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in Yokohama, ein naher Freund des Nordenschen Hauses, dammt bliden traf hastig näher, aber schon winkte Frizz Norden ihm ab- diese Augen, die nicht wußten, wer er war, das lag wehrend zu und überwand seine Erschütterung mit Auf- klar zu Tage! die aber unablässig in seinem Gesicht mit bietung aller seiner Kräfte. der stummen Frage forschten: Warum meidest du mich, warum mißtraust du mir, mir, die ich deinen Sohn über alles liebe und ebenso von ihm wiedergeliebt werde? Was ist es, das uns trennt? Was verbirgst du vor mir? Gerade weil Frik Norden ein Mann war, der alles vom Verstande aus maß, war in diesem einen Punkt sein Gefühl um so grausamer und unerbittlicher. Es trieb ihn in der Nacht ſtöhnend von seinem Lager, es vergiftete ihm die Arbeit, es verjagte ihm jede andere Empfindung! Immer wieder der einzige Gedanke: Hellmut, Hellmut! Wenn er es je erführe! Und das marterte ihn so, daß er oft an Selbstmord dachte, immer aber wieder zurüdschraf bei der Idee, was sein Sohn dazu sagen, welches Motiv er einer solchen Tat unter­legen würde, bei seinem Vater, der so oft mit ihm in Ge­meinschaft den Selbstmord als eine moralische Feigheit beim Manne verurteilt hatte!

Dann war die feierliche Handlung zu Ende. Aber ehe sie die Kirche verließen, trat Hellmut, sein junges Weib on der Hand haltend, zu seinem Vater heran, und alle Um­stehenden wichen zurück, so daß keiner von ihnen die ge­flüsterten Worte hören konnte: Deinen Segen, Vater, deinen Segen für mich und Hilda!" Sie konnten nur sehen, mie der Senior den Sohn ungeſtüm an sich riß, als habe er ihn vor einer Gefahr zu schüßen, und lange wortlos an sich gedrückt hielt, wie er sich dann zu der wandte, die nun seine Tochter geworden war, mit einer Bewegung, als wolle er auch sie in seine Arme schließen; da schlug Hilda ihre Augen zu ihm auf, und Friz Norden ließ die erhobenen Hände sinken, und wich zitternd zurück.

Es war keine frohe Hochzeitsfeier, die jetzt folgte, un­geachtet des auserlesenen Diners, der englischen Militär­kapelle, die flotte, lustige Weisen spielte, der Ueberfülle von Blumen und des wahrhaft orientalischen Luxus, der das ganze Mahl kennzeichnete. Jeder der Anwesenden, der einigermaßen in die Verhältnisse eingeweiht war, wußte, daß dem Spender dieser fürstlichen Pracht fast das Herz brach bei dem Gedanken an die Trennung von dem ein­zigen Sohn, daß er überdies, aus irgend welchem uner­flärlichen Grunde, mit der Wahl desselben nicht einver­standen sei und zu der schönen Hilda kein Herz fassen könne, daß den liebevollen Sohn dies selbstverständlich schmerze und seine junge Gattin notwendigerweise ebenfalls schwer da­von bedrückt werde. Alle diese Erwägungen dienten nicht dazu, das Fest heiter zu gestalten, zum Glück war der deutsche Arzt ein munterer Herr, er hatte eine fidele Tisch­nachbarin in der Frau eines in Tokio ansässigen Süddeut­schen, die ihn unausgesezt zu Tischreden und Improvisa­tionen in Versen ermunterte, seine starke Seite, inso­fern er sich sehr gut darauf verstand, seine schwache, in­sofern er sich außerordentlich gern damit hören ließ. So regnete es denn Segenswünsche, Wize, Anspielungen und Prophezeiungen in jeder Form auf das neue Ehepaar herab, und die Tischgesellschaft applaudierte lebhaft dem Doktor, der gleich gewandt und fließend in deutscher, französischer und englischer Sprache zu improvisieren wußte. Ein fomisches Intermezzo lieferte auch Hot- ſumi, den man, auf seine inständigen Bitten, zum Servieren genommen hatte und dem der perlende Schaumwein in den Spizgläsern so unschuldig vorgekommen war, daß er ihn wie Wasser hin­untergespült hatte, worauf er sich plöglich ganz unfreiwillig seinem Herrn zu Füßen legt, in Gesellschaft eines Tabletts mit Konfitüren und Früchten. Seine höflichen, blumen­reichen Entschuldigungen, die kein Befehl Hellmuts zu hem­men vermochte, und seine Bemühungen, nach Art der Ja­paner, rückwärts zur Tür herauszukommen, da er doch schon genug Mühe gehabt haben würde, dieselbe mit sehenden Augen zu erreichen, erregten ungeheure Heiterkeit, und Hell­mut hatte zahllose Neckereien auszuhalten, da fast jeder aus der Gesellschaft ihm von einem tollen Streich oder einer Unziemlichkeit Hot- sumis zu berichten wußte und er alles zugeben mußte, ohne jemals den Entschluß gefaßt zu haben, sich von diesem Original zu trennen, ja, er wollte es sogar mit nach Europa hinübernehmen.

Norden senior saß neben seinem Sohn und hatte die Gattin des Ministerresidenten von Yokohama, eine gewandte und diſtinguierte Französin, zur Tischdame. Sie war zu verschiedenenmalen hier Gast gewesen, kannte den Hausherrn, der auch häufig bei ihrem Gemahl verkehrte, genau und war stets mit seiner Unterhaltung zufrieden gewesen; das war die Dame auch heute, Fritz Norden sprach selbst viel und gut und schenkte ihren eigenen Worten die verbind lichste und eingehendste Aufmerksamkeit, nur wollte es ihr auffallend erscheinen, daß er sich niemals an seinen anderen Nachbar, seinen Sohn, wendete, Monsieur Norden war ja doch als überaus zärtlicher Vater bekannt, und wenn dies vollständige Ignorieren seines Sohnes auch viel guten Ton verriet, der es nicht gestattet, in Gesellschaft seine Ge­fühle zur Schau zu tragen, so fand die Gattin des Minister­residenten eine derartige Selbstbeherrschung doch etwas über trieben!- Wenn die anmutige Dame es gewußt hätte, wie es im Herzen ihres Nachbars aussah! Nur ein Ge­danke, ein Gefühl beseelte Fritz Norden: fort mit den Augen, die ihn als sein verkörpertes, böses Gewissen an­sahen, in die er in diesen letzten qualvollen Wochen ver­

Und während er das Glas seiner vornehmen Nachbarin füllte und einen kleinen, galanten Trinkspruch auf die fran­zösischen Frauen dazu citierte, der ihm ein anmutiges Kopf­nicken und ein beifälliges Lächeln eintrug, ging sein Blick unter den blauen Brillengläsern scheu zu dem liebreizenden Antlitz unter dem Brautkranz und Schleier hinüber, und sein ruhelos schlagendes Herz sagte unwillkürlich zu ihm: Sechs Tage nur noch sechs Tage sechs Tage, dann wirst dv erlöſt ſein, wirst erlöst sein!

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Der englische Dampfer The Regent", welcher auf der Rhede zu Yokohama vor Anker lag, ein überaus tüchtiges, vortrefflich bemanntes Fahrzeug, mit einem hoch intelligen­ten Kapitän und einem eisgrauen, erfahrenen Steuermann, der bereits achtmal von Europa nach Japan gefahren war, an Bord, war dazu bestimmt, die Neuvermählten nach ihrer neuen, vielmehr alten Heimat zu bringen. Sie wollten einen kurzen Aufenthalt in London nehmen und beide daselbst einige Bekannte begrüßen, sodann direkt nach Berlin gehen, wo ihnen durch Vermittelung des umsichtigen William Hen­drichs eine schöne Villa im Tiergartenviertel, umgeben von einem großen Garten, gekauft und eingerichtet worden war. Dies war das Hochzeitsgeschenk, das Norden senior der jungen Gattin seines Sohnes gespendet hatte, aber Walter Ermshagen hatte seinerseits so viel zur Einrichtung und Aus­schmückung dieser Villa beigetragen, daß Hilda nur immer mit gerührtem Lächeln und dankbarem Herzen abzuwehren hatte.

Zwei Tage fehlten noch bis zur Abfahrt des Regent", da brach, nach einer unerträglichen Schwüle, ein furchtbarer Monsun, jener heftige Sturm der Tropen, der im Frühjahr und Herbst oft lange Zeit wütet, los, begleitet von unend­lichen Regenfluten, die in kürzester Frist die von Feuchtigkeit durchsättigte Erde von Dünsten rauchen ließen. Dunkle Wolkenballen wälzten sich schwerfällig über Meer und Land, und der weißstrahlende Gipfel des Fusi- Yama verschwand in schwarzen Dunſtmassen, die sich ihm erdrückend auf das majestätische Haupt legten. Lustige kleine Bächlein schossen gurgelnd die Fahrstraßen entlang, die tropischen Vögel und Falter, die sonst frohsinnig durchs Grün gegaufelt waren, hielten sich schüchtern versteckt, und die Japaner trotteten eil­fertig, mit aufgespanntem Bambusschirm, die Gewänder zusammengerafft, durch die klatschende Nässe hin zu ihrem geliebten Kohlenbecken, welches ihnen sowohl bei Regen als auch bei Kälte beides faßten sie stets als eine persönliche Beleidigung auf der größte Wohltäter blieb.

Friz Norden saß in seinem Arbeitszimmer, es war etwa um die vierte Nachmittagsstunde nachdem er soeben einige Stunden im Kontor gewesen war. Aber er hatte nicht arbeiten können; er hatte sich eben nur überzeugt, daß Walter Ermshagen die auswärtige Korrespondenz vortreff­lich erledigte und daß der alte Koßmann über die ihm unter­ſtellten jungen Leute eine genügend strenge Disziplin aus­übte, dann hatte er lange Zeit hindurch in die Londoner Times" geblickt, ohne eine Ahnung von dem zu haben, was in ihren Spalten gedruckt war und endlich war er gegangen, -- der Kopf schmerzte ihn zum Zerspringen, obgleich sich die Temperatur so bedeutend abgekühlt hatte.

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Friz Norden wußte, fühlte es genau: seine bis dahin so kräftige Gesundheit war ins Wanken gekommen, er konnte ein Leben, wie er es jetzt führte, nicht lange mehr ertragen. Seine Schläfen schmerzten und pochten so unerträglich und in den Augen empfand er ein böses Stechen, schon

hob er die Hand empor, ließ sie aber, sich hastig besinnend, wieder sinken und drückte den Knopf der elektrischen Leitung. Das mußte zweimal wiederholt werden, und dann erschien endlich Hot- sumi, wichtig und atemlos.

,, Warum habe ich so oft flingeln müssen, und weshalb bist du gekommen? Wo ist Bill, mein englischer Diener?"

Hot- sumi verneigte sich eilfertig und sehr tief. Wir sind alle drüben beschäftigt, allerfreundlichster Gebieter, die Kisten für meine Herrin zuzuschlagen, dabei ist auch Bill thätig, und so war es dein allerschlechtester Knecht, dessen Ohr deinen Glockenruf aufnahm und der wie ein Vogel herbeieilte, deine gnädigen Befehle zu vernehmen."

Ich will dir nichts befehlen, nur fragen will ich dich! Wo ist mein Sohn und seine Gattin?"

Mein Gebieter und seine Gemahlin sind beide im Sa­Ion meiner Herrin und haben dort Besuch. Irren mich meine schwachsichtigen Augen nicht, so ist es der hohe spanische Herr, welchen Ihr einen Konsul nennt, samt seiner Dame, der ge­kommen ist, sich noch einmal im Anblicken meiner Gebieter zu sonnen, ehe das Schiff sie dem Sonnenaufgangslande ent­führt. Nell hat Tee und Erfrischungen gereicht, die beiden Fremden sind schon heute früh von Tokio gekommen, als der Monsun noch nicht seine volle Gewalt hatte, und meine aller­gütigste Herrin---"

Es ist schon gut! Du kannst gehen! Und sorge, daß ich vor dem Diner niemand mehr sehen darf, hörst du, nie mand? Es sei, wer es sei! Ich wünsche ganz ungestört zu sein, du kannst mich drüben entschuldigen und sagen, ich sei nicht wohl!"

,, Darf ich nicht ein Kohlenfeuer anzünden? Eine Pfeife herrichten? Ein Täßchen Safe besorgen? Musik be­stellen?"

Hot- sumi zählte alles dasjenige her, was ihm selbst als Gipfelpunkt irdischer Glückseligkeit und als unfehlbare Ab­wehr gegen jegliche Krankheit erschien.

Nichts davon! Du kannst gehen! Und merke, was ich dir gesagt habe!"

Der Japaner neigte sich tief, schlüpfte in seine weichen Schuhe, die er an der Tür hatte stehen lassen, und ging rück­wärts hinaus. Der Auftrag des Gebieters war ihm buch­stäblich zum einen Ohr hinein, zum andern hinaus gegangen, denn als er den Korridor hinter sich hatte und sich wieder unter die übrigen Bedienten mischte, die in wahrhaft babylonischer Sprachverwirrung unter den Kisten hantierten, wußte er von dem ganzen Befehl Norden seniors kein einziges Wort mehr. Dieser hatte sich, nachdem Hot- sumi ſein Zimmer verlassen, mit einer Geberde grenzenloser Erschöpfung, die es ihm schwer machte, seine Gliedmaßen zu regieren, in den Sessel zurück­sinken lassen. Er nahm die Halsbinde ab, die ihn unerträg lich einengte, entfernte die dunkelblaue Brille und versuchte, frei und tief zu atmen.

Gerade gegenüber dem niedrigen Lehnstuhl, in welchem Frizz Norden lag, befand sich eine zweite Tür, die nicht, wie die erste, in den Korridor, sondern in ein kleines Vorzim mer führte, in welchem die Herren vom Kontor zuweilen zu warten hatten, wenn der Chef dringend beschäftigt war und nicht gestört zu werden wünschte. Und diese Tür ging plötz­lich geräuschlos, und ohne daß ein Klopfen ertönt war, in ihren Angeln zurück, und in ihrem Rahmen erschien Hell­mut mit Hilda, hinter denen die Gesichter des spanischen Vize­konsuls aus Tokio und seiner Gemahlin sichtbar wurden.

Der Mann im Sessel fuhr auf und tastete mit der Hand rechts nach dem lackierten Tisa, chen, auf welches er Hals­binde und Brille gelegt hatte, aber seine Bewegung war un­sicher gewesen, das leichte, zierliche Möbel schlug um, und Hilda, die rasch näher trat, um hilfreiche Hand zu leisten, stand plötzlich dicht vor ihm und sah ihm inssicht stand

und schauderte am ganzen Körper und rete weit die Augen, als könne sie nicht glauben, was sie sah, schien alle ihre Kräfte in diesem Blick zu konzentrieren und hob langsam die Hände zu den Schläfen empor, wie um sich zu überzeugen, ob sie bei Besinnung sei oder nicht.

Wir wagen in corpore diesen Ueberfall, Vater..." hatte Hellmut, noch im Eintreten, mit unbefangener Stimme begonnen, da gewahrte er seiner jungen Gattin sonderbares

Benehmen.

,, Hilda, was fehlt dir denn?" fragte er zärtlich und besorgt und legte den Arm um sie. Kann mein frisches, gesundes Liebchen auch nervös sein?"

( Fortsetzung folgt.))

Eine

Mädchenlaune.

Aus dem Englischen von H. Gerhardt. ( Schluß.) ( Nachdruck verboten.) Endlich, nach langem Harren, hörten die Jäger ein leises Brummen und sahen aus der Höhle zwei junge Bären hervorkommen, die lustig mit einander spielten.

Mit verlangenden Blicken betrachtete der Baron die kleinen drolligen Tiere. Da ließ sich ein gewaltiges Brum­men hören, und gleich darauf trat aus der Höhle ein riesen­großer Bär, die Jungen betrachtend und mit ihnen spielend.

" Jetzt schnell," sagte der deutsche Bauer zu dem Baron, aber um Gotteswillen, treffen Sie ihn sicher, sonst sind wir verloren."

Der Baron legte an und feuerte. Er hatte sein Ziel gut genommen, denn der Bär brach zusammen und ver­endete mit dumpfem Röcheln.

Hurrah, jetzt haben wir gewonnen, die Kleinen gehören uns, und die Gräfin Paulowna bekommt ihren jungen Bären. Christoph, dreihundert Rubel sind jezt dein, wenn du nur eine der kleinen Bestien einfangen und binden willst." Beide Jäger stiegen eilig von dem Baum herab.

Das soll sofort geschehen," erwiderte Christoph, indem er, den heftigen Bissen und Tatzenschlägen der kleinen Tiere standhaltend, eines derselben einfing und so fest band, daß dasselbe sich nicht rühren konnte.

Ein kostbares Bärenfell und ein junger Bär für meine Dame, das nenne ich Jagdglück," sagte der Baron fröhlich, ,, aber- was ist denn das das ist ja gar nicht die Bärin!" " Dann sei uns Gott gnädig!" rief Christoph bestürzt aus, und, das verendete Raubtier betrachtend, sagte er: ,, Euer Gnaden haben recht, das hier ist der männliche Bär!" Geschwind lud der Baron seine Büchse wieder, und Christoph griff zur Art, und es war ein Glück, daß beide fampfgerüstet dastanden, denn schon vernahmen sie ein lautes, grimmiges Brummen und hörten die dürren, am Boden liegenden Zweige brechen unter der Last eines gro­ßen, schweren Tieres. The sie noch recht zur Besinnung gekommen, stand die Bärin vor ihnen, und zitternd vor Wut, die Ohren zurücklegend und sich auf den Hintertatzen hoch emporrichtend, stürzte das wütende Tier auf den Baron los. Rasch entschlossen feuerte dieser beide Schüsse seines Doppelgewehres ab, die Bärin stürzte schwer verwundet nieder, richtete sich aber nach einem furzen Augenblick wieder auf und warf sich mit grimmigem Wutgebrüll auf den Baron, der nun fast wehrlos dastand. Ein Schlag der furchtbaren Taken riß den Baron nieder. Wohl zog er sein starkes Jagdmesser und verwundete die Bärin mit wohl­gezielten Stichen, aber er vermochte das Tier nicht zu töten. In wildem, heftigem Ringen wälzten sich der Varon und die Bärin am Boden umher, und der Ausgang dieses un­gleichen Kampfes konnte nicht zweifelhaft sein. Da- einen günstigen Augenblick benußend erhob Christoph seine schwere Art, und die scharfe Schneide sauſte hernieder auf die Bärin und drang tief in das Gehirn. Das gewaltige Tier brach leblos zusammen, aber auch der Baron lag regungslos am Boden, grauenhaft zugerichtet von den Zäh­nen und Krallen des wütenden Tieres. Christoph trat heran, und die Tränen standen ihm in den Augen, als er den jungen Herrn ansah, der, vor wenigen Stunden noch so blühend und rüſtig, so froh und lebensmutig, jetzt ver­stümmelt und im Blute schwimmend vor ihm lag, mit wenig oder gar keiner Hoffnung, am Leben erhalten zu werden.

O, das unselige Weib," rief der derbe, ehrliche Bauern­bursche zornig, das mit seinen verrückten Wünschen solchen edlen, guten Herrn in das Verderben getrieben!"

Dann warf der brave, wackere Bursche trotz der grim­migen Kälte Jacke und Hemd ab, riß letzteres in Streifen und legte dem Baron, dem der linke Arm, die rechte Schulter und ein Bein gräßlich zerfleischt waren, sehr geschickt einen Notverband an, und nachdem er die Stirn des Verwundeten mit seinem Branntwein eingerieben und dem Baron auch etwas von dem scharfen, erwärmenden Getränk eingeflößt, schlug dieser die Augen auf und seine erste Frage war: " Ist auch der junge Bär sicher?"

,,, laßt ihn zum Henker gehen, Herr, mitsamt jener Gräfin!" rief der biedere Bauernbursche, alle Standes­unterschiede vergessend, in seinem Grimm aus, wer Ihnen solche Aufträge gibt und Ihr Leben aufs Spiel setzt, um

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