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junger Edelmann aus den von Deutschen bewohnten Ostsee­ficht, Baron von Swan dagegen, ein

Dabei zeigte der Ladenbesizer auf den Marktplatz hinunter, wo das Regiment unter Trommel- und Pfeifenklängen heraufzog. Stephan sah die blizenden Bajonette.

,, Arme Kerle!" dachte er bei sich, wie die Zuschauer den Soldaten stürmisch zujubelten. ,, Wie manch einer mag unter ihnen sein, der daheim auch seine Kitty besitzt! Man muß sich seines Glücks ordentlich schämen, wenn man an Krieg denkt! Ohne Tom Blackdorn hätte ich, wer weiß, jekt vielleicht auch eine Trommel oder eine Büchse zu tragen. Das will ich ihm auch nimmer vergessen."

Er trat in den besten Uhren- und Schmuck­warenladen der Stadt.

,, Ich möchte ein paar Ringe," sagte er in seiner bescheidenen Weise, so daß der Juwelier nach dem Auftreten des Fremden ihm die billigste Ware glaubte vorlegen zu müssen. Allein dieses sagte Stephan nicht zu, er ließ sich bessere und bessere Ware vorlegen, bis er sich endlich zu dem Ankauf eines der teuersten Ringe im Laden entschloß.

Ich will diesen nehmen," sagte er zu

|

chester und dahinter den Fluß, auf der andern Seite die Waldabhänge und die schmalen Täler sah, in denen der Weidenhof und so viele andere alte Gutshöfe verborgen lagen. Den Rücken nach dem Münster und dem Flusse gewandt, blickte Stephan auf die Wälder und in Triften, die friedlich und grün vor ihm la­gen. Der Essenwald und das Leben und Treiben von Millport hatte ihn dem Bilde entfremdet, und er blickte wie ein Fremder auf die stille Landschaft vor sich, in der er ge­boren und erzogen worden war. Mit der friedlichen Szenerie vor sich, vermochte er den Gedanken nicht zu fassen, daß augenblicklich die Welt in Krieg liegen sollte, daß anderswo fast ebenso lachende Gefilde vielleicht in der­selben Stunde den Hintergrund von Mord und Blutvergießen bildeten. Und doch war dem, Gott sei es geklagt, so! Stephan wußte Vielleicht es, wie jedes Kind es wußte. wäre er jedoch auf diese Gedanken hier nicht gekommen, hätte er nicht am Vormittag die Trommeln wirbeln und die Bajonette in der Luft blinken sehen.

Placa de Independencie in Montivideo.

dem Juwelier, der ein schweigsamer Mann zu sein schien und als Antwort nur stets einfach mit dem Kopf nickte. Das Motto in dem Ring ,, Liebe ist des Lebens Krone" gefällt mir."

( Siehe S. 5.)

draußen über dem Weg lag, als er, jenseits desselben zur Erde kommend, auf dem leh. migen Boden ausglitt und Kopf über in einen Busch fiel. Und dabei fiel er nicht in den Schmutz, sondern auf etwas, das er sich nie hätte träumen lassen, hier zu treffen; auf einen sich in dem Schilf und Rohr offenbar versteckt haltenden Menschen.

Stephan fuhr erschreckt empor und ebenso wenig freudig überrascht war er, als auch die im Schilf kauernde Gestalt sich aufrichtete und die, wie sich herausstellte, ein junger kräftiger Mensch in seinem Alter war, der einen wil­den, gehetzten Blick im Auge hatte und eine rote Soldatenjacke trug. Auf dem kurzge­schorenen Kopfe hatte er weder Hut noch Mütze. Eine Vertrauen erweckende Erschei­nung war es auf jeden Fall nicht. Abgelegene Gehöfte hatten zu damaliger Zeit von der­artigen Landstreichern zu leiden, die trupp­weise durch das Land zogen und sich auf ihre alte rote Jacke hin, auf die sie manchmal eben so wenig Anrecht als auf Offiziers- Epau­letten besaßen, unter Drohungen und Verge­

Montlvideo: Ausrücken des Militärs über den Placa de Independencia.

|

Er schritt den Pfad auf der anderen Bergseite hinunter und schwang sich über einen Zaun hinüber auf ein Feld, das sich auf ein hinter Gebüsch und Gesträuch verstecktes Fließ hinabsenkte. Eine höchst primitive Brücke, aus zwei zusammengebundenen Brettern be­stehend, führte über dies Wasser hinweg. Hier hatte Stephan vor Jahren seine ersten Angel­versuche gemacht wie unendlich lange schien ihm das her! Der schönen Stunden aus der | Kinderzeit gedenkend, konnte er nicht über die Brücke hinüber, ohne noch einmal wieder tiefer hinein in die Weidenbüsche zu blicken, in denen er sich als Knabe, wenn die Dorf­finder Räuber und Soldat spielten, so häufig verschanzt. Er mußte sich seine alten Burgen noch einmal wieder besehen, selbst auf die Ge­fahr hin, sich in dem Geäst seinen Rock zu zer­reißen!

Mit dem Abschluß dieses Handels waren für heute Stephan's Geschäfte in Hunchester erledigt. Er ging in ein Wirtshaus, bestellte sich eine Portion falten Braten und ein Glas Bier, denn der weite Weg hatte ihn hungrig gemacht und dann schickte er sich an, auf dem­selben Wege, den er gekommen war, nach dem Weidenhof zurückzukehren. Aber er war kaum bis an den fünften Meilenstein gelangt, als ihm der Einfall fam, wenn es auch ein kleiner Umweg war, an der Kirche vorbei heimzu gehen, in der er getraut werden sollte. An die tausend Mal hatte er die Kirche seines Heimatsdorfes allerdings schon gesehen! So lange hatte sie jedoch für ihn nie eine beson­dere Bedeutung besessen; jetzt sollte sie für ihn ein geweihter Bau werden.

Um an der Kirche vorüber an den Weiden­hof zu kommen, mußte man, wie gesagt, am fünften Meilenstein von der Stadt die Straße verlassen und einen Weg einschlagen, der durch die Felder auf eine Hügelfette hinauf­führte, von der man auf einer Seite den trä­gen Rauch und den Münsterturm von Hun­

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Und so drang er hinein in die Sträucher, durch die das Wasser hindurchlief, und wun­derte sich, was aus den Inseln, Seen und | Wasserfällen geworden. In Wahrheit waren sie jedoch nicht kleiner, nur er war größer und seine Beine waren länger geworden. Sonst hatte die Stelle sich ihren alten Zauber erhalten.

Er war eben über einen hohlen Baum stamm gesprungen, der mit den Wurzeln

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stürmender Hand nehmen, das ist eine militärische Muster­und Meisterleistung, vor der alle Welt den Hut ziehen muß. Die Bedeutung dieser Waffentaten beschränkt sich obenein nicht auf den augenblicklichen Erfolg, den sie hatten: Ihre Folge war auch, daß die gesamten Hererohorden sich mit ihrem eigenen und dem erbeuteten Vich in die Otjijangati­Berge geflüchtet haben. Nach diesen Erfolgen, denen sich noch der inzwischen er­folgte Entsatz von Omaruru anschließt, bleibt der Hilfs­expedition aus der Heimat, wie gesagt, nur noch die Aufgabe, einen kräftigen Denkzettel an die Herero

zu erteilen. Diese Aufgabe ist freilich keineswegs leicht, und sie wird an die Leistungsfähigkeit unserer Truppen bedeu­tende Anforderungen stellen. Um den flüchtenden Herero zu folgen und ihnen das Vieh abzujagen, was ihre Be zwingung erst besiegeln würde, haben die Truppen beträcht­liche Schwierigkeiten zu überwinden. Zunächst bedarf die Expedition, um den Herero zu folgen und ihnen die Flucht über die Grenze des Schußgebietes zu verlegen, gute Pferdematerial. Nach der Ansicht eines alten Afri. faners, der lange Jahre in Südwestafrika Offiziersdienſte tat, bedarf es zur Abfangung der Herero nur etwa einer Truppe von 1000 Mann mit den nötigen Geschüßen. Aber man braucht Pferde und Zugtiere für Geschütze u. s. w., und nicht nur für diese 1000 Mann, sondern auch für die sic nicht unmittelbar an der Verfolgung beteiligende übrige Truppe, die doch auch jederzeit marschbereit bleiben muß Es müßten daher nicht 1000, sondern sofort 3000 Pferde und Zugtiere beschafft werden. Denn das Expeditionskorps wird mit großen Verlusten zu rechnen haben, nicht nu während der Seetransporte, bei der Landung, während des

waltigungen Unterkunft und Verpflegung er­Der weggejagte Seemann und zwangen. Soldat war damals eine der größten Plagen des Landes.

Uebrigens schien der unheimliche Fremde nicht weniger erschrocken, als Stephan. Sic starrten beide einander eine ganze Weise lang an, bis Stephan plöglich ausrief:

,, Gerechter Himmel! Es ist Richard Black­

dorn."

der

Blackdorn's Sohn und Erbe; Kitty's Bru­und in diesem Aufzug! Was hieß das wohin war er gekommen? Daß er sich weiß Gott in welcher hoffnungslosen Lage befand, war klar und selbst bei aller seiner innigen Liebe zu seiner Braut mochte den jungen Menschen der Gedanke, einen solchen Schwager zu erhalten, nicht erbauen.

Ich bin Stephan Harlow, erkennst du mich nicht? In des Himmels Namen, Dick Blackdorn, wohin bist du gekommen? Was tust du hier?"

Der Vagabund ließ beschämt den Kopi hängen; ein Funken von Ehrgefühl schlum­merte wohl noch in seiner Seele.

,, Es ist verwünscht," murmelte er ,,, daß man, wenn man todmüde si chhinlegt, nicht eine Minute die Augen zutun kann und daß sofort Jemand kommen und über einen wie

Die Politik.

Mehrere interessante Aeußerungen des Kaisers werden neuerdings bekannt, die sich mit dem Leben und Treiben der Offiziere beschäftigen. Ueber den Lurus im Heere sol der Kaiser gesagt haben: Ich wünsche, daß der Lurus im Heere eingeschränkt wird. Der Preuße muß spar­sam leben. Der Preuße hat das Beste ge= leistet, wenn er hungerte." Ueber die schrift- stellerische Tätigkeit der Offiziere, gegen die sich bekanntlich eine jüngst erlassene Kabinettsorder rich­tet, soll der Kaiser gesagt haben: Ich wünsche nicht, daß meine Offiziere mit Tinte und Federspielen. Bei inaktiven Offizieren ist es vielleicht begreiflich, daß sie als ältere Herren ihrem jungen Kriegsherrn ratgebend zur Seite stehen wollen. Ich wünsche dies aber nicht. Ich will mir meine Ratgeber selbst aussuchen." Beide Aeußerungen sind, wenn sie nicht wahr sind, mindestens gut erfunden.

Oefterreich- Ungar.

Um den finanziellen Schwierigkeiten, die sich aus der militärischen Laufbahn für weniger bemittelte Offiziere er­geben, zu begegnen, beabsichtigen militärische Kreise in der Donaumonarchie eine große Kreditbank für Offiziere zu gründen, deren Hauptaktionär der Kaiſer ſelbſt ſein soll. Die habsburgischen Familienfonds zeichneten einen nam­haften Betrag; es heißt, daß bereits ein Aktienkapital von zehn Millionen Kronen aufgebracht sein soll. Vor der Deffentlichkeit figuriert Generalmajor Fürst Wrede als Gründer der Bank. Nach dem Prospekte wird die Bank die Offiatersschulden konvertieren, und zwar in der

( 24. Sizung.)

13. Jahrgang.

einspaltige Petitzelle für ganz Oben und Marburg 10 Pfg. fonft 15 P

: Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. ingslifte No. 3269.

on: Gießen, Seltersweg 88 chenschluß Nr. 362.

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I und Umgebung. on Oberhessen.

i ein neues, Innerhalb 10 bis Darlehen zu billigem Prozentsaz izier, der nach nüchterner Berech­halb 10 bis 15 Jahren zu tilgen auf eine Konvertierung derselben

Auf diese Weise werden viele et werden. Im gemeinsamen riegsministerium arbeitet man e Tilgungsquoten von den monat­rden sollen. Die neue Bank wird onvertierung der Offiziersschulden : Kapitalien der Offiziere befassen. ' n, wie sich diese neue Kreditbank ird.

Alien.

s gestern lauten heute die Nach­Japan herrscht auch unter den nden Ministern höchste Erbitte­jfeit Rußlands in der Beantwor­

Ein geheimer Staatsrat wurde tag abgehalten, er dauerte sieben Ministerpräsident und der Minister während der Sizung mehrmals an nimmt an, daß die Beschlüsse, n Krieg bedeuten. Auch in Pe= iegerische Stimmung plötzlich die iben. Die russischen Zeitungen chte aus dem Osten, und auf dem t der Zar einem Diplomaten, der die friedliche Haltung Rußlands :, aber alles hat seine des friedeseligen Zaren hat dieses

Parlamenten.

des Reichstags hat in Sachen der 6erstleutnantsgehälter 3. Spahn( Bentr.) beschlossen, Militäretat geforderten Gehalts­des Servis und der Erhöhung 3 für patentierte Oberstleutnants Intrag zu unterbreiten: ten­Infanterie und des n= rkorps erhalten eine pensions­art." Die Regierungsforderung on Gehalts-, Servis- und Woh­1 für sämtliche Oberst­

das Graf Ballestrem zur Eröff­r den Reichstagspräsidenten gab, 1. Politische Themata wurden in hrt. Der Kaiser sprach bei Tisch senden Reichsbeamten, insbeson= und dem Grafen Posadowsky, r die er sich interessiert, mit den che und lokale Angelegenheiten, Schmidt- Elberfeld über Elber­ige Schwebebahn u. s. w.

Jer Reichstag.

CB. Berlin, 4. Februar.

Das Haus war bei dem gestrigen Festmahl zum Einzuge des Präsidenten Grafen Ballestrem in das neue Präsidial­gebäude jedenfalls ungleich stärker vertreten trotz des Diätenmangels, als in der heutigen Sigung, in welcher die erste Beratung des Gesezentwurfs betreffend Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft fortgesetzt wurde. Als erster Redner erklärt

Abg. Frohme, daß er mit seinen sozialdemokratischen Freunden alle Beschränkungen der staatlichen Entschädigungs­pflicht ablehne, und zog dann scharf gegen die Staatsanwälte los, deren Anklagemonopol geradezu gemeingefährlich sei.

Staatssekretär Nieberding wies diese Angriffe zurück. Können Sie, sagte er, dem Reichskanzler Anzeige machen von Fällen gewissenlosen, rechtswidrigen, über­mütigen Vorgehens von Staatsanwälten, so bin ich über­zeugt und bürge dafür, daß der Reichskanzler für Abhilfe sorgen wird. Ueber Einzelheiten der Vorlage werde sich reden lassen. Daß aber Leute, welche nach der Herzens­meinung des Volkes trotz ihrer Freisprache noch verdächtig bleiben, die Tat begangen zu haben, eine Entschädigung er­halten, das werden die verbündeten Regierungen niemals zugeben.

Abg. Stadthagen( Soz.) tritt dem Urteil seines Fraktionsgenossen Frohme über die Staatsanwälte durch­aus bei. Was heiße das im§ 2: Verstoß gegen die guten Sitten"! Im Awilecki- Prozeß würden die Richter sicherlich auch einen solchen Verstoß gegen die guten Sitten angenom­men haben, denn die Angeklagte habe sich ja unterstanden, noch in relativ so hohem Alter Mutter zu werden.( Heiter­feit.) Es sei Praris, politisch mißliebige Leute so lange als