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Nr. 107.
Zweites Blatt.
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Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Samstag, den 7. Mai 1904.
Gießener
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Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Hindernisrennen.
[ Politische Wochenschan.]
Von den Verhandlungsgegenständen des Reichstags hat in letzter Zeit, nach dem Tribünenbesuch zu urteilen, ganz entschieden die Vorlage über die Herabsetzung der Totalisatorsteuer das Publikum am meisten interessiert. Die Tribünen waren stärker besetzt als je vorher und die Parlamentsberichterstatter vermeldeten, daß nicht bloß die typischen Erscheinungen der Sportsleute unter den Besuchern vertreten waren, sondern eine durchaus gemischte Gesellschaft". An der Totalisatorsteuer sind allerdings weite Kreise interessiert, denn die Nennwetten sind die am weitesten berbreitete Art des Lotteriespiels geworden. Es sind ungeheure Summen, die jahraus, jahrein auf diese Weise umgeschlagen werden, allerdings, ohne daß der Staat einen wesentlichen Vorteil davon hat. Denn die wenigsten Abschlüsse werden am Totalisator gemacht, der an privaten Wettbureaus eine scharfe und fast unüberwindliche Konkurrenz gefunden hat. Nach einer anıtlichen Statistik hat der Inhaber des Berliner Wettbureaus„ Rhenania" für ausländische Wetten allein einen Betrag von 80 000 Marf angenommen, während von allen Wettbureaus der Hauptstadt insgesamt nur 8000 Mark zu Versteuerung gekommen sind. Unter diesen Umständen sah sich das Reich dazu gezwungen, durch Ermäßigung der Totalisatorsteuer den Zugang zum Totalijator zu erleichtern und die Wettbureaus durch ein radikales Verbot vollständig aus der Welt zu schaffen. Minister von Podbielski, der diese Regierungsforderung zu vertreten hatte, Symbolisierte allerdings das Wettrennen sehr schlecht, denn er mußte wegen eines körperlichen Leidens am Stocke gehen und mußte fißend seinen Vortrag halten. Sachlich aber hat er sein Hindernisrennen sehr gut gewonnen, denn er kam trob des Widerstandes der Linken sehr flott ans Ziel.
Inzwischen geht im preußischen Abgeordnetenhause das Hindernisrennen um den Kana I weiter. Ob sich die Ausfichten für das Zustandekommen des Gesezentwurfs tatsächlich berbessert haben, läßt sich bis jetzt noch nicht übersehen. Zwar Elingen die Reden der früheren Kanalgegner etwas freundlicher, aber die Bedenken werden in so scharf akzentuierter Form ausgesprochen, daß die Regierung wohl doch Mühe haben wird, wenn sie alle Hürden nehmen will. Aus den Presseerörterungen scheint überdies hervorzugehen, daß die rechte Seite des Hauses nichts weiter gewähren will, als den Dortmund- Rheinkanal, zu dem sie vielleicht die Lippekanalifation noch gratis zugibt.
Um so mehr Erfolg hat aber die Reichsregierung bisher mit ihrer Vorlage über die Entschädigung unschuldig Verhafteter gehabt. Die Kommission hatte allerdings einen Antrag eingebracht, durch den die Entschädigungspflicht etwas weiter gefaßt werden sollte, das Plenum aber hat sich doch in zweiter Lesung für die Regierungsfassung entschieden, jedenfalls deshalb, um einstweilen das Gesetz prinzipiell zustande zu bringen und dessen sachgemäßen Ausbau der Zukunft zu überlassen.
Bevor der Reichstag die Ferien antritt, hat er noch eine sehr ernste patriotische Pflicht zu erfüllen durch die Bewilligung der Mittel für den südwest afrikanischen
Krieg. Die Zentrumspresse deutet an, daß bei dieser Gelegenheit auch eine gründliche Aussprache über den Widerstreit der Interessen in den kolonialen Kreisen selbst stattfinden soll und daß man vom Reichskanzler vor allen Dingen eine genaue Aufklärung über die Sachlage und über den Einfluß der einzelnen Persönlichkeiten auf die Kolonialpolitik verlangen will. Ebenso wünschenswert aber wäre es, wenn der Reichstag in eine gründliche Beratung über die Fvage eintreten würde, ob nicht intensive Kolonialpolitik durch einmalige Aufwendung großer Mittel zur Ansiedelung und zur Schaffung von Verkehrswegen gemacht werden, wie das bei anderen Kolonialvölkern, die uns hierin den Rang abgelaufen haben, der Fall ist. Die englische Presse hat sich teilweise ironisch und teilweise in sehr scharfer Form über die sparsame Kolonialwirtschaft des deutschen Reichstags aus. gesprochen.
Während wir in unserer Kolonisation hinter den Engländern fraglos zurückſtehen, haben wir auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet einen neuen Vorsprung vor ihnen erlangt. Das hat der englische Ministerpräsident Balfour selbst zugestanden, als er dieser Tage eine Interpellation über den Warenschutz beantwortete. Er mußte das Bekennt nis ablegen, daß das„ Made in Germany" sich nicht als eine Konkurrenzklausel, sondern als eine kostenlose Reklame für deutsche Firmen bewährt habe. Die ewige Begegnung mit den Deutschen im Hindernisrennen des Weltmarktes macht auch die deutschfeindliche Stimmung in England begreiflich und ist zugleich der Grund für die Ueberschäzung des englisch- französischen Marokkoabkommens und der Annäherung zwischen Frankreich und Italien.
Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.
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Am 29. April. Peter Schmidt, Schlosser dahier mit Bertha Junk in Langd. 30. Martin Christian Rühl, Rentner dahier mit Augufte Sophie Ferber hierselbst. Gottlieb Daniel Keßler in Offenbach mit Karoline Laura Gemdt hierselbst. Louis Rosenthal, Kaufmann dahier mit Baula Katz in Hörter. Friedrich Wilhelm Reuschling, Wagner in Heuchelheim mit Auguste Engel dahier. 2. Mai. Heinrich Christian Rau, Kaufmann dahier mit Elisabeth Volt in Großen- Buseck. 3. Karl Daubertshäuser, Schuhmacher da hier mit Katharine Hauffmann hierselbst. 5. Friedrich Wilhelm Mörsch, Sanitätssergeant dahier mit Katharine Friedericke Hengst hierselbst. 5. Heinrich Kreuter, Straßenbahnschaffner in Bielefeld mit Anna Marie Margarethe Leilich dahier. 6. Hermann Schmidt, Kutscher dahier mit Anna Katharine Thamer hierselbst.
Eheschließungen.
Am 30. April. Georg Friedrich Simon, Schlosser dahier mit Auguste Margarete Christiane Vogel hierselbst. Heinrich Eise, Lackierer dahier mit Karoline Johanna Elisa
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Am 27. April. Dem Lokomotivhilfsheizer Karl Hock ein Sohn. Dem Kutscher Christian Buet ein Sohn, Wilhelm. 28. Dem Buchhalter Karl Hermann Walter Richte ein Sohn, Ernst Richard Rudolf. 30. Dem Schneider Heinrich Hahn II. ein Sohn, Karl. 2. Mai. Dem Maschinisten Wilhelm Semmler II. ein Sohn, Heinrich. 5. Dem Schneider Adam Bayer eine Tochter, Elisabethe.
Gestorbene.
Am 29. April. Dr. August Hanau, 54 Jahre alt, praft. Arzt dahier. 30. Emilie Marie Helene Lepper, 13 Jahre, ohne Beruf dahier. 2. Mai. Dr. Konstantin Höhlbaum, 54 Jahre alt, Universitätsprofessor dahier. 2. Adam Bender, 70 Jahre alt, Spinnereib siger dahier. 2. Johannes Euler, 70 Jahre alt, Pflegling dahier. 4. Anna Frieda Marter, 1 Jahr alt, Tochter des Gastwirts Johann Marker dahier. 3. Heinrich Semmler, 1 Tag alt, Sohn des Maschinisten Wilhelm Semmler II. dahier. 4. Bertha Wallach geb. Heichelheim, 83 Jahre alt, Witwe des Kaufmanns. Julius Wallach dahier. 4. Charlotte Anna Sophie van Calfer, 2 Monate alt, Tochter des Universitätsprofessors Dr. Wilhelm van Calker dahier. 4. Caroline Wilhelmine Fresenius geb. Welsch, 58 Jahre alt, Witwe des Bolizeirats Wilhelm Fresentus dahier. 5. Karl August Kraz, 10 Mte. alt, Sohn des Fubrmanns August Krab dabier.
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