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FÜR UNSERE JUGEND

Vier Zeilen nur hat diese Fabel.

Ein Affe sah sein Konterfei:

Wie zeigt der Spiegel miserabel!

Das soll ich sein?"- Ein Schlag-.tzwei!

Der kleine Schmied.

- Ein Märchen von der Weser.- Dicht am Ufer der Weser liegt ein nicht allzuhoher Berg. Er ist fast ganz mit düstern Fichten bewachsen, hie und da sieht man aber auch ein kleines Fledchen grüner Wiese, blühendes Heidekraut und mächtige Farren. Dahindurch hüpft und rauscht und plätschert ein minteres Bächlein über Steine und Bauuntourzeln, imd mehrmals stürzt es auch in tollfühnen Säben über die steilen Abstufungen der Berg­wand schaumsprisend in die Tiefe hinunter, bis es endlich nach vielen Hindernissen zwischen moosbewachsenen Felsen­vorsprüngen seinen Ausgang in den Strom findet.

Im Innern des Berges gibt es unzählige kleine Höhlen und Gänge. Da laufen reiche Gold- und Silberadern durch die Wände, überall glizern Diamanten, Smaragden und andere Edelsteine. Riesengroße rotglühende Karjunkeln er­leuchten die dunkeln Räume. Das ist der Wohnort der Wichtelmännchen. Hier hämmern, pochen, graben und bohren sie mit rastloser Tätigkeit bei Tag und bei Nach: und ermüden nimmer, die tief im Schoße der Erde ruhenden Schäße ans Tageslicht zu fördern. Dabei sind sie ein lustiges, oft recht schalthaftes Völkchen, welches auch) lebhaften Anteil nimmt an dem Handel und Wandel der Menschen. Nur tun sie gerne alles unbemerkt, denn sie fürchten immer, von diesem Riesenvolke ausgelacht oder doch mit Geringschätzung be handelt zu werden, und das können sie nun einmal nicht ver­tragen. Wer ihrer spottet, der kommt sicher nicht ungestraft davon, und den Bösen spielen sie mitunter rechte arge Streiche. Guten und freundlichen Leutchen sind sie aber ganz besonders zugetan; sie beschützen und warnen sie vor Gefahren und sind gern bereit, ihnen alle Mühen und Sorgen zu erleichtern, oder sonst dienlich zu sein.

Einstmals ging ein wackerer Schmied spät am Abend den Strom entlang heimwärts in sein Dorf. Und als er gerade dem Berge gegenüber war, vernahm er vom andern Ufer her eine leise, liebliche Musik. Verwundert blieb er stehen, duckte sich dann hinter einen Strauch und schaute neugierig hinüber. Da gewahrte er im Mondeslicht viele kleine Ge­stalten, welche teils auf den Felsblöcken hockten, teils auf dem Ufersande und in den darüberflutenden Wellen herum­hüpften. Einige geigten, bliesen und trommelten auf den wunderlichsten kleinen Instrumenten, nach deren Klängen verschiedene Pärchen einen lustigen Reigen aufführten. An­dere saßen fröhlich zusammen und schienen ein kleines Zech­gelage zu halten. Wieder andere ruhten vom Tanzen er­müdet auf weichen Moosbänkchen und fächelten sich mit großen Lotosblättern Kühlung zu. Etwas abseits aber trieb ein winzige Gnom sein possierliches Spiel für sich ganz allein. Das schien der Ausgelassenste von allen zu sein, denn er sprang wie toll auf einem Bein herum, krähte wie ein Hahn, late, drehte sich blißesschnell im Kreise und warf dabei aufjauchzend sein mit vielen Silberglöckchen be­setztes Hütchen hoch in die Luft, als sollt' es mit seiner Spike den Mond durchbohren. Und wenn es dann hell blinkend und flingeind wieder zur Erde niederſauſte, dann fing er es jedesmal sehr geschickt mit seinem struppigen Köpfchen wieder auf und klatschte dazu in die Händchen. Aber mit einem Male stieß der kleine Kerl einen lauten Klageschrei aus. Er hatte das Hütchen etwas schräg über geworfen, und plumps! da lag es tief unten im Wasser. Bei diesem Angst­ruf verstummte sofort Jubel und Musik, und die ganze kleine Schar fam herbeigelaufen, um zu sehen, was es gäbe. Alle wollten gern ihrem kleinen Kameraden helfen. Aber da war guter Rat teuer, denn der Mond ward plößlich durch eine schwarze Wolfe verdunkelt, und die Nacht senkte sich aus den Strom. Auch mit dem besten Willen vermochte keines der Zwerglein das Hütchen wieder herauszufischen. Als der

brave Schmied ihr darob erhobenes Schluchzen und Weh­flagen vernahm, trat er rasch aus seinem Versteck hervor und rief hinüber: Männlein, ich sah dein Hütchen in den Fluß fallen und habe mir die Stelle gut gemerkt. Wenn du dich bis morgen früh gedulden willst, so werde ich's dir her­ausholen." Da riefen ihm alle Beifall zu, der Eigentümer des Hütchens aber sagte:

" Schönen Dank einstweilen, und schaffst du mir mein liebes Hütchen wieder, so will ich dir's reichlich lohnen." ,, Das ist nicht nötig," entgegnete der Schmied." Ich habe mich an curer Musik und an eurem Tanze recht weidlich er­gößt, dafür will ich mich auch gern erkenntlich zeigen." Und damit ging er nach Haus.

Am andern Morgen, als die Sonne eben aufging, war er schon mit einer langen Stange an Ort und Stelle, watete ins Wasser und fing an zu suchen. Da rief ihm das Zwerg­lein hinter den Büschen einen guten Morgen zu und sprach ihm seine Freude aus, daß er sein Versprechen so getreulich halte. Bald hatte der Schmied das Glockenhütchen richtig gefunden und reichte es dem kleinen Kobold hinauf. Der sprang nun vor Freuden noch höher, als am gestrigen Abend. Dann aber zog er einen großen Edelstein von wundersamer Pracht aus seiner Tasche und wollte damit den Freundschafts­dienst belohnen. Allein der Meister weigerte sich standhaft, das Geschenk anzunehmen, so sehr der Kleine auch bat. Er schüttelte ihm treuherzig die kleine Hand zum Abschied und ging nach Hause an sein Tagiverf. Heute zerteilte er einen mächtigen Eisenblock in viele kleinere Stücke, de er am fol­genden Tage in schlanke Stangen ausrecken wollte. Wie groß war nun sein Erstaunen, als er am nächsten Morgen in seine Werkstatt trat und die ganze Arbeit schon getan fand. Er traute feinen Augen kaum, aber die Stangen lagen wirklich blizeblank und tadellos ausgeschmiedet, schön auf­geschichtet da. Ei, dachte er, das ist ja ein lustiger Streich, wer mag mir den nur gespielt haben? Er fragte den ganzen Tag bei allen Nachbarn und Bekannten, aber niemand konnte oder wollte, wie er glaubte, ihm Auskunft geben. Nun nahm er den zweiten Eisenblock vor und dachte dabei: es wäre doch nett, wenn ich morgen früh wieder die fertigen Stangen fände. Und richtig, so kam's. Am Morgen lagen die schönpolierten Stangen abermals fein aufgeschichtet, fir und fertig in der Werkstatt. sett muß ich aber doch wissen, wie sich die Sache verhält," meinte der Schmied, legte neue Metallstücke zurecht und stellte sich dann abends, als alle Nachbarn schon in tiefem Schlummer lagen, in einer Mauer­nische verborgen auf die Lauer.

( Fortsetzung in nächster Jugendnummer.),

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Rätsel und Aufgaben. 1. Geographisches Quadraträtsel.

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Die Buchstaben in diesem Quadrat sind so zu ordnen, daß die Senkrechten gleich den Wagerechten ergeben:

1. eine Stadt in Peru, 2. einen Nebenfluß der Donau, 3. einen Nebenfluß des Rheins, 4. einen Fluß in Italien.

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-

2. Nichts Törichter's als mich kannst du auf Erden finden; Doch neigi vor hohlem Schädel sich manch fluges Haupt; Und deine Ahnen, wie des Nordens Sagen künden, Sie haben, wie Germanen treu, an mich geglaubt, Verehrten meine Macht im blizgebroch'nen Baum. Einst schirm ich in der Schiacht; auch jetzt verleih ich Schuß, Ich biete treubewacht Kampf dem Feinde Trub Und laß den froh in den geschmückten Raum.

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Nr. 125

Montag, den 6 Junt.

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1788); verantwortlich: Albin Klein.

( 14. Fortseßung.)

Die Rache ist mein.

Originalroman von Ottomar Beta

Erich übergab ihm sogar einen Teil seiner eigenen Geld­angelegenheiten. Und so wußten denn die Fiebigers wenigstens, daß der arme Ozeanbummler und verlorene Sohn ein ganz immens reicher Mann war, der mit Vander­bilt und anderen Milliardären der neuen Welt in Verrech= nung stand. Er war offenbar am anderen Ufer der großen Bfüße" von einem Glück begünstigt worden, wie es eben nur diejenigen trifft, welche Fortuna besonders liebevoll an ihr Herz nimmt. Aber ob sie dort erwarmen?

Inzwischen beschäftigte sich die Vaterstadt lebhaft mit seiner Person. Erich war dort nicht weniger wie in seinem Vaterhause wieder heimisch geworden und zu Ansehen ge­langt, und zwar auf historischer Basis. Fiebiger brachte die bergessenen Dinge wieder in Erinnerung: Die Verdienste des alten Staudius während der Franzosenzeit, die der ferneren Vorfahren während des Krieges zwischen Karl dem Zwölften von Schweden und Friedrich Wilhelm dem Ersten von Preußen. Diese Dinge wurden allgemein besprochen, einmal sogar gelegentlich eines Vortrages im Börsensaale kommentiert. Damals kam die Stadt an die Hohenzollern, und der erste hanseatische Staudius, der mit dem General von Bork in ihre Mauern einzog, opferte sogleich einen be­trächtlichen Teil seines Vermögens, welches er durch Armee­lieferungen gewonnen hatte, dem Wohle und der finanziellen Erleichterung der Bürgerschaft.

Die Stadt, gab man zu, war dem Staudius gegenüber mannigfach verschuldet, und man fühlte das Bedürfnis, diese, obwohl verjährte Schuld, abzutragen. Es lag bei Erich, in furzer Zeit Ratsherr und Alderman, endlich auch wohl Bürgermeister zu werden. Nur seine scheinbare Abhängig keit und der mißliche Umstand, daß er nach wie vor in einer provisorischen Wohnung im Speicher hauste, hielt die seß­haften Bürger ab, ihn ohne weiteres mit der goldenen Kette zu behängen. Man bemerkte seine zuweilen sich geltend machende trübe Laune. Und weise Leute munkelten allerlei, so daß auch die Damen sich bald vielfach mit seinem Wohl­ergehen beschäftigten. Er wurde überallhin eingeladen, nicht nur dahin, wo Fiebigers verkehrten, in der offenbaren Ab­sicht, ihn unter den Pantoffel zu bringen, und zwar in einer seinen Jahren angemessenen Weise. Da gab es manches Mädchen entre deux âges, das vielleicht ihre Jugend in der Hoffnung, einen Offizier zum Gatten zu bekommen, verseufzt und verloren hatte und die ihm nun auf dem Prä­sentierteller entgegengebracht wurde. Aber er begehrte sol­cher Früchte nicht, auch nicht, wenn sie mit Vermögen und Hausstätte garniert waren. Er litt sogar einigermaßen unter diesen matrimoniellen Plänen, die, obgleich wohl­gemeint, ihn an seine vierzig Jahre erinnerten.

Er ist schon verheiratet," meinten einige. Er hat, wie so viele Seeleute, irgendwo irgendwas ſizen. Es gibt deren, die haben eine Frau in Honkong und eine in San Franzisko und noch eine in Lissabon oder Liverpool." Auch bei Fie­biger wurden solche Andeutungen gemacht. Man klopfte bei ihm auf den Busch.

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,, Was meinst du, Franziska?" hatte er seinerseits die

( Nachdruck verboten.) Tochter gefragt ,,, du wirst es wissen. Du hast ja mancherlei mit ihm verhandelt."

Diese Frage war, wie aus einer Kanone geschossen, ge= legentlich beim Mittagsmahl gestellt worden, und Franziska, welche ihrem Vater socben vorlegte, ließ mit bei ihr sonst nie bemerktem Ungeschick ein Stück Braten auf das Tischtuch fallen und war darüber so erschrocken gewesen, daß sie hinauslief.

Der Rittergutsbesitzer war als Gast zugegen und hatte mit dem Justizrat die Handelspolitik der Amerikaner dis­kutiert, was bei ihm stets mit Hinweis auf die Aeußerungen geschah, welche er einst aus Erichs Munde vernommen. Bei dieser Gelegenheit hatte er Franziskas Abwesenheit zu einem Exkurs auf ein benachbartes Gebiet benüßt, nämlich die eigene Ehepolitik. Der Rittergutsbesitzer hatte zwei Söhne bei der Armee.

Auch Ihre Fräulein Tochter," hatte der Ritterguts­besiger gesagt, sollte eigentlich schon unter der Haube sein. Es wäre doch schade um so eine exquisite Schönheit."

,, Gelegenheit dazu hat sich ihr genug geboten," entgegnete Fiebiger, sie hat erst fürzlich wieder jemand einen Korb ge­geben.. einem aussichtsvollen Regierungsassessor. sagte, er wäre ihr zu jung."

" Bu jung... ei, ei!"

Sie

,, Sie iſt, fürchte ich, durch mich zu sehr an den Umgang mit gesetzten Leuten gewöhnt und, offen gestanden, ich würde sie ungern verlieren und an irgend einen Springinsfeld da hingeben, obwohl es Zeit ist... ja, es ist Zeit... denn wie lange kann ich noch leben? Und ich möchte sie in guten Hän­den wissen, wenn ich die Augen zumache."

" Bu jung zu jung... hm," hatte der Ritterguts­besizer, seinen Wein schlürfend, gemeint, wissen Sie, daß ich einen Jungen habe, der dicht vorm Hauptmann steht. Das bekundet Gesetztheit." Dabei blinzelte der unternehmende Schalk den Justizrat über den Rand des Glases hinweg freundlich an. Ueber die anderen dabei zu berücksichtigenden Dinge, hatte er gemeint, würden die beiden Alten sich ja wohl verständigen.

Er nötigte sogar seinen etwas verdußt dreinschauenden Wirt, mit ihm anzustoßen. Und dann trat Franziska wieder in das Zimmer. Ihr Vater tätschelte ihr die Hand, und sie sah verwirrt darein.

,, Accidents will happen," hatte der Alte gesagt, so etwas kann sich wohl einmal begeben," aber nachdenklich war er seit der Zeit immer geblieben.

Und bei eben jener Gelegenheit war auch die Bedenklich­feit wegen Erichs Vergangenheit noch weiter zur Sprache ge­kommen. Wenn man vom Verheiratetsein spricht," ergänzte nämlich der Rittergutsbesitzer seine Rede. Er bezog seine Moden von Paris, wohin er freilich nur unter Führung des Feldmarschall Vorwärts" gelangt war, und vereinigte deut­sche Brüskheit mit gallischer Anspielungssucht.

Franziska lachte und errötete zugleich, und der Ritter­gutsbesizer strich dann seinen Bart und blinzelte. ,, Wetter, ja, ich müßte ein junger Bursch sein!" Dann des mit Fiebiger