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Mar 60

Monnementspreis: Baus gebracht 60

Bonttobettagen: Che und die Gießen

Das Blatt erfdeint

für Ob

Enth

Bentes Kapitel.

Schon wie ein sonniger Frühlingstag erschien Sabine am nächsten Morgen in ihrem Boudoir, wo Frau v. Gagern thre Nichte erwartete.

Viele Worte sind zwischen uns wohl unnötig," sagte die Baronin, während sie Sabine umarmte und füßte." Du weißt, daß ich dir alles wünsche, was du nur ſelbſt dir wihischen magst!"

"

Und das wäre in erster Linie ein treuer und liebe­voller Gatte!" scherzte Sabine. Ich bin nun schon acht­smbatoanzig, naht der Befreier nicht bald, so werde ich wohl entfagen indiffen."

Sie trat an ein zierliches Tischchen, auf dem zwischen einer Fülle von Blumen die bereits eingetroffenen Fest­geschenke lagen, die nur flüchtig und ohne besonderes Inter­esse besichtigt wurden.

Dit hättest längst dieses Glück haben können," nahm die Baronin nach einer Pauſe wieder das Wort, indes ihr Blick prüfend auf dem Antlitz Sabinens ruhte, mancher Mann, der deiner Liebe wert war, hat um deine Hand geworben, keiner fand Gnade vor deinen Augen."

,, Weil der Rechte nicht unter ihnen war," sagte Sa­bine mit einem leisen Seufzer, meine Hand kann nur der gewinnen, der mein Herz besitzt. Von wem iſt dieſer Brief?" setzte sie hastig hinzu.

" Ich weiß es nicht; er wurde mit dem Bouquet, das neben ihm liegt, schon in der Frühe abgegeben." Sabine erbrach den Umschlag und las." Joachim Spangenberg!" rief sie, und ein spöttisches Lächeln umzuckte ihre Lippen. Ein Heiratsantrag in schönster Form! Nun werde ich wohl antworten müssen."

Und deine Antwort wird ablehnend lauten?" ,, Kannst du daran zweifeln?"

" Nein, es wäre eine Mesalliance, auch dann noch, wenn Spangenberg wirklich geadelt würde," erwiderte die Ba= ronin. Für ihn ist es der letzte Anker, den er auswirft, er hofft durch die Verlobung mit dir die Gunst des Fürſten wieder zu gewinnen, aber ich glaube, in dieser Hoffnung würde er sich getäuscht sehen. Seine leichtsinnige Verwal­tung des Museums kann der Fürst um so weniger ver­zeihen, als die verschwundene Münzensammlung Privat­eigentum Seiner Durchlaucht war; die Entlassung wird nicht ausbleiben, Herr v. Bodenlauben sprach sich ja gestern auch in diesem Sinne aus."

Sabine hatte den Brief in eine Schublade ihres Schreib­tisches gelegt, ein ernster, gedankenvoller Ausdruck lag in ihrem schönen Antlitz.

Der Hofrat wird ja auch heute seine Aufwartung machen," sagte sie, ich will ihn bitten, den Korb zu über­bringen. Er wird schon ein Mittel finden, dem Freunde die Pille zu versüßen. Was ist eigentlich gestern Nach­mittag im Atelier vorgefallen. Willst du es mir noch immer nicht sagen? Die Herren brachen so plötzlich auf, und auf meine Fragen erhielt ich nur ausweichende Antworten, sage mir die Wahrheit, die Sache beunruhigt mich."

Hast du denn nicht die Beleidigung gehört, die der Maler Herrn v. Bodenlauben zuwarf?" fragte Frau von Gagern überrascht.

" Ich war in Gedanken versunken und achtete nicht auf das Gespräch," entgegnete Sabine, in deren Zügen sich jetzt angstvolle Besorgnis spiegelte. Das hatte sie nicht ge­wußt, sie war in der Tat so sehr in Gedanken versunken gewesen, daß sie den Streit ganz überhört hatte.

Die Baronin v. Gagern gewahrte dies und suchte nun ihre Nichte gegen den Maler einzunehmen, dem sie alle Schuld zuschob. Sabine aber übernahm mit Eifer seine Verteidigung und schloß endlich mit den Worten: Wenn Ottokar v. Weisweiler meine Liebe erwidert, so werde ich ihm freudig meine Hand reichen, ich habe dann das Glück meines Lebens gefunden."

Die Baronin lächelte spöttisch, ihr Blick ruhte stechend auf ihrer Nichte, die ruhelos bald zur Tür, bald zum Fenster wanderte. Das Glück deines Lebens?" erwiderte sie verächtlich. Illusion, Sabine! Du müßteſt mit diesem Gatten dich auf deine Güter zurückziehen; möglich, daß du das augenblicklich als eine reizende Idylle betrachtest, aber aus diesem langweiligen Traume würdest du bald erwachen und dich nach der Gesellschaft zurücksehnen, die dir dann vielleicht ihre Türen verschließt."

,, Darüber denke ich anders!"

ebt vielleicht, aber später-

Auch später, ich habe diese Gesellschaft fall, ble hem Herzen nichts bietet. Wir werden auf meinen Gütern nich vereinfanu sein, wir finden auch dort einige Freunde, die gerne mit uns verfehren-"

Ich hoffe, du wirst dir das alles doch noch reislich überlegen," unterbrach die Batonin jie, sich erhebend, und ihre Stimme flang scharf und schneidend. Lelder bin ich nicht berechtigt, dir irgend welche Vorschriften zu mache ich kann nur raten und warnen; das aber sage ich dir, auf diesem Wege werde ich dir nicht folgen. Du entschuldight wohl, wenn ich mich jetzt zurückziehe, ineine Migräne macht es mir unmöglich, diese Unterhaltung fortzuseßen."

Sabine hielt sie nicht zurück, im Gegenteil, ihr war es eine Erleichterung, daß die Tante sich entfernte, deren AG­neigung gegen Ottokar ihr schon manche trübe Stunde be­

reitet hatte.

Und nun, als sie allein war mit ihren Gedanken, er­innerte sie sich wieder der beleidigenden Worte, die gestern im Atelier gefallen sein sollten.

Namenlose Angst marterte ihre Seele, es unterlag jekt feinem Zweifel mehr für sie, daß Alfred v. Bodenlauben Genugtuung gefordert hatte. Und war dies geschehen, so mußte das Duell heute Morgen stattgefunden haben, viel­leicht lag der Geliebte jetzt schon tot oder sterbend auf dem Kampfplate.

Was konnte sie tun, um sich Gewißheit zu verschaffen? Sollte sie einen Boten zum Baron v. Friedenstein oder zum Hofrat senden? Nein, sie durfte das Geheimnis ihres Herzens nicht der Oeffentlichkeit preisgeben, sie mußte war­ten, bis ihr Botschaft gebracht wurde.

Warten? Sie konnte es nicht, ungestüm zog sie an der Glockenschnur.

Ist Herr v. Weisweiler schon im Atelier?" fragte sie mit erzwungener Ruhe, als Rosa eintrat.

,, Nein," antwortete die 3ofe, er wird auch wahrschein­lich nicht kommen."

Woher weißt du das?" sagte Sabine bestürzt. Was ist vorgefallen? Sprich, verschweige mir nichts!"

Herr v. Weisweiler sagte mir gestern Nachmittag, er werde heute wahrscheinlich nicht kommen."

Das sagte er dir? Blieb er gestern noch lange im Atelier?"

,, Nein, die Herren hatten sich kaum entfernt, als er her­unter fam."

Und da sprach er mit dir?"

" Jawohl, gnädiges Fräulein, ich fragte ihn, ob ich ihn anmelden dürfe, er antwortete mir, er sei jetzt nicht mehr in der Stimmung."

Er war wohl sehr aufgeregt?"

Das gerade nicht, aber er war sichtlich wütend." " Worüber?" fragte Sabine mit wachsender Angſt. " Darf ich meine Vermutungen offen aussprechen?" er­widerte Rosa mit einem vielsagenden Lächeln.

" Ich befehle es dir."

Nun, Herr v. Weisweiler war hierher gekommen, um dem gnädigen Fräulein einen Besuch zu machen, es ärgerte ihn gewaltig, als ich ihm sagte, daß Herr v. Bodenlauben hier sei, aus seinen Worten ging mir hervor, daß er ihn nicht leiden kann. Ich glaube, er fürchtet

,, Genug!" fiel Sabine ein, während sie der Zofe hastig den" Rücken wandte, um das plötzliche Erglühen ihrer Wan­gen zu verbergen. Also aus diesem Grunde," murmelte sie. Nun begreife ich alles!"

Sie preßte die Hand auf das stürmisch pochende Herz, ein schwerer Atemzug entrang sich ihren Lippen.

Mir versprach er, heute Mittag zu kommen," nahm sie nach einer Pause wieder das Wort; heute soll die letzte Was er dir Sigung stattfinden; er wird Wort halten.

später sagte, ist nicht maßgebend. Oder nannte er dir den Grund, der ihn am Kommen verhindert?"

" Nein," antwortete Rosa, die jede Bewegung ihrer Herrin beobachtete, seine Erklärung war mir um so auf­fallender, weil er selbst sich an den Geburtstag des gnädi­gen Fräuleins erinnert hatte."

Sabine hätte laut aufjubeln mögen, jetzt wußte sie, daß ihre Liebe erwidert wurde. Die Qualen der Eifersucht hatten ihn getrieben, den Nebenbuhler zu beleidigen, solche Eifersucht konnte nur ein Mann hegen, der liebte!

Sie wollte Gewißheit haben; seine Erklärung, daß er wahrscheinlich nicht kommen werde, ließ sie erkennen, daß er zu einem Duell entschlossen war. ( Fortfebuna folat. Y

Dieser Stein,

In einer Welt, in welcher alles schwankt, bedarf man eines festen Punktes, auf den man sich stützen ka Punkt aber ist der häusliche Herd. Der Herd ist wie die Leute sagen, sondern ein Herz, und zwar das Herz einer Frau.

Vater und Sohm.

Novellette von Frédéric Carmon.

I.

( Nachdruck verboten.)

Ganz am Ende der Rue de Lille in Paris zwischen Hof und Garten liegt das Hotel des Grafen v. Chantefort. Das monumentale Tor aus grauem Stein mit dem Schild, die Tür mit den schweren Flügeln aus geschnitzter Eiche, der Ehrenhof mit seiner stattlichen Auffahrt sehen sehr vornehm aus, und auch das Hotel selbst macht mit seinen hohen Fenstern einen imposanten Eindruck. Hinter dem Gebäude liegen prächtige Gärten.

Troßdem fühlt sich der Besucher, sobald er die Schwelle überschritten und den Hof betreten hat, von seltsamem Un­behagen erfaßt. Zwischen den holperigen Pflastersteinen wächst das Gras, das Moos breitet sich am Fuße der Mauern aus, und man ahnt, daß in den Ställen und Re­misen keine Pferde und keine Wagen stehen. Alles atmet Traurigkeit, Armut, Verlassenheit, und wenn man die Augen erhebt und alle Fenster, mit Ausnahme von drei bis vier, hermetisch verschlossen erblickt, wenn man den Rost an den Fensterkreuzen bemerkt und man zu der Ueber­zeugung gelangt, daß sie sich nie öffnen, dann schnürt sich einem angesichts dieser herrschaftlichen Besitzung unwillkürlich das Herz zusammen.

Der Graf v. Chantefort, der in einem breiten Sessel saß, schloß das Buch, das er eben ausgelesen, und legte es auf den Tisch.

Die Lampe mit dem grünen Schirm verbreitete nur ein schwaches Licht in dem großen, langen Arbeitskabinett mit seinem alten, geschnitten Getäfel, den alten Tapisse­rien und den hohen Bibliothekschränken.

Der Graf erhob sich, zündete mit langsamer Bewegung eine Zigarre an, warf das erloschene Streichholz ins Feuer und blickte auf die Uhr.

Der Zeiger zeigte auf drei Uhr morgens. Schon drei Uhr," murmelte er, ging dann zum Fen­ster, öffnete es, beugte sich hinaus und blickte auf die Straße. Er war ein Mann von etwa 65 Jahren, groß, leicht gebeugt, die Stirn von Runzeln gefurcht, mit schneeweißem Bart- und Haupthaar. Seine Züge wiesen jetzt noch eine große Schönheit auf, die Stirn war hoch, der Blick klar. Doch wie auf dem Hause, so lagerte auch auf diesem Manne ein Schleier der Traurigkeit, der Verlassenheit. Er blieb am Fenster stehen.

Die Nacht war schön; die Sterne glänzten; ein un­klarer Lärm, der Atem des schlafenden Paris, erhob sich von der Straße, von den Quais, von der ganzen Stadt. II.

Er war ein schöner Mann. Groß, flart und in alien Leibesübungen bewandert, besaß er noch im höchften Grade die unst, weibliche Herzen zu entzüden. Sein Blid mar mild, seine Stimme zart und für sich einnehmend, sein Lächeln strahlend. Er fiel in den Salons, in denen er verkehrte, lebhaft auf. Dabei war er aber nicht im ge­ringsten eitel, und hinter seiner leichten Außenseite lagerte ein tiefer Ernst.

Der alte Graf betrachtete ihn einen Augenblick prüfend mit dem größten Wohlgefallen, dann sagte er, von seiner Betrachtung befriedigt: Nun, du siehst ja nicht allzu un­zufrieden aus; wo kommst du her?"

Der junge Mann lächelte.

,, Von den Haawelts."

,, Ach ja, ich weiß!... Sie haben eine große Soiree gegeben... War es schön?" " Feenhaft!"

Der Graf setzte sich.

Sie sind sehr reich? fragte er.

" Nur zwanzig Millionen, nicht einen Sou mehr," ver­sette Roger lächelnd.

Du hast dich amüsiert?"

Roger schüttelte den Kopf.

,, Nein, ich hatte keine Zeit dazu!" Er lachte.

Ich war in Geschäften dort!" Es trat eine kurze Pause ein.

Der alte Graf hatte sich erhoben. Er ging nachdenk­lich einige Schritte im Zimmer auf und ab. Der dichte Teppich dämpfte das Geräusch seiner Schritte, und man hörte nur das regelmäßige Ticken der auf dem Kamin ſte­henden Pendule.

Nach kurzer Pause blieb Herr v. Chantefort vor seinem Sohne stehen und fragte: Du bist nicht in den Klub_ge­gangen?" ,, Doch!"

Der Greis sah ihn fragend an: Aber du hast doch wenigstens nicht gespielt?"

Doch!"

Und...?"

Roger lächelte matt.

Ich habe verloren... 10 000 Francs... auf Ehren­wort!" Der Graf erblaßte.

Du bist toll," rief er mit zitternder Stimme; du willst also auf dem Stroh sterben?"

Seine Stimme flang ernst und feierlich.

Höre, mein Freund... du weißt, in welcher fast ver­zweifelten Lage wir uns befinden. Unsere Güter sind ver­kauft oder mit Hypotheken belastet, wir haben unsere Pferde und Wagen abgeschafft, haben die Bedienten entlassen und haben zu unserer Bedienung nur noch unseren alten Vin­cent und seine Frau. Der Ruin, der schreckliche Ruin hat sich auf uns, auf dieses Haus herabgesenkt, das die Leute in der Straße das Trauerhaus nennen, weil ich in Er­mangelung des erforderlichen Personals alle Zimmer ab­schließen mußte. Vielleicht hätten wir uns wieder auf­richten können, denn zu dem Zweck hätte ich auf Paris ver­zichten, auf unseren Gütern leben, sie beaufsichtigen, sie be­wirtschaften, kurz und gut, das Dasein eines Landwirts

Plößlich veranlaßte ein leises Geräusch- das der sich führen müſſen. Ich habe nicht mehr die Kraft dazu. Für öffnenden Tür den Grafen, sich umzuwenden. Er schloß das Fenster.

Ein junger Mann von etwa dreißig Jahren, der ihm bis auf den Alter unterschied zum Verwechseln ähnlich sah, war eben ins Zimmer getreten. Er war in Geſellſchafts­toilette, eine Gardenia im Knopfloch; die zerknitterten Handschuhe hielt er in einer Hand. Eine deutliche Abspan= nung lag auf seinen Zügen; doch troßdem verriet ein glän­zender Blick die größte Zufriedenheit.

dich wäre das ein Opfer gewesen, das ich nicht von dir fordern wollte. Uebrigens können wir auch mit dem, was uns geblieben ist, bescheiden in Paris weiter leben, wenn wir dieses Hotel verkaufen. Aber ich bitte dich, mein Kind, ſei vernünftig, begehe nicht mehr solche Torheiten, wie heute Abend. Bedenke

Roger begann zu lachen, und indem er Herrn v. Chante­fort mit einer Geste unterbrach, sagte er in leichtem Tone: ,, Lieber Vater, ich versichere Sie, ich bin sogar sehr ver­nünftig. Sie beurteilen mich falsch. Ich bin ein gesetzter, praktischer Mensch. Ich kenne unsere Lage ebenso gut, ja, vielleicht sogar besser als Sie; ich habe oft daran gedacht, und gerade infolge dieser zehntausend Francs, die ich ver­loren, werden wir dieses Hotel nicht verkaufen. Beruhigen Sie sich! Wir werden in zwei Monaten von neuem Pferd Nein, ich konnte nicht... Ich bin nicht schläfrig, ich und Wagen haben und unseren Schild vergolden können." habe gelesen."

Du bist's, Roger!" sagte der Graf. Sofort trat der junge Mann auf ihn zu und versetzte: Ja, Vater. Im Vorübergehen sah ich Licht an Ihrem Fenster; und deshalb habe ich mir einzutreten erlaubt. Sie ruhen also nicht?"

Der Greis schüttelte den Kopf.

Sie werden sich die Augen verderben!"

Der Graf betrachtete seinen Sohn. Offenbar fragte er sich, ob Roger nicht toll geworden wäre oder ob er nicht Roger v. Chantefort legte seinen Hut auf einen Stuhl wenigstens getrunken hatte. Deshalb sagte er: Ich glaube, du sprichst unsinniges Beug!"

und warf seine Handschuhe auf den Claque.