Nr. 3.
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es nicht in der Bibel: Wer viel geliebt hat,
Eine unbeabsichtigte Reklame.
dem soll auch viel vergeben werden?" ,, Und sie hat viel gelitten dazu," sagte Seelen, sich zärt Aus dem amerikanischen Zeitungsleben von R. Adams. lich zu seiner Frau beugend;„ wir haben gegenseitig manches ( Nachdruck verboten.) an einander gut zu machen."
Zieten flopste seinem Rittmeister gerührt mit der Hand auf die Schulter.
Bist ein braver Junge urd hast uns alle beschämt, denn auch ich habe an dir gezweifelt. Das verspreche ich dir aber: Troß des königlichen Zornes heute, soll der Lohn für deine Dienste dir doch nicht verloren gehen. Was dir versprochen ist, soll dir werden, da veríaß dich nur auf den alten Zieten."
Und wir," rief Favrat, mit Julia herantretend und Seelens Hände herzhaft drückend, wir werden nie vergessen, mas Sie für mich, für unsere Liebe getan haben. Hätten Sie uns nicht Ihre helfende Hand geliehen, und jenen Vastor in Nürnberg dazu vermocht, uns ohne den Konsens Seiner Majestät ehelich zu verbinden, des Königs Born hätte uns noch heute für alle Zeit getrennt."
Möge dieser Zorn auch jetzt ohne zu großen Sturmwind an euren Häuptern vorübergehen," mischte sich die Prinzessin ein..
Zieten hielt sein Wort, Seelen erhielt nicht allein mit cinem anerkennenden Schreiben aus dem Kabinett Seiner Majestät über seine Wirksamkeit in Ulm seine Beförderung zum Major, ſondern auch eine ansehnliche Gratifikation, die ihn mit seiner Familie für die nächste Zeit über alle Sorge hinweg hob. Anders mit Favrat. An ihm ging der Sturmwind des königlichen Zornes, nicht ohne viele seiner Wünsche und Hoffnungen zu vernichten, vorüber. Am ſelben Tage noch nach des Königs Besuch bei seiner Schwester gelang ein Kabinettsbefehl in die Hände Favrats, bis zum Anbruch des folgenden Tages Berlin mit seiner Gattin verlassen zu haben, und nicht eher die preußische Grenze wieder zu betreten, bis eine fönigliche Order tha zurückriefe. Dieser Befehl wurde gar einigermaßen terhißt durch eine außerordentliche Mission, mit der Favrat nad) Stonstantinopel an den dortigen preußischen Gesandten betraut wurde, immer hin aber hieß es für Julia Trennung von allem, was ihr lieb und teuer war, seitdem sie zu denken vermochte. Besonders schmerzlich wurde ihr der Abschied von ihrer geliebten Prinzessin, die, obwohl gleichfalls durch des Bruders Beschluß aufs härteste getroffen, jich doch bemühte, standhaft zu bleiben und in den Herzen der Scheidenden die Hoff nung auf eine nicht zu ferne Aussöhnung des Königs und Ridberufung aus dem Erile wach zu erhalten, eine Hoffnung, die sich freilich erst erfüllte, als nach sechs vollen Jahren aufs neue der Krieg ausbrach, der den verbannten Offizier wieder in die Reihen des Heeres aufnahm.
Als die jungen Ehegatten nachts im wirbelnden Schneesturm in einem rasch getauften Wagen mit Ertrapostpferden aus Berlin hinausfuhren, nahm Favrat sein junges, wei nendes Beib zärtlich in die Arme und drückte ihr schönes Haupt fest an die Brust.
Du arme, einzig Geliebte," seufzte er, was mußt du alles hingeben für deine Liebe? Heimat, Besitz, Freunde!" Sprich nicht davon," bat sie leise.„ Vertraue mir, daß dieses die letzten Tränen sind, die ich der Vergangenheit nachweine, die Tränen des Abschieds. Was ich auch hingegeben, mit dir fährt das Glück an meiner Seite. Id habe dich, Geliebter, ist das nicht Ersatz für alles? Und wie gering iſt jedes Opfer, das ich unserer Liebe bring, im Vergleich zu dem, das eine Edlere, Selbstlosere für dich gebracht, die, ach, so früh verflärte Elfriede!"
Unser Schußengel," flüsterte er bewegt, ihr Andenken wird segnend über unserem Bunde schweben. Sie ging dahin für unser Glück!"
,, Möchten wir uns eines so hohen Preises wert erweisen," fügte Julia hinzu, den Blick in stillem Gebet nach oben richtend.
Ein- und Ausfälle.
Von Menschen fern sein lange Zeit Berlangt wahrhaft'gen Sinn;
Der Tag ist lang, und Einsamkeit
Ist feine Schmeichlerin.
Du flagit dein Leid, und alle Welt nimmt teil; Doch echtes Mitgefühl wirst du verlieren. Was groß und heilig bietet man n cht feil; Du aber gehst mit deinem Echinerz hausieren.
Ueber die Verhältnisse der„ Daily Gazette" bin ich sehr genau orientiert ich fannte den alten Graham, der die Zeitung ins Leben gerufen hat und schon seit drei Jahren tot ist; ich bin mit dem jungen Harry Brittain, dem jetzt. die Zeitung gehört, befreundet, und auch sein Weibchen Adda Graham, die Tochter des alten Graham, die bei dem ganzen Personal nur unter dem Namen„ Addie" befannt war, tenne ich schon jahrelang. Harry war einer der schneidigsten Journalisten, der mir je vorgekommen ist. Durch einen geschicht abgefaßten Artikel über ein viel Aufsehen erregendes gesellschaftliches Vorkommnis, den er der„ Gazette" eins sandte, zog er die Aufmerksamkeit des alten Graham auf sich. Dieser forderte ihn auf, regelmäßig Beiträge zu liefern, und schließlich trat Brittain in die Redaktion der Zeitung ein. Und der neue Redakteur hatte keine eifrigere und begeistertere Leserin als Adda.
In Grahams Privatkomtoir hatten sich sich zufällig einmal gesehen, und die alte Geschichte, die sich im Leben schon so oft zugetragen hat, wiederholte sich auch hier wieder sie saben sich und liebten sich. Die Leitartikel imd Jeuilletons, die Horry ſchrieb, dienten ihm dazu, der Tochter seines Prinzipals Liebeserklärungen zu machen. Schrieb er eine Erzählung, so war zehn gegen eins zu wetten, daß der Name der Heldin„ Addie" war, oder zum mindesten mit einem„ A“ anfing. Und die Beschreibung, die er von ihr gab, entſprach auf das genaueste dem Aeußern seiner Flamme. Wenigstens wir auf der Redaktion konnten das deutlich zwischen den Zeilen lesen, und wie wir es konnten, so konnte es sicherlich Addie zu Hause auch. Nur der alte Graham
merkte nichts davon.
Der alte Herr war ein Witwer. Er war ein alter Brummbär, so einer, den unsere heutige Welt mit dem schönen Ausdrucke Efel" zu bezeichnen pflegt. Und ich gebe gern zu, daß dieser Ausdruck auf ihn paßte. Das Schimpfen und Raisonnieren war ihm zur zweiten Natur geworden, und der Mensch sollte noch geboren werden, der ihm was recht machen konnte.
Aber auch in seinem Herzen gab es eine zarte Stelle, und ich brauche wohl nicht erst zu sagen, für wen er Zärt
lichkeit empfand. Addie war sein einziges Sind und er vergötterte sie. Sie war sein Ein und Alles, und wenn er nachts nach Hause kam, so zog er, sozusagen, den Zeitungsmenschen aus und ließ ganz das Glück und die Anmut auf sich einwirken, mit der ihn die Nähe seines geliebten Kindes erfüllte.
Wie es weiter fam, fann man sich leicht denken. Harry Brittain ging zu dem alten Graham und erklärte ihn, daß er seine Tochter liebe. Ter alte Herr benahm sich bei dieser Angelegenheit sehr dummer entließ den jurgen Mann und seiner Tochter sagte er in dürren Worten, daß sie Harry nie wiedersehen dürfe. Ich fann ja seine Empfindunger recht gut begreifen. Harry schien ihm einmal nicht der Mann zu sein, wie er ihn sich für seine Tochter wünſchte, und andererseits wollte er sich auch nicht gern von seinem einzigen Kinde trennen.
Harry war ein Mensch, der genau wußte, mas er wollte, und er dachte gar nicht daran, das Mädchen, das er so aufrichtig liebte, so leichten Kauses aufzugeben. Er schrieb eine gewandte Feder und hoffte durch seine schriftstellerische Tätig feit um so eher das, was er brauchte, verdienen zu können, als er in literarischen Kreisen sehr bekannt und beliebt war. Scin plötzliches Ausscheiden aus der Redaktion der „ Daily Gazette" erregte zwar viel Aussehen und einige Klatschblätter vermuteten auch ganz richtig die Ursache, etwns sicheres darüber drang jedoch nicht in die Oeffentlichkeit. Der alte Graham war eine sehr einflußreiche und gefürchtete Persönlichkeit und aus Rücksicht auf ihn durften auch die Wissenden nicht allzuviel verlauten lassen.
Harry und Addie wurden ein Paar. Die Heirat fand gegen den Willen des alten Herrn statt, der jetzt von seiner Tochter nichts mehr wissen wollte. Ein Jahr, verging, in dem Vater und Tochter sich nicht saben. Für Harry waren trübe Zeiten gekommen, er schrieb nicht viel, und was er veröffentlichte, war nichts wert. Wir Leute von der Feder erkannten das, was er schrieb, an seinem Stile, der war ja noch immer derselbe, aber das Feuer, die Kraft, der Eifer, die seine früheren Arbeiten so sehr ausgezeichnet hatten,
waren
Wir wußten auch recht gut warum.
geschwunden. Er hatte Kummer und Sorge. Jede Zeile, die er schrieb, fiel ihm schwer. Das war ja auch kein Wunder, denn wer gut schreiben will, muß glücklich und frei sein. Und das war Harry nicht, und ich muß leider fürchten, daß auch seine Frau sich recht unglücklich fühlte.
Inzwischen wurde das Gesicht des alten Graham immer blasser und sein Haar immer weißer. Er liebte seine Tochter noch immer so sehr wie früher, vielleicht sogar noch mehr, aber er fühlte sich zu tief von ihr beleidigt, als daß er sich hätte mit ihr aussöhnen können. Warum hatte sie ihn verlassen? Er konnte es ihr nicht mehr glauben, daß sie jemals für ihn Liebe empfunden hatte, da sie es übers Herz bringen fonnte, gegen seinen Willen zu heiraten.
Damals war ich der zweite Redakteur der Gazette und zeichnete als verantwortlich für Zofales, Gericht 2c. Es war an einem Montage, und gerode an diesem Tage hatte ich erfahren, wo Harry und Addte wohnten. Es war mir mitgeteilt worden, daß sie in sehr traurigen Verhältnissen lebten und in Ellis Street ein paar ärmlich ausgestattete Zimmer inne hatten. Sie hatten Familie bekommen und sie hofften viel von der Zukunft, und diese Hoffnung machte sie glücklich, die Aeristen! Ich hatte mir vorgenommen, ihnen am nächsten Tage etwas anonymt zuzuschicken. Freilich ließ ich mir nicht träumen, was es sein würde, das ich ihnen am nächsten Tage sandte- nur ein winziges Exemplar der Gazette war es, aber was für ein Exemplar!
Montag Abend war es und wir wollten gerade mit der Dienstag- Zeitung in Truck gehen. Der alte Graham blieb immer so lange da, bis die Zeitung ausgedruckt war. Es war mir schon lange aufgefallen, wie nervös und aufgeregt er den ganzen Tag über sich zeigte. Ich erinnerte mich, daß es heut gerade ein Jahr war, daß ihn seine Tochter verlassen hatte, und das mochte ja vieles erklären.
Eben las ich die Korrektur des letzten Abzuges, als Hopkins, dem der Annoncenteil unterstellt war, in mein Zimmer kam und mich durch die Mitteilung, daß die ganze letzte Seite, auf der das Inserat von Harrisons Cocoa stand, zurückbleiben sollte.
,, Dafür soll nichts anderes kommen," erklärte Hopkins, ,, der Alte meint, er brauche die ganze Seite für sich selbst." ,, Allmächtiger Gott!" rief ich aus.„ Jetzt ist es fast elf, um eins gehen wir in Druck, und bis dahin könnten auch unserer zehn nicht genug Stoff schaffen, um die Seite zu füllen."
In diesem Augenblicke meldete mir der Redaktionsdiener, daß mich Herr Graham zu sprechen wünsche. Sofort begab ich mich nach seinem Privatfomptoir.
Mir voll ins Gesicht sehend, begann er in ernstem Tone: ,, Herr Langley, zu Ihnen besitze ich das vollste Vertrauen." Ich dankte durch eine Verbeugung.
Ist vielleicht jetzt noch Zeit, für die morgige Ausgabe etwa fünfzehn Worte faksimilieren zu lassen?"
Gewiß, Herr Graham," antwortete ich, das wird sich noch gut machen lassen."
Er überreichte mir sodann ein halbes Blatt Billetpapier, und in einem noch ernsteren Tone als vorher sagte er; d
Lesen Sie das jetzt noch nicht, Langley. Für das Inrecht, das wir getan, müssen wir den vollen Preis der Buße zahlen. Die ganze literarische Welt weiß, wie ich meinen Sohn und meine Tochter behandelt habe, und dementsprechend muß ich auch mein Benehmen einrichten. Langley, mir blutet das Herz, und ich sterbe vor Verlangen, mein Rind wiederzusehen mein Gewissen treibt mich, das Unrecht zu fühnen, das ich ihrem Manne zugefügt habe. In Ihrer Hand haben Sie den Tert für die ganze Seite. Lassen Sie, bitte, die Worte genau in meiner Handschrift faksimilieren und placieren Sie sie dann in die Mitte der Seite, damit Sie und jeder andere wissen mögen, daß es mir völliger Ernst ist."
Ich konnte nichts erwidern, schnell verließ ich das Zimmer und öffnete unterwegs das Blatt Papier. Vor Freude hätte ich laut aufjubeln mögen, denn ich liebte Harry und achtete seine Frau. Bald aber traten mir die Tränen in die Augen, denn folgendes stand auf dem Papier:
An meinen Sohn und meine Tochter! Kommt heut nach Haus, ich erwarte Euch. Euer Euch liebender Vater.
Ich rannte nach der Aeßerei und sah zu, wie diese foſtbaren Worte reproduziert wurden. Sobald das Klischee fertig war, eilte ich mit dem ersten Abzuge nach Herrn Gra
hams Zimmer. Der alte Mann weinte, und seine Tränen benetzten das Blatt. Ich war keines Wortes mächtig. Endlich endlich war es so weit, daß der Druck beginnen konnte. Ich sah, wie der alte Graham das Zimmer verließ; ich folgte ihm. Ich glaubte zu wissen, wo er hingehen wollte nach unten, in den Maschinensaal. Mit blassem und ängstlichem Gesicht wartete er, bis die große Maschine zu raſſeln anfangen würde, bis das reine, weiße Papier über die Lettern gleiten und am anderen Ende mit seiner Einladung herauskommen würde.
Endlich sekt sich die Maschine in Bewegung- das endlose Papier wird gepackt, durch die verschiedenen Teile der Maschine hindurchgezogen, und bedruckt kommt es als Zeitung wieder heraus. Voller Spannung griff der alte Herr nach dem ersten Exemplar, ich ebenso rasch nach dem zweiten. Schon war ich im Begriff, hinauszueilen, als er es aber bemerffe.
Wohin wollen Sie?" rief er mir zu.
Ich war schon auf der Treppe, als ich ihm antwortete: „ Ich will ihnen selbst die Zeitung bringen."
Es war jetzt halb drei Uhr; aber auch um diese späte Nachtstunde sind immer Drosten in Wall Street zu haben. Ich sprang in die erstbeste und rief dem Kutscher zu:
„ Ellis Street Nr. 4. Fahren Sie aber so rasch, wie die Pferde laufen können!"
Das kostbare Zeitungsblatt hielt ich in meiner Hand, und bei dem Scheine der Laterne las ich es immer und immer wieder. Endlich hatten wir Ellis Street Nr. 4 erreicht, und ich zog mit allen Kräften an der Klingel.
Eine Stimme, in der ich die von Harry Brittain erkannte, fragte zum Fenster heraus: Wer da?"
„ Harry, Harry, math calh auf, ich bin es, Fred Langley, mach rasch auf," rief aufgeregt. Rutscher, warten Sie."
Der Kutscher fatale 20 Sinuten. Als er weiterfuhr, saßen drei Persone in einen Wagen, der die Richtung nach der fünsten Avenue eingeing.
Das weitere it befannt. Während die kleine Notiz ein ungeheures Aufsehen erregte und das Publikum sich darüber den Kopf zerbrach, jaßen drei glückliche Menschen in einem Salon der fünften Avenue und feierten ein frohes Wiedersehen. Ich brauche wohl kaum noch zu erwähnen, daß die Abendzeitungen viel über das seltsame Inserat schrieben und die Sache sehr aufbauschten. Am nächsten Morgen wurden sie aber alle zum Schweigen gebracht. Wiederum hatte ich das Vergnügen, die Handschrift des alten Graham faksimilieren lassen zu dürfen, und in seinem überschwänglichen Glücke ließ er abermals die ganze Seite mit dem bezahlten Inserat von Harrisons Cocoa zurückbleiben. Dafür erschien auf der Mitte der Seite ein Klischee, das in seiner Handschrift folgende Worte enthielt:
Meiner gestrigen Aufforderung ist Folge geleistet woorden."
Innerhalb drei Tagen hatte sich aber der Absatz der Daily Gazette" ums Doppelte erhöht.
Poesie- Album.
Ich hör ein Lied. das tief ergreifend Zum Grunde meines Herzens dringt, Das, meiner Seele Saiten streifend, Aus jernen. fernen Tagen klingt. Und einen Namen hör' ich nennen Von Einer, die im Grabe ruht Die Flüsterlaute, faum zu trennen, Wenn niemand. ich versteh' sie gut.
Es blickt auf mich ein Bild hernieder,
Das sanfte Auge strahlt in Ruh'
Es blickt mich an und schwebt dann wieder Der unermesi'nen Ferne zu.
Mein Herz entlohte, kaum genesen, Als jene flog zu reinen Höh'n!
Es ist wohl nur ein Traum gewesen?
Wenn auch ein Traum, wie schön, wie schön!
( Aus dem Magharischen.),
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