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für freie Arztwahl und gemischte Kommissionen von Aerzten und Kaſſenvorständen, um Differenzen zu begleichen und jich über einen für beide Teile annehmbaren Tarif zu einigen. Er bestritt, daß der Regierungspräsident in Köln mit seinem Einschreiten lediglich die Interessen der Aerzte wahrgenommer habe, wie von den Sozialdemokraten behauptet wird. Unter den Aerzten habe erfreulicherweise Korpsgeist geherrscht, nur 20 jeien in Köln ihren Kollegen in den Rücken gefallen; diese könne er aber leider nur als Hefe, als catilinarische Eriſtenzen bezeichnen. Sieben davon seien räudige Schafe, die mit dem Strafrichter wegen Sittlichkeitsattentaten in der Sprech­ſtunde u. 1. w. in Konflikt gekommen seien. Solche Leute suche die Kasse ihren Mitgliedern aufzunötigen. Er könne den Staatssekretär nur bitten, unbedingt möglichst bald an eine Neuordnung der Krankenversicherung und speziell der Merztefrage heranzutreten.

Abg. Mugdan( freis. Vp.) verteidigt gleichfalls die Aerzte gegen die sozialdemokratischen Angriffe. Jede soziale Reform müsse dahin streben, ein Einverständnis zwischen Unternehmern und Arbeitern herbeizuführen. Die Sozial­demokratie, die ohne ein solches Einverständnis lediglich ein­seitig Interessen der Arbeitnehmer durchzusetzen beslissen sei, fördere um deswillen nicht die Sozialreform, vielmehr schädige sie dieselbe und erweise sich als deren schärfster Gegner.

Abg. David( Soz.) bestreitet, daß die Sozialdemokratie ihre Anhänger zu Agitationszwecken in die Kassenbeamten­schaft hineinbringe und für diese Agitation besolde, bezeichnet die Aerzte als Krakehler und deren Honorierung durch die Kassen als ganz angemessen. Redner polemisiert dann gegen die Abgg. Frhr. Heyl v. Herrnsheim und Erzberger. Die Sozialdemokratie sei trotz aller Meinungsverschiedenheiten im Einzelnen einig in der Forderung der politischen und wirtschaftlichen Emanzipation der unteren Voltsschichten. Wer die Partei der Reichen ergreife, wie das in Crimmitschau der Fall gewesen sei, der beleidige das ganze Christentum. Die Grundauffassung Christi sei die heute von der Sozial­demokratie vertretene.

Abg. Hey I v. Herrnsheim( natl.) bemerkte auf eine Aeußerung Davids, wenn der Großherzog von Hessen sich mit Leuten wie David und Ulrich unterhalte, so liege das eben daran, daß diese ihm als hessische Abgeordnete den Eid der Treue geleistet haben( lebhafter Beifall rechts). Wenn Christus heute erscheine und sähe, wie die Sozialdemokraten, diese angeblichen Vertreter der Arbeiter, sich der Interessen der Arbeiter annähmen, so würde er mit dem Schwerte drein­fahren.( Lärm links, Zwischenrufe.)

Abg. Korfanty( Pole) wirft dem Staatssekretär vor, daß er in der Polenfrage nur Phrasen brauche.( Vizepräsi­dent Graf Stolberg rügt diesen Ausdruck.) Redner fündigte weiter an, daß die Polen nicht ruhen würden, auch in Ober­schlesien die Agitation bis in die weitesten Kreise zu tragen.

Staatssekretär Graf Posadowsky: Das Haus möge Auskunft erteilen, was es wohl über ein Bundesratsmitglied sagen würde, das die Aeußerung eines Abgeordneten als Phrase bezeichne. Es sollte hier im Verkehr zwischen uns ein würdigerer Ton herrschen. Korfanty sagte, seine Freunde würden nicht nachlassen, die großpolnische Bewegung in Schlesien zu fördern. Schlesien ist seit 600 Jahren von der Krone Polens abgetrennt, und wir würden unter keinen Um­ständen dulden, daß dies für uns so wichtige Gebiet der Schauplatz polnischer Bestrebungen werde.

die besseren sozialen Elemente sich nur schwer zu einem Front­dienst im Unteroffizierkorps entschließen. Es ist daher ernst­lich zu erwägen, ob es sich nicht empfiehlt, für die Mitglieder des Unteroffizierstandes eine höhere Charge zu schaffen, wie sie vereinzelt in der Stellung der Feldwebelleutnants vor­fommt.

Abg. Stücklen( Soz.) verbreitet sich über Schmälerung des Vereins- und Versammlungsrechts in den thüringischen Staaten.

Abg. Stolle( Soz.) beantragt Vertagung. Der Antrag wurde aber nicht genügend unterstützt, da auch die Sozial­demokraten nicht stark genug vertreten waren. Stolle erhielt hierauf das Wort, um eine Generalabrechnung über den Crimmitschauer Streif abzuhalten.

Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Fischer tritt den Ausführungen Stolles entgegen, worauf dieser nochmals repliziert. Fortsetzung Montag.

Die Lage des Unteroffizierftandes.

Nab und fern.

* Die 7. deutsche Kochkunstausstellung wurde in Berlin durch den Staatsminister v. Rheinbaben als Stellvertreter des deutschen Kronprinzen feierlich eröffnet. Die Ausstellung ist von zahlreichen Mitgliedern des deutschen Gastwirte- Ver­bandes mit auserlesenen Erzeugnissen der deutschen Küche beschickt worden.

Ein großer Ausstand im rheinisch- westfälischen Berg­revier ist ausgebrochen. Auf den Zechen Oberhausen, Kö­nigsberg, Osterfeld und Vonderort streifen trop eindring. licher Warnungen der Führer die Belegschaften vollzählig. Wie es heißt, ist der Streif darauf zurückzuführen, daß die Berwaltung der Zeche Oberhausen eine halbstündige Ver­längerung der Arbeitsschicht eingeführt hat. Man befürch­tet die Ausdehnung des Streits auf das ganze Ruhrrevier. Starke Erdbeben werden aus verschiedenen Ländern gemeldet. Besonders wurde Ungarn von heftigen Stößen beimgesucht. In Kezdi- Vasarheli im Haremszefer Komitat wurden drei starke Erdstöße verspürt, denen alsbald vier schwächere folgten. Die erschreckte Bevölkerung sprang aus den Betten und suchte zu fliehen; es wurde indessen nur un­bedeutender Schaden angerichtet. Auch in Kronstadt nahin man Erderschütterung wahr. Auch in vielen Teilen Rumä riens wurden Erdbeben beobachtet. Auch in Venezuela sind um Orinoffo und am Golf von Parja heftige Erderschütte­nungen erfolgt.

Von unserem Mitarbeiter wird uns geschrieben: In einer der letzten Sizungen der Budgetkommission des Reichs­tags wurde die Lage des deutschen Unteroffizierſtandes und vor allen Dingen auch die unerquickliche Situation, in der sich das Heer durch den schwachen und relativ ungeeigneten Nachwuchs befindet, eingehend durchbesprochen. Es war eine Forderung von 685 neuen Unteroffizie.tellen vorgelegt, die aber, einem Antrage des Zentrumsabgeordneten Speck ent­sprechend, auf den Etat des nächsten Jahres verschoben wurde.

Giner frivolen Friedhofsschändung machte sich der Pianist Sommerfeld in Berlin zusammen mit einem Komplizen fenildig. Infolge einer bei einer Kneiperei abgeschlossenen Mette begab sich Sommerfeld mit seinem Mitschuldigen zur Reichenhalle des Apostelkirchhofs und brach dort ein, un vom Haupt seiner dort aufgebahrten früheren Geliebten nine Haarlocke abzuschneiden. Das Mädchen hatte sich aus Gram darüber, daß ihrer Eheschließung mit Sommerfeld unüberwindliche Hindernisse entgegenstanden, selbst den Tod gegeben.

Von schwerem Verdacht befreit. Aus der Untersuchnugs­bust entlassen wurde der Tischler Krahl in Kiel, welcher unter dem Verdacht der Ermordung seiner Schwiegereltern, der hochbetagten Ehrich'schen Eheleute, gefänglich eingezogen worden war. Die gegen ihn vorliegenden Verdachtsmomente haben sich als nicht genügend erwiesen.

falscher Angabe und falscher Eintragungen zu Jahren Zuchthaus, 3000 Mart Geldstrafe und 5 Jahre Ehrverlust verurteilt worden war. Frau Wulff hat inzwischen den Konkurs angemeldet.

§ Aus dem Regen in die Tranfe. Wegen zahlreicher Sitt­lichkeitsvergehen an Kindern war vor einiger Zeit der Vize­feldwebel Gemmer in Lahr vom dortigen Kriegsgericht zu 3 Jahren Gefängnis, 2 Jahren Ehrverlust, Degradation und Versetzung in die zweite lasse des Soldatenstandes verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatten sowohl der Angeklagte, wie der Gerichtsherr Berufung eingelegt, so daß die Sache jetzt vor dem Oberkriegsgericht zur erneuten Verhandlung stand. Das Urteil lautete auf 2 Jahre Zuchthaus und 2 Jahre Ehrverlust.

[ Ein seltsames Jagdabenteuer] erlebte die Herzogin von Luynes auf einer bei Rambouillet veranstalteten Hezz­jagd. Zehn Minuten nach Beginn der Jagd machte der ge­beyte Hirsch plötzlich kehrt und wandte sich gegen die ver­folgende Reiterschar. Die Herzogin kreuzte zu Pferde seinen Way. Der Hirsch wollte nun über das Pferd hinwegjeten, erfaßte aber im Sprung mit dem Geweih das Reitkleid der Herzogin, die dadurch aus dem Sattel gehoben wurde und zur Erde fiel, während der Hirsch entfam. Man glaubte zunächst, daß die Herzogin verwundet sei. Sie erhob sich jedoch schnell wieder

Es wäre dringend wünschenswert, wenn die Behörde in­zwischen auf Mittel und Wege sinnen würde, wie man diesem Uebelstande am besten abhelfen kann. Vor wenigen Tagen ist eine Schrift von einem Hauptmann Clausen erschienen, worin insbesondere die großen Schwierigkeiten des Unter­offizierersatzes dargestellt werden. In jedem Jahr muß der Ron. vagnie, Eskadrons- oder Batteriechef für den Unter­offiziersabgang einen Nachwuchs an Kapitulanten schaffen, md in jedem Jahre macht diese Offizierskategorie dieselbe Erfahrung, daß gerade die brauchbarsten Elemente ablehnend auf eine Anfrage bezüglich der Kapitulation antworten. Unter diesen Umständen müssen sie froh sein, wenn sie über­haupt Rapitulanten finden, und sie greifen zu, wenn darunter auch geistig, sittlich und körperlich minderwertige Elemente bertreten sind. Es meldet sich nur ein kleiner Teil von wirklich brauchbarer Qualität, und das sind, wie Clausen sagt, meistens solche Persönlichkeiten, die sich aus angeborener Herrschsucht dem militärischen Berufe widmen. Aber gerade diese Mitglieder des Unteroffizierstandes seien trotz ihrer militärischen Qualifikation vielfach wegen ihrer gewalttätigen Soldatenschindereien die unerfreulichsten Typen des Standes.

lacherd entgegen, daß ihrief den reitenden Jagdgenossen

sei, nur das Pferd war ihr entlaufen, und so mußte sie auf die fernere Teil­nahme an der Jagd verzichten.

Vermilchtes.

[ Keine deutsche Militärmusik in St. Louis.] Auf der Weltausstellung in St. Louis wird, gutem Vernehmen nach, feine deutsche Militärkapelle konzertieren. Die Stapelle des in Hanau garnisonierenden Infanterieregiments Hessen­Homburg Nr. 166, welche dieserhalb bereits mit dem Aus­itellungskomitee in Unterhandlung stand, ist die Genehin­gung des Kaisers zum Konzertieren in St. Louis nicht er teilt worden.

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[ Ein dummer Junge".] In dem Halleschen Vorort Klein- Wittenberg verstarb dieser Tage der 80jährige Aus­zügler Dietrich, mehrfacher Groß- und Schwiegervater. Sein After bewahrte ihn aber nicht davor, daß seine noch lebende Mutter, die das 100. Jahr erreicht hat, ihm wenige Wochen vor seinem Tode auf die Frage, ob sie wohl auch an ihr Testament gedacht habe, mit der Antwort diente: Dummer Junge, was verstehst denn du davon?" Die Frau ist noch äußerst rüstig und gut zu Fuß, hat ein wunderbares Ge­dächtnis und kann noch ohne Brille lesen und stricken.

Eine deutsche Expedition zur Erforschung des gelben Fiebers. Zwei Aerzte des Hamburger Instituts für Tropen­frankheiten, Dr. Otto und Dr. Neumann, werden mit von Hamburger Reedereien und Kaufleuten zur Verfügung ge= stellten namhaften Mitteln nach Südamerika gehen, um dort Studien über das gelbe Fieber anzustellen. Abgesehen von wissenschaftlichen Forschungen soll die Hamburger Erpedition Beobachtungen über die neuen jezt in Südamerika geübten Verhütungsmaßregeln gegen die Seuche sammeln und sich mit der Frage beschäftigen, wie den schweren Verlusten, die der deutsche Handel und die deutsche Schiffahrt in den ein­zelnen Epidemie jahren erlitten, auf grund der neuesten Forschungsergebnisse in Zukunft vorzubeugen sei. Weitere Forschungen auf diesem Gebiete haben gerade in Hamburg Interesse, da es mit den Ländern, in welchen das gelbe Fieber vorkommt, in besonders enger und inniger Verbindung steht. Die Expedition verläßt am 10. Februar mit dem Postdampfer Prinz Eitel Friedrich" den Hamburger Hafen und begibt sich zunächst nach Rio de Janeiro.

Diese Darstellung enthüllt einen wirklich trostlosen Zu­stand in der Armee. Man kann es begreifen, daß die stete Gebundenheit, die das Los des Soldaten ist, in den aus­gedienten Mannschaften die Sehnsucht nach dem freien" Zivilleben erweckt. Andererseits ist aber doch das Heer zu­gleich für den pflichttreuen Unteroffizier eine Versorgungs­anstalt, denn nach abgeleisteter zwölfjähriger Dienstzeit stehen ihm viele Stellen offen, die der Zivilist nur durch eine ziem­lich weitgehende wissenschaftliche Bildung und große Opfer an Geld erreichen kann. Aber alle diese Vorteile wiegen in den Augen des großen Teils des in Frage kommenden Kapi­tulantenmaterials die Nachteile des Soldatenstandes nicht auf, zu denen außer der schon berührten strengen Disziplin vor allem die unverdiente geringe soziale Wertschätzung, unter der der Unteroffizierstand gerade heutigen Tages vielfach zu leiden hat, gehört. Das ist mit der Hauptgrund, weshalb

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+[ Von einer Soldatenmutter] aus Röth bei Freuden­stadt weiß ein württembergisches Blatt zu berichten: Die zehn Söhne der Witwe des Lindenwirts Frey sind stramme, gutgewachsene Männer, der größte mißt 1,82, der kleinste 1,78. Die zwei ältesten haben ihrem König bereits treu ge­dient, der dritte, vierte und fünfte tragen gegenwärtig mit Stolz des Königs Rock, und die beiden folgenden, der sechste und siebente( Zwillinge), stellen sich in diesem Jahre der Er­satkommission. Eine gesunde Schwarzwälderfamilie; Vater, ein begeisterter Veteran von 1866 und 1870, ist im Jahre 1890 gestorben.

Nachklänge aus Aalesund. Dem Flügeladjutanten des deutschen Kaisers, Fregattenkapitän v. Grumme, der die Rettungserpedition nach Aalesund begleitet hatte, wurde auf der Rückreise in Christiania eine große Ovation bereitet. Er und seine Gemahlin wurden von einer zahlreichen Menschen­nienge am Bahnhof erwartet. Den Ankommenden wurden Blumen zugeworfen. Herr v. Grumme wurde auch vom Kronprinzen von Schweden empfangen. Im Gegensatz zu dem schnellen, tatkräftigen Eingreifen der Deutschen steht die tragikomische Tatsache, daß das englische Kanonenboot Hearty", das 350 Tons Vorräte an Lebensmitteln und Kleidung nach Aalesund bringen sollte, noch jetzt müßig in Deptford liegt. Die Reise konnte bisher immer noch nicht angetreten werden, weil der Direktor des Regierungsspeichers den Beschl bisher nicht erhalten hat, die Vorräte an den Jetzt wird's nachgerade aber Schiffskapitän auszuliefern. Zeu!

Hus dem Gerichtsfaal.

Kunft und Wissenschaft.

AP. Lebensvolle" Bilder on Toten. Bertillon, der Ge­gründer der Anthropometrie( Körpermessung zu gerichtlichen Sweden), hat soeben den Pariser Justizbehörden eine neue Methode vorgeschlagen, die für alle nicht erkannten un zur Leichenhalle gebrachten Leichen Anwendung finden soll. Bis jetzt hat man sich darauf beschränkt, die Leichname photogra­bhieren zu lassen. Man erhielt so aber nur eine sehr ent­fernte Aehnlichkeit mit dem Gesicht der Persen bei Leb­zeiten, und meist war es ein wertloses Dokument, selbst für die Personen, die berufen waren, ihre Meinung über die Identifizierung des Verschwundenen abzugeben. Man mußte also die Züge des Gesichts für einen Augenblick wieder­ausleben lassen. Bertillon hat nun, gestützt auf eine Reihe von Beobachtungen, folgendes Verfahren eingeschlagenmit Hilfe einer Pravazsprize führt man in die Augen drei bis bicr Tropfen Glyzerin ein; alsdann heben sich die Augenlider, die Augen bleiben weit offen, und der Leichnam scheint wieder­auszuleben. Um dem trübe und gläsern aussehenden Aug­apfel Glanz zu verleihen, bringt man in die Liderhaut ein wenig Glyzerin. Man vervollständigt die Illusion durch Reiben der Lippen mit ein wenig Karmin, und der so vor­bereitete Leichnam gibt in der Photographie ein lebens­volles" Bild.

§ Dämon Alkohol. Wegen Beleidigung eines Feldwebels, tätlichen Angriffs auf einen Wachlhabenden und megen Trunkenheit im Dienste hatte sich gestern der Leutnant von Schweinichen vom Königs- Infanterieregiment Nr. 145 vor dem Kriegsgericht in Mez zu verantworten. Die Verhand­lung zu welcher 6 Offiziere und 12 Soldaten als Zeugen geladen waren, fand unter Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Der Angeklagte wurde zu einem Jahr und einem Monate Festungshaft und zur Dienstentlassung verurteilt.

§ Vierfacher Raubmord. Vom Reichsgericht verworfen wurde die Revision des vierfachen Raubmörders. Fleischer­meisters Hubert in Tilsit, welcher, wie s. 3t. berichtet, wegen Ermordung der Meiereibesitzer Zürcherschen Eheleute und deren Töchter vom Schwurgericht zum Tode verurteilt wor­den war. Hubert behauptet auch noch heute, daß er an der bierfachen Bluttat unschuldig sei.

§ Dem Zuchthause in Celle zugeführt wurde durch Dort­numder Kriminalbeamte der frühere Bankier Hermann Wulff, der vom Schvurgericht wegen Meineides, wissentlich

MF. Graf Zeppelins neues Luftschiff. Durch seinen vor einiger Zeit veröffentlichten Aufruf hat General a. D. Graf Zeppelin rund 450 000 Mart für Konstruktion eines neu n verbesserten Luftschiffes nach seinem System zusammen­gebracht. Ein neuer Ballon ist bereits in Angriff genommen, genieur Dürr leitet die Arbeiten auf der Werft zu Manzel an Bodensee.

RD. Die letzte philosophische Doktorpromotion an der Ber. liner Universität hat gestern mittag stattgefunden. Zum letzten Male wurden an diesem Tage die Doktoren nach alter Weise freiert, nachdem sie eine Anzahl Thesen gegen mehrere Oppo­nenten verteidigt hatten. Von jest an wird sich die Zeremonie auf die Ueberreichung des Diploms durch den Dekan be­schränken.

LG. Gine reiche Gabe für die deutsche Künstler- Genossen­schaft hat der in Wien verstorbene bekannte Landschaftsmaler Josef Hofmann in seinem Testament vermacht. Sein in der Schweiz belegener prächtiger Pesis 3winguri geht in das Eigentum der Genossenschaft über unter der Bestimmung, daß dortselbst deutsche Künstler eingemietet werden sollen. Falls die deutsche Künstlergenossenschaft die Erbschaft nicht antritt, fällt 3winguri dem deutschen Kaiser zu. Der größte Teil seiner Bilder, die angeblich 400 000 er mert sind, vermachte Hoffmann der Stadt Wien.

Der Landwirt.

pd. Kalkdüngung für Obstbäume. Jeder Landwirt weiß wie wichtig Kalkdüngung für alle Kulturpflanzen ist. Die Pflanzen brauchen zu ihrer Entwickelung beträchtliche Men gen dieses Nahrstoffes, außerdem aber ist ein günstiger zu stand des Bodens von gewissem Kalfgehalt abhängig. b. wohl nun die Obstbäume, besonders das Steinobst, zu den kalkbedürftigsten Pflanzen gehören und obwohl gerade der feste, verschlossene, oft saure Boden unter unseren Bäumen einer Verbesserung durch Kalk notwendig bedarf, sehen wi eine Kalkdüngung nur selten im Obstgarten angewendet. Die Erfolge, die man damit erzielt, sind deshalb ganz außer ordentlich. Die Bäume werden gesünder, das Holz komm besser zum Ausreifen, der Fruchtansatz wird ein größerer Bei offenem Lande wird der Kalk einfach ausgestreut und untergegraben. Befindet sich unter dem Baume Rasen, sc schält man unter der Kronentraufe einen zirka einen Meter breiten Rasenring ab, streut nun auf die offene Erde der Salt, gräbt sorgfältig unter und deckt den Rasen wieder auf Auf einen Quadratmeter Kronenfläche rechnet man 0,25 bi 0,50 Kilogramm Düngekalk. Düngen mit wässeriger Kalt milch ist unrichtig, weil auf diese Weise im Boden leicht ein fester Mörtel entsteht.

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