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en. 1883.

Lager:

ahnanschl.

breitete es sich aus, und plötzlich waren Schiff und Meer und Himmel vom dichtesten Nebel umhüllt.

Vergebens warteten die Ingenieure an der Maschine auf das Kommando: Halb Dampf!" Der Kommandeur da oben empfand es als eine Wohltat, so weiter zu rasen auf gefahrvoller Bahn. Es entsprach das dem Sturm und Drang in seinem Innern. Und ihn traf kein Vorwurf, er blieb damit innerhalb der Grenzen feiner Befugnisse. Wird ein Schiff zur See von einem solchen undurchdringlichen Nebel befallen, so gibt es nur zwei Wege, um demselben ungefährdet zu entrinnen. Der eine ist, den Schiffslauf aufs äußerste zu verlangsamen, der andere, denselben zu beschleu­nigen, um möglichst schnell durch die Nebelregion hindurch­zukommen. Dieser ist der kürzere, aber weitaus gefährlichere Weg.

So raste denn das Schiff mit einer Geschwindigkeit von 23 Knoten durch Nacht und Nebel dahin. Schaurig, in langgezogenen Tönen schrillte das Nebelhorn von Zeit zu Zeit auf. Die unten fuhren erschrocken in ihren Betten auf, und bleiche Lippen beteten ein Vaterunser. Die Gefahr eines Zusammenstoßes lag nahe und erfüllte alle Gemüter mit Angst und Schrecken. Nur die Seeleute und Offiziere, so­weit sie nicht im Dienst waren, schliefen den festen Schlaf, den ihr aufreibender Dienst ihnen bringt.

Und wie, wenn er nun ging, jebt ging, und wenn er haßte, mit hinabriß in sein nasses Grab? Wenn diese letzte, sie, die er so über alles lieb', und ihn, den er so tödlich gemeinsame Meerfahrt sie hinabführte zum Grunde, wenn er mit der im Tode vereint blieb, der er im Leben nicht angehören durfte? Eine grausige Wollust lag in dem Ge­daufen: Zusammen sterben! Vielleicht, daß er noch einmal zu ihr eilte, die vom Schreck Ueberwältigte, Willenlose in feine Arme riß und mit einem erſten und letzten Kuß mit ihr zusammen hinabfuhr in die Tiefe!

Seine Stirn glühte, fieberhaft pochten seine Schläfen. Wie ein Rausch kam es über ihn. Er wünschte die Gefahr herbei, nicht, um ihr auszuweichen, sondern um ſie zu um­

armen.

Und da da dämmerte es schwarz herauf aus der nebelgrauen Ferne, flog es gegen ihn mit der zwingenden Gewalt seines eiſernen Willens!

Er sah das fremde Schiff zuerst.

Unwillkürlich, pflichtgemäß gab die Hand den Druck für das Nebelhorn, aber die Steuerung, die er mit einem zwei­ten Truck dem Schiffe gab, war zu seinem Verderben. Der Dampfer hielt direkt auf den schwarzen Punkt zu. Ein Zu­sammenstoß war unvermeidlich.

Es mußte ein Segelschiff sein, da von drüben keine Dampspfeife antwortete.

Tas Nebelhorn verstummte. Und in die unheimliche Sorestille hinein drang von irgend woher ein schwacher Kinderschrei und dann die Stimme der Mutter, welche den erschreckten Liebling zur Ruhe sang.

Und sie sang ein Lied, das er selbst aus seiner Jugendzeit wenn er nicht schlafen konnte. her kannte, ein Lied, das seine Mutter ihm oft gesungen,

Da trat sie vor ihn hin, die Gestalt der Mutter, da blickte sie ihn an mit ihren lieben Augensternen, die sich längst zum ewigen Schlummer erschlossen hatten, so traurig und vorwurfsvoll, so bittend und tränenfeucht, als wollte sie ihn fragen: Was willst du tun?" Die eigene bat für die fremde Mutter, deren Lied da herauftönte aus der Tiefe.

Und blitzschnell, wie der Gedanke, der ihm diese Erinne­rung zurückrief, zuckte seine Hand nach dem Steuerungs­apparat. Ein Druck, und der Dampfer schwenkte nach Steuerbord ab, und wenige Sekunden später rauschte etwas wie ein riesiger Nachtvogel backbords an ihm vorüber und verschwand im Nebel.

Die Pflicht hatte gesiegt.

Niedergegangen und niedergekämpft war alles, was den Unglücklichen in den letzten Stunden bestürmt und zu dieser Verzweiflung getrieben hatte. Sein Rachedurit war gestillt. Sein Auge wurde hell, seine Hand fest. An der Schwelle des Todes hatte er in das Paradies seiner Kindheit zurück­geschaut. Und auf seinem stolz erhobenen Sapte lag es wie ein segnendes Händepaar. Er hatte überwunden.

WITZ

C2D

HUMOR

Sein Ahnenschloß.

Jch zog durchs weite Ungarland mit meinem Freunde Heinrich, Wir waren beide durstentbrannt, todmüde, schläfrig, weinrich. Miod Die Heide war so still, so leer, im grauen Westen zogen Die Wolken hin, gewitterschwer, am weiten Himmelsbogen. Da sprach mein Freund, und reichlich floß vom Auge ihm die Zähre: ,, Mir ist's, als ob mein Ahnenschloß hier in der Nähe wäre!" Heinrich!" sprach ich tiefgerührt, Das könnt mir sehr behagen, Denn einen größer'n Hunger spürt' ich nie in meinem Magen." Die Hügel nahten allgemach; die Sonne wies im Sinten Uns noch das dunkelbraune Dach, das tät' so freundlich winken. Jezt aber, Leser, bitte ich, hör' auf mit Weiterlesen, Das Ahnenschloß vom Heinerich ein Schafstall ist's gewesen!

"

Was ein Häkchen werden will. Das Söhnchen eines bekannten Börsenspekulanten wollte sich mit einem Kameraden unterhalten, der gern etwas Neues gespielt hätte, dem aber nichts Neues einfiel. Ich weiß etwas," rief auf einmal unser Held, spielen wir Aftien­gesellschaft! Ich bin der Direktor, du bist der Aktionär. Gieb fünf Pfennige her." Gesagt, getan. Sie gingen nun in einen Zigarrenladen, kauften eine Zigarre, die unser Bürschchen ansteckte. Als sie aus dem Laden waren, rauchte es die für die fünf Pfennige des anderen gekaufte Zigarre mit sichtlichem Vergnügen weiter und sprach: Ich, ich bin der Direktor, ,, Und was hab' ich denn zu tun?" fragte der Kamerad. Du," sagte unser Held nach kurzem Besinnen, ,, du kannst spucken!"

ES

Später Dank. Was wollen Sie von mir? Ich will Jäners meinen tiefgefühlten Dank abstatten. Wofür?- Daß Sie mir vor zehn Jahren die Hand Ihrer Tochter nicht gegeben haben.

Au. A.: Wo haben Sie es denn auf Ihrer großen Reise am verschwenderischsten gefunden? B.: Jch? A.: Jawohl... In England, weil da die Straßen mit englischem Pflaster be legt sind.

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Im Wirtshaus. Gast: Kellner! Kellner: Befehlen? Gast: Donnerwetter, hier in der Fleischbrühe schwimmen ja Haare! Kellner: Verzeihen, das sind gewiß nur die Wimpern zu den Fettaugen.

Erkannt.

Ein Schauspieler, der seinem geringen Talente durch Beifallklatschen nachhelfen wollte, diesen aber nicht, gleich so vielen Künstlern von Ruf, bezahlen wollte oder konnte, stellte seine vier hoffnungsvollen Sprößlinge auf die Galerie und gab ihnen die Weisung, bei seinem Erscheinen tüchtig in die Hände zu klatschen und, wenn er eine bedeutende Szene hätte. " Bravo!" zu rufen. Die Kleinen hatten sich das gut ge­merkt, und das Klatschen tat auch seine gehörige Wirkung; als indes die Reihe an das Bravorufen kam, und alle vier aus voiler Kehle schrieen, da rief der jüngste Knabe: Bravo, Vater! Bravo, Vater!" Das gesamte Publikum brach in lautes Gelächter aus, und mit dem Erfolge des armen Schauspielers war es vorbei.

Energie. Engländer: Führer, Sie meinen, dieser Gipfel sei un= besteiglich? Führer: Jawohl, Euer Gnaden, bisher haben ihn nur Esel mit der größten Mühe erklettern können. Engländer: God dam, dann muß ich doch auch hinaufkommen.

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Scherzfrage. Welcher Unterschied besteht zwischen einer Krupp. schen Kanone und einer roten Nase? Antwort: Die rote Nase kommt vom Trinken, eine Kruppsche Kanone von Essen.

Für Augenleidende. A.( zu einem Freunde, den er längere Zeit nicht gesehen): Sag' mal, hast du nicht früher eine Brille getragen? zeit. tun?

B.: Allerdings, aber das war noch vor meiner hoch. A.: Nun, was hat denn die Hochzeit mit deinen Augen au B.: Ja, weißt du, nach meiner Hochzeit sind mir die Augen dermaßen aufgegangen, daß ich manchmal mehr sehe, als mir

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Nr. 6

Freitag, den 8. Januar

1904

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

ber

Gießener Neueste Nachrichten.

Budnud Berlag ber Steponer Berlagêbrudaret, vorm. Dilh. Reller'ss Bucherudersi( gegr. 1783); verantworff: Ibis& lole

( 3. Fortsetzung.)

Der Beuge.

Roman von Marie Bernhard.

( Nachdruck verboten.)

pflegte. Friß war hübsch, er hatte das Auftreten eines Gentle­man, er betrieb seine Sprachstudien mit großem Eifer, man lud ihn hier und da versuchsweise zum Tee ein, fand, daß er sich gut machte, gerade bescheiden und auch gerade ſelbſt­bewußt genug, und nun erhielt Mr. Fred. Norden" auch zu größeren Gesellschaften und imposanten Routs Zutritt. Er schwamm so recht mit dem vollen Strom des Lebens, machte eine Unzahl interessanter überseeischer Bekanntschaften beiderlei Geschlechts und fand kaum Zeit, zwischen seinen Geschäftsstunden und seinen häufigen geselligen Verpflich tungen hindurch kurzgefaßte Berichte an seinen Vater und unregelmäßige, dafür aber desto ausführlichere Epiſteln an Roland v. Triberg abzusenden, dem er das ganze gärende Treiben, in welches er hineingeraten war, in seiner frischen, anschaulichen Weise schilderte.

War das eine Reise! Norden, der Vater, hatte sich einen jugendlichen Sinn, eine frische Empfänglichkeit für alles Schöne bewahrt; er war seinen zwei Söhnen" ein rechtes Vorbild vollen, freudigen Lebensgenusses. An seinem Frizz erlebte er jetzt die helle Freude. Wie hübsch der schlank empor­geschossene junge Mensch wurde, welch' gewandte, verbind liche Manieren er hatte! Nun, freilich, die verdankte er wohl Hauptsächlich seinem aristokratischen Freunde, der, ohne bis­her viel in die Welt und in die Kreise der guten Gesellschaft zu kommen, doch in seinem ganzen Wesen offenbar den Stem­pel des Edelmannes trug; Roland war Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle, und dabei war von irgendwelcher Ziererei oder Prätension keine Spur in ihm. Hier, in den herrlichen Schweizerbergen, dann unter Italiens lachendem Himmel, kamen sich die Herzen der beiden Jünglinge doch bedeutend näher, als es bisher auf den Schulbänken der Fall gewesen war. Die enggezogenen Schranken waren gefallen, ihr Horizont begann sich zu erweitern, leuchtend und froh schweif­ten Rolands tiefblaue Augen über alle Pracht, die sich ihm bot, und kehrten immer wieder dankbar zu seinem Freunde zurück, dessen Liebe ihm diese Genüsse verschafft hatte. Und Fritz war innerlich stolz und so glücklich, seinem heimlich be­wunderten Roland das bieten zu können; eine strahlende Heiterfeit verklärte sein ganzes Wesen, mit einem Wort, es war eine schöne, ungetrübte Zeit, welche die Drei genossen, und nie wieder vermochte Fritz Norden in seinem späteren Leben an Italien zu denken oder davon reden zu hören, ohne daß die Gestalt eines schönen, anmutigen Jünglings mit großen blauen Schwärmeraugen und einschmeichelnd weicher Stimme vor seine Seele trat, eine Erinnerung, die ihn zuerſt mit Sehnsucht, dann mit Schmerz, endlich mit angſt- pathischeren Feld verwerten zu können, denn seine Natur vollem Schaudern erfüllte.

Heimgekehrt, ging es freilich bald genug an die Tren­nung; Roland sollte nach Berlin, um sich zum Offiziers­examen vorzubeiten, Friß mußte schleunigst nach London hinüber, wo in einem bedeutenden Bankhause eine Stelle für ihn offen gehalten worden war. Die beiden Freunde verab­redeten eine eifrige Korrespondenz, jeder von ihnen war be­strebt, es vor dem andern zu verbergen, wie viel ihn die Trennung kostete, aber auf dem Perron des Bahnhofs, wo sie sich zum letztenmal in den Armen hielten, Frizz fuhr zuerst ab- da war's mit der künstlichen Fassung vorüber. Es ging ein Zucken über Rolands Antlitz, seine glänzenden Augen trübten sich, und Frizz warf sich wortlos an seine Brust und schluchzte laut hinaus; war es, weil ihm sein Herz sagte, daß er jetzt Abschied nahm von dem einzigen ihm bringen sollten? ungetrübten, hingebenden Gefühl, das ſeine Jugendjahre

Da er

In London umfing ihn das brausende, betäubende Leben der Millionenstadt mit atemraubender Erregung. private Empfehlungen von gutem Klang mitbrachte, so fand er eine andere Aufnahme in den Häusern seiner Vorgesezten, als man sie sonst einem obskuren deutschen Jüngling, der den untersten Posten eines Clerks bekleidete, zu erweisen

Der neufreierte Sekondeleutnant schrieb ſehr regelmäßig und immer im herzlichsten Ton an seinen Freund. Sein Beruf bot ihm keine Freude; er beklagte sich nicht, denn was hätte er, mittellos, wie er war, wohl werden sollen? Seine Mutter mußte Gott danken, wenn sie sich selbst mit Anstand über Wasser hielt, jetzt war sie wenigstens die Sorge um den Sohn los; es war ja eine offenbare Gnade und Vergünstigung, die der lezte Triberg nur seinem alten Namen verdankte, daß er in die Garde eintreten durfte, stillschweigend nahm man es an, daß er sich dafür muſter­haft hielt, und das tat er auch! Er verausgabte nicht einen Taler mehr, als es unumgänglich notwendig war; er war ein gewissenhafter Soldat und ein fähiger Kopf, aber eben weil er letzteres war, regte sich immer mehr in ihm das Bedauern, seine Gaben nicht auf einem ihm sym

wies ihn weit mehr in die Laufbahn eines Diplomaten, als in die Offizierskarriere. Gleichviel! Es war einmal nicht zu ändern, mithin galt es, das beste daraus zu machen. Zwischen den Zeilen las Fritz Norden alles das her­aus, und sein armer Roland dauerte ihn von Herzen. Er schloß sich an niemand an, dem geselligen Leben Berlins stand er ganz fern, und fein einziger seiner Kameraden trat ihm näher, sie alle hatten Geld die Hülle und Fülle, sie ſtreuten es aus nach allen Richtungen, er konnte und wollte da nicht mithalten und galt bald allgemein als ein ab­surder Mensch", den eine schöne Balleteuse ebenso falt ließ. wie ein edles Rennpferd oder eine Partie Trente et quarante. Das war unnatürlich, das war einfach unmög= lich; daher gewöhnte man sich daran, Triberg mit Achtung zu behandeln und ihn im übrigen links liegen zu lassen, da er so verzweifelt ernsthaft" war und man beim beſten Willen nicht recht wußte, wovon man anfangen sollte, mit ihm zu reden. Höchstens im Ballsaal hätte Roland Lor­beeren ernten können; die Damen fanden den schönen, stillen Offizier mit den nachdenklichen Augen äußerst an­ziehend, aber freilich, er war kein besonders flotter Tän zer und hatte etwas beleidigend Gleichgiltiges in seiner Art, eine herkömmliche, nur eben gerade höfliche Konversation zu führen. Die einzige Chance, die sich ihm bot, vermöge