" Auf meine erstaunte Gegenfrage fuhr er fort: Jawohl, unser Abkommen mit Rußland verpflich tete uns zum Eingreifen. Glücklicherweise kann man jetzt ruhig sein. Die Angelegenheit ist soeben friedlich beigelegt worden." Und als ich meine Verwunderung darüber aussprach, daß die Rechenschaftsberichte über die vorher­gegangenen Ministerräte feinerlei Kriegsgerüchte erwähnt hätten, zuckte der Minister die Schultern und fügte hinzu: " Ja, wenn Sie glauben, daß man der Presse alles erzählt, toas im Ministerrate vorkommt, so sind Sie hübsch auf dem Holzwege."- Seit jenem Tage, fügt Flachon hinzu, habe ich die feste Ueberzeugung, daß wir Rußland gegen­über fest gebunden sind." Die Nachricht, daß die Franzosen das Schanghaibecken besezt haben, wird amtlich übrigens nicht bestritten, das Auswärtige Amt in Paris verweist auf das Beispiel von Tibet, dessen Neutralität, obgleich dieses Gebiet zu China gehört, England auch nicht respektiert.

Die strenge Neutralität der übrigen Mächte scheint außer aller Frage zu stehen. Der amerikanische Minister des Auswärtigen hat ein Rundschreiben an die Mächte gerichtet, worin diese ersucht werden, für die Integrität Chinas ein­zutreten. Japan hat diese Note gebilligt, man hofft das gleiche auch von den Russen und hofft daher, daß die Kriegs­operationen nur auf ein kleines Gebiet beschränkt werden.

Die Politik.

us dem Westfälischen Industriegebiet haben die Rechenbesitzer über die soziale Gefahr des Flaschenbierhandel: außerordentlich ungünstige Berichte erstattet. Danach sol der Detailhandel in Bier die Arbeiter geradezu anreizer zum Alkoholgenuß. Einzelne Arbeiterfamilien schulden dem Flaschenbierhändler Beträge von 50 bis zu 150 Mt.

Nach einer telegraphischen Meldung aus Swakopmund ist der Dampfer ,, Darmstadt" mit dem ersten Truppentransport für Südwest- Afrika einen Tag früher als vorgesehen war dort eingetroffen. Schon gestern früh gingen zwei Kom pagnien und Geschütze mit der Eisenbahn nach Windhoek ab von dort geht der Marsch zu Fuß weiter. Andere Abteilunger werden möglichst schnell folgen.

Ueber die heiß umstrittene Station Omaruru werder folgende Angaben interessieren: Omaruru wird durch der es durchfließenden Omarurufluß in zwei Teile geteilt, und zwar in folgender Weise: Auf dem Südufer des Flusses liegt das Fort der Truppe, während ihm gerade gegenüber das Missionshaus und das Haus des finischen Kaufmanns Piirainen liegt. Die Verteidigung der Station muß sich trot der geringen Besatzung auf beide Teile erstrecken, um dadurch den Zugang zum Flusse für Menschen und Tiere jederzeit ermög lichen zu können. Ferner aber liegen gerade zwischen diesen Gebäuden, beiderseits bis unmittelbar an den Fluß hinab reichend, die Gärten der Missionsstation und der Kaserne, deren Erzeugnisse gerade in dieser Zeit in voller Reife stehen und die so nicht nur eine willkommene Proviantquelle bilden mit ihrem großen Reichtum an Obst und an Gartenfrüchten, sondern die auch, wenn die eine Seite dem Feinde preisge­geben würde, ihm eine zu gute Deckung böten, von wo er den Zugang zum Flusse wie die besetzten Gebäude bequem bestreichen könnte. Bis zur Rückkehr der Kompagnie Franke wurde Omaruru von etwa 30 Mann der Kompagnie, die zurückgeblieben waren, und von ungefähr 20 Kolonisten, zun Teil Deutsche, zum Teil aber auch eine Reihe von den in der Umgegend von Omaruru wohnenden Buren und Bastards, besetzt, alles kampferprobte Männer, die den Feind und seine Kampfesweise von Jugend auf kennen und die Büchse wohl zu führen wissen. Das zeigt schon die energische Zurück­weisung des am 27. Januar erfolgten Sturmes des Feindes.

Balkan- Staaten,

A Ein Telegramım aus Sofia meldet: Der Anstiste: des am 12. Januar erfolgten Mordauſchlags auf Stojanow ist in der Person eines gewissen Jandausti gestern verhaftet worden. Der flüchtige Täter Tschernejew wird verfolgt.

Das rekonstruierte serbische Kabinett Gruitsch stellte jich gestern der Stupschtina vor. Der Ministerpräsident er­tlärte in seiner Ansprache, Serbien werde als Freund des Friedens auf dem Balkan zur Erhaltung desselben sein Möglichstes beitragen.

Feer und flotte.

gierbootes auf dem Westfluß. Die Deutschen feuerten, die Plünderer flüchteten. Bei der Landung kam es zu einem Gefecht; mehrere Piraten wurden verwundet, 1 gefangen und der chinesischen Behörde zur Aburteilung übergeben. Die Schamien" hat den Sikiang 3 Jahre befahren und den deutschen Handel geschützt und gestützt. Das neue Fluß­fanonenboot Tsingtau" hat jetzt die Probefahrten glatt er­ledigt und harrt in Hongkong der Ankunft seiner an Bord des Roon" den Indischen Ozean durchfahrenden Beman­nung.

Die Konsekration des katholischen Feldprobstes Vollmar hat gestern in der Berliner katholischen Garnisonkirche statt­gefunden. Als offizielle Vertreter waren Generaloberst von Hahnke, Kommandeur des 3. Armeekorps v. Bülow, Kom­mandant von Berlin v. Höpfener, Erbprinz von Hohen­zollern, Kontreadmiral v. Vütler und General v. Holbach inwesend. Die Messe, vom Armeepropst selbst komponiert, wurde von dem Militärkirchenchor in Gemeinschaft mit der Kapelle des Augusta- Regiments ausgeführt. In den ersten Bankreihen des Kirchenschiffes hatte die Militär- und Zivil­geistlichkeit, darunter auch der Probst von der Hedwigs­Kirche, Dr. Neuber, sowie die Vertreter der Behörden Play Jenommen. Für den Fürstbischof Kopp aus Breslau war ein Thronsessel errichtet. Am Hochaltar angelangt, legte der neu zu weihende Feldprobst den Eid der Treue ab. Die eigentliche Konsekration erfolgte nach der Epistel. Der Neuzuweihende warf sich auf die Stufen des Altars nieder, und die Geistlichkeit betete eine Litanei; hierauf wurde der neue Feldprobst gesalbt. Die Feier schloß mit einer kurzen Ansprache des neuen Bischofs.

Aus den Parlamenten.

Wie verlautet, wird das Knappschaftsgesetz in ver änderter Fassung an den preußischen Landtag kommen, weil infolge Einspruchs der oberschlesischen Großindustrie das ursprünglich geplante allgemeine und gleiche Wahlrecht nicht zur Durchführung kommen soll.

Deutfcher Reichstag.

( 29. Sitzung.) CB Berlin, 10. Februar. Von allen seitherigen Reichstagssitzungen war die heu­tige, die übrigens auch entsprechend schlecht besucht war, die uninteressanteste. Neu war in der Verhandlung lediglich die Tatsache, daß das Weingesetz sich so bewährte, daß aus der Mitte des Hauses ein ähnliches Schutzgesetz für den reellen Honig gefordert wurde. Der Präsident des Reichs­gesundheitsamtes, Dr. Köhler, war ordentlich stolz darauf, als er einige Skalpe von Weinpantschern vorzeigte, die in letzter Zeit wegen Fälschungen bestraft worden sind. Zum Schluß wurde eine Resolution Mugdan erörtert, die für die Aerzte eine Ausschlußfrist bis 1906 für die Ab­leistung des praktischen Jahres fordert.

Das kleinste deutsche Kriegsfahrzeug, das je unter der Reichskriegsflagge gefahren hat, beendete am 2. Februar in Hongkong seine Tätigkeit. Es war die 36 Tonnen große Dampfbarkasse Schamien", die der Chef des Kreuzer­geschwaders, Vizeadmiral Vendemann, im Auftrage des Reiches im Herbst 1900 erwarb. Damals nahm das Pi­ratentum auf dem Kantonstrom, dem West- und Ostfluß überhand. Es fehlte ein flachgehendes Fahrzeug, das die Räuber stromaufwärts verfolgen konnte. Im Oktober 1900 hatten die Piraten ein Dampfboot mit 100 Passagieren ausgeplündert, und waren mit ihrer Beute entkommen. Sie griffen sogar ein französisches Transportschiff an, er­schossen 2 Mann, warfen einen dritten über Bord und er­beuteten 32 000 Dollars. Eine deutsche Firma in Santon erhielt von den Flußräubern einen Drohbrief des Inhalts, 6000 Dollar an einer bestimmten Stelle ni erzulegen, sonst würden sie das Geschäftshaus in die Luf sprengen. Da ließ Admiral Vendemann die Schamien"- nach dem Europäerviertel Kantons benannt mit iner 3,7 3enti­meter- Maschinenkanone und 2 Masch gewehren be stücken, die Breitſeiten durch stählerne Pl. n schützen und mit 1 Offizier, 2 Unteroffizieren und 8 Mann besetzen. Dazu kamen noch 5 Chinesen als Lotsen, Heizer, Köche. Das unscheinbare Fahrzeug hat dank seiner trefflichen Füh­rung und seiner erprobten Bemannung Großes geleistet und das Flußpiratentum unterdrückt, so daß selbst die Chi­nesen den Deutschen Dank und Anerkennung zollten. Der erste Stommandant, Kapitänleutnant Reymann, überraschte Ende 1900 die Viraten bei der Blünderung eines Vaſia­

Aus dem Finale der heutigen Verhandlung ist nur noch zu bemerken, daß der Staatssekretär Graf Posa dowsky auf eine Anfrage erklärte, die Maul- und Klauenseuche sei infolge der ergriffenen Maßnahmen zurückgegangen. Ende 1901 habe sie nur noch in 107 Gehöften und in 21 Gemeinden bestanden. Die von dem Abg. Leonhardt gewünschte zu­lassung der Feuerbestattung würde den Gefühlen vieler Schichten der Bevölkerung entgegentreten. Pestleichen könn­ten auch jetzt durch die uns zur Verfügung stehenden chemi­schen und technischen Mittel unschädlich gemacht werden. Der Titel Reichsgesundheitsamt wurde schließlich ge= nehmigt.

Der Reichsboten- Streik.

Buch führen ließ und das Ergebnis nachher veröffentlichte. Die Folge davon war, daß nicht bloß der Abgeordnete, sondern auch seine Partei bei der nächsten Wahl das Mandat los wurde. Ein wirksames Mittel, um die Abgeordneten zum Besuch des Reichstags zu zwingen, würde darin bestehen, wenn die Kreisvorstände seiner Partei mindestens in jedem Vierteljahr einmal im Wahlkreise eine Versammlung an­setzen würden, mit dem Thema: Bericht unseres Reichs­tagsabgeordneten über die seitherige Legislatur und seine versönliche Tätigkeit bei derselben."

( Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.) Ein großes rheinisches Blatt empfiehlt neuerdings nicht mehr und nicht weniger, als einen Ausstand der Reichstags­abgeordneten, wenn sich die Regierung nicht entschließen sollte, Diäten zu bewilligen. Tatsächlich macht ja auch jetzt schon der Reichstag, also noch in seinen Jugendtagen, einen durchaus unwürdigen Eindruck. Manchmal sind die Bänke so schwach besetzt, daß es für die Zuschauer auf den Tribünen direkt beängstigend wirkt. Dabei aber spielen sich die De­batten mit einer Breite ab, die einer besseren Sache würdig wäre. Neulich kam es sogar vor, daß vier Redner, die nach­einander aufgerufen wurden, überhaupt nicht anwesend waren und demgemäß von der Rednerliste gestrichen werden mußten. Um aber doch die Versäumnis wirkungslos zu machen, stellte der nächste Redner den Antrag auf Vertagung, obgleich er der letzte Redner nicht nur des Tages, sondern des Gesamt­etattitels gewesen ist. Wäre sein Antrag angenommen wor den, dann hätte ein ebenfalls unter den Tisch gefallener Parteigenosse am nächsten Tage die in Aussicht genommene Rede doch halten können und der Etat des Reichsamts des Innern wäre vielleicht um mehr als einen Tag verlängert worden, wenn die Befristung dieser Wortmeldung Erfolg gehabt hätte. Ohne dem betreffenden Abgeordneten, dessen Namen wir nicht nennen wollen, zu nahe zu treten, wird man wohl annehmen dürfen, daß die Welt nicht allzuviel ver­loren hat. Die Verkürzung der Bratung ist jedenfalls wert­voller gewesen, als die Wahlrede, die ein Abgeordneter von der Parlamentstribüne herunterhält.

Preussischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

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( 15. Sizung.) RK Berlin, 10. Februar. Die Landwirtschaft hat heute weiter das Wort. Die verschiedensten Wünsche, teilweise nur auf einzelne Gegenden zugeschnitten, werden dem Minister v. Podbielski vorge­tragen und von diesem wohlwollend beantwortet. Im Mittelpunkt der Debatten steht der konservative Antrag Kunze, der die Regierung ersucht, einen Gesezentwurf gegen den

Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter vorzulegen dahin, 1. daß auch derjenige Arbeitgeber be straft wird, der Gesinde oder landwirtschaftliche Arbeiter, von denen er weiß oder annehmen muß, daß sie noch einem anderen Arbeitgeber verpflichtet sind, in Dienst nimmt und behält, sofern nicht vier Wochen seit der unrechtmäßigen Lösung des Dienstverhältnisses verstrichen sind; 2. daß fer­ner derjenige bestraft wird, der die Arbeitsvermittelung für solche Arbeiter oder Gesinde übernimmt; 3. daß derjenige bestraft wird, der solche Arbeiter verleitet, widerrechtlich einen Dienst nicht anzutreten, vorzeitig zu verlassen oder die vertragsmäßige Arbeit niederzulegen.

Denn darüber muß man sich klar werden, daß eine große Zahl von Abgeordneten nur eine Gastrolle im Reichstag gibt, um vor den Wählern eine Rede zu halten und dann die Ver­handlungen bis auf weiteres, deutsch gesagt, zu schwänzen. In der lezten Reichstagsperiode ist es sogar vorgekommen, daß ein Abgeordneter während der ganzen fünf Jahre den Berhandlungen fernblieb und erst in den letzten Tagen der ablaufenden Periode erschien, um zur Empfehlung seiner Wiederwahl eine nur sehr oberflächlich mit dem Beratungs­stoff im Zusammenhang stehende Rede zu halten. Wenn diese Unlust an der Arbeit mit der Diätenlosigkeit begründet wird, so ist das nach inserer Ansicht unzulässig, denn sämt­liche Abgeordnete sind unter der Voraussetzung der Diäten­losigkeit gewählt. Da niemand gegen seinen Willen Reichs­tagsabgeordneter werden kann, so ist und bleibt der Unfleiß im Parlamentsbesuch unter allen Umständen eine Pflichtver­säumnis und eine Wortbrüchigkeit gegen die Wähler.

In der Begründung führt der Antragsteller aus, daß mit dem Gesetz nicht der seßhafte Landarbeiter, sondern der Zug­bogel getroffen werden sollte. Von freisinniger Seite wird der Antrag heftig bekämpft, dagegen vom Zentrum und den Nationalliberalen befürwortet. Der Landwirtschaftsminister erklärt sein Einverständnis mit dem Antrag, der denn auch gegen die Stimmen der Freisinnigen angenommen wird.

Diese selbst aber haben einen Teil der Schuld an solchen Verhältnissen, weil sie ihre Vertreter nicht genug unter die Kontrolle nehmen. Welche Bedeutung das hat, mag folgen­der Vorfall zeigen. Ein süddeutscher Reichstagsabgeordneter hatte sage und schreibe einen einzigen Tag innerhalb einer ganzen Session den Verhandlungen beigewohnt. Er ahnte aber nicht, daß die Redaktion des gegnerischen Partei­blattes durch ihren Berliner Vertreter genau über die Absenz

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Ein empfindlicher Verbrecher. Vor der 8. Pariser Straf fammer stand neulich ein junger Laugenichts unter der An­flage des Straßenraubes. Da er keinen Verteidiger hatte, ersuchte der Präsident einen zufällig im Gerichtssaale an wesenden Rechtsanwalt, die Berteidigung zu übernehmen. Der Advokat sah rasch die Akten durch und begann nach dem Verhör des Angeklagten mit der Verteidigungrede. Er be­mühte sich vor allem, den Verbrecher als einen geistig min­derwertigen Menschen zu kennzeichnen und sagte u. a.:,,Wenn man das Gesicht dieses Mannes genau betrachtet, muß man sich fragen, ob er für seine Missetat überhaupt verantwortlich gemacht werden kann. Man braucht sich nur diese niedrige Stirn und den blöden Gesichtsausdruck anzusehen... ., Sie, Advokat," unterbrach hier der Angeklagte den Rede­fluß des Anwalts, wenn Sie nichts Besseres zu sagen wissen, halten Sie lieber den Mund!" Der Rechtsanwalt sah seinen Klienten verblüfft an; er verzichtete natürlich darauf, feine physiognomische Studie fortzuseßen, und empfahl den Ange­flagten nur mit turzen Worten der Milde des Gerichts­hofes.

Nab und Fern.

Schneestürme im Harz. Wie aus Torfhaus gemeldet wird, wüten in ganzen braunschweigischen Harzgebiet heftige Schneestürme. Die Poststraße Braunlage- Harzburg ist stel. lenweise völlig verweht. Zahlreiche Telegraphendrähte sind abgebrochen. In den Wäldern ist viel Schaden angerichtet. + Verhafteter Mädchenhändler. In Altona wurde der aus Bayern zugereiste Agent Schwarzel als Mitglied einer Mädchenhändlerbande verhaftet. Ein nach Argentinien be­stimmtes Mädchen wurde aus seinen Händen befreit. Drei andere Mädchen wurden von der Polizei rechtzeitig unter­richtet. Schwarzel ist bereits wegen Mordversuchs vor­bestraft.

Von tollen Hunden gebissen wurden in der Gegend von Lublinit( Oberschlesien) zahlreiche Personen. Zwei der Verletzten sind bereits gestorben, 17 andere, darunter meh­rere Kinder, wurden nach Berlin übergeführt, um in der dortigen Tollwutſchutzstation Aufnahme zu finden.

Ein gewaltiger Kohlenbrand zerstörte im Minenrevier bon Saint Etienne eine Kohlengrube von Grund aus. Der Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt.

Einen kühnen Eisenbahnraub führte eine Verbrecher­bande auf einen belgischen Personenzug aus. Sechs gut ge­kleidete Individuen, die abends mit dem nach Paris be­stimmten Zuge von Brüssel abgefahren waren, drangen aus der Strecke zwischen Tubize und Braine- le- Comte mit dem Revolver in der Faust in den Abteil, in welchem sich die Wertbriefe befanden, fesselten den wachthabenden Beamten und raubten alle Wertbriefe. Die Räuber sprangen dann während der Fahrt aus dem Zuge. In der Morgenfrühe wurde ein Mann schwer verletzt auf dem Gleis liegend auf­gefunden, der sich jedoch weigerte, irgend welche Auskunft zu geben..

Eine Falschspieleraffaire in der ungarischen Aristokratie macht in Budapest großes Aufsehen. Ein stadtbekannter avalier" lud vor kurzem zwei seiner Freunde zu sich zu einem kleinen Spielchen. Die Herren nahmen die Einladung an und spielten mehrere Stunden lang Karten, erst auf fleinere Summen, dann mit einer Pointe von hundert Kronen. Der Hausherr hatte die ganze Zeit über ein er­staunliches Glück und hatte seinen Freunden binnen kurzem 58 000 kronen abgewonnen. Den beiden Gästen erschien dieses Glück verdächtig, sie gaben besser acht und bemerkten, daß die Karten an der Rückseite in unauffälliger Weise be­zeichnet waren. Sie stellten ihren Gastgeber zur Nede, und er gestand, daß er falsch gespielt habe. Materielle Verlegen­heiten hätten ihn dazu getrieben. Auf seine Bitte sahen die Freunde davon ab, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten, doch verlangten sie, daß er sich bis Oktober samt seiner Fa­milie aus dem Lande entferne. Der Falschspieler ging die Verpflichtung ein.

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