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FÜR UNSERE JUGEND
Merksprüche.
Der Mensch hat nichts so eigen, So wohl steht ihm nichts an, Als daß er Treu erzeigen Und Freundschaft halten kann.
Strebe danach, größer zu sein, als zu werden. Denn nur willst, bist du noch nicht! was du bist, hat Wert; was du auch immer werden magst und
Des Lebens Kunst ist leicht zu lernen und zu lehren: Du mußt vom Schicksal nie zu viel begehren; Der, welchem ein bescheidnes Los genügt, Hat einen Schatz, der nie versiegt.
An heiliger Stätte.
Die Fahrten Kaiser Friedrichs III. und seines Sohnes Wilhelm II. ins heilige Land haben für die Stätten, wo einst Christi Fuß gewandelt, in Deutschland ein neues reges Interesse hervorgerufen, und alljährlich bringen große deutsche Dampfer Tausende von Reisenden nach Jaffa, die von dort aus das heutige Palästina durchqueren. Außer Jerusalem wird vor allem Bethlehem, die kleinste unter den Städten Judas", von der aber doch das Licht der Welt ausstrahlen sollte, da sie Christi Geburtsstätte wurde, eifrig besucht.
Vom Golde der südlichen Sonne umflossen, liegt das heutige Bethlehem vor dem staunenden Pilger auf und an den niederen Bergen. Rings im Tale sind schöne Fruchtgärten und fette Getreidefluren entstanden. Die Weinberge liefern föstliches Rebenblut, die Olive herrliches Del und der Feigenbaum erquickende Labung. Bethlehemitinnen in ihrer originellen Landestracht begegnen dem Wanderer. Auf dem Kopfe hat das Weib eine steife, oben flache Mütze, die den ganzen Hinterkopf bedeckt. Um die Stirne hängt eine Kette aus Silbermünzen oft der ganze Reichtum der Besizerin. Ueber die Haube aber trägt die Frau ein farbiges, mit Häfelei verziertes Kopftuch. Das himmelblaue Gewand ist lang herabwallend, wie ein großes Hemd. Ueber dem Oberkörper wird oft noch eine rote, mit Stickerei versehene Jacke mit weiten Aermeln getragen. Nun geht_es wieder ein Stück bergan; das erste Haus ist erreicht. Ein Mann in weißer Kleidung- ein Muschelarbeiter- winkt, bei ihm einzutreten. Aus Perlmutter werden hier allerlei hübsche Schmuckgegenstände, Reliefbilder, Dosen, Geldtäschchen, Hemdenknöpfe und Rosenkränze gefertigt. Die Berlmutter, sowie die Olivenholzindustrie Bethlehems genießt einen Weltruf. In anderen Häusern klingt der Hobel und schnarrt die Drechselbank. Aus dem harten Holze des Delbaumes bildet die kunstgeübte Hand allerlei Nippsachen, als Briefbeschwerer, Tintenfässer, Schmuckkästchen, Gehäuse Bu Standuhren u. s. w. Der Weg nimmt etwa 15 Minuten in Anspruch. Dann folgt ein freier Plaz, an dem die berühmte Geburts- oder Marienkirche sich befindet. Vor dem niederen Eingange der gänzlich mit Klostergebäuden umgebenen Kirche lagern hochbepackte Kamele, zur Seite stehen Eseljungen mit ihren kleinen, leichtfüßigen Grautieren. Gebückt durchschreitet man die enge Pforte und sieht sich im Inneren eines Gotteshauses, dessen Dach von vier Reihen Säulen getragen wird. Franziskanermönche schlürfen in ihren braunen Rutten mit den leichten Sandalen über die Steinfliesen. Da fehlt auch die türfische Bache nicht, welche ihre unvermeidliche Zigarette raucht. Beiber und Kinder fauern am Boden. Beim Vorübergehen bieten sie mit freischender Stimme Rosenkränze aus Olivenholzperlen, Perlmuttersächelchen und Früchte zum Kaufe an. Durch eine Höhere Bjorte tritt man in ein Längsschiff der Kirche. Wieder lehnen hier zwei türkische Soldaten, das Gewehr im Arme. Eine Treppe führt in ein dunkles unterirdisches Gemach, in die Krypta. Das ist der Ort, der nach der Weberlieferung als die Stelle bezeichnet wird, da Jesu Krippe stand. Von der Deke herabhängende, kostbare Bampen belembten eine
Nische, in deren Boden ein großer, silberner Stern eingelassen
ist. Rund herum geht eine Inschrift: Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est", liest man.( Hier ist Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren worden.) Die Marmorwände sind teilweise mit purpurnen, golddurchwirkten Teppichen bekleidet, und durch die Lampen wird diese merkwürdige Höhle gut erleuchtet.
Nach drei Seiten zu wird der Talkessel, in dem Bethlehem liegt, von niederen Bergen eingerahmt. Im Osten schaut die Spitze des Delberges hervor. Dort liegt Jerusalem. Der arabische Lehrer erklärte mir in fließendem Deutsch die Gegend. Dort am Rande der Wüste Juda liegt das sogenannte Hirtenfeld", wo einst der Engel den Hirten erschien, und die Menge der himmlischen Heerscharen, umLeuchtet von überirdischem Lichte, ihr:„ Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" fangen. Einige alte Olivenbäume bezeichnen diesen heiligen Ort. Im fernen Osten, jenseits des Toten Meeres, strebt der Berg Nebo" empor, von dem Moses den letzten Blick auf das gelobte Land werfen durfte. Da liegen auch die Moabiterberge. In der Umgegend Bethlehems aber ging einst die fleißige Ruth für ihre Schwiegermutter Naemi auf dem Felde des reichen Boas Aehren lesen. Auf jenen Anhöhen meidete David die Herden seines Vaters und kämpfte mit Bären und Löwen.
Bethlehem zählt etwa 7000 Seelen, worunter 260 Muhamedaner. Außer den erwähnten Olivenholzschnißern und Perlmutterarbeitern gibt es noch Maurer, Steinbrecher und Steinhauer am Orte. Ein paar Dupend türkische Soldaten wohnen im sogenannten Serail. Jellachen, das sind LandTeute des Jordanlandes, besuchen an den Markttagen die Stadt, um ihre Erzeugnisse feilzubieten. Fast die ganze Zeit des Jahres herrscht reger Verkehr, der sich zu Ostern, der Zeit der Pilgerzüge, zu einem oft beängstigenden Gewimmel aller möglichen Nationen steigert.
Rätsel und Aufgaben. 1. Duchstabenrätsel.
Vorstehendes Quadrat ist so mit Buchstaben auszufüllen, daß die mittelste Reihe, von oben nach unten gelesen, den Namen eines österreichischen Kaisers ergibt. Die wagerechten Reihen er geben:
1. eine Getreideart,
2. einen wertvollen Schmuck, 3. eine römische Göttin, 4. eine Verteidigungswaffe, 5. einen Hunnenkönig.
'' vuvi
*
2. Setst auf die erste Silbe du den Ton, So ist's aus Jlium ein Königssohn. Bringst du ihn aber auf die zweite, Ist's eine Stadt von großer Weite.
8. Der
Das
-
bestellt das Feld;
den Vogel hält.
4. Zahlenrätsel.
1 2 8 4 5 Gin Mädchenname, 6 7 7 6 8 Eine deutsche Stadt,
7 5 8 9 8 Eine Wüstenerscheinung,
7 5 8 6 8 in Pflangenteil,
28 42 63 Ein Land in Asien,
8 5 7 6 Gin Körperteil,
10 5 8 10 6 7 Ein indischer Fluß
-
Die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ergeben den Namen eines deutschen Dichters. Braun
-
h menus und
Nr. 51.
Freitag, den 4 März.
1904.
Oberhessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
bez
Gießener Neueste Nachrichten.
Bond unt Beslag ber Glebener Nading@ braderet, norm. With. Reller's Sudbrud( page. 1790); serenia: Is lein
( 14. Fortsetzung.)
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Bezold.
" Indessen wird das feine Schwierigkeiten haben," fuhr der Direktor fort, ich werde heute noch eine Eingabe an Durchlaucht machen und glaube morgen
" Bemühen Sie sich nicht," unterbrach ihn der Baron, ,, ich fahre selbst zu Seiner Durchlaucht, um mir die Erlaubnis zu holen. Der schriftliche Weg dauert mir zu lange, mündlich kann die Sache in einer Minute erledigt werden." Wie es Ihnen beliebt, Herr Baron! Nur müßte ich um Vorlegung einer schriftlichen Erlaubnis bitten
„ Mißtrauen Sie mir, Herr Direktor?" " Durchaus nicht, aber ich muß mich leider auch Ihnen gegenüber streng an die Befehle Seiner Durchlaucht halten. Ich bin fürstlicher Beamter-
Sie haben Recht," sagte der Baron, kann es Ihnen nicht übelnehmen, wenn Sie sich den Rücken decken." Joachim Spangenberg verneigte sich abermals. Ich werde mir gerne die Ehre geben, Sie zu begleiten, sobald Sie die Erlaubnis besißen," sagte er, der Kustos hat freilich den Schlüssel um Münzenkabinett, aber er darf nur in meinem Beisein öffnen."
Welche Vorsichtsmaßregeln!" lachte der Baron, indem er seinen Hut vom Seſſel nahm.„ Die Sammlung iſt allerdings wertvoll, aber
Sie ist Privateigentum Seiner Durchlaucht, Herr Baron," unterbrach Spangenberg ihn achselzuckend, das erklärt diese Maßregeln, die allerdings auch nach meiner Anficht nicht unbedingt nötig wären. Wie gesagt, wenn Sie mir die Erlaubnis bringen, so finden Sie mich augenblicklich bereit, Ihren Wunsch zu erfüllen."
Der Baron erwiderte nichts darauf, mit einem herablaffenden Blick verließ er das Zimmer. Joachim Spangenberg hörte gleich nachher den Wagen wieder fortrollen und wollte dann wieder vor dem Schreibtisch Platz nehmen, als abermals Besuch angemeldet wurde.
Der Eintretende war Martin Kaſſel, dem Spangenberg rasch entgegen ging.
" Haben Sie das Armband zurückerhalten?" fragte er, dem Juwelier die Hand bietend.
Nein," antwortete Martin, es ist weder im Hause, noch in Schönbachs Taschen gefunden worden, auch leugnet er hartnäckig den Diebstahl."
" Man hat also Haussuchung in seiner Wohnung gehalten?"
„ Ohne Erfolg!"
" Ja, ja, ich befürchtete es gleich," sagte Spangenberg mit bedauerndem Achselzucken.„ Der Mensch hat Zeit genug gehabt, das Armband zu verstecken. Bitte, nehmen Sie Platz, Herr Kassel, die Sache ist doch zu wichtig, daß man nur mit einigen Worten des Bedauerns darüber hinweggehen dürfte. Wohin Schönbach von Ihrem Hause gegangen ist, werden wir schwerlich erfahren, da er selbst es nicht gestehen wird. Aber nehmen wir an, er sei direkt zum Museum gegangen, sein Bruder hat ihn in die Säle eingelassen, konnte er dort nicht sofort ein Versteck für den kleinen Gegenstand finden? Hinter einem Bilde, oder in
( Nachdruck verboten.))
einem antiken Schrank ließ er das Armband verschwinden, um es vielleicht dann erst wieder zu holen, wenn er die Stadt verlassen wollte!"
Wenn Sie dies vermuten, so müßten im Museum Nachforschungen angestellt werden," erwiderte Martin, der sichtbar befangen war, auf die Bestrafung des Mannes will ich gerne verzichten-"
" Nicht doch!" unterbrach der Direktor ihn mit einer abwehrenden Handbewegung, solche Strolche müssen im Inter. esse des Allgemeinwohls unschädlich gemacht werden. Üebrigens liegt auch die Möglichkeit nahe, daß sein Bruder, der Kustos, sich der Hehlerei schuldig gemacht hat. Er besitzt schon seit einiger Zeit mein volles Vertrauen nicht mehr, er macht größeren Aufwand, als sein Einkommen ihm erlaubt. Ich werde der Polizei einen Wink geben."
" Freilich, dann liegt ja allerdings die Vermutung nahe, daß sein Bruder ihm das Armband gegeben hat, und in diesem Falle werde ich wohl darauf verzichten müssen, es jemals wiederzusehen."
Haben Sie Fräulein v. Derendorf schon benachrichtigt?" " Jawohl, ich mußte ihr ja die Anzeige machen und mich zugleich verpflichten, den Verlust zu ersetzen. Mir soll dieser Vorfall als warnende Lehre für die Zukunft dienen.
Eine andere Angelegenheit aber führt mich heute zu Ihnen, ein recht schwere Bitte, durch deren Erfüllung Sie mich sehr glücklich machen würden."
Nun, nun, wenn ich sie erfüllen kann, so soll es sehr gerne geschehen," sagte Spangenberg gütig,„ reden Sie ganz offen."
" Sie haben mich schon gekannt, als ich noch ein Knabe
war
Ganz recht, ich wohnte damals in Ihrem elterlichen
Hause!"
„ Ich erwähne das, um Ihnen zu zeigen, daß meine Bitte Ihnen nicht überraschend sein kann," sagte Martin, der nun den Blick erhob und dem Direktor frei ins Auge schaute." Irma war damals meine Spielgefährtin, sie blieb seitdem mir Freundin, und heute wage ich es, Sie um ihre Hand zu bitten. Ich glaube, daß ich in Bezug auf meine Vermögensverhältnisse, meine Solidität und meinen Charakter nicht viele Worte zu machen brauche, aber gerne will ich Ihnen Zeit geben, Erfundigungen darüber einzuziehen, wenn Sie dies nötig erachten."
,, Nein, das wäre überflüssig," erwiderte Spangenberg, der sichtbar überrascht, sich von seinem Sitz erhoben hatte, „ daß Sie in jeder Beziehung eine gute Partie sind, ist über jeden Zweifel erhaben. Weiß Irma, daß Sie diese Bitte an mich richten wollen?"
Jawohl, Herr Direktor," antwortete Martin, der jetzt erleichtert aufatmete,„ ich durfte ja diesen Schritt nicht eher wagen, bis ich mich von der Erwiderung meiner Liebe überzeugt hatte."
Hm, hm," sagte der Direktor unentschlossen, während er das Zimmer mit großen Schritten durchmaß, ich würde meine Zustimmung ohne Bedenken geben, wenn die Sache
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Gießen.
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auen dankend,
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Nr. 282.
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