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FÜR UNSERE JUGEND

Sei fleißig, wie die Biene, und geschäftig, wie die Ameise, denn der Fleißige hat immer genug, aber der Faule wird immer Mangel leiden.

Ich habe gehabt Ich hätte gern

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ist ein armes Wort, ist thörig;

Ich werde haben

ist auch kein Hort,

Ich habe das klingt gehörig; Drum, was du hast, das nimm für viel, Bei Hoffen und Wünschen giebt's kein Ziel!

Der treue Gaft.

Es war zur Zeit des siebenjährigen Krieges. Der preußische König Friedrich der Große war aus Mähren her­beigeeilt, um die in die Neumark eingefallenen Russen zurück­zudrängen. In der Gegend von Zorndorf standen sich die beiden Heere, das preußische und das russische, gegenüber, und die Schlacht mußte in den nächsten Tagen stattfinden.

In seinem Hause abseits des Dorfes wohnte der wohl­habende Bauer Gottlieb Teller. Die Familie, Frau und Kinder, hatte er, wegen der Nähe der Truppen, fortgeschickt zu den entfernt wohnenden Großeltern; das Gesinde war teils auf dem Felde beſchäftigt, teils von den Ruſſen mitgenommen, um mit Fuhrwerken Dienst zu leisten. Gottlieb selbst blieb allein im Hause, damit dasselbe nicht leer stände und von den Soldaten leicht ausgeraubt werden könne, weil niemand zu­gegen wäre. Er war ein gutmütiger Mensch, fromm und tätig, der aber seinen Kopf nicht leicht verlor, sondern selbst in der Gefahr verständig zu handeln verstand.

Gegen Mittag schlug es kräftig ans Hoftor, und nicht lange darauf kam ein Russe, ein Kosak aus der Gegend am Asowschen Meere gebürtig, ins Haus. Polternd und lär­mend schlug er auf den Tisch und gab in seiner, für den Bauer völlig unverständlichen Sprache deutlich genug zu verstehen, daß er Hunger und Durst habe und zu essen und zu trinken wünsche. Gottlieb faßte sich schnell. Er brachte Schinken, Wurst, Brot, Bier und Branntwein, ohne nur zu zaudern, mit freundlicher, scheinbar zufriedener Miene, gerade als wenn's so sein müßte und der Kosak sein lieber Gast sei. Das gefiel dem Russen gar wohl. Schmunzelnd nahm er am Tische Plaz und langte begierig zu; denn er hatte lange Zeit nicht, vielleicht nie, eine so bequeme, reich­lich besetzte Tafel vor sich gehabt. Im Kriege geht's oft karg und rauh her, und Schmalhans ist nicht selten Küchenmeiſter. Das ruhige Wesen, die fast zuvorkommende Bedienung des Bauern machten einen besänftigenden Einfluß auf den Sol­daten, und bald suchte er sich mit seinem Gastgeber zu unter­halten durch Zeichen, Winke und Worte.

Als der Hunger gestillt war, schien der Durst noch lange nicht gelöscht zu sein; ja, derselbe konnte fast unlöschbar ge­nannt werden. Wohlgemut lehnte der Russe sich auf der Bank zurück, zündete sich eine Pfeife an und ließ sich von dem Bauer gerne immer von neuem sein Glas füllen. Er dachte offenbar gar nicht an baldiges Weggehen; es war ihm so behaglich auf der Bank, wie es ihm vielleicht in seinem ganzen Leben noch nie gewesen; dazu der freundliche Raum, die fried­liche Stille, der aufmerksame Wirt. Es war gar nicht anders möglich, als daß allmählich eine selige Stimmung über den harten Soldaten kam, ein Vergessen des unerbittlichen Dienstes, eine Müdigkeit, ein Drang zum Schlafen. Denn es war ein warmer Tag im August, und reichlich, auch für einen Russen reichlich, war der Branntwein, den er ge­trunken.

So kam es, daß der Kosak endlich sanft entschlummerte. Der Bauer lehnte ihn in eine Ecke am offenen Fenster, ver­schloß die Tür und ging seiner Arbeit nach. Nach einer halben Stunde kam ein Trupp preußischer Husaren ange­sprengt, und ihnen nach folgte Regiment auf Regiment. Hätten die Preußen den Russen gefunden, dann wäre es ihm schlecht ergangen; denn die Feinde hatten im Lande arg ge­wütet, hatten geplündert und geraubt, was sie nur konnten, und die Wut der Preußen war nicht geringe darob. Doch der Bauer hatte ein gutes Herz; er wollte den Kosaken unter

seinem Dache nicht den Mißhandlungen seiner Landsleute preisgeben, da derselbe jezt wehrlos war, vielleicht der Sohn einer liebenden Mutter. So hielt er die Tür zu dem Zimmer, in dem der Russe lag, sorgsam verschlossen; und als dieser seinen Schlaf vollendet hatte, gab er ihm in der Nacht Ge­Tegenheit, zu entkommen.

Die Schlacht bei Borndorf vernichtete das Heer der Russen; nach schweren Kriegsjahren wurde endlich Friede ge­schlossen, und der alte Fritz suchte überall die Schäden, welche der Krieg verursacht hatte, zu beseitigen, so daß bald Wohl­stand und Wohlbehagen im Lande herrschten. Auch dem Bauer Gottlieb Teller ging es gut; fleißige Arbeit trug loh­nende Früchte. Da klopfte es eines Tages an seine Stuben­tür, und ein Mann in fremder Tracht trat ein, mit dem Wanderstab in der Hand und mit einem Bündel auf dem Rücken. In gebrochenem Deutsch begrüßte er den Bauer als einen Bekannten und ließ sich auf der Bank nieder. ,, Kennst du mich denn nicht mehr?" begann er dann. Hab' hier in dieser Stube und auf dieser Bank die schönste Stunde meines Lebens gehabt. Ich bin der Kosake, der einmal mit schlechten Absichten bei dir eintrat, den du aber aufnahmest wie einen lieben Freund und bewirtetest in Güte und Herz­lichkeit. Das war mir wildem Manne neu, und so wohl ums Herz ist mir nie vorher und nachher gewesen. Hab' alle Tage daran denken müssen, und an diese Stube. Hättest damals mich den Preußen, wie ich im Schlafe lag, verraten können; und ein anderer hätte es getan. Du aber hast mich beschützt und gerettet. Hab' dich deshalb lieb gewonnen. Hab' zu Hause weder Eltern noch Geschwister, würde da in weiter Ferne nie so schöne Stunden finden, wie einst hier. Möchte daher bei dir bleiben und an deinem Tische ſizen können, bis ich sterbe!"

Dem Bauer gefiel der Mann; er behielt ihn im Hause und hat es nie zu bereuen brauchen. Aus dem wilden Kriegs­mann wurde ein tüchtiger Arbeiter, treu und zuverlässig. er forderte nie so reichliche Mahlzeiten, wie er ſie einſt als Soldat gehalten hatte, wenn er nur auf der Bank am Tische ſizen durfte. Dort war sein liebster Plak nach des Tages

Mühen.

Rätsel und Aufgaben.

1. Der erste Teil ist ein Bindewort; Der zweite ein heiliger Ort; Das Ganze nennt uns eine Stadt, Die gegen Gott gesündigt hat.

2. Rebus. richt turn

3. Zahlenrätsel.

1 und 2, die laufen und klettern schnell Mit langen Schwänzen und weichem Fell. 3 und 4 kannst du im Stoffladen sehn, Der Schneider weiß damit umzugehn. Zog früher der Schüße zur Jagd hinaus, So rüstete er mit 5, 6, sich aus. 3, 4, 5, 6, die bilden ein Paar,

Du selbst besitzt es, das ist ganz klar.

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1, 2, 3, 4, 5, 6 stehst du am Rheine liegen, Und reist du einst hin, dann viel Verguügen. извади

4. Traurig hängt es an der Wand, Weil es schweigen muß; Nimmt's herunter deine Hand, Schafft es dir Genuß.

Und das Ding, das erst so stumm, Hebt zu reden an:

Leises, liebliches Gesumm, Himmeljauchzend dann.

Und es hebt sich deine Brust,

Und dein Auge glüht,

Und der Töne selge Lust

Läutert dein Gemüt.

Nr. 103

Montag, den 9. Mat.

1904.

Oberhessische Familienzeitung

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.

( 12. Fortsetzung.)

Iwan der Schreckliche.

Original- Roman von Hans Hoffmann.

Mit mathematischer Pünktlichkeit erschien er an der ihm bezeichneten Stelle, an der sich die Festgenossen versammeln sollten. Der Fluß bildete hier eine breite Ausbuchtung, die eine herrliche Fläche für eine Fülle von Schlittschuhläufern bot; von da an aufwärts verengte er sein Bett, war aber weiter oberhalb stark über die Uferwiesen getreten und hatte die besondere Liebenswürdigkeit für die Menschenkinder, jeden Abend von neuem dies Gebiet ein wenig zu über­schwemmen und so für jeden neuen Morgen eine neue Bahn von tadelloſer Glätte zu bereiten, während die schneebedeckte Landstraße an seiner Seite den Schlitten die leichteste Fahrt gestattete.

Gotthold war der erste auf dem Plan. Er legte die Schlittschuhe an und probierte seine Fertigkeit. Er war ein fräftiger Läufer, wenn auch wenig geübt in feineren Kunst­stücken und ohne besondere Zierlichkeit. Es kam ihm heute zum erstenmal die Frage, wie er bei dieser Art Bewegung sich ausnehme, von der er sonst eben nur empfand, daß sie wohltuend, erfrischend und stählend war.

Einige Schlitten fausten prächtig heran; er erkannte die bunten Müzen der Husarenoffiziere, welche ihm meistens vom Ball her flüchtig bekannt waren. Sie begrüßten ihn mit großer Höflichkeit und begaben sich sogleich aufs Eis und probierten ihre Fertigkeit auf dem Stahlschuh. Als der beste Läufer war leicht Herbert v. Bodungen zu erkennen. Die Geschmeidigkeit und männliche Anmut seiner Bewe­gungen war unvergleichlich, und er vollführte die gewagteſten Drehungen, Sprünge und Wirbelzüge ohne merkbare An­strengung und ohne Koketterie, leichthin und wie selbstver­ständlich, wie etwa ein jugendlich starkes Pferd zwecklose Sprünge voll unbewußter Grazie macht. Gotthold be­wunderte ihn und staunte über die feurige Schönheit des Mannes.

Jetzt scholl ein kräftiges Klingeln von der Seite der Stadt her. Alles wandte sich um und glitt dem Ufer zu. Das waren die Schlitten der Festgeber.

Glänzend geschmückt glitten sie daher, purpurne Decken wallten mächtig gebläht über den ausgreifenden Rappen, auf deren Köpfen bunte Federbüsche schwankten, dahinter sah man kostbare Pelze und Decken, farbige Kleider, eine Fülle von Blumen und Kränzen, flatternde rote Bänder. Einem Königszug glich die Auffahrt, alles Pracht, Freude, strahlende Farbenglut, doppelt frisch erglänzend über dem tonlosen Weiß und Grau der Ebene, unter dem mattfreund lichen Blau des nordischen Winterhimmels. Es ging eine ansteckende Fröhlichkeit von diesem Schlittenzuge aus, all dies übermütige Klingeln, Stampfen, Wehen und Sich­blähen übte eine freudig aufregende Wirkung auch auf den ruhigsten Zuschauer.

Die früher gekommenen Herren drängten sich um Almas Plaz. Sie saß behaglich in ihrem Pelz und grüßte lachend nach allen Seiten; ihr schönes Köpfchen war fast verdeckt durch eine Fülle von Rosen und Sträußen, die in verschwenderischer Fülle über den Schlitten gestreut waren; so sah sie aus wie eine Frühlingsfee mitten in dem starrenden Winter.

Während aber die Herren sich wetteifernd bemühten. ihr

( Nachdruck verboten.)) beim Aussteigen behilflich zu sein, schüttelte sie plötzlich Pelze und Blumen von sich, sprang leichtfüßig nach der anderen Seite hinaus und war im Nu hinter dem Schlitten herum auf das Eis geschlüpft.

Meine Herren," rief sie, ihre zierlichen Schlittschuhe hoch in der Luft schwingend, wer zuerst den Pfahl dort oben an der Flußbiegung erreicht, wird die Ehre genießen, mir die Schlittschuhe anzuschnallen. Ich bitte die Herren, welche sich an dem großen Wettlauf beteiligen wollen, sich in eine Linie zu stellen und zu warten, bis ich das Zeichen zum Ablauf gebe."

- drei

Alle anwesenden jungen Männer eilten herbei und ord. neten sich gehorsam. Alma zählte eins zwei und klatschte in die Hände, und dahin sauste die ritterliche Schar wie ein aufgescheuchtes Volk Hühner über das schurrende Eis hinweg.

Nach sehr kurzer Zeit schon zeigte sich unverkennbar, daß Herr v. Bodungen der schnellfüßigste Läufer war und zweifel­los als der erste das Ziel erreichen mußte; er fuhr den an­deren weit voran, als wenn er seine Schwadron zum An­griff führte. Mit stiller oder lauter Bewunderung folgten die Blicke der Zuschauer am Ufer seinen schönen und kraft­vollen Bewegungen; mitten im stürmischen Wettlauf konnte er noch eine rasche Drehung machen und, eine Zeitlang rück­wärts laufend, den ihm folgenden Schwarm wie ein mustern­der Feldherr überblicken, ohne seinen Vorsprung wesentlich zu verringern. Sein Sieg war so unzweifelhaft, daß die anderen bereits in freiwilliger Entsagung lässiger dahin glitten; nur Gotthold stürmte noch, blind hoffend, mit voller Wucht weiter und gelangte dadurch ein gutes Stück über die ziemlich gleichmäßige Reihe der übrigen hinaus.

Da geschah etwas Unerwartetes. Der sichere Sieger schien nicht weit vom Ziel plötzlich von einem tollen Uebermut er­griffen zu werden; er bog von der geraden Bahn ab, machte allerlei graziöse Kapriolen, Kurven und wirbelnde Um­drehungen, und so geschah es, daß Belling wider aller Er­wartung an ihm vorüberschoß und als erster das Ziel er­reichte.

Es war unmöglich zu verkennen, daß Bodungen absichtlich den Siegespreis aufgegeben hatte. Obgleich Fräulein Alma mit dem durch seine Selbstverleugnung erzielten Ergebnis durchaus zufrieden war, ärgerte sie sich doch. So seine Ueber­legenheit zu zeigen und dann den gebotenen Preis wie etwas Wertloſes zu verschmähen, das war mindestens ungeschliffen, bei genauer Betrachtung war es empörend. So ein hoch­mütiger Mensch! Bildete er sich denn auf seine Schönheit und Kraft, die allerdings unleugbar waren, so viel ein, daß er glaubte, sie würde sich etwas aus seiner zur Schau getragenen Gleichgiltigkeit machen? Du lieber Himmel, als ob der Wert des Menschen nach dem Schlittschuhlaufen zu schätzen wäre! Sich darüber zu ärgern fiel ihr im Traum nicht ein! Im Gegenteil, sie war ihm selbstverständlich nur von Herzen dankbar!

Diese Dankbarkeit verriet sich dem unglücklichen Leutenant freilich nur in einer äußerst unliebenswürdigen Miene, und als er darauf mit einem harmlos freundlichen Lächeln ant­

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