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r. 78.

Erstes Blatt.

bonnement8prets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

fanttobetingen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Coifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Samstag, den 2. April 1904.

Gießener

13. Jahrgang.

Jasertionspreis: Die einspaltige Betttzelle für ganz hefsen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft to Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen, Seltersweg e Fernsprechanschluk Nr. 362.

Neueste Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weßlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Biterpfalm.

' un feiert vom Werfel des Alltags Gel Tun bannt es aus Sinnen und Herzen! Und von der Sonne der Liebe gefüßt Laßt flammen die Freudenkerzen! Wir haben gerungen mit schwieliger Hand, Jm Werktagsstaube geschmachtet: Tun laßt uns verlassen den leeren Tand, un laßt uns zünden den Opferbrand, Und der Liebe, die lang' wir verachtet, Die ans Kreuz wir geschlagen in frevelndem Wahn, Gekrönt mit Dornengewinden:

Wir geben uns heute ihr untertan,

Auf daß Erlösung wir finden! Und der Liebe, die lang' wir verspottet, verhöhnt: Geeint und versöhnt

Erschließen wir heute die Herzen! Und wie im jungfröhlichen Märzen Der Lenz mit allmächtigem Werdeton Durch die Lande ruft, der Sonnensohn,

Und die Welt im Auferstehungsgefang Jhm zujauchzt, daß nun die Kette zersprang, Die der Winter ihr wand um die Glieder: Also auch wieder

Werfen wir heute weit auf, weit auf Der Seele Pforten: zu hauf nun, zu hauf Sammelt euch, Lichtgedanken!

Jungblühender Liebe Osterpracht,

Jm Flammen und Gluten zum Leben erwachi Nach bleischwer lastender Winternacht, Eweile die Müden und Kranken!

Und wenn wir gebangt, gezagt und geklagt, Die Seele zerrissen von Schmerzen Wir wissen es alle: Es tagt, es tagt, Und in lichtgrünem Gekränz' Wandelt der heilige Österlenz Heut durch die Lande und Herzen!

-

Huferftehn..

Desterliche Laien predigt für jedermann.

Die Osterglocken tönen. Festlich und feierlich kündet ihr shall vom stolzen Dome der prunkenden Stadt wie vom inzigen Kirchlein des entlegenen Gebirgsdorfes die Auf­tebung des gefreuzigten Erlösers. Wie ein Siegeshymnus urbraust Orgelflang das Gotteshaus, immer mächtiger schwellend das Halleluja der Gläubigen. Und draußen lbt sich über die verjüngte Erde ein wunderbarer Himmel; ein Evangelium voll heiterer Schönheit liegt die Natur Herz und Augen aufgeschlagen. Das ist ein Drängen, nofipen, Blühen, Singen, empor zum Licht; das ist ein mungsvolles Weben, ein wonniges Erglühen, ein freu­ges Aufstreben; die Täler grünen, bräutlich hold geschmückt, Berge leuchten und flammen wie Altäre der Größe Wenn die Kirche ihr höchstes Jest feiert, was ist dein enten und Empfinden, o Christ? Weckt der Osterglocken eriklang in deiner Seele die weltentrückte Andacht, den brünstigen Aufschwung zu deinem Gott und Erlöser? Mit gefumpffen Sinnen, Zweifel und eitler Weltlust im Her­halb aus Neugierde, halb aus Gewohnheit, tritt gar mcher in die Kirche, deren Dämmerlicht sein Gemüt kaum hr mit frommem Schauer erfüllt und zur Sammlung Selbstprüfung stimmt. Er hört die Worte der Schrift, ihn ergreift das Mysterium der Auferstehung, die Ver­iring der edelsten Menschenliebe nicht mehr mit solcher gewalt, daß sein ganzes Wesen davon erschüttert und zu­ich geläutert und erhoben würde.

ott es.

Und wenn die Natur zu wonnesamem Leben erwacht- ist dein Denken und Empfinden, o Mensch? Wenn Frühling wie ein strahlender Held des Lichtes sich er­bt und mit Wunderkraft die Erde durchdringt und tausend­tberschönt, jubelt es in dir auch so jugendfrisch mit dem ang der Lerche in den blauen Aether hinauf, und erfüllt all das holde, keusche Blühen mit innigem Entzücken? reibt es dich hinaus aus der dumpfen Luft in den freien ottees odem, mit seligem Herzen zu lauschen und zu schauen, e Höhen hinan, anbetenden Geistes oben zu stehen, trunken on Schönheit und Wahrheit? Wie arm bist du geworden, du reicher, stolzer Kultur­tensch! Du empfindest solche Regungen nicht mehr. Dein eifti rinat raftlos mit den Geistern, die er aerufen, un­

fundig des rechten Zaubermortes; dein Verstand ist auf das nüßliche, auf Gewinn, Genuß und eitle Ehre gerichtet; der Natur bist du entfremdet. Wohl forschest du nach ihren Ge­setzen und machst sie deinen Zwecken dienstbar, aber du hast die naive, reine Freude an ihr verloren; sie ist dir ein wissen­schaftliches Objekt geworden, das du unter das Mikroskop legst, das du berechnest und bestimmt bis ins kleinste Teil­chen aber du hältst es unter deiner Würde, Schönheiten göttlicher Art an der Natur zu sehen.

Und kannst du nicht mehr in der Kirche zu deinem Gotte beten, fromm und innig wie der Glaube sein soll, so bete in Gottes herrlicher Schöpfung: fühle ihn im Glanz und Jubel des Morgens, im hehren Schweigen der Nacht, im Wehen des Waldes, im Rauschen des Meeres! Glaube an die ewige Liebe, die die Menschheit erhält und erlöset; bade die Schwingen deines Geistes in ihrem heiligen Lichte und freue dich auch stillbeglückt des lieblichen, wonnigen Lebens, das um dich sich tausendfältig regt.

Der Wahrheit zuzustreben in reiner Begeisterung; die Schönheit und das Evangelium der Liebe im Herzen zu nähren als beseligende Gottesflamme das ist die Auf­erstehung des wahren Menschentums.

Der Krieg in Oftafien.

Die Japaner lassen sich von ihrem Plan, die Einfahrt des Hafens von Port Arthur durch Brander zu sperren, durch das Fehlschlagen der ersten beiden Versuche nicht ab= schrecken. Sie haben eine Anzahl von alten Handelsdampfern aufgekauft, die der Reihe nach versenkt werden sollen.

Admiral Togo soll von dem endlichen Gelingen dieses Planes überzeugt und der eigentliche Urheber desselben sein. Aus London wird dazu gemeldet:

Die japanische Regierung hat 28 alte Handels­dampfer gekauft, die sie zur Blockierung des Hafenein­ganges von Port Arthur herrichten ließ. Admiral Togo gedenkt die Versuche fortzusetzen, jedesmal mit sechs alten Dampfern.

Explosion in einem japanischen Kriegshafen.

Aus Nagasaki wird gemeldet, daß in dem japanischen Kriegshafen Sassebo eine Sektion des Pulvermagazins in die Luft geflogen und total zerstört ist. Die Ursache ist un­bekannt; vier Mann wurden getötet und fünf verwundet. Die Nachrichten von

Unruhen in Korea

werden bestätigt und durch neue Einzelheiten ergänzt. 500 entlassene koreanische Soldaten erregten in der Umgegend bon Phongjang einen Aufstand. Die Prophezeiung, daß im Mai die herrschende Dynastie gestürzt werden wird, ermutigt die Tonghaks zur Verschwörung. Sie haben bereits ver­tündet, daß die Handflächen ihrer Anhänger gezeichnet wer­den sollen, und daß diejenigen, die das Zeichen nicht hätten, wie alle Fremden ermordet werden würden. Söul ist mit falschem koeranischen Gelde überflutet. Die eingeborenen Geldleute sind ruiniert.

Die Politik.

Von einem Anschlag auf das Leben Kaiser Wilhelms während seines Besuchs in Neapel erzählt das Giornale d'Italia. Das Blatt will wissen, das italienische Ministerium des Inneren habe einen telegraphischen Haftbefehl gegen einen Anarchisten Arturo Pretti aus Venedig erlassen, der an einem angeblichen Komplott gegen Kaiser Wilhelm beteiligt sein soll.. Die Nachricht läßt sich natürlich von hier aus nicht auf ihre Richtigkeit kontrollieren. Auch an Berliner amtlichen Stellen ist davon nichts bekannt.

Neue unerfreuliche Botschaften kommen aus unseren Kolonien in der Südsee. Nach über Sidney eingegangenen Telegrammen des Gouverneurs von Neu- Guinea, Hahl, ist der australische Schooner ,, Will" auf den Admiralitäts= inseln von den Eingeborenen genommen werden. Die Besagung wurde zum Teil getötet. Europäer sind nicht darunter. Die Bestrafung erfolgt durch S. M. S. ,, Condor". Ferner ist auf der Durourinsel, im Norden von Kaiser Wilhelmsland, die Station der Firma Hernsheim u. Co. überfallen worden, wobei der Händler Reimers und zwei Chinesen getötet wur­den. Eine Straferpedition wird nach Rückkehr des Gouverne­mentsdampfers Seestern", der sich augenblicklich Dockens wegen in Hongkong befindet, erfolgen.

Die in verschiedenen Blättern aufgebauschte Meldung, die leitenden Kolonialkreise planten eine neue Verstärkung der südwestafrikanischen Schutztruppe, trifft, wie unser Berliner CB- Mitarbeiter aus amtlicher Quelle hört, nicht zu. Vor­bedingung der Entsendung weiterer Truppen wäre, daß der Gouverneur eine solche Entsendung forderte. Das ist bisher nicht geschehen. Ob später vielleicht infolge der unaus­bleiblichen Verluste durch das Klima und die Malaria weitere Verstärkungen sich nötig erweisen werden, läßt sich heute natürlich noch nicht übersehen. Recht unerfreuliche

Meldungen kommen aus der Kolonie über die Beschaffenheit die für die Schutztruppe angekauften argentinischen Pferde. Sie sollen ganz roh und wild und unzugeritten, also vor­läufig noch nicht gebrauchsfähig sein. Man hofft trotzdem, daß die allgemeine Offensive von den dem Obersten Dürr unterstellten Truppen und der Abteilung v. Estorff nach Ablauf der ersten Aprilwoche beginnen wird, und zwar rechnet man dabei auf die Bewährung der nach der Kolonie geschaffenen deutschen Pferde. Es sind dies die fleinen, zottigen litauischen und masurischen Pferdchen, die besonders widerstandsfähig und äußerst genügsam sind. Die Tiere wurden direkt von den ländlichen Besitzern erstanden und mit 300 bis 500 Mark per Stück bezahlt. Auch vier Mutterstuten sind auf Wunsch des Gouverneurs Leutwein mit­gesandt worden; es sollen hiermit Zuchtversuche in den Kolo­nien angestellt werden. Erwähnt sei noch, daß heute oder morgen auf dem Dampfer Aleronder Woermann" in Ham­burg 450 aus Deutsch- Südwestafrika gerettete Frauen und Kinder eintreffen. 40 000 Mark werden ihnen als freiwillige Liebesgaben überwiesen.

Die erste Beförderung eines Volksschullehrers zum Reserveoffizier ist soeben in 3ittau erfolgt: Der Bezirks­schullehrer Fritsch in Dresden wurde vom Offizierkorps des Landwehrbezirks Dresden I zum Nerveoffizier des in Zittau garnisonierenden Infanterieregiments Nr. 102 gewählt und vom König bestätigt.

*

* Die wasserwirtschaftlichen Vorlagen, die nach Ostern dem preußischen Landtage zugehen, werden insgesamt 600 bis 700 Millionen Kosten fordern. Die erste Beratung der Vorlagen soll in die Etatsberatung eingeschoben werden.

Sehr interessante und erfreuliche Daten bringt der eben erschienene Jahresbericht des Deutschen Flottenvereins für 1903. Die Kassenrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 541 497,12 Mark. Nach dem Voranschlag für 1904 werden die laufenden Ausgaben durch die laufenden Ein­nahmen gedeckt, so daß zum Jahresschluß ein Betriebsfonds bon 68 711,54 Mark verbleibt. Außerdem verfügt der Ver­ein über ein Vermögen von 278 597,98 Mark. Die Mitgliederzahl des Deutschen Flottenvereins betrug am 1. Januar 1904 633 000 Köpfe; die Zahl der Geschäftsstellen ist um 150, auf 3595, gestiegen. Nachdem auch für Sachsen­Meiningen und Schwarzburg- Rudolstadt Landesverbände ge­gründet sind, ist das Organisationsnet in ganz Deutschland zum Abschluß gebracht.

Italien.

Windersame Mären verbreiten Wiener uno nad ihnen deutsche Sensationsblätter über den politischen Zwed der Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Viktor Emanuel. Sie versichern, bei dieser Monarchenbegegnung hätten die österreichisch- italienischen Interessengegensätze in der Balkanfrage im Vordergrunde der Besprechung gestanden. Der Kaiser sei bemüht, eine Beilegung dieser Gegensätze anzubahnen, was ihm auch gelungen sei. Ein gemeinsamer Vorschlag Kaiser Wilhelms und Viktor Ema­nuels sei dem Kaiser Franz Josef übermittelt worden, und man hoffe auf Beilegung der Differenzen. An dieser Mel­dung, die wahrscheinlich zu so und so vielen hochweisen Leit­artikeln auch in der deutschen Presse Veranlassung geben wird, ist, wie uns unser Berliner CB.- Mitarbeiter nach Er­fundigungen an zuständiger Stelle mitteilt, mindestens nicht wahr, daß die beiden Monarchen ihrem Wiener Verbündeten irgend welche Vorschläge wegen Regelung der österreichisch­italienischen Beziehungen auf dem Balkan gemacht haben. Eine andere österreichisch- italienische Angelegenheit wird zur Zeit in Rom eifrig erörtert. Der bevorstehende Besuch des Präsidenten Loubet am italienischen Hofe und die Tat­sache, daß dieses Oberhaupt des überwiegend katholischen Frankreich dem Papste bei dieser Gelegenheit keinen Besuch abstattet, bringt die Frage des Besuchs Kaiser Franz Josefs in Rom wieder aufs Tapet. Dieser Besuch, den nicht nur der römische Hof, sondern auch das italienische Volk als eine Anerkennung der Ereignisse von 1866 und 1870 wünschen, ist bisher aus Rücksicht auf den Papst unterblieben. Man hoffte, daß der Besuch Loubets, der den Papst nicht begrüßt, den Kaiser Franz Josef veranlassen würde, auch seinerseits Loubets Beispiel nachzukommen. Indessen hat der Wiener Hof keinen Zweifel darüber gelassen, daß eine Romreise des Kaisers Franz Josef so lange nicht stattfinden fönnte, als sein Besuch im Quirinal vom Papste als eine persönliche Verlegung angesehen würde. Das sei aber noch immer der Fall. So dürfte denn an einen Besuch Kaiser Franz Josefs in der ewigen Stadt nicht zu denken sein.

Heer und flotte.

Ueber die Neubesekung des Kommandos der 3. Armee­inspektion, das durch den Tod Waldersees erledigt ist, tauchte eine Kombination auf, die als Nachfolger Waldersees den am 1. April in den Ruhestand tretenden bisherigen Kom­mandeur des 11. Armeekorps General v. Wittich bezeichnet. Wie uns hierzu aus Berlin zuverlässig mitgeteilt wird, ist ein Entschluß des Kaisers über die Neubesetzung dieses Postens bisher noch nicht erfolgt, und wird höchstwahrschein­lich in den nächsten zwei Jahren nicht erfolgen. Das Gerücht

fchweres Leid erfahren hatte.

tung, alles gab Kunde davon, daß sie in

weinte Gesicht, die schwarze Kreppkleidung

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wiefen die Biige um den Mund bereits Festigkeit und Ent­

ihr Aeußeres zeugte von feiner fonnte höchstens neunzehn oder zwanzig abre alt sein, und Ab und zu warf ich einen verstohlenen Blid auf fie. Ben sie machte, be­

Pflege. Trotz des findlichen Eindiehung und sorgfältiger

fehen. Buerst sah ich nach vorn. Braunen war jetzt zu sehen und bewegte sich in einem ziem­fo schüttelte, konnte ich mich auch etwas in der Gegend um­her regelmäkigen Tembo bormärts, indeffen, mich auf meinent sit zu behaupten, und als der Wagen hinaus in den Schmuß zu fallen. Es glückte min ball wäre, und ich mußte mich festhalten, um nicht aus der seinen Lauf etwas mäßigte und der Wagen nicht mehr Der Wagen mit den beiden Seine

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Sobald sie solche kennen lernt. und die sich doch von ihr entfernt, Amerikanische Department- Stores. An die sie bisher noch gar nicht gedacht,

junges Mädchen besitzt eine Macht,

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einem Nebenraum Vortrefflichkeit, ganz amerifonisch zu den bom bis reizendsten Kunstwerken chinesischer Herkunft. Porzellanman zu den Erzeugnissen berühmter europäischer en eller au würdigen weiß: Geschirre vom einfachen irde­ſtand nicheren Zweck und Bedeutung der männliche Unver­in das energeschoß, adelt liegt: Tiegel, Pfannen, Kochtöpfe und sonstige schöne

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