Verlängerung des Friedenspräsenzgesetzes von 1899 wurde nach kurzer Debatte in zweiter Lesung gegen die Stimmen der freisinnigen Volkspartei, der Sozialdemokraten und der Polen angenommen. Abg. Böckler( Antis.) plädierte dabei für Versorgung der kleinen Städte mit Garnisonen. Die Schilderungen Bilses dürften davon nicht abhalten, denn die Kameraden, die derselbe geschildert habe, würden in einer Großstadt sich wahrscheinlich nicht anders vrhalten haben, als in der„ kleinen Garnison". Das platte Land bedürfe der Garnisonen namentlich auch im Interesse einer Beseitigung des Arbeitermangels. Nicht einmal Konit, ein so wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, habe eine Garnison, trotz der dort vorkommenden geheimnisvollen Morde. Nur als Straferpedition habe man Militär dorthin geschickt, um die Bürger für ihre politische Gesinnung zu bestrafen. Abg. v. Czarlinski( Pole) holte sich einen Ordnungsruf, weil er sagte, die polnischen Landrsteile seien nur durch Spitzbübereien in die Hand des preußischen Staates gelangt.
Bei der dann folgenden ersten Lesung des Gesetzentwurfes betr. die
Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft begründete Staatssekretär Nieberding die Vorlage mit gewohnter Sachlichkeit und führte insbesondere aus, daß die Entschädigung im Interesse einer geordneten Rechtspflege feinesfalls als unbedingt zu gewährende ausgesprochen werden dürfe. Gelinge auf Grundlage der Vorlage eine Einigung zwischen Regierungen und Reichstag, so werde damit ein Kulturfortschritt zustande kommen, wie er größer noch in keinem anderen Staate erreicht sei.
Abg. Himburg( fons.) erblickt mit seinen Freunden in der Vorlage eine brauchbare Grundlage, um etwas Gutes zustande zu bringen. Abg. Mom msen( freis. Vg.) meinte dagegen, daß diese Grundlage den Anforderungen der Gerechtigkeit und Billigkeit nicht entspreche. Wenn demjenigen Verhafteten die Entschädigung abgesprochen werden soll, der ,, gegen die guten Sitten verstoßen" hat, so führe man damit einen neuen Begriff, gegen den sich der Reichstag bei früheren Gelegenheiten entschieden gewehrt habe, in das Strafrecht ein. Redner bekämpfte weiter die Bestimmungen, wonach einem schon Vorbestraften der Entschädigungsanspruch lediglich der Vorstrafen halber aberkannt werden kann, und wonach für den Entschädigungsanspruch ein Gerichtsbeschluß auf Freisprechung oder Einstellung des Verfahrens Voraussegung sein soll. Nur wenn die Vorlage entsprechend ab= geändert würde, werde man sagen können, daß man es hier mit einem wirklichen Kulturfortschritt zu tun habe.( Beifall.) Der Abg. Groeber( 3entr.) begrüßt mit seinen Freunden die Vorlage mit Freuden, da sie einen erheblichen Fortschritt bedeutet, hat aber gegen Einzelheiten allerdings auch Bedenken. Die Unterscheidung zwischen voller Freisprechung wegen erwiesener Unschuld und Freisprechung ab instantia sei unhaltbar; aber diese Unhaltbarkeit werde sich freilich Teichter nachweisen lassen, wenn an der Unterscheidung wenigstens in bescheidenem Maße festgehalten werde. Nach weiterer unwesentlicher Debatte, in der Redner aller Parteien zu Wort kamen, wurde die Sigung auf morgen vertagi.
Aus den Parlamenten.
* Der Verband Fortschrittlicher Frauenvereine hat an den Reichstag das Ersuchen gerichtet. er möge den Zugang zu den höheren Stellen des Postdienstes durch Freigabe der Sekretärprüfung für weibliche Postbeamte unter den gleichen Bedingungen wie für männliche eröffnen. In der Begründung wird betont, daß in der Schweiz, in England, in den skandinavischen Staaten weibliche Vostsekretäre, Oberpostsekretäre, Postdirektoren, ja Ressortchefs ganzer Postver waltungszweige mit bestem Erfolge amtieren. Es sei daher kein Grund, den deutschen Frauen einen Beruf zu versperren, zu dem sie wohl geeignet wären.
Preufsifcher Landtag.
( 9. Sigung.)
Haus der Abgeordneten.
RK. Berlin, 3. Februar. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Lesung des landwirtschaftlichen Etats fort. Dazu lagen eine Reihe Anträge vor, so ein Antrag Herold, der der Polizei die Befugnis nehmen will, die Fleischbeschau auch auf Hausschlachtungen auszudehnen. Der Antrag Herold will eine Ausdehnung der Schau auf die Hausschlachtungen nur bei dringendem Bedürfnis gestatten. Nach einem weiteren Antrag Gamp sollen über dieses Bedürfnis die Landwirtschaftsfammern befragt werden. Ein Antrag Bartling fordert eine Einschränkung der Schau- Tätigkeit im besonderen für den Regierungsbezirk Wiesbaden.
An diese Anträge knüpfte sich eine lange Debatte. Von der linken Seite des Hauses wurden die Anträge scharf bekämpft, die Redner der Rechten und des Zentrums sprachen sich, zum Teil mit einigen Vorbehalten und anderen Wünschen, im großen ganzen für die Anträge ihrer Fraktionsgenossen aus. Als Gegner der Anträge bekannte sich auch der Landwirtschaftsminister v. Podbielski. Er wies darauf hin, wie große Erfolge die Trichinenschau bisher gehabt hat, und bat dringend, nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben. Einer staatlichen Schlachtviehversicherung, die ebenfalls vom Abg. Gamp beantragt wurde, kann der Minister feinen Geschmack abgewinnen. Bei der Abstimmung wurde indessen dieser Teil des Antrages Gamp sowie der ganze Antrag Herold mit großer Mehrheit angenommen. Dann begann die Debatte über die Ausgaben des Etats. Graf Kanitz leitete sie mit einer langen Rede über die Not der Landwirtschaft ein. Nachdem dann noch der Zentrumsabg. Graf Praschma in ähnlichem Sinne ge sprochen, vertagte sich das Haus.
Ein ,, edler Ritter".
Wien, 3. Februar. Die wahre, echte Ritterlichkeit scheint allen Dekadenceromanen zum Trotz doch noch nicht ausgestorben zu sein. Sie sucht sich allerdings wunderliche Vertreter. Wer hätte je gedacht, daß Herr Mattachich, f. f. Eroberleutnant, dessen Prozeß um die Herausgabe der Liebesbriefe, die einst Brinzessin Luise von Koburg ihm geschrieben, erst dieser Tage in unliebsamer Weise die Deffentlichkeit beschäftigte, ein solcher Ritter ohne Furcht und Tadel sein sollte. War doch die böse Welt schlecht genug, diesem Herrn, der wegen der bekannter Wechselfälschungsaffäre 3½ Jahre im Zuchthaus zugebracht hat, zuzutrauen, daß er nur deshalb sich wieder in den Besit
der Briefe have sezzen wonen, um sie in skandalöser Weist auszubeuten. Alles nichtswürdige Verleumdung, wie Heri Mattachich selbst und der muß es doch schließlich am bester wissen in der Vorrede zu seinem demnächst erscheinender „ Lebensroman" mit Emphase erklärt, von dem ein hiesige: Blatt in der Lage ist, bereits ein Kapitel zu veröffentlichen
Nein, Herr Mattachich ist alles andere, als ein Standal macher. Er veröffentlicht seinen Roman, der von Anfang bis zu Ende von seiner Liebesaffäre mit der Koburgerin handelt, nur, um der Prinzessin zu Hilfe zu kommen". Er will der durch Intriguen ins Frrenhaus Gebrachten" die Freiheit, das Leben bringen. Nebenbei, nur ganz neben bei, da ihn gegenüber der trostlosen Lage der einzig Geliebter sein eigenes Schicksal vollkommen gleichgültig läßt, will de edle Ritter sich von dem Vorwurf der Wechselfälschung be freien, die in ein tiefes Geheimnis gehüllt sei.
Um nun, wie es einem echten Ritter geziemt, die Ehre seiner Dame, der schönsten Frau, die er je im Leben ge schaut", recht rein zu waschen, erzählt er haarflein, wie ei mit ihr angebandelt hat, um schließlich in ein intimes Ver hältnis mit ihr zu treten, das äußerlich als das eines ,, Stall. meisters und Reitlehrers" bezeichnet wurde. Es konnte nich: ausbleiben, daß der Gatte der Prinzessin dahinter kam. Die Folge: ein Zweikampf, der am 18. Februar 1898, dem Geburtstag der Prinzessin, im Wiener Reitlehrinstitute zum Austrag fam. Zeugen des Prinzen von Koburg waren Minister v. Fejervary und Feldmarschallleutnant Graf Wurmbrand. Die Bedingungen des Duells waren folgende: Dreimaliger Kugelwechsel und, wenn keiner der Gegner verletzt wird, Fortsetzung mit den Säbeln bis zur Kampfunfähigkeit. Als ich", so erzählt Mattachich von zwei Offizieren meines Regiments begleitet, auf den Kampfplatz trat, fam Minister Fejervary auf mich zu und schlug mir vor, mich dem Prinzen vorstellen zu lassen. Ich war meinem Rivalen nie vorher begegnet. Aber ich weigerte mich und hatte mein Duell mit einem Gegner, dem ich nie vorgestellt worden war. Der Prinz zielte auf mich; ich feuerte in die Luft und, da ich nicht getroffen wurde, ergriffen wir die Säbel. Auch bei diesem Gange wünschte ich, ihn zu schonen. Während des Kampfes wechselte ich mit meinen Sekundanten einige Worte, und einer flüsterte mir zu:„ Gib ihm einen Streich!", und ich gab ihm einen auf den rechten Arm. Als der Kampf beendet, der Ehre Genüge geschehen war und der Prinz wußte, daß er nun wieder bei Hof empfangen werden könne, schieden wir. Vorerst aber kamen die Sefundanten des Prinzen auf mich zu und erkannten an, daß ich mich gentlemanlike benommen habe. Ich eilte fort, um die Prinzessin von dem Vorgefallenen zu verständigen. Die Depesche, die ich ihr sendete, hatte folgenden Wortlaut:„ Soeben habe ich ein Duell mit dem Prinzgemahl bestanden. Ich verlegte ihn. Aber seien Sie ohne Sorge, ich verwundete ihn nicht schwer." Einige Stunden später erhielt ich die Antwort:„ Dieser Geburtstag ist der schönste meines Lebens!"
Ueber den großen Krach, der durch die gemeinsame Wechselfälschung über die Prinzessin und ihn selbst hereinbrach, geht Mattachich ziemlich kurz hinweg. Die gemeinsame Flucht nach London erklärt er mit dem Vorhaben, die Königin Viktoria zur Hergabe einer größeren Summe Geldes zu bewegen. Schluß dieser wenig erfreulichen Episode für die Dame das Irrenhaus, für den getreuen Ritter der Kerker. Die Welt ist grausam und boshaft. Aber Mattachich hat das Vertrauen auf einen endlichen Sieg seiner guten Sache trotz aller bösen Erfahrungen nicht verloren und, wie es scheint, die Prinzessin auch nicht. Denn als es ihm gelang, sie nach fünf Jahren unsäglicher Leiden" bei einer Ausfahrt in Lindendorf bei Dresden, ihrem unfreiwilligen Aufenthalt, einen Augenblick zu sprechen, sagte sie mit Tränen in den Augen:„ Es gibt noch einen Gott!" Wer soll da nicht gerührt werden?
Schade, daß der„ edle Ritter" sich gleich am Schluß dieses ersten gefühlvollen Kapitels seiner Streitschrift für seine Dame eine recht empfindliche Blöße gibt. Er sagt nämlich: ,, Was ich benötige, um der Prinzessin auf gesetzlichem Wege ihre Freiheit zu verschaffen, ist einzig und allein- Geld. Es wundert mich außerordentlich, daß sich niemand findet mit entsprechender Menschen- und Gerechtigkeitsliebe, um die nötige Summe herzugeben." Daß Herrn Mattachich Geld nötig tut, weiß die Welt schon lange, daß aber sich jemand finden sollte, der ihm zu dem nötigen nervus rerum verhilft, ist kaum anzunehmen. Denn dazu wäre eine solche Portion Dummheit nötig, daß selbst die Kunden der spanischen Schaßgräber in Verlegenheit geraten würden, wo sie die hernehmen sollten.
Nab und Fern.
Die Laboratoriumpest in Kronstadt erloschen. Der Pestfall, den ein russischer Forscher infolge von Infizierung bei Arbeiten im Laboratorium des Forts Alexander I. bei Kronstadt zum Opfer fiel, hat entgegen den anfänglichen Befürchtungen feine weiteren verderblichen Folgen nach sich gezogen. Die unter Beobachtung Gestellten konnten sämtlich als gesund entlassen, das Fort für peſtfrei erklärt und der unterbrochene Verkehr mit Kronstadt wieder aufgenommen werden.
Zwölf Erdarbeiter getötet. Aus Laibach kommt die Kunde von einem entsetzlichen Unglück, dem zwölf Menschenleben zum Opfer fielen. Bei dem Wocheiner Bahnbau geriet bei einem Tunneleingang die Erdmasse ins Rutschen und begrub zahlreiche Arbeiter. Zwölf wurden von den schweren Erdmassen erdrückt.
† Massenerkrankung infolge von Bleivergiftung. Durc die ruchlose Handlungsweise gewinnsüchtiger Fabrikanten sind in den ungarischen Ortschaften Obrezsa Marga und Glumboka der Krasso- Szörenyer Komitate mehr als hunder Personen an Bleivergiftung erkrankt und mehrere gestorben. Die Branntweinbrenner hatten, um die Stärke des Brannt weins zu erhöhen und den Bereitungsprozeß abzukürzen, die Kessel inwendig mit Blei überzogen. Eine strenge Unter suchung ist eingeleitet worden.
Explosionskatastrophe. In der Schlüterschen Maschinenfabrik zu München ereignete sich ein folgenschwerer Unglücksfall. Ein Benzol- Saugmotor explodierte. Dabei wurde ein Arbeiter getötet, ein Ingenieur schwer und ein zweiter Arbeiter leicht verlegt.
Vulkanausbruch auf Java. Wie aus Batavia gemeldet wird, ist infolge eines großen Ausbruchs des Vulkans Merapi ein furchtbarer Regen von feuriger Asche niedergegangen wodurch zahlreiche Dörfer eingeäschert wurden und Häuſei eingestürzt sind. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt Die von einer Panik ergriffenen Einwohner flüchten zur Küste.
A Gin Justizirrtum, dessen Opfer 14 Jahre im Zuchthaus zugebracht hat, macht in London großes Aufsehen. Es han delt sich um eine Frau Maybrick, die 1889 wegen Giftmordes an ihrem Mann zum Tode verurteilt, dann aber zu lebens. länglichem Zuchthaus verurteilt wurde. Jezt soll sich die Behörde davon überzeugt haben, daß Frau Maybrick, die fortgesetzt ihre inschuld beteuerte, das Opfer eines Justizirrtums geworden sei. Ihre Freilassung soll bevorstehen.
Familientragödie. In Berlin versuchte die 30jährige Frau v. Seelemann sich und ihre Kinder durch Einatmen von Gas zu töten, nachdem ihr Gatte, Konstantin v. Seelemann, aus Nahrungssorgen seinem Leben durch einen Schuß in die Schläfe ein gewaltsames Ziel gesezt hatte. Die Kinder wurden, da Hilfe sofort zur Hand war, gleich vollkommen wieder hergestellt, während die Frau besinnungslos ins Krankenhaus geschafft wurde.
Aus dem Gerichtsfaal.
§ Ein moderner Doktor Eisenbart. Der Kurpfuscher Otterson aus Mainz, der drei Patienten derartig kuriert hatte, daß sie starben, wurde zu einem Jahre Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Otterson wurde sofort verhaftet.
§ 10 Monate unschuldig im Zuchthaus. Im Wiederaufnahmeverfahren wurde der Hamburger Kaufmann Bunners, der 1902 vom Lüneburger Landgericht wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu eindreivierteljähriger Zuchthausstrafe beurteilt worden war, freigesprochen. Er hat 10 Monate unschuldig im Zuchthause gesessen.
§ Sechs Wochen Gefängnis wegen einer Kirsche wurden dem Obstpächter Kolley in Zobten am Berge zudiftiert, weil er einem des Weges kommenden Radfahrer das Nad pfändete und dasselbe erst gegen Erlegung von drei Mark Strafe seinem Eigentümer wieder zurückgab. Das Gericht erblickte in dieser Handlungsweise den Tatbestand der Erpressung und erkannte auf die genannte empfindliche Strafe
Vermilchtes.
[ Eine Parade im Tschadseegebiet] schildert der Gouperneur von Kamerun v. Puttkamer in einem soeben veröffentlichten Brief folgendermaßen: Vor dem von mir be wohnten Stationshause zu Garcia erfolgte unter dem Kommande des Oberleutnants Sandrock Aufmarsch und Paradeaufstellung der Garnison, rechts 32 Reiter mit Lanzen und schwarz- weiß- roten Lanzenflaggen, auf dem rechten Flügel der Standartenträger auf einem großen, braunen Hengst, ein sehr stattlicher Anblick; links die Truppe zu Fuß. Auf dem freien Raum zwischen den beiden Truppenabteilungen die sämtlichen in der Steuerliste aufgeführten 68 Lamidos und Häuptlinge der Fellahneger, mit Ausnahme eines Erfrankten; in einiger Entfernung das sie begleitende Volk, mehrere Tausend. Ich trat mit meinen Begleitern auf die Veranda hinaus, wobei militärische Honneurs erwiesen wurden; sodann erfolgte die Begrüßung der Versammelten, welche sich erhoben und ihren Salam machten. Darauf lagerte sich alles nach mohammedanischer Sitte auf den Boden, wir nahmen auf Stühlen Play, und ich hielt mit Benutzung von zwei Dolmetschern( Haussa und Fullah) eine längere Ansprache.
[ ,, Engelhaft".] Ein Beamter sah kürzlich, so erzählt ein englisches Blatt, einen Gefangenen, der eine zahme Hatte hatte. Ah," sagte er, ich sehe, Sie haben ein Lieblingstier." Der Gefangene erwiderte:„ Ja, das hier ist eine Ratte. Ich füttere sie jeden Tag. Ich denke mehr an diese Ratte, als an irgend ein anderes lebendes Wesen." Beamter: ,, Ach ja, in jedem Menschen ist noch etwas von einem Engel geblieben, wenn man es nur herausfinden kann. Wie fanien Sie darauf, solch eine Liebe zu der Natte zu fassen?" Gefangener: Nun sie hat den Wärter gebissen!" A[ Eine Goldfischfarm] ist sicher noch eine Neuheit. Die Zucht dieser hübschen Tierchen scheint eben eine einträgliche Industrie werden zu wollen. William Shoup besitzt in Waldron, Indiania, die größte Goldfischfarm der Welt, die jährlich 80 000 Mark einbringt. Da die gewöhnliche Landwirtschaft nicht einträglich war, legte er einen Teich mit Gold. fischen an. Er fand, daß sie sich schnell vermehrten und sich gegenseitig verdrängten. Darum brachte er die besseren Exemplare auf den Markt, und da sich bald eine Nachfrage danach einstellte, beschloß er, den Fischen weiteren Raum zu gewähren. Nach einer oberflächlichen Schäßung hat er jetzt 150 000 Fische.
[ Den Arm aus dem Gelenk geredet] hat sich, wie aus Newyork berichtet wird, der Prediger Dr. Kaylor aus Pittsburg, der auf der Versammlung des Generalvereins der Presbyterianer in Newyork eine Ansprache hielt. Er beglei tete seine Worte mit energischen Gesten, wobei er seinen Arm in eigentümlicher Art senkrecht zu erheben pflegte. Als er diese Bewegung wieder einmal besonders kräftig ausführte, konnte er den Arm nicht wieder herablassen. Das Gelent versagte den Dienst. Die seltsame Haltung, die Dr. Kaylor infolgedessen annahm, erregte zuerst die Heiterkeit der Zuhörer, die sich nicht erklären konnten, warum der Redner die Geste eindringlicher Ermahnung dauernd beibehielt. Schließ lich rief Dr. Kaylor um Hilfe. Es wurde eine Ambulanz geholt, die den so seltsam Verunglückton ins Krankenhaus schaffte.
Warnung. Fremder( im Restaurant):„ Entschuldigen Sie, ist der Stuhl frei?" Herr:„ Dieser nicht, aber der andere da, neben meiner Schwiegermutter Kurage haben!"
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Kunft und Wiffenfchaft.
LC. Für die Kantfeier in Königsberg i. Pr., zu der der preußische Kultusminister mit seinen Räten, die Akademie der Wissenschaften in Berlin und eine Reihe hervorragender Kantforscher aus Deutschland und dem Auslande geladen sind, ist nunmehr das Programm in allen seinen Teilen festgesetzt worden. Am Vortage der Gedenkfeier, Donnerstag, 12. Februar, wird die Kantausstellung durch den Rector magnificus Professor Dr. Jeep in Anwesenheit des Universi tätslehrkörpers eröffnet werden. Außerdem ist ein Begrüßungsabend der Gäste in Aussicht genommen. Am 12. Februar( 100jähriger Todestag Immanuel Kants) findet der Festakt in der Aula der Universität statt. Darauf vereinigt sich der Lehrkörper mit seinen Gästen zu einem Mittagessen in der Palaestra Albertina. Am 13. Februar findet abends zur Erinnerung an Kant ein Kommers statt. Für die Kantuusstellung haben sämtliche Behörden und Privatleute Königsbergs die in ihrem Besiz befindlichen Kantreliquien zugesagt.
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