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AUS DEM REICHE
DES
WISSENS
Die Eigenschaften zweier Bahlen.
Die mystische Bedeutung, welche der Zahl 9 namentlich im christlichen Aberglauben beigelegt worden, ist bekannt genug; meniger bekannt aber dürften die arithmetischen Eigenschaften sem, durch deren Sonderbarkeiten sie sich im Zahlensystem auszeichnet. Der bekannte französische Philosoph Fontenelle, welcher, beiläufig erwähnt, 99 Jahre alt wurde, war der Erste, welcher in seinem Traité de l'opinion de Legendre( 4. Auflage. Paris 1758) darauf aufmerksam machte, daß ein jedes Produkt der Zahl 9, wenn man die dasselbe bildenden Ziffern addiert, wieder die Zahl 9 oder ein Produkt derselben ergeben. Also 2x9= 18; 1+ 8= 9 3x9= 27; 2+ 7= 9 4x9
5x9
36; 3+ 6= 9
45; 4+ 5= 9
6x954; 5+ 4= 9
7x963; 6+ 3= 9
8x9
9x9
72; 7+ 2= 9
81; 8+ 1= 9 10x9= 90; 9+ 0= 9
und so fort ins Unendliche.
Eine zweite merkwürdige Eigenschaft der Zahl 9 wurde von dem Mathematiker de Mairan entdeckt. Wenn man die Ziffern einer mehrstelligen Zahl rückwärts liest und dann die kleinere von der größeren subtrahiert, so ergibt sich als Differenz regelmäßig die Zahl 9 oder ein Produkt derselben. Also
3 x 9
2 × 9
12= 9 25= 27= 13= 18= 456= 198= 22 x 9 0881 999= 111 x 9
12, umgekehrt 21; 21 25, umgefehrt 52; 52 31, umgekehrt 13; 31 456, umgekehrt 654; 654 1880, umgekehrt 0881; 1880 u. s. w. Diese Eigenschaft, welche sich so bei den umgestellten Zahlen erweist, stellt sich aber auch bei den Quadraten und Cuben derselben heraus. Das Quadrat von 12 ist 144, das der umgestellten Zahl 21 ist 441. Die Differenz von 441 und 144 beträgt 297, ein Produkt von 9, denn 33 x9= 297, aber noch mehr: die Ziffern in jedem der beiden Qudrate geben wieder die Zahl 9, denn 4+ 4+ 1= 9 und 1+ 4+ 49.
Der Cubus von 12 beträgt 1728, der der umgestellten Zahl 21 ist 9261. Die Differenz zwischen 9261 und 1728 beträgt 7533, welches ein Produkt von 9 ist, denn 837 X 9= 7533. Nun ist aber auch wieder 1+ 7+ 2+ 8= 18( 2 X 9) und 9+ 2+ 6+ 1 = 18( 2 × 9) und 7+ 5+ 3+ 3= 18( 2X9) und 8+ 3+ 7 = 18( 2 × 9). Alle übrigen Potenzen von 12 und 21 werden ähnliche Resultate ergeben.
Die Zahl 37 mit 3 oder mit einem Produkt von 3 bis zu 27 multipliziert, hat die Eigenschaft, als Produkt stets eine Zahl mit drei gleichen Ziffern zu geben, so daß man immer nur die ersten Ziffern des Multiplikators und des Multiplikandus zu multiplizieren braucht, um das ganze Produkt richtig zu haben, wenn man die bei der ersten Multiplikation ausgerechnete Ziffer dreimal schreibt. Außerdem wird die Summe der das erhaltene Produkt bildenden Ziffer stets den Multiplikator ergeben. Folgende Ueberft wird das Gesagte erläutern.
37 × 3= 111; 1+ 1+ 1= 3 37 x 6 222; 2+ 2+ 2= 6 37 x 9 333; 3+ 3+3= 9 37 x 12= 444; 4+ 4+ 4= 12 37 x 15555; 5+ 5+ 5= 15 37 x 18666; 6+ 6+6= 18 37 x 21777; 7+ 7+ 7+ 21 37 x 24= 888; 8+ 8+ 8+ 24 37 x 27= 999; 9+ 9+ 9+ 27
Allerlei Wissenswertes.
Der Silbergehalt des Meerwassers. Das Meerwasser_enthält außer seinem wesentlichsten Bestandteile, dem Wasser, seine Menge Beimischungen in flüssiger Form. Hierin gehören insbesondere das Kochsalz und das Bittersalz. Ersterem Stoffe verdankt das Meerwasser seinen salzigen, letzterem seinen widerwärtigen bitteren Geschmack. Sodann befinden sich in demselben Gyps und Kreide aufgelöst, weiter Spuren von einer großen An
zahl Mineralien, wie Kupfer, Blei, Jod, Brom und Arsents. Ja sogar Silber ist darin vertreten. Man hat berechnet, das oad Weltmeer 200 Millionen Tonnen, jede zu 2000 Pfund, Silber enthalte, ein Quantum, dessen Wert die Summe von 3%, Bitonen Reichsmart repräsentiert. Ein noch genaueres Facit gibt der Amerikaner Tuli. Nach seiner Berechnung würde, wenn man den Silbergehalt des Meeres unter die Bewohner der Erde ver teilte, 2400 Mark auf jeden Menschen kommen. Nur schade, daß dieser riesige Schatz, der 3, der im Meere v verborgen liegt, niemals gehoben werden wird.
Das Alter der Orgeln. Die Orgeln sind bekanntlich von den Griechen erfunden. Das erste derartige Musikinstrument, welches man in Frankreich sah, hatte der griechische Kaiser Konstantin Kopronymus an den König Pipin den Kurzen gesandt. Später erhielt auch Karl der Große eine Orgel aus Konstantinopel zum Geſchenk. Diese griechischen Orgeln konnten sich aber, was die Einrichtung des Tonsystems und die Ausbildung der Harmonie anlangt, in keiner Weise mit den heute gebräuchlichen Werken messen. In ihrer jetzigen Konstruktion wurden die Orgeln zuerst von einem Deutschen um das Jahr 1312 in Venedig erbaut. Die erste Orgel mit Pedal fertigte H. Droßberg aus Mainz an, während sie ihre heutige hohe Vollendung dem Talente Christian Förners, der im siebzehnten Jahrhundert lebte, verdanken.
Der Epheu und feuchte Wände. Da der Epheu die gute Eigenschaft hat, vermittelst seiner Saugwurzeln Wasser aus den Mauern aufzunehmen, an denen er emporraukt, so hat man ihn mit Vorteil angepflanzt, um feuchte Außenwände von Häusern trocken zu legen. Freilich dauert es einige Jahre, ehe die trocknende Kraft des Epheus sich zeigt, da er nur an denjenigen Stellen Wasser aus der Wand saugt, wo er sich mit seinen Wurzeln angeklammert hat, man findet aber, daß überall, wo der Epheu die Außenwand üppig bedeckt, die Nässe im Innern des Gebäudes verschwindet. Zur Anpflanzung eignet sich am besten der winterharte weinblätterige Epheu, der überall in unseren Wäldern wildwachsend vorkommt. Der Epheu, welcher alte Ruinen so gut fleidet, ist daher nicht bloß ein Schmuck, sondern trägt auch zur Erhaltung manches ehrwürdigen Gemäuers bei, das die Nässe sich zu zerstören bemüht.
Wie halten sich die Fliegen am Glaze?
Woher mag es wohl kommen, daß die Fliegen ebenso wie viele andere Insekten die beneidenswerte Fähigkeit haben, über Glas und polierte Flächen nicht bloß wagerecht hinzulaufen, sondern auch senkrecht an ihnen hinaufzugehen, ohne abzugleiten. Diese Frage, welche sich wohl auch jeder Laie einmal selbst vorlegt, hat die Wissenschaft bereits verschiedentlich beschäftigt. Lange Zeit glaubte man, daß die Fliegen diese Fähigkeit zahlreichen kleinen Härchen verdanken, mit denen ihre Füße versehen sind und welche ihnen dazu dienen sollten, sich an den Poren des Glases festzuhalten. Eine bloße Betrachtung des Glafes durch das Mikroskop beweist sogleich die Nichtigkeit dieser Erklärung. Später behauptete man, die Säckchen, in welche die Füße der Fliegen endigen, wirkten als Saugnäpfe, welche durch Luftdruck am Glase haften. Auch diese Erklärung wird durch die Tatsache widerlegt, daß jene Säckchen gar nicht selbst, sondern nur die Haare, mit denen sie besetzt sind, mit dem Glase in Berührung kommen. Ebensowenig bestätigte sich bei näherer Untersuchung die Annahme, daß diese Haare mit Widerhäkchen versehen seien, oder daß jene Warzen eine lebrige Flüssigkeit absonderten. Denn wäre das letztere der Fall, so würden die Fliegen, wenn sie nur ein Weilchen stillgestanden hätten, durch das Eintrocknen des klebrigen Saftes verhindert werden, sich weiter zu bewegen.
Allerdings sondern die an den Füßen der Fliegen befindlichen Drüsen durch die Härchen eine Feuchtigkeit ab. Dieselbe ist indes nur von fettiger Beschaffenheit, welche jedoch vollständig genügt, um durch Kapillarkraft den behaarten Füßen der Fliege am Glase einen leichten Halt zu geben. Die Spuren, welche ein Fliegenfuß auf dem Glase zurückläßt, bestehen, durch das Mikroskop betrachtet, in einer großen Anzahl regelmäßig verteilter Tröpfchen.
Bedeckt man eine senkrechte Glasplatte mit einer dichten Staubs schicht, so vermag eine Fliege nicht daran hinaufzukriechen. Die Füße einer Fliege, welche vergeblich versucht hat, an einem solchen Glase sich festzuhalten, zeigen die Zwischenräume zwischen den Härchen von Staub erfüllt. Hat aber die Fliege ein Weilchen ihre Füße aneinander gerieben, oder an den Flügeln abgewischt, so ist der Staub verschwunden, und sie kann wieder auf dem Glase laufen. Die Fliege reinigt also nicht, wie man früher glaubte, ihre Flügel mit den Füßen, sondern ihre Füße an den Flügeln, welche, da sie mit zahlreichen, furzen, steifen Härchen besetzt sind, ihnen die Dienste einer Bürste leisten.
Nr. 129
Freitag, den 10 Juni.
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.
(( 18. Fortsetzung.)
Die Rache
ist ist mein.
Originalroman von Ottomar Beta
Stöberer erhob sich und faßte Köberlein bei der Jacke, ihn gleichsam aufrüttelnd.
Reden Sie, Köberlein!" rief er, offenbar in ängstlicher Spannung. Ist etwas gegen ihn im Werke?" Dann rannte er hin und her und rief:„ Wir müssen zur Polizei schicken." Franziska war merkwürdig gefaßt. Sie entsandte das Hausmädchen sofort, um zwei Droschken zu bestellen.
Köberlein sammelte sich inzwischen, nachdem der Justiz rat ihm durch ein Glas Wein aufgeholfen hatte.
Also es hat nichts mit der Stiefmutter zu tun?" fragte er noch einmal, immer noch zweifelnd.
Anton schüttelte mit dem Kopfe und rang in nervöser Weise seine Mütze zwischen den Händen.
,, Nein, Herr Justizrat, diesmal ist es etwas Ernsteres," sagte er, nach Luft schnappend,„ die Boofkers verschwören sich gegen den Herrn Stü'rmann. Da ist ein Mensch, der bei Frau Morigen auf Staudiushof Kutscher war und gestohlen hat, der ist ihr Anführer. Sie wollen seine Stube in der alten Siederei ausplündern, ihn selbst wollen sie meine Stiefmutter sagt umbringen wollen sie ihn."
,, Also der ehemalige Morißsche Kutscher," rief Stöberer, dem nun der kalte Schweiß auf die Stirn trat. Er hielt sich mit Mühe zurück, Anton beim Kragen zu packen und den Rest der Mitteilungen aus ihm herauszuschütteln. Dieſer ſtammelte immer verworrener:
„ Und der wilde Robert, Herr Justizrat, und vor dem haben sie alle eine furchtbare Angst; das ist der Mensch, der einem Hunde die Kehle mit einem Druck seines Daumens zerquetscht und einem das Genick knickt wie einen Strohhalm. Er trägt einen Sack mit fünf Scheffeln und bloß so unterm Arm. Der Herr Stü'rmann hat's mit ihm verdorben, weil er nicht dulden wollte, daß er die andern Leute vergewaltigt, und dann hat er ihn davongejagt. Nun brütet er Rache, und der Kutscher hat ihn aufgehezt. Er ist gleichsam wie ein toller Stier, aber er schleicht umher wie eine Hyäne.“ Stöberer stolperte wie hesessen in der Stube umher. ,, Es ist entsetzlich!" ,, Unglaublich!"
,, Unglaublich ist es nicht!" rief Stöberer,„ diese Leute rennen in ihr Verderben. Quem Deus vult perdere Jetzt haben sie ihr Spiel vollends prius dementat! verloren. Staudiushof ist unser und zwar für ein Butter
brot!"
Wann soll dies Werk vor sich gehen?" fragte der Juſtizrat, sich an Köberlein wendend.
Heute nacht schon," stieß dieser bebend heraus, ſie wollen ihn binden und knebeln... so wahr ich hier vor Ihnen stehe! Alles wegen der Schnecke, Herr Justizrat, die der Herr Stü'rmann eingeführt hat."
Er trocknete sich mit der nassen Müze den Schweiß von der Stirn, dann fuhr er fort:
Sie sagen, er hätte Millionen in seiner Brieftasche, in Dollarscheinen, und was Herr Rietz ist, sein Prinzipal, der holte sich immer von ihm Geld und Orders, was geschehen Sollte."
( Nachdruck verboten.)' ,, Und haben Sie denn Herrn Staudius nicht gleich selbst gewarnt, Köberlein?" rief Franziska, die Hände ringend. ,, Nein," stammelte der Ersträfling beschämt, denn, sehen Sie, nach der Siederei getraue ich mich nicht hin. Wenn die ich glaube, sie brächten Boofkers mich sehen würden mich um; aber zu Ihnen kommt er; o, Sie können es ihm sagen, gnädiges Fräulein. Ich dachte mir, er würde hier sein. Es kann noch heute abend passieren. Er darf heute nacht nicht im Speicher bleiben."
Anton zitterte am ganzen Leibe. Man hörte die Droschken rasseln, und Stöberer eilte zur Tür.
" Ich fahre zur Siederei," rief er zurück, indessen senden Sie zur Polizei. Wir haben es mit desperaten Leuten zu tun." Damit verschwand er. Der Justizrat schöpfte nach Atem. Franziska holte Hut und Mantel.
,, Köblerlein," sagte der bestürzte Alte, nachsichtig mie immer, das haben Sie gut gemacht. Und nun gehen Sie so arglos wie möglich nach Hause. Bekümmern Sie sich um weiter nichts. Man soll nicht ahnen, daß Sie dahinter stecken; aber Ihre Belohnung, wenn sich alles so verhält, wird nicht ausbleiben."
Wahr und wahrhaftig, Herr Justizrat."
Der Justizrat wollte Anton hinausschieben, doch hielt er ihn in der Tür fest. Franziska stand bereits mit dem Mantel in der Hand neben ihm.
" Ihre Stiefmutter ist ja wohl eine Bäckerstochter, Köberlein?"
,, Geborene Riesopp, Herr Justizrat," antwortete dieser, nun offenbar erleichtert ,,, aus der Heiligengeiststraße; sie sagt, sie kennt den Herrn Stü'rmann schon von Kindheit auf, und.." Er stockte, dann fuhr er resolut fort:„ Sie selber schickt mich her. Wer hätt's gedacht? Es ist das erstemal, daß ich mit ihr über irgend eine Sache einig bin. Sie will richt, daß ihm was geschehen soll. Er hat sie' mal auf den Wällen aus einem großen Rudel von Bollwerksburschen herausgehauen, und dafür ist sie dankbar. Ehre, wem Ehre gebührt, ich rechne ihr das hoch an."
Köberlein brachte das mit Zeichen großer Betretenheit heraus; es tat ihm vielleicht leid, daß sein Lebenssport, der ampf gegen die Stiefmutter, in diesem Falle ausgeschlossen blieb. Die Situation war auch nach dieser Seite hin eine ihm ungewohnte.
Hoffentlich, lieber Köberlein, ist damit das Eis gebrochen und Sie werden noch öfter mit Ihrer Stiefmutter einig sein."
"
Damit verabschiedete der gutmütige alte Herr seinen Klienten. Dann nahm Mantel, Hut und Stock aus Franziskas Hand entgegen. Diese hatte sich schon selbst ins StraBenhabit geworfen.
Du willst fort, Papa?" fragte sie bleich und sich angstvoll an ihn schmiegend,„ nimm mich mit." ,, Gut, so komm."
Draußen tobten Regen und Sturm.
Zwei Droschfen rasselten eilig durch die nächtigen und von Pfützen überdeckten Straßen, die eine zum Marktplatz zur
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