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wenigstens erschien es, als ob sich die amerikanischen department stores, was gute und schnelle Bedienung anbelangt, mit unseren großen deutschen Geschäften nicht messen können. Aufsichtspersonen, sogenannte floorwalkers, geben dem Käufer Aufschluß, in welchem Teil des Gebäudes ein bestimmter Artikel zu finden ist, sorgen zugleich für die Aufrechterhaltung der Ordnung, und haben ein wachsames Auge auf Ladendiebe, von denen diese Etablissements oft empfindlich gebrandschazzt werden.
Bemerkenswert ist die dem Publikum gezeigte Kulanz. Jeder gekaufte Artikel, die oben erwähnten bargains ausgenommen, wird bereitwilligst umgetauscht, während jeder Einkauf, sei er auch noch so klein, bereitwilligst in das Haus des Käufers gesandt wird. Welchen Umfang die Geschäfte eines derartigen Etablissements haben, geht daraus hervor, daß zu dem Versand der gekauften Gegenstände fünfzig delivery- wagons notwendig und allein die Registrierung und Verpackung der Pakete in der Expedition zehn Angestellten Beschäftigung giebt.
Selbstverständlich steht auch König Reklame bei den department stores in hohem Ansehen. Speziell die Zeitungsreklame wird im allergrößten Maßstab betrieben. So zum Beispiel inseriert ein department store in Philadelphia tagtäglich in fünf der großen Philadelphia Zeitungen; er gebraucht für seine Inserate je die ganze letzte Seite, welche übrigens am fostspieligsten ist. So teuer auch diese Zeitungsreklamen zu stehen kommen die Insertionskosten dürften 10 000 Mark pro Tag recht nahe kommen- so sind diese enormen Ausgaben zweifellos durch den Erfolg gerechtfertigt. Für die Damen der Stadt der Bruderliebe ist es eben jeden Morgen die letzte Seite der Zeitung nach Gelegenzu einer selbstverständlichen Gewohnheit geworden, sich heitskäufen" anzusehen. Eine ausgedehnte Reklame betreiben die department stores in den nahe gelegenen, kleinen Städten, sowohl durch Inserate, als auch durch postars" in der Nähe der Bahnlinie. Der Kleinstädter fährt gerne nach der Stadt und macht seine Einkäufe im department store, wenn er überzeugt ist, daß er dort ebenso gut oder besser und bedeutend billiger einkaufen kann als daheim. Hierher gehören auch die großen Spezialausstellungen, besonders zur Ostern- und Weihnachtszeit, veranstalten und welche eine wirkliche Sehenswürdigkeit sind.
Unser Besuch im department store hat mehrere Stunden in Anspruch genommen; wir verabschieden uns von unserem liebenswürdigen Führer und verlassen den großartigen Warenpalast, dessen Besichtigung uns amerikanischen Unternehmungsgeist so deutlich vor Augen geführt hat.
Der Erfolg, welchen die amerikanischen department stores zweifellos zu verzeichnen haben, beruht auf mancherlei Gründen, deren hauptsächlichster wohl der sein dürfte, daß sie alle mit einem großen Kapital arbeiten und ihre Einfäufe bar bezahlen; ein System, welches es ihnen ermöglicht, dem Publikum äußerst preiswürdige Kaufgelegenheit zu offerieren. Ein anderer Grund sind die Bequemlichkeiten, welche sie dem Publikum bieten. Der Amerikaner, für den Zeit Geld bedeutet, und der trotz allem Hasten nach dem allmächtigen Dollar ein großer Freund von Bequemlichkeit ist, weiß es wohl zu schätzen, wenn er seine Einkäufe in einem Geschäft abmachen kann, anstatt in einem Dußend Läden umherrennen zu müssen.
Der department store ist jedoch, um auch auf seine Schattenseiten einzugehen, eine schwere Gefahr für den Kleinen Kaufmann, und schon seit Jahren wogt ein erbitterter Kampf über die department store- Frage. Man hat es, vergebens, mit erhöhter Besteuerung versucht; eine andere Handhabe, ihm beizukommen, hat sich bis jetzt noch nicht gefunden und wird wohl auch schwer zu finden sein.
Die Berechtigung dieses Kampfes gegen den department store muß, vom wirtschaftlichen Standpunkte aus, anerkannt werden, daß aber das große Publikum demselben Interesse entgegenbringt und seine Bequemlichkeiten anerArgument die hohen Dividenden, welche die department fennt, beweisen und dies ist ein gutes, kaufmännisches store- Gesellschaften ihren Aktionären halbjährlich zu zahlen im stande sind.
2)
FELD UND FLUR L
Im Lenzeswehen.
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Der Lenz ist erwacht vergessen ist des harten Winters bittre Not. Vor wenigen Wochen noch waren Feld und Wald in eine starre, weiße Decke eingehüllt; Lampe benagte hungernd die zarten Stämmchen im Pflanzgarten; das Rebhuhn scharrte mit munden Tritten nach färglich verstreuten Samer= körnchen; seine sonstige Scheu vergessend wagte sich das Reh die Läufe schweißten stark von den Einschnitten der scharfen Eistruste bis dicht an die menschlichen Wohnungen heran, um gierig das von mitleidigen Händen ausgestreute Lupinenheu anzunehmen. Dann kam die warme Frühlingssonne; die gewaltigen Schneemassen schmolzen hinweg, neue Gefahr für das arme Getier draußen in Wald und Feld erzeugend: was glücklich Hunger und Kälte überstanden hatte, sah plötzlich unermeßliche Fluten in wilder Haft die Gefilde überstürzen. Aber auch die Wasser verzogen sich nach und nach, zartes Grün sproßte aus der befruchteten Erde hervor, Blätter knospeten, und mit verschwenderischer Fülle übergoß die Lenzessonne Baum und Strauch mit ihrem Blütensegen. Jetzt klingt ein Jubilieren, Zwitschern aus üppig wucherndem Gezweig hervor. Verklungen ist das bald lockende, bald herausfordernde kirr- heck, kirr- heck des Rebhahns: das warme Nest ist gebaut, und fleißig bebrütet das Huhn die fünfzehn, in schöner Ordnung rings im Nest aufgebauten braungelben Gier. Der glockenartige Flötenruf des Pirols übertönt das hundertfältige Stimmengewirr all der kleinen gefiederten Sänger, die Liebeslust und Lebensfreude aus grünem Blätterwerk in die warme Frühlingslust hinausschmettern. Droben in den dichtbelaubten Baumkronen hascht sich ein Eichkätzchenpaar in neckischem Spiel, und drunten äst das scheue Reh in saftigem Waldesrasen, die zartesten Spizen und wohlschmeckendsten Kräuter naschend. Und wer möchte es euch wohl verdenken, ihr lieblichen Geschöpfe unter deutschen Waldungen, wenn ihr es euch wohl sein laßt und das Leben genießt? Wie lange noch, so hallt es in den Dickungen wieder von Hörnerruf und Büchsenknall, und entgeht ihr dem tötlichen Blei des Jägers, so steht wieder ein Schreckgespenst vor euch: der hungerbringende Winter!
Ein Künstler unter den Vögeln ist der sogenannte Schneidervogel( Orthotomus), der in ganz Indien lebt, soweit irgend Bäume vorhanden sind. Der Schneidervogel weiß nicht nur zuzuschneiden und zu nähen, sondern er kann auch spinnen und weben, indem er rohe Baumwollfasern für seine Zwecke in richtige Fäden zu weben vermag. Mit diesen Fäden näht er seine Nester, und zwar bedient er sich zum Zeug des nächstliegenden Materials, nämlich der Baumblätter. Aus ihnen verfertigt er einen Sack, indem er die Blattränder mit so schönen Stichen zusammennäht, wie sie irgend ein Schneider oder eine Näherin nicht besser machen könnte. In die Höhlung baut er dann das Nest für seine Jungen. Selbstverständlich sucht er sich als Wohnort Pflanzen mit recht großen und kräftigen Blättern aus.
Der Hausfrau Frühlingsspaziergang. Das angenehme mit bem nüßlichen verbinden kann man so recht bei einem Spaziergange an schönen Frühlingstagen! Mit Vergnügen pflückt die sparsame Hausfrau und groß und klein hilft emsig die ganzen Blättchen von Löwenzahn, Sauerampfer, Schafgarbe, Zichorie und Melde, um sie am folgenden Tage als angenehmes erstes Frühlingsgemüse aufzutischen. Man verliest die Blätter sorgsam, wäscht sie und kocht sie im offenen Topfe mit Salzwasser weich; Sauerampfer und Löwenzahn am besten für sich. Dann hackt man das Gemüse, läßt Butter zergehen, fügt etwas Salz, geriebene Muskatnuß und geriebene Semmel hinzu und tut das Gemüse hinein. Nachdem es heiß geworden, gibt man noch 1 Liter gute Milch hinzu. Auf erwärmter Schüssel richtet man das Gemüse erhöht an und besteckt es mit gerösteten Semmelstreifen. Führt der Spaziergang in den Wald, so versäume man nicht, Waldmeister zu sammeln. Man trocknet ihn sorgfältig und füllt ihn mit feinem Zucker schichtweise in ein weites Einmache glas, welches man mit Pergamentpapier luftdicht verschließt. Auf 300 Gramm getrockneten Waldmeister rechnet man ein Kilogramm Zucker. Beim Gebrauch nimmt man nur den Zucker, der das Aroma des Waldmeisters völlig angenommen, löst ihn in Wasser auf und setzt Rheinwein zu. Wenigstens in materieller Hinsicht kann man sich so den lieblichen Mai mitten im Winter hervorzaubern.
Nr. 73.
Samstag, den 2. April.
1904
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
2nd and Beslag ber Glebener Berlagsbruderet, vorm. Duh. Keller'fe Budbrudsret( gegz. 1788); zetwerk
(( 2. Fortsetzung.)
Gewissensqualen.
Kriminal- Roman von Robert Buchanan.
Raum hatte ich es beendet, als mit einem heftigen Ruck der Wagen still stand. Ich sprang auf und sah nach vorne. Der Wagen vor uns war ebenfalls stehen geblieben, ja noch mehr, die Dame war ausgestiegen und stand jetzt mitten auf dem Wege. Es war ein ganz einsamer Play, und so weit das Auge reichte, war keine Spur einer menschlichen Wohnung oder ein anderes Lebenszeichen zu entdecken.
Aber wie groß wurde erst meine Verwunderung im nächsten Augenblicke, als ich sah, wie die geheimnisvolle Dame zum Gebete niederkniete und ihr Gesicht mit den Händen bedeckte. Auch mein Kutscher, der sie aufmerksam beobachtet hatte, nahm jetzt ehrfurchtsvoll den Hut ab.
Was ist denn das?" sagte ich leise zu ihm.„ Ich glaube gar, sie betet."
" Jawohl, Herr! Das arme, gnädige Fräulein!" Aber was bedeutet denn das? Warum kniet sie dort nieder?"
Bst, sprechen Sie leise!" rief mir der Mann zu.„ Vor fünf Wochen haben sie ihren Vater- Gott hab' ihn selig da tot aufgefunden, und um die Stelle zu bezeichnen, wo er ſtarb, haben sie zu ſeinem Andenken dort jenen Steinhaufen errichtet."
„ Aber wie ging das zu?" fragte ich weiter.„ Er ist wohl berunglückt?"
„ Nein, Euer Gnaden; ganz gewiß ist er nicht verunglückt, er ist erschossen und ermordet worden. Straf' ihn Gott, der es getan hat."
„ Ermordet? Der Vater der jungen Dame, sagen Sie?" " Ja, leider Gottes, und er war ein so feiner, offener, freimütiger Herr mit solch gutem Herzen und stets offener Hand! Ich erinnere mich jener Nacht noch ganz genau, denn mit demselben Gaul wie heute kam ich gerade vom Kilsyther Jahrmarkte nach Hause gefahren. Dort standen eine Menge Leute, und als ich von Bock springe, um zu sehen, was da los ist, liegt der Herr tot da. Es war eine finstere Nacht, Euer Gnaden, die Burschen hatten aber aus Reisern Fackeln gemacht und leuchteten damit über das Gesicht des Herrn. Na, niemand wußte so recht, was man mit ihm anfangen sollte, als gerade der Herr Doktor Mulligan vorbeigefahren fam. Als er hörte, was los war, drängte er sich durch die Menge und sah sich den Herrn an. Kerls, meinte er, er ist mausetot; ein Schurke hat ihn ins Herz getroffen. Wir müssen aufs Schloß gehen und Fräulein die böse Nachricht des Doktors Wagen, der aufs Schloß fuhr, und von dem bringen. Na, sie nahmen die Leiche auf und hoben sie auf jetzt gesehen haben." Lage an ist das arme Fräulein so gebrochen, wie Sie sie
Diese Erzählung erweckte meine volle Teilnahme, ich war mächtig bewegt und wollte mich gerade nach Einzelheiten erkundigen, als die Dame mit einem lauten Seufzer sich erhob und wieder in ihren Wagen stieg, auf dem ihr Bedienter unbedeckten Hauptes saß. Sie hatte nicht nach uns hingeblickt und schien es ganz vergessen zu haben, daß es außer ihrem Kummer noch etwas anderes auf der Welt gab.
( Nachdruck verboten.
Ihr Wagen fuhr nun rasch weiter, und auf meinen Wink folgte ihm mein Seutscher. An eine Fortsetzung der Unterhaltung war nicht mehr zu denken, denn der Weg wurde noch schlechter als bisher, dazu brach die Nacht rasch herein, und ein feiner Nebel, der mehr durchdrang, als wenn es heftig geregnet hätte, verschleierte die Landschaft. Ich wickelte mich in meinen Mantel, zog mir meine Reisemüße über die Ohren und suchte vergebens die Finsternis zu durchdringen, die uns, einer Wolke gleich, umhüllte. Nichts war zu sehen, und nur das Rasseln der Räder und ab und zu das Knallen der Peitsche gaben von dem Wagen vor uns Kunde.
So ging es eine Strecke weiter, der Weg wurde immer holperiger und die Finsternis noch dichter. In meinem Wagen zurückgelehnt, dachte ich über das Gehörte nach, als plötzlich der Wagen hielt und der Kutscher sich zu mir wandte: ,, Da sind wir, Euer Gnaden!"
Wo sind wir?" fragte ich.
,, Nun, in Mylrea, Herr! Können Sie dort das Licht erkennen? Das sind die Fenster vom Craigschlosse, und das Geräusch, das man hört, kommt von der See, die fast bis zum Tore des Schlosses reicht."
,, Wohnt dort das Fräulein Craig?"
" Jawohl, Herr, und seitdem der Herr tot ist, ganz allein; nur ein paar Knechte und Mägde sind bei ihr."
,, Wissen Sie vielleicht hier ein gutes Wirtshaus, in dem man ein Unterkommen für die Nacht finden könnte?"
„ Ein Wirtshaus? In ganz Mylrea gibt's kein Wirtshaus. Um ein Wirtshaus zu finden, müßten wir bis nach Kilsyth fahren, und das sind zehn Meilen von hier." Was sollen wir denn dann tun?"
„ Soll ich vielleicht Euer Gnaden zurückfahren?" ,, Nein, ich denke nicht," gab ich zur Antwort. Gibt es denn im ganzen Orte kein Haus, in dem man übernachten könnte?"
,, Nein, Herr! Ich hatte bestimmt geglaubt, daß ich Euer Gnaden nach dem Schlosse fahren sollte, und dort würde ich für meinen Gaul auch Unterkommen und Futter bis morgen gefunden haben."
So in die Enge getrieben, mußte ich bekennen, daß ich vom Schlosse ebensowenig als von seiner Besizerin kannte und daß ich mir unter feinen Umständen erlauben dürfte, dort vorzusprechen und um ein Obdach zu bitten. Es schien mir daher nichts übrig zu bleiben, als wieder zurückzufahren; das Pferd war aber so heruntergekommen und sah wie sein Herr so müde aus, daß es sich erst etwas ausruhen mußte.
,, Da giebt es nur einen Ausweg, Euer Gnaden", meinte schließlich der Kutscher. Ich will aufs Schloß fahren und dort im Stall meinen Gaul eine Stunde lang einstellen; sie werden ihm dort schon eine Mezze Hafer und eine Handvoll Heu geben."
,, Aber die Herrin... das Fräulein Craig?"
Na, was die anbetrifft, so gehe ich jede Wette ein, daß Miß Ellen niemals weder Menschen noch Vieh ein Unterkommen verweigern wird. Als der Herr noch lehte, bielt er stets offenes Haus."
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