Einzelbild herunterladen

et

r Neuesten

nen

thofftraße an

meiftbietend

öschungen

36 Uhr,

www ein Stumper ein, war doch

Origing! noch niel big anmutiger, als das wild! Cine Stille, sekundenlang, während der die junge Fünft­Mun Terin den fremden Störenfried mit scharfen Augen musterte. auf der Jagd ist schäbig chit! Und als ich dann als harmloser, preußischer Forstassessor mich entpuppte, schien jede Spur von Mißtrauen bald beseitigt, und sie mir auch zu glauben, daß meine Seele doch nicht so ganz ramponiert, als meine altehrwürdige Jagdbehauptung".

und wie sie zu erzählen wußte! Entzückend anmutig und So waren wir denn bald in angeregteftem Geplauder; natürlich, und doch mit einer Reserve, die sehr mit ihren energischen Heiratsabsichten kontrastierte. Wir glaubten uns bald hundert Jahre zu kennen und sprachen von allem Mög­lichen, auch ihrer Malerei und ihrer Skizze, die ich in voller Aufrichtigkeit bewunderte und dergestalt mit aufgeschnappten Fachausdrücken, plein air und Künstlernamen um mich warf, daß Ilse, ob meiner Tollkühnheit, mit Tränen in den Spur davon!" Augen, hell lachend intervenierte: Um Gottes willen, Herr Forstassessor! Halten Sie ein, Sie verstehen auch nicht die

Und ich ich stimmte mit in das herzliche Lachen ein. Doch schließlich mußten wir an Aufbruch denken. Und und um Erlaubnis bat, sie noch ein Stückchen Wegs be­als ich beim Zusammenpacken ihrer Sachen ihr behülflich war gleiten zu dürfen, erfuhr ich denn, daß ihr vor ein paar Tagen schon etwas recht, recht Unangenehmes widerfahren sei. Sie habe nämlich im Walde einen Brief geschrieben und auf dem Heimwege ihn aus der Mappe verloren; und schwunden. Ich fand das selbstverständlich höchst fatal und zog da obschon sie überall darnach gesucht, sei er spurlos doch ver­bei ein so bedauerliches und ein so unschuldiges Gesicht, daß ich trotz meines braunen Schnurrbartes mit einem Lilien­stengel in der Hand und weißen Flügeln an den Schultern hätte zwischen Wolfen plaziert werden können.

oder was von Vaterlandsverrat darin enthalten?" fragte ich mit tiefem Ernst. Es waren doch nicht etwa anarchistische Geheimnisse,

Sie lachte. Nein, das nun freilich nicht, aber aber so was ähnliches." Und ernsthaft fügte sie hinzu: ,, Auf jeden Fall ist mir der Verlust des Briefes höchst un­funden?!" angenehm. Wenn ich nur wüßte, wer ihn dort ge­

Radfahrer- Existenz," warf ich ein, die machen ja alle Welt Nun, jedenfalls irgend so eine windige, catilinarische in weiter Ferne sind." jetzt unsicher und wagen alles, weil sie heute hier und morgen

gewesen wär', das wär' doch nicht das Schlimmste!" er­Ach, wenn's nur wirklich so ein ganz, ganz Fremder widerte sie so recht beklommen, und damit schieden wir vor ihrem Dorfe, wohl beide in dem Gefühl, daß diese Begeg auch nicht. nung nicht die einzige bleiben würde. Und sie blieb's

nun doch zu Sinn. Ich hatte Ilse lieb gewonnen und wollte Aber so ein ganz klein wenig gewitterschwül wurde mir daher mit allen Mitteln, d. h. von ganzem Herzen um das reizende Mädchen werben, trotzdem sie keine Moneten winnen. baß es in unabsehbarer Zeit mir gelingen würde, sie zu ge­hatte, und ich glaubte auch zu der Hoffnung mich berechtigt,

sollte, die Herzensfeftung zu kapitulieren zwang, fiel von Doch ehe ich, und wenn es auch im Sturm geschehen der ihr in Berlin alliierten Macht voraussichtlich eine Bombe in das Lager, die möglicherweise im letzten Augenblick mir eine Wunde schlug, die mich für ewig kampfunfähig machte, bielleicht nie wieder heilte. Denn mein Verbrechen dann offen und ehrlich einzugestehen, das galt, bei meinem Rest von anständiger Gesinnung, mir doch als selbstverständlich.

Ja, der lose Streich war doch wohl etwas unüberlegt gewesen; denn Ilse, die Tochter eines verstorbenen höheren Militärs, besaß einen ganz allerliebsten, aber auch sehr un­Absolution zu rechnen war? bequemen Hochmut in gewissen Dingen. Ob da auf gnädige

Nun, zunächst flammerte ich mich denn, feige wie's dem Manne ziemt, an jeden Strohhalm an sofern man eine Masernerkrankung der Berliner Professorenkinder, von denen ich nicht mal mußte, ob sie eriſtierten, große Wäsche, Schnei­derei oder ähnliche Ereignisse, die eine Briefbeantwortungs­vergleichen kann. verzögerung zur Folge haben konnten, mit Strohhalmen ( Schluß folgt.)

nberg.

ni, Jult und

Lagen no und 5 Tage den Tagen Ausnahme

der Laden­

unverände

en der Läde

EINST UND JETZT

3.

zu lassen.

nämlig Mitt

Bur Geschichte des Diesens. Die Sitte, jemand beim Niesen mit einem treugemeinten Profit!", Gott helf!" oder Wohl bekomm's!" Glück zu wünschen, ist mit so vielen anderen ehrlichen Bräuchen unserer Vorfahren beseitigt, und es gilt für nicht fein", dieselbe heutzutage aus­zuüben. Sie gehört nachgerade der Geschichte an und muß es sich gefallen lassen, vom historischen Gesichtspunkt behandelt zu wer­den. Lange Zeit wurde ihr Gebrauch auf die Zeit Gregors I. zurückgeführt, wo im sechsten Jahrhundert, als die Beulenpest so verheerend in Italien wütete, Heftiges Niesen der von der Krank­heit Befallenen für ein sicheres Anzeichen des nahen Todes galt. Aber schon im Altertum war die Sitte, dem Niesenden Glück zu wünschen, allgemein bekannt und ausgeübt. Schon Aristoteles ge= denkt derselben in seinen Problemen", und der ältere Plinius erzählt in seiner Naturgeschichte( 28,5), daß der Kaiser Tiberius, weil es ihm gar sehr an Heil, Glück und Gesundheit fehlte, befahl, daß ihm, auch wenn er im Wagen fahrend niese, die Vorübergehen­den" Profit!" zurufen sollten. Apulejus berichtet in seinen Meta­morphosen eine sehr pikante kleine Anekdote. Die Frau eines Kleidermalkers hatte ihren Liebhaber bei sich, den sie bei der un­vermuteten Rückkehr ihres Gatten in einem großen Korbe versteckte, der, zum Schwefeln der Wäsche benutzt, sehr stark nach Schwefel roch. Als sie sich mit ihrem Mann in der Nähe des Korbes zu Tisch gesetzt hatte, fing der versteckte Geliebte, auf dessen Nase der penetrante Geruch wirkte, plötzlich heftig an zu niesen. Der gut­mütige Walker, im Glauben, seine Ehehälfte habe geniest, rief thr ein treuherziges Wohl bekomm's!" zu, das sie dankend erwiderte. Als Xenophon seine Soldaten fragte, ob sie sich lieber dem Feinde feig ergeben oder die erlittene Niederlage mutig rächen wollten, nieste einer derselben zufällig, und alle beugten sich vor dem so sich kund gebenden Gott". Auch Aristophanes in seinen Vögeln" bezeichnet das Niesen als eine göttliche Kundgebung, und Sokrates war der Ansicht, daß sein innerer Genius, sein ,, Dämon", glückver­kündend auf die Nase wirke. Noch heutzutage gilt das Niesen als ein Zeichen der Bekräftigung der Wahrheit eines Worts, und der Ausdruck ,, er muß es beniesen" ist noch überall in Deutschland im Gebrauch. Als die Spanier in Florida eindrangen, sahen sie mil Erstaunen, daß, so oft der Herrscher des Landes zu nieſen geruhte, alle gegenwärtigen Indianer sich vor ihm beugten und die Arme flehend nach der Sonne ausstreďten. Aus den hier kurz angeführten

historischen Tatsachen ist zu entnehmen, wie alt die Mode des Glückwunsches beim Niesen ist, und daß die Annahme, dieselbe

stamme erst aus dem sechsten Jahrhundert der christlichen Zeit­rechnung, auf einem Irrtum beruht.

*

Ein kaltblütiger Redner. Der amerikanische Staatsmann van Buren wurde bei einem Meeting, als er eine Rede beginnen wollte, sehr mißliebig empfangen. Man pfiff, zischte, heulte und grunzte. Er blieb dennoch, ohne eine Miene zu verziehen, auf der Tribüne, bis die Leute sich vollkommen ausgetobt hatten. Dann knöpfte er den Rock zu und entfernte sich mit den kaltblütigen Worten: Nun seid ihr jedenfalls um eine famose Rede gekommen."

"

Der Verfasser der Flegeljahre", Jean Paul, saß in einer Gesellschaft neben einer jungen Dame, der er infolge augenblic licher übellauniger Stimmung ſehr wenig Aufmerksamkeit schenkte. Die Dame war eine begeisterte Verehrerin seiner Werke, kannte ihn aber persönlich nicht. Da wurde plötzlich seine Gesundheit aus. gebracht, und lebhaft ergriffen wandte sich die Dame nun mit den Worten an ihn: Wie, Sie sind wirklich der Mann, dessen Werlen ich die erhabensten Stunden verdanke?"- Beschämt füßte ihr Jean Paul die Hand und sagte: Ja, ich bin der Verfasser der Flegel­gegeben." jahre", aus denen ich Ihnen vorhin einige Proben zum Besten

"

Wikige Entgegnung. Im siebenjährigen Kriege erschienen die Franzosen unter dem Prinzen Xaver von Sachsen vor Göttingen, um die Stadt zu belagern. Zugleich schickte der Prinz einen Boten, dem man seitens der Belagerten frei Geleit zugestanden, an den Rektor der Universität, den wißigen Professor Kästner, mit der Ersuchen, für die Uebergabe der Stadt zu wirken, da solche sonst ausgehungert werde. Kästner ließ antworten, er habe keine Ver. anlassung, sich in diese Angelegenheit zu mischen, da das Sache der Besayung sei; was aber das Aushungern anbelange, so könne diese Drohung ihn nicht schrecken, da er ja fünf Jahre lang außers ordentlicher Professor in Leipzig gewesen sei und dort das Hungern aus dem Fundameni gelernt habe.

ur Mitte der

Straßen und

+

tr. feuchenfre

ens 7 1hr a

denden Martt

ünberg.

Str. 98

Dienstag, den 3. Mai.

Gießen.

g.

Set Meidun

1904.

Oberbessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

ber

Gießener Neueste Nachrichten.

Band and Bezleg bor Olebener Berlag@ bruderet, vorm. DiH. Koller'ſée Sutbruderet( gegs. 1783); and:[ b

( 7. Fortschung.)

Iwan der Schreckliche.

Original- Roman von Hans Hoffmann.

erste Pflicht, der guten Freundin Mitteilung zu machen von Als er zu Hause angekommen war, empfand er es als seine dem glücklichen Ausgang des gefürchteten Abenteuers. Gewiß, es war Pflicht; freilich war er nie im Leben so wenig gestimmt gewesen, Pflichten zu erfüllen. Es muß doch auch sich selbst, ganz dem Genuß des eigenen Empfindens leben Stunden geben, da man, vom Druck aller Pflchten gelöst, ganz tann! Pflicht und immer nur Pflicht! Welcher Mensch könnte beständig solchen Druck ertragen! Auch Stunden reiner Freiheit braucht der Geist nach ernſtem Zwang den Blicken zu träumen. auch die Freiheit, von schönen schwarzen Augen und rühren­

Einige Stunden lang machte er Gebrauch von dieser selbstgeschenkten Freiheit; dann überkam ihn doch eine Emp­den Frauen seinen Besuch zu machen. würdigsten Freundschaft ihr Recht zu schmälern. Er ging, findung wie Reue. Es war doch nicht schön, der liebens­

Helene schaute ihm mit einem bangen Blick entgegen. Fräulein Alma Gruber ist, wie es scheint, verleumdet wor­" Ihre Sorge war unnötig," sagte er etwas gezwungen, Sanftmut felbst!" den. Sie ist nach meiner Erfahrung die Bescheidenheit und

rätin. ,, Sie sind ein Tausendkünstler!" rief die Frau Rechnungs­Aber Sie glauben nicht, wie mich das freut, ver­hofft=" ehrter Herr Doktor, daß Sie auch diesen unartigen Backfisch in Respekt sezen konnten; ich hätte es wirklich kaum ge­

Es mußte irgend etwas in den Worten der harmlosen Gesicht. Dame sein, das ihm nicht behagte; er machte ein verlegenes

Helene bemerkte es und ſagte mit leichtem Spott:

,, Also wieder ein Diamant, welcher nur des rechten Schleifers harrte! Wenn ich aber nur erst ganz sicher wäre, daß der glückliche Schliff wirkliche Dauer hätte! Verzeihen Mädchen!" Sie mir den Zweifel- ich kenne die junge Dame von früher - auch ihre Eltern übrigens in der Tat ein sehr hübsches

mir zeigte, wird von Dauer sein, ich weiß es," sagte Belling Die liebenswürdige Gesinnung, welche Fräulein Gruber bestimmt, beinahe scharf. Wenn Sie den rührenden Blick gesehen hätten! Sie ist offenbar falsch behandelt worden anmutige Seele nennen." sie ist von Hause aus eine schöne Natur ich möchte sie eine

Blick und sagte ganz leise: Es klang eine mühsam gedämpfte Begeisterung durch seine Worte. Helene sah ihm scheu ins Gesicht, senkte den

Es wird wohl so sein."

Dann ward sie auffallend schweigsam. Die Frau Rech­nungsrätin redete an ihrer Statt zwar ziemlich viel, doch es erschien dem Mathematiker recht reizlos und gleichgültig. nicht verstanden zu werden. Er hatte zum erstenmal das Gefühl, von diesen beiden Frauen

" Es ist wohl ein unbewußtes und leicht verzeihliches Ge­,, Wie könnten sie sonst so kühl und ungerecht urteilen?" fühl des Neides gegen jenes bevorzugte Wesen!" dachte er.

Der Gedanke schien jedoch sogleich ihm selbst sonderbar.

( Nachdruck verboten.) Was hatte Helene denn eigentlich an jenem kleinen Back­fisch" zu beneiden? Richtig, das Wort Backfisch im Munde nur gleich? der alten Dame hatte ihn geärgert. Das war es. Warum

Zum erstenmal unterzog er Helenens Erscheinung einer bewußten Musterung. Und zum erstenmal fiel es ihm auf, daß sie wirklich schön zu nennen war. Ihr Profil, das sie ihm eben zugewendet hielt, war so ebenmäßig vornehm wie ihre hohe Gestalt; nirgends an ihrer ganzen Person machte sich irgend eine Einzelheit hervorstechend bemerkbar; es gingen alle Teile so edel und rein zusammen, daß ihre Schönheit dadurch alles Blendende verlor und für ein unachtsames Auge auch wohl gar nicht zum Bewußtsein drang, sondern nur in der Stille mild erfreuend wirkte wie ein verschämter bleibt. Wohltäter, dessen Taten jeder sieht, dessen Name verborgen

Es ist wahr, daß Gotthold Belling sich dieses Geständnis fast unwillig machte und den Wert desselben sogleich durch die mathematisierende Behauptung einschränkte, diese Art Schönheit habe etwas Negatives an sich, es sei gewissermaßen nur eine Nichthäßlichkeit, eines positiven starken Reizes doch eigentlich ermangelnd, während nun ja, er wußte, wo solcher Reiz zu finden war.

Die gute Stimmung wollte nicht wiederkommen. Auch als er gegangen war, blieben die beiden Frauen schweigsam. Plößlich, nach einem sehr langen Nachdenken, seufzte Helene: aufzugehen!" Es gibt nichts Süßeres, als ganz in dem Glück anderer

Aber, Helene, was redest du wieder für Zeug!" rief die Mutter entrüstet; so wenig will uns oft eine anerkannte Lebenswahrheit in ihrer besonderen Anwendung gefallen.

Von da an blieb die Freundschaft leise abgekühlt, die Brücke des vollen Vertrauens war abgebrochen, Gotthold fühlte keinen inneren Beruf mehr, Helene von rührenden Blicken einer anderen jungen Dame oder sonstigen päda­gegischen Triumphen zu erzählen.

Diese Triumphe aber erlitten feine Einbuße; Almas Umkehr war eine vollständige. Zwischen ihr und dem ge­samten Lehrerpersonal herrschte fortan unumwölfter Friede; seit der symbolischen Hinrichtung desselben war ihr Groll ge­schwunden, denn ein edler Mensch haßt nicht über das Grab hinaus. Sie sah vor allem mit Verachtung auf ihre vorigen Kindereien herab, denn der Tag von Damaskus hatte ihr als reifste Frucht die stille Einsicht gebracht, daß sie fein Kind mehr sei, daß es also auch kein ausfüllender Lebenszweck mehr für sie sein könne, ihre Lehrer zu ärgern, sondern daß sie vielmehr allen Ernstes darauf zu denken habe, durch schöne Gewänder und Haartrachten, sowie auch durch gesittete Ge­berden die Herzen der anderen Zeitgenossen zu erfreuen. Nur durch eine Untugend setzte sie noch zuweilen ihre Um­gebung in Schrecken: durch ihre Leidenschaft, die Mathe­matik in alle anderen Wissenschaften einzumischen und über alle zu erhöhen. So kränkte sie den Historiker durch die Erfindung eines Herrn Cosinus von Medici, rechnete das Quadrat der Hypotenuse zu den christlichen Symbolen des pythagoräischen Konzils, sprach in der Literaturstunde nur