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Japans Ehronfolger.
Eine fonderbare Mischung orientalischer Gebräuche und ostländischen Herfommens mit westlicher Kultur macht sich in dem modern fortschreitenden Japan noch überall bemerkbar. So zum Beispiel hat der Mikado nicht einen Schatten von Aberglauben an sich, und dennoch wurde am Tage der Geburt seines Enkels und zukünftigen Thronfolgers, des Prinzen Micchi, von den Hofastrologen das Horoskop des föniglichen Baby gestellt, und das geschieht von jenem Geburtstag an Prinz Micchi ist ein fräftiger, gesunder Bursche von drei Jahren jeden Tag. Das Volk verlangt angeblich, daß es geschehe, denn seit 25 Jahrhunderten ist das Horoskop noch für jeden königlichen Prinzen gestellt worden, und jeder Japaner und jede Japanerin war von ängstlicher Neugier erfüllt, welches Geschick wohl dem neuen Baby beprinz ihre Zustimmung zu allerlei mystischen Riten und stimmt sein möge. Und so gaben der Mikado und der Kron Zaubersängen, obwohl keiner der Beiden an die HoroskopResultate glaubt.
Am Tage, an dem Prinz Micchi sechs Monate alt wurde, „ überreichte man ihm" ein kostbar ausgearbeitetes kaiserliches Siegel für seinen eigenen Gebrauch". Auch hier waren die alten, hergekommenen Gebräuche Japans mächtiger als die dort jählings in die Höhe geschossenen Ideen des Westens. Im Lande des Chrysanthemum ist das Mannes Siegel sein kostbarstes Eigentum. Die Fälschung eines Siegels wird strenger selbst als Raub bestraft. So wurde denn auch des Baby- Prinzen Micchi Siegel sofort eine Sache von überragender Wichtigkeit. Monatelang arbeiteten zehn Künstler daran, bevor man sich über ein passendes Emblem einigen konnte. Jetzt wird dasselbe auf alles gedrückt, was das Prinzlein trägt oder sonst gebraucht.
Der präſumtive Erbe des großen Ostreiches ist das erste Baby in dem königlichen Hause von Jimmu Tenno, dessen Haar man wachsen läßt, wie das irgend eines Wiener Baby, während sein Vater und sein Großvater als Babys Tag für Tag am Kopfe rasiert wurden. Es ist„ historisch" festgestellt, daß die Mutter des jetzigen Mikado an seinem siebenten Lebenstage ihr Talent als Barbierin dadurch dokumentierte, daß sie das kleine Köpfchen ihres Sohnes glatt rasterte. Obwohl Prinz Micchi zweiundzwanzig der denkbar hübschesten fleinen japanischen Pflegerinnen hat, darf doch keine von ihnen ihre Barbier- oder Frisierkünste an dem Prinzchen_versuchen. Bald nach des Prinzen Geburt wurden Maßnahmen getroffen, um das„ Mandelauge" seiner Rasse zu entfernen. Zu diesem Behuse vollführte man eine kleine chirurgische Operation, die die Wirkung hatte, daß Prinz Micchi jetzt nicht im entferntesten wie ein Japaner aus sehen soll.
Schon jetzt ist die Hochzeit des zukünftigen Mikado Micchi unter ernſter Erwägung, und drei der adeligsten jungen Damen im Lande der Blumen natürlich alle drei bis jetzt noch im zartesten Babyalter sind vorläufig als Kandidatinnen für die eheliche Genossenschaft mit dem zukünftigen Herrscher erforen worden. Bis zu jener Zeit, wo Prinz Micchi wirklich in den Chestand treten wird, dürfte die westliche Zivilisation in Japan schon so weit fortgeschritten sein, daß man ihm erlauben dürfte, eine Liebesheirat einzugehen. Gegenwärtig jedoch ist das durch das Gesetz verboten. Die Hauptehefrau des Prinzen ist schon aus den Töchtern einer der fünf höchsten Familien des Landes ausgewählt worden. Außerdem jedoch wird er noch das Recht haben, untergeordnete Frauen, im Maximum jedoch nur elf solcher, aus anderen adeligen Familien zu wählen, und jede der selben wird als legitim anerkannt.
Versäumt.
Ich steh' vor dir und kann nicht scherzen, Wie ich es gestern noch getan
Du blichst mit deinen dunklen Sternen Mich halb erschreckt halb fragend an. Ein Weh' faßt mich.. ich möchte weinen Verträumt verscherzt mein junges Glück! Was ich auch heute sagen wollte, Das Gestern" bringt kein Gott zurück. Heut' steh' ich vor dir als ein Fremder, Als hätt' ich niemals dich gekannt Das macht der schmale gold'ne Streifen, Der Streifen dort- an deiner Hand.
EINST UND JETZT
Verschiedenartige königliche Belohnungen. Als Ludwig XI., König von Frankreich, als Pringregant bet seinem Vater Karl VII. in Ungnade gefallen war und sich schien mußte, da fand er bei einem armen Bauern ein sicheres Bersted und nährte sich zumeist von Rüben. Als Ludwig zur Regierung gelangte, da brachte ihm der Bauer eine große Rübe, gletchfam als Erinnerung an vergangene trübe Tage, wofür der Röntg in reichlich beschenkte. Dieses hat einen geizigen Herrn am Hofe zu glauben bewogen, daß, wenn er dem König ein schönes Pferd schenkte, er noch eine reichlichere Belohnung erhielte; allein zu seinem großen Erstaunen ließ ihm der König für das ſchöne Pferd die Rübe des Bauers verabfolgen.
Eine ähnliche Geschichte, wenn auch viel interessanter, wird von Kaiser Hadrian berichtet. Hadrian zog mit seinen Scharen zur Bekämpfung einer großen Stadt aus. Auf seinem Kriegszuge sah er einen Greis, der Feigenbäume pflanzte. Hadrian redete ihn also an:" Wozu pflanzt du Bäume, deren Früchte du schwerlich mehr genießen wirst?" Und der edle Greis antwortete:„ Das Bewußtsein, daß andre meiner Hände Arbeit genießen werden, genügt mir," worauf der Kaiser erfreut von dannen zog. Drei Jahre brachte Hadrian im Kriege zu. Bei seiner Rückkehr traf er denselben Greis am selben Ort, wo er Feigen von den vor drei Jahren gepflanzten Bäumen pflückte. Nachdem beide sich erkannt und begrüßt hatten, nahm der Greis einen Korb mit den gepflückten Früchten und überreichte ihn dem Kaiser, der ihn dankbar annahm, ihn wieder mit Geld füllen ließ und ihn als Belohnung dem Greis überreichte. Voll Freude eilte der Greis nach Hause und benachrichtigte seine Angehörigen von dem großen Glücke, das ihm zuteil geworden. Seine Nachbarin, eine neidische Xantippe, suchte ihren Mann zu überreden, dasselbe zu tun. Dieser eilte mit einem Korb voll Früchten dem Kaiser nach, den Hadrian auch bereitwillig annahm, aber eine gehörige Tracht Prügel verabfolgen ließ, die er wieder an seine„ liebe" Gemahlin als Belohnung entrichtete.
Bunte Blätter.
Das Brot der Pfahlbautenzeit war, nach den neuesten Funden zu schließen, eine Art Kleienbrot, denn beim Zerbrechen zeigten sich deutliche Reste von Kleie sowie zum Teil noch wohlerhaltene Weizenkörner, die also unvollständig zermalmt worden waren. Wahrscheinlich rührten die Pfahlbauer das zerstampfte Korn mit Wasser zu einem Teig an, der darauf zwischen heißen Tellern gebacken wurde, wie die niedrige Tellerform des Brotes andeutet. Außerdem ist es fest und hat nur kleine, dicht bei einanderstehende Poren.
Künstler- Stolz. Als Franz Liszt von seinem ersten Triumphzuge durch Italien nach Wien zurückgekehrt war, bewog ihn Metternich, seiner Gemahlin, Fürstin Melanie, einen Besuch zu machen. Die Fürstin empfing den Künstler im Beisein einiger anderer Damen der hohen Aristokratie, die gerade bei ihr Besuch machten, und richtete an ihn etwas von oben herab die Frage: ,, Nun? haben Sie in Italien gute Geschäfte gemacht?"" Ich mache Musik, Madame, und keine Geschäfte!" entgegnete mit der ganzen Schärfe verlegten Ehrgefühls der stolze Künstler, verbeugte sich und verließ stehenden Fußes die verdußten Damen. Erst nach langer, langer Zeit gelang es der Ueberredungskunst des Fürsten, Liszt zu bewegen, den Fehltritt seiner Gemahlin zu verzeihen und wieder in derem Salon zu erscheinen. Natürlich ließ sich die Fürstin jetzt angelegen sein, durch die ausgesuchteste Liebenswürdigkeit, worin sie, wollte sie es, Meisterin war, den Landsmann jene Frage vergessen zu machen.
Ein prophetischer Traum. In den ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts lebte zu Magdeburg ein alter Offizier, der als Knabe Page und später Adjutant bei Friedrich dem Großen gewesen war. Eine der merkwürdigsten Erinnerungen dieses Offiziers war folgende:" Im August 1769 hatte er den König zur Revue nach Breslau begleitet. Da sagt Friedrich eines Morgens zu seinem Adjutanten:„ Kann Er Träume deuten?"" Nein, Ew. Majestät."" Nun, so merke er sich den Traum, den ich heute nacht gehabt habe. Ich sah einen hellen Stern auf die Erde herabkommen. Er umfloß sie mit hell strahlendem Licht, sodaß ich vor dem hellstrahlenden Licht nicht die Augen öffnen konnte." Der Adjutant merkte sich den Traum und das Datum. Es war die Nacht, in welcher Napoleon I. geboren wurde.
Sr. 76.
Bonnerstag,
7. April.
1984
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
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Gießener Neueste Nachrichten.
Band rab Boring ber Chefoucy Berlag@ bradersi, vern:. Bilh. Reller'ſõe Fusbrassset( gegr. 1788); vandres: Ila leta
( 5. Fortsetzung.)
Gewissensqualen.
Kriminal- Roman von Robert Buchanan.
,, Wollen Euer Gnaden mich einmal versuchen lassen?" fragte Andreas, und ich, der ich froh war, die Rute los zu werden, übergab sie ihm mit größtem Vergnügen.
Kaum hatte er die Rute in die Hand genommen, als mit dem verschmitzten Kerl eine förmliche Umwandlung vorging und ich in ihm sofort einen Meister der Angelkunst erkannte. Weder das Gewicht der schweren Rute, noch die Gewalt des heftigen Windes störten ihn im geringsten, und sein angeborenes Talent und sein Geschick machten ihn vollkommen zum Herrn der Lage. Mit leicht gebeugtem Körper und nach vorn geneigtem Kopf stand er ein paar Ellen vom Ufer entfernt und handhabte die schwere Rute mit einer solchen Gewandt hei, als sei sie eine leichte Weidengerte. Mit einer kurzen Bewegung seiner Hand warf er die Leine aus, und mit einem fast ummerklichen Ruck verstand er es, die Fliege, die als Köder diente, auf das Wasser zu bringen. Zoll für Zoll fischte er den Teich ab, und kein Fleckchen, wo er Beute vermutete, blieb von der Fliege unberührt. Und lange schien es, als ob sein Geschick und seine Ausdauer nicht mit Erfolg gekrönt werden sollte. Ich folgte ihm Schritt für Schritt, bis er fast an das Ende des Teiches gekommen war. Da plötzlich spannte sich die Leine, sachte zog seine Hand an, und der Fisch saß fest.
" Nehmen Sie die Rute, Euer Gnaden!" rief mir Andreas zu. Nehmen Sie die Rute und ziehen Sie ihn leise heraus!" Ich ergriff die Rute, und kaum hatte ich sie in der Hand, als es im Wasser plätscherte, und ein großer Fisch drei bis vier Ellen hoch sprang.
,, Sachte, sachte!" rief Andreas.
„ Was für ein Fisch ist es denn?" fragte ich zitternd, als der angehakte Fisch wieder in ſein heimisches Element sprang. „ Ein Lachs?"
„ Ein schöner Lachs! Nur eine kleine weiße Forelle. Aber, machen Sie raſch, denn sie ist sehr lebendig!"
Nur eine kleine weiße Forelle! Und wie der Blitz schoß sie in den Teich, nach unten der Strömung zu; die Schnur haspelte sich ab und lief mit, stolpernd und strauchelnd folgte ich ihr. Und wieder sprang der Fisch hoch, und bevor ich wußte, wie es kam, war er wieder auf dem Grunde und suchte Zuflucht unter einem Stein.
" Ziehen Sie ihn hoch! Ziehen Sie ihn hoch!" schrie Andreas.
So rasch als ich konnte, zog ich, und Andreas' Anweisungen folgend, gelang es mir, den Fisch aus seinem Versteck hervorzuholen, aber frisch und munter, wie je vorher, strebte er dem Mere zu.
„ Hurra!" rief Andreas.„ Er geht jetzt selber in sein Verderben. Greifen Sie ihn jetzt!"
Wie es kam, davon hab' ich auch heute noch keine Ahnung, aber ganz gewiß trägt meine Geschicklichkeit nicht die Schuld genug, ein paar Minuten später hatte der Fisch all' seine Kampfeslust verloren, und ich zog ihn langsam an die Oberfläche; Andreas wartete bereits mit der Harpune in der Hand. Beim ersten Versuch verfehlte er ihn, und noch einmal entwischte uns der Fisch., Im nächsten Augenblicke hatte die Harpune jedoch ihr Werk vollbracht, und über Andreas'
( Nachdruck verboten.))
Schulter flog der Fisch auf den Rasen zu meinen Füßen; es war eine schöne, eben erst aus der See gekommene Silberforelle, die wohl drei Pfund schwer sein mochte.
So flein sie auch in den Augen eines erfahrenen Fischers ſein mochte, mir erschien sie ungeheuer groß, und ich jubelte laut auf. Ich holte meine Flasche hervor, und wir feierten mein erstes Opfer mit einem fräftigen Schluck.
Wenn es Euer Gnaden recht ist", schlug Andreas vor, „ versuchen wir es einmal beim Pol- Na- Redach- Gal."
Pol- Na- Redach- Gal heißt der„ Teich der weißen Forelle". Derselbe lag oberhalb des Teiches, in dem wir eben gefischt hatten, und kaum waren wir an seinen Ufern angelangt, als ich merkte, daß er seinen Namen mit recht führte. Es war ein langgestreckter See mit dunkel gefärbtem Wasser; der Westwind, der gerade blies, strich über seine ganze Fläche und bildete kleine Wellen, und in den Wirbeln, die entstanden, waren überall Forellen zu entdecken. Unter Andreas' Leitung versuchte ist es nochmals, und jetzt hatte ich mehr Glück. Fünf Fische bekam ich allmählich an meinen Angelhafen, und drei davon konnte ich auch fangen; der größte war freilich nur zwei Pfund schwer, und so klein waren sie, daß Andreas es nicht der Mühe für wert hielt, seine Harpune zu gebrauchen. Seinen hohen, schmalkrämpigen Hut abnehmend, gebrauchte er ihn als eine Art Fangneß, was um so leichter ging, als sich im Deckel ein großes Loch befand, durch den das Wasser bequem abfließen konnte.
,, Schade, daß Euer Gnaden heute so schlechten Fang hat", äußerte er, indem er den letzten der kleinen Gesellschaft ergriff. Vielleicht versuchen wir es einmal mit einem Lachs." Während er noch sprach, rührte es sich im Wasser zu unferen Füßen. Ein schwarzer Rücken hob sich glänzend ab und schoß vorüber, große Kreise bildend.
" Das war ein schöner Kunde!" rief Andreas, in Eifer geratend. Der hat ganz gewiß seine neun bis zehn Pfund." Sogleich fette er sich auf einen Stein und ersetzte die dünne Darmschnur der Angel durch eine andere, die er aus einem Täschchen, das er bei sich führte, nahm. Am Ende dieser neuen Fangleine befand sich als Köder eine ungewöhnlich große Fliege von ungeschlachten Formen und sehr prächtigen Farben, die weit eher einem Kolibri glich als einem Insekt, das auf den britischen Inseln haust.
" Darauf wird doch ganz gewiß kein Fisch anbeißen", meinte ich. Ist denn der Köder nicht viel zu bunt?"
Andreas schütelte den Kopf. Ich habe das kleine Ding selbst gemacht und schon viele Fische damit gefangen." Lachend fuhr er fort:" Euer Gnaden können es glauben, mit den Fischen ist es wie mit den Jungfern, sie sehen gern was Schönes, und eine rote Jacke mit goldenem Besatz zieht mächtig an."
Er reichte mir die Rute.
,, Euer Gnaden müssen sehen, daß sie gerade den Fleck treffen an dem der Fisch aufsteigt, und wenn er kommt, Herr, dann geben sie ihm den Köder, ziehen ihn aber nicht eher hoch, bis er die Fliege ganz im Maul hat. Keine Angst, Herr; es ist leichter, einen großen Lachs als eine kleine Forelle zu fangen, denn die kleinen sind viel schlauer."
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