Oefterreich- Ungarn.
Immer lieblicher werden die Zustände in Ungarn: Jetzt ist man sogar wenigstens sagens die Ungarn einer Revolutionsverschwörung auf die Spur gekommen. In den zumeist von Rumänen bewohnten Gegenden des Komitats Großwardein soll der Sitz der weitverzweigten Verschwörung sein. In Issopallag, Braka, Kabulaspatak und Unter- und Oberlugos haben sich die von ausländischen Agitatoren aufgewiegelten Rumänen organisiert, um die unter ihnen lebenden ungarischen Herren einfach totzuschlagen. Eine Abordnung der Rumänen begab sich unter Führung des Bauern Demetrius Guro nach Großwardein, um der sozialdemokratischen Zentralleitung ihre Absicht mitzuteilen. Die Sozialdemokraten lehnten jedoch jede Gemeinschaft mit den Rädelsführern ab und erstatteten bei dem Obergespan unverzüglich Anzeige. Der Obergespan mobilisierte die gefamte Gendarmerie und verbot alle Versammlungen der Rumänen, auch solche unter freiem Himmel. Dem Minister des Innern ist ein ausführlicher Bericht über diese Vorgänge zugegangen. Es ist immerhin möglich, daß die von den Ungarn bis aufs Blut gepeinigten und ausgesogenen Bauern etwas derartiges im Schilde führten. Indessen wird die Verschwörung wohl auch von den Ungarn start aufgebauscht, schon um den Rumänen nachher einen desto gründlicheren Denkzettel zu erteilen.
Belgien.
In Brüssel tagt bekanntlich 3. 3t. der Internationale Verband für das Studium der Verhältnisse des Mittelstands". Den Vorsitz führt der frühere Präsident des Reichs. versicherungsamts in Berlin, Dr. Bödiker. U. a. wurde beschlossen, zunächst die Fragen des professionellen, kommerziellen, technischen( auch landwirtschaftlichen) Unterrichtes, der Werkzeugmaschinen, des Kredits, des Versicherungs- und des Genossenschaftswesens in Angriff zu nehmen und bei der im Jahre 1905 abzuhaltenden Ausstellung einen Kongreß zur Erörterung insbesondere der erstgenannten drei Fragen einzuberufen. Der Kongreß soll den Namen führen ,, on, greß des städtischen und ländlichen Mittel, standes". Ferner wurde die Gründung einer Bibliothet mit entsprechender Registratur beschlossen.
Balkan- Staaten.
+ Einen Vertrauten Alexanders von Serbien, den serbischen Oberleutnant Lubomir Natschewitsch, hat man in Braila( Rumänien) verhaftet, wo er sich politisch verdächtig gemacht haben soll. Natschewitsch war ein treu ergebener Anhänger des ermordeten Königs Alexander und Dragas. Nach der Belgrader Mordtat entfloh er nach Semlin, um den Nachstellungen der Königsmörder zu entgehen. Von dort aus gelangte er über Siebenbürgen nach Rumänien. In seinen Taschen fand man die Porträts des ermordeten Königspaares, die ihm, wie er behauptet, von König Alerander selbst geschenkt worden seien. Aus den etwas unklaren Ausfagen des Verhafteten scheint hervorzugehen, daß er in Ru mänien leben de Serben anstiften wollte, den Königsmord an seinen Urhebern zu rächen.
Türkei.
Kaum hat Bulgarien auf die Rolle des Störenfrieds am Balkan verzichtet, da macht die Pforte sich mausig. Sultan Abdul Hamid hat den nach langen Bemühungen endlich zustande gebrachten Organisationsentwurf der Zivilagenten für die Gendarmerie abgelehnt, weil er gegen die türkische Souveränetät verstoße. Ebenso verweigert der Sultan die Unterzeichnung des Abkommens mit Bulgarien. Dieses unerwartete Aufbegehren der Pforte, die erst so willfährig tat, erregt natürlich schwere Besorgnisse für die Gestaltung der Dinge ltan in den nächsten Wochen, wo der Komitatschiaufstan wieder losgehen soll.
Deutfcher Reichstag.
zucker fordert. Ein Parallelantrag Stupp( 3entr.) berlangt Herabsetzung der Tarife für Zuckerrüben, Schnitzel, Melasse und Melassefutter. Beide Anträge wurden mit der Notlage der deutschen Zuckerindustrie begründet. Ihre Beralung vertagte das Haus auf Montag.
Kurpfulcherprozels Schröter.
Sh. Tilsit, 4. März.
In schier erdrückender Fülle folgen sich Fall um Fall, in denen dem Angeklagten von den Sachverständigen berfehrte Behandlungsweise oder Marktschreierei vorgeworfen wird. Das letztere Moment tritt besonders kraß bei der Vernehmung der Zeugin Auguste Rubbel hervor, die bei dem Angeklagten Heilung für ihre wunde Zunge fute, aber nicht fand, trotzdem er ihr versicherte, im ganzen Osten könne er sie nicht heilen. Sachverständiger Dr. Caspary bezeichnet das Leiden der Zeugin als einen abnormen, allerdings kaum heilbaren, aber gänzlich harmlosen Fall, der als Wanderflecken auf der Zunge bezeichnet werden müsse. Die Art, wie der Angeklagte Flechten mit Diätverordnungen behandelte, führte zu einem Disput zwischen den Sachverständigen Dr. Schulz und Prof. Dr. Caspary. Der erstere, als Vertreter der wissenschaftlichen Naturheilkunde, erklärt, daß die Anwendung der Diät allerdings auf die Flechten bon gutem Einfluß set, während der lettere das direkt ableugnete. Uebrigens stellt sich der Angeklagte nicht auf den Boden der Naturheilmethode. Er verteidigt die Anwendung von Giften, wie z. B. des Farnwurzeleytrafts bei Band. wurm oder des Krotonöles, das die Baunscheidtkur in den Körper bringt, weil er im Gegensatz zu dem dilettanten. mäßigen Verweigern aller Arzneien seitens der Naturheil kundigen wohl wisse, daß gewisse Leiden nur mit drastisch wirkenden Mitteln zu bekämpfen seien. Zu einem sensatio nellen Zwischenfall führt seine Konfrontierung mit einer Zeugin, die er als seine Patientin verführt und mit einer Krankheit angesteckt haben soll. Während er zuerst den intimen Umgang zugibt, doch die Schuld der Verführung der Zeugin aufbürden will, springt er plötzlich auf und erklärt, er habe die Zeugin nur aufs Glatteis führen wollen, er habe sie tatsächlich niemals mißbraucht, und die Zeugin würde einen Meineid leisten, wenn sie ihre Aussage später beschwören würde.( Große Bewegung.) Zum Schluß wird die all. gemeine Heiterfeit erweckt, als konstatiert wird, daß auch die Schwester des als Sachverständigen anwesenden Kreisarztes Dr. Behrendt sich von dem Angeklagten hat behandeln lassen. Dr. Behrendt: Ich kann doch nichts dafür, wenn meine Ver. wandten zu einem Kurpfuscher gehen.
( 50. Sigung.) CB. Berlin, 5. März. Von dem großen Tag, den die gestrige Militärdebatte mit ihrem Rededuell zwischen dem Abgeordnetn Bebel und bem Kriegsminister v. Einem darstellte, war heute nichts mehr zu merken. Die Tribünen, einschließlich der Diplomaten-, Bundesrats- und Hofloge waren zwar auch heute bon einem erlesenen Publikum, darunter zahlreichen Offizieren mit ihren Damen, besetzt; aber das Haus folgte teilnahmlos dem Fortgang der Diskussion, die sich zu etwas größeren Gesichtspunkten erst im zweiten Teil der Situng wieder erhob, als der„ Vorwärts"-Redakteur Dr. Gradnauer das Thema: Armee und Sozialdemokratie wieder anklingen ließ. Der sozialdemokratische Redner beschäftigte fich fast ausschließlich mit der gestrigen Rede des Kriegsministers, brachte aber auch den jüngsten Prozeß wider den Prinzen Arenberg zur Sprache. Er sprach seine Verwunderung darüber aus, daß der notorisch unzurechnungsfähige Prinz hat Offizier werden können.
Eine große Enttäuschung erlebte das Haus, als nach der langen Rede des Abg. Gradnauer, statt des Kriegsministers, wie es erwartet wurde, der sächsische Bundesratsbevollmäch tigte Fischer zu kurzer Rede das Wort nahm und eine Behauptung des sozialdemokratischen Redners widerlegte. Als man sich vergewissert hatte, daß der Kriegsminister heute nicht sprechen würde, leerte sich schnell das Haus. Selbst die Reihen der sozialdemokratischen Abgeordneten lichteten sich, so daß nur zwei Abgeordnete auf ihren Pläßen blieben, Bebel und der Zehngebote"-Hoffmann. Es verlautet jedoch, daß für Montag ein neues Rededuell Bebel- von Einem bevorstehe.
Preussischer Landtag.
Haus der Abgeordneten.
Sh. Tilsit, 5. März.
wie hier der Angeklagte, Aerzte auf den Erfolg ihrer Behand. lung kontrolliert werden würden, so würde er seine Tätig feit lieber aufgeben. Auf Befragen des Verteidigers erklärt der Sachverständige: Die meisten Entdeckungen auf gesund. heitlichem Gebiete sind von Laien gemacht, und Laien haben manchmal Erfolg gehabt, wo die ärztliche Kunst versagte, Der Gerichtshof schloß sich dem an. Wenn der Angeklagte nach der biochemischen Methode behandle, dann sei ihm daraus kein Vorwurf zu machen. Es habe sich nicht feststellen lassen, ob ihm ein Verschulden zur Last falle. Die Heilkunst könne nach der Gewerbeordnung von jedem frei geübt werden, und wer sich anstatt zu einem Arzt zu einem Heilkundigen in Be handlung begibt und hineinfalle, der habe es sich selbst zu zuschreiben.
Endlich beginnt es zu tagen: Der Angeklagte will heute dem Gerichtshof ein überraschendes Erperiment seiner magnetischen Kraft vorführen. Die Sizung wurde darauf vertagt. Die Sachverständigen Moll, Puppe und Bilfinger besorgten verschiedene, vom Angeklagten geforderte Gegenstände, worauf in Gegenwart dieser Sachverständigen in einem geschlossenen Raume das Experiment vor sich geht. Worin dieses Wunder bestehen wird, blieb vorläufig Schröters Geheimnis. Die Form ist ja aber auch Nebensache, die Hauptfache bleibt, daß er wirklich ein derartiges Experiment als Beweis für seine Kraft erbringt, deren er sich oft genug gerühmt, die er aber bisher nie gezeigt hat. Auch dem Berliner Nervenarzt Dr. Moll, der als Sachverständiger geladen ist und der ihm versprach, ganz objektiv zu Werke zu gehen, schlug er die Vornahme unter dem Einwand ab, daß er zu schwach dazu sei. Wahrscheinlich fühlte er sich durch das Eintreten des Sanitätsrats Dr. Bilfinger- Kassel für die Wirksamkeit der magnetischen Kraft neu gestärkt. Dr. Bilfinger legte dar, daß die ärztliche Behandlung eine Kunst und ihre Ausübung sehr verschieden sei, je nach der Veranlagung des Arztes. Eine symphatische Erscheinung, eine klangvolle Stimme, eine äußerliche und innerliche Gesundheit beim Arzte kann Wunder bei der Behandlung wirken. Ein Arzt, der Diät lebt und auf enem hohen sittlichen Standpunkt steht, hat einen größeren Einfluß auf den Patienten als ein anderer, der diese Anschauungen nicht teilt. Vors.: Das wäre also so eine Art Suggestion? Sach v.: Doch nicht, sondern eben das Fluidum, das von der Persönlichkeit ausgeht. Professor Jäger in Stuttgart nennt es die Duftstoffe. Der eine duftet nach Alkohol, der andere nach Tabak, der dritte nach Fleisch, und der vierte duftet süß.( Heiterkeit bei den übrigen Sachverständigen.) Der Sachverständige hält es auf Grund von Mitteilungen, die ihm Aerzte und Nichtärzte, die den Magnetismus anwenden, gemacht haben, für wohl möglich, daß„ Sensitive", wenn sie in die nächste Nähe tranker Stellen des Körpers kommen, selber krankhafte Empfindungen an den korrespondierenden Stellen ihres Körpers haben können. Da er aber selbst nicht sensitiv sei, so könne er zu dieser Sache aus eigener Erfahrung nichts sagen. Die Stimmung des Publikums scheint ganz zu junsten des Angeklagten zu sein. Die Hauptbelastungszeugin wurde, als sie das Gericht verließ, mit Schneeballen geworfen und beschimpft, so daß Polizei requiriert werden mußte.
( 34. Sißung.) RK Berlin, 5. März. Auch heute kam das Haus mit dem Eisenbahnetai noch nicht zustande. Zunächst wurde ausführlich über die Anträge der Abgg. Friedberg- v. Zedlik, Strombeck und Moltke beraten. Sie wünschen eine erhöhte Förderung des Ausbaues des Kleinbahnnetzes und eine Herabsetzung der Gütertarife. Vor Eintritt in die Debatte teilte Abg. Porsch( Bentr.) mit, mit Rücksicht auf die FertigStellung des Etats hätten sich heute Vertreter aller Parteien im Seniorenkonvent darüber geeinigt, alle zum Etat gehörigen Anträge und Resolutionen von diesem zu trennen und nach Fertigstellung des Etats zu erledigen. Dann begann eine lange und neue Gesichtspunkte nicht bringende Debatte über die Gütertarife, die mit der Ueberweisung der Wrträge an die Budgetkommission endete. Gegen den Schluß der Sizung brachte Abg. Graf Praschma( 3entr.) einen Antrag ein, der eine Herabfebung der Tarife für Rüben
Prinz Hrenberg treigelprochen. § Berlin, 4. März. Das Urteil im Prozeß gegen den Prinzen Prosper Arenberg, das heute nachmittag gefällt wurde, lautete auf Freisprechung. Der Gerichtshof nahm eine strafbare Handlung als nicht vorhanden an, da der Angeklagte zur Zeit der Begehung des Mordes sich in einem Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit befand, durch welche seine freie Willenstätigkeit ausgeschlossen war.
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Der Staatsanwalt selbst hatte bei dem übereinstimmenden Urteil der Sachverständigen, die den Prinzen für völlig unzurechnungsfähig, sowohl bei der Begehung der Tat wie jetzt, erklärten, den Freispruch beantragt. Die Zeugenvernehmung ergab ein abschreckendes Bild von menschlicher Degeneration. Schon in frühester Jugend beging der Prinz die abscheulichsten Tierquälereien, stach Fischen bei lebendigem Leibe die Augen aus, schnitt gefangenen Kaben die Pfoten ab und hetzte Hunde auf sie. Einem kleinen Seidenspitz, den ihm seine Mutter schenkte, biß er selbst den Schwanz ab. Saum hatte er das mannbare Alter erreicht, als er sich den größten geschlechtlichen Ausschweifungen hingab. Er scheute sich als sechzehnjähriger Knabe nicht, Dirnen in die Wohnung seiner Mutter einzuschleppen. Dazu ergab er sich alsbald den Lockungen des Dämons Alkohol und vertilgte Unmengen der schwersten Getränke. In der Trunfenheit beging er dann die furchtbarsten Roheiten, zum Beispiel stach er oft mit dem Degen nach seinem Hund, bis das Tier ganz blutüberströmt war.
Als er zur Schutztruppe kam, wurde sein Zustand noch viel schlimmer. Schon unterwegs auf dem Schiff zeigte er seine geistige Anormalität. Er kam einmal bei einem kleinen Sturm im bloßen Hemd und Schwimmgürtel unter die Passagiere gelaufen mit dem Ruf: Das Schiff sinkt! Während dies wie Feigheit aussieht, zeigte der Prinz manchmal eine schier wahnsinnige Tollkühnheit. Auf der Station in Afrika packte er einmal eine giftige Schlange beim Schwanz und tötete sie. Seine Grausamkeit wuchs von Tag zu Tag. Störrischen Kamelen, die nicht aufstehen wollten, ließ er Zeuer unter dem Schwanz anzünden, daß sie halb verbrannten. Einem Feldgeistlichen schoß er aus Scherz" um Haaresbreite eine Revolverfugel am Gesicht vorbei. Die Eingebo renen behandelte er ebenso unmenschlich wie die Tiere."
Geheimrat Schweninger sur die„ Kurpfuscher. Für den Ausgang des Tilsiter Prozesses ist der eines ähnlichen, der sich soeben in Berlin abgespielt hat, von symptomatischer Bedeutung. Wie uns von dort geschrieben wird, sprach der Gerichtshof einen der Körperverlegung angeflagten Laienheilkünstler May Laabs frei, der die sogenannte biochemische Methode bei einer Patientin angewandt hatte, wie mehrere Aerzte behaupteten, mit dem Erfolge, daß er sie an den Rand des Grabes brachte. Dem Angeklagten erstand aber ein warmer Verteidiger in dem als Sachverständigen geladenen früheren Leibarzt des Fürsten Bismarck, Geheimrat Dr. Schweninger. Er erklärte gegenüber anderen Sachverständigen, die die biochemische Heilmethode, deren Mittel aus den elf im Blut befindlichen Mineralsalzen bestehen, von Grund aus verwerfen, daß es ihn wundere, daß Sachverständige über eine Sache, die erst neu im Aufschwunge begriffen sei, herfallen, ohne sie genau zu kennen. Er selbst habe sich schon lange mit der biochemischen Methode beschäftigt, er könne sie absolut nicht verwerfen, und wenn der Angeklagte danach behandelt habe, könne ihn kein Verschulden treffen. In der Medizin handle es sich nicht bloß um Wissen, Kunst und Humanität sondern auch um Glauben und Vertrauen, und wenn der Angeklagte Vertrauen zu der Methode hatte, würde er feige gewesen sein, wenn er sich nach einem Arzte umgesehen hätte, menn er nicht gleich vollen Erfolg erzielte. Er selbst stehe 38 Jahre im Kampfe, aber er lasse sich in gar keiner Art und Weise davon abbringen, was er als das Richtige einmal erkannt habe. Wenn in derselben Weise,
Daß er dem Cain nach dem Leben trachtete, erklären die Gutachten der Aerzte als einen Ausfluß seines Verfolgungs wahnes. War schon auf dem Schiffe bei der Ueberfahrt seine Burechnungsfähigkeit ausgeschlossen, so war dies noch in viel stärkerem Maße der Fall, als durch die Malaria, übermäßig starkes Trinken bei schädlichem Klima, ungenügende und unzureichende Nahrung und anstrengende Märsche die Geistesfrankheit verschärft wurde.
O Prinz Arenberg im Irrenhause. Infolge des freisprechenden Urteils, das ihn für geisteskrant erklärte, ist der Prinz Prosper Arenberg jezt der Frrenanstalt Herzberge bei Berlin überwiesen worden.
Nab und Fern
Schwerer sittlicher Vergehen haben sich zwei in angesehener Stellung befindliche Männer schuldig gemacht. Aus Dresden verschwand bei Nacht und Nebel der evangelische Pfarrer Segitz, der sich an Konfirmanden vergangen hat. In Wien vermißt man den Universitätsprofessor Theodor Baer, der ähnlicher Vergehen beschuldigt wird.
Ein Präricbrand wütet, wie aus Newyork gemeldet wird, im Indianerterritorium. Dem verheerenden Element sollen schon 100 Personen zum Opfer gefallen sein.
Auf Umwegen. Wegen einer eigenartigen Verlegung hat der Gutsbesizer Birkenfeld aus Jagertow bei Polzin i. P. die Hilfe der hiesigen Tollwutschukstation in Anspruch nehmen müssen. Ueber die Veranlassung zu dieser ärztlichen Anordnung wird uns mitgeteilt, daß B. vor einigen Tagen von seinem Papagei in den Finger gebissen wurde. Die dadurch entstandene Wunde ist dann kurz darauf von einem tollwutberdächtigen Hunde beleckt worden. B. wird sich daher in dem genannten Institut einer mehrwöchigen Schußimpfung unterziehen.
* Millionenunterschlagungen. Der neuliche Kurssturz an der Berliner Börse infolge des japanisch- russischen Krieges hat eine neue Katastrophe herbeigeführt. Der Prokurist des Berliner Bankhauses Brendel u. Co., Johannes Reinhard, hat sich mit Hinterlassung eines Defizits von über eine Million nach der Schweiz geflüchtet. Er spekulierte stark auf eigene Rechnung an der Börse.
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Der letzte Versuch. In Hamburg bildet das tragische Los eines dortigen angesehenen Kaufmanns das Tagesgespräch. Durch schlechte geschäftliche Konjunktur geriet er in Zahlungsschwierigkeiten, aus denen er sich nicht zu retten wußte. Da blipie in seinem Hirn ein verzweifelter Gedanke auf. Er bot seinen ganzen Kredit auf, raffte schnell eine größere Summe zusammen und fuhr nach Monaco, um an der Spielbank sein Glück zu versuchen. Dieses wandte ihm dort aber erst recht den Rücken. Er verlor alles. Das Ende: Ein Schuß im Kasinogarten und ein Grab für einen Selbstmörder mehr auf dem bekannten Spezialfriedhof" der Spielhölle.
+ Erdbeben in Lima. Von einem heftigen Erdbeben wurde Lima, die Hauptstadt Perus, heimgesucht. Viele Gebäude stürzten ein. Alle Standbilder in der Stadt wurden zertrümmert. Menschenleben sind wunderbarerweise nicht zu beklagen. Bunte Chronik. In Bonn wurde bei einer Zigeunerbande ein zwölfjähriges blondes Mädchen gefunden. Man glaubt, daß es die geraubte Else Kassel aus Hannover sei. -In Glogau wurde ein Fall von schwarzen Pocken festgestellt. Die nötigen Isoliermaßregeln wurden getroffen.
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