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HÄUSLICHEN

Ein wenig Lieb' ist karg und leer,

Ein wenig Lieb' ist keine;

Viel Lieb' ist eben auch nicht mehr, Lieb' ist die völlig eine:

Lieb' ist nicht wenig und nicht viel, Denn Lieb' ist ohne Maß und Ziel.

*

HERD

Nichts über Kinder! Auf der ganzen Erde Ist ihnen nichts auch nur von fern vergleichbar; Sie selber wär' ohn' ihre Kinder nichts,

Und wieder nichts die Menschheit ohne Kinder.

*

Hochzeitsreisen.

Wiederholt ist die Frage aufgeworfen worden, ob die überall übliche Hochzeitsreise wirklich die erhofften Annehm­lichkeiten bietet, ob es nicht im trauten, neuen Heim, in dem alles so wohnlich und einladend, gemütlicher wäre, als draußen in den fremden Hotels, unter fremden Menschen in einer fremden Welt.

Man hat entgegnet, daß die Neuvermählten allein auf einander angewiesen, sich leichter verstehen lernen, daß sie losgelöst von aller Konvenienz und allen geselligen Pflichten nur eins für das andere lebend, ihre Sonderinteressen eher aufgeben als daheim, daß die Pflichten der Häuslichkeit die die des Berufslebens, den Mann nicht bedrücken Frau, sollen, damit nichts die weihevolle Stimmung störe, die dem jungen Cheglück eigen sein soll!

Sophismen! Nichts als Sophismen! Wo schmeckt es dem jungen Ehemann besser, daheim am Familientisch, wenn ihm sein Frauchen ein selbst bereitetes Gericht serviert( die Köchin kann schon ein wenig geholfen haben) oder an der Table d'hote, an der er steif und gemessen unter Fremden ſizen und warten muß, bis ihm der befrackte Kellner eine ihm oft wenig zusagende Speise anbietet?

Wo fühlt sich die junge Frau wohler, draußen in der Fremde unter gleichgültigen Menschen, die keinen Anteil an ihrem Glück nehmen, oder zu Hause in ihrer selbstgeschaffenen, poetisch durchdufteten Häuslichkeit, in der sie der geliebten Mutter und trauten Freundinnen von ihrem Glück erzählen kann, in dem jedes Plätzchen ihr lieb, in dem alles sie an­lächelt. Ist es ja ihr eigen, ihr Haus, ihr Herd, ihr Heim, nach dem sie sich so lange gesehnt und das ihr nun wie von Glück und Poesie, von allen guten Genien umgeben erscheint! Die Mehrzahl der Hochzeitsreisenden kehrt abgespannt und unbefriedigt heim. Sie mögen es sich nur nicht eingestehen, daß ja daß es ihnen oft bei aller Liebe und aller Zer­streuung und all dem Geld, das die Reise gekostet, herzlich langweilig gewesen. Also nun, eingefehrt in des Hauses heilige Hallen, nun wollen sie erſt anfangen im Verein mit guten Freunden, die an ihrem Wohlergehen Anteil nehmen, glücklich zu sein.

Eine andere Frage mag hier nur andeutungsweise be­rührt sein, die nämlich, ob nicht auch nach all den selten aus­bleibenden Aufregungen, die die Brautzeit, die Beschaffung der Aussteuer, die Einrichtung der neuen Häuslichkeit u. s. m. mit sich brachten, in sanitärer Beziehung der jungen Frau Ruhe, wie sie nur das eigne Heim zu geben vermag, dien­licher ist als das Reisen.

Bergsteigen, klettern, Partien machen, erhitzt und er­schöpft von Ausflügen heimkehren, sich keine Ruhe gönnen, Tag auf Tag neue Fernsichten sehen wollen, neue Strapazen auf sich nehmen, das alles ist wenig geeignet für die Neu­bermählte, die oft von ihrer Pflicht, sich schonen zu müssen, feine blasse Idee hat, diejenige Kräftigung zu geben, die ihr not tut.

Sache gewissenhafter Aerzte wäre es, der herrschenden Unsitte, daß durchaus gereist werden muß, entgegen zu treten. Man wußte ehedem nichts von Hochzeitsreisen und war sehr glücklich miteinander, glücklicher als heut, da man gleich nach geschlossenem Ehebündnis damit anfängt, Freuden außer halb des Hauses zu suchen, auf Ruhe und Komfort zu ver­zichten, sich zu strapazieren; dieser Anfang ist kein guter und jollte von allen rationell Denkenden gemieden werden.

Küche und Keller.

Wie man Fische schuppt. Kann es einen nicht zur Verzweiflung bringen, wenn das Mädchen Viertelstunden beim Schuppen de: Fische zubringt, während so viele notwendige Arbeiten auf Eriedt. gung warten? Anzuraten ist es, vor dem Schuppen die Fische mit einem Tuch tüchtig abzureiben, damit der Schleim entfernd wird, und sie dann fünf Sekunden in kochendes Wasser zu tauchen. Das Schuppen ist dann in wenigen Minuten leicht geschehen.

Wenn der Schinken zu salzig ist. Hat man das Unglüd gehabt, einen recht salzigen Schinken eingekauft zu haben, so sollte man ihn nicht mit Mühe und Not roh hinunterwürgen, wobei jedesmal der Hausherr mißmutig die Stirne runzelt und die Kinder jammer und nichts essen wollen, sondern man koche ihn und setze dem Wasser, in dem man ihn siedet, einen Löffel Farinzuder zu. Der Schinken bekommt durch dies einfache Mittel seinen milden Geschmad größtenteils wieder. Er hält sich ebenso gut wie roher und bietet noch den Vorteil, daß man ihn zu mannigfachen Gerichten ver trenden kann.

Praktische Winke.

Stickt man Tischläufer, Decken oder Handtücher, überhaupl Sachen, bei denen man Rücksicht auf häufiges Waschen nehmen muß, so versäume man nicht, das bunte Stickgarn vorher in heiße: Wasser mit Seife zu waschen und dann zu trocknen, damit die Farben bei der Wäsche nicht auslaufen.

Der ungeberdige Glaspfropfen. Ich darf Ihnen doch cine teline Erfrischung anbieten," sagte Frau X. kürzlich zu einem lieben Besuch und holte die Kristallkaraffe, um einzuschenken, aber wie fatal, der Glaspfropfen saß wie angeschmiedet, alles Rücken und Ziehen löste ihn nicht, zuletzt bei einer stärkeren Anstrengung brach er ab. Frau X. hätte ihn leicht lösen können, wenn sie die Flasche unten fassend behutsam in rascher Wiederholung mit dem Stöpsel gegen eine Tischkante( natürlich nicht des Salontisches) geschlagen hätte, wodurch er sich gelockert hätte. Hilft dieses Mittel nicht, so muß der Flaschenhals durch Erwärmen ausgedehnt werden. Damit er aber nicht zerspringt, besorgt man das Erivärmen durch einen dicken Bindfaden, der, einmal um den Hals geschlungen, an beiden Enden befestigt oder gehalten wird. Die Flasche wird in der Schlinge wiederholt rasch hin und her bewegt; der Erfolg ist ein über­raschender.

Unser Bimmergarten.

Samenziehen in Eierschalen. Nichts macht größere Freude, als sich seine Blumen selbst aus dem Samen zu ziehen, wenn man nur nicht so viele kleine Töpfe brauchte, die dann später oft unnük herumstehen. Da sind Eierſchalen ein brauchbarer Erſatz. In das ganzgebliebene Ende derselben macht man mit einem Hölzchen eine Kleine Deffnung, füllt die Schale mit Erde, legt einige Samen­körner hinein und setzt die Eierschalentöpfchen in ein mit Sägemehl gefülltes Kistchen. Auf die Schalen schreibt man die Namen der Pflanzen. Hat das Pflänzchen die geeignete Größe erreicht, um umgesetzt zu werden, so löst man die Schale langsam los und setzt die Pflanzen mit der Erde in die dazu beſtimmten Töpfe.

Für fleißige Hände.

Verwendung von Wollresten. Mit den Wollresten, die sich im Laufe der Jahre angeſammelt haben, könnte man zwölf Rückentissen besticken," dachte Tante Line mißmutig, wenn nur nicht alle, die ich beſchenken will, dieses Kreuzunterſtüßungsinstrument beſäßen! Sie sitzen mit ihren Kissen da und ich mit meinen schönen Woll­Am Nachmittag fand Tante Line eine Freundin, die sie resten. besuchte, eifrig mit Sortieren von Wollresten beschäftigt und erfuhr, daß sie eine hübsche Tischdecke davon mache. Alle Fäden, kurze und lange, knüpft man mit dem Weberknoten aneinander, möglichst Rücksicht auf einen allmählichen Uebergang der Farbentöne nehmend. Auf zwei Stricknadeln schlägt man zwanzig Maſchen auf und strickt in hin und zurückgehenden schlichten Touren viereckige Stücke. Die Anoten zieht man mit der Nadel auf eine Seite. Wenn man die zur Decke nötigen Stücke hat, näht man sie in passend geordneten Farben mit schwarzer Wolle oder Seide in Kreuzstich auf der rechten Seite zusammen. Um den Rand häkelt man von schwarzer Wolle einige luftige Zackentouren oder knüpft Franſen von schwarzer Wolle

hinein.

Nr 100

Donnerstag, den 5 Mat.

1904.

Oberhessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.

( 9. Fortsetzung.)

Iwan der Schreckliche.

Original- Roman von Hans Hoffmann.

An der Seite Fräulein Leinemanns aber konnte er diesen Trübsalen leidlich trozen. Auch gewann er den Vorteil, daß verschiedene Herren höheren Alters und Ranges, die er sonst hätte aufsuchen müssen, sich ihm von selbst präsentierten..

Auch der Premierleutnant von Bodungen stellte sich ihm vor. Bodungen? Bodungen? Wo hatte er den Namen schon gehört? Der junge Offizier musterte ihn ein wenig auf­fällig, zeigte sich aber im übrigen von einer ritterlichen, etwas nachlässigen Liebenswürdigkeit. Er begann sehr unver­mittelt eine Unterhaltung über studentische Formen des Duells, und als der andere sich wortfarg zeigte, weil er herzlich wenig davon wußte, ging er auf etliche technische Fragen bezüglich der Konstruktion einer neuen Pistole über, wobei ihm Belling noch viel weniger Rede stand. So kam es, daß die beiden gleichmäßig über einander die Köpfe schüt­telten und sich im Herzen gegenseitig für wunderliche Käuze erklärten.

Sie ſchießen doch gern, Herr Doktor?" versuchte der Leutnant noch einmal anzuknüpfen. Natürlich zum Ver­gnügen, nur zum Vergnügen," fügte er mit einem Seitenblick auf Fräulein Leinemann hinzu. Und als jener ihn ver­wundert mit seinen düsteren Blicken anstarrte, sagte er mit darf nicht laut werden gedämpfter Stimme: Ich verstehe-

der Herren Vorgesetzten wegen warne Sie also, Herr Doktor. Man hört pon der Straße her deutlich Ihre Uebun­gen im Hof und Garten- also Vorsicht!"

Damit empfahl er sich.

" Was?" dachte Doktor Belling. Also man schießt auf dem Hof? Daher dies störende Knallen! Wer kann das sein? Die Rechnungsrätin oder Helene dürften doch kaum solchem Sport huldigen; wenn es Fräulein Alma wäre, könnte man schon eher auf den Verdacht eines derartigen Unfugs kommen

Plötzlich kam ihm die Erinnerung, daß er den Namen Bodungen gerade von seinen Hausdamen irgendwie hatte nennen hören. Er fragte Fräulein Leinemann nach den Lebensumständen des Mannes.

" Er ist ein nicht ganz vorwurfsfreier Charakter," ſagte diese sanft, leider! Soll zwar ein tüchtiger Offizier sein, ein berühmter Reiter, aber nicht fleckenlos in seinem Privat­leben. Nicht wahr, Sie muten mir nicht zu, etwas näheres zu wissen? Das Mildeste ist, daß er unsern jungen Damen allzu lebhaft und allzu flatterhaft den Hof macht; ich fürchte, er hat manche Mädchenträne auf dem Gewissen ich glaube, Sie brauchten in Ihrem eigenen Hause nicht weit zu suchen ich entsinne mich wenigstens, daß vor zwei oder drei Jahren von einer bevorstehenden Verlobung viel die Rede war, bis der Herr Leutnant zufällig in Erfahrung brachte, daß eine dort vorhandene Erbtante erst fünfunddreißig Jahre alt und von eiserner Gesundheit sei, zudem noch gar kein Testament gemacht habe und für wohltätige Anstalten schwärme, so daß nach dieser Hinsicht das Schlimmste zu be­fürchten sei. Da war es denn mit der Liebe zu Ende."

Gotthald Belling wurde auf einmal sehr nachdenklich und schweigsam. Dann hat er mehr verloren als sie," sagte er nur noch kurz, und gerade diese flüchtige Bemerkung klang

( Nachdruck verboten.)\ ihm immerfort vor den Ohren nach. Es stand plötzlich aus unbekanntem Grunde in ihm die Ueberzeugung felsenfest, daß ein Mann, der jenes Mädchen besigen könne und es ver schmähe, ganz unermeßlich töricht sein müsse. In diesem Augenblick glaubte er zu bemerken, daß Fräulein Leinemann in das Gewühl der Gäste blickend, ein wenig spöttisch lächelte, und obgleich er sich selbst sagen mußte, daß dies Kniren Dienern, Tänzeln, Gliederrenken, Halsverdrehen und Bach Stelzeln so vieler Menschen für den unbefangenen Beobachtei überreichen Stoff zum Lachen gab, so konnte er doch das Ge fühl nicht loswerden, als ob er selbst der Gegenstand ihres Spottes sei und sie ihn aus irgend einem Grund ganz un­ermeßlich töricht finde.

Doch das war nur eine sekundenlange Vision, ein zweiter Seitenblick überzeugte ihn von Fräulein Leinemanns unan­fechtbarer Harmlosigkeit. Sein Auge suchte den ungetreuen Offizier. Ein schöner Mensch," dachte er, feurig und stolz! Wohl begreiflich, daß er das bleibende deal eines edlen Herzens sein kann!"

Aber trotz dieser gerechten Anerkennung ergriff ihn doch ein stiller Haß gegen jenen, nicht gerade wegen seiner Un­treue, dafür war er ja durch ihren Verlust schon bestraft ge­nug, sondern vielmehr darum, daß er sich herausnahm, ein bleibendes Ideal zu sein für nun, für irgend jemand!

Er begriff sich selbst nicht, woher ihm plötzlich so ein häßliches Gefühl gemeinen Neides kam, und er bemühte sich ehrlich, es zu unterdrücken, wenn auch vorerst ohne ganzen Erfolg.

Inzwischen hatte ihn Fräulein Leinemann schon wieder weiter geschleppt und ſtand plößlich mit ihm vor dem Haus­herrn, in welchem er einen kleinen, trippelnden, bartlosen Herrn mit großen Brillengläsern und sehr vielen Runzeln kennen lernte, der überaus gutmütig und unschuldig aussah und ihm wie seiner Führerin die wortreichsten Komplimente über ihre wunderbaren pädagogischen Erfolge bei seiner Tochter machte.

,, Sie glauben gar nicht," rief er entzückt, wie das Kind jekt für Mathematik schwärmt! Beachten Sie, Herr Doktor, sie hat sogar das Ende ihrer Schärpe in Form eines pytha goräischen Dreiecks mit den Quadraten zugeschnitten und früher konnte sie nichts als Schweinchen machen, fröhliche, traurige und gleichgültige! Mein Sohn in der Untertertia ist auch ein ganz anderer geworden, seit er in Ihrer Zucht steht; ich habe es immer gesagt, ein Erzieher kann nicht streng genug sein."

Jedoch mit Maßen," bemerkte Fräulein Leinemann, ,, auch die Sanftmut hat ihre pädagogischen Erfolge."

,, Versteht sich, versteht sich, verehrtes Fräulein," rief der fleine Herr, ihre beiden Hände zärtlich drückend ,,, o, versteht sich, die Sanftmut! Nichts geht über die Sanftmut in der Erziehung!" Damit schlüpfte er vorüber, um den nächſten Gast zu irgend einem Erfolg zu beglückwünschen.

Jetzt setzte die Musik rauschend ein und rief zur Polo­naise. Gotthold Belling schlang diesen ehrbaren Reigen mit Fräulein Leinemann, dann ward er sie endlich los und folgte

enen- Bäue 11. upttollettur

4, Mt. 28

Herrmann,

grosser Sorten­