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-Ausschusses

1.

gebäude Neu­nachmittags

elten Stude

er nicht um­

nffurt a. M. 1 Gießen.

en.

der entgegengesetzten Ecke saß, und unter den Augen so vieler würdevoller Damen war es für mich ganz unmöglich, den einen Fuß im Stiefel, den andern in einem blauseidenen Strumpfe, quer durch das Zimmer zu gehen. Ich stand wahre Tantalusqualen aus, denn Kittie saß in der Nähe des Pianos auf einem kleinen Sopha, das Platz genug für zwei gehabt hätte.

Ich blieb an der Tür stehen meinen rechten Fuß konnte ich hinter einer Stehlampe verstecken und ver­brachte schreckliche zehn Minuten. Ich ließ kein Auge von Kittie, neben die sich jetzt Heseltine gesetzt hatte.

Dann wurde der Lee debracht und hinter dem Diener, der das Gebäck trug, trottete Fido einher. Jido war Kitti's kleines Hündchen, dessen Ohren länger als sein Verstand waren. Dieses abscheuliche Tier trug meinen Stiefel in seinem Maule und mochte sich wohl einbilden, daß es eine Ratte gefangen habe. Ich sprang rasch vorwärts, um Fido zu fassen. Dabei glitt ich aber aus, und um nicht zu stürzen, hielt ich mich am nächsten Gegenstande, den ich fassen konnte, fest. Die Folge war, daß der Diener mit dem Tee, der vor mir ging, der Länge nach zu Boden fiel.

In meinem ganzen Leben habe ich keinen so wütenden Menschen gesehen, wie es der alte Herr Marshmaunt jetzt

war.

Solche Sachen mögen vielleicht in einer Mannschafts­stube sehr wißig sein," donnerte er, aber hol' mich der Teufel, in meinem Salon dulde ich sie nicht."

Und er hat sogar einen von seinen Stiefeln ausge= zogen," mischte sich Tom ein. Sag' mal alter Junge, was ist denn mit dir los? Hast du einen Sonnenstich bekommen, oder was ist dir denn sonst zugestoßen?"

Ach was Sonnenstich," brüllte sein Vater, der Wein ist es, der Kerl ist betrunken. Ja, betrunken sind Sie, und wenn nicht Ihr Vater einer meiner besten Freunde wäre, fo

Ich weiß nicht, was der alte Herr Marshmaunt getan haben würde, wenn mein Alter nicht einer seiner besten Freunde gewesen wäre, denn in demselben Augenblick fam Fido, der noch immer meinen Stiefel triumphierend herum frug, in mein Bereich, und mit dem Fuße, auf dem ich den Stiefel hatte, versetzte ich ihm einen ordentlichen Stoß. Fido ließ den Stiefel fallen und wie ein Fußball flog er durch's Zimmer. Grade vor Kittie's Füßen fam er zu Boden. Ich ergriff meinen Stiefel, nahm mir aber nicht die Mühe ihn anzuziehen, sondern verließ in größter Eile, ohne mich von Jemand zu verabschieden, das Haus.

Ich verbrachte fast die ganze Nacht damit, einen Brief an Kittie zu schreiben, in dem ich ihr eine Erklärung meines Be­nehmens geben wollte. Ich kam aber damit nicht zum Ziel, und nachdem ich vielleicht gegen zwanzig Mal angefangen hatte, gab ich es auf und schickte gegen sieben Uhr des nächsten Morgens meinen Burschen mit ein paar Zeilen zu ihr, in denen ich sie bat, mich auf zwei Minuten zu empfangen, da­mit ich mich vor meiner auf zehn Uhr festgesetzten Abreise nach Gibraltar ihr gegenüber rechtfertigen könnte.

Mein eigener Bursche brachte mir ihre Antwort. ,, Geehrter Herr Henderson," schrieb sie.( Wir waren zu­sammen aufgewachsen und sie hatte mich bisher immer ,, Jack" genannt.) Jemand, der sich so weit vergessen kann wie Sie gestern Abend, und der es über sich zu gewinnen vermag, ein armes, unschuldiges Tier, das ihm doch gar nichts getan hat, so zu maltraitieren, wie Sie gestern meinen armen Fido, fann auch nicht im Stande sein, mir noch eine Er­flärung abzugeben, welche anzuhören sich der Mühe ver= lohnte. Ich selbst verlasse noch heute Vormitag die Stadt, um meine Freundin Gladys Heseltine auf vierzehn Tage zu besuchen. Ich hätte daher auch kaum noch die Zeit, Sie zu empfangen, und außerdem hat Papa auch erklärt, daß er Ihre Anwesenheit in seinem Hause nicht mehr duldet. Sie haben ihn so sehr beleidigt."

Sie sehen also," schloß der Major, wäre ich nicht so eitel auf meine kleinen Füße gewesen, und hätte ich meine Stiefel auch nur eine einzige Nummer größer gewählt, so würde ich jetzt wohl schon seit lange ein glücklicher Ehemann sein."

Bei diesen Worten betrachtete der Major seine blank­geputzten Stiefel und lachte in seinen Bart. Mir wollte es scheinen, als ob er dabei gar nicht traurig aussah.

WITZ

CND

HUMOR

Die Garantie. Stehen Sie auch dafür ein, daß diese Gier gut und frisch sind?" Händlerin: Ei, ganz gewiß, und wenn sich eines darunter fände, das schlecht wäre, so nehme ich es ohne Widerrede zurück, vorausgesetzt, daß es nicht zerschlagen worden ist."

Junger Ehemann: Wie Verdächtige Schmeichelei. reizend Du in diesem Kleide aussiehst, mein Schatz! Es steht Dir wirklich vorzüglich gut." Junge Frau: Ach ja, das fenn' ich ja schon. Allemal, wenn die Saison anfängt, entdeckſt Du. daß mir meine alten Kleider am besten stehen."

*

Man muß es verstehen.

Schlaumeier( eintretend): Ist das das Geschäft des Herrn Blum?" ,, Nein, das ist neberan." Schlaumeier geht hinaus, läßt aber die Ladentür offen. ,, Wollen Sie nicht wenigstens die Tür zumachen?" ruft ihm der Inhaber nach; haben Sie denn zuhause gar keine Türen?" ,,, gewiß, mein Herr, die schließen aber von selbst, denn sie sind alle mit dem mir patentierten Doppelfeder- Hemmungsschließer versehen, den ich mir bei dieser Gelegenheit gestatte, Ihnen in natura vorzulegen. Kein Geräusch beim Schließen die Tür legt sich damit ganz sanft ins Schloß! Wenn Sie einen solchen an Ihrer Ladentür anbringen, werden Sie sich nimmermehr wieder beschweren, daß jemand die Tür aufließ. Ich übernehme für meinen Türschließer Garantie auf Lebenszeit!"

Vielleicht. Nervöse Dame im Dampfwagenkoupee: D, hier ist für mich kein Platz mehr frei; ich kann unmöglich rückwärts fahren!" Ein Reisender: Sprechen Sie doch mit dem Lokomotivenführer, vielleicht läßt er Ihnen zu Gefallen den Zug umdrehen."

Seltsamer Wunsch. Onkel( zum kleinen Emil): Du bist ein gutes Kind, Emilchen! Wenn ich tot bin, sollst Du auch etwas schönes zum Andenken an mich haben. Was hättest Du denn am liebsten?" Emil: Deinen Kopf!" Onkel: Meinen Kopf? Warum denn?" Emil: Die Mama sagt immer, Du hättest große Rosinen im Kopfe!"

Zauberei. Kellner: Wie belieben Sie die Eier, hart oder weich?" Gast: Ja nit zu hart. Drei Minuten in kochendem Wasser, das wird genügen." Kellner: Schön, in eine halben Minute werden Sie sie haben."

"

Ein kleines Mißverständnis.

Eine alte Bauersfrau in einem kleinen Gebirgsdorf hatte in ihrem Leben noch keine Eisenbahn gesehen. Endlich entschloß sie sich einmal, entfernte Verwandte zu besuchen und nach deren Wohnort mit der Bahn zu fahren. Glücklich auf der Station und im Coupee angelangt, freute sie sich unbändig darüber, wie schnell der Zug vorwärts ging. Dieser war aber noch nicht weit gelangt, als ein Zusammenstoß erfolgte. Beim Absuchen der Wagen fand man die Bäuerin in einer Ecke des Coupees mit Gepäckstücken völlig überdeckt liegen. Sobald sie des Schaffners ansichtig wurde, fragte die brave Frau ganz erstaunt:" Segen Sie mal, wird denn hier immer so schnell angehalten?"

Die Hilfe. Hast Du die Fensterscheibe zerschlagen, Junge?" ,, Nein, ich habe nur dabei geholfen."" Geholfen? Wieso?" Es war ein Schneeball, der sie entzwei schlug, und ich hatte nur den Schneeball geworfen."

Wink mit dem Zaunpfahl. A.: Ich bin Dir doch keine hundert Mark schuldig, lieber Freund?" B.: Nein, gewiß nicht." A.: Aber, ich wäre ſie Dir gern einmal schuldig!"

*

Die Feuerprobe.

Er lag vor seiner angebeteten Else auf den Knieen und rie mit vor Leidenschaft zitternder Stimme: Nichts soll und mehr scheiden, mein süßes Herz! Für Dich würd' ich den Löwen bis ir seine Höhle verfolgen, würde dem Tod auf dem Schlachtfeld ruhig entgegensehen! Alle Not, alles Leid und Elend würd' ick Freudig um Deinetwillen tragen!" Er schwieg und blickte ihr, di ganze Seele auf den Lippen, in die schönen Augen.- ,, Das thätest Du alles aus Liebe zu mir?" sagte sie und sah ihn glück felig an. ,, Alles, Alles, und noch tause dmal mehr!" ,, Und wenn wir erst verheiratet sind", flötete sie ,,, stehst Du auck des Morgens zuerst auf und machst Feuer an?"

Nr. 31.

Dienstag, den 9. Februar

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Cägliche Unterhaltungs- Beilage

068

Gießener Neueste Nachrichten.

Bund mich Bering ber Stabener Berlagsbendersi, vorm Wilh. Reller'sche Bucheruderst( gegs. 1783);

( 28. Fortsetzung.)

Der Beuge.

Roman von Marie Bernhard.

Hilda, in einem eleganten Morgenkleide von tiefrotem Plüsch, dessen lange Schleppe den halben Fußboden des klei­nen, foketten Gemaches bedeckte, hielt in ihren Händen ein entzückendes Frühlingsbouquett, ganz weiß, nur aus Schnee­glöckchen, Maiblumen und weißem Flieder lose zusammen­gestellt, wie von Genien des Lenzes selber herbeigezaubert. Sie sah mit einem gerührten Lächeln darauf nieder, die Blumen waren ein Geschenk ihres Mannes und ihr soeben nebst einem kleinen Billett von ihm durch einen Boten über­bracht worden.

" Soeben, liebes Herz, wird mir eine unerwartete Freude zuteil: mein lieber alter Henrichs taucht plötzlich hier auf, nimmt im Kaiſerhof einen längeren Aufenthalt, ist durch nichts zu bewegen, bei uns Quartier zu nehmen er würde uns genieren, behauptet er! ebensowenig, heute ein impro­viſiertes Mittagsmahl zu Dreien bei uns einzunehmen. Da gegen besteht er darauf, daß ich mit ihm im Kaiserhof diniere, und da ich eine große Freude über seine Ankunft habe und wir hundert Dinge besprechen wollen, so nehme ich an und bitte Dich, mich für heute mittag gütigst entschuldigen zu wollen; ich fahre gleich nach der Börse mit Hendrichs zum Kaiserhof, gedenke, etwa um sieben Uhr bei Dir zu sein; bist Du heute abend daheim? Ich küſſe Deine Hand und spare mir meine große Neuigkeit für unser Alleinsein auf. Ich schreibe dies in aller Eile im Geschäft, der Kassenbote soll es besorgen; ein paar Blumen lasse ich Dir mit hinaus schicken. Uebrigens.... es sind Briefe aus Japan da, wir können sie heut abend zuſammen lesen! Ich drücke Dich an mein Herz! Dein Hellmut!"

Hendrichs will übermorgen mit uns speisen, bitte, richte Dich ein! Kein weiterer Gast!"

Sehr nachdenklich und ernst ist der Blick, den Hilda auf die jenseits ihres Fensters liegende Schneelandschaft heftet. Hendrichs! Sie freut sich seiner, sie hat ihn gern gehabt und in seinem gastlichen Hause in Hamburg viele frohe Stunden verlebt, überdies weiß sie, er ist Hellmuts Freund, das allein würde genügen, ihr sein Erscheinen angenehm zu machen. Trotzdem Hamburg und Berlin so nahe beisammen lagen, hatte sich doch ein Wiedersehen bisher absolut nicht ermöglichen lassen, Hellmut hatte vollauf mit der Einrich tung seines Geschäftes zu tun, und Hendrichs, der sich zwei­mal schon angemeldet hatte, war zuerst durch Erkrankung seiner Frau, sodann durch vermehrte Arbeitslaſt an dem projektierten Besuch verhindert worden.

Welches mochte die große Neuigkeit sein? Hilda seufzte ein wenig, man hörte so selten etwas wirklich gutes.... aber hoffentlich würde dies etwas günstiges sein, Hellmut schrieb ja so heiter. Nun aber, Briefe aus Japan! Es waren bisher noch nicht viele eingetroffen, und das war ganz natürlich, da die Briefe sieben bis acht Wochen unter­wegs waren. Norden ſenior schrieb ausschließlich an seinen Sohn, sehr ausführlich und detailliert über alles, was die Firma" anging, jede neue Geschäftsverbindung, jede kleinste Aenderung, alles wurde treulich berichtet, sodann kamen die gemeinsamen Bekannten an die Reihe, die Neuigkeiten, die ſich etwa in Yokohama oder Tokio zugetragen hatten, einige

( Nachdruck verboten.)

Anfragen und Ratschläge bezüglich Hellmuts geschäftlicher Angelegenheiten, schließlich eine sehr oberflächliche, furze Ant­wort auf des Sohnes dringende und besorgte Fragen in Be­treff der väterlichen Gesundheit. Jedesmal hieß es, er sei wohl, es gehe ihm gut, und am Ende des Briefes fand sich ,, ein Gruß für Deine Frau" vor, das war alles.

Es ließ sich gegen diese so ausführlich und sachlich ab­gefaßten Schriftstücke im Grunde nichts einwenden; als Ge­schäftsmann konnte Hellmut immer manches aus ihnen ler­nen und für sich gebrauchen, und die meisten Menschen wären ſehr zufrieden damit gewesen; was sollte eine Korrespondenz zwischen Männern denn anderes sein, als die klare Dar­legung positiver Tatsachen? Aber Hilda wußte genau, daß ihr Mann jedesmal betrübt und enttäuscht war, wenn er einen solchen Brief gelesen hatte, obgleich er über seinen Vater nie mehr zu ihr sprach. Einmal, als sie ihm geholfen hatte, alte Papiere zu ordnen, war ihm ein kleines Paket in die Hände gefallen, das die Briefe enthielt, welche ihm sein Vater während des Jahres geschrieben hatte, als er zu ſeiner Erholung in Europa war. Aufs Geratewohl hatte Hellmut einen Brief herausgezogen und ihn seiner Frau gegeben; sie las ihn, ja, freilich, das war ein anderer Ton, liebevoll, zärtlich, besorgt, eingehend, ungezwungen... überall blickte dem Leser aus diesen Zeilen der Vater ent­gegen, dessen ganzes Glück, dessen einzige Sorge dieser Sohn bildete. Hundert persönliche Dinge, Erinnerungen, Fragen, harmlose Scherze, Anspielungen kamen in diesem Schrift­stück ans Tageslicht, während jetzt alles persönliche streng vermieden war und absichtlich allgemeine Dinge ausführlich besprochen wurden... wie hatte der Mann sich im Ver­lauf eines knappen Jahres geändert! Hilda gab Hellmut den Brief zurück, ohne ein Wort darüber zu sagen, aber er wußte, daß sie ihn verstanden hatte.

Briefe aus Japan! Sie konnte sich ihrer nicht freuen, jedesmal hatte sie eine dumpfe, unerklärliche Angst, wenn sie sie las, und immer hatte sie wie erlöst aufgeatmet, wenn die Lektüre beendet war, ohne ihre schwere Ahnung irgend­wie zu bestätigen. Sollte jene erschütternde Szene in Yoko­hama wirklich fein Nachspiel mehr haben? Wie ein greller Blizz oft für Sekunden die nachtschwarzen Wolken zerreißt, so war die Erkenntnis plößlich niedergefahren, die schwar­zen, drohenden Wolfen aber waren an ihrem und Hellmuts Himmel hängen geblieben.

Wieder sah sich die junge Frau als Kind, die kleine, neunjährige Hilda Ermshagen von damals, die es liebte, die Einsamkeit aufzusuchen und auf steilen, unwegsamen Pfaden herumzuklettern, wo vielleicht noch nie ein Mensch gegangen war", die einen eigenen Reiz darin fand, die tiefe Waldesstille mit ihrem heimlichen Wipfelrauschen von keiner Menschenstimme unterbrochen zu wissen, wie sie an jenem einen, unvergeßlichen Morgen, nach einem hastig genomme­nen Imbiß, waldeinwärts gewandert war. Im Hauſe ihres Dheims war man diese Seltsamkeit" gewohnt, der Onkel bekümmerte sich nicht viel um die Kleine, deren Erziehung er ausschließlich seiner Frau überließ. Diese war eine sehr bequeme Dame, sie liebte es, lange zu schlafen und war

abgegebenen

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