Rotterdam und kaufte das Schiff für 12 500 Pfd. Sterl. Unter besonderen Schwierigkeiten wurden Lotsen und Mannschaften für die Fahrt nach London angeworben. Als die Maas verlassen war, glückte es Herrn Smith, den Kapitän zu einer Fahrt nach Delfzyl zu veranlassen, unter dem Vormande, daß er von seinen Leuten aus London dorthin bestellt jei. Mit Hilfe der Karten, die er bei sich führte, bestimmte Waldersee den Kurs in dem schwierigen Fahrwasser, dem da mtals natürlich alle Seezeichen fehlten. In der Ems begeg nete man einem preußischen Kanonenboot. Nachdem dieses angerufen und verständigt war, verwandelte sich Herr John Smith in einen deutschen Marineoffizier. Mit Hilfe der Mannschaft und in Begleitung des deutschen Kanonenbootes crreichte der neueste Zuwachs der Marine glücklich den Hafen von Emden. Aus dem bisherigen Heinrich Heister" wurde Ser deutsche Aviso„ Falke".
Deutfcher Reichstag.
( 82. Sitzung.) CB Berlin, 3. Mai. Die heutige Sigung nahm einen sehr merkwürdigen Verlauf. Auf der Tagesordnung stand die Erledigung der Etatsreste, und man durfte eine nicht sehr aufregende finanztechnische Erörterung erwarten. Statt dessen wuchs sich die Diskussion zu leidenschaftlichen Anklagen aus, die die Vertreter der Rechten gegen die Regierung wegen ihrer Lässig. feit in den Maßnahmen zur infraftsegung des neuen Zolltarifs erhoben. Von der Linken wurden diese Anklagen in entsprechender Tonart, die zeitweise fast an die Kämpfe aus der Zeit der Zollobstruktion erinnerte, erwidert. Daß in dieser Debatte auch Anspielungen auf die zur selben Zeit im preußischen Abgeordnetenhause verhandelte Kanalaktion hin. einflangen, konnte nicht Wunder nehmen.
Noch eigenartiger als die Tatsache, daß es zu dieser Auseinandersetzung kam, war die Veranlassung. Es handelte sich nämlich um die eigentlich rein budgetmäßige und rechnerische Frage, ob ein ungedeckter Ausgabebetrag des Reiches in Höhe von 17 Millionen durch eine Zuschußanleihe des Reiches oder durch Matrikularbeiträge aufgebracht werden soll. Man war sich nämlich im Grunde darüber einig, daß die aufsteigende wirtschaftliche Entwickelung die Einnahmen aus den Zöllen und Verbrauchssteuern derartig steigern wird, daß es weder einer solchen Zuschußanleihe noch der Steigerung der Matrikularbeiträge bedürfen würde. Aber die Konservativen und das Zentrum hatten den Beschluß, den Fehlbetrag des Reiches vorläufig zu Lasten der Einzelstaaten zu buchen, in der ausgesprochenen Absicht gefaßt, dem Bundesrate es zu Gemüte zu führen, daß er sich nicht ausreichend für die Kündigung der Handelsverträge bemüht habe. Die Abgg. Graf Schwerin, Gamp und v. Kardorff machten aus dieser Absicht, einen Druck auf die Regierungen der Einzelstaaten zu üben, fein Hehl. Gegen diesen Vorwurf legte nicht nur der Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel Verwahrung ein, sondern nacheinander nahmen- was das Eigenartige der Situation noch erhöhte die Vertreter Bayerns, Badens, Württembergs, Sachsen- Weimars das Wort, um die Not ihrer einzelstaatlichen Finanzen zu schildern und um Abänderung des Beschlusses der Budgetkommission zu bitten. Schließlich wurde, nachdem ein Duett zwischen dem Freisinnigen Gothein und dem Reichsparteiler Bamp zur Erheiterung des Hauses, wie schon so oft, beigetragen hatte, den Bitten der Regierungsvertreter die Erfüllung versagt.
Preufsifcher Landtag. Haus der Abgeordneten.
( 65. Sigung.) RK Berlin, 3. Mai. Das Wort Kanalvorlage hat aus vergangener Zeit bei den Habitués des Parlaments noch einen guten Klang, 3 erweckt die Erinnerung an Konflikte und leidenschaftliche Debatten. Daher hatte denn auch heute die auf der Tages. ordnung stehende erste Beratung des Gesezentwurfes betreffend die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen bas Publikum in großer Anzahl auf die Tribünen des Abgeordnetenhauses gelockt. Aber es dauerte nicht lange, da entstanden Lücken, die größer und größer wurden. Die Herrschaften, die sich auf Besonderes gespigt hatten, brauchten nicht viel Zeit, um zu erkennen, daß sie nicht auf ihre Rechnung kommen würden. Graf Bülow, der sich kürzlich noch hatte mit seiner Berufung zum Kaiser entschuldigen lassen, blieb heute der Situng stillschweigend fern. Die Regierung will die Kanalvorlage als eine rein wirtschaftliche betrachtet wissen und deshalb übernahm ihre Vertretung nicht der Ministerpräsident, sondern der Ressortminister von Budde. Eine Ueberraschung gab es aber wenigstens Vor Eintritt in die Tagesordnung trat der Minister der öffentlichen Arbeiten noch der Legende ent gegen, daß die Dreimillionen- Nachtragsetats zum Besten der Eisenbahnarbeiter durch den Streif in Ungarn veranlaßt worden seien; er wies unter dem Beifall des Hauses aftenmäßig nach, daß sie schon vorbereitet wurden, als an jenen Aufstand noch nicht zu denken war. Dann schritt Herr v. Budde zur Begründung der Kanalvorlage. Er erörterte zunächst ausführlich und gründlich die Frage, ob im Zentrum der Eisenbahnen etwa die Wasserstraßen sich überlebt hätten. Er wies das Gegenteil nach und zeigte, wie sie zur Ergänzung der Schienenwege unter Umständen geradezu notwendig sind. Unter strenger Ausscheidung aller eigentlich politischen Anspielungen brachte er eine Fülle von Material bei, um die zu er weckenden Bedenken gegen das Gesez, insbesondere gegen ben Bau des Rhein- Hannover- Kanals, zu beschwichtigen. Dem Minister trat von den Gegnern zuerst Abg. Dr. A m Behnhoff( 3entr.), ein Rheinländer, gegenüber, der mit rheinischer Behaglichkeit und rheinischem Humor wiederholt starte Heiterfeit entfesselte und so seinen Betrachtungen den Stachel nahm, den die Gegner etwa darin hätten fühlen fönnen. Er konnte namens seiner Freunde eine Erklärung weder für noch gegen die jezige Kanalvorlage abgeben, aber das erhellte doch aus seiner ganzen Rede, daß das Zentrum ihr nicht so entschieden ablehnend gegenüberstehe als den früheren, die den ganzen Mittellandkanal enthielten. Wir werden wohlwollend prüfen und annehmen, was irgend annehmbar ist, darin ungefähr gipfelten seine Auslassungen. Und ähnlich klang es von den Lippen des konservativen Abg. Grafen Limburg- Stirum und des freikonservativen Abgeordneten Dr. Rewoldt. Die frühere förm liche Feindseligkeit gegen alles, was Kanalvorlage heißt, ist offenbar auch auf der Rechten geschwunden.
Nab und fern.
Die Pocken in Posen. Wie aus Schmiegel gemeldel wird, sind im Dorf Bronsko in der Familie eines Bergarbeiters, der vor etwa 4 Wochen aus Westfalen zurück gekehrt war, die schwarzen Pocken ausgebrochen. Bisher sind zwei Personen gestorben. Zwei andere Personen sind erfrankt. Die mit den Kranken in Berührung gekommenen Personen sind sämtlich isoliert.
+ Am Wirtshaustisch vom Blik erschlagen wurde der Würz. burger Student Bertram Andree. Er hatte mit fünf anderen wie er dem Korps Rhenania angehörigen Kommilitonen einen Ausflug nach Reichenberg gemacht, wobei sie in einem Gartenrestaurant von einem schweren Gewitter überrascht wurden. Ein Blizz schlug mitten in die fröhliche Tafelrunde hinein. Außer Andree, der sofort tot war, wurde noch der Student Freiherr v. Schirndenger schwer verlegt, die übrigen waren nur leicht betäubt.
Ein schwerer Eisenbahnunfall ereignete sich auf der Strede Regensburg- Passau. Die Maschine eines Schnellzuges stürzte um, wobei der Heizer getötet und der Lokomotivführer schwer verwundet wurde. Von den Reisenden trug nur eine Frau leichte Verletzungen davon.
Eine Brandstifterbande wurde in Fulda verhaftet. Sie besteht aus fünf Personen, darunter ein erst zwanzigjähriger Bürgerssohn, der gestanden hat, daß er bereits zweimal das Anwesen seines Vaters anzündete.
Die Anarchistin als Nonne. Großes Aufsehen erregte die Verhaftung einer angeblichen Nonne in dem großen Staatsgefängnis zu Kingston im kanadischen Staate Ontario. Sie wurde abgefangen, als sie einen großen Beutel mit Dollarstücken den im Gefängnis ſizenden drei Anarchisten, welche seinerzeit das Stauwerk des Mellandkanals mit Dynamit zerstört hatten, überbringen wollte. Es stellte sich dann heraus, daß die Nonne eine Newyorker Anarchistin war, welche vor drei Monaten nach Quebek gekommen war und sich als angebliche Ordensschwester in ein dortiges Kloster eingeschlichen hatte. Als Nonne drängte sie sich dann zum Dienst in den Gefängnissen und kam endlich in die Strafanstalt zu Kingston, wo sie den dort internierten Anarchisten die Mittel zur Bestechung der Gefängniswärter überbringen wollte.
Familientragödic. In Barmen spielte sich eine furcht bares Drama ab. Der Fabrikarbeiter Speiser drang in die Wohnung seiner Schwiegermutter ein und verwundete seine bon ihm geflüchtete Frau, die sich weigerte, zu ihm zurückzu. tehren, durch einen Revolverschuß schwer und seine Schwieger. mutter lebensgefährlich. Als Speiser dann seine Schwägerin gegenübertrat, tötete er sie und erschoß sich dann selbst.
Katastrophe auf einem amerikanischen Kreuzer. Auf bem amerikanischen Kreuzer Nashville", der zur Zeit bei St. Louis auf dem Mississippi anfert, ereignete sich eine furcht. bare Katastrophe. Auf dem Oberdeck drängte sich eine solche Fülle von Besuchern zusammen, die das Schiff besichtigen wollten, daß das Deck zusammenbrach und 80 Personen ins Unterdeck hineinstürzten. Viele unter ihnen wurden schwei berwundet, einige tödlich.
Aus dem Gerichtsfaal.
§ Wegen Giftmischerei erschienen der Kalfarbeiter Augus Schier und dessen Ehefrau vor dem Braunschweiger Schwurgericht. Die Anklage beschuldigt die Frau Schier, in das Essen der mit ihr eine gemeinsame Küche benußenden Eheleute Sorge fortgesezt Salz ure und Schnupftabak getan, und den Ehemann, diese Stoffe herbeigeschafft zu haben. Frau Sorge war körperlich so heruntergekommen, daß sie eine Klinik aufsuchen mußte. Seitdem die Angeklagten das Haus verlassen mußten, bekommt ihr das Essen wieder.
§ Der Vatermordprozeß Stolze in Göttingen endete mit der Verurteilung des Bergarbeiters Hermann Stolze wegen Totschlags zu 6 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Seine des Mordversuchs an ihrem Mann mitangeklagte Mutter wurde freigesprochen.
Lokales.
4. Mai 1904. Der Großherzog übernahm das Protektorat über den Mainzer Ruderverein.
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* Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 11, ausgegeben am 2. Mai, enthält u. A. die Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1904 genehmigten Umlagen der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Alsfeld.
** Eine Wahlmännerversammlung in Friedberg, die sich mit der Mandatsniederlegung des Abg. Weith Niederwöllstadt beschäftigte, beschloß, den Rechtsanwalt WindeckerFriedberg aufzustellen.
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** Der Sonder- Ausschuß zur Prüfung der Wahlrechts- Vorlage trat heute unter Vorsiz des Geh. Regierungsrats Haas wieder zusammen. Sollte eine endgültige Einigung nicht zustande fommen, so dürfte der Zusammentritt des Plenums der Kammer überhaupt bis zum Herbste verschoben werden.
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** Professor D. Herrmann in Marburg wurde als Vertreter der deutschen Professoren beim Fest der deutschen Wissenschaft in Chicago von der dortigen Universität wie seine vier Mitdeputierten zum Dr. utriusque juris
ernannt.
P. A. Die Vorarbeiten für den Nationalen Gefangswettstreit in Gießen zu Pfingst.n schreiten rüftig vorwärts und werden in zahlreichen Beratungen der Einzelausschüsse und des geschäftsführenden Gesamtausschusses ständig gefördert. Alle Bauarbeiten sind vergeben, auch die Restaurants des Festplazes verpachtet worden. Die vier hiesigen großen Brauereien, sowie die Firmen Ihring- Lich und Melchior- Bußbach haben je eine Halle übernommen. Von der Errichtung eines Cafés hat man Abstand genommen, dagegen wird auch in der Festhalle Bier gegen mäßige Preise berabfolgt werden. Der Verkauf der Festpostkarten wurde der Firma Jung in Gießen übertragen. Besondere Schwierigteiten hat der Wohnungsausschuß zu bestehen, da ihm Räume zum Unterbringen unserer Gäste in noch nicht ge= nügender Anzahl zur Verfügung stehen. Hoffentlich wird der auch in unserem Blatte zum Abdruck gebrachte diesbezügliche Aufruf seine Wirkung nicht verfehlen.
Eine für Wirte und Vereine wichtige Entscheidung Das Kgl. Kammergericht in Berlin hatte sich am 18. April mit dem Versammlungsrecht, resp. mit dem Eintritt der Polizeistunde bei Versammlungen zu beschäftigen. Anläßlich der Reichstagswahlbewegung im vorigen Jahre wurde im Dorfe Weidenhausen im Kreise Wezlar von einem Redakteur einer Versammlung abgehalten, zu der der Redakteur das betreffende Wirtslokal gemietet hatte. Der Polizeidiener Kuhl aus Großrechtenbach bot nun um 11 Uhr Feierabend und löste die Versammlung auf. Der Redakteur erhielt wegen Uebetretung der Polizeistunde einen Strafbefehl von 3 Mt. Die eingelegten Berufungen ans Schöffen- und Landgericht waren erfolglos, und auf die vom Angeklagten eingelegte Revision ans Oberlandesgericht wurde die Angelegenheit vor dem Kammergericht verhandelt. Das Urteil murde aufgehoben und die Sache behufs weiterer Beweisaufnahme ans Berufungsgericht zurückverwiesen. Es soll nämlich festgestellt werden, ob der betreffende Raum für diesen Abend gemietet war. Das Kammergericht nahm dies als wahr an und fällte folgende Entscheidung:„ Dann aber war der vermietete Raum für die Dauer des Mietvertrags nicht mehr eine Schantstube im Sinne des§ 365 Absatz 1 des Str.-G.-B., weil die Schantwirtin als die bisherige Inhaberin des Raumes das Verfügungsrecht darüber an den Angeklagten als den nunmehr Verfügungsberechtigten abgetreten hatte und hierdurch dem Raume die Eigenschaft einer öffentlichen Schankstätte entzogen war. Die in 1. und 2. Instanz aufgeworfene und dort mit Recht verneinte Frage, ob die von dem Angeklagten veran staltete Versammlung eine geschlossene Gesellschaft war, ist hier ohne Bedeutung, da nicht diese Versammlung, sondern eine Einzelperson( der Angeklagte) Mieter des Raumes gewesen sein soll. Hiernach mußte das auf einem Rechtsirrtum beruhende Berufungsurteil, wie geschehen, aufgehoben werden." Damit hat also das Kgl. Kammergericht im Prinzip entschieden, daß bei Versammlungen in einem gemieteten Lokale die Feierabendstunde erst mit Schluß der Versammlung durch den Mieter eintritt.
+ Von hessischen Behörden werden u. A. steckbrieflich verfolgt: Taglöhner Johann Dehmer aus Eberstadt wegen Strafvollstreckung, Schreinergeselle Heinrich Vogel aus Würzburg wegen Diebstahls vom Großh. Staatsanwalt und der Reisende Dstar Mahalet aus Bischofsheim wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt zu Gießen.
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Die hessischen Bäckerinnungen, die in einen Verband geschlossen sind, hielten vorgestern in Mainz eine Delegiertenversammlung ab.
Gestern tagte in Frankfurt eine Anzahl von Synodal- Abgeordneten aus dem Großherzogtum Hessen, der Provinz Hessen- Nassau und dem Konsistorialbezirk Frankfurt, um über einen Zusammenschluß der Evangelischen aller Landeskirchen Deutschlands zu beraten. Folgende Erklärung wurde zum Beschluß erhoben:
Die Bersammlung ist der Ansicht, daß eine Organisation auf synodaler Grundlage geschaffen werden müsse, welche in ihrem Endziel das evangelische Deutschland umfaßt, und den Zweckt hat, die Interessen der evangelischen Kirche kraftvoll im öffentlichen Leben der Nation zur Geltung zu bringen, wobei eine Einbeziehung der freien Organisationen in jährlich wiederkehrenden Versammlungen in Aussicht zu nehmen ist.
Der in der Versammlung gewählte geschäftsführende Ausschuß erhielt den Auftrag, zunächst die Synodalabgeordneten Westdeutschlands zu einer Versammlung im Herbst einzuladen, die dann den Zusammenschluß sämtlicher Synodalabgeordneten aus ganz Deutschland herbeiführen soll.
Aerztestreit.] Am Tage, da in Gießen der Aerztekongreß für Psychiologie eröffnet wurde, so wird uns nachträglich mitgeteilt, tamen mit der Oberhessischen Bahn auch zwei Landbewohner aus der Gegend von Groß- Eichen auf Station Gießen an. Ueber die festliche Ausschmückung des Bahnhofes( die Feftleitung des Kongresses hatte dies sich nicht nehmen lassen) verwundert, fragt der Jüngere den Aelteren: Ei Chrischtoff, wois is dann eich hie los?" Der also Angeredete nimmt sein Pfeifchen aus dem Mund, drehte sich nach seinem Begleiter um und rauhnt ihm ins Ohr:„ Aertschtestroit"
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*** Kurzes Eheglück! In Mandel bei Kreuznach fand am vergangenen Donnerstag, 28. April, die Trauung eines Ehepaares statt, am Freitag wurde die Frau Mutter und am Samstag retchte der Ehemann die Ehescheidungsklage ein. ** Lollar. Ein Jäger des Marburger Bataillons schoß sich am Samstag auf einer Jagdkommandoübung auf hiesiger Gemarkung mit seinem geladenen Gewehr einen Linger ab.
A Grünberg, 4. Mai.( Eingesandt.) Vielleicht läßt sich die hiesige Stadtvertretung herbei, einen Saal für die Sammlung Grünberger Altertümer unentgeltlich herzugeben. Dieser Wunsch ist schon oft laut geworden, da eine ganze Anzahl solcher Altertümer, wie Bohrer, Schlüssel, Münzen 2c. vorhanden sind. So befindet sich z. B. der alte Zunftstiefel der alten Schuhmacherzunft aus dem Jahre 1745 im Befiße eines Grünberger Bürgers, ebenso die Zunfturkunde vom Landgrafen Ernst Ludwig und das Bunftschild. Die Einrichtung einer solchen Sammlung würde ohne große Kosten zu ermöglichen sein.
X.
Nidda, 2. Mai. Auf schreckliche Weise verunglückte gestern Vormittag der erst kürzlich eingetretene Provisor der Apotheke. Schon längere Zeit suchte er nach einem Pferd, um einmal auszureiten. Dieses Verlangen wurde ihm verschiedentlich abgeschlagen; endlich gab man seinem Drängen nach, und wollte er eine Tour uach Salzhausen machen. Obwohl gewarnt, nahm er einen Hund mit; durch diesen scheute das Pferd, machte einen Seitensprung und warf den Reiter ab, der mit dem Fuß im Büs gel hängen blieb und in das Feld geschleift wurde, wobei er verschiedene Huftritte erhalten haben muß, denn die Hirnschale war gebrochen. Ein vorüberfahrender Fuhrmann
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