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Präsident Graf Ballestrem mit einem Herzlichen Gruß an die Erschienenen eröffnete. Sodann gedachte er, während sich die Abgeordneten von ihren Pläben erhoben, des verstor benen Großherzogs Friedrich Wilhelm von Mecklenburg­Strelitz und übermittelte den Dank des regierenden Groß­herzogs Adolf Friedrich für die Kondolation, die der Präsi dent im Namen des Reichstags aus esprochen hat. Danach ging es an die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Bekämpfung der Reblaus, dessen erste füns Paragraphen ohne wesentliche Diskussion angenommen wur den. Hingegen knüpften sich an den§ 6, der die Bestim­mungen über die Entschädigungen für die durch behördliche Maßnahmen herbeigeführten Verluste enthält, längere Aus­einandersetzungen. Während der Regierung eigentlich schon die Beschlüsse der Komission zu weit gehen, beantragten Zen­trum und Freisinnige Volkspartei die Entschädigungspflicht noch darüber hinaus auszudehnen. Die Vorlage wurde mit geringfügigen Aenderungen in der in der Kommission be­schlossenen Fassung angenommen. Es folgte die zweite Be­ratung der Novelle zum Münzgeseß. Den Gegenstand der Diskussion bildete dabei ausschließlich die in der Kommission beantragte Ausprägung von Drei- Markstücken, die der Reichs­schatzsekretär Frhr. v. Stengel bekämpfte.

Preussischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

( 77. Sigung.) RK Berlin, 7. Juni. Eine in Beamtenkreisen seit Jahren, ja seit Jahrzehnten viel erörterte Frage beschäftigte in der heutigen ersten Siz­ung nach den Ferien das Abgeordnetenhaus. Auf der Tages­ordnung stand als erster Punkt ein Antrag Deser- Kopsch ( freis. Volksp.), der von der Regierung einen Gesetzentwurf wegen Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses der Beamten fordert. Dazu hatte Dr. Hi te vom Zen­trum einen Nebenantrag gestellt: die Regierung möge er­wägen, inwieweit eine Abstufung des Wohnungsgeldzuschusses je nach der Stärke der Familie der Beamten einzuführen sei. In der Debatte, in der sich Redner aller Parteien für die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses aussprachen, war das Bemerkenswerteste die Rede des Finanzministers v. Rhein­baben. Seiner Darlegungen Essenz war: Für die höheren und mittleren Beamten will die Regierung eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses nicht eintreten lassen. Wohl aber will sie die Wohnungsgeldzuschüsse der Unterbe­amten erhöhen, sobald die Finanzlage das gestattet. Von dem Antrag Hite will die Regierung nichts wissen. Wollte man ihn berücksichtigen, meinte der Minister, so hieße das ,, den automatischen Storch in die Naturgeschichte einführen". Der Antrag wurde schließlich der Budgetkommission über­wiesen. Dasselbe geschah mit einem Antrag Faltin( 3tr.) wegen Gleichstellung der Amtsgerichtssekretäre mit den gleichartigen Verwaltungsbeamten im Range und in der Besoldung.

Nah und Fern.

Große Postdiebstähle. Seit einiger Zeit ist eine ganze Anzahl von Geldbriefen geöffnet nach Norwegen gekommen, und zwar aus den Vereinigten Staaten. Bei den vorgenom menen Untersuchungen meint man sicher festgestellt zu haben, daß die Diebstähle in Amerika stattgefunden haben. Die nor= megische Regierung hat deshalb die amerikanische Regierung aufgefordert, die nötigen Schritte zu tun, um den Dieben auf die Spur zu kommen.

Ein Opfer des Spielteufels. Wegen Unterschlagung von 50 000 Mark wurde der 22jährige Kommis Rundstein von der Banffirma Calmann in Altona in dem Augenblicke ver­haftet, als er im Begriff war, sich zum Großen Preis von Hamburg" nach der Borsteler Rennbahn zu begeben. In seinem Besitz wurden noch über 3000 Mark Bargeld vor­gefunden. Das veruntreute Geld hat der junge Mann im Laufe der Zeit auf den Rennplägen und bei Buchmachern verwettet. Außerdem hat er sich in Hoppegarten drei Renn­pferde gekauft. Auf telegraphische Anordnung der Altonaer Polizei wurden die Tiere dort beschlagnahmt.

Kindesmißhandlung. Der wegen Kindesmißhandlung mit tödlichem Ausgange in Dresden verhaftete österreichische Graf Dr. juris Ressequier de Miremont ist, entgegen den ersten Meldungen, noch nicht aus der Untersuchungshaft ent­lassen worden, obwohl er sich zur Stellung einer Kaution in Höhe von 100 000 Mark bereit erklärt hat. Die gericht­liche Untersuchung gegen ihn nimmt seinen Fortgang, doch bermochten die bisherigen Recherchen der Staatsanwaltschaft den mysteriösen Fall nicht aufzuklären. Es steht indessen fest, daß der Tod des 4jährigen außerehelichen Töchterchen des Grafen nicht durch einen Sturz von der Treppe erfolgt, daß bielmehr eine körperliche Züchtigung seitens des Vaters der schweren Erkrankung des Kindes vorausgegangen ist.

Eine Spur zur Aufklärung des Charlottenburger Leichenfundes glaubt die Kriminalpolizei entdeckt zu haben. Sie weist nach Magdeburg. Dort war eine 24jährige Frau Toni Sch. als Büfettdame in einem Weinrestaurant tätig. Am 31. Mai d. I. wollte sie nach Berlin zum Besuch ihrer Mutter kommen; sie ist jedoch dort nicht eingetroffen und wird auch in Magdeburg vermißt.

Eine ganze Familie durch Gift geendet. In Hamburg vergiftete sich der wegen Falschmünzerei verhaftete Kunst­maler Buset mit Chankali. Zur selben Zeit machten seine Frau und seine Mutter gleichfalls ihrem Leben ein Ende, nachdem sie die Kinder vergiftet hatten.

Bei der Rettung ertrunken. Eine eigenartige Tragödie spielte sich bei Bremen ab. Als eine Familie sich am Weser­ufer vergnügte und barfuß im seichten Wasser herumlief, ge­riet die Frau in tieferes Wasser und versant. Bei dem Ver­such, sie zu retten, ertranten der Mann und Sohn. Die Frau dagegen wurde von hinzueilenden Personen gerettet.

Jugendlicher Selbstmörder. Passanten der von Köln­Ehrenfeld nach Bickendorf führenden Chaussee fanden einen 13jährigen Gymnasiasten, den Sohn eines Ehrenfelder Kauf­manns, mit tödlicher Schußwunde vor. Der jugendliche Selbstmörder wurde ins Hospital gebracht, wo er bald darauf starb. Was den Knaben in den Tod getrieben hat, ist bisher noch nicht festzustellen gewesen.

A Unwetter in Madrid. In Madrid ging ein furchtbares Hagelwetter nieder. Dabei fielen Schloßen von Taubeneier­größe, so daß viele Menschen verlegt wurden. Von dem Sturm wurden alte Bäume wie Streichhölzer zerknickt. Viele Stadtteile sind überschwemmt. Tausende von Vogelleichen liegen im Garten und Feld. Die Ernte ist vernichtet. Der Schaden beträgt Millionen.

Lebende Fackeln. Ein furchtbares Schauspiel bot sich Jestern den erschreckten Einwohnern des Dorfes Hohemculsch Sei Bismarck i. M. Infolge der Explosion einer Spiritus­flasche beim Feueranmachen hatten die Kleider der Frau des Karousselbesitzers Floff aus Bismarck und von dessen Find Fener gefangen. Die Munter, welche einer Feuersäule glich, rannte in ihrer Verzweiflung mit dem Kinde in den nahen Dorfteich. Beide trugen erhebliche Brandwunden davon. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt.

Mord in refigiösem Wahnsinn. Auf dem Fleischmarkt, einer sehr belebten Straße der inneren Stadt in Wien, tötete abends das 26jährige Dienstmädchen Elisabeth Straßner die junge Schneiderin Anna Wolac nach kurzem Wortwechsel durch einen Stich in die Brust. Man hält den Mord für eine Tat aus religiösem Wahnsinn, weil man bei der Mörderin Rosenkränze und Heiligenbilder fand.

+ Gine förmliche Schlacht zwischen Weißen und Negern fand in den Straßen von Philadelphia statt. Die Zahl der Kämpfer wird auf 300 angegeben. Der Kampf, in dem Revolver, Messer und Ziegelsteine auf beiden Seiten reichlich benutzt wurden, dauerte eine halbe Stunde. Fünf Per­sonen erlitten so schwere Verlekungen, daß sie ins Kranken­baus geschafft werden mußten. Gegen 20 weitere Personen wurden leichter verletzt, darunter mehrere Schußleute. Der Anlaß des Zusammenstoßes war die Beleidigung einer wei­Ben Frau durch einen Farbigen.

Große lleberschwemmungen haben im Staate Kansas, besonders in den südlichen Distrikten, wo die Flüsse seit 20 Jahren einen so hohen Wasserstand nicht gehabt haben, be­dentenden Schaden angerichtet. Brücken sind fortgeschwemmt, die Saaten vernichtet und die Deffelder verwüsttet worden. Einige Menschen sind ertrunken, viele haben sich nur mit fnapper Not gerettet. Im fiidwestlichen Teile des Staates ist, wie verlautet, der Eisenbahndienst unterbrochen. Im Indianer- Territorium und in Oklahoma sind die Flüsse aus Sen Ufern getreten, das Hochwasser hat dort auch auf vielen Farmen Schaden angerichte. Auch im südwestlichen Teile von Missouri find die Eisenbahnen beschädiat.

Lokales.

8. Juni 1904.

* Der Großherzog wohnte gestern Vormittag auf dem Truppen Uebungsplaße der Besichtigung des 2. Großh. Dragoner- Regiments( Leib- Dragoner- Regiments) Nr. 24 durch den Herrn Kommandierenden General bei.

X Das Möbelgeschäft. C. Werner in Gießen hat unterm 2. Juni den Konkurs angemeldet. Beim Revidieren der Bücher sind Unregelmäßigkeiten entdeckt worden, welche die Verhaftung des Geschäftsführers Kroneberg, der der Schwiegersohn der Inhaberin ist, notwendig machten. Es sind noch allerlei Gerüchte in der Stadt im Umlauf, inwiefern eins oder das andere wahr ist, wird die Untersuchung feststellen.

Eine Rheinfahrt unternahm am Sonntag die Vereinigung der Rhein- Main- Gau- Kreis vereine des Verbands Deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig. In Stärke von weit über 1000 Teilnehmern ging es auf dem prächtigen Rheindampfer Rheingold" zunächst nach Bingen. Vertreten waren die Vereine Frank­furt, Aschaffenburg, Gießen, Weglar, Wiesbaden, Öffen­bach, Kreuznach und Worms. Am Niederwalddenkmal hielt Herr Marquard- Lipzig die kraftvolle Festrede und Herr Direktor Bernhard schmückte das Denkmal mit einem Lorbeerkranz.

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Queckboru, 7. Juni. Die Gemeinde hat das vom Staat angetaufte Strebefoh'sche Gut für rund 3200 Mt. an die Ortsbürger verpachtet.

A Ettingshausen, 5. Juni. Die geplante Bahnstrecke Grünberg Lich beschäftigte hier eine Versammlung der Ortsbürger im Saale des Wirtes Ph. Keil. Die Ver­sammlung beschloß, die Geländekosten aufzubringen und sprach den dringenden Wunsch nach einer baldigen Bahnverbindung aus. Zwei Projekte sind vorgesehen, das eine führt nördlich, das andere südlich am Dorf vorbei; letzteres hat am meisten Anhänger, denn hier ist man den großen Wäldern und Basaltsteinbrüchen der Gemeinde am nächsten.

Ulrichstein. Die am leßten Samstag und Sonntag hier stattgefundene Geflügel Ausstellung, veranstaltet von der Sektion Ulrichstein des Vogelsberger Geflügelzucht­vereins, hatte einen sehr guten Verlauf bezüglich des Ge­botenen zu verzeichnen Bei der Eröffnung waren anwesend die Herren Geh. Reg.- Rat Schönfeld, Kreisrat Dr. Wallau und Freiherr v. Rie desel. Ausgestellt waren im ganzen 219 Nummern. Bei der Preisverteilung erhielt Herr Södler- Nieder- Gemünden für beste Gesamtausstellung.

+ Rendel i. d. Wetterau, 6. Juni. Der Kaiser hatte dem hiesigen Kriegerverein anläßlich seines 25 jährigen Bestehens eine Fahnenschleife mit Nagel verlichen, die gestern von dem Kreisrat Fey Friedberg überreicht wurde.

+ Weitershain. Zwei Schulklassen mit ihren Lehrern waren am Montag per Leiterwagen nach Marburg gefahren, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenschein zu nehmen.

Lorsch( Hessen), 5. Juni. Auf dem heute hier abgehaltenen Verbandstag der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften der Provinzen Starkenburg und Oberhessen wurde gegen das Scherl'sche Sparsystem enerisch Front gemacht und, wie die W. Volksztg." schreibt, dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß tein Vertreter der Staatsbehörde anwesend war, zumal Ge­nossenschaftsanwalt Crüger zahlenmäßig nachwies, daß die Kreditgenossenschaften seither neben den Gemeindesparkassen in friedlicher Zusammenarbeit mit diesen nur segenbringend gewirkt haben.

× Nidda. Unsere Stadt hat, seit sie Knotenpunkt ver­schiedener Bahnen geworden ist, jedes Jahr einen mehrge­steigerten Fremdenverkehr zu verzeichnen. Dazu trägt allerdings die herrliche Lage der Stadt im Tal, mitten ins Grüne hineingebettet, sowie die Beschaffung großer Räum­lichkeiten und Gartenanlagen zur Aufnahme von Gästen das

ihrige bei. Am Sonntag hatten wir mehr Besucher, als die Stadt Einwohner zählt. Um 121 Uhr brachte ein Extrazug von Friedberg her 500 Personen des Eisenbahnvereing Buzbach. Gegen 2 Uhr brachten zwei Extrazüge einen Teil des Eisenbahnvereins Gießen 1600 Beute mit der Kapelle des Gießener Regiments. Allen schienez in Nidda sehr gefallen zu haben. Ankunft und Abfahrt der Extrazüge gingen in musterhafter Dcdnung vor sich. Nächsten Sonntag wird die andere Hälfte des Eisenbahn­vereins Gießen in zwei Extrazügen hierher kommen und Dienstag in 8 Tagen die andere Hälfte des Eisenbahnvereins Buzbach. Noch sei zu erwähnen, wie einträchtig unter und miteinander die hohen und niederen Eisenbahner" gingen und fuhren; man sah: der ganze Verein ist ein großes Ge­triebe, in dem große und kleine Räder einträchtig inein­andergreifen, um ihrer großen Aufgabe gerecht zu werden, den Verkehr zu vermitteln.

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Aus dem Gerichts[ aal.

Schwurgericht.

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Gießen, den 6. Juni 1904.

Als einziger Fall für das II. Quartal lag die Straf­sache gegen die Dienstmagd Karoline Stieglitz von Tal- Itter wegen Kindesmords vor. Die Angeklagte ist wegen der gleichen Straftat durch Urteil des Schwurgerichts Marburg mit 2 Jahren Gefängnis vorbestraft. Nach verbüßter Strafe diente sie in Gießen und darauf in Bad- Nauheim, bezw. in dem zwischen Nauheim und Nieder- Mörlen gelegenen Wirtshaus zu den Vier Jahreszeiten. In Gießen bereits hatte sie das nicht ohne Folgen gebliebene Verhältnis ange­fnüpft und auch in ihrer späteren Dienststelle unterhalten. Den Gedanken, das Kind bei der Geburt nicht am Leben zu lassen, setzte sie anfangs Februar d. J. in die Tat um. Geständigermaßen erwürgte sie das Kind, indem sie ihm mit einer Schnur den Hals zuzog. Am 5. April d. J. wurde die Leiche gefunden. Es besteht nach dem Sektionsbefund fein Zweifel darüber, daß das Kind gelebt hat. Die durch den Geschworenenwahrspruch schuldig befundene Angeklagte wird zu 4 Jahren 2 Monaten Gefängnis unter Aufrechnung von 2 Monaten der Untersuchungshaft verurteilt. Vertreter der Anklage war Großh. Oberstaatsanwalt Theobald, während als Verteidiger Rechtsanwalt Klarenaar der Ange­flagten beigegeben war.

Straffammer.

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Gießen, den 7. Juni 1904. Der vielfach bestrafte Taglöhner Heinrich Spahn von Freiensteinau entwendete zu Friedberg in der Ziegelei von Gazert einen sogenannten Bahnhobel im Werte von 8-10 Mart. Urteil: 6 Monate Gefängnis, worauf 2 Wochen Untersuchungshaft aufzurechnen sind. Die Fortbildungs­schüler Ludwig Magel, Wilhelm Rühl, Heinrich Schmidt, Wilhelm Haas und Ludwig Galser, alle von Burkhards­felden waren wegen Beleidigung des Lehrers Buß dort­selbst angeklagt. Die schöffengerichtliche Verhandlung endigte mit Freisprechung sämtlicher Angeklagten, worauf die Staats­anwaltschaft Berufung rerfolgte. Die Verhandlung ergab, daß die Angeklagten sowohl in der Schule als auch auf der Straße den Lehrer durch auffälliges Riesen belästigten. Es bestand kein Zweifel, daß es auf eine Beleidigung des Lehrers abgesehen war, weshalb die zwei ersteren zu je 5 Tagen Gefängnis verurteilt wurden, während die drei legteren mit je 3 Tagen davonkamen. Der Jagdaufseher und Land­wirt Heinrich Heuser von Lanzenhain hat sich in an­getrunkenem Zustande einer Gotteslästerung schuldig gemacht, was das Gericht mit 6 Wochen Gefängnis ahndete. Wegen einer weiteren unter Anklage gestellten Aeußerung erfolgte Freisprechung. Wegen einer nächtlichen Schlägerei zu Büdesheim wurden durch das Schöffengericht Vilbel Jakob Klehm zu 4 Wochen Gefängnis, Karl Klehm zu 80 Mark Geldstrafe und Heinrich Konrad Schmidt zu 130 Mt. Geldstrafe verurteilt. Die zwei letteren beruhigten sich bei dem Urteil, während Jakob Klehm Berufung einlegte. Da die Berufungsverhandlung ein flares Bild in der Angelegen­Zum heit nicht schaffen fonnt, erfolgte Freisprechung. Schlusse wurde der Landwirt Konrad Wagner III. von Allendorf a. d. Lumda, welcher gegen ein Urteil des Feldgerichts Gießen Berufung verfolgte, freigesprochen.

Eingesandt.

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Wer jezt bei der schönen Jahreszeit sich als sinniger Naturfreund in Flur, Wald und größeren Gartenanlagen tagsüber in ausgiebigen Spaziergängen ergeht, fann sich an dem üppigen Gedeihen der Kulturpflanzen erfreuen. Aber auch das emfige Hin und Her unserer kleinen gefiederten Sänger macht ihm viel Vergnügen, wenn dieselben sichtlich bemüht sind, ihren Pflichten des Familienlebens gerecht zu werden, indem sie ihrer jungen Brut fleißig Aeßung zutragen. Dann stellt man seine Betrachtungen an über die überaus große Nüßlichkeit, welcher unsere fleinen Freunde im Haushalt angewiesen sind zum Wohle des ganzen. Man legt sich dann unwillkürlich aber auch die Frage vor: Werden wohl die jungen Vögelchen auch das Ziel ihrer Bestimmung er­reichen? Da kommt man zu dem Schluß, daß es als Antwort auf diese Frage nur ein Fragezeichen gibt, denn schier zahllos sind die Feinde, welche bemüht sind, die kleinen Tierchen zu vernichten. Nur einzelne, besonders gefährliche solcher Feinde seien hier erwähnt. Unter den Vogelarten sind es namentlich alle Neuntöterarten, Raben, Elstern und Häher; unter den Vierfüßlern besonders das Wiesel, der Iltis, welche als sehr gewandte Räuber zu bezeichnen sind. Nicht zum wenigsten ist aber auch die Hauskaße als großer Vertilger junger Vogelbruten zu erwähnen. Wer wie der Einsender dieses öfter Gelegenheit hatte, dieses tückische Raub­tier zu beobachten, der wird auch bemerkt haben, wie die Haustaß geräuschlos umherschleicht, um eine Brutstätte junger

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