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9.1.1904 Erstes Blatt
 
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aber noch besser. Seine Tochter Alice, eine emanzipierte Stu dentin, wird von einer Bergtour ohnmächtig zurück­gebracht, alles versammelt sich um die Bewußtlose, und er vergißt seinen Schwindel, sein Kostüm und steigt im Hemde langsam die Leiter herunter, zum maßlosen Staunen seiner Reisebegleiter. Schrecklich! Früher wagte man auf der Bühne kaum einen Rock auszuziehen, später gestattete man sich zum Schricken aller Pensionsmütter höchstens mal die Beste wegzulassen, jegt braucht man schon fei ne Beinkleider mehr und nächstens- Nachbarin, Euer Fläschchen! Der dritte Aft ist der schlechteste. Der wirkliche Hochtourist heiratet die Lore, die Tochter des ver­meintlichen Bergsteigers und Alice- es verlohnt sich gar nicht auf den wirklich lächerlichen und recht täppisch gelösten Liebeskonflikt näher einzugehen- friegt, oder vielleicht nimmt sich auch einen Mann. Das ist so ziemlich der In­halt des Schwantes, an dem die alten, längst bewährten Bossenfiguren und Wize noch das Beste sind. Gespielt wurde gestern Abend recht flott. Zum Schluß hatten es alle sehr eilig, man überhastete sich sogar, unser guter, alter Vorhang schien die Zeit nicht abwarten zu fönnen, bts er auf die vielen Sünden des Schwantes den Schleier der Vergessenheit breiten konnte. H. H.

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer.

Gießen, 8. Januar 1904.

Die Erdarbeiter Berthold Lehmann und Karl Brose zu Grebenhain haben sich auf Grund gefälsch­ter Lohnzettel eine kleine Geldsumme auszahlen lassen, womit sie sich heimlich entfernten. Lehmann erhält 5 Monate Gefängnis während Brose mit 2 Monaten davonkommt. Wegeu eines an einem schulpflichtigen Kinde begangenen Sittlichkeitsverbrechen bekommt der wegen ähnlicher Verbrechen bereits vorbestrafte Johs. Hebe­ling von Rastadt unter Einbeziehung früher erkannter Strafen eine Gesamtstrafe von 4 Jahren und 4 Monaten Zuchthaus. Der noch jugendliche Wilhelm Günther bon Rohrbach wurde vom Büdinger Schöffengericht wegen Beschädigung von Obstbäumen zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Auf seine Berufung wird die Strafe auf 6 Monate ermäßigt. Zum Schlusse wird die Berufung des Architekten Schimmelpfeng von Schliß, welcher durch das dortige Schöffengericht wegen Tierquäleret eine Geldstrafe von 10 Mt. erhielt, bermorfen.

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Oeffentlicher Sprechsaal.

Das in Nr. 2 unseres Blattes veröffentlichte Einge sandt betr. den Bau einer Bahn von Gießen nach Usingen hat verschiedenen Weßlarer Herrn nicht gefallen. Es steht in Nr. 4 d. Wezl. Anzeiger" Folgendes:

Gegen die Ausführungen des Gießenec Blattes ist u. a. folgendes einzuwenden:

1. Ist es nicht wahr, daß die inbetracht kommenden Ortschaften insgesamt näher bei Gießen und Buzbach als bei Weglar gelegen sind. Ein einziger Blick auf die Starte zeigt, wie oberfaul es mit dieser Behauptung bestellt ist.

2. Ebenso falsch ist die Behauptung, daß der Verkehr, den diese Orte mit ihrer Kreisstadt unterhalten, ganz unbe­deutend sei. Beweis: 1. Wo bringen die meisten Hütten­berger Bauern ihre Butter, ihre Eier, ihre Käse, ihre Kar­toffeln, Gemüse usw. hin? Nach Wezlar! Warum? Weil sie ganz genau wissen, daß sie alle diese Dinge in Wezlar besser bezahlt bekommen als in Gießen und erst recht in Butzbach. 2. Wo befinden sich alle die Behörden, mit welchen die Bewohner des Hüttenbergs alltäglich zu tun haben, das Landratsamt, das Amtsgericht, das Bezirkskommando, die Kreissparkasse usw. Alle miteinander in Wetzlar!

Was haben dem die Gießener entgegenzustellen? Ihre Kliniken. Jawohl, die Kliniken sind eine große Wohltat für die ganze Umgegend. Aber erst sorgt man für die g

Zur Saison bringe mein großes Lager von

6. Jan. Bahnarbeiter Jakob Keiner dahier mit Chriftiane Schäfer in Wieseck.

sunden Tage, für die Ansprüche des alltäglichen Lebens und| dahier. hier zeigen alle Wegweiser nach Wetzlar, nicht nach Gießen.

3. Wenn man dem Gießener Projekt in Weßlar Wider­stand entgegenseßt, so hat man dazu allen Grund, weil da­durch Pläne bedr ht werden, welche zur Erzielung einer Bahnverbindung zwischen den Hüttenbergorten und ihrer Kreisstadt Wetzlar eingeleitet sind.

Es wird uns nun aus dem Kleebachtal daraufhin nachstehende Erwiderung mit der Bitte um Abdruck übersandt:

Im Schlußsak obigen Artikels befürchtet man also von Seiten der Weglarer Gegner, durch die Verwirklichung des Gießen Usinger Projekts die Durchfreuzung von Plänen, welche zur Erzielung einer Bahnverbindung zwischen dem Hüttenberg und ihrer Kreisstadt Wetzlar eingeleitet sind.

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Ja diese Pläne! Fürwahr ein schlechter Trost für die Bewohner des Hüttenbergs, die, da das Wezbachtal­bahnprojekt feine Aussicht auf Verwirklichung hat, an dem des Solmsbachtals gar kein Interesse haben.- Der Ver­fasser will uns nun zuerst geographisch schulen, indem er uns auf die Karte verweißt, die zeige wie oberfaul" unsere Be­hauptung set, die in Frage kommenden Ortschaften seien näher bei Gießen und Butzbach als bei Wezlar gelegen. Wenn nun aber unser Projekt, wie man allgemein annimmt, über Lüzellinden, Hörnsheim, Hochelheim, Dornholzhausen, Nieder kleen und Ebers gönz zur Ausführung kommen sollte, dann ist die Behauptung do richtig. Auch die näher bei Wezlar gelegenen Orte des Hüttenbergs werden eine Bahnverbindung mit Gießen wünschen, da sie Weglar ohnedies bequem erreichen können. Unrichtig ist es ebenfalls, daß die Bewohner der benannten Ortschaften ihre landwirtschaftlichen Produkte meistens nach Weglar zum Verkaufe bringen. Uns, den Bewohnern des Kleebachtals ist eine solche Behauptung ganz unverständlich. Wenn auch manche Produkte( z. B. Butter) in Wezlar besser bezahlt werden, so ist es bei andern grade das Gegenteil, auch wird eine etwaige Mehreinnahme durch den größeren Zeitverlust wieder eingebüßt. Auch durch die Gießener größeren Viehmärkte ist der Verkehr gegenüber Weglar ge­steigert. Was nun alles die Behörden anbelangt, die da aufgezählt werden, und die in Wetzlar als einer Kreisstadt ihren Sitz haben, mit denen man im alltäglichen und Ge­schäftsleben wenig in Berührung kommt, so ist doch das fein Grund, einem Projekt entgegen zu arbeiten, das vielen zum Vorteil gereichen würde.

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Mehrere Einwohner des Kleebachtals. Anmerk. der Redaktion. Sollten sich keine wesentlichen Geländeschwierigkeiten der hier von verschiedenen Bewohnern des Kleebachtals gern gewünschten Bahnlinie Gießen- Usingen entgegenstellen, auch finanzielle Unterstüßungen seitens der Gemeinden, wie ein genügender Verkehr sicher sein, so müssen wir unsere Einsender in Schuh nehmen und können wahr haftig das oberfaule" der Weglarer Herren für sehr vor eilig bezeichnen. Der erste Blick auf die Karte zeigt doch einem jeden Menschen, daß mit der angestrebten Linie ein ganzer Bezirk, welcher bisher seine Frachten nur per Achse bis zu einer weit entlegenen Station bringen mußte, an den Bahnverkehr angeschlossen würde. Was das letztere in unserer schnelllebigen Zeit bedeutet, kann allerdings nur der ermessen, der regen Anteil am Geschäftsleben hat. Es dürfen vor allen Dingen bei solchen Fragen keine Sonderinteressen in den Vordergrund gestellt werden; wenn ein ganzer Bezirk Nußen haben kann, dann müssen auch erwünschte Bequemlich­tetten einzelner( es sei nur der Verkehr mit der Kreis­Stadt erwähnt) ganz und gar außer Betracht kommen. Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Aufgebotene.

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Am 2 Jan. Küfer Karl Christ. Pfund mit Katharine Jakobine Ezelmüller beide hier selbst. Regierungsbau­meister Herm. Wilh. Karl Dannenberger hier mit Katharine Elisabetha Walter in Darmstadt. 4. Jan. Dachdecker Wilb. Ernst in Anspach mit Liſette Emilie Luise Hollond

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Am 2. Jan. Bureauvorsteher Karl Kieß mit Elsa Dr. Eduard Leonhard Waldeck in Rockenhausen mit Antonie Mathilde Fehl beide dahier. 6. Jan. praft. Arzt Wilhelmine Sophie Jughardt dahier.

Am 27. Dez. Johs. Glitsch. Adam Büttner.

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Geborene.

Eine Tochter d. Schuhmachermeister 3. Jan. Eine Tochter d. Eisendreher Karl, S. d. Dienstmanns Phil. Blum. Eine Tochter d. Flaschenbierhändler Heinr. Merz. 4. Jan. Wilhelm Wendelin Johann, S. d. Postschaffners Gg. Hassemer. Gestorbene.

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Um 1. Jan. Lina Geisel, T. d. Flaschenbierhändlers H. Fr. Geisel, 11 J. alt. 2. Jan. Elisabethe, T. d. Ta gelöhners Phil. Schlitz, 1 J. alt. Helene Kraag geb. Haustädt, 75 J. alt. 3. Jan. Amtsgerichtsdiener Hrch. Gimblein, 59 J. alt. 4. Jan. Karl, S. d. Schreiners Emil Hetrich, 1 J. alt. Ehefrau Marie Elisabethe Schmidt geb. Stadel, 60 J. alt. 5. Jan. Karl Walther, S. d. Kaufmanns Fr. Jung, 1 J. alt. Ferdinand Luckhardt, 77 J. alt. Gastwirt Fr. Schieß, 60 J. alt. Margarete Mathilde, - 8. Jan.

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6. Jan. Marie Fint, 62 J. alt. T. d. Schuhmachermeisters Hrch. Aff, 3 J. alt. Witwe Marie Seng geb. Harbach, 42 J. alt.

Wetterbericht.

( Wetterdienst zu Gießen: Peppler.) Verlauf der Witterung von Donnerstag bis Freitag.

Teiltiefs auf der Süd- und Südostseite des gestern im Westen aufgetauchten Haupttiefs sind ostwärts vorgedrungen und verursachen über unser Gebiet nordostwärts ziehend bei meist südlichem Winde leichte Schneefälle; auch steigt lang­sam die Temperatur an, ohne heute den Nullpunkt zu über­schreiten. Das HOCH ist geschwächt und weit nach Osten zurückgedrängt; daher voraussichtliche Witterung für

Samstag und Sonntag

meist trüb, milder und besonders im Westen Oberhessens Tauwetter, Niederschläge, zunächst noch Schnee, dann Regen.

Marktberichte.

Gießen, 9. Januar. Auf dem heutigen Wochenmartt fosteten Butter per Pfd. 075-0.90 Mt., Hühnereter 2 Stüd 16-20 Pfg., Enteneter St. 8 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Bfg., Linjen per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar Y. 0.80-1.00, Hühner per Stüd Mt. 1.30-1.40, Hahnen, per Stüd C.80-1.70, Enten per Stid 1.70-2.20, Gänje per Pfd. 65-72 fg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Bfg., Rindfleisch per Ptd. 62-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 fg. Schweine­fletsch gesalzen per Pfund 0.80 Bfg., Kalbfleisch per Pfd. 70-76 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Pfg., Kartoffeln pro 100 Kilo 5.50 6.00 mt., Zwiebeln per 3t. Mt. 4.50-5.00, Aepfel per Centner 16-20 Mt. Milch per Liter 18 Pfg. Dauer der Marktjeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit übeerhanp nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im Um­herziehen feilgeboten werden.

Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein für das Lokale, den ,, Gerichts." und Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann

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