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Woran denken Sie, Fräulein Viola?" Er beugte sich
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" Ich dachte", und sie sah ihn mit ernſten Augen an, in denen eine lichte Hoffnung spielte,„ ich dachte, daß Sie eine starke Hand und eine milde Stimme, breite Schultern und gute Augen haben. Sie haben so viel für mich getan. Ich dachte daran, daß, wenn Sie mein ersehnter Freund wären, der Tod mir leichter wird. Ich sterbe dann nicht so einsam und verlassen, sondern nehme eine schöne Erinnerung mit mir."
" Ja, ich bin Ihr Freund, Viola. Zwar bin ich Ihrer Freundschaft nicht wert, nehmen Sie mich aber, wie ich bin. Ich habe Sie von Herzen lieb. Und sollte ich Sie jetzt von mir lassen, wie unendlich einsam wird sich das Leben dann für mich gestalten!"
Er sprach in abgebrochenen Säßen, mit seiner eigenen Rührung kämpfend. Diesem Kinde gegenüber war er wie verwandelt. Er fühlte sich tief bewegt und mußte alle Kraft zusammennehmen, um die Herrschaft über sich zu gewinnen. Sie war aber nicht betrübt, nein, sie lag glücklich und ſtrahlend da, wie ein kleiner, gefangener Sonnenstrahl.
" Ich bin so glücklich“, murmelte sie, so grenzenlos glücklich."
Wenige Tage später stand Violas Sarg auf dem Katafalk im Kirchenchor. Er war mit Blumen überschüttet, und Kränze und Bouquets lagen rings umher. Alle Abonnenten hatten Blumen gesandt sie alle entbehrten die klare Stimme der kleinen, freundlichen Telephonistin. Alle waren sie von dem plöglichen Todesfall ergriffen, der eine herrliche Blume in ihrer reichsten Frühlingsnacht dahingerafft hatte.
Eine Menge Menschen strömten in die Kirche, die hell erleuchtet war, und der Kirchenchor trug mehrere feierliche Gesänge vor. Man erzählte sich, daß der junge Arzt das ungewöhnliche Begräbnis veranstaltet habe.
Vorn in der ersten Reihe saß er allein, und als der Sarg hinausgetragen wurde, folgte er als nächster Leidtragender. Er sah blaß aus und schien tief bewegt. Wie sonderbar, daß er so regen Anteil an dem Schicksal dieses kleinen Wesens nahm.
Viola war zu ihren Lebzeiten unbeachtet geblieben. Jetzt war sie die Heldin des Tages, und man nannte ihren Namen flüsternd und mit Achtung.
Und das Interesse, was der Arzt ihr schenkte, umgab sie mit einem mystischen Schleier. Man vermutete dieses und jenes, ohne Klarheit in die Sache zu bringen, denn kurz Darauf verließ Doktor Stahl den Ort und nahm sein Gejeimnis mit sich.
Die Krankenwärterin, die bei Violas Tode im Zimmer zugegen war, berichtete, daß der Doktor neben dem Bette, mit Der Hand der Sterbenden in der seinen, gesessen, und daß er nach ihrem letzten Atemzuge die Hand gefüßt habe, um ohne Gruß und ohne ein Wort zu sagen, das Zimmer zu verlassen.
Dieses war alles, was man von der kleinen Viola und em jungen Doktor Stahl wußte.
Ob sie einander liebten, hat niemand erfahren.
Physiognomik.
Jedem steht das tiefste Sein, All sein Hoffen, Lieben, Was er war und was er ist, Im Gesicht geschrieben.
Jedem Manne, jeder Frau, Doch nur wen'ge Wesen Sehen diese Runenschrift,- Wissen sie zu lesen.
Mir, so oft und schwer getäuscht, Weil mein Blick gefangen, Sind die Augen endlich doch Dafür aufgegangen.
Hör' mit lächelndem Gesicht Gure schönen Lügen, Lese mir die Wahrheit ab
Still aus euren Zügen.
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DER VOLKS ANWALT
Die rechtliche Stellung der Dienstboten.
IV.
Die Dienstherrschaft ist verpflichtet, dem Gesinde angemessene Wohnung, baren Lohn, Beköstigung und, falls versprochen, auch Kleidung zu geben. Ist nichts Besonderes verabredet, so ist der Lohn nach Leistung der Dienste zu entrichten. Obwohl nun eine zweifelfreie Bestimmung darüber fehlt, in welchen Zeiträumen der Lohn zu entrichten ist, so wird man doch nach dem ganzen System der Gesindeordnung annehmen müssen, daß die Dienstherrschaft den baren Lohn jedenfalls stets nach Ablauf eines Vierteljahrs zu entrichten hat. Ist ein Dienstbote monatweise gemietet, so hat er ohne Frage seinen Lohn nach Ablauf jeden Monats zu verlangen.
Nicht abgehobener Lohn verjährt in zwei Jahren, gerechnet vom Ablauf des Jahres, in dem die Lohnforderung fällig geworden ist. Z. B. die Lohnforderung für das Vierteljahr vom 1. April bis 30. Juni 1901 ist am 31. Dezember 1903 verjährt. Dies ist besonders zu beachten, da nach früherem Rechte der Dienstlohn erst in vier Jahren verjährte. Gerät die Dienstherrschaft in Konkurs, so haben die Dienstboten für ihre Lohnforderungen aus dem letzten Jahre vor Eröffnung des Konkurses ein Vorrecht vor allen anderen Konkursgläubigern.
Wird ein landwirtschaftliches Grundstück im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert, so haben die landwirtschaftlichen Dienstboten ebenfalls ein Recht auf vorzugsweise Befriedigung aus dem Erlöse, und zwar hier sogar für das vergangene und das laufende Jahr das„ laufende" Jahr beginnt mit dem letzten Fälligkeitstage seit der Beschlagnahme. Dieses Vorrecht haben hier aber, was wohl zu beachten ist, nur die zur Bewirtschaftung des Grundstücks angenommenen Personen, also z. B. Pferdeknechte, Kuhmägde. Solche Dienstboten dagegen, die nur zur Bedienung der Familie da sind, wie z. B. Kindermädchen, haben das Vorrecht hier nicht.
Zieht der Dienstbote sich eine Erkrankung zu, die durch den Dienſt veranlaßt oder bei Gelegenheit des Dienstes entstanden iſt, so muß die Dienstherrschaft dem Gesinde Kur und Verpflegung gewähren, und zwar die ganze Dienstzeit hindurch. Auch gibt eine solche Krankheit, selbst wenn sie zur völligen Dienstunfähigkeit des Dienstboten führt, dem Dienstherrn kein Recht, den Dienstboten zu entlassen. Dies ist eine für den Dienstboten zwar sehr günstige, für den Dienstherrn unter Umständen aber sehr harte Bestimmung. Man denke an folgenden Fall: Ein Dienstmädchen ist für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1902 gemietet. Am 5. März 1902 erhält sie den Auftrag, einen Gang zu besorgen. Sie erfüllt diesen Auftrag, kommt dabei zufällig auf der Straße zu Fall und bricht ein Bein. Dann muß sie in ein Krankenhaus gebracht werden, und nach wochenlanger Behandlung stellt sich die Notwendigkeit heraus, das Bein zu amputieren. Wieder nach Wochen ist sie geheilt, kann aber natürlich ihren Dienst gar nicht mehr oder nur ganz unvollkommen verrichten. In solchem Falle muß der Dienstherr alle die großen Kosten tragen, und nicht nur das: Er darf ihr für den auf die Zeit der Krankheit fallenden Lohn nicht abziehen, muß diesen Lohn vielmehr neben den Kosten für die Behandlung der Kranken voll auszahlen.
Und weiter:
Wenn die Kranke etwa im August 1902 gesund geworden ist, aber ihren Dienst nicht weiter verrichten kann, so muß doch der DienstHerr den Lohn noch für die ganze übrige Dienstzeit auszahlen!
Ohne Frage, wird eingewendet, muß der Dienstherr den durch den Dienst oder bei Gelegenheit des Dienstes erkrankten Dienstboten während der ganzen Dauer der Krankheit( sofern nicht die Krankheit über die Dienstzeit etwa hinaus dauert) auf seine( des Dienstherrn) Kosten behandeln lassen, auch wenn die Krankheit noch so langwierig und kostspielig ist. Dagegen braucht der Dienstherr weder für die Zeit der Krankheit noch späterhin bei Genesung im Falle der Dienstunfähigkeit den Lohn zu bezahlen, da der Dienstvote vorzuleisten habe und im Falle unverschuldeter Unmöglichkeit der Leistung nach allgemeinen Grundsäßen der Anspruch auf die Gegenleistung( Lohn) verloren gehe. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob diese mildere Auffassung nach Lage der geseßlichen Bestimmungen haltbar ist. Für diesen Dienstherrn ist es im eigenen Interesse daher dringend geboten, da, wo es Krankenabonnements für Dienstboten giebt, diese Einrichtung zu benutzen.
( Fortsetzung folgt.))
Nr. 78.
Samstag, den 9. April.
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
29Q
Gießener Neueste Nachrichten.
Sad and Berlag bar Stefaner Berlagdbruderet, vorm. Buh. Reller'sche Buchbruderet( gegs. 1789); setested:[ bin lots
( 7. Fortsetzung.)
5.
Gewissensqualen.
Kriminal Roman von Robert Buchanan.
Ich hatte Fräulein Craig feierlichst versprechen müssen, für die nächſtfolgenden Wochen meine ganze Zeit und Tatfraft aufzubieten, um die Unschuld Michael Treenan's an den Tag zu bringen, und ich hegte den Wunsch, der schönen, unglücklichen jungen Dame helfen zu können. So kam es, daß ich mich aus einem gesezten praktischen Arzte in einen eifrigen Detektive aus Liebhaberei verwandelte. Zwar stiegen auch mir Zweifel auf und ganz besonders fürchtete ich, daß Fräulein Craig sich doch wohl zu sehr durch ihr Gefühl habe leiten lassen, als sie so fest auf die Unschuld ihres Geliebten vertraute. Aber anderseits mußte ich wieder an die merkwürdige Art denken, wie ich in die Sache hineingezogen worden war, und ob ich nun weise oder töricht gehandelt hatte durch meine Hierherkunft- einerlei, ich war jetzt mitten drin in einem recht seltsamen Abenteuer, und ich war entschlossen, es zu Ende zu führen, mochte kommen, was da wolle.
Briefe, die mir inzwischen von meinem Stellvertreter in London zugegangen waren, versicherten mir, daß es in der großen Stadt ganz gut auch ohne mich ginge, und daß ich mich mit der Rückkehr durchaus nicht beeilen brauchte. So konnte ich mich denn ganz meiner Aufgabe widmen, und bald war ich mit meiner neuen Umgebung so vertraut, als hätte ich mein ganzes Leben in Irland verbracht. Jeden im Dorfe kannte ich, und überall wurde ich freundlich aufgenommen. Mein Ruf als Arzt hatte sich weit verbreitet und ich wurde überallhin gerufen, um die Kranken zu heilen. Hütte für Hütte besuchte ich und ich tat mein bestes, um Gebrechen zu kurieren, von denen drei Viertel auf die beſtändige Abneigung gegen den Gebrauch von Wasser und Seife zurückzuführen waren. Aber auch in anderer Beziehung war ich nicht müßig. Wohin ich kam, suchte ich nach dem Schlüssel, mit dem ich das in der Mordsache obwaltende Geheimnis lösen könnte.
Es war eine recht sonderbare Aufgabe, die ich mir selbst geſtellt hatte, und je mehr ich darüber nachdachte, desto hoffnungsloser erschien mir ihre Lösung. Die ersten Tage hatte ich damit verbracht, den Schauplatz des Mordes eingehend zu studieren und bei all denen, die damit in irgend welcher Beziehung gestanden hatten, eifrigst Erfundigungen einzuziehen. Ich hatte bald herausgefunden, daß die Geschichte, so weit sie mir das Fräulein erzählt hatte, in der Hauptsache wahr war. Indessen glaubte man allgemein, daß ihr Geliebter die Tat begangen habe. Soweit meine Ermittelungen gingen, gab es nur eine Familie, die in offener Feindschaft zu dem Ermordeten stand: die Creenans! Er war ein wohlwollender Gutsherr gewesen, ein nachsichtiger, menschenfreundlicher Mann, der in allen Kreisen sehr beliebt war; es lag nicht der mindeste Grund zu der Annahme vor, daß er etwa unter dem gewöhnlichen Volke Feinde gehabt habe.
Der Gedanke brach sich immer mehr Bahn bei mir, daß die Polizei recht und Fräulein Craig unrecht habe. Eine Begegnung mit Fräulein Craig war daher gegenwärtig höchst peinlich für mich, da ich doch bei der immer geringer
(( Nachdruck verboten.))
werdenden Hoffnung ihren eifrig fragenden Mienen keine befriedigende Antwort zu geben vermochte.
Eines Tages, ungefähr 14 Tage nach meiner Ankunft, hatte ich mit ihr zusammen gefrühstückt und gleich nach dem Essen eine Entschuldigung vorgebracht, nur um rasch fortzukommen. Sie war an jenem Vormittag sehr still gewesen, und als ich mich zum Abschiede erhob, sah ich, daß ihre Augen voller Tränen standen. Sie sagte zwar nichts, aber in ihren Mienen sprach sich Enttäuschung und wohl auch ein stummer Vorwurf aus. Ich eilte nach meiner Wohnung, wo ich einige alte Zeitungen vornahm, um die darin enthaltenen Berichte über den Mord, den Tatbestand an Ort und Stelle, die Totenschau und so weiter nochmals eifrig durchzustudieren. Vielleicht könnte ich doch durch irgend einen Zufall die so eifrigst gesuchte Aufklärung finden.
Ich mochte wohl gegen eine Stunde gelesen haben, als an die Tür geklopft wurde; gleich darauf öffnete sie sich und meine Wirtin meldete:
,, Seine Hochwürden Pater Johannes."
Von meinen Zeitungen aufblickend, sah ich in der Tat den Ortspfarrer von Mylrea vor mir stehen.
Pater Johannes, der schon länger als zwanzig Jahre in Mylrea weilte, war ein kleiner, dicker Herr, dessen Anzüge ihm gewöhnlich zu groß waren.
Er trug einen ungeheuer großen Filzhut, unter dem sein Kopf vollständig verschwand. Hatte er aber den Hut abgelegt, dann sah man, daß sein durch Wind und Wetter abgehärtetes Gesicht schön geformte Züge und durchdringende kohlschwarze Augen aufwies.
Seine kleine, dicke Hand mir entgegenstreckend und mit einem freundlichen Lächeln, das ich ebenso herzlich erwiderte, kam er auf mich zu. Er kann mir jedenfalls mehr sagen, als in den Zeitungen steht, dachte ich bei mir und beschloß, ihn auszufragen.
Ich freue mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen," begrüßte ich ihn und erwiderte seinen Händedruck kräftig.
Der Pfarrer neigte den Kopf zur Seite und schloß ein Auge, während er mich mit dem andern ganz genau von Kopf bis zu Fuß betrachtete. Sie sind ja noch der reine Milchbart", meinte er nachdenklich, und haben es in den paar Tagen doch schon fertig gebracht, den alten Mulligan hinauszudrängen, wie er mir klagte."
Lachend erwiderte ich ihm, daß ich das ansehnliche Alter von 30 Jahren bereits überschritten hätte. Doktor Mulligan ist wohl sehr böse auf mich, weil ich einige seiner Patienten besucht habe?"
Dagegen hat er ganz gewiß nichts, aber daß Sie sie geheilt haben!" meinte Pfarrer Johannes und lachte dabei. Aber Sie brauchen sich nicht um ihn zu kümmern; er ist ein schlechter Mensch und hat es schon längst verdient. Er ist immer betrunken, und es gibt niemanden im ganzen Dorfe, der sagen könnte, daß er jemals von ihm geheilt worden sei. Da liegt nun mein Kaplan, der liebe, gute Mann, am Fieber nieder, und ich gäbe viel darum, wenn ein Doktor da wäre, der ihm helfen könnte. Ich hab' gedacht," setzte er nach einer
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